2150 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Facebook/Microsoft:
Ein unglücklicher Deal

Immer, wenn man glaubt, dass sich die Facebook-Hysterie kaum noch steigern lässt, wird nochmal eins draufgesetzt: Gestern kündigte Microsoft ein Investment in Facebook von $240 Mio. für 1.6% der Firma an. Ausserdem wird Microsoft Werbung für die Facebook-Plattform bis 2011 verkaufen dürfen.

Das wäre dann eine Firmenbewertung für Facebook von unglaublichen $15 Milliarden. Für eine Firma mit 300 Mitarbeitern und $150 Mio. Umsatz. Zum Vergleich: Damit wäre Facebook fast so viel wert wie das Werbeagenturen-Netzwerk WPP mit seinen $6 Mia. Umsatz und 98’000 Angestellten. Und fünf mal mehr als die New York Times.

Bei allem Respekt vor der unternehmerischen Leistung und dem Verhandlungsgeschick, das hinter diesem erstaunlichen Deal steckt: Ich glaube nicht, dass die Beteiligten damit sehr glücklich werden.

Dass Microsoft sich durch geschicktes Manövrieren der Facebook-Investoren in ein hoffnungslos überteuertes Investment hineindrängen lassen hat, ist ziemlich offensichtlich. Vor einigen Monaten äusserte Facebook-Geldgeber Peter Thiel an einer Konkurrenz dreist, dass Facebook wohl mindestens $10 Mia. wert sein müsste (der höchste zuvor diskutierte Betrag waren noch $1.5 Mia. gewesen). Das wurde damals von der Branche quittiert mit “Der ist wohl völlig übergeschnappt”. Dann inszenierte Facebook gezielt einen Bieterwettstreit zwischen Microsoft (das bisher schon Werbung für Facebook verkaufte), Google und Yahoo. Das wahrscheinlichste Opfer war klar: Microsoft.

Microsofts Management hat mit dem Deal massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Vor ein paar Wochen bezeichnete CEO Steve Ballmer Facebook noch als “Fad” (Modeerscheinung). Kurz später investiert seine Firma zu so einer absurden Bewertung und lässt sich auf langfristige Verträge ein, deren Konditionen vermutlich sehr günstig für Facebook sind. Das sieht sehr nach einer Verzweiflungstat aus. Microsoft konnte und wollte es sich nicht leisten, auch diese Schlacht gegen Google zu verlieren. So kann man wenigstens behaupten, dass man an der derzeit heissesten Website beteiligt ist. Aber: Ist das eine sinnvolle Art, den grössten Softwarekonzern der Welt zu steuern? Dagegen sieht Medienmogul Rupert Murdoch wie ein Genie aus, denn der hat MySpace (das übrigens immer noch dreimal mehr User hat als Facebook) vor zwei Jahren für nur wenig mehr als den doppelten Betrag gleich voll übernommen.

Für Facebook könnte der Deal aus langfristiger geschäftlicher Perspektive verhängnisvoll sein. Neben dem Geld von Microsoft nahm Facebook gestern angeblich noch weitere $500 Mio. an Finanzierung rein. Was macht ein so junges Unternehmen mit einer Dreiviertel Milliarde an Kapital? Der Zwang zum Wachstum um jeden Preis wird erdrückend, denn die Investoren (Microsoft und zwei Hedgefunds) sind nicht gerade für ihre Geduld bekannt. Dieser Druck kann schon mal zu strategischen Fehlern führen.

Ausserdem: Microsoft ist nicht gerade der beste aller möglichen Partner, wenn es um Online-Werbeverkauf geht. Klar, seit der Akquisition der Werbefirma aQuantive verfügt man in Redmond durchaus über kompetente Werbeleute, aber die Reichweite ist nicht mal andeutungsweise mit der von Google oder selbst Yahoo vergleichbar. Fraglich ist ausserdem, was aus Facebooks eigener, hinter vorgehaltener Hand angekündigter Werbetechnologie wird. Und eine langfristige Bindung an Microsoft bis 2011 ist in einem sich so schnell entwickelnden Markt auch mehr eine Last als eine Versicherung. Partnerschaften mit anderen Playern (allen voran Google) werden so fast unmöglich.

