Medienwandel:
Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist

Online-Journalisten waren lange Zeit die Schmuddelkinder ihres Berufsstandes. Es wird Zeit, dass sich diese Wahrnehmung ändert. Denn nirgends kann man seine journalistische Leidenschaft so sehr ausleben wie im Internet.

Seit 1994 verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Journalist. Seitdem ich 1997 auf das Internet gestoßen bin, hat es mich nicht mehr losgelassen. Damals hatte ich mir gerade nach jahrelanger Arbeit als Praktikant und Pauschalist bei einer Lokalzeitung das Volontariat verdient. Aber mir war klar, dass im Lokaljournalismus nicht meine Zukunft liegen würde. Es war bereits zu sehen, wie die Redaktionen immer weiter eingedampft wurden. Das Internet aber war noch vollkommen unerschlossenes Land.

15 Jahre später schreibe ich nun diesen Beitrag. Und es ist erstaunlich, dass ein Plädoyer für den Beruf des Online-Journalisten überhaupt notwendig scheint. Denn für mich ist es die großartigste Form, diesen Beruf auszuüben.

Journalisten bevorzugen die klassischen Medien

Auch unter jungen Nachwuchsjournalisten hat das Internet einen schlechten Ruf. Die richtigen Jobs, die erstrebenswerten Positionen gibt es nach dieser Sichtweise vielfach nur in den klassischen Medien. Zeitungen, Magazine, Radio und Fernsehen sind begehrenswert, weil die Stellen knapp und die Reichweiten oft hoch sind. Im Internet aber kann schließlich jeder schreiben.

Das stimmt sogar. Schreiben und Veröffentlichen kann hier jeder. Die große Herausforderung ist eine ganz andere: gelesen zu werden. Um das zu schaffen, muss man sich beweisen und das im Zweifel ohne eine starke Medienmarke im Rücken, einfach durch seine Arbeit. Hier zeigt sich meiner Meinung nach, wer für sein Thema und seinen Beruf brennt.

Die Freiheit des Netzes

Das Schöne am Journalismus im Netz ist die große Freiheit und Vielfalt, die er bieten kann. Ich bin nicht auf eine Form wie Text oder Ton oder Bild beschränkt. Wer will und kann, probiert und kombiniert. Es gibt keinerlei Beschränkungen dafür, wie lang oder kurz ein Inhalt ist. Gibt es beispielsweise viele gute Bilder, kann man sie alle zeigen. Es existiert in der Regel kein Redaktionsschluss und Inhalte können fließend erweitert und aktualisiert werden, sofern notwendig.

Zugleich hat man die prinzipielle Freiheit, von einem nahezu beliebigen Ort aus zu arbeiten – sind Strom und Internet da, geht es los.

Zu oft gilt noch “Quantität vor Qualität”

Oder ist diese Sichtweise etwa zu optimistisch? Die journalistische Qualität so mancher Onlinemedien ist erschreckend. Da macht es bedauerlicherweise auch keinen Unterschied, wenn die Website einen großen Namen aus der klassischen Medienwelt trägt. Zu viele setzen auf Masse, auf schnelle Meldungen, auf möglichst sensationelle Überschriften, auf Tricksereien mit SEO und bei Google News. Zeitungen und Magazine, die in ihren Printausgaben als Eckpfeiler demokratischer Willensbildung gesehen werden könnten, verkommen online zu hingepfuschten Boulevardnews-Schleudern. Sie brauchen die Klicks. Andere Strategien werden nicht ernsthaft ausprobiert.

Aber das muss nicht so sein und das wird nicht immer so bleiben. Denn die intelligenten Leser mit hohen Ansprüchen an ihre Informationsquellen sind bereits online zu finden. Und die wollen ebenfalls bedient werden. Heute gehen die Perlen der Berichterstattung in den großen Newsportalen fast unter. Es gibt sie, aber man muss sie suchen. Viel besser wäre es, ich würde nur noch diese Perlen bekommen. Das ist unter anderem der Ansatz von The Magazine, das ich vor einigen Wochen hier vorgestellt hatte. Und das ist doch eigentlich auch das, was eine gute Tageszeitung oder ein gutes Magazin generell auszeichnet.

