Windows und die Wunder der mobilen Datenkommunikation

Wie kürzlich schon beschrieben, bin ich derzeit viel unterwegs und meistens nicht im Besitz einer festen Breitband-Infrastruktur. Zumindest innerhalb der Schweiz müsste einen das eigentlich nicht mehr gross stören, da Swisscom Mobile und auch in ähnlicher Form die anderen Mobilfunkprovider Sunrise und Orange inzwischen Gerätschaften und Preismodelle anbieten, mit denen man fast unbegrenzt mobil (Daten-)kommunizieren kann.

Bei Swisscom gibt es beispielsweise das Angebot “Mobile Unlimited”, das so heisst, obwohl es eigentlich gar nicht unlimitiert ist. Damit kann man mit irgendeinem der mobilen Swisscom-Datennetze (GPRS, EDGE, UMTS, Public WLAN) Daten übertragen, und zwar für 80 CHF bis zu 1 GB pro Monat. Das sind also durchschnittlich 34 MB pro Tag, ausreichend für die üblichen Kommunikationsanwendungen, aber nicht gerade viel, wenn man z.

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Web 2.0 und die Ökonomie der Aufmerksamkeit

Die Internet-Koryphäen Esther Dyson und Vint Cerf diskutieren im Wall Street Journal die Zukunft des Internets und dabei besonders das Thema “Ökonomie der Aufmerksamkeit”, und einige Top-Blogger reagieren fleissig darauf (Carr, Keen, Karp). Das Thema wird schon seit einiger Zeit zunehmend heisser: Einige Startups versuchen sogar schon, Aufmerksamkeit als handelbare Ware zu verpacken.

Neu ist die Idee der Aufmerksamkeits-Ökonomie beileibe nicht. Der Pionier dieses Konzeptes, zumindest in seiner Anwendung auf das Internet, ist vermutlich Michael Goldhaber, der schon 1997 darüber publizierte und Grundlagenarbeiten dazu schon in den achtziger Jahren machte. Ich persönlich interessiere mich auch schon länger für das Thema und hatte unter anderem vor einigen Jahren das Vergnügen, an einem bekannten Management-Symposium darüber zu referieren. Die an den Vortrag anschliessende Diskussion war etwas frustierend: In Ermangelung konkreter Beispiele (und vor allem solcher ausserhalb des IT-Bereichs) fiel es mir recht schwer, das Besondere dieser Idee herauszuarbeiten. Bei vielen Teilnehmern blieb wohl der Eindruck zurück, dass “Aufmerksamkeits-Ökonomie” nur ein anderer Name für Werbung ist.

Nichts könnte falscher sein, auch wenn die thematische Nähe zur Werbung natürlich gegeben ist. Immer dann, wenn darüber geredet wird, wie man Aufmerksamkeit “monetizen” kann, landet man natürlich bei diversen Werbeformen, nicht zuletzt bei neuartigen wie Google Adwords. Google ist sicher auch das kommerziell erfolgreichste Beispiel dafür, wie man Aufmerksamkeit in (viel) Geld umwandeln kann.

Aber der entscheidende Punkt an der Aufmerksamkeits-Ökonomie ist eben genau, dass Aufmerksamkeit ein ökonomischer Wert jenseits der monetären Umsetzung sein kann und bereits ist. Mit anderen Worten: Menschen tun Dinge, weil sie Aufmerksamkeit von anderen Menschen erhalten wollen und das als Wert für sich sehen — nicht, weil sie damit Geld verdienen wollen. Für einen betriebswirtschaftlich gebildeten Menschen klingt das zunächst merkwürdig und etwas naiv. Aber dank Web 2.0 gibt es plötzlich sehr viele Beispiele dafür, dass solches Verhalten tatsächlich massenweise existiert.

Blogging ist vermutlich das schönste Beispiel: Die allermeisten Blogger werden nie Geld mit ihrem Blog verdienen und auch sonst keinen direkt messbaren wirtschaftlichen Vorteil erlangen. Die meisten Blogs haben nicht mal viele Leser: Die durchschnittliche Leserzahl auf der Blogging-Plattform Livejournal beträgt beispielsweise sieben. Aber die gelegentliche Aufmerksamkeit von durchschnittlich sieben Personen ist für Millionen Menschen offenbar wertvoll genug, um den Aufwand für das Schreiben eines eigenen Blogs zu betreiben. Ganz ähnlich verhält es sich mit Social-Networking-Plattformen à la meinbild.ch, mypace.com, oder — im Business-Bereich — OpenBC.

