Ampya:
Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

ProSiebenSat.1 schickt einen eigenen Musikabo-Dienst ins Rennen, der mit Spotify und Simfy konkurrieren soll und als Extra eine Videosammlung bietet. Im Beta-Test zeigt sich, dass Ampya nichts bahnbrechend Neues bietet, aber durchaus liebevoll gestaltet ist.

AmpyaMusikabos teilen sich mittlerweile in zwei Kategorien auf: Solche, über die man spricht, wie Spotify oder Deezer. Und solche, um die es kurz nach dem Start wieder sehr ruhig wurde, wie Juke, Wimp und Rara. Hier gesellt sich nun ein weiterer dazu, dessen auffälligste Besonderheit ist, dass er von der Magic Internet Musik GmbH aus Berlin angeboten wird, einer Tochter der Senderkette ProSiebenSat.1.

Die gute Nachricht vorweg: Man hat bei Ampya eher das Gefühl, noch etwas davon zu hören. Die Website tritt im modernen Design auf, die Sammlung braucht sich mit ihren 18 bis gut 20 Millionen Songs (der Anbieter nennt beide Zahlen) und einer Sammlung von gut 50.000 Musikvideos vor Spotify und Simfy nicht zu verstecken. Neu erfunden haben die Berliner das Musikstreaming allerdings auch nicht.

Ampya soll sich nach Wunsch der Anbieter wie “Empire” aussprechen (was ich noch nicht so recht einsehe). Derzeit läuft der Beta-Test, für den man sich wortwörtlich “bewerben” darf. Das Angebot ist anders als etwa Spotify und Simfy nicht in einem eigenen Desktop-Client verfügbar, sondern nur als Browser-Version, sowie als App für iOS und Android. Das Preismodell folgt ebenfalls denen der anderen Anbieter. Ein zweiwöchiger Test der Premium-Version ist kostenlos, danach geht es auf Wunsch kostenlos mit einem werbefinanzierten Angebot weiter. Will man auf die Werbung verzichten, zahlt man knapp 5 Euro im Monat, für die werbefreie Nutzung auf Desktop und einem iOS- oder Android-Gerät werden knapp 10 Euro im Monat fällig. Das mehr oder weniger gleiche Angebot findet man bei fast allen Mitbewerbern.

Videosammlung und ein leicht anpassbares Radio

Nach der Registrierung begrüßt Ampya den Nutzer mit einem schmaleren Player links und mit mehr Platz für Empfehlungen rechts. Die Darstellung wirkt modern und aufgeräumt: Für den aktuellen Song erscheint ein großes Bild des Album-Covers, das man gleichzeitig als Play/Pause-Taste benutzen kann. Alternativ spielt Ampya an gleicher Stelle ein Musikvideo ab, wenn es sich beim Titel um ein solches handelt. Wer einen Zugang erhalten hat, kann es hier als Test einmal mit “Bronx Sniper” von Mister Heavenly versuchen. Unterhalb des aktuellen Titels bietet Ampya Titel an, die musikalisch dazu passen, also ein interaktives Radio. Die Auswahl hier passte im Test gut zu den von mir gewählten Songs. Auch weitere Radio-Stationen, die man – genre- oder künstlerbasiert – über das Hauptmenü anwählen kann, lassen sich nach eigenem Gusto sortieren. Allerdings habe ich bisher im Player auf der Startseite keine Vor oder Zurück-Tasten gefunden. Wer bei seinem Test darauf stößt, ist bitte so freundlich, mir mitzuteilen, wo sie sich verstecken…

Ampya: Neuer Musikabo-Dienst von ProSieben.Sat1

Ampya: Neuer Musikabo-Dienst von ProSieben.Sat1

Playlisten heißen bei Ampya “Mixtapes”, eine Hommage an die Kompaktkassette der 80er und 90er Jahre. Titel, die man mag, kann man mit einem Klick auf ein Haus-Symbol favorisieren (anderswo heißt das “liken” oder “lieben”) und daraus eine Liste erstellen, die man unter dem Menüpunkt “Meine Musik” immer wieder aufrufen kann. Die sozialen Funktionen scheinen sich darauf zu beschränken, dass man Songs mit einem Klick auf Facebook (und auch nur dort) mit der Welt teilen kann. Freunde, die auf den Link in ihrer Facebook-Timeline klicken, werden zu Ampya umgeleitet und können dort ohne eigenen Account in die ersten 30 Sekunden des Songs reinhören.

