Prominente Brüste

Vor ein paar Tagen Alarm bei der Schweizer Boulevardzeitung Blick: Einer bekannten Sängerin (Britney Spears) wurde in den Ausschnitt fotografiert. Blick nannte sie deswegen Luder und, Originalität vermissend, “Slip-Nie Spears“. Das war am letzten Freitag, dem 27.04.2007.

Dann durften wir am am Montag, dem 30.04.2007, die Eisbergspitzen von Victoria Beckham bewundern (die Frau eines prominenten Fussballers). Eine Story, die laufs des Tages den Toprang der Zugriffe erreichte. Zur Geschichte kam es laut Blick Online nur deswegen:

Offenbar hat Victoria Beckham auf Blick Online von Britneys neuster Luder-Attacke gelesen. Dabei muss sich die Fussballer-Gattin gedacht haben: «Was die kann, kann ich schon lang.»

Am Tag der Arbeit, dem 01.05.2007, dann ein Zwischenspiel mit zwei mir unbekannten, aber offenbar teilweise Prominenten aus Mexiko (“ein Zungen-Kuss, der es in sich hatte“).

Gestern Mittwoch, 02.05.2007, war die Reihe dann wieder an Britney Spears Es wurde “ein kleiner Nippel-Blitzer” erblickt (ebenfalls eine Top-Story).

Jeden Wochentag seit Freitag hat uns also Blick Online, reichlich bemüht, auf Überschneidungen der Themenbereiche Sex und Prominenz hingewiesen. Es ist wohl wahr, und vielleicht hat Readerscan genau das bewiesen: Sex und Promis werden mit Sicherheit angeklickt und bringen Klickerfolge. Es könnte aber auch sein, dass sich einige Leser irgendwann verabschieden, wenn es auf dem Online-Portal einer Boulevardzeitung kaum noch anderes als an den Haaren herbeigezogene Luder-Stories zu lesen gibt. Davon abgesehen kann ich nicht erkennen, was für mich als Leser an prominenten Brüsten besonders interessant sein soll. Aber vielleicht sollte ich daran nicht allzu lange rumstudieren.

Update am 03.05.2007, 10:10 Uhr: Und auch heute wieder Britney Spears. Diesmal handelt es sich um eine “handvoll Knospen vor der Hütte“.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Joost für alle ab Ende Mai

Alle, die bisher noch keine Einladung für die Internet-TV-Software Joost erhalten haben, können sich freuen (und ebenso die, die der Hype um Joost-Invitations nervt): Spätestens Ende Mai wird das Projekt die Beta-Phase verlassen und fortan für jeden Internetnutzer zur Verfügung stehen. Das berichtet der einflussreiche und immer bestens informierte US-Technikblog GigaOm. In diesem Zusammenhang veröffentlicht GigaOm einige interessante Zusatzinformationen. Die Zahl der Betatester liegt derzeit angeblich bei rund 100.000. Nach dem offiziellen Start sollen die Nutzerzahlen schnell auf mehrere Millionen ansteigen. Außerdem ist geplant, neben englischsprachigen Inhalten auch bald Content in anderen Sprachen anzubieten. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass in viele europäische Ländern mit gut ausgebauten Breitbandverbindungen eine andere Sprache gesprochen wird als Englisch. Und einen schnellen Internetanschluss benötigt man für Joost.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Blogwerk-Medienblogcharts:
Ausgabe 1.0 der Top 50

Die Top-50 Medienblogs in den Blogwerk-MBC: Bildblog einsam an der Spitze, Stefan Niggemeier und “Indiskretion” im Kampf um Platz 3 hinter “Blogbar”.

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Grau: Anzahl Links zum Blog; Blau: Anzahl verlinkender Blogs. Quelle: Technorati.com

Ein Blick auf die ersten zehn der ab sofort monatlich erscheinenden Blogwerk-Medienblogcharts (MBC) zeigt, dass noch lange nichts entschieden ist: Zwar scheint derzeit kaum ein anderes Blog dem “Bildblog” den Spitzenplatz in der Rangliste gemäss Technorati-Linkrelevanz streitig machen zu können, aber bereits auf den Plätzen drei und vier liefern sich Stefan Niggemeier und “Indiskretion Ehrensache” ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Noch spannender dürfte sich das Rennen um die Gunst der Leserschaft auf den hinteren Rängen der Top-50-Charts der deutschen Medienblogs entwickeln, welche die Medienlese ab sofort monatlich präsentieren wird.