Ist das nun alles digitaler Narzissmus, der so schnell wieder verschwinden wird, wie er aufgetaucht ist? Wohl kaum. Man muss nur mal wieder die gute alte Maslow’sche Bedürfnispyramide ausgraben, um zu sehen, was der psychologische Hintergrund ist: Menschen wollen, wenn ihre materiellen Bedürfnisse gesichert sind, vor allem soziale Anerkennung erreichen und sich selbst verwirklichen (was mit Feedback von anderen ebenfalls mehr Spass macht). In einer wohlhabenden Gesellschaft wie der westlichen werden solche Bedürfnisse also relativ gesehen immer wichtiger. Und genau diesem Trend kommt Web 2.0 sehr entgegen.

Beispiele ausserhalb des Internets gibt es auch genug: Warum lassen sich Leute vor laufenden Kameras in einen Container einsperren? Weil sie wahrgenommen werden wollen. Warum wollen Top-Manager immer noch mehr verdienen? Sicher nicht, damit sie sich endlich ihre vierte Jacht kaufen können, sondern weil sie ihre soziale Stellung auf diesem Weg zum Ausdruck bringen können. Die aktuelle kritische Diskussion über Managerlöhne ist für die Betroffenen vermutlich (heimlich) das Schönste, was ihnen passieren kann: Endlich sehen alle, wie toll sie sind und dass sie sich nehmen können, was sie wollen.

Aber zurück von diesen Extrembeispielen zum Web: Ganz offensichtlich ist das Internet ein wesentliches Vehikel zur Förderung der Aufmerksamkeitsökonomie, weil es den Austausch von Aufmerksamkeit sehr effizient macht (genau so, wie das Banksystem den Austausch von Finanzen ermöglicht).

Die Frage bleibt natürlich, was die Mechanismen der Aufmerksamkeits-Ökonomie für die Zukunft des Internet bedeuten und was ihr Verhältnis zur althergebrachten Finanzökonomie sein wird. Dazu gibt es nun schon verschiedenste Prognosen, nicht zuletzt auch viele pessimistische.

Ich würde mal folgende Dinge vermuten:

