Die Technologieberichterstattung leidet unter ethisch problematischen Arbeitspraktiken und Einflussnahmen der großen Netzfirmen. Ein Watchblog für die Techpresse hätte viel zu tun.
Groß aufgeblasene Produktveranstaltungen der Technologiegiganten wie Facebook, Apple, Microsoft oder Google sind für die Unternehmen nicht nur Gelegenheit, die Programmierergemeinde enger an sich zu binden und ihnen zu zeigen, wie Dienste und Produkte sich für Entwickler nutzbarmachen lassen. Es ist auch jeweils eine riesige Chance, um massive Presseaufmerksamkeit zu erhalten und um Journalisten mit Goodies, Testgeräten und bisher sonst schwer zugänglichen Informationen zu versorgen, in der Hoffnung auf vorteilhafte Berichterstattung und langfristig “fruchtbare” Kontakte.
Die Konzerne selbst sind dabei in der Regel sehr großzügig. Es obliegt den Journalisten, Grenzen zu setzen und als Zähmungs- oder Anbiederungsversuche wahrzunehmende Angebote abzulehnen. Valleywag, ein Art Gossip- und Watch-Blog des Silicon Valley, das kürzlich nach zwei Jahren Pause sein Comeback feierte, machte gerade auf einen interessanten Fall aufmerksam: So stellte Google jedem Besucher der Keynote der diese Woche in San Francisco stattfindenden Entwicklerkonferenz I/O ein Pixel-Chromebook im Wert von 1300 Dollar zur Verfügung. Das Unternehmen überließ es den Empfängern der Geräte, ob sie diese als Leihgabe für die Zeit der Konferenz nutzen oder als Geschenk mit nach Hause nehmen wollten. » weiterlesen
In dieser Rubrik stellen wir jede Woche einige Tools aus dem deutschen Sprachraum vor, die vor kurzem gestartet sind.
Dieses Mal mit: Flugrouten-Radar – der Flugverkehr über Berlin; Twenue – zu Orten twittern; und dongoo – Berwerbungen via Kurzvideos.
Die Berliner Morgenpost hat einen kleinen Flugrouten-Radar entwickelt, mit dem man sich in Berlin und Umgebung über den Flugverkehr – und damit auch über den damit verbundenen Lärmwert – informieren kann. Nachdem man die gesuchte Adresse eingegeben hat, wird eine 3-dimensionale Karte generiert, auf der die aktuellen Flüge visualisiert werden, wobei die Höhe farblich abgestuft dargestellt wird. Die Karte lässt sich auch mit der Maus drehen und zeigt zusätzlich die Flugbelastung im Vergleich zur Umgebung. Zur Abrundung werden auch alle Daten gesammelt und gespeichert, was etwa die Berechnung der aggregierten Belastung für Ortsteile oder Gemeinden in einem definierbaren Zeitraum ermöglicht.
» weiterlesen
Der Begriff Industry 4.0 bezeichnet die vierte Stufe der industriellen Revolution. Mit ihr soll eine Phase der Neuorientierung in den industriellen Prozessen beginnen, die ein weiteres Mal einen enormen Produktivitätsschub bringt. Die Bezeichnung als Revolution ist aber übertrieben; es sind eher evolutionäre Prozesse, die zu einer neuen Produktionsweise führen.
Ralf Wienken ist technischer Redakteur und verantwortlich für den Bereich technische Kommunikation der Xinfo Wieland Sacher GmbH.
Industry 4.0 ist ein gern benutzter Begriff, wenn es darum geht, die Zukunft der deutschen Industrie zu beschreiben. Er deutet an, dass eine Umwälzung der Produktionsprozesse stattfinden wird, die so tiefgreifend ist, dass man diesen Vorgang als Revolution betrachten kann. Zudem spielt auch wohl die Unterstützung durch die Bundesregierung bei der Beliebtheit des Begriffs eine Rolle, die Forschungsprojekte in dieser Richtung finanziell fördert.
Nun gibt es einige beteiligte Personen, die nicht glücklich mit dem Begriff Industry 4.0 sind, die aber die wesentlichen Prinzipien verteidigen. Schauen wir uns einmal an, was eine industrielle Revolution ist, und ob die auffindbaren Kriterien genügen, um eine weitere Revolution auszurufen. » weiterlesen
Dank des Dienstes IFTTT können Besitzer des Fitnessarmbands Jawbone Up und der “Internet-Glühlampe” Philips Hue nun sehr viel mehr mit ihren Geräten anfangen. IFTTT nimmt Handgriffe ab und ermöglicht neue Funktionen.
