Journalisten-Selbstkritik:
Ein Versuch, immerhin

Frank A. Meyer, “Konzern-Chefjournalist” im Ringier-Verlag, hat eine Handvoll Journalisten in die Sendung “SonntagsBlick Standpunkte” eingeladen, um zusammen etwas selbstkritisch zu sein. Wie fast immer bei freier Rede sind interessante Aussagen zustande gekommen. Wir liefern die besten Zitate aus der Sendung.

Wie aus der Schweiz zu hören ist, lässt sich Frank A. Meyer (Ringier-Verlag, Stabsstelle ohne konkrete Aufgaben, siehe Grafik) seit einigen Wochen im hauseigenen SonntagsBlick wöchentlich von Marc Walder (Ringier-Verlag, Chefredaktor SonntagsBlick, Redaktionsdirektor Zeitungen) befragen. Angelehnt an die wöchentliche Zigarette zwischen Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt im Zeit Magazin Leben heisst die Rubrik “Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer”.

Journalisten-Runde

Wer das als royale Geste missverstanden hat, wird nun von Frank A. Meyer geläutert. In den SonntagsBlick-Standpunkten (Video, 57:19 Minuten) diskutiert er mit

- Lutz Hachmeister, Kommunikationswissenschaftler und Buchautor
- Jürgen Busche, Journalist, Cicero
- Constantin Seibt, Journalist, Tages-Anzeiger
- Markus Spillmann, Chefredaktor, NZZ

und entlockt so der durchaus hochkarätigen Runde einige interessante Aussagen.

Wir haben einige Zitate daraus versammelt. Den wichtigsten und besten Satz des Abends wollen wir aber unverzüglich bringen: “Entscheidend am Ende ist die Frage: Sind wir fähig als Journalisten, auch künftig Qualität zu bieten, auf den Trägern, auf den Informationskanälen, die unsere Kunden, nämlich die Leserinnen und Leser, auch konsumieren wollen.”
» weiterlesen

Das mobile Web ist endlich da – bei mir jedenfalls

mobile WebJahr für Jahr wird die mobile Internetnutzung (neben anderen) als der nächste heiße Trend im Web bezeichnet. Doch so richtig abheben konnte das Surfen mit dem Handy oder Smartphone in Europa bisher nicht. Seit zwei Wochen habe ich privat eine erschwingliche, mobile UMTS-Datenflatrate und siehe da: Schlagartig eröffnet sich mir eine Welt, die ich vorher nur aus den besagten Trend-Prognosen kannte. Plötzlich ist die intensive Nutzung des Internets vom Mobiltelefon aus (und wir sprechen nicht über E-Mail und Websuche) für mich ein aktuelles und spannendes Thema, in das es sich lohnt, Zeit zu investieren, um die besten Dienste und Lösungen für das Surfen, Kommunizieren und Networking von unterwegs zu entdecken. » weiterlesen

“Bloggen für Millionen” und andere Zahlenspielchen

“Bloggen für Millionen”, schreibt der Tagesspiegel heute (bei uns in 6 vor 9) über einen Artikel über ‘Geldverdienen mit Blogs’. Eine siebenstellige Zahl taucht dann nur noch einmal im Text auf, und da bezeichnet sie das obere Ende der Schätzungen über den Umsatz des US-Gadgetblogs Gizmodo – aber daran wollen wir uns nicht stören.

Blogger (cc:Jacob Bøtter)
Problogger: Kohle für Klicks (Bild cc:Jacob Bøtter)

Auch der Grundthese des Textes, dass eine Vermarktung von Fachblogs einfacher scheint als die von Gemischtwarenläden, ist nicht zu widersprechen. Dann allerdings wird es leider doch wieder haarig:

“Jüngster prominenter Etatgewinn ist Bildblog.”

Das schreibt die Autorin über den Blogvermarkter Adical, und Adical darf natürlich bei diesem Thema nicht fehlen, auch wenn viele Beobachter aus der Blogosphäre wohl Vollauslastung, zumindest aber sichtbar mehr Kampagnen erwartet haben. Nur: Diesen “Etatgewinn” meldete Adical schon im Mai 2007, ganz so jung ist er also nicht mehr. Und gab es überhaupt noch einen weiteren “Etatgewinn” seitdem?

» weiterlesen

PDF mit Kontext-Anzeigen:
Wieder Werbung in Büchern?