  • Internet-basierte Aufmerksamkeit wird für viele Leute (nicht notwendigerweise die Mehrheit) zunehmend stärker zu einem eigenständigen ökonomischen Wert in Ergänzung zu monetären Werten. Leute, denen es materiell schon gut geht, können ihr Wohlbefinden durch Aufmerksamkeit anderer weiter steigern und tun das z.B. mit Blogging, Social Networking usw.
  • Die Bedeutung ist allerdings stark von der Entwicklung der Finanzwirtschaft abhängig: Wenn es den Leuten gut geht, ist Aufmerksamkeit besonders gesucht; bei wirtschaftlichen Engpässen relativiert sich das aber schnell. Darum ist Aufmerksamkeit ein Gut von sehr volatilem Wert.
  • Die Aufmerksamkeitsökonomie ist eine Ergänzung zur Finanzokönomie, tritt aber zu dieser auch stellenweise in Konkurrenz. Dies sowohl auf der Ebene des Individuums (schreibe ich jetzt noch einen Blog-Eintrag, oder arbeite ich lieber noch eine Stunde?) wie auch auf der Ebene von Unternehmen, die sich die Frage nach der wirtschaftlichen Nutzbarkeit dieser Tendenzen stellen werden.
  • Genau diese “Monetization” wird zu einem wesentlichen Problem für die Medienbranche werden, denn bisher waren Medien gut darin, mit interessanten Inhalten Aufmerksamkeit zu kanalisieren und daran zu verdienen (mit Werbung). Wenn nun durch das Internet plötzlich Aufmerksamkeit ohne Mittler effizient fliessen kann und sich die Konsumenten dadurch auch über den Wert ihrer Aufmerksamkeit bewusster werden, wird eine Kommerzialisierung erheblich schwieriger.Konsumenten produzieren nämlich immer mehr Inhalt selbst, weil sie damit eben Aufmerksamkeit erhalten wollen, und diese Inhalte treten in sehr direkte Konkurrenz zu den “professionell” produzierten Inhalten der Medienkonzerne. Dass der Amateur-Content in vielen Fällen “schlechter” ist als der Profi-Content, ist hierbei komplett irrelevant, denn er wird nicht aus den gleichen Motiven produziert und konsumiert. Entscheidend für die Kommerzialisierung ist nur, wie die Leute ihr Zeitbudget für Medien verwenden, und das tun sie eben zusehends für nicht professionell produzierte Inhalte. Es findet ein Austausch von Aufmerksamkeit zwischen Gleichgestellten statt: Die fleissigsten Blog-Leser sind meistens selber Blogger.
  • Die Toleranz dafür, die dazu nötigen technischen Plattformen werberisch zu nutzen (wie das Myspace und andere gern tun wollen), wird ziemlich gering sein. Die User benutzen Social-Networking-Plattformen ja gerade deshalb, weil sie sozusagen Aufmerksamkeit “handeln” bzw. austauschen wollen. Eine platte Werbeeinblendung ist in diesem Umfeld sozusagen ein Aufmerksamkeitsdieb, weil sie der Transaktion keinen Nutzen beisteuert, und Diebe werden auf Marktplätzen meistens nicht lang geduldet. Darum achtet z.B. Google auch so sehr darauf, seine Adword-Einblendungen nach Relevanz statt nur finanziellen Kriterien zu selektieren.

Oder zusammengefasst: Ich glaube, dass Rupert Murdoch seinen Kaufpreis von $560 Mio. für Myspace.com noch bereuen wird. Es wird sehr, sehr schwer sein, einen solchen “Aufmerksamkeitsmarkt” so zu kommerzialisieren, dass sich eine solche Bewertung rechtfertigen lässt.

Tresor-Humor

Heute an der Bahnhofstrasse in Zürich: Ich möchte bei einer bekannten Schweizer Bank ein paar Wertsachen im Tresor einschliessen lassen, in Hinblick auf einen bevorstehenden Auslandsaufenthalt.

Kurze Wartezeit. Aus dem Lautsprecher plätschert typische Fahrstuhl-Musik Da plötzlich wechselt die Musik zu einem neuen Titel mit einer sehr bekannten Melodie.

Ist das nicht…?!…genau: Die Titelmusik aus dem Mafia-Film “Der Pate”. Don Corleone und seine Söhne; abgeschnittene Pferdeköpfe; Angebote, die man nicht ablehnen kann. Und das als Soundtrack im Hauptsitz einer Schweizer Bank?

Man fragt sich, wie es dazu wohl gekommen ist. Versteckte Kundenwerbung kann es ja wohl nicht sein. Entweder hatte da jemand wirklich Humor, oder man hat einfach (was wahrscheinlicher ist) irgendein fertiges Tape eingekauft, ohne sich gross um den Inhalt zu kümmern.

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Live von der Baustelle der neuen Schweizer Abendzeitung

Hoppla, der Ringier-Verlag gibt ja ordentlich Gas, was Bloggen angeht: Nachdem schon der Blick mit der ziemlich cleveren Initiative “Blogstetten” positiv auffiel und der Wirtschaftstitel Cash eine ganze Reihe guter Blogs produziert, kann man jetzt den Gründungsprozess der neuen Gratis-Abendzeitung “Heute” live im Chefredakteurs-Blog von Bernhard Weissberg verfolgen. Charmant geschrieben und interessant gestaltet. So sollte es sein, das Bloggen von Journalisten.

Dabei kommen auch Tatsachen rüber, die wohl kaum ihren Weg in eine offizielle Pressemitteilung finden würden: Beispielsweise, dass die Redaktion gerade mal 13 Tage vor der Blatt-Premiere erstmals ihre Redaktionsräume bezogen hat.

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Zeitungen als Informationsfilter:
Ist weniger wirklich mehr?

