medienlese – der Wochenrückblick

Es war die ganze Woche schönes Wetter im deutschsprachigen Sendegebiet. Die Menschen verbrachten darum ihre Zeit kaum vor dem Computer, sondern picknickten in Parks, spielten Boule und Federball, tranken kühlen Wein und assen Kuchen. Darunter sogar typische Blogger, Bartträger, um die Dreißig, leicht übergewichtig; Nerds eben. So wurden sie jedenfalls von Harald Staun in der F.A.S. beschrieben; wie genau dieses Klischee-Bild mit der im gleichen Text beschriebenen 2/3-Mehrheit von weiblichen Bloggern in Deutschland einhergeht, ist nicht bekannt. Immerhin brachte der Text mindestens einen Blogger dazu, das erste Mal 2007 Geld für ein Printprodukt auszugeben (2 Euro 60 an der Tanke). Online konnte man den Artikel entweder gratis lesen oder auch “zum Preis von 2,00 ? für 24 Stunden nutzen“. Zur “Wo seid ihr?”-Frage dazu bot die Zeitung einen kürzeren “Wer bin ich?“-Text an, in dem Stefan Niggemeier erklärte, warum Bloggen so befriedigend ist. Sehr wichtig ist das alles aber so oder so nicht, denn wie die Werbewoche schreibt, rollt die Blog-Welle noch dieses Jahr zurück.

Johannes Honsell von sueddeutsche.de schrieb 6 Seiten voll live von den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, in denen er so einiges erlebte: “Achtung: Panik auf der Place de la Bastille! (…) Jetzt scheint die Straßenschlacht erst richtig loszugehen: Einige Demonstranten stürmen auf die aufgezogene Sonderpolizei. Ich wende mich um, weg, nur weg. Zurück zu meinem Cafe. Es ist verrammelt – jemand lässt scheint mich zu erkennen, lässt mich hinein. (…) Im Café hat einer der Eingeschlossenen seine Gitarre zur Hand genommen, Der Teil des Cafés, der nicht heult, singt jetzt.” Und bewies damit, wie interessant Liveblogging sein kann.

Persoenlich.com, das bisher Second Life-Gänge von Schweizer Medien- oder Werbeunternehmen lückenlos vermeldete, schrieb: “Kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass es in Second Life nur von Journalisten wimmle, die von ihren Medien beauftragt wurden, über Second Life zu schreiben und die Parallelwelt auf der Suche nach berichtenswerten Geschichten durchstreifen”. Fussballer Ivan Ergic vom FC Basel gab der WOZ Karl Marx als eine seiner wichtigsten Inspirationen an. Die Titanic behauptete, Ulrich Wickert würde seine Buchsendung aufgeben, weil er “pro Sendung minimum drei Bücher nicht nur lesen, sondern obendrein verstehen” müsse. Der Blick schrieb zur Kampagne des Schweizer Gewerkschaftbundes SGB um eine anstehende Revision der Invalidenversicherung, in der Bundesräte als Invalide dargestellt werden, am 02.05.2007: “Tatsache ist: Die SGB-Kampagne ist ein Volltreffer.“. Nur drei Tage später war von einem Skandal die Rede: “Behinderte für Kampagne missbraucht“. Ja, “darf man das?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Twitter:
mehr Potential als angenommen?

Es scheint, als handele es sich bei Twitter doch um mehr als einen kurzen und wenig zukunftsträchtigen Web-2.0-Hype. Vor knapp zwei Monaten tauchte der Dienst, bei dem User übers Web, per Instant Messenger oder Handy davon berichten, was sie gerade tun oder denken, aus dem Nichts auf und war schlagartig Top-Thema in der Bloggerszene. Das Prinzip hinter Twitter ist so simpel, dass nur wenige mit einem längeren Erfolg des Dienstes rechneten.