Alles an diesem Deal riecht nach Manipulation durch die Venture Capitalists. Es ist typische VC-Denke, dass man mit dem Verkauf einer Minderheitsbeteiligung eine Bewertung etabliert, die bei jeder nachfolgenden Transaktion (egal ob Übernahme oder Börsengang) die Grundlage der Preissetzung bildet. Denn wenn Microsoft mal so viel gezahlt hat, muss die Firma ja wohl mindestens so viel wert sein, oder? Ob dieser Deal strategisch wirklich Sinn macht oder der Firma sogar langfristig schaden könnte, ist den VCs herzlich egal, denn ihr Ziel ist es, in spätestens drei Jahren aus Facebook draussen zu sein, und das bitteschön zu einer Bewertung über $15 Mia.

Bleibt zum Schluss nur zu hoffen, dass wenigstens die armen Facebook-Programmierer in Ruhe gelassen werden und die jetzt nicht die Website von PHP auf ASP.NET umstricken müssen…

Microsoft kauft 1,6 Prozent von Facebook – für 240 Millionen Dollar

facebook_logo.gifDie Gerüchteküche um eine mögliche Minderheitsbeteiligung von Google oder Microsoft an Facebook brodelte schon seit Tagen, und nun hat einer der beiden Internetriesen das Rennen gemacht: Microsoft. Der Redmonder Konzern beteiligt sich mit 1,6 Prozent an Facebook und legt dafür 240 Millionen US-Dollar auf den Tisch. Microsoft misst dem Social Network damit derzeit einen Gesamtwert von 15 Milliaraden US-Dollar zu. Außerdem wird Microsoft in Zukunft die weltweite Werbevermarktung von Facebook übernehmen. Ich denke, ich bin nicht der einzige, der sich freut, dass Google hier leer ausgangen ist. Im Sinne eines ausgeglichenen Kräfteverhältnisses kann es nicht schaden, dass Google dank dieser Microsoft-Beteiligung der Zugang zu Facebook für wahrscheinlich lange Zeit versperrt bleibt. Mehr bei heise online.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Wong SL:
Mister Wong vermarktet sich selbst – und bald auch andere?

Wong SLConstruktiv, die Betreiberfirma von Mister Wong, hat schon häufiger gezeigt, dass sie gerne Neues ausprobiert. Diese Tradition setzt man fort und startet mit Wong SL eine Plattform, auf der jeder themenrelevante Textlink-Werbung auf Mister Wong schalten kann. Interessenten können entweder einzelne Tags oder ganze Themengruppen buchen und aus einer Laufzeit von 30, 90 oder 180 Tagen wählen. Die Anzeigen tauchen auf, wenn ein Mister-Wong-User auf einen der gebuchten Tags klickt oder nach einem zum Thema passenden Stichwort sucht. Die Textanzeigen erscheinen bisher rechts auf der Seite unter der Tag-Box und oberhalb der “Power-User”. Zu den genauen Preisen habe ich keine Informationen. Eine Registrierung bei Wong SL (das SL steht natürlich für Sponsored Links) war angeblich heute schon möglich, momentan geht es aber nicht. Wie turi2 weiß, läuft die Abrechnung über Paypal. » weiterlesen

zweinull.cc ist einer der 100 meistverlinkten Blogs in Deutschland

Am 15. März 2007 ging zweinull.cc mit dem ersten Beitrag an den Start. Sieben Monate und neun Tage später steigen wir auf Platz 100 in die deutschen blogcharts ein und gehören damit zu den 100 meistverlinkten Blogs in Deutschland! Anlass genug, um allen Bloggern zu danken, die in ihren Beiträgen auf zweinull.cc Bezug genommen haben. Ein Dank für den tollen Support geht natürlich auch an alle Leser und alle, die sich an den Kommentar-Diskussionen beteiligen oder Mails schicken. Mal sehen, wo wir in einem halben Jahr stehen ;)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

sueddeutsche.de und der Widerstand gegen das Web 2.0

Bisher habe ich mich ja aus der Diskussion rund um die fragwürdige und rückwärtsgewandte Einstellung der Süddeutschen Zeitung zum Thema Blogs und Web 2.0 herausgehalten. Doch den bei süddeutsche.de heute veröffentlichten Artikel mit dem Titel “Endlich keine Freunde – Widerstand gegen MySpace, Facebook & Co” kann ich euch einfach nicht vorenthalten. Ich werde es mir sparen, diesen peinlichen und absolut belanglosen, irrelevanten Beitrag auseinanderzunehmen. Tatsache ist: Das dort geschilderte “verbreitete Misstrauen gegen ein zweites Leben” existiert in der wiedergegebenen, paranoiden Ausprägung primär im Kopf des Autors. Wieso man bei sueddeutsche.de glaubt, dessen offensichtliches Social-Networking-Trauma als Basis eines zweiseitigen Artikels verwenden zu müssen, bleibt mir schleierhaft.