Während das Schlagwort “Internet der Dinge” erst einmal nur bedeutet, dass zahlreiche Geräte online gehen, bleibt die Frage: Und was hat man nun davon? Eine Antwort darauf ist der Dienst “If This Than That” (IFTTT): Er sorgt dafür, dass solche Geräte Aktionen auslösen können oder aber auf Ereignisse reagieren. Das alles klingt erst einmal theoretisch und abstrakt. Mit einigen Beispielen wird dagegen recht schnell klar, wie praktisch und sinnvoll das sein kann.
Bei IFTTT ging es ursprünglich darum, diverse Webdienste miteinander zu verknüpfen. Ein Ereignis bei Dienst A löst automatisch eine Aktion bei Dienst B aus. Beispiel: Bekommt man eine E-Mail mit Anhang, wird der in Evernote gespeichert. Lädt jemand bei Facebook ein Foto hoch und gibt an, dass man darauf zu sehen ist, wird es in der eigenen Dropbox abgespeichert. Ändert man sein Profilfoto auf Facebook, wird das Profilfoto auf Twitter ebenfalls geändert. Bei IFTTT heißen solche Verknüpfungen “Rezepte” und wer will, kann seine öffentlich mit anderen teilen. Und natürlich kann man die Rezepte anderer übernehmen. Aber auch ohne eine bereits vorhandene Vorlage macht es IFTTT den Nutzern vergleichsweise einfach, etwas selbst anzulegen.
Diese Idee hat IFTTT inzwischen auf Geräte erweitert, die mit dem Internet verbunden sind.
Weiterlesen bei neuerdings.com
WW des WWW
Bis Dienstag kann man sich auf Arte die wirklich empfehlenswerte Dokumentation zu den Wurzeln des WWW ansehen:
» Die wilden Wurzeln des World Wide Web
QAI
Auch das noch: Google und die Nasa tüfteln gemeinsam an künstlicher Intellgenz mit Quantencomputern.
» Google Buys a Quantum Computer
» weiterlesen
In der Berliner Startup-Szene läuft die Konsolidierung. Gleichzeitig treten bisher wenig beachtete Anbieter in den Vordergrund, die durch Substanz und Problemlösungsqualitäten punkten.
Anfang Januar beschrieb ich die Zäsur, vor der aufblühende Berliner Startup-Szene im Jahr 2013 stehen würde. Nach Jahren der Euphorie wächst der Druck auf die Protagonisten der Hauptstadtbranche, die in sie gesteckten, aus dem allgemeinen Hype resultierenden hohen Erwartungen hinsichtlich Nutzerwachstum, wirtschaftlicher Erfolge und des ein oder anderen Exists zu erfüllen. Gerade der Fokus vieler Akteure auf kritische Masse benötigender Apps zieht Fragen zur Nachhaltigkeit und Monetarisierung nach sich, die 2013 beantwortet werden müssen.
Rund viereinhalb Monate nach dem Beitrag lässt sich konstatieren, dass der Sektor tatsächlich in Bewegung gekommen ist und sowohl erste Konsolidierungsanzeichen erkennen lässt als auch einige vielversprechende Anbieter ins Rampenlicht befördert hat, die hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Potenzials und ihrer Problemlösungsqualitäten neue, für die Hauptstadt sehr wichtige Akzente setzen. » weiterlesen
Google hat auf der Keynote der eigenen Entwicklerkonferenz I/O Verbesserungen in fast allen Geschäftsfeldern vorgestellt. Sie sind durch die Bank stark, bieten aber wenig Begeisterungspotenzial für solche Zuschauer, die völlig neue Produkte erwartet hatten.
Ja, wir haben mehr erwartet, oder eigentlich eher: etwas Anderes. Ein neues Nexus-Phone vielleicht, stärkere Offline-Funktionalität für Chrome OS, vielleicht sogar endlich das Zusammenwachsen von Android und Chrome OS oder gar Android für Notebooks zu Gunsten von Chrome OS. Google hatte die Chance, die Listendarstellung der Suche komplett mit dem Knowledge Graph zu ersetzen, Maps voll und ganz zu personalisieren. Das sagenumwobene neue X-Phone wäre natürlich auch ganz nett gewesen.
All das gab es in der dreistündigen Keynote nicht. Keine neue Android-Version, obwohl die für Googles jährliche Entwicklerkonferenz fast schon usus ist, kein neues Smartphone, wenig Neues zu Chrome OS, nichts Neues zu Google Glass außer einigen Schwenks der Kamera ins Publikum, wo einige Träger der Google-Brille übellaunig dreinblickten. Nein, ein echtes Hardware-Highlight hat heute gefehlt. Google selbst hat diese Erwartungen durch die Politik der ständigen Produktverbesserungen geschürt und nun ein wenig enttäuscht – wäre da nicht der beeindruckender Auftritt von Larry Page am Schluss der Show gewesen.
