Top Shazam und Xbox hören mit:
Warum der Orwellsche Staat auch diesmal nicht kommen wird

Shazams neue iPad-App kann Songs im Hintergrund taggen, hört also immer mit, ähnlich wie Microsofts neue Wohnzimmerkonsole Xbox One. Angst müssen wir vor solchen Gadgets nicht haben, aber es hilft trotzdem, wenn wir uns weiterhin über einen zu großen Bruch unserer Privatsphäre empören.

Xbox One is watching you. Alyways. Bild: Microsoft

Xbox One is watching you. Alyways. Bild: Microsoft

Angesichts der Hysterie, die über einige neue Technologien der jüngeren Vergangenheit ausbrach, ist es eigentlich ein Wunder, dass der Orwellsche Staat nicht längst schon über uns hereingebrochen ist. Wie haben wir vor allem in Deutschland gegen Google Streetview protestiert – und als es dann da war, merkten wir erst, wie harmlos die Maps-Erweiterung ist. Wir kritisierten Facebook über die laxe Handhabung mit den Daten, die wir selbst Preis gegeben hatten und befürchteten deren Ausverkauf. Wir waren erbost, als Apples iPhone jeden unserer Aufenthaltsorte protokollierte.

Und dann? Geschah nichts. Einbrüche nahmen trotz Streetview nicht zu. Facebook nervt wegen der personalisierten Werbung, für die unsere Daten herhalten, mehr aber auch nicht. Und Apples Positionsdaten stellten sich als viel zu ungenau heraus, um sie irgendwelchen Behörden für eine Fahndung zu überlassen. Bedenken wegen unseres Datenschutzes mögen berechtigt gewesen sein, ein Aufschrei darüber hat die Unternehmen auch stets ein wenig zum Einlenken gebracht. Das Problem als solches allerdings war in allen Fällen kleiner als die Hysterie darüber. Und jetzt? Steht die nächste Eskalationsstufe an: Apps und Gadgets, die stets auf Empfang sind, im Hintergrund mithören und jede unserer Bewegungen protokollieren. Die totale Überwachung? Nicht, wenn wir weiterhin die Augen aufsperren. » weiterlesen

 

Verkuppeln von Facebook-Kontakten:
Warum Bang With Friends wegweisend ist

Bang With Friends hat nicht nur Fans. Doch der kalifornische Dienst, der es Facebook-Nutzern leicht machen will, potenzielle Bettgenossen und -genossinen unter ihren Kontakten zu finden, ist konzeptionell wegweisend.

Nahezu jeder Mensch, von einigen Ausnahmen abgesehen, hat gelegentlich ein Bedürfnis an zwischenmenschlicher Nähe und sexuellem Kontakt. Doch die moderne Gesellschaft und die mit ihr etablierten Moralvorstellungen, Verhaltensnormen und sozialen Konventionen sorgen dafür, dass dieses Verlangen im Alltag und öffentlichen Leben unterdrückt oder vorrangig subtil zur Schau gestellt wird. Nur wer sich in das Getümmel des Nachtlebens stürzt oder bestimmte großstädtische Gegenden aufsucht, kann beobachten, wie Menschen ihre gesitteten Masken unbekümmert fallen lassen.

Eine Folge dieser Konstellation ist, dass viele eine Anziehungskraft füreinander verspürende Personen niemals zueinander finden. Weil niemand den ersten Schritt machen möchte, weil beide die Signale nicht richtig deuten oder weil die individuelle soziale Dynamik gemeinsame Liebesabenteuer erschwert. Mit Bang With Friends versucht seit einigen Monaten ein kontroverses Startup, die Hindernisse auf dem Weg zu sexuellen Begegnungen zwischen miteinander befreundeten oder bekannten Facebook-Kontakten aus dem Weg zu räumen. Nutzer authentifizieren sich dazu bei Bang With Friends mit ihrem Facebook-Konto. Anschließend präsentiert ihnen der Service, der auch als App für Android angeboten wird (Apple, bekanntlich eher prüde, warf die Anwendung wenige Tage nach dem Debüt aus dem App Store), eine fotobasierte Übersicht ihrer Facebook-Kontakte. Gibt es darunter einige, mit denen sie gerne einmal das Bett teilen würden, markieren sie diese. Die jeweilige Person erfährt davon nichts, es sei denn, sie probiert Bang With Friends eines Tages ebenfalls aus und erwidert das sexuelle Interesse durch einen entsprechenden Klick. Bang With Friends informiert dann die “Betroffenen” per Mail und überlässt ihnen den Rest. » weiterlesen

Schwieriger Umgang mit Urheberrechtsverstößen:
Bezahlinhalte bedrohen die Einzigartigkeit von YouTube

YouTube startete kürzlich ein Pilot-Projekt mit kostenpflichtigen Kanälen. Wie aber wird die Bezahlschranke die Zukunft der Plattform beeinflussen?