Doch bis heute geht es für Twitter bergauf, und auch die mediale Berichterstattung reißt nicht ab. Mittlerweile haben einige Medienanbieter Twitter selbst als Distributionskanal für ihre Meldungen erkannt. Unter anderem veröffentlichen die New York Times, die BBC und seit vergangener Woche auch das deutsche Nachrichtenmagazin Focus aktuelle Schlagzeilen bei Twitter.

Dass offensichtlich Bedarf an zusätzlichen Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten rund um Twitter besteht, zeigt auch die steigende Zahl im Web angebotener Twitter-Tools. Twitterrific ermöglicht das Anzeigen und Veröffentlichen von Mitteilungen auf dem Mac-Desktop, Twitteroo auf dem PC-Desktop. TwitBin und tweetbar erweitern Firefox um Twitter-Funktionen. Einen Überblick über alle für Twitter verfügbaren Applikationen gibt das Twitter Fan Wiki.

Natürlich hat Deutschland bereits seine eigenen Twitters. Mit Frazr, faybl, wamadu und Baluuu gibt es hierzulande mindestens vier Sites, die von den Usern wissen wollen, was sie gerade machen und denken.

Angesichts der Tatsache, dass sich all dies in gerade einmal zwei Monaten entwickelt hat, bin ich gespannt, was es im Juli über Twitter & Co zu berichten gibt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Scribd:
pädagogisch wertvoll und bald in aller Munde

Scribd

Das Web 2.0 muss nicht nur der Unterhaltung und dem Kennen lernen interessanter Menschen dienen. Es eignet sich auch sehr gut zur Sammlung des weltweiten Wissens, wie Wikipedia und Freebase zeigen. Mit Scribd steht nun ein weiterer Dienst mit dem Prädikat “pädagogisch wertvoll” vor dem internationalen Durchbruch. Das bescheidene Ziel der kleinen Firma aus San Francisco: der Aufbau der weltweit größten Sammlung an Dokumenten.

Die Funktionsweise von Scribd ist der populärer Video-Portale sehr ähnlich: Benutzer können beliebige Dokumente wie PDF-, Word-, Excel- oder Powerpoint-Dateien hochladen und mit Tags versehen. Die beliebtesten Dokumente werden auf der Startseite vorgestellt. Das Gesamtarchiv wird kategorisiert und kann durchsucht werden. Jedes Dokument wird mittels Flash direkt im Browser angezeigt und steht außerdem in unterschiedlichen Formaten zum Download bereit. Auch eine automatisch generierte MP3-Version kann heruntergeladen bzw. gestreamt werden. Jedes bei Scribd hochgeladene Dokument wird von allen Suchmaschinen indiziert.

Das klingt praktisch, aber nicht revolutionär? Stimmt. Dokumente sind für die Mehrheit der Internetnutzer weit weniger spannend als Videoclips. Daher hat man sich bei Scribd überlegt, wie man dennoch eine große Nutzerzahl begeistern und zum Mitmachen bewegen kann. Im Gegensatz zu YouTube & Co muss man sich für den Dokument-Upload nicht anmelden. Jeder User kann anonym Dateien hochladen. Und es geht sogar noch einfacher: Scribd bietet eine Funktion namens “Slurping“, mit der ein beliebiges, im Netz befindliches Dokument automatisch importiert wird. Das einzige, was man dafür tun muss, ist in der Adresszeile des Browsers http://www.scribd.com/slurp?url= gefolgt von der kompletten URL des Dokuments einzugeben. In meinen Augen ist DAS der wahre Clou von Scribd, der zu einer rasch wachsende Zahl von verfügbaren Dokumenten führen wird. Wer dabei helfen möchte, muss sich lediglich angewöhnen, beim Surfen gefundene Dokumente nebenbei zu “slurpen”. Kleiner Aufwand und großer Nutzen!

