Nutzergenerierte Wahlprognosen

Ende Oktober sind in der Schweiz Parlamentswahlen. Die Nutzer von Börsenspielen auf den Online-Portalen machen dabei sehr gute Prognosen, schreibt die NZZ. Wenigstens ein Leser findet das Blödsinn.

NZZ MeistgelesenDie Meldung, dass die politischen Pole (SP und SVP) “am Schmelzen” seien, schaffte es heute Nachmittag zum Aufmacher auf NZZ Online und gleich zum meistgelesenen Artikel:

Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die Wahlbörsen den realen Ergebnissen jeweils sehr nahe kommen und dabei bisweilen auch die Voraussagen von Demoskopen übertreffen. Während bei Umfragen die Befragten nach einem Zufallsprinzip stichprobenartig ausgewählt werden, nehmen an Wahlbörsen in der Regel nur gut informierte Personen teil, was die Treffsicherheit der Handelskurse erhöht.

Mutig ist diese Aussage auch, da es sich nicht um eine Teilnehmerbasis von x tausend Leuten handelt, sondern nur um ein paar hundert (gespielt wird überraschenderweise auf den Seiten der Uni Karlsruhe):

Zurzeit sind in der NZZ-Wahlbörse 683 Personen registriert, 508 von ihnen beteiligen sich aktiv am Handel.

Analyse Nationalratswahl 2007 NZZ
Screenshots nzz.ch

Seit dem Relaunch der NZZ können Leser die Artikel kommentieren. Ruedi Lais hat das gemacht, er schreibt im zweiten zum Artikel erschienenen und sehr lesenswerten Kommentar:

» weiterlesen

Neue Gratiszeitung .ch:
Der Zeitungskrieg ist eröffnet

Seit heute erscheint .ch, die “Zeitung der Schweiz”; Gratiszeitung Nummer 3, wenn man Cash Daily mitzählt, sogar schon Nummer 4. Ein Qualitätsmedium will .ch sein. Schau’n wir mal.

punktch_kopf.jpg

punktch_kopf.jpg

6.55 Uhr: Rund um den Helvetiaplatz keine Spur von .ch. Vor einem Hauseingang neben dem “Hooters” steht einer der Verteilständer – leer. Dafür platzt gegenüber an der Haltestelle die 20minuten-Box aus den Nähten.

7.58 Uhr: Rund um den Helvetiaplatz keine Spur von .ch. Der Ständer neben dem Hooters ist weg. Die 20minuten-Box zu drei Vierteln leer.

8.10 Uhr: Am Stauffacher stehen drei Leute mit .ch. Und etwa zwanzig mit 20minuten. Einer liest heute von gestern abend. Die .ch-Box ist leer.

Aber eine Stunde früher waren noch zehn Exemplare drin; zwei davon hat Peter mitgenommen. Und die sehen wir uns jetzt mal genauer an.

» weiterlesen

MySpace ist nutzerstärkstes Social Network in Deutschland

Der Online-Marktforschungsspezialist comScore hat heute einen Bericht über die Nutzung sozialer Netzwerke in Deutschland veröffentlicht. Demnach besuchten insgesamt 14,8 Millionen Deutsche im Juli 2007 mindestens eine Community-Site. Wenn man den Zahlen von comScore glauben darf, dann ist nicht studiVZ das meist genutzte Social Network hierzulande sondern MySpace: 3,7 Millionen einzelne Besucher aus Deutschland besuchten Rupert Murdochs Social Network im Juli. Mit 3,1 Millionen Unique Visitors liegt studiVZ hinter MySpace. Facebook, das seit einigen Wochen auch zwischen Ostsee und Alpen merklich an Beliebtheit gewinnt, spielte im Juli in der deutschen Community-Landschaft mit 177.000 einzelnen Besuchern noch keine große Rolle. » weiterlesen

Zwei US-Webangebote, die Deutschland braucht

mizpeewhoissick.gif
Das deutsche Web-Startups ihre Ideen gerne auf bestehenden Diensten aus den USA basieren, ist bekannt. Doch trotz des ständigen Blicks hiesiger Gründer und Investoren auf den US-Markt gibt es interessante Services, die ich in Deutschland vermisse und für deren deutsche bzw. europäische Adaption handfeste Argumente vorliegen. Es fehlt nur jemand, der diese Ideen hier umsetzt. Zwei Konzepte, denen sich ein hiesiges Startup liebend gerne annehmen darf, sind die von MizPee und Who is Sick?. » weiterlesen

Formate im Internet Hier ist meine Geschichte

Die Idee von Jennifer Crandalls Videoprojekt “onBeing” ist schnell erklärt: Eine Person erzählt über ihr Leben. Einfach so, frei in die Kamera, vor weißem Hintergrund.

