Thema: Onlinejournalismus

 

Alle 26 Artikel zum Thema Onlinejournalismus auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Smartwatchjournalismus:
Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium

Smartwatches sind das neue Gadget, das wir nach dem Willen der Industrie bald immer mit uns führen. Da versteht es sich fast von selbst, dass progressive Medienhäuser hierin ihre große Chance sehen. Bei frühen Angeboten konkurrieren zwei Ansätze; einer davon könnte die Online-Nachrichtenflut endlich erträglicher machen.

Besser einmal genau drüber nachdenken. Bild: Microsoft

Besser einmal genau drüber nachdenken. Bild: Microsoft

Die größten IT-Konzerne der Welt haben sich festgelegt: Das nächste Gadget, das unser aller Leben bereichern soll, findet an unserem Handgelenk Platz. Es sind nicht nur die Jawbones, Nikes, Pebbles und Fitbits, die uns mit Armbändern oder Uhren beglücken wollen. Auch die Samsungs, Lenovos, Apples, Googles und Microsofts dieser Welt loben das Handgelenk als das am längsten vernachlässigte Körperteil aus und haben entsprechende Gadgets vorgestellt.

Da noch nicht abzusehen ist, wie erfolgreich diese junge Produktkategorie wird, herrscht bei den Content-Anbietern derzeit eine Stimmung zwischen Skepsis und Goldgräberstimmung. Passend dazu konkurrieren bei ersten Angeboten zwei altbekannte Ansätze: “Viel hilft viel” und “Weniger ist mehr”. » weiterlesen

Medium.com:
Ein Ausblick auf die Zukunft des Magazins

Medium.com ist eine elegante Plattform, um Langform-Inhalte zu veröffentlichen und zu entdecken. Das Potenzial ist zugleich erheblich größer: Die Seite gibt einen Vorgeschmack darauf, wie Magazine in Zukunft aussehen könnten. Sie gibt anspruchsvollen Geschichten einen passenden Rahmen und eine dringend benötigte Bühne.

welcome-to-medium

Das von den Twitter-Gründern Evan Williams und Biz Stone gestartete Projekt Medium.com hat mich lange Zeit ratlos zurückgelassen. Eine wichtige Frage blieb stets offen: Was will es eigentlich sein? Ist es ein Social Network für Vielschreiber? Ist es eine besonders schöne Bloggingplattform? Oder ist es am Ende doch etwas ganz anderes?

Bisweilen hatte ich das Gefühl, dass die Macher die Antwort darauf selbst nicht wussten. Aber das muss nichts Schlechtes sein, im Gegenteil: Das ist letztlich, was Twitter groß gemacht hat. Denn der an sich simple Dienst wurde in den ersten Jahren federführend von seinen Nutzern weiterentwickelt. Sie fanden neue Möglichkeiten, ihn zu nutzen und sie erfanden Dinge wie Hashtags oder Retweets. Twitter reagierte jeweils darauf und integrierte diese Features (mal mehr, mal weniger elegant) offiziell in die Seite. Ganz ähnlich wird Medium.com Schritt für Schritt erweitert und manchmal auch der Kurs korrigiert.

Inzwischen sehe ich in Medium.com das spannende Experiment, einen Platz für anspruchsvolle Inhalte im Netz zu schaffen und eine Vorschau auf das Magazin der Zukunft zu geben. Wie ich darauf komme, möchte ich folgend erklären. » weiterlesen

Qualität im Überfluss:
Wir haben bereits mehr guten Onlinejournalismus, als wir lesen können

Die Qualität vieler Online-Nachrichtenangebote wird zu Recht kritisiert. Doch wer ein bisschen sucht, kann sich bereits mehr Rosinen herauspicken als er essen kann. Fehlt uns überhaupt noch etwas?

Qualitaet_Flickr

Immerhin: Focus Online hat es im Nachhinein als “Panne” bezeichnet, dass am Dienstag die Nachricht über den 40. Geburtstag von Hello Kitty als Eilmeldung herausging. Hätten sie es ernst gemeint, hätte das auch niemanden mehr überrascht. Das Schicksal einer ehemaligen “Wer wird Millionär”-Gewinnerin war am gleichen Tag Topmeldung. Focus Online hat sich mit Beharrlichkeit einen zweifelhaften Ruf als Content-Trommelfeuer erarbeitet. Qualitätsjournalismus, wie die Redaktion selbst behauptet, ist so eine fehlende Gewichtung nicht. Das ist irgendwie jedem klar.

