Sicherer im Netz bewegen:
ZenMate bringt VPN-Funktionen für die Masse

VPNs ermöglichen sicheres Surfen, sind aber für Otto-Normal-Nutzer zu kompliziert. Das Berliner Startup ZenMate bringt nun VPN-Funktionen als komfortables Plugin für den Chrome-Browser.

Einer der besten Wege, die eigene Internetnutzung sicherer zu gestalten, sind VPN-Verbindungen. Diese verschlüsseln sämtliche versendeten und empfangenen Daten. Das erschwert nicht nur den bekanntlich überwachungsfreudigen Geheimdiensten das Mitlesen von über zentrale Internetknoten oder internationale Unterseekabel verschickten Nutzerdaten, sondern verhindert auch, dass Unbefugte beim Einsatz offener WLANs an persönliche Anwenderdaten gelangen. Ein positiver Nebeneffekt der VPN-Verwendung ist, dass sich beliebige internationale IP-Adresse annehmen lassen, je nach Standort des VPN-Servers. Auf diese Weise kann das Geoblocking von Onlinediensten umgangen werden, die aus rechtlichen Gründen nur in bestimmten Regionen angeboten werden – eine Praxis, die im Zeitalter der globalen Vernetzung nicht mehr zeitgemäß ist.

Doch VPNs haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind vergleichsweise kompliziert in ihrer Anwendung. Die Betonung liegt auf “vergleichsweise”. Für technisch versierte User ist es freilich kein Problem, sich bei einem der zahlreichen VPN-Dienstleister zu registrieren und einmalig einige Netzwerkeinstellungen vorzunehmen. Aus Sicht der breiten Masse allerdings sind das bereits zu viele erforderliche Schritte – zumal User schon eine grundsätzliche, ernstgemeinte Affinität für Sicherheitsfragen mitbringen müssen, um die Gebühren für die zumeist kostenpflichtigen VPN-Angebote berappen zu wollen.

ZenMateVPN-Funktionen per Chrome-Plugin

Das Berliner Startup ZenMate hat eine Lösung entwickelt, welche die Funktionen eines VPN mit dessen vollwertiger Trafficverschlüsselung in den Browser portiert. Anstatt dass User in ihren Netzwerkeinstellungen herumfuhrwerken müssen, besuchen sie lediglich die Website des Dienstes und installieren das kostenlose Chrome-Plugin. Anschließend werden sämtliche Daten, die im Chrome-Browser gesendet und empfangen werden, von ZenMate verschlüsselt und über die in einer Reihe von Ländern platzierten Server des Startups gelotst. Zur Auswahl stehen derzeit die Standorte Zürich, New York, Frankfurt, London und Hong Kong. Je nach gewähltem Server erhalten ZenMate-Nutzer für ihre Browsersession eine IP-Adresse des jeweiligen Landes. Wer New York auswählt, dessen Chrome Browser gibt sich daraufhin auf sämtlichen Websites als US-amerikanischer Nutzer aus, wodurch freier Zugang zu für Europäer gesperrten Angeboten wie etwa Hulu oder Pandora erfolgt. Mit der Schweizer IP-Adresse wiederum können ausländische Nutzer auf einschlägige, in der Schweiz legale TV-Streaming-Plattformen wie Teleboy oder Nello zugreifen.

Ein Problem der Masse lösen

Im Gegensatz zu Browser-Plugins wie ProxTube und Anonymisierungswebsites wie Hide my Ass fungiert ZenMate nicht als Proxy, der lediglich die IP-Adresse austauscht, sondern beinhaltet parallel klassische VPN-Funktionalität zum verschlüsselten Surfen. Laut ZenMate-Mitgründer Simon Specka handelt es sich um das einzige System, dass VPN-Features in den Browser bringt. Die Motivation von Specka und seinem Mitstreiter Markus Hänel: eine massentaugliche Lösung für ein Problem der Masse zu entwickeln.

Speziell im Angesicht der derzeitigen Überwachungsskandale werden die Hauptstädter, welche ihren Dienst initial aus eigenen Mittel entwickelt haben und mittlerweile vom Axel-Springer-Accelerator Plug & Play unterstützt werden, wenig Überzeugungsarbeit für den Sinn ihres Angebots leisten müssen. Zumal ZenMate in der derzeitigen Beta-Phase komplett kostenfrei und ohne Begrenzungen beim Datenverkehr angeboten wird. Nach dem offiziellen Debüt planen Specka und Hänel einen Freemium-Ansatz: Ein limitierter Basis-Zugang wird gratis bereitgestellt, eine Pro-Version gegen Entgelt.