Ampya liegt schon zum Zeitpunkt des Starts zurück

Ein Schwerpunkt liegt auf der der Funktion “Entdecken”, die sich direkt beim Einloggen auf zwei Dritteln der Seite darum kümmert, den Nutzer mit neuer Musik zu versorgen. Neuerscheinungen, redaktionelle Auswahl von Titeln und verschiedene offizielle Charts sollen bei der Auswahl helfen. Mich erinnert die prominente Darstellung der Neuerscheinungen an Deezer und sie übertrifft in meinen Augen die etwas unkoordinierte Ansicht bei Spotify.

Das, was Ampya jetzt kann, ist also durchaus gelungen. Allerdings findet der Nutzer hier praktisch zu diesem Zeitpunkt – von der Videosammlung abgesehen – nichts anderes als das, was er von anderen Diensten bereits kennt. Eher im Gegenteil: Es fehlen Möglichkeiten, wie bei Spotify und Rdio Freunde hinzuzufügen, sich in das einzuschalten, was sie hören, oder Playlists zu abonnieren. Deezer und Spotify bieten darüber hinaus eigene Plattformen für kreative Musik-Apps wie Shuffler.fm oder Songkick. Spotify fördert einige Künstler mit eigenen Profilseiten.

Noch hat es eigentlich keiner der zahlreichen Dienste geschafft, ein anwenderfreundliches Social Network für Musik nach dem Vorbild von Facebook zu schaffen. Aber Spotify und Deezer sind in meinen Augen die Kandidaten, die diese Herausforderung als erste meistern können. Und Ampya? Ist nett gemacht, aber ein Dienst, der schon zum Zeitpunkt des Starts gegenüber der Konkurrenz zurückliegt.

Link: Ampya

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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13 Kommentare

  1. ProSieben hat ja die Finanzpower, das alles so lange durchzufüttern :-)
    Mal sehen, wer vorher aufgibt…

  2. Ich nutze schon seit Jahren simfy und bin aufgrund der besseren Usability nun auf rdio umgestiegen. Bei ampya ist mir nicht klar, welchen Mehrwert der Dienst gegenüber den anderen bietet?!

    • Ja, in vielen Ländern gibt es ja das Phänomen, dass sich Geschäfte einer Art möglichst dicht beieinander ansiedeln. Frei nach dem Motto, wenn hier ein Saftstand (Elektronikladen, Friseuer, …) läuft, laufen auch 20.

      Über Fernsehwerbung eine kritische Masse zusammenbekommen? Immerhin erreicht man übers TV gut jene Gelgenheitsuser, die die Konkurrenz nicht kennen und nicht erst 10 Angebote testen – der Preis ist ja ok.

      Wobei … kritische Masse gibt es ja gar nicht. Es gibt ja gar keine Kommunikation zwischen Usern. Ich kann Dinge bei Facebook teilen (und zwar nur öffentlich für alle). Und sonst nix.

  3. Wieso wird in aller Welt noch simfy als BEISPIEL fürs music streaming genannt?? Die sind fast tot – kaum Premiumnutzer.. Spotify ist die Nummer 1 in Deutschland. Dann sollte man aber auch schon Napster nennen bzw. Deezer.

  4. Spotify wird trotzdem das rennen machen. Finanzpower ist auch dort absolut kein Problem, seit schon sehr früh Sean Parker (Napster, Facebook) eingestiegen ist. Die Konkurrenz aus Deutschland sieht anständig aus und vor allem der Werbeeffekt über die Haussender ist nicht zu unterschätzen. Ich hoffe er kann sich höher etablieren als myvideo gegen Youtube.