Doch was ist Qualitätsjournalismus eigentlich und wie viel brauchen wir davon? Qualität ist nicht zwingend Länge, auch wenn viele Onlinemagazine sich quasi aus Trotz eine Zeitlang darüber zu definieren versuchten. Es geht um guten Stil und gute Recherche, im besten Falle beides. Kurz: Beiträge, die man gerne liest oder sieht und die im Idealfall noch informieren – wenn ihre Absicht nicht ohnehin Unterhaltung ist, was in Maßen auch nicht verwerflich ist. » weiterlesen

Image- und Qualitätsproblem:
Niemand mag TechCrunch

Für viele internationale Beobachter gilt TechCrunch als erste Anlaufstelle für Neuigkeiten aus der Internetbranche. Doch besonders in seiner Heimat Kalifornien leidet das zu AOL gehörende Blog unter einem erheblichen Imageproblem.

TechCrunchEigentlich lasse ich es hier in San Francisco relativ ruhig angehen und versuche in erster Linie, die allgemeine Stimmung einzufangen. Immerhin gilt es, meine täglichen Arbeitsaufgaben zu erledigen. Zudem wird die hiesige Internetbranche von nationalen und internationalen Medien derartig intensiv bewacht, dass es wenig sinnvoll ist, bei den einschlägigen Startups und Webgiganten vorstellig zu werden, um dann von ihren PR-Abteilungen zu erfahren, was alle schon wissen. Gerne hätte ich allerdings ein Interview mit Jan Koum geführt. Doch der Chef des populären Smartphone-Messengers WhatsApp macht seinem Ruf, pressescheu zu sein, alle Ehre. Meine Interviewanfragen blieben unbeantwortet. Ohnehin hat er in den letzten Jahren meines Wissens nach Pressevertretern kaum mehr als fünf Audienzen gegeben, insofern bin ich nicht überrascht.

Anstelle von “offiziellen” Besuchen bei Webfirmen habe ich aber eine Reihe von interessanten, eher informellen Gesprächen mit lokalen Akteuren und Entrepreneuren geführt – sowohl deutschstämmige, die sich in der Region niedergelassen haben, als auch Einheimische. Jedes Mal, wenn es ans Erklären ging, was netzwertig.com darstellt, antwortete ich aus Bequemlichkeitsgründen und im Wissen der allgemeinen Bekanntheit von TechCrunch, dass es sich um eine Art deutsches TechCrunch handele, nur mit einer deutlich geringeren Artikelanzahl und weniger Fokus auf Meldungen zu Finanzierungsrunden. Doch ausnahmslos folgte vom jeweiligen Gesprächspartner daraufhin ein abwertender Kommentar über das bekannte kalifornische Techblog. » weiterlesen

Journalismus in der Klemme:
Der schwierige Umgang mit eiligen Meldungen

Das Boston-Attentat hat die Diskussion um Qualitätsjournalismus und Social Media neu entflammt. Als Reaktion ist mit Retwact ein Tool entstanden, mit dem man Falschaussagen auf Twitter korrigieren kann. Doch das grundsätzliche Problem lässt sich mit Werkzeugen allein nicht beheben.

EilmeldungenDer Tech-Journalist Mat Hohan vom Wired Magazin war einer von vielen Autoren, die ihre übereilten und emotionalen öffentlichen Reaktionen kurz nach dem Boston-Attentat im Nachhinein bereuten: Er hatte einen Tweet von Matthiew Keys verbreitet, in dem ein Student fälschlicherweise als zweiter Attentäter identifiziert wurde. Matthiew Keys war nicht irgendwer, sondern der Deputy Social-Media-Editor der Nachrichten-Agentur Thomson Reuters. Die Betonung liegt auf war, denn Reuters hat Keys am 22. April aufgrund seiner Social-Media-Aktionen gefeuert. Einen Tag später veröffentlichte Honan eine Entschuldigung für seinen übereilten Retweetet auf Wired und mahnte ein neues Feature für Twitter an, mit dem sich Falschaussagen korrigieren lassen.

Twitter ist diesem Wunsch bislang nicht nachgekommen, wohl aber der Software Entwickler Stonly Baptiste, der innerhalb von 48 Stunden das Tool Retwact aufgesetzt hat. Retwact hilft dabei, Twitter-User über eine Korrektur zu benachrichtigen, wenn sie einen falschen Tweet per Retweet verbreitet haben. Dazu findet Retwact von einem Account die letzten fünf Tweets mit Retweets und ermöglicht dem Account-Inhaber, eine Mention mit einem Korrekturhinweis an die letzten 100 Retweeter zu verschicken. Über einen Link in der Mention werden die Empfänger auf eine Landingpage geleitet, auf der der Ursprungs-Tweet mit der Korrektur gegenüberstellt wird. Darüber steht die Bitte, die Korrektur zu verbreiten und so die Desinformation möglichst unschädlich zu machen. Die Idee ist zwar relativ simpel, allerdings wurde der Account zumindest kurzfristig von Twitter suspendiert, da das Versenden von massenhaften gleichlautenden Mentions gegen die Terms of Services von Twitter verstößt.  » weiterlesen

