Alle 12 Artikel zum Thema journalisten auf netzwertig.com:
Dieser Text ist als Kolumne im Schweizer Medienmagazin “Edito” erschienen.
Von allen Seiten hören wir, die Medien steckten in einer Strukturkrise, deren Ausgang nicht absehbar sei. Die Digitalisierung unterspült Plattformen und Kanäle, und in kopfloser Aufregung beladen Verlage und Veranstalter neue Vehikel mit den alten Gefäßen und Inhalten.
Diese Panikaktionen greifen viel zu kurz, weil die Umwälzungen nicht nur die Strukturen des Mediengeschäfts erfasst haben, sondern vor dem Kern nicht halt machen: Dem Journalismus als solchem. Wo Informationen uneingeschränkt fließen, sind “Gatekeeper” überflüssig; die “Produktion” von News tut weniger Not als ihre Einordnung; vor allem aber findet eine Revolution statt, die Stanford-Professor Lawrence Lessig den Übergang von der “Nur-Lesen” zur “Lesen/Schreiben”-Kultur nennt:
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Schon wieder ein anonymer Brief – aber diesmal schreibt ein Festangestellter. Sein Alltag in der Redaktion: Kaffee schlürfen, beschäftigt tun, Raucherpausen und aufs Gehalt warten.

Powernapping im Büro (cc-Lizenz, slworking)
Wie sieht es eigentlich in einer Zeitungsredaktion in Deutschland aus? Alle unmotiviert und arrogant? Gar drogenabhängig? Sicher nicht. Aber einige Redaktionsmitglieder gibt es schon, die schon seit Jahren, seit Jahrzehnten in den Redaktionen rumfläzen oder rumlungern und im besten Fall die Kollegen nicht von der Arbeit abhalten. Sie sind da, weil sie von Rechts wegen nicht so leicht gekündigt werden können. Man kriegt sie nicht weg, weil es ein Unternehmen viel Geld kostet, sich von einem Journalisten, der 15 oder 20 Jahre im Unternehmen verbracht hat, zu trennen.
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Die Freiberuflichkeit hat viele Vorteile – findet Don Dahlmann und hat gute Argumente gegen eine Festanstellung. Außerdem gibt’s fünf Tipps für angehende freie Journalisten.
Ich bin seit vielen Jahren freier Journalist und lebe ohne Festanstellung. Angefangen habe ich in den neunziger Jahren, wie so viele neben dem Studium. Dann folgten ein paar Jahre in verschiedenen Firmen, aber auch immer wieder unterbrochen von Phasen, in denen ich wieder solo unterwegs war. Meine letzte Festanstellung habe ich 2001 gekündigt. Freiwillig. Ich kann
die Klagen des Kollegen an dieser Stelle nachvollziehen.
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Wer mit wem: Seit Anfang des Jahres werden in Deutschland Verbindungsdaten gespeichert. Wie Journalisten darauf reagieren können, erklärt Markus Beckedahl im Interview.
Was hat sich für Journalisten mit dem 1. Januar verändert – was müssen sie beim Umgang mit Quellen und Kontakten beachten?
Die Vorratsdatenspeicherung ist für das Internet in Kraft getreten. Damit kann festgestellt werden, wer mit wem in den letzten sechs Monaten per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden oder das Internet genutzt hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS wird auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten.
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Zu wenig eigenständig, nicht genug Qualität: Die SonntagsZeitung ist enttäuscht von Schweizer Blogs. Das könnte daran liegen, dass es für bahnbrechende Geschichten Recherche, Zeit und damit Geld braucht.
Bla-Bla-Blogger? Die
SonntagsZeitung ist enttäuscht von der Schweizer Blogosphäre – das ruft nach einer Antwort, nicht nur in unseren
Kommentaren. Nehmen wir mal an, der Fünftligaverein FC Oberwil III spielt Fussball gegen den FC Basel. Auf der einen Seite Arbeiter und Angestellte, die nach einem harten Tag auf der Baustelle oder in der Fabrik sich abends einmal in der Woche vor dem Biertrinken zum Fussball treffen. Auf der anderen Seite Profifussballer, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als zu trainieren, sich massieren zu lassen, Taktik zu büffeln und Autogramme zu geben. Würde es jemand wundern, wenn die Profis vom FC Basel die saubereren Pässe schlagen, konditionell besser drauf sind, das Spiel vielleicht zurecht gewinnen?
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Notfall (bsabarnowl, CC-Lizenz)
Ralf Schwartz ist kein Journalist. Und auch kein Blogger. Er ist ‘Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Marketing und Strategische Unternehmensplanung‘, der über Blogger und Journalisten einfach mal nachgedacht hat – gleich in sechs ‘Dimensionen’ und mit einem putzigen Resultat. Immerhin erfahren wir etwas mehr über den Blick der Wirtschaft auf die Medien.
