2123 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Bugmenot.com:
praktisch aber vielleicht nicht für jeden

Auf manch einer populären Website wird man als User zur kostenlosen Registrierung aufgefordert, um Zugang zu allen Bereichen und Funktionen zu erhalten. Einige Onlineausgaben von Tageszeitungen und Magazinen machen das so, aber auch Videoportale und andere Plattformen, die auf User Generated Content setzen. Die Unternehmen versprechen sich davon zusätzliche Nutzerinformationen für Marketingzwecke. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein User eigene Inhalte beisteuert, größer, wenn er sowieso schon registriert ist. » weiterlesen

Die tägliche Dosis Web-2.0-Startups

Web-2.0-Startups
Auch wenn ich für die nächsten Monate mit einem leichten Abflauen der Gründerwelle im Web rechne, so wird es weiterhin neue, innovative Dienste geben, die die (ausschließliche) Entwicklungsphase verlassen und sich den Internetnutzern präsentieren. Neben zahlreichen Blogs, die die Web-2.0-Entwicklung beobachten und analysieren, existieren diverse Seiten, die sich komplett der Listung neu gestarteter Onlinedienste widmen. » weiterlesen

Wie kann man Google schlagen?

Das Thema scheint eine endlose Faszination auszuüben, nicht nur auf die Internet-Industrie, sondern inzwischen auch auf die Medienbranche: Wie kann man den übermächtig und allgegenwärtig scheinenden Internetriesen Google schlagen?

Einige denken, dass das ja nicht so schwierig sein kann (“Google hat Angst vor uns” — Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Presse), andere (wie z.B. Microsoft) investieren fleissig, und viele machen sich strategische Gedanken und kommen auf klare Empfehlungen (“So setzt man Google in vier Zügen schachmatt“). Alles gut und schön. Aber oft sind die Rezepte verblüffend naiv und die Analysen nicht von viel Sachkenntnis getrübt. Kein Wunder, dass sich Google da noch ziemlich sicher fühlen kann.

Ein paar Beobachtungen zu typischen Aussagen:

1. “Google ist ein Monopolist.”

Auch wenn besonders die Medienhäuser Google immer gern als bösen Monopolisten darstellen, ist Google objektiv nur Marktführer in gewissen Segmenten, aber keineswegs so dominant, wie man denken könnte. » weiterlesen

Warum ich Skype nicht mehr missen möchte

SkypeSkype hat es momentan nicht leicht. Der bekannte VoIP-Dienst scheint sich nicht nur zum Sorgenkind seines Besitzers eBay entwickelt zu haben, sondern ihm wird von einigen Medien angesichts der zunehmenden Verbreitung von Telefonflatrates und zahlreichen Konkurrenzangeboten bereits ein Verlust an Relevanz nachgesagt. Ob Skype bei den Usern tatsächlich an Bedeutung verliert oder sich manch ein Redakteur lediglich zu solchen Feststellungen hat hinreißen lassen, um das Bild des untergehenden Tankers zu zeichnen, weiß ich nicht. Aus meinem Alltag jedenfalls ist Skype nicht mehr wegzudenken und Galaxien davon entfernt, durch eine Alternative ersetzt zu werden. » weiterlesen

Ist es wirklich billiger geworden, ein Startup aufzubauen?

In einem wieder mal exzellenten Artikel schreibt Businessangel Paul Graham über die möglichen Konsequenzen der Tatsache, dass man heute für sehr wenig Geld ein Startup anfangen kann. Viel mehr Leute werden das in Zukunft tun, meint Graham, und das wird viele Dinge ändern: Finanzierungsmodelle, Akquisitionsprozesse, das typische Profil von Firmengründern, Wettbewerbsstrukturen und letztlich gar das Bildungssystem.

Nur: Die Grundprämisse des Artikels (dass Startups eben heute billiger zu machen sind) wird gar nicht erst erläutert oder hinterfragt. Da stellt man sich nach der Lektüre dieser sehr weitreichenden Prognosen schon die Frage, ob das einfach so vollumfänglich stimmt.