In den Episoden von “onBeing”, die auf der Webseite der Washington Post gezeigt werden, erzählen Menschen ganz unterschiedliche Geschichten. Mal sind sie tragisch, dann wieder lustig – und immer geben die portraitierten Personen etwas von sich Preis. Sie verraten, was sie motiviert, sprechen über Probleme, Schicksalsschläge, und wie sie damit umgehen. “onBeing” ist eine Sammlung von intimen Geschichten, die auf eine ehrliche Art und Weise das bunte, unvorhersehbare Leben zeigen.

onBeing

Katy Chang über glückliche Kühe (onBeing)

» weiterlesen

Unternehmensgründungen:
Timing ist entscheidend

Oft wird bei Diskussionen über Unternehmertum darüber gestritten, welches der wichtigste Erfolgsfaktor für ein Startup ist: Ist es die Idee? Das Geschäftsmodell? Die Technologie? Das Gründerteam? Die Investoren?

Häufig wird ein Faktor übersehen, der schwer zu greifen und zu beeinflussen ist, aber einen ganz entscheidenden Einfluss auf Überleben und Erfolg einer neuen Firma hat: Das richtige Timing. Spezifisch: Der Zeitpunkt, an dem eine Firma in den Markt eintritt. Man beobachtet in vielen (Technologie-)Märkten, dass die erfolgreichen Firmen alle in einem Zeitfenster von 2-3 Jahren entstanden sind.

Als Beispiel: Ich habe mal analysiert, wann die Firmen im Konkurrenzumfeld meiner “alten” Firma namics AG gegründet wurden. Ergebnis: Bis auf ein oder zwei Ausnahmen sind alle erfolgreichen Internet-Dienstleister zwischen 1995 und 1997 gegründet worden. Nicht später, aber auch nicht früher. Auch starke internationale Firmen, die später in den deutschsprachigen Markt eintreten wollten, sind fast ausnahmslos gescheitert.

Anderes Beispiel: Erinnert sich noch jemand an die Website SixDegrees.com? Das war das erste Social Network, gegründet 1997. SixDegrees war seiner Zeit voraus, und zwar um etwa sechs Jahre. Die heute dominierenden Social Networks (MySpace, Facebook, LinkedIn, Xing) wurden 2003 oder 2004 gegründet. Erst da war die Zeit offenbar reif.

Und noch eins: Für meine Master’s Thesis am MIT habe ich eine Auswahl von 108 Firmen im Bereich “Software as a Service” untersucht, also Anbieter von web-basierter Unternehmenssoftware. Ergebnis: Es gab zwei grosse Gründungswellen, nämlich 1999 und 2005.

Saasfoundedin

Die bisher erfolgreichen Firmen (z.B. Salesforce.com, RightNow, NetSuite, 37signals) sind alle 1997-99 entstanden. Die Startups der zweiten Welle müssen erst noch beweisen, dass sie überleben können.

Auch scheinbare Ausnahmen sind oft nur Ausreisser nach unten oder oben. Klar, Google war nicht die erste Suchmaschine. Aber alle noch heute erfolgreichen Suchmaschinen sind zwischen 1996 und 1998 gegründet worden, Google halt nur am Ende dieser Zeitspanne. Danach kamen bisher keine erfolgreichen Firmen mehr in den Markt.

Nun, die Erkenntnis, dass Timing eine entscheidende Rolle spielt, ist ja schön und gut, aber noch interessanter wäre es natürlich, diesen Faktor einigermassen zuverlässig vorhersagen zu können. Das ist natürlich ausgesprochen schwer. Aber es gibt ein paar beobachtbare Faktoren, die man in Erwägung ziehen sollte:

- Konjunkturzyklen: Alle Firmen, aber besonders stark Startups, werden von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage beeinflusst. Es ist erheblich leichter, neue Kunden zu finden, wenn die Wirtschaft brummt. Den Konsumenten sitzt das Geld lockerer in der Tasche, und Firmen investieren lieber in unerprobte Ideen. In einer Rezession zu starten, ist ungleich schwerer. Am leichtesten haben es Firmen, die am Beginn einer Aufschwungphase in den Markt eintreten.

