Social Network KWICK! erkennt mobiles Potential

kwick.gifKWICK!, ein im Rahmen der Web-2.0-Berichterstattung relativ unbachtetes, aber mit mehr als 900.000 Mitgliedern großes deutsches Social Network, geht mit dem Mobilfunker O2 eine enge Kooperation ein. In einer Basis-Version können KWICK!-Nutzer über das O2-Handy kostenlos mit ihren drei Lieblingsfreunden innerhalb der Community mit den Messenger-Tools kommunizieren. Wer zwei Euro pro Monat übrig hat, kann das Angebot auf das gesamte Social Network erweitern. Dann steht dem Anwender nahezu die komplette KWICK!-Funktionspalette zur Verfügung. Kosten für den Datentransfer fallen keine an. Lediglich das Hochladen von Bildern via MMS kostet. » weiterlesen

Insider und Medienkenner gesucht

Wir suchen Medienkenner aus Deutschland und Österreich,

die über Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Online-Magazine ihrer Region auf “medienlese.com” etwas zu sagen haben (und zwar am besten etwas, das Hand und Fuss hat und eine Diskussion einleitet statt eines Flamingwars), vorzugsweise natürlich ehemalige Chefredakteure und gefeuerte Verlagsmanager, die wissen, wie der Hase läuft und sich nicht mehr fürchten, es zu schreiben. Wir beschäftigen aber auch gerne kluge Köpfe, die einfach so wissen, was los ist und es eloquent formulieren können.

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10 Tipps, um User an ein Web-2.0-Angebot heranzuführen

Als Web-2.0-Blogger geraten mir täglich mindestens fünf bis zehn neue oder zumindest bisher unbekannte Internet-Startups unter die Augen. Da zweinull.cc ein Hobby ist und ich für das Lesen der Meldungen des Tages, für das Verfassen neuer Artikel und für das Anschauen frischer Webangebote nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung habe, muss alles sehr effizient ablaufen. Gerade das Umschauen auf neuen Seiten darf nicht zu lange dauern. Meine Idealvorstellung ist, dass nach fünf bis zehn Sekunden das Prinzip sowie der Nutzen eines Dienstes oder einer Onlineanwendung klar ist. Nach maximal einer Minute auf der Seite sollten mir auch die wichtigsten Leistungsmerkmale bekannt sein.

Es mag Ausnahmen geben, bei denen es gerechtfertigt ist, wenn der Sinn & Zweck einer Seite nicht sofort deutlich wird. In der Regel sollte aber allen Startups daran gelegen sein, den Besuchern unmissverständlich klarzumachen, worum es geht und was die Vorzüge des Angebots sind. Das galt schon 1999 und hat mit dem Web 2.0 und dessen Vielfalt an neuartigen, komplexen Anwendungen weiter an Bedeutung gewonnen. Leider beherrschen und berücksichtigen noch lange nicht alle Web-2.0-Unternehmen diese “Kunst”. » weiterlesen

Zeitungen ohne Papier:
Was sind die Alternativen?

Auf meinen Beitrag “Zeitungen ohne Papier: Geht das finanziell überhaupt?” gab es vor und hinter den Kulissen schon einige Reaktionen. Matthias Schwenk hat in seinem Blog eine ausführliche Antwort geschrieben. Und auch auf die amerikanische Originalanalyse von Henry Blodget gibt es schon die eine oder andere lesenswerte Antwort. Viele der Einwände sind berechtigt, andere gehen aber auch etwas am Punkt der Analyse vorbei.

Erstens: Niemand behauptet natürlich, dass gedruckte Zeitungen in absehbarer Zeit verschwinden werden. Aber bei vielen Titeln erreichen die Auflagenverluste inzwischen Ausmasse, die die alten Geschäftsmodelle ernsthaft ins Wackeln bringen. Das Gedankenexperiment spielt darum das Szenario “Nur noch online, nur noch werbefinanziert” bewusst als rein theoretische Extremvariante durch. Eins ist klar: Die Zeitungen müssen sich schleunigst überlegen, wie sie auch mit ihren Online-Ausgaben mehr Geld verdienen können.

