Thema: Onlinejournalismus

 

Alle 23 Artikel zum Thema Onlinejournalismus auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Image- und Qualitätsproblem:
Niemand mag TechCrunch

Für viele internationale Beobachter gilt TechCrunch als erste Anlaufstelle für Neuigkeiten aus der Internetbranche. Doch besonders in seiner Heimat Kalifornien leidet das zu AOL gehörende Blog unter einem erheblichen Imageproblem.

TechCrunchEigentlich lasse ich es hier in San Francisco relativ ruhig angehen und versuche in erster Linie, die allgemeine Stimmung einzufangen. Immerhin gilt es, meine täglichen Arbeitsaufgaben zu erledigen. Zudem wird die hiesige Internetbranche von nationalen und internationalen Medien derartig intensiv bewacht, dass es wenig sinnvoll ist, bei den einschlägigen Startups und Webgiganten vorstellig zu werden, um dann von ihren PR-Abteilungen zu erfahren, was alle schon wissen. Gerne hätte ich allerdings ein Interview mit Jan Koum geführt. Doch der Chef des populären Smartphone-Messengers WhatsApp macht seinem Ruf, pressescheu zu sein, alle Ehre. Meine Interviewanfragen blieben unbeantwortet. Ohnehin hat er in den letzten Jahren meines Wissens nach Pressevertretern kaum mehr als fünf Audienzen gegeben, insofern bin ich nicht überrascht.

Anstelle von “offiziellen” Besuchen bei Webfirmen habe ich aber eine Reihe von interessanten, eher informellen Gesprächen mit lokalen Akteuren und Entrepreneuren geführt – sowohl deutschstämmige, die sich in der Region niedergelassen haben, als auch Einheimische. Jedes Mal, wenn es ans Erklären ging, was netzwertig.com darstellt, antwortete ich aus Bequemlichkeitsgründen und im Wissen der allgemeinen Bekanntheit von TechCrunch, dass es sich um eine Art deutsches TechCrunch handele, nur mit einer deutlich geringeren Artikelanzahl und weniger Fokus auf Meldungen zu Finanzierungsrunden. Doch ausnahmslos folgte vom jeweiligen Gesprächspartner daraufhin ein abwertender Kommentar über das bekannte kalifornische Techblog. » weiterlesen

Journalismus in der Klemme:
Der schwierige Umgang mit eiligen Meldungen

Das Boston-Attentat hat die Diskussion um Qualitätsjournalismus und Social Media neu entflammt. Als Reaktion ist mit Retwact ein Tool entstanden, mit dem man Falschaussagen auf Twitter korrigieren kann. Doch das grundsätzliche Problem lässt sich mit Werkzeugen allein nicht beheben.

EilmeldungenDer Tech-Journalist Mat Hohan vom Wired Magazin war einer von vielen Autoren, die ihre übereilten und emotionalen öffentlichen Reaktionen kurz nach dem Boston-Attentat im Nachhinein bereuten: Er hatte einen Tweet von Matthiew Keys verbreitet, in dem ein Student fälschlicherweise als zweiter Attentäter identifiziert wurde. Matthiew Keys war nicht irgendwer, sondern der Deputy Social-Media-Editor der Nachrichten-Agentur Thomson Reuters. Die Betonung liegt auf war, denn Reuters hat Keys am 22. April aufgrund seiner Social-Media-Aktionen gefeuert. Einen Tag später veröffentlichte Honan eine Entschuldigung für seinen übereilten Retweetet auf Wired und mahnte ein neues Feature für Twitter an, mit dem sich Falschaussagen korrigieren lassen.

Twitter ist diesem Wunsch bislang nicht nachgekommen, wohl aber der Software Entwickler Stonly Baptiste, der innerhalb von 48 Stunden das Tool Retwact aufgesetzt hat. Retwact hilft dabei, Twitter-User über eine Korrektur zu benachrichtigen, wenn sie einen falschen Tweet per Retweet verbreitet haben. Dazu findet Retwact von einem Account die letzten fünf Tweets mit Retweets und ermöglicht dem Account-Inhaber, eine Mention mit einem Korrekturhinweis an die letzten 100 Retweeter zu verschicken. Über einen Link in der Mention werden die Empfänger auf eine Landingpage geleitet, auf der der Ursprungs-Tweet mit der Korrektur gegenüberstellt wird. Darüber steht die Bitte, die Korrektur zu verbreiten und so die Desinformation möglichst unschädlich zu machen. Die Idee ist zwar relativ simpel, allerdings wurde der Account zumindest kurzfristig von Twitter suspendiert, da das Versenden von massenhaften gleichlautenden Mentions gegen die Terms of Services von Twitter verstößt.  » weiterlesen

Startups auf der Suche nach Kapital:
Der Crowdinvesting-Boom fordert die Presse heraus

Über Crowdinvesting Geld von Privatanlegern einzusammeln, liegt bei vielen Startups im Trend. Oft machen die betreffenden Unternehmen im Vorfeld kräftig PR. Doch gehört die Sicherung des finanziellen Wohls der Firmen sowie das Bereitstellen von Anlagetipps nicht zu den Aufgaben von Journalisten.