Startups auf der Suche nach Kapital:
Der Crowdinvesting-Boom fordert die Presse heraus

Über Crowdinvesting Geld von Privatanlegern einzusammeln, liegt bei vielen Startups im Trend. Oft machen die betreffenden Unternehmen im Vorfeld kräftig PR. Doch gehört die Sicherung des finanziellen Wohls der Firmen sowie das Bereitstellen von Anlagetipps nicht zu den Aufgaben von Journalisten.

Das Karlsruher Startup Honestly sorgt gerade mit der “größten Crowdinvesting-Aktion aller Zeiten” für Aufmerksamkeit. Nachdem der badische Spezialist für Kundenfeedback über Smartphones im August 2012 100.000 Euro per Crowdinvesting eingesammelt hat, sollen Privatinvestoren ab dem morgigen Donnerstag die bisher für ein Unternehmen in Deutschland einmalige Summe von 400.000 Euro zusammenbringen. Abgewickelt wird die Kampagne wie beim letzten Mal über den Dresdner Dienst Seedmatch. Was genau Honestly macht, könnt ihr in unserem Review aus dem vergangenen Jahr nachlesen.

Angesichts der Tatsache, dass die mit der Finanzierungsrunde im Sommer 2012 angestrebten 100.000 Euro in weniger als drei Stunden zusammenkamen, und auch aufgrund eines solide wirkenden Geschäftsmodelles im derzeit als besonders attraktiv geltenden B2B-Segment, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Honestly-Macher Sven Bläse, Mateo Freudenthal, Pascal Klein, Sebastian Wenzel und Philipp von Limburg auch bei ihrer zweiten Crowdinvesting-Aktion die Fundingschwelle von 100.000 Euro erreichen und vielleicht auch am Maximalziel von 400.000 Euro kratzen. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, informiert das Startup seit einigen Tagen die Presse über das bevorstehende “Event”. » weiterlesen

Medienwandel:
Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist

Online-Journalisten waren lange Zeit die Schmuddelkinder ihres Berufsstandes. Es wird Zeit, dass sich diese Wahrnehmung ändert. Denn nirgends kann man seine journalistische Leidenschaft so sehr ausleben wie im Internet.

Seit 1994 verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Journalist. Seitdem ich 1997 auf das Internet gestoßen bin, hat es mich nicht mehr losgelassen. Damals hatte ich mir gerade nach jahrelanger Arbeit als Praktikant und Pauschalist bei einer Lokalzeitung das Volontariat verdient. Aber mir war klar, dass im Lokaljournalismus nicht meine Zukunft liegen würde. Es war bereits zu sehen, wie die Redaktionen immer weiter eingedampft wurden. Das Internet aber war noch vollkommen unerschlossenes Land.

15 Jahre später schreibe ich nun diesen Beitrag. Und es ist erstaunlich, dass ein Plädoyer für den Beruf des Online-Journalisten überhaupt notwendig scheint. Denn für mich ist es die großartigste Form, diesen Beruf auszuüben. » weiterlesen

Journalismus im Netz:
Social-Media-Interaktion ist Kür, nicht Pflicht

In Onlineredaktionen aller Größen sind die Ressourcen oft knapp, was Prioritätensetzungen erforderlich macht. Wie bei der Frage, wie viel Zeit in die Interaktion in sozialen Medien investiert werden soll.

Die perfekte Redaktion eines Onlineverlags sieht in etwa so aus: Unzählige hochmotivierte Autoren, Multimedia-Experten, Designer und auch journalistisch beschlagene Programmierer arbeiten ohne überdurchschnittlichen Quotendruck Seite an Seite mit einem personell gut ausgestattete Community-Management- und Social-Media-Team. Letzteres widmet sich der Moderation von Kommentardiskussionen, bespielt Twitter, Facebook, Google+, YouTube, Instagram und andere Kanäle mit Content rund um die produzierten Inhalte, interagiert mit Lesern und sorgt dafür, dass ihre Vorschläge, Hinweise und Kritikpunkte in effizienter Form die Verantwortlichen innerhalb der Redaktion erreichen.