Selbstverwirklichung für alle

Aber ein Journalist muss sich heute nicht mehr davon beschränken lassen, ob es ein Medium gibt, für das er so arbeiten kann, wie er es gern möchte. Das Gute am Internet ist: Jeder kann die Chance ergreifen, etwas selbst auf die Beine zu stellen, sich auszuprobieren und sich zu beweisen. Man braucht wenig Startkapital. Stattdessen braucht es eine gute Idee, Können und Willensstärke. Das kann ein Projekt mit mehreren Mitstreitern sein, oder aber man schafft sich seinen eigenen Platz im Netz, auf dem man alles das schreibt, was man andernorts (noch) nicht unterbringt. Dort kann man sich selbst verwirklichen und dort kann man zeigen, was wirklich in einem steckt. Und auf diesem Weg lässt sich kombiniert mit Social Media und anderen Aktivitäten eine enorme Reichweite erzielen.

Natürlich stellt sich am Ende die Frage, wie gut man davon leben kann. Online ist die Konkurrenz groß, die Einnahmen aus Werbung sind gering. Andere Einnahmemodelle wie Paid Content oder Bezahlschranken etablieren sich nur schleichend langsam, wenn überhaupt. Entsprechend sehen oftmals die Honorare aus. Es hat den “Traumberuf Journalist” allerdings schon lange ausgezeichnet, dass ihn viele ergreifen wollen und längst nicht alle davon leben können. Im Web hat man heute zumindest die Möglichkeit, sich über seine eigenen Projekte zu profilieren und eine Öffentlichkeit zu erreichen, die einem früher verschlossen war. Dass die Arbeit vielfach schlecht bezahlt wird oder am liebsten sogar kostenlos erledigt werden soll, ist dennoch kein Geheimnis. Allerdings kenne ich das wiederum bereits aus meiner Anfangszeit, wenn Themenbereiche wie der Lokalsport beispielsweise ausschließlich von Hobbyautoren behandelt wurden und der Redakteur nur noch zum Redigieren benötigt wurde.

Mein persönliches Fazit sieht jedenfalls wie folgt aus: Wer nach maximalem Ansehen strebt, ist online wahrscheinlich noch immer an der falschen Stelle, denn besser angesehen bleibt hierzulande der Journalist in einem klassischen Medium. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben, aber ich bin überzeugt, dass sich das die nächsten Jahre wandeln wird. Wer hingegen nach maximaler Selbstverwirklichung strebt und seinen Beruf ausleben möchte, kann sich jetzt schon jeden Tag dankbar dafür zeigen, dass es so etwas wie das Internet gibt.

(Foto: Flickr/Anonymous Account, CC BY 2.0

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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15 Kommentare

  1. “Und es ist erstaunlich, dass ein Plädoyer für den Beruf des Online-Journalisten überhaupt notwendig scheint.”

    Wirklich erstaunen tut mich das nicht.
    Neue Medien wurden schon immer pauschal dem Verdacht der Unseriösität ausgesetzt. Das war beim Kino im 19. und beim Fernsehen im 20. Jahrhundert nicht anders.
    Beim Internet kommt noch dessen Charakter als sehr kommerzlastiges Medium hinzu. Außerdem sind manche “geistigen Ergüsse” im Internet ja nun wirklich “unter aller Kanone”, You-Tube Kommentare unter geschichtlichen Dokumentationen bieten hier ein anschauliches Beispiel

  2. Ich betreibe nun seit drei Jahres das Kultur-Webzine negativewhite.ch und mittlerweile ist die Redaktion von zwei auf ganze 18 Mitarbeitende angewachsen. Und alle schreiben ehrenamtlich, versteht sich.
    Eben heute habe ich mich ebenfalls mit dem Online-Journalismus auseinander gesetzt (http://janoschtroehler.co…kampf-um-nahrstoffe/). Und letztlich stellt sich immer nur eine Frage: Wie sticht man aus der Menge?

    Ich bin davon überzeugt, dass es erst zu einem Mangel an qualitativen Produkten kommen muss, bis sich in der Konsumgesellschaft – wo der Grundsatz “möglichst viel für möglichst wenig” gilt – das Bewusstsein für Qualität wieder durchsetzt.

    Trotzdem habe ich mich für ein Journalismus-Studium entschieden.
    Wieso? Die Welt ist im Wandel. Das kann Gefahr und Untergang bedeuten, aber vor allem bieten sich hier Chancen für Experimente. Diese Gelegenheit muss ich einfach ergreifen!

  3. Schönes Stück jati, viel Wahres drin. Allerdings kommt mir die Kehrseite ein wenig kurz: Stichwort „Meldungen kloppen im Hamsterrad”, gerade im Technikumfeld geht das auch viel mit Copy-and-Paste (nebst Eindeutschung) von US-Meldungen einher. Den Freiraum für längere, dann auch multimedial aufbereitete Stücke muss man sich erkämpfen, mindestens.