Das Karlsruher Startup Honestly sorgt gerade mit der “größten Crowdinvesting-Aktion aller Zeiten” für Aufmerksamkeit. Nachdem der badische Spezialist für Kundenfeedback über Smartphones im August 2012 100.000 Euro per Crowdinvesting eingesammelt hat, sollen Privatinvestoren ab dem morgigen Donnerstag die bisher für ein Unternehmen in Deutschland einmalige Summe von 400.000 Euro zusammenbringen. Abgewickelt wird die Kampagne wie beim letzten Mal über den Dresdner Dienst Seedmatch. Was genau Honestly macht, könnt ihr in unserem Review aus dem vergangenen Jahr nachlesen.

Angesichts der Tatsache, dass die mit der Finanzierungsrunde im Sommer 2012 angestrebten 100.000 Euro in weniger als drei Stunden zusammenkamen, und auch aufgrund eines solide wirkenden Geschäftsmodelles im derzeit als besonders attraktiv geltenden B2B-Segment, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Honestly-Macher Sven Bläse, Mateo Freudenthal, Pascal Klein, Sebastian Wenzel und Philipp von Limburg auch bei ihrer zweiten Crowdinvesting-Aktion die Fundingschwelle von 100.000 Euro erreichen und vielleicht auch am Maximalziel von 400.000 Euro kratzen. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, informiert das Startup seit einigen Tagen die Presse über das bevorstehende “Event”. » weiterlesen

Medienwandel:
Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist

Online-Journalisten waren lange Zeit die Schmuddelkinder ihres Berufsstandes. Es wird Zeit, dass sich diese Wahrnehmung ändert. Denn nirgends kann man seine journalistische Leidenschaft so sehr ausleben wie im Internet.

Seit 1994 verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Journalist. Seitdem ich 1997 auf das Internet gestoßen bin, hat es mich nicht mehr losgelassen. Damals hatte ich mir gerade nach jahrelanger Arbeit als Praktikant und Pauschalist bei einer Lokalzeitung das Volontariat verdient. Aber mir war klar, dass im Lokaljournalismus nicht meine Zukunft liegen würde. Es war bereits zu sehen, wie die Redaktionen immer weiter eingedampft wurden. Das Internet aber war noch vollkommen unerschlossenes Land.

15 Jahre später schreibe ich nun diesen Beitrag. Und es ist erstaunlich, dass ein Plädoyer für den Beruf des Online-Journalisten überhaupt notwendig scheint. Denn für mich ist es die großartigste Form, diesen Beruf auszuüben. » weiterlesen

Journalismus im Netz:
Social-Media-Interaktion ist Kür, nicht Pflicht

In Onlineredaktionen aller Größen sind die Ressourcen oft knapp, was Prioritätensetzungen erforderlich macht. Wie bei der Frage, wie viel Zeit in die Interaktion in sozialen Medien investiert werden soll.

Die perfekte Redaktion eines Onlineverlags sieht in etwa so aus: Unzählige hochmotivierte Autoren, Multimedia-Experten, Designer und auch journalistisch beschlagene Programmierer arbeiten ohne überdurchschnittlichen Quotendruck Seite an Seite mit einem personell gut ausgestattete Community-Management- und Social-Media-Team. Letzteres widmet sich der Moderation von Kommentardiskussionen, bespielt Twitter, Facebook, Google+, YouTube, Instagram und andere Kanäle mit Content rund um die produzierten Inhalte, interagiert mit Lesern und sorgt dafür, dass ihre Vorschläge, Hinweise und Kritikpunkte in effizienter Form die Verantwortlichen innerhalb der Redaktion erreichen.