Zweitens: Dass Qualitätszeitungen, ob online oder offline, sich fast sicher nicht ausschliesslich durch Werbung finanzieren können, war gerade die Hauptaussage der Analyse. Das ist keine triviale Feststellung in Zeiten, wo die meisten Zeitungswebsites gratis sind oder langsam wieder gratis werden.

Die Tatsache, dass auch Qualitätstitel wie die New York Times, der Economist und vielleicht bald das Wall Street Journal praktisch all ihre Inhalte online kostenlos anbieten, zeigt meiner Meinung nach nicht, dass die Konzentration auf Werbeeinnahmen als Strategie gewonnen hat. Ebenso zeigt die Öffnung in Richtung von Web-2.0-Konzepten — sogar bei der altehrwürdigen NZZ können die Leser inzwischen jeden Artikel kommentieren — keineswegs, dass die alten Medienkonzerne inzwischen die Erfolgsrezepte der Internet-Konzerne erfolgreich adaptiert haben.

Diese Dinge zeigen sehr viel mehr, wie hilflos die Zeitungskonzerne dem Phänomen Internet immer noch gegenüberstehen. Statt ein wirklich gutes Produkt zu machen, für das Leute gern Geld bezahlen, gibt man alles gratis weg in der Hoffnung, ein paar Brotkrumen vom grossen Internet-Werbekuchen abzukriegen. Und statt selbstbewusst auf journalistische Qualität zu setzen, schickt man sich halbherzig ins modische Online-Jekami.

Wie sagte doch selbst Web-2.0-Unternehmer Jason Fried so schön: “Das beste Businessmodell ist immer noch, den Leuten ein wertvolles Produkt anzubieten und sie dafür Geld bezahlen zu lassen.” Und bezüglich Mitmachmöglichkeiten für alle User: Wer darf bei Google News Kommentare zu den Meldungen abgeben? Nur die Leute, die mit der Story wirklich was zu tun haben, nicht jeder Hinz und Kunz. Ist das elitär? Vielleicht. Aber eben auch qualitätssteigernd. Komisch, dass gerade die Web-Firmen konsequenter tradtionelle Modelle einsetzen als die alten Medien.

Die grosse Frage ist nun natürlich, wie man ein Online-Medienprodukt machen könnte, für das Leute Geld bezahlen. Hier mal ein paar Ideen:

Entrümpelte Websites. Die meisten Layouts von Mediensites sind unfassbar überladen in der Absicht, möglichst viele Pageviews für die Werbestatistik zu generieren. Ich würde gern bezahlen für eine entrümpelte Version, die geradlinig und einfach zu lesen ist. Mein Lieblingsbeispiel war immer noch die alte Website der Financial Times Deutschland, deren einfaches, aber exzellentes Layout leider einem modischen Überladungs-Redesign zum Opfer gefallen ist.

Weniger, aber dafür Wichtiges. Ich möchte gern die redaktionelle Selektionsleistung einer Top-Zeitung konsumieren, und nicht noch mehr Informationsflut. Ich habe gerade mal gezählt: Auf der Homepage des Wall Street Journal befinden sich heute Links zu insgesamt 127 Artikeln oder inhaltlichen Elementen. Auf der New York Times 121, auf der NZZ 67, auf der Süddeutschen Zeitung 155. Sorry, aber da kann ich auch gleich zu Google News gehen, die haben sogar noch mehr Stories. Warum sagt mir keiner, was nach Meinung der jeweiligen Redaktion heute wirklich wichtig (und nicht nur neu) ist? Dafür würde ich gern bezahlen. Als sachdienlicher Hinweis: Der automatisierte Filter von Memeorandum kochte die News der letzten 24 Stunden auf besser verdaubare 35 Meldungen im RSS-Feed herunter. Und das ganz ohne Redaktion…

Bitte die Substanz zuerst. Auch die Top-Zeitungen bieten online zuoberst primär die aktuellen Kurzmeldungen an. Das ist nett, aber kaum bearbeitete Agenturmeldungen kann ich auch auf 50’000 anderen Sites lesen. Wenn man zu den wirklich originären Hintergrundberichten vorstossen will, klickt man sich halb zu Tode. Bitte zeigt mir stattdessen die wirklich guten Hintergrundberichte und Kolumnen zuoberst. Macht mehr Themendossiers, nicht als Fussnote, sondern als Hauptattraktion. Gebt mir nicht einfach Volltextsuche über das Archiv, sondern echten Kontext für ältere Meldungen.

