Grenzen austesten, Protest abwarten, Zugeständnis machen:
diesmal Xing

Xing LogoWie vor zwei Monaten angekündigt, hat das Business Network Xing mit der Vermarktung seiner Plattform begonnen. Nach den Nutzerprotesten rund um Facebooks Werbeprogramm Beacon und studiVZs AGB-Änderung bezüglich personalisierter Werbung wirkt das, was bei Xing gerade passiert, wie ein Déjá-vu: Wieder testet ein Social Network seine Grenzen aus (in diesem Fall: Gratis-Mitgliedern angezeigte Werbung auf den Profilen von Premium-Mitgliedern, teilweise für Konkurrenzfirmen), wieder kommt es zum Protest der einiger Benutzer, und wieder wird anschließend vom Social Network ein Schritt zurückgerudert (in diesem Fall: Opt-Out-Möglichkeit für Premium-Mitglieder, so dass keine Werbung mehr auf ihren Profilen erscheint). Wer an der ausführlichen Story interessiert ist, kann sie hier, hier oder hier nachlesen. » weiterlesen

Im Test:
Micky Maus

Auch die Micky Maus geht mit der Zeit: Micky fährt Snowboard und Dagobert will Dotcom-Unternehmen aufkaufen.

Micky Maus Titel

Im Test: Ausgabe 1/2008, 29.12.2007.

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Und noch ein Facebook-Fehltritt

Eigentlich denkt man ja, dass Startups gegenüber Grossunternehmen zumindest einen grossen Vorteil haben: Sie sind klein und nicht so hierarchisch, und daher können sie sich typischerweise intelligenter verhalten. Statt Bürokratie dominiert Flexibilität.

Das scheint allerdings nicht für Facebook zu gelten. Das Social-Network-Startup hält die Kadenz seiner Fehltritte auch im neuen Jahr hoch: Nach allerlei Skandälchen hinsichtlich der neuen Werbeformen auf Facebook noch in den letzten Wochen hat sich Mark Zuckerbergs Firma heute erfolgreich damit blamiert, A-List-Blogger Robert Scoble von der Website zu verbannen. Die ganze amerikanische Blogosphäre ist in Aufruhr, und natürlich gibt es auch schon die eine oder andere “Rettet Scoble”-Supportgruppe — auf Facebook, versteht sich. » weiterlesen

Slopsbox:
Pirate Bay startet praktisches Tool für Web-2.0-Freunde

SlopsboxAuf das von The Pirate Bay im Mai 2007 angekündigte Videoportal müssen wir zwar noch immer warten, aber auch so wird deutlich, dass der berühmt-berüchtigte BitTorrent-Tracker aus Schweden sein Tätigkeitsfeld vergrößern möchte: Mashable weist auf Pirate Bays neues Projekt Slopsbox hin, mit dem sich schnell und einfach Wegwerf-E-Mail-Adressen erstellen lassen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern wie Spambox muss bei Slopsbox die Wegwerf-Adresse nicht erst manuell generiert werden, bevor sie funktioniert. Stattdessen stellt Slopsbox eine Reihe von Domains bereit, die mit einem beliebigen Aliasnamen plus @-Zeichen sofort einsetzbar sind. » weiterlesen

6 über 2008

Traditionelle Medienkonzerne gehören auch 2008 zu den grossen Verlieren, und zwar schlimmer denn je
(medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
“Sorry, aber weder die Musik-, noch die Film-, noch die Zeitungs-, noch die Fernsehbranche haben 2007 irgendeinen Hinweis darauf gegeben, dass sie digitale Medien verstehen und eine brauchbare Strategie für den Umgang mit diesem Phänomen haben.”

Die Trends des Jahres 2008 – Versuch einer Vorhersage
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
“Diese Berufsstandsbeamten, für die ich mich als Journalist schämen muss, werden leider auch im neuen Jahr nicht verstummen – im Gegenteil. Ihre Angriffe werden heftiger werden, sollte die Konjunktur kippen – und dafür spricht viel.”