Das sich Onlineangebote von Printmedien auch ganz sachlich und unvoreingenommen mit den neuen Seiten des Internets befassen können, zeigt Zeit Online.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

“Crossing the Chasm” und die Krise der Blogosphäre

Steckt die Blogosphäre in einer Krise?

Ganz so schlimm ist es wohl nicht, aber die Zeiten waren auch schon mal besser. Die Jubelmeldungen über das unglaubliche Wachstum der Blogosphäre sind weitgehend verstummt. Zwar wächst die Zahl der Blogs immer noch stark, aber mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. In den einschlägigen Blog-Hitlisten tummeln sich zumindest an der Spitze seit Jahren immer die üblichen Verdächtigen, die sich fleissig gegenseitig verlinken, um ihr Technorati-Ranking hoch zu halten. Und prominente Blogger beklagen sich darüber, dass Filterdienste wie Techmeme immer stärker professionelle Medien gewichten, auf Kosten der klassischen Blogs.

Mit Technorati und Six Apart haben in den letzten Monaten zwei der prominentesten Blog-Startups ihre CEOs ausgetauscht und experimentieren etwas ratlos mit neuen Businessmodellen herum. Blog-Technologiefirmen sind nicht mehr das grosse Thema, alle reden dafür jetzt über Social Networking und finden Facebook toll.

Was ist da los? Eine Antwort findet man vielleicht in einem der grössten Klassiker der Innovationsliteratur, “Crossing the Chasm” von Geoffrey Moore.

Moores berühmtes Diagramm zeigt, wie sich eine neue Technologie bzw. ein neuer Produkttyp im Laufe der Zeit durch verschiedene Benutzergruppen vorarbeiten muss:

Chasm

Die grösste Herausforderung liegt dabei nicht darin, die frühen Zielgruppen (“Technology Enthusiasts” und “Visionaries”) zu erreichen. Wirklich schwierig ist die Überwindung der Kluft (“Chasm”) zu den pragmatischeren Kunden im Mainstream.

Sieger in einem Markt wird dabei oft derjenige, der als erster diese Mainstream-Kunden überzeugt, wenn auch vielleicht nicht mit dem besten oder innovativsten Produkt. Beispiele dafür gibt es reichlich: Microsoft, nicht Apple, verkaufte den Pragmatikern erfolgreich PCs mit grafischer Benutzeroberfläche. Dafür fand Apple als erste Firma die richtige Formel dafür, MP3-Player für den Mainstream tauglich zu machen. Google lieferte als erste Suchmaschine brauchbare Resultate auch für Otto Normaluser, der sich nicht mit raffinierter Query-Syntax herumschlagen wollte. Aber manchmal schafft es eine Technologie auch trotz mehrerer Anläufe nicht in den Mainstream. Der Tablet-PC ist ein typisches Beispiel.

Ich glaube, dass die Blogosphäre genau an diesem “Chasm” angekommen ist und sich etwas schwer damit tut, die Kluft zum Mainstream zu überwinden. Wer heute (regelmässig) ein Blog schreibt, gehört immer noch zu den Pionieren. Den meisten Studien nach sind das deutlich weniger als 10% der Bevölkerung. Und die Gruppe der Leute, die häufig Blogs liest, ist auch nicht so sensationell gross: Zwar haben beispielsweise 40% der Amerikaner schon mal Blogs gelesen, aber nur 20% davon (also ca. 8% der Bevölkerung) tun das bisher täglich. In Europa sind die Zahlen wohl noch geringer.

Was noch hinzukommt: Unter den derzeitigen Top 10 Blog-Websites in den USA befinden sich fünf (tmz.com, perezhilton.com, Engadget, Gizmodo, Thatsfit) die inhaltlich und strukturell mehr mit “normalen” Content-Sites zu tun haben als mit klassischen Blogs. Diese Sites verwenden zwar ein Blog-Format, aber beschäftigen professionelle Redakteure und finanzieren sich über Werbung und Sponsoring, sind also klar kommerzielle Verlagsprodukte. Mit user-generated Content im Sinne klassischer Blogs haben diese Angebote nicht mehr viel zu tun.

Und das ist auch in Ordnung. Denn die Blogosphäre kann es nur aus dem Innovatoren-Ghetto heraus in den Mainstream schaffen, wenn sie vielseitiger, substanzhaltiger und für normale User zugänglicher wird.