Scribd verließ die Beta-Phase Anfang März. Derzeit sind knapp 30.000 Dokumente online, allerdings erst rund 500 auf Deutsch. Ich bin mir aber sicher, dass diese Zahl in Kürze explodieren wird. Die Idee hinter Scribd ist gut, die Umsetzung in meinen Augen noch besser und die Hürden für nicht angemeldete Nutzer, sich zu beteiligen, extrem niedrig. Wie und ob die drei Scripd-Gründer in Zukunft Geld mit der Seite verdienen möchten, ist bisher nicht ersichtlich. Werbung gibt es momentan keine. Die FAQ beantwortet die Frage, wovon das Team lebt, mit der kurzen Erklärung, einer der Gründer würde manchmal auf öffentlichen Plätzen Saxophon spielen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

(J)Ö-Schau – die Medienwoche in Österreich

Die Fachzeitung

Von Christian Horvath

Letztens meinte eine finnische Publizistik-Gaststudentin zu mir, dass die österreichische Medienszene in all ihren Ausprägungen an ein dunkles Entwicklungsland erinnere, in dem die Hofberichterstattung als von missionarischem Eifer geprägter Journalismus getarnt wird – und die Tarnung so allumfassend ist, dass die heimischen Medienmacher mittlerweile sogar selbst an ihre Rolle als vierte Kraft im Staate glauben.

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Nach der Digg-Revolte – YiGG-Gründer im Interview

Die User-Revolte bei Digg hat deutlich gemacht, wie leicht ein Web-2.0-Angebot mit Fokus auf User Generated Content außer Kontrolle geraten kann. Enrico Kern, Mitbegründer der deutschen Social-News-Plattform YiGG, im Interview mit zweinull.cc:

Hallo Enrico. Digg-Chef Kevin Rose hat sich dem Druck der Community gebeugt und den gelöschten Artikel mit dem HD-DVD Key wieder veröffentlicht. Hast Du Verständnis für seine Entscheidung?
Verständnis ist vielleicht das falsche Wort. Sagen wir mal, ich kann das nachvollziehen :)

Wie beurteilst Du den Vorfall? Wird hier eine dauerhafte Gefahr für Social-News-Plattformen deutlich oder ist das eher etwas, aus dem man lernen kann?
Ob es sich hier nun um eine Social-News oder eine “alte” Nachrichten-Plattform handelt, spielt glaube ich keine Rolle. Auch im Web 2.0 muss man sich an Gesetze halten. Wir stellen doch auch keine Raubkopien zum Download bereiten oder dulden das auf unseren Seiten, es ist schließlich illegal.

Das Problem mit dem HD-DVD Key ist simpel… es ist ein Netzphänomen. Die kleinen Leute gegen die riesige Unterhaltungsindustrie, welche uns mit DRM (Digital Rights Management) und anderen Beschränkungen zusetzt, weil sie Jahre lang jeden Trend verschlafen hat. Jeder freut sich da ein bisschen, dass die es wieder versemmelt haben. Nichtsdestotrotz hat die Industrie das Recht auf ihrer Seite und auch das Kapital…

Noch schreit die Digg-Community, doch was macht sie, wenn ihr Lieblingsportal mit Klagen überschwemmt wird? Soviel wird Digg nicht auf der hohen Kante haben. Im besten (oder schlimmsten?) Fall wird Digg dadurch ein günstiger Übernahmefall für den lieben Murdoch.

Welche Konsequenzen zieht YiGG aus dem Vorfall?
Auch bei uns werden erste Stimmen laut von wegen “ah seht Euch Digg an, fangt ja nicht auch damit an”. Hier muss man aber sagen, dass Digg wohl überreagiert hat. Z.B. wurden Benutzer ohne eine Verwarnung direkt entfernt, ohne darauf hingewiesen worden zu sein, warum eigentlich.