Einen brauchbaren RSS-Feed als Premium-Produkt. Ein wirklich brauchbarer RSS-Feed wäre schön. Bitte nicht nur Headlines, sondern ganze Artikel mit Bildern. Ich würde behaupten, dass die meisten News-Junkies heute RSS-Reader benutzen, und die Userzahlen werden weiter massiv steigen. Aber mit den verkrüppelten Feeds der meisten Zeitungswebsites kommt man nicht weit.

Mehr Produktvarianten. Das Online-Medium hat den Vorteil fast beliebiger Flexibilität. Wieso reflektiert sich das nicht in den Abo-Angeboten? Die meisten Online-Abos sind monolithisch und teuer. Warum kann ich nicht einfach nur beispielsweise den Wirtschafts- und Auslandsteil abonnieren, wenn mich das primär interessiert? Die Zeitungen müssen sich lösen von der monolitischen Mentalität aus der Print-Welt.

Andere Medienformen, aber richtig. Es ist ja toll, dass viele Zeitungen inzwischen mit Videos und Podcasts experimentieren. Aber die Resultate sind teilweise ziemlich kläglich. Da gibt es Journalisten, die einfach Auszüge aus ihren gedruckten Artikeln vorlesen, hinterlegt mit wacklig gefilmten, nichtssagenden Bildern. Andere führen übel stammelnd Audio-Interviews, die mehr verwirren als Informationswert schaffen. Und das Wall Street Journal bietet den Podcast “The Wall Street Journal This Morning” an, aber der kommt leider erst gegen 10 Uhr raus, zu spät für den Pendelweg. Kleiner Hinweis an die Printmedien: Schlechte audiovisuelle Medien werden nicht wertvoller, nur weil Eure Marke draufklebt. Auch für diese Medien braucht man echte Profis. Oder sonst sollte man sich auf seine wirklichen Stärken konzentrieren.
Vorbildlich ist da der Economist, denn der bietet seit kurzem (kostenpflichtig, aber gratis für Abonnenten) eine komplette Audio-Version der Zeitschrift an. Im Prinzip werden da einfach die gedruckten Artikel vorgelesen. Nicht originell, aber hochwertig und nützlich auf Reisen. Und ganz selten mal gibt es auch echte Juwelen, wie die Gadget-Videos von New-York-Times-Kolumnist David Pogue. Offensichtlich Low-Budget, aber exzellent gemacht. Dafür würde ich auch was zahlen.

Aber eben: Alle diese Stossrichtungen setzen voraus, dass man ein wirklich reichhaltiges Produkt zu bieten hat. Und da wird es für den überwiegenden Teil der Zeitungen ziemlich eng werden. Gerade die kleineren Zeitungen füllen ihr Printprodukt heute weitgehend mit Agenturmaterial, und die eigene inhaltliche Substanz ist zu dünn für ein überlebensfähiges Online-Produkt.

Nach aufgedeckten PR-Texten:
Agentur ist schuld

Das deutsche Wirtschaftsministerium soll eine Agentur dafür bezahlt haben, positive PR im redaktionellen Teil von Zeitungen unterzubringen. Natürlich wird das abgestritten. Die Verantwortung übernimmt die Agentur.

Das Departement von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (“Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen“), BMWi, steht in der Kritik. Wegen dem Gebaren der Mediaagentur Flaskamp, die beauftragt wurde, etwas Imagekampagne zu machen. Flaskamp erklärt das so :

Kommunikation muss effektiv und effizient sein. Dem stimmt vor allem das Wirtschaftsministerium zu. Und deshalb vertraut uns das BMWi seit Anfang 2007.