Anlass für diese neue Dienstleistung war das grosse Interesse, auf welches unsere erste Liste deutschsprachiger Medienblogs anfangs März stiess.

Wir haben deshalb beschlossen, ab sofort in einem wöchentlichen Snapshot die Daten der wichtigsten deutschen Medienblogs bei Technorati zu erfassen – und wir werden sie an dieser Stelle jeden Monat inklusive Veränderungen publizieren, als weiterführende Information im Stil von Jens Schröders Deutschen Blogcharts.
Einige Bemerkungen vorneweg: Die Auswahl der Blogs war natürlich schwierig. Was ein Medienblog ist und was keins, ist gar nicht so einfach zu entscheiden. Als einfache Maxime haben wir folgenden Grundsatz – plus ein wenig Augenmass – genommen:

“Ein Medienblog ist ein Medienblog, wenn es sich mehrheitlich mit Medien beschäftigt.”

Als Medien definierten wir bekannte Formate wie beispielsweise Zeitschriften, Zeitungen, TV, Radio, aber auch Blogs.

Weiter zu den Top 50:
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Web 2.0 Dienste, von denen es nun genug gibt

Angesicht des vielen Kapitals, das derzeit auf der Jagd nach Web 2.0-Startups ist, schmieden beginnend beim Hartz-4 Empfänger, der von Gärtner zum Webdesigner umgeschult wurde, bis hin zum Vorstandsvorsitzenden eines Multi-Millionen-Konzerns die unterschiedlichsten Menschen eifrig Pläne, wie auch sie mit dem Web 2.0 das große Geld machen können.

Aber womit groß durchstarten? Angesichts der ungeschriebenen Regel im Web 2.0, dass immer nur die größten Anbieter in jedem Segment erfolgreich sein können, eine knifflige Frage. In jedem Bereich vereinen die wenigen großen Anbieter einen Großteil der User (auch hier kann man vermutlich von einem Long-Tail-ähnlichem Prinzip sprechen). Zu jedem MySpace gibt es nämliche hunderte Ableger, von denen noch nie jemand gehört hat und die nur über eine äußerst bescheidene Anzahl an Nutzern verfügen.

Besonders im deutschsprachigen Web ist es recht beliebt, US-Vorbilder zu klonen. Natürlich lassen sich dabei viele von Erfolgsmeldungen wie jener von StudiVZ beflügeln. Mittlerweile ist es jedoch so, dass nahezu jeder große US-Web 2.0-Dienst auch über erfolgreiche deutschsprachige Pendants verfügt.

Auch die Strategie, einen bestehenden Dienst zu klonen um dann mit noch mehr Features, noch coolerem Design und viel besserem Support das Original abzuhängen, scheint aussichtslos: Hat ein Dienst es erst mal geschafft, eine große Nutzerbasis aufzubauen, dann ist es nahezu ausgeschlossen, dass man den Großteil der Nutzer dazu bewegen kann, von einem Dienst zum nächsten zu wechseln. Jedenfalls ist mir kein solcher Fall einer «Massenflucht« bekannt.

Innovationen sind deshalb gefragt – eine gute Idee zu haben und der Erste seiner Nische zu sein, der es schafft, die Sache groß raus zu bringen. Doch leider scheint es mit den originellen Ideen nicht immer allzu weit hergeholt zu sein. Ich will deshalb hier mal eine Liste von Diensten bringen, von denen es meiner Meinung nach mittlerweile genug (erfolgreiche) Anbieter gibt und die es sich schlichtweg nicht mehr lohnt, zu klonen. Wer seine Idee auf dieser Liste wieder findet, sollte es sich vielleicht deshalb noch mal überlegen.

Social Networks und Kontaktportale

Wie Martin schon schrieb: Es wird eng! Nicht nur, dass es schon viele etablierte Portale wie MySpace, Xing und StudiVZ gibt, wird der Markt derzeit auch noch von neuen Anbietern wie unddu oder jubii regelrecht überschwemmt. Angesichts einer Einwohnerzahl von 100 Millionen Menschen im deutschsprachigem Raum scheint zwar durchaus noch Potential da zu sein, ein großes Netzwerk aufzubauen (siehe jedoch auch: «Digitale Spaltung: Wenn der Begriff «Blog» für fragende Blicke sorgt«) – für Startups dürft es allerdings denkbar schwierig sein, sich einen Teil dieses Kuchens zu sichern: Die meisten der bestehenden Portale sind nämlich sowohl mit massig Kapital für Entwicklung und Marketing als auch einer großen bestehenden Nutzerbasis ausgestattet. Die einzige Chance besteht möglicherweise darin, eine absolute Nische mit hohem Nutzwert für seine Zielgruppe zu besetzen.

