
Martin Weigert (Jahrgang 83), gebürtiger Berliner, hat Wirtschaftskommunikation studiert und beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit dem Internet. Neben neuen, innovativen Web-Startups behält er die generelle Entwicklung des Netzes und der Digitalisierung im Auge und analysiert große wie kleine Tendenzen, die mit der globalen Vernetzung einhergehen. Martin Weigert gründete im März 2007 zusammen mit Michael Osl das Blog zweinull.cc, welches im Mai 2008 Teil von netzwertig.com wurde. Seit April 2010 ist er der verantwortliche Redakteur für netzwertig.com. Der Fachjournalist war unter anderem Jurymitglied bei der von deutsche-startups.de durchgeführten Wahl zum Startup des Jahres 2011 sowie Teil des Advisory Boards der von TechCrunch veranstalteten “Europas”-Awards. Ausgewählte Beiträge von ihm erscheinen regelmäßig beim netzwertig.com-Kooperationspartner WirtschaftsWoche Online.
Er bloggt außerdem privat auf www.martinweigert.com und twittert unter @martinweigert.
Alle 2350 Artikel von Martin Weigert auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:
Schon junge, unerfahrene Gründer bezeichnen sich heute als “Serial Entrepreneurs”. Damit verliert der Begriff seinen einstigen Glanz und seine positiven Assoziationen.
Gestern besuchte ich die Seedcamp Week Berlin, eine Veranstaltung des in London ansässigen Startup-Accelerators Seedcamp. 20 junge Technologiefirmen aus einer Vielzahl europäischer Länder präsentierten in jeweils drei Minuten ihre Geschäftsideen. Die Pitches waren dabei zumeist sehr solide und deutlich besser als das, was man auf manchen rein deutschen Events geboten bekommt. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass viele der präsenten Gründer nicht ganz unbeschriebene Bücher waren, was Erfahrungen in der Startup-Welt und im Bereich der Unternehmensgründungen angeht. Mindestens einer stellte sich auch gleich als “Serial Entrepreneur” vor. Ich erinnere mich nicht mehr, wer genau, aber das spielt auch keine Rolle. Entscheidend ist, dass ich in diesem Moment stutzig wurde. Denn das Label “Serienunternehmer” ist zumindest in meine Augen im heutigen Websektor isoliert betrachtet nicht mehr länger eine besondere Auszeichnung. Zu inflationär wird es verwendet, zu wenig sagt es über die tatsächliche Erfahrung einer Person und ihre Qualitäten als Gründer aus. » weiterlesen
Die iPhone-App des Berliner Startups Zoobe erlaubt es Nutzern, animierte Videobotschaften an Freunde zu versenden, bei denen 3D-Avatare ihre eingesprochenen Worte lippensynchron wiedergeben.
Wer heutzutage noch mit einer eigenen mobilen Kommunikations-App an den Start geht, wird es nicht gerade leicht haben, sich gegen die große Zahl der bereits etablierten Anbieter im Chat- und Messengerbereich durchzusetzen. Es wäre schon ein ganz individuelles, sich stark vom Wettbewerb abhebendes Konzept erforderlich, um sich ohne millionenschwere Werbekampagnen überhaupt ein Stück der Nutzeraufmerksamkeit sichern zu können. Das Berliner Startup Zoobe glaubt, diese Voraussetzung zu erfüllen. » weiterlesen
Der Appell einiger deutscher Nachrichtenangebote an die Besucher, Werbeblocker zu deaktivieren, zieht viel Kritik auf sich. Die Argumente, die gegen das legitime Unterfangen hervorgebracht werden, taugen nichts.
