Ampya:
ProSiebenSat.1 stellt MyVideo einen Musikstreamingdienst an die Seite

ProSiebenSat.1 AG wird einen eigenen Musikstreamingdienst starten. Ampya soll Zugriff auf Songs und Musikvideos bieten und wie Spotify auch in einer Gratisversion angeboten werden.

AmpyaIm Jahr 2010 wäre der Start eines neuen Streamingdienstes für On-Demand-Musik noch eine größere Meldung wert. Mittlerweile existieren jedoch allein in Deutschland 19 abobasierte – und häufig austauschbare – Streaming-Dienste. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern, von simfy bis Rdio, von JUKE bis Deezer, liegen meist nur im Detail. Und gegen die aggressive Gratis-Preispolitik des Branchenprimus Spotify kommen die wenigsten an.

Wenn sich nun noch ein weiterer Neuling in diesem heiß umkämpften und noch immer von vielen, “lokale” Musiksammlungen bevorzugenden Nutzern ignorierten Segment zu etablieren versucht, dann hat diese Nachricht eigentlich nur sehr geringe Bedeutung – es sei denn, es handelt sich um ein wirkliches Schwergewicht, das aus dem Stand eine massive Reichweite aufbauen und viele Anwender an den Musikkonsum mittels Streaming anstelle von Käufen heranführen kann. Genau ein solches Schwergewicht plant nun in der Tat den Einstieg in den Streamingsektor: Die ProSiebenSat.1 AG steht kurz vor dem Launch eines Streaming-Dienstes namens Ampya.

Songs, Musikvideos und redaktionelle Inhalte

An Details zu Ampya mangelt es noch, die entsprechende Website wird bisher mit einem Passwort geschützt. Eine Facebook-Seite gibt jedoch bereits einen Vorgeschmack auf das auf einen recht eigenwilligen Namen getaufte Projekt, bei dem laut Eigenbeschreibung “Millionen von Songs, Videos und Künstler darauf warten, entdeckt zu werden”. Ein Blick in das Impressum auf besagter Facebook-Seite bestätigt auch die von musikmarkt.de zitierte W&V-Meldung, nachdem Ampya von der Magic Internet Musik GmbH betrieben wird. Die ProSiebenSat.1-Tochter steckt auch hinter dem Videoportal MyVideo.

Angesichts dieser Verbindung verwundert der angekündigte Fokus auf Songs sowie Videos nicht. Ein Insider beschreibt Ampya uns gegenüber als Kreuzung von Rdio (Streaming-Service mit dem Konzept der eigenen Musikbibliothek), MyVideo (aber nur Musikvideoinhalte) sowie einer kleinen “Bild-Zeitung der Musik” (redaktionelle News zu Stars und Sternchen). Der Medienkonzern aus Unterföhring versucht demnach mit Ampya, eine musikalische Rundumlösung zu bieten, die in einzelnen Aspekten über das Angebot der existierenden Streamingdienste hinausgeht.

Freemium-Strategie

Ein offizieller Launch-Termin steht noch nicht fest, in Kommentaren auf der Facebook-Seite ist von einem geplanten Debüt im Mai zu lesen. Neben dem obligatorischen Abo für unbegrenztes Streaming wird Ampya nach unseren Informationen auch eine Free-Komponente beinhalten. Wie diese jedoch genau ausgestaltet wird und ob sie an den nahezu unlimitierten Charakter von Spotifys Desktop-Version heranreicht, wissen wir nicht. Auch wenn sich kostenfreies, werbefinanziertes On-Demand-Streaming in den letzten Jahren immer wieder als Verlustbringer erwiesen hat, stellt es ein wichtiges Marketingwerkzeug dar, um User erstmalig mit diesem Verfahren des Musikhörens vertraut zu machen und in einem späteren Schritt konvertieren zu können. Will Ampya tatsächlich einen tiefen Abdruck im Streamingmarkt hinterlassen, wird es hinsichtlich der Attraktivität dem Innovations- und Preisführer Spotify in nichts nachstehen dürfen.