Doch traditionell begrenzte Ressourcen haben zur Folge, dass in den meisten Ländern nur eine Handvoll Redaktionen überhaupt in die Nähe eines solchen Traumzustands kommt. Für die Mehrzahl – von Fachblogs über spezialisierte Nachrichtenportale bis hin zu inhaltlich breiter aufgestellten Verlagen – gilt es deshalb, bei der Aufgabenverteilung Prioritäten zu setzen. Mittlerweile vertrete ich diesbezüglich mehr denn je den Standpunkt: Sind die Mittel knapp, ziehe ich sowohl als Redakteur als auch Konsument grundsätzlich das Produzieren von qualitativem journalistischen Content dem fleißigen Community Management vor. » weiterlesen

Demnächst bei den führenden Nachrichtensites:
Mehr externe Links – Hans Michael Strepp sei Dank

Die führenden Nachrichtenangebote geizen nicht nur mit Links zu Blogs, sondern auch mit Verweisen untereinander. Doch nun gibt es Anzeichen für einen Sinneswandel. Indirekt mitverantwortlich: der wegen der ZDF-Affäre zurückgetretene CSU-Pressesprecher Hans Michael Strepp.

Im Prinzip seit dem Bestehen der Blogosphäre beklagen sich Blogger in regelmäßigen Abständen berechtigterweise darüber, dass sie von den Mainstreammedien nicht oder nur selten verlinkt werden (klassisches Beispiel). In letzter Zeit hört man entsprechende Beschwerden nicht mehr ganz so oft, da die führenden Nachrichtenangebote – von Zeit Online bis Spiegel Online, von Sueddeutsche.de bis FAZ.net – in variierendem Maße tatsächlich damit begonnen haben, auf Blogbeiträge zu verlinken, sofern sie sich redaktionell an deren Inhalten und Diskussionen bedienen. Selbst wenn noch immer sehr viel weniger auf externe Angebot verlinkt wird, als dies im Sinne des Dienstes für die Leser eigentlich erforderlich wäre. [Nachtrag] Domenika Ahlrichs, stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online, unterstreicht per Twitter, dass man “seit Jahren extern verlinke”. Allgemein nimmt die Pubikation aus Hamburg häufiger eine Vorreiter- und Vorbildrolle ein, was Journalismus im Netz angeht, insofern verwundert die größere Linkbereitschaft nicht [Nachtrag Ende].

Doch nicht nur Autoren von Blogs stören sich daran, wenn von ihnen angeregte Debatten oder an die Öffentlichkeit gebrachte Sachverhalte von den diese aufgreifenden Verlagsangeboten nicht durch einen Verweis gewürdigt werden – sondern auch die Redakteure der bekannten Nachrichtensites. Das, was unter dem Begriff “Linkgeiz” bekannt wurde, betraf und betrifft längst nicht nur Blogs, sondern auch die Onlineangebote der Zeitungen. Aus der völlig unbegründeten Angst heraus, Seitenaufrufe und Leser zu verlieren, verzichten sie nur allzu gerne darauf, einen Verweis zur Konkurrenz zu setzen, die eine bestimmte Neuigkeit zuerst veröffentlichen konnte.

» weiterlesen

Pressearbeit von Startups:
Wie Sperrfristen ihre
Glaubwürdigkeit verlieren

Viele Startups und Internetfirmen setzen für eine koordinierte Medienberichterstattung auf Sperrfristen. Doch dieses für Redakteure eigentlich praktische PR-Instrument verliert sukzessive an Glaubwürdigkeit.

Zur gestrigen Neuigkeit aus dem Hause Rdio gab es eine Sperrfrist: Um vorab die Informationen zum neuen “Artist Program” des kalifornischen On-Demand-Dienstes zu erhalten, mussten wir zusagen, den Artikel nicht vor 9:30 Uhr am Dienstag zu publizieren. Derartige Embargos zum Ziele der zeitgesteuerten, konzentrierten Presseberichterstattung sind umstritten – und werden in manchen Fällen auch durch die technologische Entwicklung ausgehebelt.

Wir haben aber grundsätzlich nichts gegen Sperrfristen, sofern sie angemessen erscheinen. Immerhin erlauben sie es uns, genug Zeit in die Aufbereitung einer Story und Recherche rund um einen Sachverhalt zu investieren, anstatt in Eile einen Artikel zusammenschustern zu müssen. Soweit die Theorie. Leider häufen sich die Fälle, in denen Embargos sich im Nachhinein als hinfällig herausstellen. Entweder, weil sie bewusst von einem konfliktfreudigen Medienangebot gebrochen wurden, oder – und das ist das eigentliche Ärgernis – weil unterschiedliche Sites unterschiedliche Sperrfristen erhalten.

» weiterlesen