Zunächst: Grahams Angel-Fonds “Y Combinator” finanziert fast ausschliesslich konsumentenorientierte Web-Startups, und darauf beziehen sich seine Aussagen natürlich auch. Und sicher ist es richtig, dass eine junge Web-Firma heute mit erheblich weniger Kapital auskommen kann als noch vor zehn Jahren. Die Hardware (billige Linux-Boxen), die Softwareinfrastruktur (fast alles als Open Source erhältlich) und Netz-Bandbreite sind um mindestens einen Faktor 10-15 billiger als noch am Start der Web-1.0-Welle. Da können Jungunternehmer auch von der Studentenbude aus schon einen respektablen Webdienst aufbauen, ohne auf externes Kapital zurückgreifen zu müssen.

Nur: Wie sieht es mit dem späteren Wachstum aus? Ist das auch so billig zu haben?

Ganz so scheint es nicht zu sein. Die Stars der Web-2.0-Szene haben praktisch alle substantielle Venture-Capital-Investments erhalten, um ihr Wachstum zu finanzieren. Ein paar Beispiele:

-Facebook: $37.5 Mio.
-Digg: $10 Mio.
-Youtube: mindestens $11.5 Mio.
-Twitter: Unbekannter Betrag zwischen $1 und 5 Mio.

Klar, es gibt auch Beispiele für schnelle Exits von Firmen, die nur mit ein wenig Angel-Geld finanziert waren, aber das ist klar die Ausnahme, und die Deals sind meistens auch ziemlich klein.

Mit anderen Worten: Auch bei Web-Startups kann man heute zwar sehr klein anfangen, muss für echtes Wachstum aber meistens doch an die grossen Geldtöpfe rankommen. Und damit sind dann die angeblichen revolutionären Effekte von Billig-Startups plötzlich nicht mehr so bedeutend.

Oh, und bevor wir’s vergessen: Es gibt auch noch andere Branchen als Internet, wo man Startups machen kann. Und da sind die Kosten bei weitem nicht in einem so grossen Ausmass gefallen, dass man von einer Revolution in den unternehmerischen Prozessen sprechen könnte.

Klar, Finanzdienstleister, Biotech- und Nanotech-Firmen, Medienhäuser, Unternehmen der Energietechnik und selbst Handelshäuser profitieren alle von fallenden IT-Kosten. Aber IT ist in all diesen Branchen nur einer von vielen Input-Faktoren, und längst nicht der wichtigste. Ein Biotech-Startup von der Idee bis zum vermarktungsreifen Medikament zu bringen, kostet immer noch dutzende oder gar hunderte von Millionen an Risikokapital. Das funktioniert dann definitiv nicht mehr als Studentenfirma.

Kein Zweifel: Im Web-Sektor werden wir dank der niedrigen Einstiegskosten weiterhin eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Startups sehen, und das ist auch gut so. Es wird schneller und mit weniger Risiko möglich, viele Ideen auszuprobieren, aus denen sich die besten herauskristallisieren. So manches kleine Startup wird auch unabhängig bleiben können und auf einem guten Niveau Profite für seine Gründer abwerfen. Aber in die höchste Liga zu kommen, ist weiterhin teuer und risikoreich.

15 Mia. mit Werbung:
Meint Microsoft das etwa ernst?

Microsoft sucht verzweifelt nach neuen Umsatzquellen

— kein Wunder angesichts des anhaltenden Vista-Debakels, Zune-Misserfolgs, kartellrechtlicher Probleme mit der EU, des stockenden Generationenwechsels im Management, der mässigen Ergebnisse im Online-Bereich und nicht zuletzt des seit Jahren stagnierenden Börsenkurses.

CEO Steve Ballmer kündigte auf seiner Europareise diese Woche an, dass Microsoft bis in ein paar Jahren $15 Mia. Mio. Umsatz mit Werbung erzielen will, was etwa 25% des Gesamtumsatzes wären. Das hört sich prozentual nicht exorbitant an, aber stellen wir diese Zahl doch mal in Perspektive:

$15 Mia. Werbevolumen, das ist:

- Etwa das, was Google dieses Jahr mit Onlinewerbung umsetzen wird
- Fast dreimal so viel wie Yahoos Werbeumsätze
- Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Werbemarktes (alle Medien)
- 4.8 mal so viel wie der gesamte Werbemarkt in der Schweiz (alle Medien)
- Mehr als die gesamte Zeitungsbranche in den USA
- Mehr als die amerikanischen Medienriesen Time Warner, CBS oder Viacom an Werbung verkaufen.

