Wolfgang Münchau:
Nebeneinander geht’s durcheinander

Mehr Markt und weniger Staat – oder angesichts von Finanzkrisen plötzlich doch lieber andersherum? Keine einfache Frage für Finanz-Kolumnisten.

Wall Street (Bild Keystone)
Stürzen die Kurse, freut sich der Fotograf: Fünf Krisenbilder (Bilder Keystone)

Das ‘Adenauer-Syndrom’ grassiert. Schon der erste Bundeskanzler soll verkündet haben: ‘Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“. Viele Wirtschaftskolumnisten, welche die Finanzkrise aus der Bahn des gewinngewohnten Künders ewigen Wachstums warf, müssen nolens volens jetzt leicht errötend auf Adenauers Spuren wandeln.

Ein erzwungener Schwenk, der besonders komisch wirkt, wenn seit dem dicken Wälzer, der kategorisch eine unregulierte Marktwirtschaft sans phrase forderte, und den jetzigen neo-ökonomischen Unkereien über plötzlich doch notwendigen Staatsinterventionismus nur einige Monate liegen. Erblickt man solche Texte plötzlich nebeneinander, wird’s eben widersprüchlich. Wie im Falle von Wolfgang Münchau, des Associate Editor der Financial Times und des langjährigen Chefredakteurs der Financial Times Deutschland.

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Auflagen in Österreich:
Viele Gewinner, alle verlieren

Österreichs Zeitungen und Zeitschriften haben im Jahr 2007 viele Leser verloren. Einige Medien mussten deutliche Verluste einstecken. Vor allem junge Österreicher holen sich ihre Informationen lieber im Internet. Und das tun sie so intensiv wie nie zuvor.

Zeitung (cc:Moe_)
Keine Krise? (Bild cc:Moe_)

Wenn die Leserzahlen für die österreichischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht werden, findet jedes Medium eine Kategorie, in der es besser als alle anderen war oder zumindest gut abgeschnitten hat. Diesmal allerdings wird es wohl für alle schwer, sich als Gewinner darzustellen: Sieger gab es 2006 so gut wie gar nicht. Verlierer dagegen zuhauf. Das zeigen die Daten der Media-Analyse für das Vorjahr. In rund 15.000 persönlichen Interviews ermitteln Meinungsforschungsinstitute jährlich, wie viele Österreicher ein Blatt tatsächlich lesen.

Viele Zeitungen mussten signifikante Verluste einstecken. Die am meisten gelesene Zeitung Österreichs, die Kronen-Zeitung, führt mit fast 3 Millionen Lesern noch immer weit vor der Kleinen Zeitung, die über 800.000 Leser hat. Die Krone hat 85.000 Leser verloren, die Leserzahlen der Kleinen blieben stabil. Besonders schmerzhaft ist der Leserschwund für den Kurier und die Presse. Der Kurier verliert 44.000 Leser, die Presse 33.000. Damit liegt der Kurier bei knapp über 620.000 Lesern, die Presse hat nur mehr 267.000 Leser.

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Zehn Thesen zur digitalen Zukunft

glaskugel.jpgImmer wieder taucht in Gesprächen die Frage auf, wie das Web in drei, fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Ich muss dabei regelmäßig kapitulieren. Die Komplexität des Themas, die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung sowie der Grad der Verschmelzung mit anderen Technologien haben in letzter Zeit so stark zugenommen, dass mir eine detaillierte Prognose und vor allem ein zeitlicher Ausblick schwer fällt. Statt ein Bild davon zu zeichnen, wie wir das Netz im Jahr 20xx nutzen werden, ziehe ich es vor, für einzelne Bereiche des Webs und seiner Peripherie anhand des bisher Geschehenen Thesen aufzustellen, wohin es zukünftig für die digitale Gesellschaft gehen könnte.

Ich habe den Sonntag dafür genutzt, mir zehn solcher Thesen einfallen zu lassen, die nach meiner heutigen Auffassung für die weitere Entwicklung des Internets Gültigkeit haben werden. Die einzelnen Punkte sollen zur Diskussion anregen und auch dazu einladen, sie mit schlagfertigen und überzeugenden Argumenten zu widerlegen. Jeder Ausblick in die Zukunft birgt Risiken und kann sich am Ende komplett oder in Details als falsch herausstellen. Es deshalb aber gar nicht erst zu versuchen, wäre dann doch schade. » weiterlesen

Chefredakteur ade — News werden sozial

“If the news is that important, it will find me.”

Diesen Satz formulierte laut New York Times ein amerikanischer College Student anlässlich einer Studie über das Medienverhalten junger Leute. Wahrscheinlich gibt dieser Satz verblüffend perfekt wieder, wie die neue Medienwelt funktionieren wird — und heute schon funktioniert.

Was ist damit gemeint? Im Prinzip sagt dieser Satz aus, dass Nachrichten immer mehr vom Pull- zum sozialen Push-Medium werden. Wir gehen als Medienkonsumenten nicht mehr rituell in regelmässigen Abständen zur Newsquelle — so, wie man früher morgens die Zeitung gelesen oder brav zu einer festgelegten Zeit die Tageschau geguckt hat –, sondern wir warten ab, welche Nachrichten sich als relevant genug herausstellen, dass sie uns von anderen empfohlen werden.

Immer weniger bestimmen professionelle Medienschaffende, welche News wir als wichtig empfinden. News werden sozial. Empfehlungen anderer Leute — Freunde, Arbeitskollegen, Geschäftspartner, Gleichgesinnte — werden wichtiger als das, was Redaktionen als berichtenswert empfinden.

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medienlese – der Wochenrückblick

Gesamtkunstwerk Bild, Wikipedia-Promis, Premium-Zeitschriften.

