2104 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Hintergründe zum Aus von Chapz

chapzVor wenigen Monaten noch wurde Chapz als interessanter Neueinsteiger auf dem Feld der spezialisierten Social Networks auf zweinull.cc vorgestellt. Heute – gute drei Monate später – ist von Chapz allerdings nur mehr eine Passwortabfrage auf der Startseite übrig. Fordert der harte Konkurrenzkampf unter Social Networks ein weiteres Opfer? Ich habe Mirko Riedel, den Gründer von Cazoon Networks, zu den Hintergründen befragt welche für das frühe Aus von Chapz verantwortlich waren. » weiterlesen

ComBOTS bleibt Nullnummer – wohl für immer

combots.gifWenn ein als “neuartiges Kommunikations-Tool” angepriesener Dienst auch nach anderthalb Jahren nicht richtig in die Gänge gekommen ist und über keine solide Nutzerbasis verfügt, dann stehen die Chancen schlecht, dass sich dies noch irgendwann ändern wird. Dies ist offensichtlich die Erkenntnis der Verantwortlichen bei ComBOTS, das 2006 aus der ehemaligen WEB.DE AG hervorging und als kostenloses Tool die Onlinekommunikation der Internetnutzer stark vereinfachten sollte. Heute gab das Unternehmen bekannt, den bestehenden Dienst einzustellen. Angesichts von Investitionen im zweistelligen Millionenbereich in die Entwicklung der Software sowie der Tatsache, dass viele andere Web-2.0-Dienste mit erheblich weniger Mitteln mehr erreicht haben, eine wirklich peinliche Sache. Mehr dazu bei heise online.

P.S. Ich bin diese Woche dienstlich unterwegs und habe daher etwas weniger Zeit für den Blog. Spätestens nächste Woche läuft es wieder wie gewohnt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Die drei dümmsten Startup-Ideen der Woche

Wie neulich mal schon ausgeführt, sind wir wohl eindeutig wieder in einer Bubble. Das sieht man am klarsten an den wirklich schlechten Ideen, die die ganze Zeit auftauchen und auch noch Venture Capital erhalten.

Als kleiner Auszug aus der vergangenen Wochen hier drei Startup-Ideen, die ich wirklich, wirklich schlecht finde:

1. Die Firma BuddyMedia will mit Acebucks eine virtuelle Währung für Facebook herausbringen. Dafür hat die Firma gerade $1.5 Mio. an Venture Capital erhalten. Bubble 1.0-Veteranen erinnern sich sicher an die virtuellen Währungen Beenz, Flooz und wie sie alle hiessen. Hatten eine durchschnittliche Überlebensdauer von etwa einem Jahr.
Nichts gegen virtuelles Geld, das funktioniert ja bei Second Life durchaus. Nur kontrolliert da der Plattformbetreiber die Währung und nicht eine Drittfirma, die sich zur Notenbank berufen fühlt.

2. PuddingMedia ist eine Firma, die gratis Telefonanrufe vom PC aus anbieten will. Hmm. Gab’s das nicht schon irgendwo?
Als Entschädigung für diese Leistung müssen die User allerdings Werbung in Kauf nehmen. Und damit PuddingMedia die Werbung auch richtig userspezifisch auswählen kann, hört die Firma die Telefonate mit und schickt dann Werbung rein, die zum diskutierten Thema passen.
Also ein bisschen wie ein Geheimdienst, nur kommerziell. Dann mal viel Spass mit den Datenschutzgesetzen, kann man da nur wünschen.

3. Nicht direkt dumm, aber ein ausgesprochener “Long Shot” ist Blyk, ein neuer Mobiltelefonanbieter in Grossbritannien, der kostenlose, werbefinanzierte Mobiltelefone für die Zielgruppe der 16 bis 24-jährigen anbieten will. Alles was man als Spät-Teenie braucht, um Blyk benutzen zu können, ist ein ungelocktes Mobiltelefon, denn die Firma verkauft keine Geräte, sondern verteilt nur SIM-Karten. Und da fangen die Probleme schon mal an, denn die meisten jungen User haben wohl subventionierte Billighandies, die auf einen anderen Anbieter gelockt sind.
Ausserdem: Die User kriegen als Gegenwert für das Ertragen von Werbung (bis zu sechs MMS pro Tag) 217 SMS und 43 Minuten Sprechzeit gratis. Nicht etwa pro Tag, sondern pro Monat. Die meisten Angehörigen der Zielgruppe werden vermutlich knapp fünf Stunden brauchen, um das zu vertelefonieren, und dann müssen sie der Firma doch wieder Gebühren abliefern, und zwar etwa in der gleichen Höhe wie bei der Konkurrenz. Sorry, aber meistens merken die Leute sehr schnell, wenn sie veralbert werden…