Alexander Lohninger hat Digital Film Making in Wien und London studiert und ist als freier Autor im Bereich Film und Medien tätig. Er lebt in Wien.

YouTubeDurch die Omnipräsenz von Kameras und Bildschirmen ist das Video, insbesondere das kurze Videoschnipsel – der Clip – und mit ihm die Plattformen, auf denen sie getauscht, angesehen und kommentiert werden, ein essentieller Bestandteil unserer Welt geworden. Allen voran das 2005 gegründete und 2006 von Google gekaufte YouTube, das in den wenigen Jahren seines Bestehens zu einer ultra-demokratischen, hyperrealen Zwischenwelt geworden ist, die wie ein virtueller Schwamm digitalisierte Artefakte des Zeitgeschehens aufsaugt, sie in sich speichert und zur Schau stellt.

Bisher war der Zutritt zu diesem Paralleluniversum allen frei; jeder konnte jedes Video sehen, kommentieren, oder eigene Inhalte veröffentlichen. Seit kurzem jedoch probt YouTube den Schritt in die Kostenpflichtigkeit und veranschlagt für einige wenige Kanäle zwischen 0,99 und 2,99 US-Dollar im Monat. Es ist verständlich, dass die Verantwortlichen bei YouTube sowohl für sich als auch für die Benutzer Möglichkeiten zur Monetarisierung erschließen wollen, besuchen doch unfassbare Massen die virtuelle Plattform: Pro Monat konsumieren mehr als eine Milliarde Nutzer über vier Milliarden Stunden an Videomaterial und fügen pro Minute 72 Stunden zusätzliches Material hinzu. Im ganzen Jahr 2011 (das ist der letzte angeführte statistische Wert), hat jeder Erdenbürger durchschnittlich 140 Mal ein YouTube Video aufgerufen, was in Summe mehr als eine Billion Aufrufe ausmacht. » weiterlesen

Linkwertig:
Bubble, Google I/O, Replacereader, Piraterieneutralität

Two-Step
Kim Dotcom ist immer für eine Überraschung gut und droht nun Google, Facebook und Twitter ob ihrer Zwei-Faktor-Authentifizierung (auf die er glaubt, ein Patent zu haben) zu verklagen, falls sie ihm nicht bei seiner Verteidigung helfen.

“Ihr könnt mein Patent kostenlos nutzen. Aber bitte helft mir, meine Verteidigung zu finanzieren.”

» Google, Facebook, Twitter verletzen mein Patent

 

Bubble
Amazon nimmt den Begriff Blase wörtlich und plant für den Firmensitz eine Art dreiblasiges Gebäude.

» Amazon’s Urban Biospheres Give New Meaning to Tech Bubble

 

» weiterlesen

Subtask:
Karlsruher Startup kombiniert Mindmap mit Aufgabenplaner

Subtask ist ein kleines Startup aus Karlsruhe, das eine Mindmap um einen Aufgabenplaner mit Kalenderfunktion erweitert. Nach einer dreimonatigen Beta-Phase geht das Zwei-Mann-Projekt heute an einen hoffnungsvollen Start.

SubtaskTo-Do-Listen gibt es heute mit zahlreichen Schwerpunkten und in allerlei Designs. Fasziniert blicken wir immer wieder gerne nach Berlin, was die 6Wunderkinder mit ihrer keinesfalls einzigartigen Wunderlist aushecken und wie man sich hier langsam an das Thema Refinanzierung wagt.

