UMPC und Origami:
Langsam wird’s konkreter

Für heute sind ja weitere Infos über den “Ultramobile PC” von Intel angekündigt, der offensichtlich viel mit Microsofts Origami-Projekt zu tun hat. Jetzt im Moment ist auf der Website umpc.com zwar immer noch nur ein inhaltsloses Flash-Intro zu sehen, aber ein paar fleissige Gadget-Freaks haben schon die URLs weiterer Seiten herausgefunden, auf denen mehr zu lesen ist.

Neben ein paar weiteren Produktbildern (wobei nicht klar ist, ob es sich um Designstudien handelt oder um echte Produkte), ist im FAQ endlich mal konkreter zu lesen, was der Zweck so eines UMPCs ist:

“An Ultra Mobile PC is a small device that you can carry and use to access your favorite online games, videos, music, TV shows and more on the go, with the quality you’re accustomed to to when you’re in front of your PC.”

Aha, so eine Art Super-Medienplayer also. Aber damit nicht genug: Der UMPC soll ausserdem e-Mail, SMS, VoIP (!) und ortsabhängige Infodienste beherrschen. Klingt nach einem wirklich ultimativen Konvergenz-Device.

Aber andererseits ist ein UMPC kein vollwertiger PC-Ersatz, steht da:

“It is not designed to process lots of work or write a college thesis. You have your laptop or desktop for these tasks. Instead, the UMPC is a great PC companion.”

Angesichts des angestrebten Preises um die $500 ist das verständlich. Aber andererseits: Was bitte ist dann genau der Unterschied zu einem heute schon existierenden Windows-Mobile-Smartphone à la Qtek 9100? Das beherrscht nämlich die meisten der aufgezählten Funktionalitäten auch schon, wenn vielleicht auch nicht immer in exzellenter Qualität.

Auf anderswo aufgetauchten Produktbildern ist nicht mehr das vertraute Windows-Benutzerinterface zu sehen, sondern etwas, was nach neuem Betriebssystem à la Vista aussieht. Ist Microsofts Origami vielleicht der Nachfolger zu Windows Mobile, also das neue Betriebssystem für die UMPC-Hardwareplattform? Das könnte auch erklären, warum die Innovationsgeschwindigkeit bei Windows Mobile zuletzt nicht mehr besonders beeindruckend war.

Übermorgen werden wir es wohl wissen. Ja, Spekulieren über Gadgets ist so schön…

Die NZZ podcastet schon ganz gut. Aber sind das die richtigen Inhalte?

Wie schon letzte Woche angekündigt, ging heute der erste Podcast der NZZ für eine einwöchige Versuchsphase an den Start. Vielleicht ist es nach der ersten Runde noch etwas früh für eine Würdigung bzw. Kritik, aber Podcasts sind schliesslich ein schnelles Medium und haben nicht viel Zeit, ihr Publikum zu überzeugen.

Zuerst zu den Basics: Der Podcast ist professionell produziert, die Stimme des Sprechers klingt sehr angenehm und ruhig, passend zum Stil der NZZ. Das Abonnieren des Feeds klappte per iTunes problemlos, auch wenn es natürlich noch schöner wäre, wenn man die NZZ gleich im iTunes-Podcast-Verzeichnis finden könnte.

Inhaltlich gibt der Podcast einen guten Überblick über das, was heute in der NZZ steht.

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Videoblogging kommt Mainstream-TV langsam näher

Eine interessante Zahl: Das vermutlich erfolgreichste Videoblog Rocketboom erreicht inzwischen mit jeder Folge 200’000 Zuschauer. Produziert werden die Shows von genau drei Leuten mit technischem Equipment im Wert von etwa EUR 5000. Die Moderatorin erhält eine Gage von $50 pro Folge.