Der aktuelle Stand des mobilen Web 2.0

mobilesweb.jpgObwohl schon seit Jahren ein erheblicher Anstieg der mobilen Internetnutzung vorausgesagt wird und dies in einigen asiatischen Ländern auch Wirklichkeit geworden ist, hat sich das Surfen mit dem Handy bzw. Smartphone in Europa abgesehen von E-Mail und Nachrichten bisher noch nicht durchgesetzt. Doch wie lange es auch immer dauern wird, bis die breite Masse das mobile Web tatsächlich nutzt – irgendwann kommt es so. Nicht zuletzt wird das iPhone für einen kräftigen Schub sorgen. Laut einhelliger Meinung der US-Medien ermöglicht dieses Dank des großen Touchscreen-Displays sowie des funktionellen Safari-Browsers als erstes Mobiltelefon überhaupt ein akzeptables Surferlebnis. » weiterlesen

So wird E-Mail nicht zur Hölle

email.jpgFischmarkt hat sich in der abgelaufenen Woche äußerst kritisch mit dem Thema “E-Mail” befasst. Quintessenz: E-Mail wird überbewertet und verliert seine Bedeutung als Kommunikationswerkzeug. Der Hauptkritikpunkt von Blogger Martin Recke: “Das Mailaufkommen hat sich dermaßen ins Astronomische erhöht, dass der Wert einer einzelnen Mail ins Bodenlose gesunken ist.” Er spricht von “Mailschulden”, die sich in den Posteingangsfächern bzw. in “Zillionen von Ordnern” ansammeln, und bezeichnet E-Mail als Hölle. » weiterlesen

Wie lange Menschen ohne Internet auskommen

20070921.jpg Das Agenturnetzwerk JWT hat 1011 erwachsene US-Amerikaner zwischen dem 7. und 11. September befragt, wie lange sie es ohne das Internet aushalten würden. 15 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, maximal einen Tag oder weniger auf die Onlinenutzung verzichten zu können. 40 Prozent fänden es akzeptabel, einige Tage lang nicht ins Netz zu gehen, und nur ein Fünftel könnte eine Woche die Finger vom Web lassen. Amüsante Randerkenntnis: 20 Prozent der Befragten gaben an, dass sie weniger Sex hätten, seitdem sie regelmäßig online gehen. JWTs Kommentar dazu: “Wir glauben nicht, dass deren Partner so glücklich sind darüber”. Angaben zur Repräsentativität der Umfrage wurden nicht gemacht.

Quelle: Yahoo News via Mashable

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Unternehmensgründungen und Timing:
Ein Nachtrag

Robert Basic stellt in einer Reaktion auf meinen Beitrag zum Thema Unternehmensgründungen und Timing in Frage, wie valide meine Argumente in Bezug auf Web 2.0 wirklich sind. Ich hatte behauptet, dass Timing in Bezug auf Konjunkturzyklen entscheidend ist und dass oft nicht der erste im Markt am Schluss gewinnt. Als Gegenbeispiele führt Robert erfolgreiche Web 2.0-Firmen an, die alle in der Flaute 2001-2004 gegründet wurden: Wikipedia, Digg, Del.icio.us, Bloglines, Technorati, Woot, Flickr, Youtube.

Guter Punkt. Aber nehmen wir diese Liste mal etwas unter die Lupe, und zwar nicht nach dem Kriterium “was denkt die Blogosphäre, was cool ist”, sondern nach dem Faktor “wer hat echten wirtschaftlichen Erfolg“. » weiterlesen

Online-Office-Anwendungen:
Wer kauft Zoho?

zoho.gifOnline-Office-Anwendungen zählen zu den heißesten (und meiner Meinung nach auch nützlichsten) Trends im Web 2.0. Dank AJAX-Technik und schneller Internetanschlüsse können immer mehr von Desktop-Software wie Microsoft Office und Open Office bekannte Funktionen einwandfrei im Browser realisiert werden. Die drei großen Vorteile: Verfügbarkeit von Dokumenten und Kalendern von jedem Ort und Computer auf der Welt, der über einen einigermaßen schnellen Internetanschluss verfügt; Komfortables, paralleles Arbeiten mehrerer Personen in der selben Datei; Kein Risiko des Datenverlustes durch z.B. einen Festplattendefekt. » weiterlesen

Authority 200 – es geht bergauf

Im Juli, vier Monate nach dem Start dieses Blogs, konnten wir eine Authority von 100 verkünden. 100 unterschiedliche Blogs verlinkten zu diesem Zeitpunkt laut Technorati zu zweinull.cc. Nun, zwei Monate später, freuen wir uns über das Erreichen des nächsten Meilensteins: eine Authority von 200. Es geht bergauf für zweinull.cc und der Dank gebührt allen, die regelmäßig hier vorbeischauen, kommentieren und uns verlinken – Euch also. Weiter so!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Werbe-Widgets:
Google hatte auch schon mal bessere Ideen

Die Internet-Branche ist eine modegetriebene Welt: Letzten Monat wurde man hier in den USA von jedem VC noch gefragt “What’s your Facebook strategy?” Diesen Monat ist die Frage “What’s your widget strategy?”

