2083 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Internet-TV-Dienst Zattoo offiziell gestartet

Nach einer kurzen Beta-Phase ist der Internet-TV-Dienst Zattoo heute offiziell gestartet. Wer also bisher keinen Zugang erhaschen konnte, kann sich nun auf der Zattoo Website registrieren, die Software herrunterladen und ab sofort kostenlos diverse Fernsehsender über das Internet empfangen. Mehr Infos im Zattoo Blog und bei FTD.de.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

“Web 2.0 existiert nur im Kopf, dafür aber in vielen”

usergeneratedcontent.gifDas ist mein Lieblingszitat, welches Daniel Verst in seiner Diplomarbeit zum Thema User Generated Content wiedergibt (Es stammt übrigens von Sascha Lobo aus dem Jahr 2006, Verfasser des Buches “Wir nennen es Arbeit”). Gestern erhielten wir eine Mail von Daniel, in der er uns auf seine im August abgelieferte Abschlussarbeit unter dem Titel “Auswirkungen von nutzergenerierten Inhalten – Wie neue Interaktivitätsmöglichkeiten Marktransaktionen ändern” aufmerksam machte. Daniel hat an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Witten/Herdecke studiert und gibt in seiner Arbeit einen sehr umfassenden Einblick in das, was in den letzten Jahren im Netz passiert ist. » weiterlesen

Wenn User Redakteur spielen:
Warum guter Journalismus immer noch eine Zukunft hat

Eine neue Studie vom “Project for Excellence in Journalism” hat untersucht, welche Arten von Newsmeldungen von den Benutzern von user-selected Newssites — Digg, Reddit, etc. — bevorzugt werden. Ausserdem wurde auch untersucht, wie sich diese Auswahl zu der Selektion von traditionellen Medienkanälen verhält.

Ergebnis: Die Vielfalt auf den Community-Sites ist deutich breiter, aber der Fokus ist auch ganz anders. Es werden ganz klar Technik-News, Lifestyle und Kuriositäten bevorzugt (also so etwa das, was in Zeitungen immer in den hintersten Teil verbannt wird). Themen, die die Mainstream-Presse beherrschten, wie etwa politische Entscheidungen, internationale Konflikte oder Naturkatastrophen, fanden praktisch keinen Niederschlag. Die Top-Stories der untersuchten News-Woche (Irakkrieg, Einwanderungsdebatte, fehlgeschlagene Terroranschläge in Grossbritannien) tauchten gar nicht oder nur ganz marginal auf.

Auch interessant: 70% der von Usern gewählten Meldungen kamen nicht aus traditionellen Medienkanälen, sondern von Blogs, Youtube und anderen Websites. Ausserdem konzentrierte sich die Auswahl eher auf nationale (US-)Themen statt auf internationale Ereignisse. Und zudem wurden Themen kaum über längere Zeit verfolgt. Viele Meldungen verschwanden schon nach kurzer Zeit total vom Radarschirm.

Nun ist diese Studie nur begrenzt repräsentativ, weil nur eine einzige Woche untersucht wurde und die gewählten Sites ausserdem ein klar Geek-lastiges Publikum bedienen. Aber wer selber Digg & Co. regelmässig benutzt, kann diesen Erkenntnissen ehrlicherweise wohl nicht gross widersprechen.

Natürlich ist es prima, wenn die User auf diese Weise signalisieren können, woran sie wirklich interessiert sind. Aber mal im Ernst: Ein bisschen sind diese Präferenzen ja schon beunruhigend. Wie kann eine demokratische Gesellschaft funktionieren, wenn die Stimmbürger nur noch solche nichtpolitischen (und nichtwirtschaftlichen und nichtkulturellen) Themen mitverfolgen?

Vielleicht sind “wichtige” News ja ein bisschen wie gesundes Essen: Es schmeckt nicht unbedingt, aber man sollte es trotzdem konsumieren, weil sonst was fehlt. Und oft braucht man jemanden, der einen dazu motiviert oder gar sanft zwingt. Traditionelle Newsmedien sind genau so aufgebaut: Erst gibt’s mal gesundes, aber wenig schmackhaftes Gemüse (Politik), dann was Nährstoffhaltiges (Wirtschaft und Kultur) und zum Schluss folgt als Belohnung das Dessert (Lifestyle, Vermischtes etc.).

