Netzberühmtheiten freuen sich:
Brandnew.io verwandelt Instagram-Feeds in Werbefläche

Das Berliner Startup Brandnew.io ermöglicht es Instagram-Anwendern mit signifikanten Followerzahlen, durch das Veröffentlichen von werblichen Motiven Geld zu verdienen. Das Prinzip soll bald auf andere Fotodienste wie Pinterest und Tumblr erweitert werden.

40 Millionen Fotos werden täglich bei Instagram publiziert. Die Mehrzahl davon erreicht eine verschwindend geringe Zahl an Betrachtern. Hinter den meisten Schappschüssen stehen Nutzer mit vergleichsweise wenig Followern. Doch eine kleine Gruppe an Usern der Foto-Sharing-App hat es geschafft, Abonnenten im sechs- oder siebenstelligen Bereich für sich gewinnen zu können. Dazu gehören Stars und Sternchen, aber auch “Netzprominente”, also User ohne vorherigen Bekanntheitsgrad aus den Medien, denen es gelungen ist, im Web eine massive Anhängerschaft aufzubauen.

Speziell für Instagram-Berühmtheiten, die nicht außerhalb sozialer Medien viel Geld als Schauspieler, Musiker oder Model verdienen, eröfffnet sich in der enormen Gefolgschaft bei dem Foto-Service eine interessante Einnahmequelle. Als Influencer würden in ihren geteilten Fotos platzierte Werbebotschaften unweigerlich eine starke Wirkung entfalten und somit aus Sicht von Firmen besonders attraktiv sein. Das war zumindest die Vermutung von Francis Trapp. Zusammen mit seinem Companion Malte Münchert entschloss er sich, das Thema genauer zu untersuchen. Schnell bestätigte sich die Annahme des in Berlin beheimateten Duos. Brandnew.io war geboren.

Nur für Instagram-Promis 

Acht Wochen verbrachte Trapp damit, Instagram-Anwender zu kontaktieren und ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einem neuartigen visuellen Werbenetzwerk zu erfragen. Rund 500 Personen aus einer Vielzahl von Ländern schrieb er an. Gemein hatten sie eine überdurchschnittlich große Anhängerschaft. Die Resonanz fiel sehr positiv aus: 15 Prozent der kontaktierten Instagram-Promis registrierten sich bei dem Dienst der Hauptstädter, der reichweitenstarken Instagrammern eine lukrative und mit geringem Aufwand verbundene Erlösquelle verspricht. Das funktioniert so:

Zwischen 20 und 1000 Euro pro Foto

Von Trapp und Münchert freigeschaltete User können im Mitgliederbereich aus verschiedenen gerade laufenden, thematisch zu ihnen passenden Werbekampagnen wählen, an deren Verbreitung sie sich beteiligen möchten. Anschließend veröffentlichen sie das entsprechende Kampagnenfoto in ihrem Instagram-Stream. Für jeden Brandnew.io-Nutzer berechnen die Berliner anhand verschiedener Datenpunkte wie Followers, Kommentare und Likes die durchschnittliche Reichweite. Davon ausgehend wird das Honorar für die Verbreitung eines Werbebildchens definiert. Brandnew.io verzichtet auf eine erfolgsbasierte Vergütung – die bei Instagram auch schwierig wäre – und definiert einen individuellen Festpreis, der Teilnehmern an dem Programm direkt vorab angezeigt wird. Laut Co-Founder Francis Trapp liegt die Spanne derzeit zwischen 20 und 1000 Euro pro Foto.

Ambitionierte Roadmap

Mit allen derzeit partizipierenden Instagrammern erreichen Trapp und Münchert momentan rund 22 Millionen Nutzer. Kein Wunder, dass Unternehmen neugierig werden. Zu rund zwei Dutzend Firmen hat das Startup bisher Kontakte geknüpft, darunter Nike, BMW, Toyota und Redbull. Die ersten Kampagnen laufen mittlerweile. Damit fließen wenige Monate nach der Gründung Anfang 2013 schon die ersten Umsätze in die Kasse des Startups. Seine Macher veranlasst das zu der Überlegung, den bisher gewählten Bootstrapping-Ansatz fortzusetzen. Allerdings ließen sich mit externem Kapital die nächsten Schritte schneller in die Wege leiten.