Einen relativ einzigartigen Ansatz verfolgt seit heute das Karlsruher Startup Subtask. Gründer Michael Partheil und sein Kollege Matthias Geis haben hier ein Mindmap-Tool mit einem Aufgabenmanager kombiniert. Das ist gleichzeitig To-Do-Liste, Kalender und Groupware. Das Tool ist derart einfach zu bedienen, dass ihm eine große Zukunft bevor stehen könnte. Allerdings sind die Einschränkungen für den kostenlosen Basis-Account recht hoch.
» weiterlesen

Beachtliche Erfolgsgeschichte:
Buffer wird zum attraktiven Übernahmeobjekt

Das im Silicon Valley ansässige österreichisch-britische Startup Buffer hat eine beachtliche Erfolgsstory hingelegt. Es avanciert dadurch zu einem attraktiven Übernahmeobjekt.

Wenn man regelmäßig über das Geschehen in der Internetwirtschaft berichtet, beschäftigt einen stets die Frage, welche Startups zum jeweiligen Zeitpunkt zu den heißesten Übernahmekandidaten zählen. Blicke ich dabei derzeit auf Firmen mit Wurzeln im deutschsprachigen Raum, gehört das österreichisch-britische, seit fast zwei Jahren im Silicon Valley beheimatete Jungunternehmen Buffer dazu.

Wer Buffer nicht kennt: Das Anfang 2011 von dem Österreicher Leonard Widrich und dem Briten Joel Gascoigne lancierte Onlinetool erlaubt Privatpersonen und Unternehmen das zeitversetzte Publizieren von Inhalten über Facebook, Twitter, LinkedIn and App.net. Der Dienst, der in seinen frühen Tagen nur das zeitversetzte Twittern ermöglichte und sich sukzessive für weitere Plattformen öffnete, richtet sich an alle, die von ihnen handselektierten Content über den Tag verteilt im Social Web verbreiten möchten, selbst wenn ihr Terminkalender dies eigentlich unmöglich macht. » weiterlesen

Salon.io:
Ein Onlinepublishing-Tool, für das Nutzer zahlen wollen

Salon.io will Onlinepublishing einfacher, besser und vielseitiger machen. Ein Ziel, das man schon häufiger gehört hat. Doch ein überdurchschnittlich hoher Anteil zahlender Nutzer deutet darauf hin, dass die Berliner einen Nerv treffen.

Wie Gründern, Investoren und Nutzern fällt es uns in den meisten Fällen schwer, eine genaue Prognose über die Chancen eines jungen Onlinedienstes abzugeben. Zu viele über Erfolg oder Misserfolg entscheidende Faktoren bleiben im Dunkeln, weswegen jede Analyse des Potenzials auch immer zu einem großen Teil Spekulation darstellt. Als besonders herausfordernd gestalten sich Betrachtungen von Angeboten, die in einem überfüllten Markt agieren und zumindest in einzelnen Elementen an existierende Services erinnern. Hier ist es ein Ding der Unmöglichkeit, frühzeitig die Entwicklung vorherzusehen. Die Macher könnten es ernst meinen, oder sie könnten in wenigen Wochen ein Projekt zusammengeschustert haben, an dem sie kurze Zeit später wieder die Lust verlieren. Was uns in diesen Fällen bei der Beurteilung hilft, ist ein “Proof of Concept”. Ein zumindest initialer Beleg dafür, dass auf Nutzerseite ein tatsächliches Interesse für das Angebot besteht.

Das Online-Gestaltungs- und Publishingtool Salon.io des in Berlin und Bochum ansässigen Entwicklerstudios 9elements hat gerade einen solchen Proof of Concept geliefert – dazu gleich mehr. Der Dienst, über den wir im Dezember im Samstag App Fieber kurz berichteten, erlaubt das browserbasierte Erstellen von interaktiven Foto-Alben und Websites/Portfolios ohne Programmierkenntnisse. Alles läuft per Drag & Drop. Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Blog- und Publishingsystemen wie WordPress, Tumblr, Jimdo oder Blogger ist das hohe Maß an gestalterischer Freiheit und die fehlende Bindung an vorgefertigte “Themes”. Mit seinem designorientierten, leicht künstlerisch angehauchten Fokus erinnert Salon an das nicht minder elegante New Yorker Websitegestaltungstool Squarespace. Doch Stefan Landrock, der bei 9elements für Salon.io verantwortlich ist, betont, dass Anwender auch dort an Templates gebunden sind, während sie bei Salon.io nicht durch vorgefertigte Layouts eingeschränkt werden. » weiterlesen

Linkwertig:
Zuckerberg, Gif, Flickr, Zalora

Zuckerberg
Mark Zuckerberg wurde in Berlin gesichtet, die Gründerszene fragt sich warum.