Platzhirsche

Twitter Clones

Ist schon die Sinnhaftigkeit des Originales sehr stark zu anzuzweifeln, wird das deutschsprachige Internet derzeit zusätzlich noch mit einer regelrechten Flut an Twitter-Clones überschwemmt. Wer also heimlich davon träumt, mit einem weiteren Twitter-Plagiat groß raus zu kommen, der darf mir getrost glauben: Nein, die Welt braucht keinen weiteren Twitter-Klon.

Platzhirsch

Videoportale

YouTube gilt als das Web 2.0-Märchen schlechthin: Im Februar 2005 in einer Garage gegründet steigt es quasi über Nacht kometenhaft auf, um anschließend im November 2006 von Google um die stolze Summe von 1,65 Milliarden US-Dollar übernommen zu werden. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es erfolgreiche Anbieter wie etwa sevenload, hinter denen meist große Medienkonzerne stehen. Angesichts solcher Big Player gibt es für Startups außer vielen rechtlichen Problemen in diesem Segmenten also wohl eher nichts zu holen.

Platzhirsche

Social Bookmarks
Social Bookmarking-Portale sind nur bei einer großen Anzahl an Nutzern und Bookmarks wirklich interessant. Nur so ist es möglich, aktuelle Trends abzubilden und eine vernünftige Bewertung der Webseiten vorzunehmen. Platzhirsche mit Millionen an Bookmarks und breit gestreuter Nutzerbasis wie del.icio.us oder Mister Wong zu verdrängen, dürfte schwer fallen. Auch unter reinen News-Bookmarking-Portalen wie Digg bzw. deren deutsche Pendants Yigg und Webnews ist der Kuchen bereits verteilt.

Platzhirsche

Preisvergleichsportale
Vielleicht nicht unbedingt Web 2.0 in seiner reinsten Form – allerdings versuchen zusehends mehr Anbieter, ihre Preisvergleichsportale mit Web 2.0-Fetures aufzupeppen. Neuankömmlingen erwartet in diesem Segment nicht nur beinharte Konkurrenz, sondern auch hoher Pflegeaufwand.

Platzhirsche

  • Einfach mal bei Google nach einem beliebigen aktuellen Produkt suchen

Frage-Antwort-Seiten

User stellt eine Frage, User bekommt Antworten. Das kann sowohl ernst gemeint sein (Yahoo! Answers) als auch leichten Blödelcharakter haben wie bei Antwortr oder Fragr zu sehen. Eines ist jedoch klar: Auch davon gibt’s mittlerweile genug. Zumal es die breite Masse nicht immer brennend interessieren dürfte, wenn sich jemand öffentlich fragt, warum er im Kino immer neben Asis sitzt.

Platzhirsche

Fazit
Natürlich sollte sich niemand entmutigen lassen – Vermutlich wehte auch Sergey Brin und Larry Page von Google heftiger Wind der Sorte «Was, noch ‘ne Suchmaschine? Es gibt doch schon Altavista«) entgegen, als sie ihre Pläne präsentierten, eine neue Suchmaschine zu entwickeln. Trotzdem schafften sie es in nicht mal zehn Jahren, ein Milliardenimperium aufzubauen und den damaligen Tonangeber Altavista in die völlige Bedeutungslosigkeit zu versenken. Gleichwohl es natürlich etwas anderes ist, ein mühsam aufgebautes und gepflegtes soziales Netze zu einem anderen Anbieter zu transferieren, als mal eben www.google.com statt altavista.digital.com in den Browser einzutippen. Dennoch dürften Startups in der Regel besser beraten sein, vielleicht etwas länger Brainstorming zu betreiben, statt blindlings einfach irgendwas zu kopieren.

PS: Natürlich bist Du gerne eingeladen, ein Kommentar zu hinterlassen, wenn du noch ein Segment kennst, das hier nicht erwähnt ist.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

John Twenty wirbt weiter

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John Twenty, seit Jahren täglicher Verbrecherjäger in Comicform bei 20 Minuten, hat besonderes Talent, den Lesern Produkte näher zu bringen (siehe auch hier). In der gestrigen Ausgabe schaffte er es, sowohl das unter dem Strip beworbene Nokia 2610 als auch das damit verknüpfte Angebot NATEL easy xtra-liberty von Swisscom Mobile zu erwähnen. Das Handy ist sogar so gut, dass es der Hund frisst.

