Andreas Göldi

 

Alle 537 Artikel von Andreas Göldi auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Jahresrückblick 2010:
Das Jahr des kleinen,
flachen Taschencomputers

2010 war das Jahr, in dem eine neue Generation tragbarer Computer ihre endgültige Ankunft im Mainstream feierte. iPhone und iPad, Android, zahllose angekündigte Tablet-Computer und schliesslich Googles Chrome OS dominierten die IT-News. Microsoft spielt in dieser neuen Welt keine Rolle mehr.

2010 haben sich die weltweiten Verkäufe von Smartphones gegenüber dem Vorjahr wiederum verdoppelt. Noch zwei Jahre, dann wird nach Schätzungen von Analysten die Zahl der jährlich verkauften Smartphones die der PCs übertreffen.

Das ist ein ziemlich bemerkenswerter Meilenstein. Schliesslich sind die Smartphones von heute keine Telefone, sondern veritable Taschencomputer. Die Power und Funktionalität eines iPhone oder Android-Gerätes entspricht in etwa der Leistungsfähigkeit eines PCs von vor zehn Jahren. Und das zu einem Bruchteil des Preises, mit massiv grösserer Mobilität und radikal einfacherer Bedienung.

Ganz klar: Wir erleben eine Zeitenwende in der IT-Branche. Zusammen mit dem Aufkommen von Cloud-Computing markieren die neuen mobilen Betriebssysteme eine totale Abkehr von der Windows-PC-Monokultur der letzten zwei Jahrzehnte. » weiterlesen

iAd:
Apples Werbeplattform
greift Google frontal an

Apple wird bald mit seiner soeben vorgestellten Werbeplattform “iAd” Werbung für iPhone- und iPad-Apps verkaufen. Das ist mehr als nur ein kleiner Kommerzialisierungsbeitrag für iPhone-Entwickler. Apple greift damit Googles Zukunftsgeschäft an.

iAdEine von Apples zahlreichen Ankündigungen bei der Vorstellung des neuen iPhone OS 4.0 ging in Fan-Kreisen eher unter: Unter dem Namen “iAd” wird Apple ab Sommer Werbung verkaufen, die in iPhone- und iPad-Apps eingeblendet wird. Dabei wird es sich nicht nur um einfache Banner handeln, sondern um komplette Sub-Applikationen, die die Werbebotschaft mit Videos, Spielen und kostenlosen Goodies an den User bringen sollen.

Apples primäres Ziel mit dieser Aktion dürfte sein, die Developer-Community weiter zu stärken. Denn Anbieter von kostenlosen Apps hatten bisher eher Mühe, ihre Aufwände zu refinanzieren. Mobile Werbung ist immer noch ein Nischenphänomen, und die meisten Werber konnten sich bisher für die winzigen Banneranzeigen auf Telefonbildschirmen nicht begeistern.

Mit Apples neuem System könnte sich das aus verschiedenen Gründen stark ändern:

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“Die Welt”:
Die erste deutsche Medien-iPad-App enttäuscht

Axel-Springer-CEO Döpfner lässt sich im amerikanischen Fernsehen als digitaler Visionär feiern, und seine Firma hat schon eine erste iPad-App auf dem Markt. Das wäre wunderbar, wenn zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht so ein grosser Graben läge.

Welt-App

Wer am Dienstag die legendäre amerikanische Interview-Sendung “Charlie Rose” einschaltete, staunte als Europäer nicht schlecht. Da sass Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner und erklärte den Amis, wie digitale Medien gehen. Sein Unternehmen mache mehr digitalen Umsatz als jeder andere grosse Zeitungsverlag auf der Welt, erklärte Döpfner, und natürlich wäre man auch schon zum Marktstart mit einer ersten tollen App für das iPad zur Stelle, und zwar für das Flaggschiff des Hauses, “Die Welt”.

Als frischgebackener iPad-Besitzer ist man da natürlich beeindruckt und will sich sofort die erwähnte App herunterladen. Doch damit fangen die Probleme schon an: Mit dem Suchbegriff “Die Welt” findet man in Apples App Store zwar allerlei Geographisches, aber keine Zeitung. Auch in der Medienkategorie ist nichts zu sehen von der bekannten deutschen Publikation.

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Apple iPad:
Ist das Tablet
das perfekte Medienkonsumgerät?