Man könnte langsam den Eindruck kriegen, dass sich das “Magazin” des Tagesanzeigers als Ludditen-Fachblatt positionieren will. Kürzlich gab es schon den vieldiskutierten Internet-Artikel von Guido Mingels, und in der neusten Ausgabe jubelt Edgar Schuler: “Die Zeitung lebt” (Da online natürlich nicht erhältlich: Scan beim namics Blog).

Die Internet-Gurus kapieren nämlich gar nichts, schreibt Schuler. Wenn Vinton Cerf der gedruckten Zeitung ihren “systembedingt” beschränkten Platz für Informationen vorwirft, verkennt er genau die grösste Leistung der Zeitung, so Schuler: Ein kompaktes, überschaubares Informationspaket anzubieten, eine Insel im Ozean der Informationsüberflutung. Nach ein bisschen Journalisten-Selbsttröstung schreibt Schuler dann schliesslich noch was über “blökende Blogger”, und das war’s dann wieder mit einem weiteren etwas polemischen Beitrag zum Streit Old vs. New Media.

Wie immer bei weltanschaulichen Differenzen wird diese Diskussion natürlich von beiden Seiten nicht unbedingt besonders rational geführt. Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens den Vorschlag von Andrew Keen, den alten politischen Streit zwischen Links und Rechts durch “Digital vs. Analog” zu ersetzen. Aber das nur am Rande.

Bemühen wir statt Polemik doch zur Abwechslung mal die Wissenschaft: Beide Seiten (Zeitungsleute und Internet-Gurus bzw. Blogger) behaupten, ihren jeweiligen Lesern Information auf optiomale Weise anzubieten. Die einen setzen auf kompetente Filterung durch Journalisten und damit Reduktion auf das Wesentliche, die anderen auf praktisch unbegrenzte Auswahl und eigenverantwortliche Selektion durch den Leser.

Wenden wir darauf doch mal die ganz klassische Informationstheorie von Shannon an (die man dafür zugegebenermassen etwas strapazieren muss): Dieser zufolge ist eine Information dann am nützlichsten, wenn sie den richtigen Neuigkeitsgehalt aufweist. Wenn ich z.B. eine Vorlesung über fortgeschrittene Quantenphysik auf Suaheli höre, ist das zwar inhaltlich und formell alles neue Information für mich, aber ich kann damit nichts anfangen, weil ich nirgends anknüpfen kann. Umgekehrt ist eine mir schon völlig bekannte Information (wenn mir jemand z.B. einen meiner eigenen Blogbeiträge vorliest) ebenso unnütz. Es kommt also darauf an, so viel Neuigkeitsgehalt in einer Information vorzufinden, dass ich daraus neue Erkenntnisse ableiten kann, aber auch so viel Bekanntes, dass ich die neue Information sinnvoll in mein gesamtes Wissen einbetten kann. Das ist auch intuitiv einleuchtend.

Nun könnte man aus der Perspektive der Zeitungsjournalisten argumentieren: Genau diese Leistung vollbringt eine gute Zeitungsredaktion. Sie wählt aus der Menge der täglich eintreffenden Meldungen diejenigen aus, die für die Leser relevant sind und stellt sie in einen Kontext, der das Verständnis erleichtert.

Dieses Argument ist zweifelsfrei richtig, hat aber nichts mit dem eigentlichen Verbreitungsmedium zu tun, sondern nur mit der redaktionellen Leistung, die genauso in anderen Medien stattfinden kann. Man kann daraus noch lange nicht ableiten, dass der begrenzte Platz einer Zeitung ein Vorteil ist.

Im Gegenteil: Ebenso einleuchtend vor dem gerade genannten theoretischen Hintergrund ist, dass die Relevanz einer Information hochgradig subjektiv ist. Jedes Individuum misst einer bestimmten Meldung eine andere Signifikanz zu. Das wiederum bestimmt, wie viel man über ein bestimmtes Thema im Detail wissen will. Mich interessiert in der Zeitung beispielsweise der Wirtschaftsteil und die (gelegentlich stattfindende) Technologieecke am meisten, während mir der Sportteil meistens herzlich egal ist. Darum hätte ich gern mehr Wirtschaftsteil und weniger Sport. Bei anderen mag es genau umgekehrt sein. Der begrenzte Platz einer Zeitung und die gewählte Themenmischung ist darum ein Kompromiss, der für niemanden wirklich optimal ist.