Orakel 2008
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
“Für Schlagzeilen dürfte die Musikindustrie sorgen. Es sieht ganz so aus, als ob dort die Probleme mit den Künstlern größer werden, als die mit den Käufern.”

Ins Nichts
(blogbar.de, Don Alphonso)
“2008 wird das Jahr der Exits. Ich vermute mal, dass bekanntere Blogger vermehrt nach Chancen suchen werden, schnellstmöglich umzusteigen, sich als Berater andienen oder nach Aufträgen für Verwandtes suchen. Damit noch etwas kommt, wenn man begriffen hat, dass nichts mehr kommt.”

Wird 2008 zum Jahr der Privatsphäre?
(mrtopf.de/blog)
“Wenn etwas das Thema 2008 werden kann, dann sicher die Privatphäre, denn es brodelt an vielen Stellen. Manche Themen sind heute schon aktuell und werden ins neue Jahr getragen werden, andere Dinge sind noch nicht akut, könnten es aber dennoch werden.”

“In 2008, a 100 Percent Chance of Alarm
(nytimes.com, John Tierney)
In 2008, your television will bring you image after frightening image of natural havoc linked to global warming. You will be told that such bizarre weather must be a sign of dangerous climate change ? and that these images are a mere preview of what?s in store unless we act quickly to cool the planet.”

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Annus horribilis für Zeitungsaktien:
Die Disruption schlägt zu

Wie neulich schon mal beschrieben: Wer Geld an der Börse machen will, sollte derzeit vermutlich nicht in Aktien von Zeitungskonzernen investieren.

Eine Analyse von “Newsosaur” Alan D. Mutter für den amerikanischen Markt zeigt aber erst auf, wie gross das Problem wirklich ist. 2007 verloren die börsennotierten amerikanischen Zeitungsunternehmen nicht weniger als 26% ihres Wertes — oder total die Kleinigkeit von $11 Milliarden. Über die letzten drei Jahre gerechnet summiert sich die Kapitalvernichtung sogar auf volle $23 Milliarden oder einen Wertverlust von 42%. Das wohlgemerkt in einer Zeitspanne, in der die Konjunktur brummte und der Gesamtmarkt um mehr als 20% anstieg. Einzige Ausnahme waren die Aktien von Dow Jones (Herausgeberin des Wall Street Journal), deren Preis im Übernahmekampf mit Rupert Murdoch hochgetrieben wurde.

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Niklaus Meienberg (Teil 3):
“Schwirrigkeiten des Bluck mit der Wirklklichkeit”

Auch über die Schweizer Boulevardzeitung Blick schrieb Niklaus Meienberg. Den Chefredaktor nannte er “Übersack”, geißelte die Beliebigkeit des Blattes – und fand trotzdem noch Positives.

Die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren die Blütezeit der Schweizer Boulevardzeitung Blick, riesige Auflage, breite Aufmerksamkeit. Nicht Bluck, wie der Titel glauben macht, das ist eine Erfindung von Meienberg, die zurückgeht auf ein Blick-Werbeplakat mit einem Tippfehler drin: “BLICK hat solchen Erfolg, weil Hunderttausende von Schweizerinnen und Schweizern wissen: Über das, was WIRKLKLICH interessiert, wird man im BLICK am schnellsten und besten informiert.”

Der damalige Chefredaktor Peter Übersax, von Meienberg in der kurzen Geschichte (Reportagen I, Seiten 38 bis 43) meistens “Übersack” genannt, rief Meienberg gleich nach dem Erscheinen des Artikels an und bot ihm eine Kolumne an (so ist es am Schluss vermerkt). Er dürfe über alles schreiben, ausser über Religion und Militär, für Meienberg offenbar keine Option. Er vermerkt ironisch “schöne Offerte!” und mokiert sich, wie sehr Übersax in Harmonie mit seinem Ideal, dem Zynismus, lebe. Sogar der Ausdruck “Glitschiger Ringier-Aal” glitsche ihm mühelos runter.