Damit sie richtig schön effektiv und effizient ist, wurde offenbar beschlossen, nicht nur in den Anzeigenteil vorzustossen, sondern auch in den redaktionellen Teil. Doof nur, dass es Zeitungen gibt, die da nicht mitmachen. Der Kölner Stadtanzeiger beispielsweise. Der sich entschlossen hat, sich dem von Flaskamp offerierten Beispiel nicht anzuschliessen und stattdessen diesen Untergrabungsversuch auf die Pressefreiheit publik zu machen.

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Breitseite Richtung Redmond:
Google integriert StarOffice in Google Pack

Endlich wieder mal richtig Bewegung an der Office-Front: Google integriert neuerdings das Office-Paket StarOffice von Sun im kostenlosen Softwarepaket Google Pack.

Googlepack

Google Pack ist die Rundumlösung von Google für alle möglichen Softwareprobleme, die man als PC-User so haben könnte. Neben den Google-eigenen Produkten (Google Desktop, Earth, Picasa, Toolbar, Talk) ist auch noch Firefox, Norton-Antivirensoftware, der Adobe Reader, der RealPlayer und Skype mit dabei. Und jetzt eben auch noch StarOffice. Und damit wäre das Anti-Microsoft-Paket dann eigentlich komplett. » weiterlesen

medienlese – Der Wochenrückblick

Am Ende der abgelaufenen Woche erzählt uns die Süddeutsche Zeitung (dieses Medium, das neulich eine 100-teilige Bildergalerie der 100 besten Biere der Welt auf ihrer Website veröffentlicht hat) etwas über Relevanz. Über die Relevanz der deutschen Blogosphäre, um genau zu sein. Die sei nämlich quasi nicht vorhanden, schlussfolgert behauptet der Autor Johannes Boie, aufbauend auf der ein oder anderen zutreffenden Beobachtung und einem Interview mit dem Soziologen Jan Schmidt, aber davon abgesehen weitgehend ohne Quellenangabe. So können wir leider nicht nachvollziehen, wieso Boie überhaupt auf die Prämisse gekommen ist, dass “die deutsche Blog-Szene eine Alternative zu den etablierten Medien werden” wolle. Und wieso er vergessen hat, dass er für einen anderen Artikel schon mal mit Jan Schmidt gesprochen hat und damals über ihn schrieb:

“Er sagt, die meisten der Netzautoren hätten gar kein Interesse daran, die etablierten Massenmedien abzulösen.”

Schon vergessen, Kollege? Der Artikel in der Süddeutschen erschien übrigens unter dem Titel “Abgebloggt”. Ein spitzenmäßiges Wortspiel, finden wir, die etablierten Medien sind halt einfach sowas von weit vorne.

Zum Glück passierte auch noch Relevantes in der vergangenen Woche.

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Zeitungen ohne Papier:
Geht das finanziell überhaupt?

Dass es den Zeitungen derzeit nicht gut geht, hört man allerorten. Während die Situation in Europa schon reichlich schwierig ist, wird sie in den USA zunehmend prekär. Auch renommierte Titel verlieren rasant Auflage und Werbeumsätze, und die einst stolzen Gewinne verwandeln sich zunehmend in Verluste.

Kein Wunder, sagen viele, der Grund sind die horrend hohen Druck- und Verteilkosten der physischen Zeitung. Wenn die Qualitätstitel nur noch online ihre hochwertigen Inhalte anbieten würden, wären sie schnell wieder profitabel, so eine oft gehörte Theorie. Aber: Stimmt das wirklich?

Der berüchtigte Analyst Henry “Amazon $400″ Blodget hat darum mal eine Zahlenspielerei mit den Finanzergebnissen der New York Times durchgeführt und herausgefunden: Auch bei optimistischen Annahmen könnte die NYT nur online niemals profitabel werden.