Und genau da spielt das Internet auf zwei Ebenen seinen Vorteil als Informationsmedium aus: Erstens habe ich die Gelegenheit, zu fast jedem mich interessierenden Thema weitere, vertiefende Information zu finden (per Link oder per Suchmaschine). Zweitens kann ich mir aus einem riesigen Angebot an Quellen zu sehr geringen Kosten diejenigen “Publikationen” aussuchen, die ich regelmässig verfolgen will. Das Instrument der Stunde hierfür ist natürlich der RSS-Reader.

Das Internet als quasi unbegrenztes Informationsmedium hat also den Vorteil, potentiell eine viel grössere Relevanz für das Individuum erreichen zu können als ein “begrenztes” Medium wie die Zeitung (und erst recht das Fernsehen). Nur, und das ist der Knackpunkt: Damit sind auch Kosten verbunden — meistens nicht im finanziellen Sinn, sondern in Form von Zeit, die der User aufwenden muss, und von Know-How, das man sich zur sinnvollen Nutzung dieses komplexeren Mediums zuerst erwerben muss.

Oder um es etwas zugespitzt zu formulieren: Die Zeitung ist das begrenztere, “einfachere”, dafür auch (im Sinn von Leser-Aufwand) “billigere” Medium. Das Internet ist reichhaltiger, potentiell relevanter, aber erfordert im Umgang auch mehr Aufwand und Medienkompetenz.

Das erklärt auch problemlos die von Schuler angeführten Erfolgsbeispiele aus dem Print-Bereich: Natürlich ist eine Pendlerzeitung wie “20 Minuten” erfolgreich, weil sie eine zeitliche Lücke im Tagesablauf der meisten Pendler ausfüllt, in der den meisten Leuten nicht der Sinn nach tiefschürfender Hintergrundinformation und aktiver Informationssuche steht. Das Internet kann diese Lücke schon aus rein praktischen Gründen — z.B. begrenzte mobile Connectivity, ungeeignete Endgeräte — (noch) nicht füllen.

Klar ist also, dass auch weiterhin Zeitung und Internet koexistieren werden. Nur wird leider der Bereich, der von der Zeitung erfolgreich abgedeckt wird, zunehmend kleiner. Und das hat die unschöne Konsequenz (worauf auch Jürg Stuker hinweist), dass die Businessmodelle zunehmend in Schieflage geraten.

Das Internet entwickelt sich nämlich immer mehr zum Superset anderer Medienformen, das viele der Funktionen anderer Medien abdecken kann. News statt in der Zeitung online zu lesen war der erste Schritt, im Moment erleben wir gerade die grosse Online-Video-Welle, und die Blog-Revolution hat erst gerade richtig angefangen. Das alles wird dazu führen, dass wir den Umgang mit dem Medium Internet auf absehbare Zeit immer wieder neu erlernen müssen.

Für die einen mag das lohnend sein, andere mögen sich dem verweigern und nur noch Zeitung lesen, weil da alles so schön vorgefiltert ist. Hauptsache aber ist: Wir als Konsumenten haben die Wahl. Und das schmeckt auf der Seite der Medienschaffenden nicht jedem.

Feldforschung:
Internet-Zugang auf Reisen

In der letzten Zeit bin ich ziemlich intensiv herumgereist und hatte das Vergnügen, in den letzten drei Monaten in knapp drei Dutzend Hotels in Indien, USA, Marokko, Italien, Deutschland und der Schweiz unterzukommen. Logischerweise verspürte ich auch auf Reisen das Bedürfnis, mich regelmässig mit dem Internet zu verbinden. Am liebsten natürlich breitbandig.

Man denkt ja, dass Internet-Zugang inzwischen etwas beinahe Selbstverständliches sein sollte, gerade auch in etwas netteren (und nicht billigen) Hotels. Die Realität sieht freilich anders aus. Man braucht auch heute noch einiges an Leidensbereitschaft und Kreativität, um sich unterwegs vernünftig connecten zu können.