Doch traditionell begrenzte Ressourcen haben zur Folge, dass in den meisten Ländern nur eine Handvoll Redaktionen überhaupt in die Nähe eines solchen Traumzustands kommt. Für die Mehrzahl – von Fachblogs über spezialisierte Nachrichtenportale bis hin zu inhaltlich breiter aufgestellten Verlagen – gilt es deshalb, bei der Aufgabenverteilung Prioritäten zu setzen. Mittlerweile vertrete ich diesbezüglich mehr denn je den Standpunkt: Sind die Mittel knapp, ziehe ich sowohl als Redakteur als auch Konsument grundsätzlich das Produzieren von qualitativem journalistischen Content dem fleißigen Community Management vor. » weiterlesen

Demnächst bei den führenden Nachrichtensites:
Mehr externe Links – Hans Michael Strepp sei Dank

Die führenden Nachrichtenangebote geizen nicht nur mit Links zu Blogs, sondern auch mit Verweisen untereinander. Doch nun gibt es Anzeichen für einen Sinneswandel. Indirekt mitverantwortlich: der wegen der ZDF-Affäre zurückgetretene CSU-Pressesprecher Hans Michael Strepp.

Im Prinzip seit dem Bestehen der Blogosphäre beklagen sich Blogger in regelmäßigen Abständen berechtigterweise darüber, dass sie von den Mainstreammedien nicht oder nur selten verlinkt werden (klassisches Beispiel). In letzter Zeit hört man entsprechende Beschwerden nicht mehr ganz so oft, da die führenden Nachrichtenangebote – von Zeit Online bis Spiegel Online, von Sueddeutsche.de bis FAZ.net – in variierendem Maße tatsächlich damit begonnen haben, auf Blogbeiträge zu verlinken, sofern sie sich redaktionell an deren Inhalten und Diskussionen bedienen. Selbst wenn noch immer sehr viel weniger auf externe Angebot verlinkt wird, als dies im Sinne des Dienstes für die Leser eigentlich erforderlich wäre. [Nachtrag] Domenika Ahlrichs, stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online, unterstreicht per Twitter, dass man “seit Jahren extern verlinke”. Allgemein nimmt die Pubikation aus Hamburg häufiger eine Vorreiter- und Vorbildrolle ein, was Journalismus im Netz angeht, insofern verwundert die größere Linkbereitschaft nicht [Nachtrag Ende].

Doch nicht nur Autoren von Blogs stören sich daran, wenn von ihnen angeregte Debatten oder an die Öffentlichkeit gebrachte Sachverhalte von den diese aufgreifenden Verlagsangeboten nicht durch einen Verweis gewürdigt werden – sondern auch die Redakteure der bekannten Nachrichtensites. Das, was unter dem Begriff “Linkgeiz” bekannt wurde, betraf und betrifft längst nicht nur Blogs, sondern auch die Onlineangebote der Zeitungen. Aus der völlig unbegründeten Angst heraus, Seitenaufrufe und Leser zu verlieren, verzichten sie nur allzu gerne darauf, einen Verweis zur Konkurrenz zu setzen, die eine bestimmte Neuigkeit zuerst veröffentlichen konnte.

» weiterlesen

Pressearbeit von Startups:
Wie Sperrfristen ihre
Glaubwürdigkeit verlieren

Viele Startups und Internetfirmen setzen für eine koordinierte Medienberichterstattung auf Sperrfristen. Doch dieses für Redakteure eigentlich praktische PR-Instrument verliert sukzessive an Glaubwürdigkeit.

Zur gestrigen Neuigkeit aus dem Hause Rdio gab es eine Sperrfrist: Um vorab die Informationen zum neuen “Artist Program” des kalifornischen On-Demand-Dienstes zu erhalten, mussten wir zusagen, den Artikel nicht vor 9:30 Uhr am Dienstag zu publizieren. Derartige Embargos zum Ziele der zeitgesteuerten, konzentrierten Presseberichterstattung sind umstritten – und werden in manchen Fällen auch durch die technologische Entwicklung ausgehebelt.

Wir haben aber grundsätzlich nichts gegen Sperrfristen, sofern sie angemessen erscheinen. Immerhin erlauben sie es uns, genug Zeit in die Aufbereitung einer Story und Recherche rund um einen Sachverhalt zu investieren, anstatt in Eile einen Artikel zusammenschustern zu müssen. Soweit die Theorie. Leider häufen sich die Fälle, in denen Embargos sich im Nachhinein als hinfällig herausstellen. Entweder, weil sie bewusst von einem konfliktfreudigen Medienangebot gebrochen wurden, oder – und das ist das eigentliche Ärgernis – weil unterschiedliche Sites unterschiedliche Sperrfristen erhalten.

» weiterlesen

Journalismus im Netz:
10 Tech-Stories, die nerven

Manche Schlagzeilen und Stories rund um Internet- und Technologiethemen wiederholen sich ständig und können dadurch ziemlich nerven.

Auch Traumjobs haben ihre Schattenseiten. Für uns gehört dazu, bei der täglichen Intensivbewachung der Tech-Presse und Social-Media-Sphäre mit bestimmten, sehr repetitiven Stories konfrontiert zu werden. Hier sind zehn besonders hartnäckige Fälle:

1. Die Zahl der studiVZ-Besucher ist erneut um XY Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal geschrumpft
Und täglich grüßt das Murmeltier.