So gesehen scheint dieses Ziel also gelinde gesagt reichlich sportlich. » weiterlesen

Zattoo:
eine Million Mitglieder und weitere Zahlen

zattoo.gif
Der Internet-TV-Dienst Zattoo, mit dem man herkömmliche Fernsehsender kostenlos über das Internet sehen kann, hat gestern um 17:09 Uhr seinen millionsten registrierten Benutzer verzeichnen können. Die aus diesem Anlass veröffentlichte Pressemitteilung enthält einige interessante Zahlen zur Verbreitung und Nutzung des Dienstes. » weiterlesen

Ein paar Dinge, die man über Venture Capital wissen sollte

“Venture Capital” — ein geradezu magischer Ausdruck für so manchen Jungunternehmer. Wenn man mit Unternehmensgründern spricht, hat man oft den Eindruck, dass das Gewinnen eines VC-Investments ein besonders wichtiger unternehmerischer Meilenstein ist. Aber oft erlebt man auch, dass Jungunternehmer nur wenig davon verstehen, was die Arbeitsweise, Interessenlage und Mentalität von VC-Firmen wirklich ist.

Da ich selber gerade selbst intensiv mit Leuten arbeite, die selber mal VC waren und/oder eine Finanzierung von VC-Firmen erhalten haben, hier ein paar Erkenntnisse.

Eins sei noch vorausgeschickt: Ich halte eine gut funktionierende VC-Branche für eine essentielle Voraussetzung für eine Wirtschaft mit starkem Unternehmertum. Wenn sich die nachfolgenden Bemerkungen primär kritisch anhören, dann nur darum, weil ich glaube, dass man als Unternehmer wissen sollte, woran man mit VCs ist. Es ist immer gut, die Motivationen seiner Gegenpartei zu kennen, egal ob das ein Anwalt, Arzt, Banker oder eben VC ist.

VCs wollen Geld verdienen, nicht Jungunternehmer fördern

Auch wenn die meisten VC-Firmen immer hervorheben, wie wichtig ihnen das Fördern revolutionärer Unternehmensideen ist, bleibt eine Tatsache: VCs wollen primär das Geld ihrer Investoren vermehren, alles andere ist bestenfalls eine erwünschte Nebenwirkung. Andere spekulieren mit Aktien, Hypotheken-Zertifikaten oder Schweinebäuchen, VCs spekulieren hingegen mit Investments in junge Unternehmen.

Klar, immer noch sind viele der “General Partners” (GPs; die Leute, die eine VC-Firma leiten und über die Investments entscheiden) ehemalige Unternehmer und wissen daher, was ein Startup so alles durchmacht. Aber vermutlich die Mehrheit der VCs heutzutage sind ehemalige Berater, Investmentbanker oder Manager und primär am Geld interessiert.

Wer also denkt, VCs mit einer visionären Idee begeistern zu können, sollte sich keine Illusionen machen. VCs bewerten Firmen danach, ob sie damit mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld verdienen können, nicht nach der Qualität der Vision. Pluspunkte für VCs sind darum ein gut aufgestelltes Unternehmerteam, eine solide Geschäftsidee, die einen grossen Markt anspricht, ein gut durchdachter (aber nicht akademisch perfekter) Businessplan und das richtige Timing.

VCs denken in Firmenportfolios und sind am Einzelfall nur begrenzt interessiert

Die Faustregel für VC-Firmen ist etwa folgende: Von 10 Investments in Startups werden 6-7 Misserfolge, 2-3 anständige, aber nicht spektakuläre Erfolge und eins ein echter Hit. Mit dieser scheinbar mageren Erfolgsquote verdient eine VC-Firma bereits richtig Geld. Historisch ist es auch den besten VCs kaum gelungen, diese Quote wesentlich zu steigern.