Mit der Zeit entdeckt man gewisse Muster. Ich konnte bisher folgende Hoteltypen hinsichtlich Internet-Verfügbarkeit identifizieren:

1) Die Technophoben: Es gibt immer noch Betriebe (vor allem auf dem Land), für die Internet-Zugang im Hotel ein ziemlich exotischer Gedanke ist.

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Armes Microsoft:
Jetzt kann nicht mal mehr viel Geld beeindrucken

Dass Microsoft bisher im Web-Bereich eher glücklos agiert hat, dürfte allgemein bekannt sein. Microsoft Network (MSN) hat schon viele Veränderungszyklen durchgemacht und hat bisher vor allem eins erreicht: viel Geld zu verlochen (im letzten Quartal mit einem Verlust von $26 Mio.). Trotzdem ist Microsoft gegenüber Google und Yahoo nur eine abgeschlagene Nummer 3 im Markt, und ohne den Vorteil des eigenen Browsers wäre es vermutlich nicht einmal das.

Darum holt Microsoft-Chef Steve Ballmer jetzt den grossen (Geld-)Hammer raus: Nächstes Jahr will Microsoft satte $1.1 Mia. in MSN investieren, allein für Entwicklungskosten. Dazu kommen nochmals $500 Mio. Kapitalinvestitionen, die in MSN fliessen. Da soll die Konkurrenz mal sehen, was sie dem entgegenzusetzen hat!

Nun, ziemlich viel, wenn man mal zu Google hinschaut.

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“Kämpfen gegen die Heilsarmee”:
Wenn Wettbewerber kein Geld verdienen wollen

Der Web 1.0-Hype (ca. 1999) wurde dominiert von Firmen, die sehr, sehr schnell wachsen wollten und darum bereit waren, gewaltige Anlaufverluste in Kauf zu nehmen. Das ultimative Internet-Businessmodell, hat einmal jemand in dieser Epoche gescherzt, wäre es, 10-Dollar-Noten für 9 Dollar pro Stück online zu verkaufen — da kriegt man in kürzester Zeit Millionen von Kunden. Finanziert wurde diese Sause mit Tonnen von Venture Capital und spektakulären IPOs, die oft kurz später ebenso spektakulär in der Pleite endeten. High Risk, high Reward, war das Motto der Stunde.

Web 2.0 ist da ganz anders. Die Pioniere dieser neuen Welle sind eigentlich vergleichsweise risikoscheu. Es gehört zum guten Ton, erst einmal sehr klein zu bleiben und ein solides Businessmodell aufzubauen, das zumindest schnell die Kosten decken kann. Die Umsätze holt man sich nicht aus irgendeiner phantastischen Quelle, die sich dereinst einmal in der Zukunft eröffnen wird, sondern gleich hier und heute bei den Usern. Ein gutes Beispiel waren die Anfänge der Foto-Plattform Flickr: Ein kleines Team setzte mit pragmatischer Technologie (PHP und ein paar billige Linux-Server statt Oracle und teure Sun-Cluster wie früher) eine clevere Idee um, bot den Einstiegslevel des Dienstes gratis an und verlangte eine geringe Gebühr von Leuten, die mehr wollten. Diese kleinen Umsätze reichten, um die Aufwände zu decken, und mehr als das wollte man zunächst gar nicht erreichen.

Das ultimative “Poster child” dieser Philosophie ist die Rubrikenanzeigen-Plattform Craigslist. Diese Firma, gegründet von Programmierer Craig Newmark, beschäftigt weiterhin nur 16 Angestellte, betreibt aber Classified-Sites für über 100 grosse Städte weltweit. In den USA ist Craigslist unglaublich dominant: Ich hatte soeben gerade das Vergnügen, in Boston eine Wohnung zu suchen (zu den Hintergründen ein anders Mal mehr), und schlichtweg jeder Einheimische, den man nach guten Quellen für verfügbare Appartments fragt, verweist einen auf Craigslist. Kein einziger sagte hingegen “Blätter doch mal im Boston Globe“. Verschiedenen Schätzungen zufolge hat Craigslist allein im Grossraum San Francisco den Zeitungen $90Mio. Umsatz pro Jahr weggenommen.