Ist ja alles grossartig, nur: Die Deklaration, dass es sich bei der ganzen Seite um Werbung handelt, ist nicht zu finden – weder über dem Comicstrip oben, noch über dem Werbebanner unten. John Twenty wird also als redaktioneller Inhalt ausgegeben, ist dabei aber, jedenfalls in dieser Ausgabe, pure Werbung.

Die Gratiszeitung 20 Minuten verstösst somit gegen die Richtlinie 10.1 des Schweizer Presserats: “Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung“. Dort heisst es:

Die Trennung zwischen redaktionellem Teil bzw. Programm und Werbung ist optisch und begrifflich klar zu kennzeichnen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Digitale Spaltung:
Wenn der Begriff “Blog” für fragende Blicke sorgt

In der vergangenen Woche veröffentlichte Handelsblatt Online einen lesenswerten Artikel über die digitale Spaltung der deutschen Gesellschaft. Kernaussage: Die “Generation Web 0.0″ kann weder am Bildungsgrad noch am Alter festgemacht werden. Zu ihr gehören Manager, Rentner, Hausfrauen, Eltern und laut Handelsblatt auch Studenten (wobei das wohl nur für sehr wenige gilt). Ich las diesen Artikel mit großem Interesse. Als Internetfreund mit 24 Jahren habe ich persönlich nur sehr selten Kontakt mit Leuten, die wirklich rein gar nichts mit dem World Wide Web anfangen können. Nahezu jeder im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis ist mehr oder weniger Onliner. Natürlich mit unterschiedlicher Ausprägung, aber doch ausreichend, damit Stichwörter wie “Web 2.0″, “YouTube”, “Skype” oder “Blog” im Gespräch nicht näher erläutert werden müssen.

Quasi als Verdeutlichung des Handelsblatt-Artikels hatte ich am Wochenende dann mein ganz persönliches Zusammentreffen mit der “Generation Web 0.0″. Ich war auf der Geburtstagsfeier meines Vaters. Anwesend waren Gäste zwischen 10 und 80 Jahren. Vom Grundschüler über die Lehrerin bis zum Rentner war fast jede Bevölkerungsgruppe vertreten. Doch fast alle einte die geringe bis nicht vorhandene Internet-Kompatibilität. Eine löbliche Ausnahme waren meine Eltern, was einen natürlich freut. Genauso wie die Frage vom eigenen Vater, was denn nun dieses Web 2.0 sei. Noch besser ist natürlich, wenn man das Konzept und die Eigenheit des Internets der zweiten Generation dann auch noch verständlich vermitteln kann und sich ein wenig wie ein Missionar der Neuzeit fühlt.

Doch bei diesem Erfolgserlebnis blieb es auch. Bei allen anderen Gesprächen, die ich mit den Geburtstagsgästen führte (es waren viele, denn ich hatte die meisten lange nicht gesehen), musste ich mir jedes Wort und jeden Satz, der den digitalen Lifestyle betraf, genau überlegen. Das ist natürlich sehr schwierig, wenn man im Ausland lebt, einen Blog betreibt, mit Freunden und Eltern über das Internet telefoniert und eine Präsentation über das Geburtstagskind für den allgemeinen Abruf auf dem eigenen Webspace ablegt. Einerseits laufen viele Gespräche unweigerlich auf die Vorteile der heutigen Möglichkeiten hinaus. Anderseits ist es kaum machbar, diese seinem Gegenüber verständlich zu erklären, wenn dieser oder diese einfach keine Vorstellung davon hat, wie das alles eigentlich abläuft.

Warum schreibe ich das? Als Internet-Intensivnutzer, die wir alle sind, vergisst man angesichts der Euphorie über das Web 2.0 und die fortschreitende Digitalisierung, dass es nach wie vor viele Millionen Deutsche gibt, die davon rein gar nichts mitbekommen. Das ist eine Zielgruppe, die man mit keinem Werbebanner, Layerad, Video-Spot und mit keiner AdWords-Anzeige erreicht. Diese Menschen sind kein Mitglied in einer Onlinecommunity, schreiben keinen Eintrag bei Wikipedia, kaufen in keinem Onlineshop und stellen keine Bandbreite für P2P-Dienste zur Verfügung. Sie profitieren in keiner Weise vom Internet und tragen auch nicht zu dessen Weiterentwicklung bei. Doch in der Regel nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihnen niemand die Thematik näher bringt und den Online-Einstieg erleichtert. Manch einer muss mangels Breitbandverfügbarkeit noch immer mit ISDN-Surfen, andere lesen ständig von Phishing, Trojanern und Internet-Piraten und haben eine entsprechend negative Grundhaltung zum Thema Internet.

