Alle 6 Artikel zum Thema Angela Merkel auf netzwertig.com:
Barack Obama, vielleicht künftiger Präsident der USA, beehrt Berlin – und deutsche Online-Medien überbieten sich selbst: Live-Reportagen und +++ Live-Ticker +++, wohin man klickt.

Jedes noch so kleine Detail wird im Minutentakt eifrig an die werten Klick-Kunden durchgegeben: Obama hier, dort, überall. Verdächtiges Päckchen in der Lobby von Obamas Hotel? Eilmedlung! Es gibt kein Erbarmen. Auch nicht auf sueddeutsche.de: “An der ersten Ma[r]kierung, braune Tapes auf hellgrünem Teppich, gibt es ein kurzes Shakehands für die Journalisten.” Bitte! Mehr! Details!
Die über Agenturen angefütterten Ticker, von Focus bis Stern, unterscheiden sich kaum. Selbst der Bild-Ticker könnte für das Angebot eines seriösen Mediums durchgehen. Oder andersherum. Doch zum Glück gibt es eine rühmliche Ausnahme: Noch eine Spur überdrehter liest sich der Obama-Hype auf Faz.net. Dort berichtet Marcus Jauer live aus Berlin. Bei ihm finden sich folgende Sätze:
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Der Blick von außen: Die New York Times berichtet über Charlotte Roches “Feuchtgebiete”. Angela Merkel, Heidi Klum und Lady Bitch Ray sind auch dabei …
Deutschland ist gespalten: Einerseits gucken Millionen Heidi Klums (spindeldürr und formstabil) absolut keimfreie Topmodel-Seifenoper und feiern die perfekte Enthaarung, den makellosen Teint und die totale Kontrolle über den Körper. Andererseits ist Charlotte Roche (keine Angst vor Sekreten) mit ihrem Buch “Feuchtgebieten” umfassend erfolgreich: Nationale Debatte angezettelt. Bald 700.000 Bücher verkauft. Auf der weltweiten Bestsellerliste von Amazon gelandet (als einziges deutschsprachiges Buch). Lesetour bis in die bayerische Provinz (Eintritt erst ab 18 Jahre). Englische Übersetzung besiegelt (erscheint nächstes Jahr als “Wetlands”).
Die New York Times berichtet nun über die Debatte – mit einem umfassenden Artikel. Charlotte Roche, Eva Herman, Lady Bitch Ray, Heidi Klum, Alice Schwarzer, Ingrid Kolb und Angela Merkel, alle, alle kommen vor im grundsätzlichen Abriss über Frontverläufe, Koalitionen und Emanzipationsrückstände im alten Europa. Was für eine Debatte:
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Aus dem “neuen Magazin für Deutschland” wird eine ganz gewöhnliche Zeitschrift: Aktuelle Personalien zeigen, wo der Schwerpunkt der Vanity Fair in Zukunft liegt.
Die neue Vanity Fair unter Chefredakteur Nikolaus Albrecht reiht sich endgültig zwischen Bunte, Gala und Co. ein: Weniger Relevanz, mehr Firlefanz. Unterhaltung für die breite Masse, weniger Anspruch, weniger verzweifelt auf der Suche nach den ominösen “Movers and Shakers”. Also wurde konsequent das “Agenda”-Ressort gestrichen, das A-Wort existiert nur noch als Bezeichnung einer Rubrik auf der Internetseite. Zu der gefühlten Weichspülung des Magazins passen eine Hand voll Personalien, die in dieser Woche von den bekannten Branchendiensten vermeldet wurden:
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Heute besucht die deutsche Bundeskanzlerin das südliche Nachbarland. Schweizer Intelligenzblätter erinnern sich an ihr ausgeschnittenes Kleid und jubeln vorab über die “richtige” Frau.

Merkel: “In ihrer vollen Blüte” (Bild Keystone)
Die deutsche Bundeskanzlerin ist heute für einen Kurzbesuch in der Schweiz. Sie wird sich in Bern mit Bundespräsident Pascal Couchepin treffen sowie in Genf das europäische Zentrum für Kernforschung besuchen.
Seit sie bei einem Opernbesuch in Norwegen vor zwei Wochen ein recht handelsübliches Abendkleid getragen hat, sind die Medien vom Thema der Kleiderwahl der Kanzlerin begeistert. Das Genderblog fasste die damalige Aufregung mit einem kurzen, aber aussagekräftigen “Medien überrascht: Angela Merkel hat ja Brüste!” zusammen. Julia Seeliger warf ein, dass niemand derart über Merkels Aussehen schreiben würde, wenn sie ein Mann wäre und meinte, Journalisten, die sich an Merkels Brüsten abarbeiten, “sollten sich was schämen” und erinnerte an den Pressekodex.
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“Unfreiwillig komisch” heisst der Beitrag des ZDF-Magazins “Frontal 21″ über Politiker, die das Internet entdecken. Die armen Newcomer werden ausgelacht von alten Hasen mit jahrzehntelanger Erfahrung, die dank Gebührengeldern produktionstechnisch stets auf dem neuesten Stand sind.

Vorreiter der neuen Berliner Videoschule? (Screenshot ZDF)
Das Werk von Werner Doyé und Andreas Wiemers (youtube.com, Video, 5:45 Minuten) widmet sich den “Medienprofis” (gemeint sind Politiker). Gleich in der Einleitung werden sie “kamerageschulte Medienmeister” und “perfekte Volksfischer” genannt, die aber das volle Mitleid des Moderators geniessen, weil sie “auch im Internet total cool rüber kommen” sollen.
Natürlich ist es legitim, über die SPD zu lachen, die eine Reihe mit Fragen an Kurt Beck veranstaltet und dann gar keine Fragen beantwortet. Und den Videocast von Angela Merkel in Frage zu stellen, der bereits “mehrere 100.000 Euro” (!!!) gekostet haben soll. Und vielleicht ist auch etwas Wahrheit dran, wenn “die geneigte Web-Gemeinde sich” dabei “an skandinavische Filme in Dogma-Manier erinnert”.
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Dienstagmorgen, 8:17 Uhr, Netzeitung. Angela Merkel, amtierende Bundeskanzlerin von Deutschland, nimmt von Sonntag bis heute am 21. Parteitag der CDU Deutschlands teil. Gestern war die erste Plenarsitzung, heute die zweite. Ist was aufregendes passiert? Ich glaube nicht.
Trotzdem muss Angela Merkel der Netzeitung gleich für drei Titel dienen und ist mit drei (vier) Bildern auf der Hauptseite vertreten. Die Texte heissen “Merkel hatte von Schröder die Nase voll“, eine Kolumne von Graf Nayhauß, “Merkel in der Mädchenrolle“, eine Beobachtung von Tilman Steffen und “Merkel zentriert sich in Hannover“, eine Presseschau.
Ohne näher auf die Inhalte einzugehen: War das nun ein Parteitag oder ein Event, bei dem es um die prominente Bundeskanzlerin ging?
Bild: Screenshot netzeitung.de (rote Kreise: medienlese.com)
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.