Nur, und hier kommt das Problem: Diese Umsätze sind nicht etwa zu Craigslist gewandert. Nicht einmal die Hälfte und auch nicht ein Viertel wird jetzt von Craigslist gemacht, sondern nur ein winziger Bruchteil. Der Rest ist sozusagen verdampft und existiert im Markt nicht mehr.

Denn Craigslist ist kein Billiganbieter, sondern ein Gratisanbieter. Lediglich auf Stellenanzeigen erhebt die Site geringe Gebühren zwecks Selbstfinanzierung, der Rest der Anzeigen ist vollständig kostenlos. Craigslist kann also gerade mal seine sehr kompakte Infrastruktur und die überschaubaren Personalkosten finanzieren, dürfte aber kaum nennenswerte Gewinne erzielen und will das nach eigener Aussage auch gar nicht.

Warum machen die das? Nun, im Fall von Craigslist nach Aussage des Gründers einfach aus Idealismus. Man will der “Community” einen nützlichen Service anbieten, der so wenig wie möglich kosten soll. Leben muss man trotzdem von irgendwas, darum die Gebühren auf Stellenanzeigen, aber reich werden will Craig Newmark nicht (auch wenn er es mit seiner heutigen Marktstellung vermutlich könnte). Andere Web-2.0-Unternehmer denken ähnlich und nennen als Grund vor allem ihre Unabhängigkeit. Wer keine Investoren braucht, hat auch niemanden, der ihm ständig reinredet. Lieber klein bleiben und finanziell bescheiden durchkommen, aber dafür machen können, was man will, lautet die Devise. Wieder andere sehen “Grosszügigkeit” gegenüber den Usern fast schon als moralische Verpflichtung.

Die “klassisch” profitorientiert gesinnten Konkurrenten dieser Firmen reagieren mit heilloser Verwirrung auf diese Mentalität. Für die Bosse der Zeitungsverlage beispielsweise in den komfortablen Teppichetagen ihrer (grösstenteils) protzigen Hauptsitze ist schlichtweg komplett unverständlich, dass sie da eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen gegen jemanden verlieren, der einfach auf Profite (und fette Renditen für die Eigentümer und ein hübsches Dienstauto für sich selbst) verzichtet. Eigentlich dachte man ja, dass der Kommunismus besiegt sei; kommt er jetzt durch die Hintertür in einer viel heimtückischeren Form zurück? Gefährdet eine solche Mentalität gar die Jobs unserer hart arbeitenden Mittelklasse und wird uns alle ins wirtschaftliche Verderben stürzen?

Nun, lassen wir mal die moralisierenden Argumente beider Seiten weg. Eins ist klar: Für wirtschaftliche Tätigkeit gab es schon immer mehr mögliche Motive als nur absolute Profitmaximierung (auch wenn das von den Wirtschaftswissenschaften erst zögerlich anerkannt wird). Nicht umsonst haben viele erfolgreiche Firmen gerade im Finanzbereich einmal als Genossenschaften angefangen, und viele Familienunternehmen setzen auch noch andere Prioritäten als nur eine optimale Rendite.

Aber warum ist der “Luxus der Grosszügigkeit” gerade im IT- und Internet-Bereich so verbreitet? Man denke neben den genannten Beispielen nur an die Open-Source-Bewegung. Ein Grund ist klar: In vermutlich keinem anderen Bereich spielen (schlaue) Individuen eine so grosse Rolle und können allein so viel bewegen. Ein einziger brillanter Programmierer kann ein sehr nützliches Produkt schaffen, und mit der Hilfe des Internets können sich gleichgesinnte Coder zu minimalen Kosten zusammenschliessen, um ein gemeinsames Projekt abzuwickeln und das Resultat zu verbreiten. Hinzu kommt, dass die Skills dieser Individuen sehr gesucht sind, so dass die meisten einen (gut) bezahlten normalen Job haben und ihre gemeinnützigen Aktivitäten in der Freizeit oder sogar mit Support ihres Arbeitgebers durchführen können.