Für die Startups, in die VCs investieren, heisst das darum, dass sie nur auf Aufmerksamkeit und Wohlwollen hoffen können, wenn sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu den Erfolgen gehören. Wenn das offensichtlich nicht der Fall ist, muss ein Startup oft mit recht verzweifelten Massnahmen seitens der VCs rechnen, beispielsweise einem voreiligen Verkauf, der noch retten soll, was zu holen ist.

Besser als das folgende Zitat eines Startup-Unternehmers kann man das kaum verdeutlichen:

“BA Ventures was a later stage investor, with preferred liquidation, in our company. Their partner was actively involved in our board and provided a great deal of excellent advice. I sort of considered him to be a friend. Then Microsoft changed directions and became a competitor. As things started looking dicey, the BA Venture guy stopped returning calls. When I asked him why, he replied – I’ve never forgotten this – (not really a quote, but accurate to the best of my recollection) I have 10 investments. In order for me to be successful, 3 have to be successful. Since it’s obvious that you’re not going to be successful, you’re not worth my time. I’ll spend my time on companies that can still win. It’s nothing personal.”

VCs denken in klar definierten zeitlichen Zyklen

Ein typischer VC-Fonds hat eine Laufzeit von 10 Jahren (eine grössere VC-Firma kann mehrere Fonds beinhalten). Am Anfang dieser Periode wird Geld von Investoren eingesammelt, dann fängt die VC-Firma an, geeignete Startups für ein Investment zu suchen. Im Idealfall hat die Firma nach spätestens fünf Jahren ihr fast ganzes Geld investiert, bis auf eine Reserve, um bei einigen Investments nochmal was nachschiessen zu können.

Die zweiten fünf Jahre der Laufzeit sind der Entwicklung der Startups sowie den “Exits” gewidmet. Ein erfolgreicher VC-Fonds verkauft seine Firmenanteile innerhalb der 10 Jahre komplett.

Darum werden VC-Firmen immer sehr ungeduldig, wenn das Ende der Fondslaufzeit naht. Oft wird dann versucht, auf Teufel komm raus die finanzierten Startups zu verkaufen, denn andernfalls müssen die VCs ihre Anteile in andere Fonds einbringen, was finanziell deutlich weniger interesant ist.

Wer also als Unternehmer Geld von VCs nimmt, sollte herausfinden, wo die VC-Firma in diesem Zyklus steht. Das wird das Verhalten der VCs sehr stark beeinflussen.

VCs haben einen ausgesprochenen Herdentrieb, aber das nicht ohne Grund

VCs sind im Prinzip zu einem grossen Teil sogenannte “Momentum Investors”, d.h. sie versuchen, Trends im Markt für sich auszunutzen. Da es fast unmöglich ist, über die Erfolgswahrscheinlichkeit eines bestimmten Startups eine zuverlässige Prognose zu machen, investieren VCs gern dort, wo gerade viele erfolgreiche Firmen sind, denn das erhöht die gesamten Chancen wenigstens etwas.

Gerade in Technologiemärkten passieren die grossen Exits auch oft in Wellen: Die meisten PC-Firmen gingen z.B. erste Hälfte der achtziger Jahre an die Börse, die meisten grossen Internetfirmen in der zweiten Hälfte der Neunziger. VC-Firmen wollen natürlich Teil einer solchen Welle sein und jagen daher alles, was nach Trend aussieht.

Das kann manchmal auch etwas albern herauskommen. Letzten Monat wurde man etwa von den meisten VCs in den USA gefragt, ob man denn auch eine Facebook-Strategie habe. Inzwischen haben die meisten eingesehen, dass die Produktion von Facebook-Applikationen keine tolle Geschäftsidee ist, und damit ist schon wieder ein Kurzfristtrend beerdigt.