Schweini: Ich steht zu Poldi” lautete diese Woche eine Schlagzeile der Bild-Zeitung über “Prinz Peng”. Wer das jetzt nicht verstanden hat, muss das auch gar nicht, wenn es nach Medienwissenschaftler Norbert Bolz geht. Er sagte: “‘Bild’ ist ein Gesamtkunstwerk und hat einen unglaublichen Einfluss auf die Politik”. Die Belegschaft der Zeitung zog von Hamburg nach Berlin und stellte gleich mal einen Werbewagen auf, um bei der Nachbarredaktion der taz auf sich aufmerksam zu machen. Wie dieses Bild zeigt, wurde die Zeitung von der Stadt Berlin in ihrer gewohnt herzlichen Art, ja man möchte fast schon sagen, überschwänglich empfangen.
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Amerikanische Zeitungen:
Es sieht düster aus

Die neusten Zahlen der Newspaper Association of America (NAA) zeichnen ein düsteres Bild des amerikanischen Zeitungsmarktes: 2007 haben die US-Verleger nicht weniger als 9.4% an Print-Werbeumsätzen verloren. Schlechter war noch kein Jahr seit 1950, seit diese Zahlen überhaupt erhoben werden. Sogar das Krisenjahr 2001 war mit 9% Verlust noch ein bisschen weniger schlimm. Das absolute Print-Werbevolumen ist mit $42.2 Mia. etwa wieder auf dem Niveau von 1998 angekommen — Inflation nicht berücksichtigt.

Einziger Trost für die Verleger sind die Online-Umsätze, die immerhin 18.8% stiegen. Das war allerdings weniger als auch schon (2006 waren es noch 31%), und mit immer noch nur 7.5% der Gesamtumsätze ist Online auch nicht geeignet, die Zeitungskonzerne zu retten.

Die Ursachen für diese Rückgänge sind vielfältig: Einerseits sind die amerikanischen Zeitungen wie Print-Produkte in den meisten Industrieländern von stark fallenden Leserzahlen betroffen. » weiterlesen

Videoblogger:
Geek Chicks vs. Herrenriege

Bloggermosaik
Blogger unter sich

Sie sehen gut aus und sie präsentieren Nachrichten für die Netzgemeinde. Eine ganze Reihe englischsprachiger Podcasts funktioniert nach dem gleichen Schema. News für Nerds und Internet-Geeks, präsentiert in einem regelmäßigen Videopodcast. Einen Spitznamen haben die Moderatorinnen auch schon: “Geek Chicks”. So werden sie jedenfalls von Duncan Riley in einem Artikel auf Techcrunch genannt. “Battle Of The Podcasting Geek Chicks” heißt das Posting – das ich sofort als Anlaß für einen Streifzug durch die deutschsprachige Netzwelt nehmen wollte. Aber was ist nur dabei herausgekommen:

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Der heisse Stuhl

Talkgäste verunsichern? Erst befragen, wenn sie ordentlich Wein gebechert haben? Ein Rückblick auf den schmalen Grat zwischen journalistischem Mumpitz und frischem Fernsehformat.

Der heisse StuhlEs gibt Formate, die journalistisch so hart und unerbittlich wirken wollen, dass es fast schon lustig ist. Da wird ein Gast, der “in die Zange genommen” werden soll auf einen Stuhl gesetzt, der so heiss sein soll, dass es ihm ungemütlich wird. Oder der Fragende umrundet den Befragten so, dass dieser nicht mehr weiss, wo vorne und wo hinten ist.

“Explosiv – der heisse Stuhl” lief von 1989 bis 1994 auf RTLplus und tatsächlich, der Stuhl sieht aus wie ein Marterpfahl oder Scheiterhaufen, ein kalter, hoher Bau aus Stahl, an dem nur aus Gründen der Menschlichkeit noch ein paar Kissen angebracht wurden:

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laut.fm User Generated Radio:
legal und wirklich nutzbar

Laut.fmInternetnutzer, die ihre Lieblingssongs per Widget in einen Blog, eine Website oder ein Social-Network-Profil einbauen wollen, haben die Qual der Wahl. Anbieter wie Mixwit (siehe), Muxtape (siehe), SeeqPod (siehe), Deezer (siehe), MediaMaster (siehe) und diverse andere erlauben es, den Player kostenlos in externe Seiten einzubetten. Wer das macht, setzt sich jedoch gleichzeitig dem Risiko aus, irgendwann Post von der Musikindustrie bzw. deren Anwälten zu erhalten. Während die erwähnten Dienste in Einzelfällen Abkommen mit der Rechteverwertungsgesellschaft des Herkunftslandes geschlossen haben (in der Regel aber nicht einmal das), ist das Zugänglichmachen und Verbreiten der urheberrechtlich geschützten Musikstücke in anderen Ländern trotzdem illegal. Deutsche User, die auf Nummer sicher gehen und dennoch selbstgewählte Songs in die eigene Webpräsenz einbauen möchten, erhalten nun mit dem User Generated Radio von laut.fm eine rechtlich einwandfreie Alternative. » weiterlesen

Zwei Tageszeitungs-Neulinge an der Spitze von Ex-«heute»-in-spe

Mit der Umbenennung in «Blick am Abend» am 2. Juni kommen die neuen Leute: Ringier hat am Nachmittag die Besetzung der Chefredaktion bekannt gegeben. Der grösste Schweizer Verlag, der stolz darauf ist, von einem Journalisten geführt zu werden, scheint dabei nicht unbedingt Wert darauf zu legen, dass die Schlüsselpositionen von Leuten mit Erfahrung in der betreffenden Disziplin besetzt werden.

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