Human Resources sind ausserdem der mit Abstand teuerste Faktor an der Software- und Website-Erstellung, ansonsten ist der Kapitalbedarf (zumindest heute) nicht gross. Wenn also jemand die Denkarbeit gratis oder sehr billig beisteuert, kann mit minimalstem finanziellem Aufwand ein sehr hochwertiges Resultat erreicht werden. Das ist beileibe eine ganz andere Welt als beispielsweise die der Zeitungen, wo man sich erstmal eine Druckmaschine für einen zwei- oder dreistelligen Millionenbetrag leisten können muss, bevor man etwas produzieren kann. Und die Kapitalgeber für solche Summen wollen gern einen vernünftigen Return für ihr Geld sehen.

Zusammenfassend gesagt: Die besonderen ökonomischen Eigenschaften der IT- und Internet-Branche machen Not-for-Profit-Aktivitäten à la Open Source oder Gratis-Anzeigensites überhaupt erst möglich. Andere, kapitalintensivere Branchen können sich diesen “Luxus” einfach nicht leisten.

Was wird nun das Resultat dieses Kampfes mit ungleich langen Spiessen sein? Ökonomisch formuliert: Die Einstiegshürden bei Web 2.0 (und inzwischen bei vielen Formen von Software) sind typischerweise sehr gering. Das heisst, dass neue Konkurrenten sehr einfach in den Markt eintreten können und dass dadurch die verbleibenden Profite grundsätzlich weiter geschmälert werden. Scott Karp stellte auf seinem Blog Publishing 2.0 kürzlich die Frage: “What if Media 2.0 is less profitable than Media 1.0?” Nun, das ist eigentlich die richtige Frage, denn dass es in der Regel so sein wird, ist ökonomisch gesehen eigentlich nur logisch.

Aber natürlich gibt es wesentliche Ausnahmen:

1) Category Killers: Allen voran Google: Wenn man die Technologie in einem Sektor so klar beherrscht und damit in kürzester Zeit einen aussergewöhnlich starken Brand aufbaut, kann man sehr, sehr gut verdienen (wie die ständig steigenden Gewinne von Google beweisen). » weiterlesen

Microsoft haelt e-Paper immer noch fuer eine tolle Sache. Andere nicht mehr.

Gemeinsame Ankuendigungen dieser Art hört man nicht jeden Tag: Microsoft kooperiert mit der New York Times und will diese vermutlich renommierteste Zeitung der Welt demnaechst als e-Paper-Variante anbieten, also als digitales Abbild der Originalpublikation. Dazu wird es im neuen Windows Vista (so es denn irgendwann rauskommt) eine neuartige Reader-Applikation geben, die die Zeitung auf dem Bildschirm sehr originalgetreu darstellen soll. Besonders brandgerecht mit den richtigen Schriften und so.

Toll findet das vor allem die New York Times, die so den unabhaengikeitsstrebenden, RSS mixenden Online-Leser offenbar wieder zurueck in die Gefilde redaktioneller Kontrolle bringen will.

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Zeitungen in der Krise:
Müssen neue Eigentümer her?

Über die aktuelle Krise der Zeitungsbranche wurde schon reichlich geschrieben, und die daraus folgenden Anpassungsprozesse zeigen sich ja auch schon — zumindest in den USA — deutlich in der Form von Konsolidierung und neuen Produktkonzepten. Vermutlich ist das letztlich ein gesunder, normaler wirtschaftlicher Adaptionsprozess: Neue Technologien (Internet) verändern das Kundenverhalten, die bisherigen Anbieter (Zeitungen) geraten unter wirtschaftlichen Druck und müssen sich den neuen Kundenbedürfnissen anpassen. Marktwirtschaft at its best. Schumpeter lässt grüssen.

Anderer Ansicht ist da John Carroll, ehemaliger Chefredakteur der LA Times und jetzt Dozent in Harvard. In einer Rede vor der American Society of Newspaper Editors gab er die Schuld den geldgierigen Eigentümern der Zeitungskonzerne, die nur an finanziellem Gewinn interessiert seien und die hehre öffentliche Aufgabe der Zeitungen missachteten. » weiterlesen