Oder sucht der 29-Jährige in der Hauptstadt nach potenziellen Startup-Investments? … Es darf gerätselt werden.

» Zuckerberg in Berlin – warum?

 

Gif
Der Erfinder vom Gif-Format (siehe Totgesagte leben länger) hat einen Webby bekommen und dort eine linguistische Bombe abgeworfen: gif spricht man nämlich nicht wie ‘gif’ sondern wie ‘jif’ aus.

» Gif, also known as Jif

 

» weiterlesen

Axel Springer und das Internet:
Das Medienhaus mit den zwei Gesichtern

Der Axel-Springer-Verlag hat Internetdeutschland das schädliche Leistungsschutzrecht aufgezwungen. Gleichzeitig tritt das Medienhaus dem digitalen Wandel jedoch deutlich leidenschaftlicher, optimistischer gegenüber als der Wettbewerb. Ein offensichtlicher Widerspruch.

Axel-Springer-HausWährend meines Besuchs in San Francisco vor wenigen Wochen wurde ich netterweise zu einem unregelmäßig stattfindenden, informellen “Stammtisch” von in der Bay Area präsenten deutschsprachigen Gründern und Internetköpfen eingeladen. Mir erschien dies wie eine schöne Gelegenheit, um Insider-Stories zu hören und Kontakte zu knüpfen. Kaum in der Bar am Rande des für seine zahlreichen niedergelassenen Webfirmen bekannten Mission-Bezirks angekommen, befand ich mich auch schon beim Bier mit Bild-Chef Kai Diekmann und Axel-Springer-Cheflobbyist Christoph Keese – ihr wisst schon, der, der an vorderster Front für das Leistungsschutzrecht gefochten hat.

Die Zwei waren zusammen mit Springer-Marketingboss Peter Würtenberger aus ihrer im Silicon Valley gelegenen “Wohngemeinschaft” nach San Francisco gekommen, um sich bei einem Kaltgetränk mit anderen Kurzzeit- und Dauer-Expats über den Stand der Branche auszutauschen. Seit Sommer 2012 befinden sich Diekmann und seine Mitstreiter aus dem Springer-Führungsstab in variierender Besetzung und zeitweilig begleitet von Kollegen und Praktikanten in Kalifornien, um die Lage zu sondieren, ihr Netzwerk zu erweitern und – so Diekmann vor Antritt der Reise – um zu lernen, “die digitale Welt nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu verstehen”. » weiterlesen

Apps zur Lebensverbesserung:
Wieso Mentor und Lift Potenziale verschenken

Verschiedene mobile Apps, darunter auch die neue Anwendung des Berliner Startups Mentor, wollen Menschen beim Erreichen der persönlichen Ziele unterstützen. Doch ihr Weg über die Schaffung extrinsischer Motivation hat Schwächen.

MentorDen inneren Schweinehund zu überwinden, um als anstrengend wahrgenommene, aber im Nachhinein für das eigene Wohlbefinden oder die eigene Gesundheit positive Aktivitäten durchzuführen, ist für viele Menschen eine große Herausforderung. Selbst wenn sie sich über die erstrebenswerte Langzeitwirkung von Besuchen im Fitnessstudio, der Einnahme gesunder Speisen oder der regelmäßigen Benutzung von Zahnseide im Klaren sind, reicht diese Erkenntnis häufig nicht dazu, um die kurzfristigen Einbußen in Komfort, Zeit und Spaß selbstverständlich hinzunehmen.

Schon seit längerem versuchen Startups, mit mobilen Applikationen bei diesem verbreiteten Problem unterstützend zur Seite zu stehen. Nach DidThis und Lift hat sich nun auch ein junges Berliner Startup der Aufgabe verschrieben, an der Verbesserung von Aspekten ihres Lebens interessierten Anwendern bei der Verwirklichung dieses Ziels zu helfen. Mentor nennt sich der von Lukas Kampfmann, Philipp Merlin Scharff, Jeremias Wolf and Niclas Rohrwacher gegründete Dienst, der ab Freitag offiziell als kostenfreie App für das iPhone bereit stehen wird. Eine unter mentor-beta.com zu findende Beta-Version kann bereits jetzt direkt vom iPhone aus installiert werden. » weiterlesen