Gratiszeitungen, Free-TV und jetzt auch kostenlose Bücher? Kevin Kellys Buch “True Films” gibt es als Datei, Werbung inklusive.

True Films
Das Buch gibt es als PDF auf der Seite des Autors

Drüben bei Wortfeld hat Alexander Svensson auf das PDF-Buch von Kevin Kelly hingewiesen. In “True Films” präsentiert Kelly über 200 Dokumentarfilme. Das Interessante daran ist nicht nur die Auswahl an spannenden, gut erzählten Geschichten, sondern das Vertriebsmodell.

Denn der Download des Buchs ist kostenlos, Geld verdient Kelly mit kontextabhängiger Werbung, die der Adobe Acrobat Reader neben dem Dokument einblendet. Wenn man denn der fragenden Bitte nach einer Internet-Verbindung zum Werbe-Download zugestimmt hat. Und wenn man denn nicht ein anderes Programm als Acrobat verwendet, um das Dokument anzusehen. Auf einem Mac, der PDF-Dateien gerne mit dem Programm “Preview” öffnet, gibt’s keine Werbung zu sehen.

» weiterlesen

Titten, Tiere, Tränen, Tote:
Brav im Boulevard

Mit kurzem Röckchen auf der Jagd: Kerstin Dombrowski hat ein Buch über ihre Arbeit als Boulevard-Journalistin geschrieben.

Titten, Tiere, Tränen, Tote

Zehn Jahre im Boulevard. Erst die Bild-Zeitung, dann Privatfernsehen. “So , jetzt reicht’s”, fängt Kerstin Dombrowski ihre Abrechnung an. Denn sie rechnet ab, vor allem mit sich selber. Beschreibt eher unaufgeregt und ohne großen Überbau ganz einfach und direkt, wie das so war bei Bild, Sat.1 und RTL.

Wie man als junger Mensch mit 22 Jahren in die Maschinerie gerät, wie das Boulevard-Geschäft funktioniert, wie man selber darin funktionieren kann und so zur “charakterschwachen Bild-Reporterin” werden kann – wie sie eine geworden war.

Das Buch ist eine einzig große Bestätigung: Was immer man über Boulevard-Medien denken kann, wenn man nur ein wenig Einblick in den Journalismus hat, wird hier bestätigt. Das liest sich flott herunter, bietet aber leider wenig Überraschungen. Vor allem schlägt sich Dombrowski nicht schlecht bei ihrer Arbeit, hat ein paar Krisen, ein paar Zweifel bei der Arbeit, aber dann geht es immer irgendwie weiter.

» weiterlesen

Das neue lokalisten:
ein bisschen wie Facebook in Grün

lokalistenSeit einigen Stunden ist die neue Version von lokalisten online, eines der größten Social Networks in Deutschland. Wie bereits angekündigt, bietet das besonders im Münchner Raum populäre Netzwerk mit dem Relaunch einige technische Neuerungen, die sich mittlerweile zum Standard bei Web-2.0-Communities entwickelt haben: einen Newsfeed, modular aufgebaute Home- und Profilseiten mit verschiebbaren Elementen, die bei Bedarf geschlossen werden können, sowie – und auch das ist offensichtlich fast schon State of the Art – einen Seitenaufbau, der in unterschiedlichem Ausmaß an Facebook erinnert. Besonders die Start- und Profilseite können Ähnlichkeiten mit dem populären Social Network aus Palo Alto nicht von der Hand weisen. » weiterlesen

One Laptop per Child, kein Laptop per Kunde

One Laptop Per ChildOne Laptop per Child” ist eine viel beachtete Initiative von MIT-Professor Nicholas Negroponte, die Laptops zwecks Ermöglichung moderner Bildung und Kommunikation zu Kindern in der dritten Welt bringen will. Anfangs segelte das Vorhaben unter dem ausehenerregenden Titel “100-Dollar-Laptop”, weil Negroponte mit revolutionärer Technologie die Kosten eines richtigen Laptops unter die magische 100-Dollar-Grenze drücken wollte. Aber die Non-Profit-Aktion hatte in ihrer kurzen Geschichte schon mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen: Technische und finanzielle Schwierigkeiten, Kostenüberschreitungen, Konflikte mit Microsoft und Intel sowie Probleme im Umgang mit den Regierungen der Drittweltstaaten, die diese Laptops eigentlich für ihre Kinder kaufen sollten.