Nicht weniger als eine Wende hin zum bezahlten digitalen Content versprechen sich viele Medienmanager von Apples iPad. Können die ersten Medienapplikationen die hohen Erwartungen erfüllen?

Time: iPad-Ausgabe zum iPad

Time: iPad-Ausgabe zum iPad

Kein Zweifel, der Formfaktor des iPad lädt geradezu zum Medienkonsum ein: Das elegante Gerät liegt gut in der Hand, und der exzellente Bildschirm ist selbst noch unter direkter Sonneneinstrahlung gut zu lesen. Aber entscheidend ist letztlich natürlich nicht so sehr die Hardware, sondern die Software.

Und zumindest einige amerikanische Medienkonzerne haben zum Launch des iPad am Ostersamstag ihre ersten speziell für das iPad entwickelten Produkte vorgestellt — in der Hoffnung, die widerborstigen User endlich weg vom Gratis-Content auf dem Web in neue Sphären profitabler Medienproduktion zu führen.

Dass den Medienkonzernen dabei teilweise die Pferde bei der Preissetzung etwas durchgegangen sind, zeigt exemplarisch das zum Murdoch-Konzern News Corp. gehörende Wall Street Journal.

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Apps Marketplace:
Google macht Ernst
mit Cloud Computing

Bisher waren Googles Anwendungen für Unternehmen eine ziemlich isolierte Angelegenheit. Das wird sich jetzt ändern: Mit dem Apps Marketplace stellt Google einen einfachen Weg vor, kompatible Software zu finden und mit Google Apps zu integrieren. Und damit tritt der Suchmaschinenriese frontal gegen Salesforce.com und Microsoft an.

App Stores sind gross in Mode: Nach zahlreichen Mobiltelefonanbietern greift nun auch Google das Konzept des einfach zu nutzenden Applikations-Marktplatzes für sein Enterprise-Segment auf. Der gerade vorgestellte Apps Marketplace konzentriert sich ganz auf die Sphäre der Geschäftsanwendungen, wo bisher Player wie Salesforce.com dominiert haben.

Damit heizt sich der Kampf um die dominierende Plattform für Cloud Computing weiter auf. » weiterlesen

Google Buzz:
Das MS Office für das Social Web?

Google greift mit seinem neuen Social-Web-Produkt “Buzz” Facebook, Twitter, Yelp und noch ein halbes Dutzend andere Firmen gleichzeitig an. Kann das erfolgreich sein? Möglicherweise schon, denn Google leiht sich Microsofts Erfolgsrezept.

Anfang der neunziger Jahre: WordPerfect war unumstritten die populärste Textverarbeitung. Lotus 123 dominierte bei den Tabellenkalkulationen, Harvard Graphics bei den Präsentationsprogrammen, und wer eine Datenbank brauchte, griff zu dBase. Ein paar Jahre später waren diese Produkte faktisch vom Markt verschwunden. Der neue König aller Klassen hiess Microsoft Office.

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Die kommende IT-Ära:
Halbgeschlossenen,
aber konsumentenfreundlich

Offenheit gut, Geschlossenheit schlecht. Das ist seit vielen Jahren ein Dogma in der IT-Branche. Aber stimmt dieses Prinzip wirklich? Oder zeigen uns nicht die erfolgreichsten Produkte der letzen Jahre, dass mehr Herstellerkontrolle manchmal gut ist für die Konsumenten?

Die Reaktionen zu Apples iPad-Ankündigung fielen in vielen Teilen der Technologiewelt harsch aus. Kritisiert wurden nicht nur fehlende Features, sondern vor allem auch die Tatsache, dass Apple die iPad-Kunden mit sanfter Gewalt ins iTunes-Ökosystem zwingt. Apples Hardware und seine Inhaltsplattform sind eng gekoppelt, und darum können iPad-Nutzer realistischerweise ihre Musik, Filme und Apps fast nur bei Apple kaufen.

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High-Tech-Marketing:
Warum Apple
in einer anderen Liga spielt

Wird das iPad zum Erfolg? Die Experten sind eher skeptisch. In Geek-Kreisen dominiert die Enttäuschung über fehlende Features. Aber Tech-Blogger und Leute, die immer das neuste Smartphone kaufen, sind gar nicht Apples Zielgruppe. Steve Jobs’ Firma macht Produkte für die Massen. Und das mit einem einzigartigen Marketingansatz.

