Empfehlungen digitaler Bewegtbildinhalte:
Tweek erwartet den großen Durchbruch

Das Berliner Social-TV-Startup Tweek blickt angesichts eines endlich aufblühenden Ökosystems rund um digitale Bewegtbildinhalte zuversichtlich in die Zukunft. Hoffnungsträger sind Integrationen der Technologie in Angebote und Produkte Dritter.

Als Ende 2011 die geschlossene Beta-Phase des Berliner TV-Discovery-Dienstes Tweek begann, ahnten die drei Gründer Sven Koerbitz, Klaus Hartl und Marcel Düe bereits, dass sie einiges an Arbeit vor sich haben würden. Denn der Online-Videomarkt und sein Ökosystem befanden sich noch in den Anfängen. Für die Hauptstädter hieß das, dass sie zwar – gute Algorithmen vorausgesetzt – Empfehlungen für Filme und TV-Content auf Basis der von Nutzern bei Facebook angegebenen Präferenzen und Interessenmerkmale generieren konnten. Um die jeweiligen Inhalte dann Tweek-Nutzer direkt zugänglich zu machen, waren aber intensive Verhandlungen sowie die Integration einer Vielzahl unterschiedlicher Schnittstellen erforderlich. Gleichzeitig hielt sich die Zahl der spezialisierten und schon hinreichend gereiften Anbieter in diesem Segment in Grenzen, weshalb das Trio vieles selbst in die Hand nehmen musste – etwa manuell im Netz verfügbare Videoinhalte zusammenzusuchen.

Doch mittlerweile sieht die Lage anders aus, erlärte mir Tweek-Mitgründer Marcel Düe im Gespräch. Seiner Beobachtung nach entwickelt sich das Ökosystem gerade gut. Es erscheinen immer mehr Player auf der Bildfläche, die sich entlang der Wertschöpfungskette von Web-TV und -Videos ansiedeln, sei es im Bereich der Vermarktung oder der Indexierung von On-Demand-Content. Indem die Branche insgesamt reift und Know-how ansammelt, gewinnt das Segment an kollektiver Stärke – selbst wenn die Rechteinhaber tendenziell noch immer eher zögerlich sind, was die Öffnung für externe Services angeht.

Externe Integrationen und White-Label-Lösung

Das Tweek-Team hält sich bisher mit der Bekanntgabe von Wachstumszahlen zurück. Angesichts des frühen Stadiums, in dem sich der Markt befindet, und der contentbedingt beschränkten Verfügbarkeit von Tweek (erhältlich für iOS in Deutschland und Großbritannien) verwundert es nicht, dass die Hauptstädter bisher keine Explosion der Anwenderzahlen bekannt geben konnten. Dennoch sind die Macher sehr zuversichtlich, was die Zukunft angeht. Grund dafür ist nicht nur das prognostizierte Aufblühen des Internet-TV-Sektors, sondern speziell die gerade errichtete zweite Säule des Dienstes:

Künftig will Tweek seine Dienste für Drittanbieter bereitstellen. Einen Vorgeschmack dafür, wie dies aussehen kann, liefert eine Integration des neuen Tweek-Widgets in die iPad-Applikation des Online-Essenvermittlers Lieferheld. Nachdem Hungrige über die Anwendung die gewünschten Speisen bestellt haben, empfiehlt ihnen Tweek am unteren Bildschirmrand Live-TV-Inhalte und On-Demand-Content abhängig vom Bestellzeitpunkt und der erwarteten Lieferdauer. Die Inhalte stammen wie bei Tweek üblich aus den Mediatheken von ARD, ZDF und Arte sowie von einigen On-Demand-Services und natürlich von iTunes. Der Download der Tweek-App ist nicht erforderlich, um die empfohlenen Videos betrachten zu können, auch wenn die Berliner natürlich die Gelegenheit nutzen, den ein oder anderen User für Tweek zu konvertieren.

Tweek-Integration bei Lieferheld

Kriterien für die Auswahl der Empfehlungen sind der aktuelle Tageszeitpunkt sowie die Länge des jeweiligen Programms (die zur Lieferdauer passen soll). Eine tiefergehende Abstimmung zwischen Inhalt und bestellter Speise erfolgt zwar momentan noch nicht, aber Tweek-Co-Founder Marcel Düe hält es durchaus für möglich, dass das Tweek-Widget eines Tages Serien oder Filme empfiehlt, die in irgendeiner Form zur bestellten Mahlzeit passen.

Tweek plant, das Widget auch in anderen Drittangeboten platzieren zu lassen. Ein offensichtlicher Use Case wäre etwa, wenn neben Meldungen zu Stars und Sternchen passender TV- und Filmcontent angepriesen wird. Für Tweek ist das Widget primär eine Möglichkeit, um Reichweite und Bekanntheit zu erhöhen. Als neue, wichtigste Erlösquelle dienen hingegen tiefergehende Einbettungen der Tweek-Technologie in Produkte von Video-on-Demand-Diensten, Streaming-Services und Hardware-Herstellern. Hier sind auch White-Label-Lösungen angedacht.

B2B als erhoffter Umsatzbringer

Empfehlungen auf Basis von Facebook und Twitter sind technisch nicht trivial, gibt Marcel Düe zu bedenken. Bei Tweek seien zweieinhalb Entwickler damit beschäftigt, permanent den Schnittstellen von Facebook und Twitter “hinterherzurennen”. Viele Dienste im Videobereich seien daran interessiert, Signale aus dem Social Web zu berücksichtigen, hätten aber weder Lust noch Ressourcen, sich selbst mit den technischen Eigenheiten abzumühen. Hier sieht Tweek seine große Chance. Man wolle sich auf das Alleinstellungsmerkmal fokussieren, Video- und TV-Inhalte anhand von Verbindungen zwischen existierenden Daten im Social Web zu empfehlen. Insgesamt zehn Leute arbeiten mittlerweile an dieser Vision. Während das B2B-Geschäft für die Umsatzgenerierung in den Mittelpunkt rückt, verspricht Düe, dass das B2C-Geschäft dabei nicht in Vergessenheit gerät. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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