Zum Vergleich: Die Harald-Schmidt-Show hat derzeit ca. 1.6 Millionen Zuschauer, davon 780’000 in der “werberelevanten Zielgruppe” zwischen 14 und 49 Jahren (bei Rocketboom, würde ich mal vermuten, gehören wohl etwa 90% der Zuschauer dieser Altersgruppe an). Ich weiss nicht, wie viele Leute bei Schmidt mitarbeiten, aber es dürften sicher Dutzende sein. Und der Moderator erhält bekanntlich eine hübsche Gage im fünfstelligen Bereich pro Folge.

Also mit anderen Worten: Rocketboom erreicht mit weniger als einem Hunderstel des Aufwands etwa ein Viertel so viele werberelevante Zuschauer wie Schmidt. Und ich bin in letzter Zeit nicht sicher, welche Show ich unterhaltsamer finde…

Gerade hat Rocketboom in einer eBay-Auktion erstmals Werbeplatz versteigert und dabei einen Preis von $40’000 für fünf Spots erzielt. Lächerlich für Mainstream-TV-Verhältnisse, aber schon ganz hübsch für ein Almost-No-Budget-Videoblog.

Könnte es sein, dass das gute alte Fernsehen bald vor ein paar ökonomischen Anpassungen steht?

SAP:
Profiterzeuger oder -vernichter?

Man kann wohl kaum behaupten, dass der deutsche Softwarekonzern SAP Produkte herstellt, die bei den Benutzern besonders populär sind. Die knochentrockenen und meist eher mühsam zu bedienenden Programme aus Walldorf sollen ja auch nicht der Unterhaltung dienen, sondern betriebswirtschaftliche Abläufe straffen. Darum setzen sehr viele Grossunternehmen SAPs Lösungen ein, und SAP schmückt seine Werbung auch gern mit den klingenden Namen seiner vielen Kunden und dem schönen Slogan “The best-run businesses run SAP”.

Im Kampf gegen Hauptkonkurrent Oracle fährt SAP in den USA derzeit gerade eine besonders aggressive Werbekampagne: Dort wird behauptet, dass SAP-Kunden 32% profitabler seien als andere Firmen.

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Old Media und das Internet:
Die einen kapieren’s, die anderen nicht

Die Online Publishers Association führte in den letzten Tagen ihr “Forum for the Future” in London durch. Der “Guardian” berichtete ausführlich mit einem Live-Blog.

Dabei zeigte sich in den verschiedenen Beiträgen ganz deutlich, wie riesig die Unterschiede bei den klassischen Medienhäusern sind, wenn es um konkrete Vorstellungen darüber geht, wie man auf Internet, Blogging und Suchmaschinen reagieren soll.

Am einen Ende des Spektrums überraschte Reuters-Chef Tom Glocer mit einer einsichtsvollen Keynote-Rede. Den Trend zu User-generated Content sollten die Medien nicht bekämpfen, sondern akzeptieren und für sich nutzen, meinte er. Klassische Medienhäuser werden nach wie vor eine wichtige Rolle als Filter im immer grösser werdenden Informationswust haben, und diese Rolle sollten sie selbstbewusst spielen, statt sich gegen das Internet zu sträuben, sagte Glocer:

“Protectionism doesn’t work, but neither does total surrender. As media companies, we now have access to a rich world of sources. Let’s not turn away from the potential of all of this, but understand it and unlock it.”

Aber es gab auch Redner, die mit dieser aufgeklärten Denkweise ihre Probleme haben. Phillipe Janet von “Les Echoszielte vor allem auf Google News:

“Google News is a very bad product. It has no business model, no cost and no quality. [..] I don’t say that Google News has to die, but we prefer to have a contract with services like Lexis Nexis to give us money and audience. Google News just gives us audience.”

Tja, viel Spass dann noch mit diesen Wunschträumen. Aber solche radikalen Ansichten scheinen eher die Ausnahme gewesen zu sein. Die meisten “klassischen” Online-Publisher scheinen immer besser zu verstehen, wohin die Entwicklung geht.

Guardian-Blogger Jason Deans fasst die allgemeine Stimmung so zusammen:

“The media is no longer in control – digital consumers are, so deal with it. Give them what they want, when they want it: be it online news, blogs, podcasts, audio, video, whatever. Interact, react, be light on your feet. And help consumers to make their own stuff – user generated content was a phrase that cropped up again and again. Do all that – and then try to work out how to make money out of it, seemed to be the message… hmm.”