Und das zeigt, wie sehr auch die Epoche von user-generated Content immer noch guten Journalismus braucht (über die Art und Weise, wie der sich positionieren sollte, habe ich hier auch schon reichlich geschrieben). Ganz klar, Sites wie Digg und Reddit sind eine Bereicherung der Medienszene. Aber sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz für hochwertige redaktionelle Arbeit. In all dem News-Lärm mit vielleicht unterhaltsamen, aber recht irrelevanten Meldungen ist es wichtiger denn je, dass jemand die wirklich wichtigen Dinge hervorhebt.

66 Stunden Serverausfall in drei Monaten

storage.jpgFast jeder regelmäßig im Netz aktive Mensch benötigt irgendwann einmal Webspace, um Freunden oder Kollegen auf bequeme Art Daten zukommen zu lassen. Dank sinkender Unterhalts- und Wartungskosten sowie guter Ertragsaussichten durch Onlinewerbung existieren im Netz mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende Dienste, die Usern kostenfrei und unkompliziert Webspace bieten, um Daten aller Art online zu lagern und anderen verfügbar zu machen. Neben einfacher Bedienung und schneller Upload- bzw. Downloadgeschwindigkeit ist die Erreichbarkeit des Webhosters ein entscheidendes Kriterium für dessen Qualität. Was nutzt einem unbegrenzter Speicherplatz oder anderer Schnickschnack, wenn die abgelegten Daten aufgrund häufiger Serverausfälle nicht heruntergeladen werden können? » weiterlesen

Krieg der Definitionen, oder:
Was ist eigentlich eine Bubble?

Mein Beitrag zur Rückkehr der Internet-Bubble hat Widerspruch ausgelöst: Einige Kommentatoren sehen keineswegs eine neue Blase und finden, ich sollte nicht so gemein zu armen Startups sein. Und Marcel Weiss schreibt auf seinem Blog ausführlich darüber, warum wir keine neue Bubble haben.

Auch wenn sich die Diskussion teilweise mehr um Definitionen dreht als um die eigentliche Substanz, bin ich mit Verlaub immer noch der Meinung, dass wir schon voll wieder in einer Internet-Bubble sind, wenn auch zugegebenermassen in einer etwas kleineren als im Jahr 2000.

Wikipedia definiert eine ökonomische Bubble (renommierte Autoren zitierend) als “trade in high volumes at prices that are considerably at variance from intrinsic values». Das ist quasi die technische Definition für den Finanzmarkt. Platter ausgedrückt: Eine Blase liegt vor, wenn viele Leute deutlich mehr für etwas zahlen, als es eigentlich wert ist.

Testen wir doch mal die heutige Situation anhand dieses Kriteriums und schauen wir uns vor allem mal die Gegenargumente an, die oft vorgebracht werden, um die Abwesenheit einer Bubble zu beweisen (mehrheitlich übernommen von Marcel Weiss’ sehr ausführlichem Artikel dazu):

“Es gibt heute keine Börsenspekulation im Internet-Bereich wie damals.”
Na ja. Wenn man sich mal die aktuellen Börsenbewertungen von Internetfirmen anschaut, wäre ich da nicht ganz so sicher. Google ist an der Börse derzeit 44mal seinen Jahresgewinn wert. Yahoo 46mal. eBay 36mal. XING 54mal. Amazon.com 119mal(!). Zum Vergleich: für die Aktien des obszön profitablen Quasi-Monopolist Microsoft wird nur 20mal der Gewinn bezahlt. Und die ganz klassische BWL-Faustregel sieht eher eine Firmenbewertung von 8 mal Jahresgewinn als langfristig realistisch an. Da steckt wohl doch immer noch mehr als genug Phantasie in diesen Internet-Börsenkursen. Und die implizit dahinter steckenden Zukunftserwartungen sind fast unmöglich zu erfüllen.

Aber es stimmt schon: Es gibt heute praktisch keine total blödsinnigen IPOs mehr wie damals in der ersten Internet-Bubble. Aber ist das wirklich besser?

Die wirklich abnorm hohen Preise werden heute von Venture-Capital-Firmen und Private-Equity-Firmen bezahlt, in der Hoffnung, das Zeug möglichst bald für noch mehr Geld wieder loszuwerden. Man braucht nur mal eine Woche lang VentureBeat zu lesen und sieht, was ich meine.