Widgets (oft auch Gadgets genannt) sind diese lustigen kleinen Funktionalitätsmodule, die man sich zu personalisierten Homepages hinzufügen kann, z.B. auf MySpace, iGoogle, Facebook usw. Nix dagegen. Aber inzwischen denken viele Leute, dass man daraus ein grosses Geschäft machen kann. Es gibt schon eine respektable Anzahl an Startups, die sich ausschliesslich mit der Produktion von Widgets beschäftigen.

Und jetzt macht das auch noch Google. Heute hat der Suchmaschinengigant das neue Programm “Google Gadget Ads” vorgestellt. Selbiges ermöglicht es Werbetreibenden, auf Googles Plattform solche Widgets/Gadgets anzubieten, die eine Werbebotschaft transportieren. Die User, so die Hoffnung, sollen mit diesen Dingern nicht nur interagieren, sondern sie bitte sogar zu ihrer jeweiligen persoenlichen Homepage/MySpace-Seite hinzufügen und so subtil mehrmals täglich der zu kommunizierenden Werbebotschaft ausgesetzt werden.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele in Googles Gadget-Galerie an. Da gibt es zum Beispiel ein Gadget zum neuen Film mit Angelina Jolie. Mag ja nett sein für Fans, aber wen interessiert das sonst? Intel bietet uns ein kleines Spiel, bei dem man mit einem Notebook-Symbol irgendwelche herunterfallenden Icons fangen muss. Das ist ohne Übertreibung die schlechteste Version von “Breakout”, die ich je gespielt habe. Und Pepsi macht es sich ganz einfach und spielt im Widget irgendeinen Werbefilm ab.

Mein Lieblingsbeispiel: Nissan bietet ein Widget, das die aktuelle Verkehrslage anzeigt:

Nissan-1

Scheint ja noch nützlich zu sein. Aber, was ist das? Diese Funktionalität gibt es bereits als werbefreies Widget von Google selbst:

Googlemaps

Die Darstellung ist nicht nur deutlich besser, man muss sich auch nicht mit der Werbebotschaft herumschlagen, die sich bei jedem Klick aufdringlich aufpoppt.

Es bleibt angesichts dieser Beispiele wirklich ein Rätsel, welchen Anreiz User haben sollten, ihre Homepages mit solchem Zeug zuzukleistern? Die meisten Leute, die ich kenne, hätten gern weniger Werbung, nicht mehr. Klar, es mag Ausnahmen geben. Das Demo-Widget von Honda konzentriert sich auf die Band “Fall Out Boy”, deren neuste Tour vom Autokonzern gesponsert wird. Die Autowerbung ist klar Nebensache. Das mag funktionieren, aber wohl nur mit einer äusserst überschaubaren Zielgruppe.

Diese Widgets funktionieren im Moment wohl am ehesten noch als interaktive Bannerwerbung. Auftraggeber zahlen normale, kommerzielle Content-Sites dafür, dass sie solche Gadgets einbinden, und im besten Fall erreicht man damit etwas mehr Aufmerksamkeit als bei den üblichen Bannern. Aber auch da sind die wenigen publizierten Zahlen eher ernüchternd: Eine Interaktionsrate von 0.3% ist zwar etwa doppelt so hoch wie die normale Click-Through-Rate bei grossen Bannern, aber das ist nicht gerade ein riesiger Quantensprung.

Die Begeisterung für Widgets in manchen Kreisen ist darum so gross, weil laut neusten Zahlen von comScore im April 2007 angeblich 177 Mio. User ein Widget irgendwelcher Art gesehen (nicht benutzt, nicht selbst eingebaut, nur gesehen) haben. Angesichts der unzähligen Video-, Musik- und Photo-Objekte auf MySpace und Co., die dabei alle mitgezählt wurden, ist das wohl auch kaum weiter verwunderlich. Aber der Weg von lustigen Videos zu kommerziell verwertbaren Werbe-Widgets dürfte ziemlich weit sein.

Prognose: Widgets als Werbeform werden keine grosse Zukunft haben. Zumindest nicht, so lange die Werbeauftraggeber sich nicht erheblich bessere Dinge ausdenken.