Die erfolgreichsten VC-Firmen sind darum oft diejenigen, die sich nicht nur von diesen Trends leiten lassen, sondern auch mal ein Investment gegen den Trend machen. Wer hätte gedacht, dass das kleine Suchmaschinen-Startup Google mal so erfolgreich werden könnte, obwohl die junge Firma gegen ein gutes Dutzend starker Konkurrenten antreten musste? Antwort: Sequoia und Kleiner Perkins, zwei der erfolgreichsten VC-Firmen überhaupt, haben Ende 1998 Geld in Google gesteckt. Und damit haben sie den Exit des Jahrzehnts gelandet. So definiert sich “Smart Money”, das man als Startup-Unternehmer nach Möglichkeit suchen sollte.

Die VC-Branche ist intransparent und auf Beziehungen aufgebaut

Viele Jungunternehmer versuchen an VC-Geld zu kommen, indem sie einfach mal allen VC-Firmen, die sie finden können, ihren Businessplan schicken. Nichts ist weniger erfolgsversprechend als diese Methode. Man kann dadurch sogar die Chancen seines Startups dauerhaft beschädigen.

VCs haben zwei Interessen: Vielversprechende Ideen zu finden, die nicht schon allen anderen VCs auch bekannt sind, und ihr Risiko zu minimieren. Beides geht am besten über persönliche Beziehungen. Wenn ein VC von einem bekannten Business Angel, Anwalt oder Uniprofessor einen Tip kriegt, dass er sich ein bestimmtes Startup mal ansehen sollte, wird er das immer tun. Die Chance ist nämlich hoch, dass er damit auf ein unentdecktes Juwel stossen kann. Zudem ist die Empfehlung einer erfahrenen Person ein erster Filter, der die Erfolgschancen erhöht.

Natürlich gibt es diverse VC-Konferenzen, auf denen allerlei Startups ihre Ideen präsentieren. Manchmal kommt dabei sogar auch ein Deal zustande, aber das dürfte eher die Ausnahme sein. Die beste Methode zum Gewinnen eines VC-Investments ist Networking.

VCs unterschreiben keine Geheimhaltungserklärungen

Oft denken Jungunternehmer, dass ihre Idee so einmalig ist, dass jeder, dem sie sie erzählen sollen, erstmal eine Geheimhaltungserklärung (Non Disclosure Agreement, NDA) unterschreiben muss. Wer das von einem VC verlangt, disqualifiziert sich gleich schon selbst.

Die VCs wollen nicht etwa Ideen klauen, sondern haben einen guten Grund, keine NDAs zu unterschreiben: Die meisten VCs kriegen sehr viele ähnlich klingende Ideen auf den Tisch. Auch wenn Jungunternehmer es oft nicht glauben wollen: Ideen sind praktisch nie einzigartig. Oft treten ähnliche Ideen in einem bestimmten Zeitraum gehäuft auf, weil viele schlaue Leute ähnliche Gedankengänge hatten. Wenn ein VC bei einem Startup ein NDA unterschreibt, kann er juristisch praktisch nicht mehr bei einem anderen Startup investieren, das eine ähnliche, aber vielleicht bessere Idee präsentiert. Darum wird ein VC NDAs vermeiden, um seine geschäftlichen Chancen zu schützen.

Natürlich gibt es auch Horrorstories über Startups, die einem VC ihre Idee präsentiert haben und erleben mussten, dass der kurz später einem Konkurrenten alle möglichen Details erzählt hat. Wer das vermeiden will, sollte den VCs ganz einfach keine essentiellen Details über die genaue Funktionsweise seines Produktes erzählen. VCs sind typischerweise an anderen Faktoren deutlich mehr interessiert als an der Technik, und damit schützt man als Unternehmer wenigstens einige seiner Wettbewerbsvorteile. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden.

Am Schluss muss man aber erkennen: Die VCs sitzen am längeren Hebel, weil sie halt das Geld haben. Das muss man akzeptieren und versuchen, schlau um diese Situation herumzumanövrieren. Ausserdem: NDAs gerichtlich durchzusetzen ist sowieso eine teure, langwierige und meistens ziemlich erfolglose Sache. Darum sollten Startups damit nicht Zeit verschwenden.