Weiterlesen bei neuerdings.com
Wenn ein ehemals leidenschaftlicher MP3-Sammler plötzlich gar nicht mehr weiß, was er mit einer lokalen Musikdatei anfangen soll, dann zeigt dies, wo die Zukunft des digitalen Musikkonsums liegt: in der Miete.
Befragt man Leute zu ihren Präferenzen beim digitalen Musikkonsum, lassen sich die Antworten zwei grundsätzlichen Lagern zuordnen: Das eine Lager verwendet in erster Linie Streamingdienste, entweder “On Demand” wie Spotify & Co oder in Form personalisierter Radios à la Pandora und Aupeo, das andere bevorzugt den “Besitz” der angehörten Musiktitel in Form von lokalen oder in die Clouds von Amazons Cloud Player, Google Play Music und Dropbox abgelegter, käuflich erworbener oder anderweitig heruntergeladener Dateien. Wenn es darum geht, welche Gruppe weniger Verständnis für die Gepflogenheiten der anderen hat, so sind es in der Regel die Verfechter des digitalen Musikbesitzes, die sich kritisch über das On-Demand-Konzept äußern, bei dem Lieblingsalben und -songs nur so lange gehört werden können, wie man die monatliche Abogebühr zahlt oder wie der Anbieter seine Dienste werbefinanziert bereitstellt. Der Gedanke, dass der Zugang zur kompletten, durch sorgfältiges Kuratieren und Selektieren angelegten Tonsammlung von heute auf morgen vom Streamingservice blockiert werden kann, behagt den Anhängern des Musikbesitzes gar nicht.
Doch mit zunehmender Gewöhnung an die “Miete” von Musik – nichts anderes ist On-Demand-Streaming eigentlich – entsteht auf Seiten des Streamingnutzers eine zunehmende Aversion gegen den Besitz lokaler MP3-Dateien, welcher in der Prä-Streaming-Ära auch für sie die typische Form des digitalen Musikhörens darstellte. Ich selbst konnte gestern erleben, was es heißt, so sehr die Musikmiete verinnerlicht zu haben, dass einem ein unerwartet auftauchendes MP3-File plötzlich Kopfschmerzen bereitet. » weiterlesen
Google hat gestern im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O eine Reihe von Ankündigungen gemacht. Aus alter Tradition – auch wenn wohl die großen Würfe ausgeblieben sind – ein Überblick:
Google Maps
Google Maps wurden in einigen Bereichen auf durchaus schlüssige und beeindruckende Weise verbessert. Die UI wurde durchgehend vereinfacht und viele Features sind personalisiert.
Das Herzstück des neuen Google Maps ist eine Technologie, die bei jedem Klick oder jeder Suche eine einmalige Karte zeichnet.
» Meet the new Google Maps: A map for every person and place
» Das neue Google Maps: die Karte für euch ganz persönlich
Suche, Google Now
Im Bereich Suche forciert Google die Themen Personalisierung, Kontext, Knowledge Graph und Sprachsteuerung. Google Now optimiert das entsprechend für mobile Gerätschaften.
» A multi-screen and conversational search experience
Google+
Google+ bekommt ein neues, ‘tieferes’ Design, hübschere Hangouts und deutlich bessere Integration von Fotos. U.a. erkennt Google automagisch die besten Fotos und kann sie auch aufhübschen.
» Stream, Hangouts, and Photos
» weiterlesen
Schon junge, unerfahrene Gründer bezeichnen sich heute als “Serial Entrepreneurs”. Damit verliert der Begriff seinen einstigen Glanz und seine positiven Assoziationen.
Gestern besuchte ich die Seedcamp Week Berlin, eine Veranstaltung des in London ansässigen Startup-Accelerators Seedcamp. 20 junge Technologiefirmen aus einer Vielzahl europäischer Länder präsentierten in jeweils drei Minuten ihre Geschäftsideen. Die Pitches waren dabei zumeist sehr solide und deutlich besser als das, was man auf manchen rein deutschen Events geboten bekommt. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass viele der präsenten Gründer nicht ganz unbeschriebene Bücher waren, was Erfahrungen in der Startup-Welt und im Bereich der Unternehmensgründungen angeht. Mindestens einer stellte sich auch gleich als “Serial Entrepreneur” vor. Ich erinnere mich nicht mehr, wer genau, aber das spielt auch keine Rolle. Entscheidend ist, dass ich in diesem Moment stutzig wurde. Denn das Label “Serienunternehmer” ist zumindest in meine Augen im heutigen Websektor isoliert betrachtet nicht mehr länger eine besondere Auszeichnung. Zu inflationär wird es verwendet, zu wenig sagt es über die tatsächliche Erfahrung einer Person und ihre Qualitäten als Gründer aus. » weiterlesen