Wer sind die Geldgeber dieser VC- und PE-Firmen? Institutionelle Investoren. Und was ist die mit Abstand bedeutendste Art von institutionellen Investoren? Pensionskassen. Und wo haben die Pensionskassen ihr Geld her? Von uns allen. Aus unseren Ersparnissen fürs Alter.

Mit anderen Worten: Da zocken hochbezahlte Assetmanager, die praktisch kein eigenes Risiko eingehen, mit unserem Geld, ohne dass wir es wissen oder direkt viel dagegen tun könnten. In der ersten Internet-Bubble hat man sein Geld wenigstens noch selber in den Sand setzen können, heute machen das Profis für einen. Vielleicht können sich ja nicht mehr viele dran erinnern, aber schon nach dem Platzen der Bubble 2000/2001 mussten viele Pensionskassen saniert werden. Das könnte angesichts der zuletzt mehr als bescheidenen Performance der VC-Firmen diesmal noch schlimmer werden.

“Wir haben keine Bubble, weil das Internet heute ein Massenmedium ist, d.h. ein Markt wie jeder andere.”
Ja. Und? Kaum jemand wird bestreiten, dass die Immobilen- und Kreditmärkte in den USA kürzlich eine Bubble erlebt haben, die gerade am Platzen ist. Und einen viel mehrheitsfähigeren Markt als Immobilien gibt es wohl kaum. Eine Bubble kann nicht nur entstehen, wenn ein kleiner Markt für zu gross gehalten wird.

Grosse Märkte mit hoher Durchdringung haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie nicht mehr so schnell wachsen können, und das limitiert das ökonomische Potential erheblich. Das sollte sich in Firmenbewertungen niederschlagen, aber das tut es im Moment bei Internetfirmen nur sehr bedingt.

Anders gesagt: Die Prognosen, auf denen die Firmenbewertungen aufbauen, sind ähnlich falsch wie damals 2000. Damals überschätzte man, wie schnell das Internet kurzfristig wachsen würde. Heute ist man nach der Dotcom-Krise überrascht, dass es doch so schnell gewachsen ist und projiziert dieses rasante Wachstum eines unreifen Marktes unbegrenzt in die Zukunft, obwohl da gar nicht mehr so viel Luft für weiteres Wachstum ist. Beides ist falsch und resultiert in zu hohen Firmenbewertungen.

“Die Kosten für Startups sind heute viel geringer.”
Das sind sie zweifelsfrei. Umso schlimmer, denn hohe Einstiegskosten in einen Markt würden wenigstens Barrieren errichten, die den Wert der Firmen in dem Markt tendenziell steigern. In der ersten Internet-Bubble musste man wenigstens noch etwas Kapital haben, um eine richtig grosse Website aufzuziehen. Heute, wo jeder Hobbyprogrammierer mal schnell aus Open-Source-Versatzstücken ein weiteres Social Network zusammennageln kann, sind die Einstiegshürden sehr viel niedriger geworden. Und das müsste eigentlich nach elementaren ökonomischen Gesetzen zu niedrigeren Firmenbewertungen führen. Müsste. Tut es aber kaum.

Zusammenfassend gesagt: Eine Bubble entsteht nicht, weil mit wilden PR-Behauptungen herumgefuchtelt wird oder weil es viele blödsinnige Geschäftsideen gibt. Das sind nur die Symptome. Wir haben eine Bubble, weil die Fundamentaldaten nicht zu den bezahlten Bewertungen für Internetfirmen passen, weder an der Börse noch in der VC- oder M&A-Szene.

Aber andererseits: Bubbles sind historisch gesehen immer ein Teil fast jeder wichtigen technischen Entwicklung gewesen. Es gab eine Eisenbahn-Blase, eine Telegrafen-Bubble, eine Radio-Manie usw. Dabei verlieren viele Leute viel Geld, und andere gewinnen viel. Am Schluss bleibt im Idealfall eine Infrastruktur übrig, die für alle nützlich ist, bezahlt von den Verlierern der Bubble. Schlecht für das Individuum, gut für die Gesellschaft. Vielleicht ist das auch bei der Web-Bubble 2.0 so.

Oder, um es mit dem im Silicon Valley beliebten Bumper Sticker zu sagen: “Please God, just one more bubble!”.