Machen wir das gleiche Spiel doch mal mit einem vergleichbaren europäischen Titel: der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Die ist in den meisten Aspekten gut mit der NYT vergleichbar: Renommierter Qualitätstitel mit Ausstrahlung über den Heimmarkt hinaus, attraktive Zielgruppe, sehr erfolgreiches Online-Angebot. Die NZZ-Gruppe machte laut Jahresbericht 2006 einen konsolidierten betrieblichen Ertrag von CHF 501,1 Mio. bei betrieblichen Kosten von 476.6 Mio. Daraus resultierte ein Betriebsgewinn von 25.4 Mio. Die ganze Gruppe beschäftigt derzeit 1700 Mitarbeiter.

Wenn man nun das Phantasieszenario durchspielen würde, dass die NZZ alle papierbasierten Medien aufgibt, würde das etwa folgende Konsequenzen haben. Natürlich basieren diese Zahlen alle auf recht groben Annahmen, weil der Jahresbericht nicht so detailliert ist, aber für ein Gedankenexperiment ist das genau genug.

  • Aufwände für Material und Versand fallen ganz weg, ebenso die “Fremarbeiten”, von denen wir mal annehmen, dass sie primär druckorientiert sind. Einsparung: 164 Mio.
  • Der Jahresbericht sagt nicht, wie viele Leute im Druckbereich der NZZ-Gruppe arbeiten, aber nehmen wir mal an, dass nicht mehr als 30% der Personalkosten etwas mit dem physischen Produkt zu tun haben. Das scheint in etwa sinnvoll, denn Zeitungsdruck ist heute eine stark automatisierte Angelegenheit, wo keine Heerscharen von Mitarbeitern nötig sind. Die Personalkosten würden sich also um 30% reduzieren, damit haben wir schon wieder 58 Mio. eingespart.
  • Auch die Abschreibungen würden sicher massiv zurückgehen, denn die fallen wohl primär für die teuren Druckzentren an. Nehmen wir an, dass wir da 80% sparen, das sind 25 Mio.
  • Die übrigen Kosten nehmen wir mal als unverändert an. Es gibt keinen Grund, warum man zum Beispiel viel weniger für Werbung ausgeben würde.

Prima, mit diesen Massnahmen würde die NZZ in einer Nur-Online-Welt ihre Kosten auf 221 Mio., oder nur 46% der heutigen Kosten herunterdrücken. Aber wie sieht es mit den Einnahmen aus?

  • Die Erträge für elektronische Medien würden natürlich wachsen, sagen wir mal um 30%.
  • Von den Werbeeinnahmen der Zeitung nehmen wir an, dass 25% ins Online-Medium transportiert werden könnten. Das ist vermutlich sogar sehr optimistisch. Eine typischere Faustregel für die Migration von Werbung von Print zu Online geht eher von einem Verhältnis von 10:1 aus, aber nehmen wir mal die optimistische Variante.
  • Einnahmen von Abos fallen ganz weg, denn wie es sich gehört, wird online alles gratis angeboten.
  • Auch Druckerträge fallen natürlich weg.
  • Wir nehmen an, dass vom übrigen Verlagsertrag nur 20% übrigbleiben, denn das ist primär der Buchverlag. Und vom Rest bleiben 50%, weil da noch Erträge aus dem Zeitungstransport drin sind.

Resultat: Der Umsatz reduziert sich von 505 Mio. auf noch ganze 106.5 Mio. Hmm.

Nzz-2

Ohne Papier würde dieser naiven, aber tendenziell optimistischen Modellrechnung zufolge die NZZ-Gruppe einen Verlust von CHF 115 Mio. pro Jahr einfahren, d.h. mehr Verlust als Umsatz. Das wäre ja fast schon ein klassisches Dot-Com-Unternehmen…

Aber wie wir aus der Dot-Com-Ära wissen, ist so ein Missverhältnis natürlich nicht überlebensfähig. Die Gruppe könnte den Breakeven-Punkt nur erreichen, wenn 80% der heutigen Werbeeinnahmen aus der Zeitung ins Online-Medium übernommen werden könnten. Und das ist absolut unrealistisch.