Lange nicht mehr habe ich einen Aufruhr in der deutschsprachigen Blogosphäre so wenig verstanden wie den, der durch eine aktuelle Anti-Werbeblocker-Kampagne von Spiegel Online, sueddeutsche.de, faz.net, zeit.de, golem.de und RPOnline ausgelöst wurde. Die genannten Medienangebote bitten die Besucher ihrer Sites mit netten Worten, während des Lesens Software zum Ausblenden von Anzeigen zu deaktivieren. Bei Spiegel Online würden entsprechende Tools bei 25 Prozent der Seitenaufrufe verhindern, dass Werbung angezeigt werden kann. Rund zehn Millionen Mal wurde der bekannte AdBlocker Adblock Plus allein in Deutschland bisher heruntergeladen.
Mir fällt kaum ein legitimeres Anliegen ein. Für kostenfreie, werbefinanzierte Inhalte ist es in der Tat erforderlich, dass ein größtmögliche Zahl der Anwender auch tatsächlich mit den Anzeigen erreicht wird. Der Ton der Kampagne ist freundlich und sachlich. Golem (Disclaimer: gelegentlicher Syndizierungspartner von netzwertig.com) erläutert in einem längeren Beitrag, wie man Anwender belästigende Werbung zu verhindern versuche und warum man darauf angewiesen sei, die Leser mit Werbung zu erreichen. Die Teilnehmer der Aktion rechtfertigen sich regelrecht dafür, warum sie ihre Besucher bitten, die Anzeigen nicht auszublenden. » weiterlesen
Bei sipgate one konnten Nutzer kostenfrei eine deutsche Mobilfunknummer erhalten, diese auf bestehende Anschlüsse weiterleiten und sich Nachrichten automatisch transkribieren lassen. Doch das schwierige regulatorische Umfeld sowie hohe Kosten machen den Düsseldorfern einen Strich durch die Rechnung.
Bevor Google mit selbstfahrenden Autos, Glass und Now die Fantasie von Technologiefreunden anregte, gehörte der webbasierte Telefonmanager Google Voice zu den innerhalb von Early-Adopter-Kreisen besonders hochgelobten Diensten des Internetunternehmens. Mit den neuen Schwerpunkten wurde es ruhiger um den bisher lediglich in den USA und Kanada verfügbaren Service, der angetreten war, um unter dem Motto “Eine Nummer für alle deine Telefone, für immer” die Telefonie zu revolutionieren. Nutzer von Google Voice erhalten eine einzige Telefonnummer, die sie mit Hilfe von Regeln je nach Anrufer an das private, dienstliche oder mobile Telefon weiterleiten und über eine Google Mail ähnliche Weboberfläche verwalten können.
Nach Deutschland gelangte Google Voice nie – abgesehen von einer in Gmail integrierten Telefonie-Funktion. Doch Anfang 2011 lancierte der 2004 gegründete Düsseldorfer VoIP-Dienstleister sipgate ein nicht unähnliches Angebot. Bei dem sipgate one genannten Dienst erhalten Anwender aus Deutschland eine 0157-Mobilfunknummer, welche auf eine beliebige Festnetz- und Handynummer sowie auf einen Skype-Benutzernamen weitergeleitet werden kann. Für die Verwaltung steht Usern eine Weboberfläche zur Verfügung, über die auch automatisch transkribierte Nachrichten vom Anrufbeantworter abgerufen werden können. Die Kernfunktionen von sipgate one sind kostenlos. Wer SMS versenden oder Anrufe in Fest- oder Handynetze initiieren möchte, zahlt dafür. » weiterlesen
Trotz der schwierigen rechtlichen Lage, die Zattoo seit Jahren am Wachstum hindert, plant der schwedische Live-TV-Anbieter Magine den Eintritt in den deutschen Markt.
Trotz der vergleichsweise komplizierten Rechtelage fand der Schweizer Live-TV-Anbieter Zattoo in Deutschland bisher ein gutes Marktumfeld vor: Denn er war – und ist immer noch – der einzige Dienst seiner Art. Nutzern, die lineare Fernsehprogramme über Rechner oder mobile Apps streamen und dabei nicht auf illegale Services ausweichen möchten, steht bisher allein Zattoo zur Verfügung. Und mit der kommenden Integration der RTL-Sender gewinnen die Zürcher für hiesige Anwender künftig noch an Attraktivität.