General Partners verdienen gut, aber nicht nur am Erfolg ihrer Investments

Die General Partners (also die Manager) einer VC-Firma erhalten Geld aus zwei Quellen: Erstens verrechnet die Firma jährlich 2% der investierten Mittel für das Management des Fonds. Die “Limited Partners” (die institutionellen Investoren, die den Löwenanteil des Gelds in einem VC-Fonds beisteuern) werden darum jährlich zur Kasse gebeten, unabhängig vom Erfolg. Für die General Partners ist das bereits schon sehr lukrativ. Wenn ein grosser Fonds beispielsweise mit $800 Mio. dotiert ist, hat er vermutlich etwa 10 General Partners. 2% von 800 Mio. sind 16 Mio., und davon müssen Associates, Büromiete, Sekretariate und Reisespesen bezahlt werden, der ganze Rest wird an die General Partners verteilt. Ein typischer GP bei einer grossen VC-Firma kann also locker auf ein Jahresgehalt von 0.5 – 2 Mio. kommen, ohne irgendwelche Erfolge vorweisen zu können. Natürlich werden die Limited Partners das schnell abstellen, wenn gar nichts passiert, aber dieses satte Grundgehalt hängt zunächst mal nicht vom Erfolg ab.

Wenn die VC-Firma erfolgreiche “Exits” produziert, also die Firmen, in die sie investiert hat, verkauft werden oder an die Börse gehen, kassiert die VC-Firma den sogenannten Carried Interest oder “Carry”. Das sind normalerweise 20% der erzielten Gewinne, und auch dieses Geld wird an die GPs verteilt, primär an denjenigen Partner, der den erfolgreichen Deal eingebracht hat. Kein Wunder, dass einige der erfolgreichsten VCs Vermögen im dreistelligen Millionenbereich angehäuft haben. Ein Hit wie Google oder Netscape kann einen GP auf einen Schlag sehr, sehr reich machen.

Einigen Statistiken zufolge verdienen GPs im Durchschnitt aber doch das meiste Geld an den 2% jährlicher Gebühr. GPs haben also die angenehme Situation, viel Gewinnpotential zu haben, aber wenig Verlustrisiko, denn die meisten investieren keine grossen Summen ihres privaten Gelds in ihre Fonds.

80% der VCs sind Versager

VCs sind dafür berüchtigt, arme Jungunternehmer immer gern mal ordentlich in die Zange zu nehmen und für geschäftliche Misserfolge drakonisch zu bestrafen, recht oft dadurch, dass die Gründer gefeuert werden.

Die VC-Branche selber besteht aber nicht gerade nur aus exzellenten Performern. Laut Statistiken der North American Venture Capital Association haben in den letzten fünf Jahren nur 20% der VC-Firmen überhaupt Geld verdient. Natürlich war das auch eine schwierige Phase an den Finanzmärkten, aber von hochbezahlten Investmentmanagern sollte man eigentlich erwarten können, auch unter widrigen Bedingungen ein besseres Resultat bringen zu können.

VC oder nicht, das ist hier die Frage

Interessanterweise kenne ich mehrere ehemalige VCs, die jedem Startup explizit empfehlen, nach Möglichkeit überhaupt kein VC-Investment anzunehmen. Denn VC-Geld ist teures Geld: Für eine typische erste VC-Runde müssen die Gründer etwa 25-40% ihrer Aktien abgeben. Bill Gates und Larry Ellison sind unter anderem deswegen so reich, weil sie nie bzw. sehr spät VC-Geld angenommen haben.

Ob VC-Geld Sinn macht und nötig ist, hängt stark von der Natur der Geschäftsidee ab. Ein Startup, das hohen Investitionsbedarf hat und aggressiv wachsen will, kommt kaum um VC-Investments herum. Andere Firmen sollten aber darüber nachdenken, ob der Kapitalbedarf nicht über Business Angels und möglichst früh erzielte Umsätze gedeckt werden kann.

So oder so: Unternehmer sollten Venture Capital als eine von mehreren Optionen sehen, um ihre Firma zu finanzieren. Wie alle Optionen hat VC gewisse Vorteile und Nachteile, die man kennen muss. Aber eins ist ein VC-Investment ganz sicher nicht: Ein magisches Signal für unternehmerischen Erfolg.