Illegaler Inhalt ist auch auf YiGG unerwünscht. Wir stehen natürlich in der Pflicht, das Angebot danach abzusuchen. Aber auch uns entgeht mal etwas, oder es ist einfach nicht ersichtlich, wo z.B. Rechte Dritter verletzt werden. YiGG ist jedenfalls Kooperationsbereit, wenn sich jemand in seinen Rechten verletzt fühlt, nur muss die Beanstandung auch ersichtlich sein. Oft kommen aber auch immer direkt die Schreiben von Anwälten, da bleibt uns meistens nichts anderes übrig, als zu reagieren. Das ist eben unser lustig kaputtes Abmahnungs- und Mediengesetz in Deutschland. Die Kleinen gelten als Futter für die großen Fische.

Generell haben die User im Web 2.0 mehr Macht als je zuvor. Doch Macht heißt auch Verantwortung. Wie siehst Du das?
Auf jeden Fall stehen auch die Nutzer in der Verantwortung. Damit die Plattform nutzbar bleibt, müssen die User auch mithelfen. Große Plattformen entwickeln sich schnell zu einer Spielwiese für «Trolle«. Man braucht sich nur mal die Kommentare auf YouTube anschauen.

Es gilt auch, einen neuen Benutzer in die Community richtig einzuführen und ihn nicht als Teil seiner Kapitalmaschine zu sehen, wie das bei einigen üblich ist.

Aber das Zusammenspiel der Benutzer alleine ist schon eine Hürde. Es gibt so viele verschiedene Leute, dass es praktisch unmöglich ist, alle unter einem Dach zusammenzubringen und dazu zu bewegen, sich zu lieben. Hier muss man dann sehen, das sachlich diskutiert wird und sich nicht alle gegenseitig die Köpfe einschlagen. Ich selbst komme auch nicht mit jedem Benutzer klar, und sobald man mal seine Meinung sagt, ist man gleich für immer abgrundtief böse ;)

In Deutschland gibt es immer mehr Social-News-Plattformen. Derzeit spekuliert man auch über eine Öffnung von Shortnews für Blogs. Wie möchte sich YiGG hier weiter profilieren?
YiGG wird viele neue Funktionen erhalten. Allerdings werden wir uns für deren Einführung sowohl optisch als auch von der Usability her neu positionieren. Bei uns ist erst mal aufräumen angesagt. Auch die Verbesserung der Stabilität und Geschwindigkeit des Dienstes steht auf dem Programm. Zeitnah werden wir einige verbesserte Web- und Blog-Tools vorstellen, u.a. ein dem WordPress ähnliches Plugin für den Firefox, gemixt mit StumbleUpon-Funktionalität. Auch an unserer API wird noch fleißig geschraubt. Dort ist noch genug Platz für neue Funktionen. Außerdem möchten wir die Klickraten unserer Top-Beiträge verbessern. Dazu lassen wir uns etwas einfallen, um mehr Besucher auf diese Artikel aufmerksam zu machen.

Bei YiGG wird die Community stark in den Entwicklungsprozess mit eingebunden. Wir hören uns nicht nur “ja und nein” an sondern setzen von der Mehrzahl für gut befundene Vorschläge der Benutzer auch zeitnah um. Kommt es nicht an, wird es eben wieder entfernt. Bei uns ging es nie ums simple Klonen, sondern ums Verbessern. Lieber Feature-Overkill als plumpe Copy-Cat.

Hast Du abschließend einige Zahlen für uns?
Na klar. Im Schnitt werden auf Yigg pro Tag ca. 1.200 neue Nachrichten eingestellt, vielen davon automatisiert (Gruppen-RSS-Feeds, die Gruppeneigentümer abonnieren können etc.). Der aktive Anteil (also mit Benutzeraktivität) liegt bei rund 290 bis 360 täglich, davon 100 aktiv aus Blogs durch unser Plugin und noch mal 20 bis 40 durch manuelles Einstellen.