Reichweite und MyVideo-Synergien

Der entscheidende Konkurrenzvorteil von Ampya liegt freilich in der enormen Reichweite der ProSiebenSat.1-Mediengruppe. Selbst wenn der Service konzeptionell dem Wettbewerb unterlegen wäre, würden die Bayern mit Werbespots über die eigenen Kanäle schnell hunderttausende Menschen auf das Projekt aufmerksam machen können. Die Entwicklung unter dem Dach der MyVideo-Betreiberin dürfte zudem gewisses Synergiepotenzial hinsichtlich Konzept, Infrastruktur und juristischer Aspekte bieten. Von daher stehen die Vorzeichen für Ampya erst einmal gar nicht schlecht.

Nicht uninteressant wird sein, die Reaktion der RTL-Mediengruppe zu sehen. Jetzt wo ihre Widersacherin ProSiebenSat.1. ins Streaminggeschäft einsteigt, stellt sich automatisch die Frage, ob die Kölner ähnlichen Pfaden folgen werden. Vielleicht bietet sich hier für einen der existierenden Abodienste die Gelegenheit, für ein nettes Sümmchen unter das Dach von RTL zu ziehen. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Ampya: Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

13.6.2013, 15 KommentareAmpya:
Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

ProSiebenSat.1 schickt einen eigenen Musikabo-Dienst ins Rennen, der mit Spotify und Simfy konkurrieren soll und als Extra eine Videosammlung bietet. Im Beta-Test zeigt sich, dass Ampya nichts bahnbrechend Neues bietet, aber durchaus liebevoll gestaltet ist.

DG Discovery: Deutsche Grammophon veröffentlicht eigene Musik-Streaming-App nur für Klassik

25.8.2014, 4 KommentareDG Discovery:
Deutsche Grammophon veröffentlicht eigene Musik-Streaming-App nur für Klassik

Das zu Universal gehörende Traditionslabel veröffentlicht mit DG Discovery eine Musik-Streaming-App, die nur klassische Musik aus dem eigenen Katalog beinhaltet. Ein Konzept, das Nachahmer finden könnte.

Neue iPhone-App ohne Aufnahme-Funktion: SoundCloud deutet an, wohin die Reise geht

27.6.2014, 2 KommentareNeue iPhone-App ohne Aufnahme-Funktion:
SoundCloud deutet an, wohin die Reise geht

Mit einer überarbeiteten iPhone-Applikation gibt SoundCloud eine erste Antwort auf die Frage, wohin die Reise für das Musik-Startup geht: weg vom nutzergenerierten und schöpferischen Fokus, hin zum bequemen Anhören von Musik.

Zukunft von SoundCloud: Exit oder Label-Partnerschaften - alles ist möglich

18.6.2014, 5 KommentareZukunft von SoundCloud:
Exit oder Label-Partnerschaften - alles ist möglich

Die Berliner Audioplattform SoundCloud könnte die Geschichte der Musikindustrie neu schreiben - oder am Ende mangels Profitabilität doch von einem Netzgiganten geschluckt werden. Gerüchte gibt es viele. Eine Bestandsaufnahme.

Linkwertig: Kappes, Friedrich, Stalder, MyVideo

15.10.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Kappes, Friedrich, Stalder, MyVideo

Text zum Stand vom Internet und mehr.

Für mehr Filme und Serien im Originalton: MyVideo inspiriert die Konkurrenz

26.6.2012, 8 KommentareFür mehr Filme und Serien im Originalton:
MyVideo inspiriert die Konkurrenz

MyVideo, das Videoportal von ProSiebenSat.1, zeigt vermehrt US-Serien als Erstausstrahlung und bietet dabei neben der synchronisierten Fassung auch die Version im Originalton an. Dies sollte den Wettbewerb inspirieren.

Linkwertig: Social Media, Facebook, Spotify, MyVideo

20.6.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Social Media, Facebook, Spotify, MyVideo

Pingdom hat analysiert, wie viele der Top 10.000 Domains Facebook, Twitter und Google Plus integrieren und andere Links.