Normaluser sind nicht interessiert an selbstreferentiellen, eine-Hand-wäscht-die-andere Technorati-Rankings. Sie wollen nicht wissen, wie Trackbacks oder die Subtilitäten von RSS-Feeds (Nehm ich jetzt Atom oder RSS 2.0?) funktionieren. Sie interessieren sich nicht dafür, wer die “A-Lister” sind, sondern nur dafür, wo sie für ihre eigenen Interessensgebiete die besten Inhalte finden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Blogosphäre sich weiterentwickeln und so den “Chasm” überwinden und sich im Mainstream etablieren kann. Denn die Dinge, die das Bloggen und Blog-Lesen so faszinierend machen — erfrischende Unmittelbarkeit, klare Meinungen, heftige Diskussionen, ungewöhnliche Einsichten — sind zweifelsfrei auch für grössere Zielgruppen interessant.

Social Networks fördern mobile Nutzung

BeboMitte August verkündete das deutsche Social Network KWICK!, das vor einigen Tagen die Grenze von einer Million Mitgliedern überschritten hat, eine Kooperation mit dem Mobilfunker O2, in deren Folge Nutzer mit O2-Handy für zwei Euro pro Monat fast die gesamte Funktionspalette der Community ohne Mehrkosten über das Handy nutzen können. KWICK! ist damit eines der ersten sozialen Netzwerke in Europa überhaupt, das das große Potential einer intensiven mobilen Verwendung der Plattform durch die User erkannt hat. Nun berichtet Mashable, dass Bebo, eines der weltweit größte Social Networks, in Großbritannien eine ähnliche Vereinbarung mit dem Mobilfunkprovider Orange getroffen hat. » weiterlesen

Wuala:
Datei-Hosting auf den Festplatten anderer User

WualaMehr als einmal stieß ich in den vergangenen Tagen in internationalen Blogs auf Artikel über Wuala (zuerst bei blognation USA). Wuala ist ein neuartiger Dienst zum online Speichern und Teilen von (vorrangig großen) Dateien. Nachdem ich am Samstag bei CenterNetworks ein Interview mit Dominik Grolimund las, einem der beiden Gründer von Wuala, war mir klar: Wuala ist anders und aus drei Gründen ein Posting bei zweinull.cc wert: 1. Die Idee von Wuala ist verrückt (im positiven Sinne) und ziemlich smart. 2. Der Dienst kommt aus dem deutschsprachigen Raum (Zürich), zielt aber von Beginn an auf eine internationale Nutzerschaft 3. Wuala ist eigenfinanziert und möchte das auch bleiben. » weiterlesen

Jetzt mal wissenschaftlich:
Verdrängt Online die gedruckte Zeitung?

In der Zeitungsbranche werden schon seit Jahren zwei Fragen heiss diskutiert: Sind die Online-Ausgaben einer Zeitung eine Ergänzung zum gedruckten Blatt, oder kannibalisiert Online die Print-Ausgabe einfach? Und sollten Verlage Geld verlangen für ihre Online-Ausgaben oder lieber alles gratis weggeben und an den Werbeeinnahmen verdienen?

Eine neue Studie der Graduate School of Business der University of Chicago beleuchtet diese Fragestellungen aus einer empirischen Perspektive und zeigt dabei einige interessante Mechanismen auf. Der Autor, Matthew Gentzkow, untersuchte Leserdaten der Washington Post. Diese Zeitung ist sowohl in Print wie auch Online (<a href="http://www. » weiterlesen

Exklusiv:
Demographie der deutschen Facebook-Nutzer

facebook_logo.gifDer englischsprachige Blog AllFacebook.com hat auf eine Möglichkeit hingewiesen, mit der sich bisher nicht veröffentlichte demographische Daten über Facebook-Nutzer aus einem bestimmten Land gewinnen lassen. Dazu wird die Funktion “Flyers Pro” genutzt, mit der man innerhalb der Plattform Anzeigen auf Klickpreisbasis schalten kann. Teil der Anzeigenbuchung ist die genaue Festlegung der Zielgruppe, die später die Werbemaßnahme sehen soll. Zahlreiche Filtermöglichkeiten existieren, die jeweils die maximal erreichbare Nutzerzahl innerhalb eines Landes anzeigen. Die zugrunde liegenden Daten basieren auf den Informationen, die User in ihrem Profil angegeben haben.

Ich habe ein wenig mit den Filterfunktionen herumgespielt und folgende, bisher unveröffentlichte Angaben zur Demographie der deutschen Facebook-Nutzer mit Stand 20. Oktober 2007 14:00 Uhr protokolliert: » weiterlesen