Täglich besuchen 45.000 bis 55. 000 Besucher YiGG, die Mehrzahl davon über Google. Und bevor jetzt einige Blogger anfangen, sich Gedanken zu machen: Ja, es gibt dennoch im Schnitt nur wenig Klicks, weil sich diese hohe Anzahl an Benutzern auf momentan über 100.000 Nachrichten im System verteilt. Hinzu kommt auch, dass viele angemeldete Benutzer auf YiGG nur lesen und selten bewerten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Arschwil

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Wie schnell ins Internet gestellte “Fakten” verbreitet werden, zeigt heute die Berliner Zeitung sehr schön. Während man in einem Weltwoche-Text über die Mitglieder der Band Navel noch erfährt, “dass sie aus dem baselnahen Erschwil SO stammen, auch Arschwil genannt”, ist diese Unbenennung in der heutigen Berliner Zeitung auf Seite 33 bereits Tatsache. Muss ja so sein, wenn die Band das auf der eigenen Myspace-Seite so schreibt.

Gewagt ist auch die Aussage, dass es sich bei “Arschwil” um ein Städtchen handelt, bei kaum überschaubaren 918 Einwohnern. Possierlich sind Schweizer aber offenbar immer, auch wenn sie ohrenbetäubende Musik machen. Auch Hüttenkäse wird irgendwie in Verbindung mit irgendwas gebracht. Zuguterletzt könnte man, wäre man kleinlich, noch den Tippfehler bei Schönhauser Allee bemäkeln und erwähnen, dass sich die Band Navel nennt, nicht Navel of Switzerland, wie im Titel behauptet. Letzteres ist nur die Adresse bei Myspace.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Der Fall Digg und die Diktatur der Nutzer

Mitmachen ist im Internet zwar schon seit der Entstehung von Mailinglisten, Newsgroups und Foren möglich, doch ein richtiger Massentrend wurde es erst mit dem Web 2.0. Dementsprechend ist das Feld des vom Nutzer generierten Inhalts noch ein relativ unerforschtes. Welche Geschäftsmodelle sich durchsetzen werden, wie die Qualität der durch User erstellten Inhalte zu bewerten ist und welche Nachteile das Mitmach-Web hat, darüber wird derzeit noch viel spekuliert. Seit gestern ist man um eine weitere Erkenntnis reicher: Internetangebote, die stark auf User Generated Content setzen, können sehr leicht außer Kontrolle geraten.

Ein User der weltweit bekanntesten Social-News-Plattform Digg hatte einen Artikel veröffentlicht, dessen Überschrift einen eigentlich geheimen Key zur Entschlüsselung von HD-DVDs enthielt. Digg entschied sich, den Beitrag zu löschen, um rechtlichen Reibereien aus dem Weg zu gehen. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen: Andere Digg-Nutzer wurden auf die Löschung aufmerksam und posteten den Bericht erneut oder veröffentlichten Links zu Artikeln, die sich mit der Löschung des Originalbeitrags befassten. Da es in der Natur von Social-News-Plattformen liegt, dass die populärsten Artikel prominent auf der Startseite gefeatured werden, war diese schnell voll mit Meldungen zu dem Vorfall. Berichte auf der Startseite erzielen gleichzeitig die meisten neuen Leser, was die «Zensur bei Digg« in kurzer Zeit zu einer der Top-Nachrichten im Internet machte.

Und der Protest der User zeigte Wirkung: Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, entschied sich Digg-Gründer Kevin Rose, den umstrittenen Artikel samt des HD-DVD-Keys wieder bei Digg zu verlinken – zumindest für den Augenblick ein Sieg der Nutzer und eine nachvollziehbare Entscheidung von Kevin Rose, um nicht jedes Wohlwollen der Nutzer zu verlieren. Nun wird sich zeigen, ob Digg mit rechtlichen Schritten der hinter HD-DVD stehenden Unternehmen rechnen muss. Im schlimmsten Fall wird der Dienst mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert und muss aufgeben, auch wenn das ein eher unwahrscheinliches Szenario ist. Sollte es aber dazu kommen, dann wären die Sieger (User) am Ende die Verlierer und die Diktatur der Nutzer hätte ein erstes Opfer gefunden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Wakoopa:
Social Network für Software gestartet

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Seit gestern ist Wakoopa online: Es handelt sich hier um ein soziales Netzwerk für Software-Anwender. Man lädt sich einen kleinen Tracker herunter, der dann laufend auf das Profil überträgt, welche Software man benutzt (Sozusagen last.fm für Software). Derzeit scheint man allerdings etwas unter dem Besucheransturm zu leiden, weshalb nicht alle Funktionen verfügbar sind.