Es muss viel mehr unternommen werden, die Generation Web 0.0 endlich ins Netz zu bringen. Angefangen bei der Intensivierung des Ausbaus von Breitbandverbindungen über zusätzliche Internetangebote für Einsteiger bis hin zu einer Pro-Digitalisierungs-Attitüde der Massenmedien. Alle müssen mit anpacken, damit Statements à la “Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.” wie vom Bundesminister für Wirtschaft und Technik, Michael Glos (siehe Handelsblatt-Artikel) irgendwann der Vergangenheit angehören.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Willkommen Tristan!

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Dieser kurze Text steht heute in der Berliner Morgenpost auf Seite 11 in der Rubrik “BerlinNews – Wichtige Nachrichten in Kürze”. Ich hab den Text jetzt mehrmals durchgelesen, kann aber einfach nicht erkennen, was genau an dieser Meldung wichtig ist. Ist die Meldung wichtig …

… weil die Eltern der wichtigen Arbeit der Krankenbetreuung nachgehen?
… weil das Kind zwei tolle Vornamen und einen tollen Nachnamen hat?
… weil damit der Beweis erbracht wird, dass es noch verhältnismässig junge Deutsche gibt, die Jobs und Kinder haben?
… weil das Kind noch süsser als Knut ist?

Oder ist es nichts als die konsequente Umsetzung von dem, was viele Leser fordern, nämlich den Abdruck von “good news”? Wie auch immer: Willkommen Tristan! Du bist die ungefähr 42’000’000ste Geburt dieses Jahr.

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Busfahren mit 20 Minuten

Heute morgen, kurz vor 6 Uhr, in einem Bus in der Zürcher Agglomeration. Die Fahrgäste steigen einer nach dem anderen still ein und reiben sich die noch verschlafenen Augen. Vorne zwei Monitore. Links werden die aktuellen Stationen angezeigt – von einer Frauenstimme in Dialekt angesagt. Rechts ein Bildschirm mit dem Titel “News von Jetzt” – ein Angebot der Pendlerzeitung 20 Minuten. Meine Fahrt geht genau so lange, dass ich eine Runde dieser jeweils für etwa 15 Sekunden angezeigten Kürzestnachrichten mitbekomme.

Es können aufgrund der beschränkten Anzeigefläche natürlich nur News in sehr wenigen Zeilen angezeigt werden. Das kommt dann beispielsweise so raus:

Die perfekte Welle – der Traum jedes Surfers

Den vergangenen Samstag vergisst der australische Profi-Wellenreiter wohl nie mehr.

Verwirrt? Etwas später lese ich die komplette Meldung in der Druckausgabe der Gratiszeitung, die dann schon etwas mehr Sinn macht:

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Yahoo holt zum Gegenschlag aus:
680 Mio. $ für Right Media

Yahoo kauft das in New York ansässige Online-Marketing-Unternehmen Right Media, an dem es bisher schon zu 20 % beteiligt war. Mashable spricht unter Berufung auf einen New York Times Artikel von einer Übernahmesumme von 680 Millionen US-$. (Zum Vergleich: Google legte für DoubleClick 3,1 Milliarden US-$ hin).

Terry Semel, CEO von Yahoo, schreibt in seinem Blog dazu: “We hope to revolutionize the way ads are bought and sold on the Internet and, in turn, drive more value for advertisers, publishers, and partners.”