Hohe Datenschutzansprüche

In der FAQ betonen die ZenMate-Macher, dass das Startup den “strengen deutschen Datenschutzgesetzen” unterliege und weder IP-Adressen noch andere personenbezogene Verbindungsdaten speichere. Aus den Datenschutzbestimmungen geht allerdings davor, dass die geltende Rechtslage je nach Serverstandort variieren kann. Grundsätzlich gilt jedoch, dass User “Internetseiten und Inhalte stets über eine verschlüsselte Verbindung senden und niemals direkten Kontakt zum Betreiber der Zielseite haben, sondern nur mit dem ausgewählten ZenMate-Verbindungsknoten”.

Es ist zu vermuten, dass Träger von Aluminiumhüten einem Dienst wie ZenMate, bei dem Anwendungsdaten über zentrale Server geschickt werden, keine hohe Effektivität in puncto Verhinderung von Überwachung einräumen würden. Jeglicher Schutz vor ausufernder staatlicher Überwachung wäre etwa dahin, sollten sich Sicherheitsbehörden Zugriff auf ZenMates Server verschaffen wollen. Andererseits eignet sich der Service der Berliner wie eingangs beschrieben auch für andere Einsatzszenarien, was ihn zu einem attraktiven Angebot für alle Nutzer des Chrome-Browsers macht. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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13 Kommentare

  1. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, wird nur der über den Browser abgewickelte Datenverkehr geschützt. Für viele Anwendungen reicht das, aber den gesamten Datenverkehr, der des Computer über ein VPN laufen zu lassen, ist besser.

    Die Bindung an einen bestimmten Browser – und dann noch den von Google (wenn es um Datenschutz geht) – sehe ich als starke Einschränkung.

    Zudem sollte sich jeder VPN-User überlegen, vor wem er seine Daten verstecken möchte. Ein VPN-Dienst aus dem Inland kann einerseits besonders vertrauenerweckend sein. Wer allerdings nicht möchte, dass ihm deutsche Behörden über die Schulter gucken, sollte lieber einen Dienst aus dem Ausland nutzen – möglichst aus einem Land, in dem die dortigen Behörden sich keine Log-Daten herausgeben lassen können.

    Der VPN-Einsatz soll für den durchschnittlichen Internetnutzer zu kompliziert sein? Wer es schafft, seinen Drucker einzurichten, kommt auch via VPN ins Netz. Die eigentlichen Hürden sind: 1. Man muss überhaupt aktiv werden. Und das ist auch eine Hürde für sehr kompetente PC-Nutzer. 2. Bei mehr als gelegentlicher Nutzung muss man Geld ausgeben, denn allgemein bekommt man bei kostenlosen VPN-Zugängen nicht viel Leistung.

    • @Oliver
      Danke für den wertvollen Kommentar, Kannst Du noch Beispiele für Länder die nicht auf die VPN Verschlüsselung zugreifen dürfen nennen?

      Und kann ich nicht einen eigenen VPN zb. mit der Fritzbox bauen?

    • @Akawee: Einen Überblick kann ich Dir zwar nicht geben, aber Du möchtest vermutlich auch eher einen konkreten Tipp. Der recht bekannte Anbieter Cyberghost ist vor ein paar Jahren aufgrund der angesprochenen Thematik von Deutschland nach Rumänien umgezogen.

      Und bei Cyberghost gibt es gerade auch eine Preisaktion auf http://worthofprivacy.com/de, bei der man selbst einen Preis ab 5 Euro für ein 1-Jahres-Abo festlegen kann. Und die noch aktuelle Computer Bild (Version mit Datenträger) bringt ebenfalls ein 1-Jahres-Abo mit – zwar mit weniger Leistung, aber dafür kann man die Zeitschrift anonym bar am Kiosk kaufen. Der Punkt Bezahlung ist ja generell kritisch, weil man als Nutzer nicht sicher weiß, welchen Daten der Anbieter hier dann doch vielleicht verknüpft.

      Ohne Werbung machen zu wollen – ich habe Cyberghost schon ein paar Jahre im Einsatz und bin insgesamt zufrieden.

    • “Der VPN-Einsatz soll für den durchschnittlichen Internetnutzer zu kompliziert sein? Wer es schafft, seinen Drucker einzurichten, kommt auch via VPN ins Netz.”

      Viele schaffen es nicht ohne Hilfe eines “PC-Experten” aus dem Freundes- oder Familienkreis, einen Drucker einzurichten ;)

    • Richtig, schon am Einrichten eines Druckers scheitern einige Nutzer. Aber das liegt das nicht eher an der Einstellung des Users als am tatsächlichen Schwierigkeitsgrad?

      Und was spricht dagegen, sich von Freunden oder Familienmitgliedern beim Thema sichere Kommunikation helfen zu lassen? Wenn einem das Thema ein wenig wichtig ist, wird dieser Minimalaufwand wohl drin sein.