Denn Trapp und Münchert haben einiges vor: So wollen sie Brandnew.io zeitnah auf andere visuelle Plattformen erweitern, darunter Pinterest und Tumblr. Außerdem feilen die Jungunternehmer derzeit an einer zweiten Kampagnenform, bei der Werbekunden nicht einfach die Motive bereitstellen und für die generierte Reichweite bezahlen, sondern bei Brandnew.io teilnehmenden Multiplikatoren Produkte anbieten, die diese verwenden und sich für einen Instagram-Post dabei fotografieren. Frühzeitig soll Brandnew.io auch eine Präsenz in New York bekommen, um eine lokale Nähe zum Nabel der internationalen Werbebranche aufzubauen.

Schon derzeit ist die handselektierte Anwenderschaft sehr international. 25 Prozent der mitmachenden Instagram-User sind aus Europa (15 Prozent aus Deutschland), 50 Prozent stammen aus den USA und 20 Prozent aus Südamerika. Vorläufig fokussieren sich die Berliner auf User mit mehr als 100.000 Followern bei Instagram, wobei die Untergrenze abhängig vom Herkunftsland variiert. Der gemeine Instagram-Hobbyfotograf mit 20, 50 oder ein paar hundert Abonnenten wird also mit Brandnew.io ersteinmal nicht sein Taschengeld aufbessern können.

Wie reagiert Instagram?

Bleibt die Frage, was Instagram und andere fotozentrische Plattformen von dem Konzept halten. Trapp betont, dass das Vorgehen mit den Instagram-Geschäftsbedingungen konform geht. Nutzer werden von Brandnew.io darauf hingewiesen, dass die Textunterschrift des Kampagnenfotos auf dessen werblichen Charakter hinweisen muss. Letztlich obliegt es aber den Instagram-Stars, ob sie diese Transparenz an den Tag legen. Dass Instagram Brandnew.io behindern könnte, glaubt Trapp nicht. Der zu Facebook gehörende Foto-Dienst würde es nach seiner Beurteilung nicht riskieren, seinen reichweitenstärksten und wichtigsten Benutzern die Grundlage zum Geldverdienen zu entziehen. Brandnew.io hat also nicht nur eine für Werbungtreibende hochattraktive Reichweite geschaffen, sondern kann sich auch der Unterstützung einer einflussreichen Gruppe von Personen sicher sein. Keine dumme Strategie. /mw

Link: Brandnew.io

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Linkwertig: Türkei, Gmail, Y Combinator, Impressum

27.3.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Türkei, Gmail, Y Combinator, Impressum

Ein türkisches Gericht hat die Sperrung von Twitter wieder aufgehoben und mehr.

Wettbewerb der Kommunikations-Apps: Instagram und der vermeintliche Snapchat-Neid

16.12.2013, 0 KommentareWettbewerb der Kommunikations-Apps:
Instagram und der vermeintliche Snapchat-Neid

Instagrams Einführung einer Funktion für Direktnachrichten führte zu regen Vergleichen mit Snapchat. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Linkwertig: Norwegen, Twitter, Instagram, Nachrichten

13.12.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Norwegen, Twitter, Instagram, Nachrichten

Die EU scheint die Musiklizenzierung in Europa zumindest rudimentär zu modernisieren und mehr.

Ein Kommentar

  1. Der link von instlike löscht sich nicht von meiner biographie bei instagram! Habe schon instagram de-und neuinstalliert und die app instlike gelöscht nichts klappt! Dort wird dann angezeigt es ist ein instagram Fehler aber ich verstehe es nicht!

Ein Pingback

  1. [...] Netzberühmtheiten freuen sich: Brandnew.io verwandelt Instagram-Feeds in Werbefläche | net… “Das Berliner Startup Brandnew.io ermöglicht es Instagram-Anwendern mit signifikanten Followerzahlen, durch das Veröffentlichen von werblichen Motiven Geld zu verdienen. Das Prinzip soll bald auf andere Fotodienste wie Pinterest und Tumblr erweitert werden.” [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder

  • Sponsoren

  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.
 
vgwort