Der neuste Konfliktherd des Projektes schwelt aber an einer Stelle, wo man es kaum erwarten würde und wo es der OLPC-Stiftung vielleicht sogar besonders weh tun könnte: An der Heimatfront, bei den grössten Fans des Projektes. Und ich habe das zweifelhafte Vergnügen, zu den Betroffenen zu gehören.

Es geht um die vorweihnachtliche Aktion “Give One, Get One” (G1G1) in deren Rahmen Leute mit amerikanischer Adresse einen OLPC für sich bestellen konnten — vorausgesetzt, dass sie ein weiteres Gerät für ein Kind in der dritten Welt spenden. Für einen Gesamtpreis von 400 Dollar bekam man so ein revolutionäres Stück Technologie sowie das gute Gefühl, etwas zur Bildung in einem armen Land beigetragen zu haben. Das war zumindest die Idee.

Hier eine kurze Chronologie meiner eigenen OLPC-Erfahrungen:

» weiterlesen

Issuu:
Dokumentenplattform für Kreative mit Stylefaktor 10

IssuuNach Sprout möchte ich heute eine weitere Web-Applikation vorstellen, die vor allem durch ihre innovative Umsetzung und eine äußerst stylische Oberfläche überzeugt. Issuu ist eine Plattform zum Speichern und Präsentieren von Dokumenten. Im Gegensatz zu Scribd oder Doktus stehen jedoch nicht 0815-Schriftstücke im Vordergrund, sondern selbst erstellte Magazine. Zugegeben, das klingt recht speziell und ist es vermutlich auch. Wer aber selbst nicht zur kreativen Gilde der Layouter, Hobby-Magazinmacher und Fotografen gehört, kann ganz einfach durch das breite Angebot an Titeln stöbern, die ihren Schwerpunkt auf den Themen Kunst, Design, Fotografie und Musik haben, und sich von diesen inspirieren lassen. Damit ihr versteht, was Issuu auszeichnet, empfehle ich einen Blick auf die folgende Flash-Integration eines zufällig ausgewählten Titels (mit einem Klick auf den Viewer gelangt ihr zur großen Ansicht): » weiterlesen

Medienblogcharts 1/08:
Verlinkerei saisonbedingt?

Die deutschsprachigen Medienblogs können erstmals seit fünf Monaten eine Abflachung des Linkschwunds verzeichnen. Eine hochwissenschaftliche Präzisionsanalyse lässt ausserdem den Verdacht zu, dass es sich um saisonbedingte Schwankungen handelt.

Medienblogcharts Verlinkung TOPTEN-Medienblogs

Medienblogcharts Verlinkung TOPTEN-Medienblogs

Ist die Zeit der Negativschlagzeilen bald vorbei? Erholen sich die deutschsprachigen Medienblogs von den harten Rückschlägen des vergangenen halben Jahres? Wir haben zur Februar-Ausgabe unserer Medienblogcharts die durchschnittliche Zahl verlinkender Blogs für die Top-Ten der Medienblogs seit deren Erfassung errechnet. Was lässt sich aus den Ergebnissen ablesen?

» weiterlesen

Der Gurkenlaster in der Tagesshow:
Satire und ‘ernsthafter’ Journalismus

Daniel Küblböck rammt in der Dämmerung ohne Zeugen einen Gurkenlaster; Martin Sonneborn entschuldigt sich vor laufenden Kameras bei den Georgiern für den Bruch des Hitler-Stalin-Pakts. Was davon ist eine wichtige Tagesnachricht und wieso? Brand Eins über das Geschäft mit Nachrichten, Wein, Filmen, Büchern und Urlaubsreisen.

Daniel Küblböck, Amy Winehouse, Paris Hilton
Daniel Küblböck, Amy Winhouse, Paris Hilton: Wo sind hier die News? (Bilder [M] cc:SlimK, cc:casasroger, cc:Illinois Entertainer)

Seit gestern stapeln sich E-Mails mit jeder Menge meist hämischer Kommentare in meiner Mailbox. Der Grund: Ein westdeutscher Rundfunksender kooperiert mit einer ebensolchen Zeitungsgruppe. Etwas, das eigentlich keine Sensation und schon länger absehbar war.

» weiterlesen

  • Sponsoren