Live-TV-Streaming: Magine überredet ProSiebenSat.1, es auch mal zu probieren

23.1.2014, 2 KommentareLive-TV-Streaming:
Magine überredet ProSiebenSat.1, es auch mal zu probieren

Lange zierte sich die ProSiebenSat.1-Gruppe in Deutschland, externen Onlinediensten das Live-Streaming seiner Sender zu erlauben. Magines Überzeugungskünste konnten den Widerstand brechen: Ab März sind die Kanäle der Bayern bei dem TV-Service dabei.

Ampya: Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

13.6.2013, 15 KommentareAmpya:
Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

ProSiebenSat.1 schickt einen eigenen Musikabo-Dienst ins Rennen, der mit Spotify und Simfy konkurrieren soll und als Extra eine Videosammlung bietet. Im Beta-Test zeigt sich, dass Ampya nichts bahnbrechend Neues bietet, aber durchaus liebevoll gestaltet ist.

Linkwertig: Vorratsdatenspeicherung, Tweetdeck,  Foursquare, Seven Ventures

20.4.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Vorratsdatenspeicherung, Tweetdeck, Foursquare, Seven Ventures

Die EU schlampt bei der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung, Twitter bietet 50 Millionen Dollar für Tweetdeck und mehr.

Die Zukunft des Fernsehens: Ich brauche keinen Streaming-Stick, ich will eine Mega-Monstermaschine

13.10.2014, 25 KommentareDie Zukunft des Fernsehens:
Ich brauche keinen Streaming-Stick, ich will eine Mega-Monstermaschine

In der Zukunft des Medienkonsums sollen wir selbst Programmdirektor sein. Punkt. Doch selbst wenn wir das wollten, wird uns Live-TV wegen vieler Vorteile fehlen - es sei denn, wir arbeiten mit cleverer Hybridtechnik dagegen. Doch das erforderte weit stärkere Maschinen, als wir sie heute nutzen.

Amazon kauft Twitch, Google setzt Serie verpasster Chancen fort: Jeff Bezos’ großer Coup

26.8.2014, 3 KommentareAmazon kauft Twitch, Google setzt Serie verpasster Chancen fort:
Jeff Bezos’ großer Coup

Die Milliarden-Akquisition von Twitch durch Google schien in trockenen Tüchern. Doch in letzter Minute taucht Amazon auf und schnappt sich das schnell wachsende Spiele-Streaming-Portal. Google entgeht abermals ein dicker Fisch.

\

23.7.2014, 3 Kommentare"Blue Button":
Schweizer Werbe- und Startup-Allianz will TV-Spots aus der Steinzeit holen

Millionen Menschen schauen Fernsehprogramme mittlerweile über das Internet. Doch in den Werbeblöcken wird das sich daraus ergebende Potenzial bislang komplett vernachlässigt. In der Schweiz soll sich das jetzt ändern: Ein Technologie-Startup, der führende Werbevermarkter sowie drei Streaming-Services machen dazu gemeinsame Sache.

2 Kommentare

  1. Super, da freut sich Pro7 ja sicherlich auch total über die Drosselung der Telekom :D Ich bin mal gespannt, wie sich das Netz entwickeln wird – sowohl im Bereich der Internet-Anbieter (und deren Drosselungen) als auch im Streaming und Cloud-Bereich. Da dürfte es ja schon einige Schwierigkeiten geben und Streitpotential ist da ausreichend vorhanden.

  2. Klingt für mich, als wollen sie mehr und mehr das junge Publikum für sich erschließen. Ich weiß nicht ob dies auf Dauer der richtige Weg ist.

3 Pingbacks

  1. [...] Ampya ProSiebenSat.1 stellt MyVideo einen Musikstreamingdienst an die Seite ProSiebenSat.1 AG wird einen eigenen Musikstreamingdienst starten. Ampya soll Zugriff auf Songs und Musikvideos bieten und wie Spotify auch in einer Gratisversion angeboten werden. Netzwertig.com [...]

  2. [...] Informationen von Netzwertig soll der Dienst bereits im Mai starten und neben der branchentypischen Bezahlvariante auch einen [...]

  3. [...] AMPYA: ProSiebenSat.1 stellt MyVideo einen Musikstreamingdienst an die Seite [...]

vgwort