Ja, weiteres Nachdenken ist da tatsächlich nötig.

NZZ geht unter die Podcaster

Die altehrwürdige Neue Zürcher Zeitung scheint ja in letzter Zeit richtig den Web-2.0-Turbo eingeschaltet zu haben: Kürzlich wurden (endlich) RSS-Feeds aufgeschaltet, und heute wird angekündigt, dass man ab dem 6. März die tägliche Zusammenfassungsseite “NZZ Kompakt” als Podcast anbieten will. Der Podcast soll schon nachts um 2 Uhr aufgeschaltet werden, wäre also rechtzeitig zum morgendlichen Pendeln verfügbar.

Gute Idee, aber eigentlich wäre es schöner gewesen, wenn man sich den Podcast mit der heutigen Bekanntgabe schon anhören könnte.

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Yahoo-Manager stellt fest:
Internet ist nicht Fernsehen

Vor einigen Monaten habe ich mich hier schon mal gefragt, ob Yahoos Strategie, immer mehr erfahrene Manager aus “klassischen” Medien anzustellen, wirklich so erfolgreich sein würde. Der Star in dieser Manager-Riege war Lloyd Braun, ehemals Unterhaltungschef beim Fernsehsender ABC und für Hits wie “Desperate Housewives” zuständig.

Heute stellt Braun in einem NYT-Artikel etwas zerknirscht fest, dass das Internet wohl doch etwas anders funktioniert als Fernsehen:

“I didn’t fully appreciate what success in this medium is really going to look like,” he said. “This is not about creating one-off hits like in my old business. That is not going to create a sustainable competitive advantage over the long term.”

Als Reaktion auf diesen Lernprozess fährt Yahoo seine Pläne, eigenen TV-artigen Video-Content zu produzieren, weitgehend zurück. Stattdessen setzt man mehr auf user-generated Content, also Blogs, Photo-Sharing und dergleichen. Immerhin hat Yahoo in diesen Bereichen mit seinen Akquisitionen der letzten Zeit (Flickr, del.icio.us u.a.) natürlich eine sehr starke Aufstellung.

Werber fühlen sich schon wieder stärker als Google, üben aber noch an der Umsetzung

Schon interessant, wie offenbar der Respekt vor Google mit dem Börsenkurs fluktuiert: Noch vor einigen Wochen (als Googles Kurs stramm auf die $500 zumarschierte), herrschte allgemeines Wehklagen über die böse imperalistische Suchmaschine. Aber kaum ist der Kurs etwas abgestürzt, fühlen sich Werber schon wieder zu solchen Aussagen hingerissen:

“I think Google has overextended, like Napoleon opening up a Russian front. I think they are a very amazing company that will take over nothing.”

Das sagte laut NYT der Leiter der neuen Tochterfirma Denuo von Werberiese Publicis, Rishad Tobaccowala (interessanter Name für einen Werber). Denuo ist eine neue Beratungsseinheit, die den Publicis-Kunden den Weg in die digitale Zukunft aufzeigen soll.

Vielleicht wäre ein erster Kompetenzbeweis ja, sich die Domain denuo.com zu sichern. Oder eine Website zu haben, die nicht aus dämlichen Flash-Animationen und nichtssagenden Texten besteht. Nicht mal ein Feedback-Formular gibt es. Bei der Muttergesellschaft Publicis teilt mir derweilen die Homepage mit, dass ich leider kein aktuelles Flash-Plugin habe. Vermutlich kennt man dort Firefox noch nicht. Die Fehlermeldung hat wohl der EDV-Lehrling aus dem Französischen übersetzt:

“Publicis Groupe website contains Flash animations. You have not the

plug-in Flash necessary for see the home-page and the animations.”

Ja, Online-Kommunikation ist eben wirklich schwierig.