Doch die Zeiten, in denen Zattoo im deutschen Markt ganz von Konkurrenten ungestört schalten und walten konnte, neigen sich dem Ende zu. Der junge schwedische Wettbewerber Magine hat laut lokalen Medien angekündigt, im Sommer über den heimischen Markt hinaus expandieren zu wollen. Die ersten zwei Auslandsmärkte für die Stockholmer sollen Deutschland und Spanien sein, gefolgt von Großbritannien. » weiterlesen
Mit Ausnahme von WhatsApp und Apples iMessage zwingen sämtliche populären mobilen Chat-Apps ihren Nutzern Lesebestätigungen auf. Sie sorgen für unnötigen Druck und unangenehme Situationen.
Seit einiger Zeit gehen digitale Kommunikationsdienste dazu über, ihre Mitteilungsfunktionen mit Lesebestätigungen auszustatten. Wie bei der klassischen E-Mail-Empfangsbestätigung können Absender von Nachrichten auf diese Weise darüber informiert werden, dass ihre Mitteilung zur Kenntnis genommen wurde. Doch anders als bei der E-Mail geschieht dies bei einigen gängigen sozialen Netzwerken und Chatmessengern grundsätzlich, auch wenn Nutzer dies nicht möchten. Egal ob Facebook, Kik, Kakao Talk, Path oder Line – stets heißt das Lesen einer Mitteilung, dass der Absender auch darüber Bescheid weiß. Deaktivieren lässt sich dies nicht. » weiterlesen
Nach BoxCryptor widmet sich das zweite bayerische Startup der Verschlüsselung von Dateien bei Dropbox. Nebenbei kann SharedSafe auch jedes IMAP-E-Mail-Konto in Onlinespeicher zum Dateiabgleich und Filesharing verwandeln.
Wer sensible Daten bei Dropbox ablegt und diese über andere Rechner oder für Kollegen zugänglich machen möchte, sollte auf eine Verschlüsselung nicht verzichten. Diese macht zwar durch den Ver- und Entschlüsselungsvorgang die Handhabung und den Zugriff etwas unkomfortabler, erschwert aber eventuellen Angreifern den Blick auf die Daten. Die wohl bekannteste Lösung für die Verschlüsselung von bei Dropbox (und anderen Cloudspeicherdiensten) abgelegten Dateien heißt BoxCryptor. Doch dessen Macherin, das Augsburger Startup Secomba, bekommt nun einheimische Konkurrenz: Im nur knapp 100 Kilometer entfernten, ebenfalls in Bayern gelegenen Freising entwickelt ein anderes Jungunternehmen, die rootloft GmbH, seit etwa zwei Jahren eine Software zum sicheren Filesharing und Synchronisieren von Dateien. Seit kurzem unterstützt das SharedSafe genannte Produkte auch Dropbox. » weiterlesen
Erfolgreiche Gründer lassen sich nicht alle in die selbe Schublade stecken. Doch es gibt einige Charaktereigenschaften, die Startup-Machern besonders gut zu Gesicht stehen.
Ich befand mich zwar selbst noch nie hinter dem Steuer eines Startups, habe jedoch seit Jahren mit einer Vielzahl von jungen sowie erfahrenen Entrepreneuren Kontakt. Schriftlich, per Skype/telefonisch oder im Rahmen persönlicher Treffen. Im Laufe der Zeit lernte ich, welche Charaktereigenschaften ich bei Gründern bevorzuge und als Erfolgsfaktoren ansehe, und welche meine Sympathie und meine Einschätzung des Potenzials negativ beeinflussen. Im Folgenden fasse ich die Persönlichkeitsmerkmale meiner persönlichen “Supergründer” zusammen. Für mich ist der perfekte Entrepreneuer… » weiterlesen
Für viele internationale Beobachter gilt TechCrunch als erste Anlaufstelle für Neuigkeiten aus der Internetbranche. Doch besonders in seiner Heimat Kalifornien leidet das zu AOL gehörende Blog unter einem erheblichen Imageproblem.