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medienlese – der Wochenrückblick

Markus Spillmann, seit dem 01.04.2006 Chefredaktor der NZZ, gab zum ersten Jahrestag seiner Tätigkeit gleich zwei Publikationen ein langes Interview, der Werbewoche (hier) und dem Magazin Klartext (hier). Er äusserte darin Zweifel, “ob ‘online first’ wirklich die Lösung aller Probleme ist”. Versuche mit Podcasts und Online-Tagebüchern seien Teilprojekte, bei denen getestet würde, wie sie bei der Leserschaft ankommen. Doch: “Wir haben noch technische Limiten und können nicht alles machen, was wir wollen.” Auf die Frage, ob ihn die Onlineaktivitäten des Konkurrenzverlages Riniger beunruhigen, sagte er: “Ich gebe zu, es kann einen beunruhigen, wenn man links und rechts schaut und sieht, was da alles so passiert. Ich bin mir jedoch nicht so sicher, ob das, was wir da sehen, wirklich so goldig ist, wie es daher kommt. Man soll Tempo nicht mit Erfolg gleichsetzen.” Zu Bürgerjournalismus: “Als Journalist finde ich Bürgerjournalismus nicht besonders toll. Wenn tout le monde einfach von sich aus im weitesten Sinn journalistisch tätig sein kann, dann entwertet das womöglich sehr schnell unsere Funktion als Journalisten.” Seine Branche sieht er im “wahrscheinlich profundesten Wandel seit der Erfindung des Computers. Die Veränderung des Nutzungsverhaltens, der Strukturwandel im Bereich der Anzeigen, die Hedonisierung der Gesellschaft – das sind alles Faktoren, die uns und alle anderen zwingen, unsere Hausaufgaben zu machen.” Er bekundete auch Freude am den für Lokalpolitiker zur Verfügung gestellten Blogs von nzzvotum.ch (dem anderswo sinkende Nutzungszahlen bescheinigt werden): “es ist smart, wird gut genutzt, eine gute Form von intelligentem, crossmedialem Zusammenwirken zwischen Print und Online. Wir möchten gerne in diese Richtung weitergehen. Mein Anspruch dabei ist: Wir wollen die Besten sein”.

Der Bund schrieb am 27.04.2007 auf Seite 20 in einem Bericht mit dem Titel “‘Untragbare Zustände’ rund um die Gassenküche” folgenden, merkwürdigen Satz: “Die beiden Organisationen seien zur Heiliggeistkirche und zum Vorplatz der UBS ausgewichen, wo die Platzverhältnisse noch beengter seien und wo es bereits zu Friktionen mit Pasantinnen und Passanten gekommen sei”. Es ging darin um den Entscheid des Berner Gemeinderats, ab sofort die Essensabgabe an Drogenabhängige um den Berner Bahnhof zu verbieten (weil eine von den Vereinen SchülerInnen-Koordination, SIKB und Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher (EVDAJ) durchgeführte Gassenküche zu “untragbaren Zuständen” geführt habe. “In der Regel seien beim Burgerspital, wo die Gassenküche-Mitarbeiter jeweils ihre Kochtöpfe aufstellten, 50 und mehr Drogenabhängige anwesend, die neben dem Essen auch öffentlich fixten und dealten”.

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung entdeckte begeistert die in weiten Teilen der Bevölkerung vermutlich noch komplett unbekannte Site googlefight.com. Niels Ruf sagte: “Die größte Fernseh-Sau ist meiner Meinung nach Johannes B. Kerner. Wie der die Leute immer ausfragt. Der kriecht da ja regelrecht rein. ‘Und wie fühlten Sie sich so, als Sie vergewaltigt wurden?’ Solche Fragen kann der allen Ernstes stellen, ohne dass ihm das einer übel nimmt. Da muss man erstmal hinkommen.” Es häuften sich Gerüchte über Diego Armando Maradonas Tod und die WOZ führte ein Exklusiv-Interview mit der “Sozialpädagogin und linksradikalen Politaktivistin” Andrea Stauffacher. Sie sagte: “Die Leute glauben den Zeitungen viel weniger, als man denkt”. Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer entdeckte ungenau in Frauenparkplätze geparkte Autos und schrieb: “Immer, wenn ich mal einen Kaffee trinke, gucke ich in Twitter und denke: Was für ein Scheiß”. Tom kriegte ein unverlangtes Werbemail in die Inbox und entschied sich, in den nächsten Tagen einen (dank einer Gesetzesänderung seit 01.04.2007 möglichen) Strafantrag vorzunehmen. Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel betätigte sich als DJ und eröffnete sein Set mit ?Highway To Hell? von AC/DC. Darauf spielte er zwei Mainstream-Disco-Hits und begründete das so: “Man muss die Leute ja nicht gleich intellektuell überfordern!” Spiegel Online titelte einen Text “Kahn spielt jetzt beim FC Schnulli-Bulli” und bei Burda nahm die Titelbildknappheit dramatische Ausmasse an. Es musste nun schon zum dritten Mal das gleiche Bild verwendet werden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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