Apples iWatch:
Die übergeschnappte Gerüchteküche

Die Tech-Gerüchteküche ist ja generell ein verrückter Ort, an dem alles möglich erscheint, was nicht offensichtlich Unsinn ist. Völlig frei dreht die Szene aber inzwischen bei der Apple iWatch. Hier überholen sich die Gerüchte schon selbst.

iWatch

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Ein Ende des Fragezeichen-Journalismus forderte Martin Weigert kürzlich. Wir bei neuerdings.com können das unterschreiben. Wir lesen auch alle Gerüchte, aber wir rennen nicht jeder Sau hinterher, die gerade durchs digitale Dorf getrieben wird. Es ist auch einfach zu verrückt, selbst wenn wir manchmal auch nicht widerstehen können. Dass Apple und Samsung vielleicht beide Smartwatches herausbringen, wäre doch wirklich eine Schau.

Aber auch sonst ist es sehr verführerisch, Gerüchte weiter zu verbreiten. Sie sind oftmals so viel interessanter als die tatsächlichen Produkte. Und sie sind Teil einer Vorfreude, wie wir sie vielleicht noch von ganz früher aus der Vorweihnachtszeit kennen. Was kommt und ob sich unsere Hoffnungen und Wünsche erfüllen, ist immer eine spannende Frage. Und ähnlich verhält es sich mit Gerüchten. Sie garantieren fast immer Klicks. Viele Leser sind gespannt, was kommt. Mancher muss es sogar wissen, weil ein Kauf ansteht. Und alles in allem gilt: Die Schlagzeilen lesen sich nun einmal gut. Es sind eben Gerüchte und damit nicht selten Geschichten, die in etwa so wahr sind wie Grimm’s Märchen.

Apple bla bla bla angeblich bla bla…

Besonders gut funktioniert das übrigens mit allem rund um Apple. Aktuell ist die Marke so bekannt und begehrt, dass man als Blogger oder Journalist kaum daneben liegen kann, “Apple” in irgendeine Überschrift einzubauen. Die Leute klicken es einfach. In zehn Jahren ist der Glanz der Marke vielleicht vergangen, aber das ist der aktuelle Stand der Dinge.

Normalerweise ist das eine Sache, die ich zur Kenntnis nehme. Immer wenn ich in einer Gerüchtenews auf das Wort “Analyst” treffe, höre ich beispielsweise generell auf zu lesen. Ich weiß nicht, ob in der Geschichte der Menschheit ein Analyst bereits einen Produktlaunch korrekt vorhergesagt hat. Sie wissen in der Regel gar nichts, sondern spekulieren einfach, so wie jeder andere auch. Weil sie Analysten sind, werden sie aus irgendeinem Grunde gern als Quellen zitiert. Man kann sie getrost vergessen.

Quellen wie die DigiTimes haben dagegen eine Trefferquote, die immerhin um und bei “Zufallstreffer” liegt. Manche wie @evleaks hingegen sind ziemlich glaubwürdig. Und meistens war es auch das Wall Street Journal, das sich allerdings mit seinem Bericht über die angeblich enttäuschenden Verkaufszahlen des iPhone 5 ziemlich blamiert hat.

Normalerweise kann man das alles ein Kuriosum der Techszene abtun. Was aber derzeit rund um die angebliche Apple-Smartwatch iWatch passiert, ist kaum noch fassbar.

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Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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