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Soziales Social Network kaioo will Klarheit schaffen

kaiooAuch viele Wochen nach meinem Artikel über das soziale Social Network kaioo trudeln noch immer Leserkommentare ein, negative wie positive. Das Konzept der jungen Community, sämtliche Werbeeinnahmen für gemeinnützige Zwecke zu spenden, sorgt erwartungsgemäß für Diskussionsstoff. In einem YouTube-Video stellt sich das dreiköpfige Team von kaioo nun vor und versucht, häufig auftretende Fragen rund um die Idee und das Spendenprinzip zu beantworten und gleichzeitig Skeptikern entgegenzutreten, die kaioo langfristig auf den gleichen, kommerziellen Pfaden wandeln sehen wie Facebook, MySpace oder studiVZ. Wie schon beim Start der Seite vor zwei Monaten verweist man im Video auf den Schutz der Nutzerdaten und verspricht, diese niemals an Dritte weiterzugeben. Das jüngste AGB-Skandälchen von studiVZ noch in Erinnerung, könnte sich diese deutliche Abgrenzung vom Vorgehen der namhaften Konkurrenten als äußerst werbewirksam erweisen. » weiterlesen

10 Vorhersagen für 2008

Der Jahreswechsel ist ja immer die Zeit für Rückblicke und Ausblicke. Und das kann man natürlich auch für das Thema Medienkonvergenz machen. Da ich Rückblicke für weniger interessant halte, sind hier meine 10 Prognosen für das neue Jahr, natürlich komplett unwissenschaftlich, ausschliesslich subjektiv und frei erfunden. Die erste Hälfte ist eher negativer Natur, die zweite Hälfte positiv.

1. Online-Werbung wächst weiter, aber vor allem in den USA in deutlich langsamerem Tempo
Dass wir eine fundamentale Bewegung von Werbegeldern weg von klassischen Medien rein ins Internet erleben, ist klar, und daran ändert auch die wohl anstehende Konjunkturabkühlung wenig. Aber das horrende Wachstumstempo der letzten drei Jahre wird 2008 nicht gehalten werden können. Das ist nicht sehr tragisch, und es ist längst keine echte Krise, aber diese Abkühlung wird für die Online-Branche doch spürbar werden.

2. So mancher Web-2.0-Businessplan stellt sich endgültig als Phantasie heraus. Die Pleite-Quote steigt, der Kapitalstrom wird dünner.
Das Ende der Web-2.0-Welle wurde von vielen schon für letztes Jahr vorhergesagt, aber ist offensichtlich nicht eingetreten. Da wir 2007 aber neue Höhen der Bubble-Inflation erreicht haben (man denke nur an Facebooks erstaunlich-lächerliche $15-Mia.-Bewertung), ist der Markt sehr nervös geworden. Und wenn sich 2008 die Online-Werbung abkühlt, wird diese kleine Flaute so manchen rein auf Werbung gebauten Businessplan in die Tiefe reissen.

Die Investoren werden darauf reagieren, VCs werden kaum noch in reine Web-2.0-Plays investieren. Und die Liste der Startups, die die Segel streichen müssen, wird ziemlich lang werden. Aber eine Bereinigung tut der Sache langfristig nur gut.

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Das Ironieverbot

“Du sollst nicht ironisieren!” – sobald es um den ‘uneigentlichen Sprachgebrauch’ geht, sind sich alle Journalisten einig, zusammen mit Wolf Schneider: Die Ironie gehört allenfalls in die Glosse, besser aber in die Gosse.

Obwohl doch der Pöbel dort unten, nach der festen Überzeugung der Pressevertreter, diese Ironie gar nicht goutieren könne. Denn die Ironie sei im Grunde wiederum viel zu chic für Proletenhände. Der Leser merkt’s – bei solchen Vorurteilen über ‘Ironie’ gibt es viel zu hinterfragen.

Zwei Faktoren bestimmen in meinen Augen die journalistische Aversion gegen die Ironie: 1. eine notorische Überheblichkeit dem Publikum gegenüber und 2. eine ebenso große Unkenntnis über Spielformen und Intentionen der Ironie. Konsens herrscht unter Ironieverächtern allenfalls darüber, dass die Ironie ‘das Gegenteil dessen, was jemand meine’ zum Ausdruck bringt.

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