17 Regeln für Startup-Ideen

Im Moment kriege ich hier in Boston viel über die Funktionsweise der amerikanischen Startup-Szene mit, und die europäische kenne ich aus eigener jahrelanger Anschauung. Aus mehreren eigenen Firmengründungen und weil ich selbst gerade wieder an einer neuen Startup-Idee bastle, weiss ich auch selbst sehr gut, wie schwer Unternehmertum ist.

Aber trotzdem bin ich oft ziemlich erstaunt darüber, mit wie viel (oft leider ungesunder) Naivität viele Firmengründer ihre Geschäftsideen zu lancieren versuchen. Und der Internet-Bereich scheint da manchmal eine besonders gefährliche Kombination von Blauäugigkeit, übersteigertem Weltveränderungs-Ehrgeiz und Get-Rich-Quick-Mentalität anzuziehen.

Inspiriert von diesen Erlebnissen darum hier ein paar Regeln für (Web-)Startup-Ideen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit. » weiterlesen

Ein neues Social Network und dessen wahnwitziges Ziel

Während Andreas Göldi von Medienkonvergenz aufgrund zahlreicher Investments in wenig originelle Web-Startups eine neue Blase heranwachsen sieht und beim wirklich guten Unternehmensblog von Holtzbrinck eLab fast zeitgleich festgestellt wird, dass generell die große Mehrzahl neuer Technologien scheitert (und es immer eine “Randgruppe der Erfolgreichen schafft”), so halten sich andere offensichtlich gar nicht erst groß mit Nachdenken und Philosophieren auf: Eine bisher unbekannte “onsari Ltd. & Co. KG” veröffentlichte heute aus dem Nichts eine Pressemitteilung zum Start ihrer “neuen, revolutionären Web-2.0-Plattform” namens onsari. » weiterlesen

Fragwürdige Startup-Ideen:
Die Bubble ist eindeutig zurück

Eigentlich dachte man ja, dass wir alle was gelernt haben aus dem Platzen der Internet-Bubble im Jahr 2000. Aus dem überschwänglichen Internet-Boom wurde damals in kürzester Zeit eine ziemlich brutale Krise. Und all die substanzlosen Dotcom-Geschäftsideen, die auf irgendwelchen Phantasie-Projektionen beruhten, wurden mit in den Abgrund gerissen.

Und doch, wenn man im Moment in einschlägigen Blogs so mitverfolgt, was für merkwürdige und unoriginelle Ideen mit Millionenbeträgen finanziert werden, fragt man sich schon, ob die Lektionen von damals schon alle vergessen sind.

Allein in den letzten zehn Tagen haben folgende Ideen je zweistellige Millionenbeträge an Venture Capital erhalten:

- Ein Anbieter von Online-Videoplayern (wie YouTube, aber etwas anders)
- Ein Anbieter von Suchmaschinen (wie Google, aber etwas anders)
- Eine Website mit Produkt-Testberichten (wie Epinions, aber etwas anders)
- Ein Social Network für Leute ca. » weiterlesen

Was internationale Blogs über deutsche Web-2.0-Dienste schreiben

globe.jpgFür viele Internetstartups aus dem deutschen Sprachraum kommt es einem Ritterschlag gleich, bei einem der einflussreichen englischsprachigen Web 2.0 Blogs vorgestellt zu werden. Doch welchen Diensten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde diese Ehre eigentlich schon zuteil? Ich habe mich durch die Archive diverser Tech-Blogs gewühlt und präsentiere nun eine (nicht komplette) Liste der hiesigen Webangebote, auf die man auch außerhalb von Kontinental-Europa bereits aufmerksam wurde. » weiterlesen

Ezmo:
Ganz einfach Musik mit Freunden teilen

ezmo.gifTrotz nach wie vor offenen Urheberrechtsfragen schießen in den letzten Monaten innovative Web-2.0-Musikanbieter wie Pilze aus dem Boden. Nach MediaMaster, SeeqPod, Deezer und justaloud macht sich nun das norwegische Webangebot Ezmo daran, die Herzen der Musikfans zu erobern. Das Konzept: Lade Deine gesamte Musiksammlung bei Ezmo hoch und mache sie zehn Freunden auf bequeme und einfache Art zugänglich. » weiterlesen