Black Fluorine – Internet-TV-Sensation oder purer Übermut?

blackfluorine.gifEin geheimnisvoller, neuer Internet-TV-Dienst mit dem Arbeitstitel “Black Fluorine” kündigt seinen baldigen Launch an. Der Informationsgehalt der Website ist derzeit noch nahe null, lediglich ein Feld zum Eintragen der E-Mail-Adresse für die Beta-Benachrichtigung und einen Verweis zum Blog gibt es. In diesem wird seit einiger Zeit geschrieben und mit Superlativen nicht gespart. Informationen zu den Köpfen und möglichen Geldgebern hinter dem Projekt gibt es auf der Website oder im Blog derzeit aber genauso wenig wie ein Impressum. Auch das Domain-Whois verrät nicht mehr. Für diesen Beitrag kann ich mich damit nur auf die wenigen Angaben beziehen, die im Blog zu finden sind. » weiterlesen

Unternehmensgründer:
Selbstüberschätzung ist gut

Man weiss es: etwa 90% der Startup-Unternehmen bringen es nie auf einen grünen Zweig. Etwa zwei Drittel gehen schon in den ersten Jahren pleite, und die meisten andern serbeln zwischen Leben und Tod vor sich hin. Nur eine kleine Minderheit erreicht echten Erfolg. Ein möglicher Schluss aus dieser Tatsache: Fangen vielleicht zu viele Leute ihr eigenes Unternehmen an? Und überschätzen sich all diese Jungunternehmer nicht einfach?

Eine interessante neue Studie (via Marc Andreessen) wirft neues Licht auf diese Tatsachen. Die Forscher aus Berlin, Boston und Rotterdam haben ein paar interessante Dinge in einer breit angelegten Studie herausgefunden:

- Unternehmensgründer neigen dazu, ihre Fähigkeiten und Eignung zur Unternehmensgründung als überdurchschnittlich einzuschätzen. Obwohl sie wissen, dass die meisten Gründer scheitern, halten sie sich für ungewöhnlich qualifiziert. 81% der Jungunternehmer schätzen, dass ihre Erfolgschancen bei mindestens 70% liegen.

- In Ländern mit besonders hoher Unternehmerquote (z.B. USA oder Neuseeland) ist das Phänomen dieser “Selbstüberschätzung” besonders verbreitet. In diesen Ländern ist darum auch die Quote der gescheiterten Unternehmen besonders hoch.

- Unerfahrene Jungunternehmer schätzen ihre eigenen Fähigkeiten höher ein als erfahrene Unternehmer, die schon oft vom Markt geprügelt wurden. Unter anderem deswegen gründen laut einer anderen Studie nur ca. 6% der erfahrenen Unternehmer ein zweites Unternehmen.

- Besonders bedenklich: Eine hohe Einschätzung der eigenen Fähigkeiten korreliert negativ mit dem späteren unternehmerischen Erfolg, d.h. die besonders selbstbewussten Jungunternehmer scheitern am häufigsten.

Die Forscher halten aber auch fest: Übersteigertes Selbstvertrauen ist vermutlich nützlich für die Gesellschaft. Natürlich ist Scheitern bitter, aber ohne die Leute, die überhaupt mal was ausprobieren, entstehen nicht genug erfolgreiche Unternehmen. Und darum sind Länder, in denen Scheitern keine Schande ist, im Durchschnitt wirtschaftlich erfolgreicher.

Statistisch gesehen wird nur eine von tausend Geschäftsideen je finanziert. Von den finanzierten Ideen schaffen es nur sechs von tausend jemals zum Börsengang, also zu richtig grossen finanziellen Erfolgen, und nur wenige mehr zu einem andersartigen interessanten Exit.

Was für Wahnsinnige investieren ihre Zeit in eine Chance von 6 : 1’000’000?

Aber noch viel wichtiger: Wo wäre unsere Wirtschaft ohne diese Wahnsinnigen?

Unternehmertum ist eben ein bisschen wie Wetten beim Pferderennen: Erfolg hat etwas zu tun mit Glück, aber auch mit Sachkenntnis, mit sorgfältiger Kalkulation der Chancen und mit gutem Timing. Und gewinnen kann man nur, wenn man überhaupt mitspielt.