- Investment-Klima: Eng an die Konkunktur gekoppelt, aber oft zeitlich ein bisschen vorgelagert, ist die Stimmung der Investoren, sei es im Venture-Capital-Bereich oder an der Börse. Da VCs immer nach einem Exit in den nächsten fünf Jahren suchen, sind sie ebenfalls am Anfang einer starken Börsenphase deutlich investitionsfreudiger. Gegen den Höhepunkt einer Phase, wie zum Beispiel gerade jetzt, werden sie langsam nervös, und im Abschwung sind sie kaum von Investments zu überzeugen. Das hat nicht mal viel mit den eigentlichen Startup-Projekten zu tun. VCs wissen, dass ihr eigener Erfolg mindestens so stark vom Timing abhängt wie von der Qualität der finanzierten Ideen. Für Startups wird es darum erheblich schwieriger, an Geld zu kommen.

- Konkurrenzlage: Entgegen einer oft gehörten Meinung ist es für ein Startup ausgesprochen schlecht, keine Konkurrenten zu haben. Wenn man nämlich der Welt ganz allein klarmachen muss, warum ein neuartiges Produkt nützlich sein könnte, hat man es schwer. Ideal ist eine Lage wie damals beim Start von Google: Etwa zehn Konkurrenten, aber niemand, der es wirklich gut macht. Umgekehrt: Wenn sich Dutzende von rivalisierenden Firmen mit sehr ähnlichen Angeboten im gleichen Markt drängeln, wird es schwer, sich abzuheben. Mit anderen Worten: Man sollte nie der absolute Pionier sein, aber doch zu den ersten zwanzig Firmen gehören, die in einen Markt eintreten.

- Adoptionskurve: Auch auf Kundenseite gilt: Ideal ist der Zeitpunkt für einen Markteintritt, wenn schon erste Kunden sich für einen neuen Produkttyp begeistern konnten (und sei es für das Produkt der Konkurrenz), aber die breite Masse noch nicht eingestiegen ist. Die finanziell interessantesten Kunden sind nicht die innovationsfreudigen Pioniere, sondern die Gruppen direkt danach, also die “Early Adopters” und die “Early Majority”. Das Problem dabei ist, den Zustand des Marktes herauszufinden. Ernsthafte Marktforschung setzt meistens erst ein, wenn der Markt schon eine gewisse Grösse hat. Darum: Wenn Marktforschungsunternehmen schon Studien über die Zielgruppe anbieten, ist man meistens zu spät dran. Es führt darum kein Weg daran vorbei, in einer frühen Phase selbst mit potentiellen Kunden zu reden.

Diese Faktoren sind also ein ziemlich komplexer Mix aus makroökonomischen und marktspezifischen Einflüssen. Genaue Entwicklungskurven sind immer schwer vorherzusagen, aber man kann trotzdem mit diesen Überlegungen recht gut entscheiden, ob ein Zeitpunkt für die Unternehmensgründung eher vorteilhaft oder problematisch ist.

Aber was tun, wenn man nun wirklich eine gute Geschäftsidee hat, aber das Timing nicht gut aussieht? Sollte man die ganze Sache dann einfach abblasen? Nicht unbedingt. Aber man muss seine Strategie den Realitäten anpassen und nicht einfach nach dem Prinzip Hoffnung agieren. Beispielsweise muss man sich in einem schwierigen Investment-Klima halt alternative Geldquellen suchen, statt auf Venture Capital zu hoffen. Und auch die Wachstumskurve einer Firma sollte so ausgelegt werden, dass sie die Marktlage reflektiert.

Wo stehen wir derzeit in der makroökonomischen Entwicklung? Nun, in den USA häufen sich langsam die Stimmen, die von einer baldigen Abkühlung ausgehen. Venture Capitalist Fred Wilson (del.icio.us, Feedburner, Twitter etc.) beschreibt das in einem neuen Beitrag sehr treffend. Europa und Asien reagieren meistens zeitversetzt. Dort sieht die wirtschaftliche Entwicklung derzeit noch positiv aus, aber erfahrungsgemäss dauert es selten mehr als ein Jahr, bis sich die Konjunktur in eine ähnliche Richtung entwickelt.

.ch ist bereits online

Die Website von .ch, der neuen Schweizer Gratiszeitung, die morgen erstmalig erscheinen wird, ist bereits online.