Ganz offensichtlich ist also der Aufwand der physischen Produktion nicht das wirkliche Problem der Zeitungshäuser. Auf der Kostenseite ist der Personalaufwand mit weitem Abstand der grösste Brocken. Zeitungen wie die NZZ beschäftigen sehr umfangreiche Redaktionen, beispielsweise hat die NZZ schon allein fast 50 Auslandskorrespondenten. Und die arbeiten nicht billiger, nur weil das Papier wegfällt.

Auf der Einnahmenseite ist es praktisch unmöglich, die hohen Werbeeinnahmen aus der Zeitung ins Online-Medium herüberzuziehen. Online ist halt nun mal erheblich kostengünstiger und effizienter, und regionale Monopole haben im World Wide Web keine Bedeutung. Darum sind naturgemäss die Werbeeinnahmen, die Zeitungsunternehmen online erzielen können, auch erheblich geringer. Und bezahlte Abos lassen sich im Online-Bereich nur sehr schwer durchsetzen. Das weltweit fast einzige Erfolgsbeispiel ist das Wall Street Journal, und das überlegt sich bereits eine Abschaffung der Abo-Gebühren, weil sich durch die reduzierte Leserschaft die Werbeeinnahmen stark reduzieren.

Da würde der fiktiven Nur-Online-NZZ-Gruppe nur eins übrigbleiben: Massiv Personal abbauen, Redaktion radikal verkleinern, Verwaltungsaufwand auf ein Minimum reduzieren. In meiner Modellrechnung würde der Konzern wieder Gewinn schreiben, wenn der Personalbestand auf etwa 30% reduziert würde. Nur: Was würde dann vom heutigen Qualitätsniveau übrigbleiben? Angesichts dieser ökonomischen Realitäten erstaunt es nicht weiter, dass im reinen Online-Bereich sehr wenig Qualitätsjournalismus im klassischen Sinn zu finden ist.

Eins ist also klar: Einfache Antworten darauf, wie Zeitungen ihr Businessmodell in Zukunft verändern sollten, gibt es nicht.

Online-Video:
Niemand will bezahlen, Werbung siegt

Vor einiger Zeit habe ich mir hier ja schon mal Gedanken darüber gemacht, wie sich die Businessmodelle im Bereich Online-Video in der nahen Zukunft entwickeln könnten. Angesichts der Vielfalt von Modellen ist klar, dass bald mal eine Konsolidierung einsetzen muss und die weniger erfolgreichen Varianten vom Markt verschwinden werden.

Ein erstes Opfer dieser Konsolidierung scheint das Modell zu sein, stückchenweise Videocontent auf dem Web zu verkaufen. Das sieht zumindest Google so und stellt demnächst den Verkauf von Webclips auf Google Video ein. Diese bezahlten Inhalte, die pro Clip zwischen $1.99 und $20 kosteten, wurden im Januar 2006 eingeführt, sind aber heute schon kaum mehr auf Google Video zu finden.

Offensichtlich sind die User nicht bereit, angesichts der Flut von kostenlosen Inhalten für Web-Clips auch noch was zu bezahlen, selbst wenn es sich um professionellen Content handelt. » weiterlesen

Zattoo-Gründer im Interview

zattoo.gif
Update: Zattoo Deutschland ist gestartet. zweinull.cc hat Einladungen zur Beta!

Während die Nutzer in Deutschland weiter auf den Start des Internet-TV-Dienstes Zattoo warten, veröffentlichte der englische Digital-Lifestyle-Blog last100 in der vergangenen Woche ein Interview mit den Zattoo-Gründern Sugih Jamin und Beat Knecht. Bereits vor einiger Zeit ging Sugih Jamin im Interview mit zweinull.cc auf die Entstehungsgeschichte von Zattoo sowie Unterschiede zu anderen P2P-TV-Anbietern ein. Im last100-Interview geben Jamin und Knecht zudem technische Details zur Software und zum Übertragungsverfahren preis und erläutern, wie Zattoo Abmachungen mit den nationalen Fernsehanstalten und -behörden trifft. Hier geht es zum Interview in Englisch. Eine mit Google übersetzte Version in schlechtem Deutsch gibt es hier.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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