Textkommunikation spiegeln:
mysms erleichtert den Alltag von Menschen mit zwei Smartphones

Der österreichische Messagingdienst mysms hat eine App für iOS und Android veröffentlicht, die auf einem Smartphone eingehende SMS- und mysms-Chatnachrichten auf einem zweiten Mobiltelefon spiegelt.

mysmsMir tun sie leid: Menschen, die gezwungen sind, zwei Mobiltelefone mit sich herumzutragen – ein privates Gerät und ein Diensthandy. Mancher mag dies im Gegensatz zu mir als weniger störend empfinden und schätzen, verschiedene Gadgets ausprobieren und die private sowie berufliche Kommunikation strikt trennen zu können. Doch in jedem Fall bedeutet der Besitz zweier Smartphones, dass man schnell wichtige Informationen wie etwa Textnachrichten verpasst, sobald man einmal ein Gerät nicht bei sich hat. Der österreichische Messaging- und SMS-Dienst mysms hat nun für alle, denen dies häufig geschieht, eine recht praktische Löschung entwickelt: eine App, welche eingehende Mitteilungen von einem Mobiltelefon auf ein anderes “spiegelt”.

Fernbedienung für Android-Smartphone

Die für iOS und Android angebotene App mit dem Namen mysms Mirror dient als eine Art Fernbedienung für ein zweites Android-Smartphone. Nachdem auf diesem die mysms-Basis-Anwendung installiert wurde, können dort eingehende SMS und mysms-Nachrichten mittels der Mirror-App auf einem anderen Smartphone abgerufen und beantwortet werden. Wer eine SMS beantwortet, kann als Absendernummer dabei auch die des gespiegelten Smartphones verwenden. Angenommen, das Diensthandy wurde zu Hause vergessen, so können mit Hilfe von mysms dennoch die Textnachrichten von Kollegen oder dem Chef gelesen und beantwortet werden, ohne dass ihnen die Nummer des Privattelefons angezeigt wird. Damit dies funktioniert, muss das gespiegelte Gerät eingeschaltet und mit dem Internet per mobiler Datenverbindung oder WLAN verbunden sein. In einer kommenden Version von mysms Mirror soll zudem das Anzeigen von verpassten Anrufen auf dem gespiegelten Telefon unterstützt werden.

iPhone-Spiegelung mit Einschränkungen

mysms Mirror lässt sich auch zur Spiegelung der auf einem iPhone eintreffenden Nachrichten verwenden. Allerdings verhindern technische Einschränkungen der iOS-Plattform, dass die Österreicher für ihre iPhone-App analog zu Android SMS und Mitteilungen von mysms-Nutzern untereinander in einer Applikation vereinen können. Diese funktionelle Limitierung hat zur Folge, dass mysms auf dem iPhone (ebenso wie bei Windows Phone) nur für mysms-internes Messaging verwendet werden kann. Entsprechend lassen sich auch lediglich diese Nachrichten per mysms Mirror auf einem anderen Smartphone (iPhone oder Android) darstellen.

Android wichtigste Plattform

Wenig überraschend hat Android für den 2010 von Martin Pansy und Elfriede Zettl unter dem Dach des SMS-Portals sms.at gegründeten Dienst daher strategisch die größte Bedeutung. 65 Prozent der rund eine Million registrierten mysms-Mitglieder verwenden die Android-App, die dank ihrer nahtlosen SMS-Integration nicht unter dem typischen Henne-Ei-Problem leidet, welches sonst datenbasierte Chat-Apps mit beschränkter Reichweite betrifft. Wer mysms auf einem Android-Smartphone installiert hat, bekommt dank des Services die Freiheit, über ein Webinterface, Desktop-Clients oder eben ein zweites Smartphone auf die komplette Textkommunikation zuzugreifen, die zudem vollständig in der Cloud gesichert wird.

Mit der Mirror-App erweitern die Grazer auch ihr Portfolio an Premium-Produkten: Die Anwendung kostet 8,99 Euro (bei Android sind die ersten 30 Tage kostenfrei). Kein Pappenstiel, aber konsequent in Anbetracht der anvisierten Business-Zielgruppe und des potenziell großen Mehrwerts. Generell verfährt der Dienst bei der Preisgestaltung nach der Prämisse, dass die Basis-Apps sowie der Zugriff über die Browseranwendung gratis angeboten werden, die Nutzung von “Native Remote Clients” – Tablet, Desktop oder eben jetzt die Mirror-Anwendung – dagegen mit einer Gebühr belegt werden.

Gewinnschwelle erreicht

Diese Strategie zahlt sich für das Unternehmen bereits aus: mysms habe mittlerweile die Gewinnschwelle erreicht, so Gründer Pansy. Mit der Einführung der Mirror-App dürfte sich die positive Umsatzentwicklung fortsetzen. Zudem sind er und sein Team gerade dabei, eine White-Label-Plattform als zweite Erlösquelle zu etablieren. mysms stellt dabei seine cloudbasierte SMS- und Messagingplattform Mobilfunkanbietern zur Verfügung, welche diese im eigenen Branding auf ihren Smartphones vorinstallieren. Pansy bezeichnet diesen Ansatz als Alternative zum von einer Reihe Provider lancierten, bisher erfolglosen SMS-Nachfolger Joyn. Mit mysms seien die Mobilfunker in der Lage, in einer App “OTT-Messaging” à la WhatsApp sowie klassische SMS-Funktionalität zu vereinen. Derzeit laufe ein Test mit Vodafone in Italien.

Bleibt die Frage nach den langfristigen Aussichten für mysms in Anbetracht eines explosionsartig wachsenden OTT-Markts bei gleichzeitig relativ gesehen nachlassendem Interesse für die klassische SMS. Pansy erwidert auf diesen Einwand, dass er sich selbst bei einem Zeithorizont von fünf Jahren nicht vorstellen kann, dass Mobiltelefone ohne SMS-Funktion ausgeliefert werden. Allein das lässt ihn zuversichtlich in die Zukunft schauen. Zudem gibt er zu bedenken, dass genau in den Märkten, in denen SMS von den Providern seit jeher auf breiter Front inklusive als Flatrate angeboten werden – etwa die USA und Frankreich – OTT-Apps wie WhatsApp deutlich weniger verbreitet seien und vorrangig der Gruppenkommunikation dienen, während die SMS sich ungebrochener Popularität erfreue. Intressant sei in diesem Zusammenhang auch die Wahrnehmung von mysms. In Deutschland sei meist von einer “WhatsApp-Alternative” die Rede. In den USA stattdessen werde mysms als “cloudbasierter SMS-Dienst” wahrgenommen. Die USA sind zusammen mit Deutschland auch der wichtigste Markt für mysms, gefolgt von Frankreich, Großbritannien und den BRIC-Ländern. /mw

Link: mysms

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Ich verstehe das Problem nicht ganz. Jeder, der auf 2 Simkarten angewiesen ist, kann sich ein Dual-Sim-Gerät zulegen und beide Simkarten gleichzeitig benutzen. Dazu braucht man doch keine Weiterleitung oder gar 2 Telefone mit sich rumzuschleppen. Selbst einfachste Noname-Billiggeräte gibt es für solche Zwecke. Beleg: http://www.seniorenhandy.com/bea-fon/s400/

    Ich wünsche dem Start-Up trotzdem viel Erfolg. Aber wie man mit so einem Dienst Geld verdienen will, ist mir schleierhaft.

vgwort