Eigentlich lasse ich es hier in San Francisco relativ ruhig angehen und versuche in erster Linie, die allgemeine Stimmung einzufangen. Immerhin gilt es, meine täglichen Arbeitsaufgaben zu erledigen. Zudem wird die hiesige Internetbranche von nationalen und internationalen Medien derartig intensiv bewacht, dass es wenig sinnvoll ist, bei den einschlägigen Startups und Webgiganten vorstellig zu werden, um dann von ihren PR-Abteilungen zu erfahren, was alle schon wissen. Gerne hätte ich allerdings ein Interview mit Jan Koum geführt. Doch der Chef des populären Smartphone-Messengers WhatsApp macht seinem Ruf, pressescheu zu sein, alle Ehre. Meine Interviewanfragen blieben unbeantwortet. Ohnehin hat er in den letzten Jahren meines Wissens nach Pressevertretern kaum mehr als fünf Audienzen gegeben, insofern bin ich nicht überrascht.
Anstelle von “offiziellen” Besuchen bei Webfirmen habe ich aber eine Reihe von interessanten, eher informellen Gesprächen mit lokalen Akteuren und Entrepreneuren geführt – sowohl deutschstämmige, die sich in der Region niedergelassen haben, als auch Einheimische. Jedes Mal, wenn es ans Erklären ging, was netzwertig.com darstellt, antwortete ich aus Bequemlichkeitsgründen und im Wissen der allgemeinen Bekanntheit von TechCrunch, dass es sich um eine Art deutsches TechCrunch handele, nur mit einer deutlich geringeren Artikelanzahl und weniger Fokus auf Meldungen zu Finanzierungsrunden. Doch ausnahmslos folgte vom jeweiligen Gesprächspartner daraufhin ein abwertender Kommentar über das bekannte kalifornische Techblog. » weiterlesen
Skype hat seine Wurzeln im Desktop-Zeitalter. Mit Viber erwächst dem VoIP-Platzhirschen nun ein gefährlicher Konkurrent mit mobiler DNA.
Lange habe ich mich dagegen gewehrt, die VoIP- und Messaging-App Viber auf meinem iPhone zu installieren – trotz mehrmaliger Nachfragen von Freunden, ob ich den über die vom israelisch-amerikanischen Unternehmer Talmon Marco und einem Team von rund 120 Angestellten in Israel, Zypern und Weißrussland entwickelte Anwendung erreichbar sei. Zum einen mangelt es mir in meinem digitalen Alltag wahrlich nicht an mobilen Apps, um mit Kontakten Textnachrichten austauschen und VoIP-Gespräche zu führen (außer WhatsApp kann dies mittlerweile fast jeder Messenger, inklusive Facebook). Zum anderen missfällt mir der von Viber erzwungene Upload und Abgleich des Smartphone-Adressbuchs.
Doch wie schon bei WhatsApp ist es genau diese Praxis, die den kostenfreien, für verschiedene Plattformen angebotenen Dienst innerhalb von zweieinhalb Jahren in die Gruppe der nutzerstärksten mobilen Kommunikationswerkzeuge katapultiert hat. Denn so sehr die Freigabe ihrer lokalen Kontakte manche (wahrscheinlich aber wenige) User auch stört, so komfortabel ist die aus dem von Viber durchgeführten Abgleich der Adressbücher mit den registrierten Mobilfunknummern folgende, sofortige Auflistung sämtlicher Viber-Freunde. Neuen Nutzern wird nach der Registrierung also direkt ein Viber-Adressbuch mit den Freunden angezeigt, die sich über die App per Textnachricht oder Datengespräch erreichen lassen. Ich hatte die Konsequenz einst so formuliert: “Die Welt sozialer Netzwerke ist ungerecht: Anbieter, die sich an die Konventionen halten, werden zu Geisterstädten, während Regelbrecher sich vor Nutzern kaum retten können.” » weiterlesen