Tobaccowala weiter:

“A lot of companies and clients are confused about tomorrow. They didn’t look like they were getting the answers they needed.”

Stimmt. Und irgendwie kann ich mich daran erinnern, dass Publicis und andere Werbekonzerne schon seit Jahren behaupten, ihre Klienten in Bezug auf die neuen Medien umfassend beraten zu können. Aber offenbar bisher mit wenig Erfolg.

Na ja, immerhin ist das Signal ja schon mal positiv, dass die Werberiesen jetzt nach nur zehn Jahren offenbar definitiv gemerkt haben, dass dieses komische Phänomen namens Internet nicht einfach verschwinden wird. Aber daran, dieses neue Medium auch wirklich sinnvoll zu beherrschen, üben sie offenbar noch. Und ob es da hilft, schlecht über Google, Blogs und andere Internet-Eckpfeiler zu reden, sei mal dahingestellt.

(via New York Times; Registrierung erforderlich)

Stürzt Microsofts Origami-Hype ab?

Microsoft versucht weiter, die grosse Aufmerksamkeit rund um das geheimnisvolle Origami-Projekt aufrecht zu erhalten.

Für heute wurden auf der zugehörigen Website neue Informationen versprochen. Was da aber heute zu sehen ist, hat leider keinerlei Aussagekraft. Mehr oder weniger umständlich wird da lediglich kommuniziert, dass es sich wohl um ein mobiles Produkt handeln muss. Das wussten wir nun ja wirklich schon. Wenn Microsoft weiter so langweilt, wird sich sehr schnell niemand mehr für das mysteriöse neue Produkt interessieren. Hoffen wir mal, dass an der bald beginnenden Cebit mehr zu erfahren ist.

Bezüglich Dramaturgie kann Microsoft wirklich noch viel von Hype-Meister Steve Jobs lernen: Auch wenn Apple, wie diese Woche geschehen, mal ein weniger spektakuläres Announcement macht (Ledertaschen für $99 und dergleichen), kann man die Produkte wenigstens sofort kaufen. Bei Microsoft muss man vermuten, dass jetzt nicht nur der Hype überstrapaziert wird, sondern dass am Ende auch nicht viel Konkretes rauskommt — vermutlich wieder mal ein Plattform-Konzept oder die Ankündigung strategischer Partnerschaften.

Aber warten wir mal ab. Die Website vertröstet bis zum 9.3., was rein zufällig auch der Starttermin der Cebit ist.

UPDATE: Ach, und währenddessen gibt’s drüben bei Intel ebenfalls eine Ankündigungs-Animation für den “Ultra mobile PC”. Könnte sogar identisch sein mit dem Microsoft-Projekt. Bei Intel wird versprochen, dass ab dem 7. März mehr zu erfahren ist.

Irgendwie hat Intel in letzter Zeit keine so glückliche Hand mit Produktnamen. Erst “Viiv”, von dem immer noch niemand weiss, wie man es genau ausspricht, und jetzt “UMPC”. Und wie spricht man das jetzt aus? “Ummpptz” vielleicht? Klingt irgendwie nach Technomusik.

Google News endlich auch mobil

Obwohl alle vom mobilen Internet reden, ist die unschöne Realität, dass es eigentlich noch immer bedenklich wenige gute Informationsdienste gibt, die für Smartphones und PDAs wirklich optimiert sind. Vor allem bei der Tagesaktualität ist das Angebot sehr dünn. Die wenigen Newsmedien, die überhaupt eine Mobilversion bieten, tun das meistens reichlich lieblos und mit einer mehr als unpraktischen Navigation.

Ein typisches Beispiel ist die Mobilversion der Financial Times Deutschland: Gerade mal drei Schlagzeilen werden auf der Einstiegsseite angezeigt, für alles andere muss man sich mühsam mit einer einer merkwürdigen Pulldown-Navigation herumschlagen. Auf den eigentlichen Meldungsseiten wird unnötigerweise jeweils ein winziges, aber aufgrund der immer noch skandalös hohen Telecom-Gebühren teures Bild gezeigt.

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