Steve JobsEs war im Januar 2007. Eine langerwartete Produktankündigung aus dem Silicon Valley wurde in Technologiekreisen mit allgemeiner Enttäuschung aufgenommen. Das sollte nun alles sein? Diese magere Featureliste für ein als revolutionär angekündigtes Produkt? Schönes Design, OK, aber so viele technische Einschränkungen? Das konnte nur zum gigantischen Flop werden.

Natürlich wurde Apples iPhone trotzdem zum Erfolg. Genauer gesagt revolutionierte es die Mobiltelefonbranche. Heute traut sich kein Anbieter mehr ohne Modelle mit grossen Touchscreens, einer hübschen Benutzeroberfläche und einem reichhaltigen App-Store auf den Markt.

Die Kritik zum eben vorgestellten iPad klingt verdächtig ähnlich. Wiederum sind die Geeks enttäuscht, die Experten kritisch und die DRM-Gegner revolutionär gestimmt. Nur: » weiterlesen

Google und China:
Geht es um Menschenrechte oder um Geld?

Google droht offen mit dem Rückzug aus China — aufgrund von Zensur und Hacker-Angriffen. Aber geht es dem Suchmaschinengiganten dabei wirklich nur um Menschenrechte, oder stecken handfeste kommerzielle Interessen dahinter?

Google China

Google China

Der Text ist ungewöhnlich deutlich: Auf seinem offiziellen Blog kündigt Google unter dem Titel “A new approach to China” an, seine bisherige China-Politik gründlich zu überdenken. Bisher hat Google sich kontroverserweise relativ brav an die Zensurvorgaben der chinesischen Regierung gehalten. Damit soll jetzt Schluss sein, auch wenn das bedeutet, dass sich Google ganz aus China zurückziehen muss. Als Hauptgrund werden Hackerangriffe angegeben, die eindeutig von China ausgingen und sich unter anderem gegen die Gmail-Accounts chinesischer Menschenrechtler richteten.

So weit, so löblich. Scheinbar kommt Google hier seinem Firmenmotto “Don’t be evil” nach und entscheidet sich für die moralisch unterstützenswerte Richtung, selbst um den Preis, das potentiell lukrative China-Geschäft zu verlieren. Schliesslich geht es um nichts weniger als den usermässig grössten Internet-Markt der Welt.

Aber steckt vielleicht noch mehr dahinter? Eine etwas genauere Analyse zeigt schnell, dass diese Ankündigung Googles geschäftlichen Interessen durchaus nachkommt.

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App Economy:
Die Softwarebranche wird zum “Hit-Driven Business”

Deutlich über 100’000 Apps gibt es für das iPhone, gegen 20’000 für Android, und über die Zahl der kleinen, praktischen Web-Applikationen hat sowieso keiner mehr den Überblick. Die Softwarebranche bewegt sich von einem Industrie- zu einem Medienmodell. Und das hat tiefgreifende Konsequenzen.

App Store

App Store

Als die Automobilindustrie noch jung war, gab es allein in den USA deutlich über 1000 Autohersteller, in Europa etwa eine ähnliche Zahl. Klingt nach viel, aber gemessen an der Anzahl der Betriebe in anderen Branchen — Restaurants beispielsweise — ist das eine ziemlich kompakte Branche. Und heute sind von all diesen Startups natürlich nur eine Handvoll Riesenkonzerne übrig geblieben.
Die Autobranche ist der Inbegriff des industriellen Modells: Für die Herstellung von Automobilen sind viel Kapital, technische Expertise und aufwendige Distributionskanäle nötig. Solche Ressourcen stehen nur wenigen Branchenteilnehmern zur Verfügung, und darum neigen industriell geprägte Branchen zu recht starker Konzentration.

Bis vor einigen Jahren war die Software(produkt-)branche recht ähnlich strukturiert. Ein komplexes Softwareprodukt herzustellen und zu vertreiben war eine ausgesprochen teure Angelegenheit. Viele Softwarefirmen benötigten 30 oder 40 Millionen Dollar an Startkapital, um überhaupt nur im Markt Fuss fassen zu können. Danach war meistens weiteres Kapital aus einem Börsengang nötig. Logischerweise war so ein Aufwand nur für relativ wenige Firmen möglich. Die Softwarebranche folgte also lange einem stark industriell geprägten Modell.

Dann aber kam das Internet und mit ihm der fundamentale Wandel, den wir gerade erleben: Die modere Softwarebranche hat mehr mit der Welt von Medien und Entertainment zu tun als mit der Autoindustrie.

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