  5. Hallo zusammen,
    über den Werbespot undd Google kam ich zu diesem Bericht. Zunächst einmal drücke ich Ampya die Daumen, dass sie sich am Markt etablieren können. Ich kann allerdings ebenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum Napster nicht genannt wird. Sind sie doch eigentlich die Mutter aller Sreamingdienste. Ich hatte Napster schon vor 6 Jahren genutzt. Den Fehler den Napster aus meiner Sicht gemacht hat ist, dass sie keine Software im klassischen Sinne verwenden und auf den Zug der webbasierten Lösung aufgesprungen sind. Hier ist Spotify klar im Vorteil. Die Verwaltung der Musik geht ihne Probleme von statten. Seit gestern benutze ich Bluestacs, da ich mit meinem Basevetrag mtvmusic gratis nutzen kann (Napster). Mit bluestac wird Android unter Windows emuliert und die Apps vom Handy zum PC synchronisiert. Super Sache, denn nun kann ich wieder die Musik von Napster auf dem PC verwalten und auch dort hören. Also, egal welchen Dienst man nutzt, mit bluestac und der Emulation kann man auch auf dem PC hören. Diese Möglichkeit bietet mtvmusic nicht.
    Viel Spass beim Streamen
    Det1970

  6. mit der aussprache des namens geht es mir genauso!! :D

  7. Anscheinend wird der eigentliche Musik-Dienst durch Mondia Media aus Hamburg als White Label Lösung bereitgestellt:
    http://finanznachrichten.…osiebensat-1-007.htm

  8. Meiner Meinung hat Ampya keine Chance. Es sieht zwar recht gut aus, jedoch die Funktionalität ist nicht sehr gut. Oft wartet man Ewigkeiten auf einen Stream oder es gibt einen Internen Fehler.

    Spotify ist einfach zu bekannt und zu groß. Das eröffnen einer neuen Musik Plattform ist genauso hirnrissig wie ein neues Social Network zu entwickeln…

    Den Erfolg würde ich aber allen gönnen. Eine “große” Facebook alternative währ ja ach mal ganz nett

  9. Vor kurzem zum Testmonat angemeldet. Geld wurde trotzdem abgebucht. Auf Nachfrage kein Entgegenkommen. App nicht ausgereift, was bei mir zu Abstürzen führt. Nicht empfehlenswert!!!
    Spotify ist da eindeutig die bessere Alternative!

  10. Für mich sieht es nach einer Attacke der letzten 3 grossen Major-Labels aus. Die Majors haben ja, wie jeder gut informierte Indie-Musiker weiss, jeder ein gemeinsames Unternehmen mit der 100%-igen Pro 7 Tochter namens “Starwatch” . We Love Music (Pro7 Starwatch ) mit Universal Music, Starwatch Music mit Warner Music, SevenOne Music mit Sony Music . Den Majors geht es schon länger auf den wirtschaftlichen Keks, dass sie bei den etablierten Streamingdiensten nur prozentual beteiligt sind. Was liegt denn da näher, als gleich den eigenen Streamingdienst zu eröffnen und dort richtig zu verdienen. Das Pro7 Konglomerat baut ja im Interesse seiner Major-Label-Geschäftspartner die ihnen zugehörigen Künstler auf. Win-Win für alle.

  11. Ich habe Ampaya mal als Demo laufen lassen und fand dort eine ganze Menge was mich persönlich sehr anspricht ,Chance hin oder her ,ich finde es sehr nützlich, da ich einen All in On PC als Wohnzimmer PC zu stehen habe mit Android und ich das wunderbar mit meinem Smartphone kombinieren könnte .

    Trotz alle dem werde ich mich aber auch nach anderen Alternativen umsehen ,bevor ich auf so ein Angbot eingehe.

    Trotzdem schöne APP und danke für den Artikel dazu.

2 Pingbacks

  1. [...] doch mal rein und schreibt uns eure Meinung. Könnt ihr euch dem Fazit vom Blog netzwertig.com „Hübsch anzusehen, aber ohne neue Funktionen“ anschließen? Oder bieten die Musik-News für [...]

  2. [...] kostenlosen werbefinanzierten Version über einen Test Zeitraum hinaus, was aber laut einem Review und Artikel von Netzwertig mittlerweile zum Standard gehört. Sonst wird der Service als nicht spektakulär [...]