Noch nicht unter der Internetadresse punkt.ch, aber unter der Internetadresse punkt.ch/home.html oder punkt.ch/index.html. [Update: Beide Zugänge sind mittlerweile gesperrt - es funktionieren aber noch andere: siehe weiter unten im Artikel]

[Update 12:00] .ch hat Einiges vor – und zwar nicht nur in Verteilboxen und Hauseingängen, sondern offensichtlich auch online. Wo die für Dezember geplante Gratiszeitung News noch nicht mal einen eigenen Online-Auftritt bekommen soll, hat .ch ein komplettes Newsportal. Noch sind an vielen Stellen nur Platzhalter zu sehen…

punktch_platzhalter.png

…aber die Struktur scheint fertig:

punktch_navi.png

punktch_navi.png

» weiterlesen

Winkelried.Info mit Weltwoche-Beiträgen

Die Website winkelried.info, ein Weblog nach dem Vorbild von Politically Incorrect, hat Beiträge von Weltwoche-Redaktoren auf seiner Website. Zum Beispiel von Roger Köppel oder Urs Paul Engeler. Zumindest letzterer weiss nichts davon.

Roger Köppel WinkelriedDiese Woche erhielt ich ein lustiges Mail. Ich erhielt es vom Betreiber von winkelried.info, Richard Fluehmann. Winkelried.Info (Impressum) wird gemacht von den Konservativen Schweizer Demokraten in Zug und sieht sich als “Gegen- informationsquelle für Personen mit einem höheren Bildungsstand”.

Angefangen hat der Mailwechsel so, dass ich von ihm wissen wollte, wie es komme, dass Beiträge der Weltwoche- Redaktoren Roger Köppel, Urs Paul Engeler und Thomas Widmer auf winkelried.info zu lesen seien. Erkundigte mich, ob ein Agreement mit der Weltwoche vorliege oder ob die Autoren der Beiträge von der Website bezahlt würden. Da Herr Fluehmann medienlese.com nicht in der “Journalisten/Redakteuren-Datenbank” auffinden konnte, schickte er mir folgende fünf Fragen:

1. Schreiben Sie für Printmedien?
2. Für welchen Verlag schreiben Sie?
3. Sind Sie oder Ihr Auftraggeber in irgend einer Art politisch gebunden?
4. Können Sie uns Beispiele Ihrer Arbeiten im Internet zeigen?
5. In welchem Verhältnis stehen Sie zur Weltwoche und was beabsichtigen Sie mit diesen Informationen?

Fünf Fragen, die sogleich nach bestem Wissen und Gewissen beantwortete. Erstaunt war ich dann aber über den Inhalt des darauf folgenden Mails. Herr Fluehmann schrieb mir:

» weiterlesen

studiVZ vs Facebook – der kleine Unterschied

facebookstudivz.gifJe länger ich Facebook nutze, je mehr Kontakte ich dort haben und je mehr Informationen ich dadurch nach dem Einloggen in Form des News-Feeds erhalte, desto seltsamer empfinde ich das, was einem auf der Mitglieder-Startseite von studiVZ präsentiert wird – nämlich nichts. Außer der rechten Leiste mit zufällig ausgewählten Profilen und der Übersicht der Nutzer, die zuletzt mein Profil angesehen haben, bietet sich bei studiVZ nach dem Login stets das gleiche, leere, inhaltslose Bild. Lediglich die omnipräsente Werbung wechselt. » weiterlesen

Neue Sonntagszeitung:
Offline am Wochenende

Ich gebe zu, ich war nicht am Hauptbahnhof. Aber ich habe mehrere Kioske in meinem Viertel abgeklappert, gestern und heute, und die hatten die neue Sonntagszeitung Sonntag nicht (“Wie, was für eine neue Sonntagszeitung?”).

Aber zum Glück gibt’s ja das Internet. Und dort, auf der Website des neuen Blattes, das die Mittelland Zeitung lanciert hat, ist auch eine Digitalversion zu sehen. Als E-Paper. Das habe ich schon immer gehasst. Artikel zum Anklicken auf einer verkleinerten Zeitungsseite, Text (ohne Originallayout) und Fotos muss ich einzeln anschauen. Manche Seiten sind in der E-Paper-Version einfach weiß geblieben, manche Texte lassen sich nicht anklicken, die Anzeigen dafür fast immer. Und das steht drin im Sonntag:

» weiterlesen

  • Sponsoren