Schwartz denkt von der Marke her. Das heißt, ihm ordnet sich die Welt – um auch mal abstrakt zu formulieren – ‘in medial zu unterstützenden Umsatz- und Imageansprüchen interessierter Anbieter von Waren’. Schließlich hat Ralf Schwartz vom Tierfutter über die Mundpflege bis hin zu Sportschuhen ein weites Spektrum von Konsumgütern auf dem Markt etabliert. Arbeitet Ralf Schwartz ‘für sich’ die Unterschiede zwischen Journalismus und Blogs heraus, dann werden wir diese, seine Marktverankerung immer im Hinterkopf behalten müssen. Zu diesem Text aus der Sicht des ‘Anzeigenkunden’:
» weiterlesen: Hat die mittelmäßige Journaille selber schuld?
Warum können eigentlich Journalisten nicht so reden, dass ihr Publikum sie auch versteht? Mühsam bimsen sie sich in den Redaktionen eine diplomatisch verklausulierte Fremdsprache bei, die der arglose Bürger am Frühstückstisch erst mühsam rückinterpretieren muss. Dabei könnte alles ganz einfach sein, wie es diese kleine Übersetzungshilfe beweist:
Journalistisch: ‘[XYZ] hat [irgendetwas] scharf kritisiert’.
Alltagssprachlich: ‘[XYZ] maulte noch ein wenig herum.’
Journalistisch: ‘[Irgendetwas] sei keine leichte Entscheidung gewesen‘
Alltagssprachlich: ‘Nächtelang hätten sie sich vorher die Kante gegeben’.
Journalistisch: ‘[XYZ] werde das Thema … zum Gegenstand … machen’.
Alltagsprachlich: ‘[XYZ] will sich mit dem Thema jetzt selbst profilieren’.
Journalistisch: ‘[XYZ] strukturiert sein Geschäft um‘.
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Radikal und subjektiv: Der Dokumentarfilm “Gonzo” blickt zurück auf Leben und Werk von Hunter S. Thompson. Der Reporter und Schriftsteller gilt als Begründer des New Journalism.

Natürlich muss ein Film über den Begründer des so genannten “gonzo journalism” auch so heißen: “Gonzo”. Oscar-Preisträger Alex Gibney hat mit Originalaufnahmen, Zeitzeugen und nicht zuletzt mitreißende Musik eine knapp zweistündigen Dokumentation über den legendären Journalisten Hunter S. Thompson gedreht. Erzählt wird der Film von Johnny Depp, der den manischen Schreiber schon in dem drogenlastigen Roadmovie “Fear and Loathing in Las Vegas” gespielt hat. Klar, dass auch die Doku keine Jugendfreigabe bekommen hat: “Rated R for drug and sexual content, language and some nudity.” Trailer nach dem Klick:
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Nur ausgewählte Bilder bekommen Zuschauer von der Euro 2008 zu sehen. Journalisten meiden das Thema, fürchten um ihre VIP-Karten. In Sachen Zensur kritisiert man lieber China.
Das doch eher als provinziell angesehene St. Galler Tagblatt spricht aus, wie viele Journalisten die nicht gezeigten Bildern von der Fussball-EM 2008 wahrnehmen. Das lesenswerte Werk heisst Sport und Medien: Ein Anpfiff:
Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Medienlandschaft gehen, ja, durch ganz Europa. Denn die journalistische Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Doch es sind nur einige wenige Stimmen, die auf Anfrage Stellung nehmen (…). Wieso aber sollte man reagieren? Nun, ersetzen Sie doch mal die Euro durch Olympia und «Uefa» durch «chinesische Regierung»: «Wer die Olympia-Wettkämpfe am Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles: Die Bilderauswahl trifft die chinesische Regierung als Veranstalter gleich selber – und achtet darauf, dass keine ihr unliebsamen Szenen in die guten Stuben flimmern.»
Doch es geht kaum ein Aufschrei durch die Medienlandschaft. Und Marlis Prinzing, Verfasserin des Anpfiffs, weiss auch wieso:
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Auch wenn jedes Medium seine Vor- und Nachteile hat: Immer noch herrscht Streit zwischen Bloggern und Journalisten. Doch es wäre besser, wenn sich die Liebhaber von bemerkenswerten Inhalten gegenseitig fördern würden, statt sich zu bekriegen.
In einem Blogkommentar las ich diese Woche, medienlese.com pflege einen lächerlichen Hass gegenüber den “bösen Printmedien”. Was mich betrifft, möchte ich das dementieren. Ich liebe und hasse vieles, wenn der Tag lang ist, aber warum sollte ich etwas der Form wegen hassen? Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile.
Ich liebe es zum Beispiel, in einem Sessel ein Print-Magazin durchzublättern, hasse es aber, wenn ich ein Zitat daraus abtippen muss, statt wie wie am Laptop Ctrl + C zu drücken und es woanders einzufügen.
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