2. Google+ hat so und so viele Millionen Nutzer
Zu schwer ist angesichts der immer tiefer gehenden Integration von Google+ mit anderen Google-Diensten die Bewertung isolierter Angaben zur Nutzung von Google+. Das Unternehmen unterstreicht selbst, dass Google+ kein herkömmliches Social Network sondern eine soziale Ebene für die Google-Services darstellt.

» weiterlesen

Journalismus im Netz:
Die Unsitte der Informationsfragmentierung

TechCrunch ist es für seine Disrupt-Konferenz gelungen, Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum ersten Interview seit dem Börsengang auf die Bühne zu holen. Interessierten Lesern wird das Folgen des Gesprächs leider schwer gemacht.

Die veränderten Rahmenbedingungen für Journalismus im Netz schlagen bekanntlich seltsame Blüten. Sinnentleerte Bildstrecken, schnell produzierte Meldungen auf Basis substanzloser Gerüchte und breit gestreute Presseagentur-Artikel, die Leser vergessen lassen, bei welchem Medienangebot sie sich gerade befinden, gehören zu den Merkmalen des von knappen Ressourcen, begrenzter Aufmerksamkeit der Leser und kurzer Haltbarkeit der Inhalte gekennzeichneten digitalen Nachrichtenwesens. In letzter Zeit lässt sich bei US-Techblogs eine neue Unsitte ausmachen: eine in viele kleine Teile zerstückelte Berichterstattung über Live-Veranstaltungen.

Man kennt das schon länger von Keynotes und Produktpräsentationen der großen Internet- und IT-Firmen: Statt einiger weniger, kompakter und mit den wichtigsten Informationen gefüllter Beiträge veröffentlichen einschlägige Tech- und Gadgetmagazine eine Vielzahl von kurzen Texten rund um einzelne Zahlen, Aussagen oder Funktionsmerkmale. Nutzer, die keine Lust haben, dieses Puzzle aus Informationshäppchen anschließend eigenhändig zusammenzusetzen, können sich darauf verlassen, dass ein Konkurrenzangebot kurze Zeit später einen listenartig Beitrag mit der der Überschrift “Alles was ihr über Event/Produkt/Nachricht XYZ wissen müsst” publiziert, der sich an einer handlichen Zusammenfassung der Neuigkeiten versucht.

» weiterlesen

Kickstarter-Projekt:
Newsgrape lanciert ein
“soziales Netzwerk für Texte”

Newsgrape entstand einst aus einer erfolgreichen Kickstarter-Finanzierung. Mit einer komplett überarbeiteten Version will das Startup aus Wien Lesebegeisterten maßeschneiderte Inhalte von großen Nachrichtenangeboten sowie der Community präsentieren und Bloggern als Trafficlieferant dienen.

Auch wenn klassische Blogs mittlerweile ihren Zenit überschritten haben mögen und durch spezialisierte, für das schnelle Veröffentlichen optimierte Publikationsplattformen bedrängt werden, stellen nach wie vor Millionen Menschen ihre Gedanken, Meinungen und Beobachtungen in längerer, schriftlicher Form ins Netz. Für Neulinge ist jedoch gerade der Anfang schwer – wer ein Blog startet, hat zu Beginn kaum Leser. Links zu anderen größeren Blogs zu setzen, hilft zwar bei der Schaffung von Aufmerksamkeit, aber die voranschreitende Professionalisierung größerer Blogs, das Verschwinden von permanenten Verweislisten (“Blogroll”) und der allgemein abnehmende Vernetzungsgrad innerhalb der Blogosphäre erschweren dies heute im Vergleich zu früher.

Geht es nach dem Wiener Startup Newsgrape, wird die Bekanntmachung von Blogs – egal ob jung oder schon länger existent – künftig deutlich einfacher. Vor kurzem eröffnete der Dienst in einer von Grund auf überarbeiteten Fassung und bezeichnet sich jetzt als “Social Text Network”. Wir erinnern uns: Newsgrape entstand aus einer Kickstarter-Finanzierung und präsentierte sich in der im vergangenen Sommer lancierten ersten Version als eine Art YouTube für Texte. Doch zu wenige von Nutzern bei dem Dienst hochgeladene Inhalte hatten zur Folge, dass die Gründer Felix Häusler und Leo Fasbender ihr Konzept nochmals nachbessern mussten. Im März gab das österreichisch-deutsche Duo eine Seed-Finanzierung in Höhe von 150.000 Euro bekannt und verkündete erste Details zu Newsgrape 2.0. Jetzt steht es allen Nutzern offen.

» weiterlesen