Eine gute Anwendungsmöglichkeit ist zum Beispiel, nach Software für einen bestimmten Zweck zu suchen. Ebenfalls kann sich der Dienst als nützlich erweisen, um den Nutzeranteil von Software herauszufinden, wie etwa beim Tag Browser.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Prominente Brüste

Vor ein paar Tagen Alarm bei der Schweizer Boulevardzeitung Blick: Einer bekannten Sängerin (Britney Spears) wurde in den Ausschnitt fotografiert. Blick nannte sie deswegen Luder und, Originalität vermissend, “Slip-Nie Spears“. Das war am letzten Freitag, dem 27.04.2007.

Dann durften wir am am Montag, dem 30.04.2007, die Eisbergspitzen von Victoria Beckham bewundern (die Frau eines prominenten Fussballers). Eine Story, die laufs des Tages den Toprang der Zugriffe erreichte. Zur Geschichte kam es laut Blick Online nur deswegen:

Offenbar hat Victoria Beckham auf Blick Online von Britneys neuster Luder-Attacke gelesen. Dabei muss sich die Fussballer-Gattin gedacht haben: «Was die kann, kann ich schon lang.»

Am Tag der Arbeit, dem 01.05.2007, dann ein Zwischenspiel mit zwei mir unbekannten, aber offenbar teilweise Prominenten aus Mexiko (“ein Zungen-Kuss, der es in sich hatte“).

Gestern Mittwoch, 02.05.2007, war die Reihe dann wieder an Britney Spears Es wurde “ein kleiner Nippel-Blitzer” erblickt (ebenfalls eine Top-Story).

Jeden Wochentag seit Freitag hat uns also Blick Online, reichlich bemüht, auf Überschneidungen der Themenbereiche Sex und Prominenz hingewiesen. Es ist wohl wahr, und vielleicht hat Readerscan genau das bewiesen: Sex und Promis werden mit Sicherheit angeklickt und bringen Klickerfolge. Es könnte aber auch sein, dass sich einige Leser irgendwann verabschieden, wenn es auf dem Online-Portal einer Boulevardzeitung kaum noch anderes als an den Haaren herbeigezogene Luder-Stories zu lesen gibt. Davon abgesehen kann ich nicht erkennen, was für mich als Leser an prominenten Brüsten besonders interessant sein soll. Aber vielleicht sollte ich daran nicht allzu lange rumstudieren.

Update am 03.05.2007, 10:10 Uhr: Und auch heute wieder Britney Spears. Diesmal handelt es sich um eine “handvoll Knospen vor der Hütte“.

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Joost für alle ab Ende Mai

Alle, die bisher noch keine Einladung für die Internet-TV-Software Joost erhalten haben, können sich freuen (und ebenso die, die der Hype um Joost-Invitations nervt): Spätestens Ende Mai wird das Projekt die Beta-Phase verlassen und fortan für jeden Internetnutzer zur Verfügung stehen. Das berichtet der einflussreiche und immer bestens informierte US-Technikblog GigaOm. In diesem Zusammenhang veröffentlicht GigaOm einige interessante Zusatzinformationen. Die Zahl der Betatester liegt derzeit angeblich bei rund 100.000. Nach dem offiziellen Start sollen die Nutzerzahlen schnell auf mehrere Millionen ansteigen. Außerdem ist geplant, neben englischsprachigen Inhalten auch bald Content in anderen Sprachen anzubieten. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass in viele europäische Ländern mit gut ausgebauten Breitbandverbindungen eine andere Sprache gesprochen wird als Englisch. Und einen schnellen Internetanschluss benötigt man für Joost.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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