    • Drucker muss man heute doch nicht mehr einrichten – ich musste es jedenfalls schon lange nicht mehr, sondern angehängte Drucker werden erkannt und funktionieren … sowohl unter OS X als auch unter Windows 7. Ein anderes Thema sind all die unsäglichen Zusatz-Apps der Hersteller, aber die braucht man normalerweise ja nicht.

      Länder ohne Überwachung von und bei VPN-Anbietern? Gibt’s vermutlich nicht … VPNs sind nett um sich beispielsweise in einem Public WLAN zu schützen, helfen aber bei Nutzung von Dritt-Anbietern nicht vor Überwachung. Und selbst bei direkten VPN-Verbindungen stellt sich immer die Frage nach Hintertüren, weiteren Schlüsseln und so weiter. Na ja.

  2. Wird bei der Chromeinstallation nicht eine eindeutige ID erzeugt, die somit den User eindeutig identifizierbar macht?

    Das hebelt denn die Anonymität über VPN aus.

    Abgesehen davon hat jeder Browser einen fast einmaligen Fingerprint.

  3. Hmm irgendiw zweifel ich dennoch daran (auch ohne Alu-Mütze :) )… Denn so das Erste was man in Marktwirtschaft lernt ist:

    “Ist das Produkt kostenlos, dann bist du das Produkt!”

    “…besuchen sie lediglich die Website des Dienstes und installieren das kostenlose Chrome-Plugin.”

    • Darüber bin ich anfänglich auch gestolpert. Aber wie im Artikel erwähnt gilt dies nur in der Anfangsphase. Anschließend wird es eine funktional beschränkte Gratis-Variante und Pro-Accounts geben.

  4. Sehr geehrter Herr Weigert,
    in der oberen Stelle der Webseite steht: …besuchen sie lediglich die Website des Dienstes und installieren das kostenlose Chrome-Plugin.
    .
    Welche Webseite soll ich da besuchen und was soll ich installieren?
    Für die Antwort vielen Dank.

  5. Hi, hier ist Linus von ZenMate.
    Danke für Euer großes Interesse an unserem Produkt und die angeregte Diskussion. Wir sind übrigens unter support@zenmate.io erreichbar falls ihr Fragen zu uns oder unserem Dienst habt. Fragen, die hier gestellt werden, können wir leider nicht immer zeitnah beantworten. Weitere Informationen und häufig gestellte Fragen findet ihr auch in unserer FAQ: https://zenmate.io/faq
    Viele Grüße, Linus

5 Pingbacks

  1. [...] auch ZenMate. Dahinter steht ein deutsches StartUp das mit einem kleinem VPN-Addon ein sicheres Surfen via [...]

  2. […] als Plug-In für Ihren Chrome Browser installiert werden. Nach positiven Berichten auf Neuwertig.com und Chip Online und positiven Selbsttests, können wir diesen einfachen und viel Mehrwert bringenden […]

  3. ZenMate sagt:

    […] auch ZenMate. Dahinter steht ein deutsches StartUp das mit einem kleinem VPN-Addon ein sicheres Surfen via […]

  4. […] Sicherer im Netz bewegen: ZenMate bringt VPN-Funktionen für die Masse: VPNs ermöglichen sicheres Surfen, sind aber für Otto-Normal-Nutzer zu kompliziert. Das Berliner Startup ZenMate bringt nun VPN-Funktionen als komfortables Plugin für den Chrome-Browser. Einer der besten Wege, die eigene Internetnutzung sicherer zu gestalten, sind VPN-Verbindungen. – by Martin Weigert – http://netzwertig.com/201…-vpn-fuer-die-masse/ […]

  5. […] Nun ihr könnt es auch auf tape.tv sehen. Aber ich hab noch einen viel besseren Tipp für euch, wie ihr die lästigen Sperren von Videos umgehen könnt. Mit der wunderbaren Erweiterung für Chrome – die es hoffentlich bald auch für Firefox gibt: Zenmate. ZenMate hilft einem ncht nur, die internetverbindung zu verschlüsseln, sondern es eignet sich wunderbar dazu das unsinnige Geoblocking (“Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar…”) zu umgehen, um die Inhalte zu sehen, die man sehen möchte. Egal, wo man sich befindet. Gute Nachricht also für Sherlock-Fans: damit man man auch prima die BBC in Deutschland sehen. Oder das Schweizer fernsehen. Oder eben auf YouTube oder anderen Musik- und/oder Videoportalen gesperrte Songs. Zu dem in Berlin entwickelten Dienst gibt’s auch einen Artikel auf neztwertig: ZenMate bringt VPN-Funktionen für die Masse. […]

 
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