    Im Print gibt’s das natürlich auch, gerade im Lokalen (PR-Verwurstung). Aber zB bei der c’t geht’s erfahrungsgemäß schon deutlich anders zu, da gibt es richtig Zeit für Recherchen und ausführliche selbst ausgetüftelte Teststrecken. Anderes Beispiel: Meine Schwester ist Politik-Redakteurin bei der FAS, was Journalisten da für Mittel bereitgestellt bekommen (um sich über ihre Arbeit selbst zu verwirklichen)…

    Ist natürlich nur eine Momentaufnahme, auch diese Blätter verlieren Auflage und müssen sich wandeln. Aber Stand jetzt sind die meisten heutigen Online-Publikationen für mich weit weg vom journalistischen El Dorado.

    Ciao
    Johannes

  4. Ein schöner Beitrag, der die Situation im Online-Journalismus gut wiedergibt. Vor allem trifft die Feststellung des Autors den Nagel auf den Kopf, dass es nicht schwierig ist, online zu schreiben, sondern gelesen zu werden. Und da gibt es nur einen zentrales Kriterium, um eine ständige Leserschaft zu finden: Qualität. Das, was jemand schreibt, muss einfach gut sein. Ob das ein Journalist ist oder nicht, ist zweitrangig. Daher verstehe ich nicht ganz, warum ausgerechnet der Online-Journalismus ein Schmuddelkind-Image hat. Denn die Konkurrenz, die ihre Sache besser macht, ist immer nur einen Klick entfernt. Daher muss ich mir doch mehr Mühe geben, als anderswo. Wenn ich eine Tageszeitung abonniert habe, dann halte ich als Leser auch die ein oder andere schlechte Ausgabe aus. Denn das Abo zu kündigen und eine passende Alternative zu finden, erfordert einen nicht unerheblichen Aufwand. Wenn ich aber auf einem Blog vier oder fünf schlechte Artikel nacheinander lese (oder wochenlang überhaupt nichts), dann fliegt das Ding aus dem Feedreader. Eine starke Marke im Hintergrund hilft da nur bedingt weiter. Nur Qualität zählt. Aber das haben nur wenige der großen Medienverlage bisher verstanden.

  5. Jeder kann schreiben, aber nicht alles Geschriebene ist auch lesenswert. Ganz anders Ihr Artikel. Sehr interessant, mal die andere Seite zu lesen.

    Ich fange gerade mit dem Bloggen an und merke schon, dass eine journalistische Zusatzausbildung hilfreich wäre. Bin eigentlich technisch orientiert.

    Die weitere Entwicklung des Journalismus betrachte ich einfach weiter neugierig, viele Bereiche gehen definitiv weg vom Print (Lexika). Andere bleiben hartnäckig dabei (Belletristik)

  6. @Janosch Trödler: „Ich betreibe nun seit drei Jahres das Kultur-Webzine negativewhite.ch und mittlerweile ist die Redaktion von zwei auf ganze 18 Mitarbeitende angewachsen. Und alle schreiben ehrenamtlich, versteht sich.“

    Ähem, „alle ehrenamtlich“ – und das ist jetzt das traumhafte … ?

    In der Überschrift des Artikels stand doch „Traumberuf“ und nicht „Traumhobby“…

    Sich verwirklichen ist gut, selbstbestimmt schreiben ist auch gut. Aber das ist das eine. Mit einem Beruf sich und andere ernähren zu können, ist das andere. Keine Angst: ich will hier nicht Gräben aufziehen oder wehklagen.

    Aber der Befund einer Krise des Berufs Journalist ist nicht neu, und das Symptom „Überproduktion“ – auch durch kostenlose Texte von ehrenamtlich schreibenden – ist weder neu, noch von der Hand zu weisen, siehe auch: http://carta.info/53230/d…nem-meer-von-texten/

  7. @hest
    Da muss ich widerspechen:

    1. Die Begrifflichkeit “Hobby” ist dem Aufwand, den das Webzine mittlerweile generiert, schlicht nicht gerecht. Das eigene Blog zu koordinieren ist eines, die Artikel von Mitarbeitenden zu redigieren, online zu stellen und zu bewerben sowie Kontakt zu Künstlern, Veranstaltern, Promotern und Werbepartnern zu pflegen, die unzähligen Promo-Eingänge wie CDs oder Videos zu sichten, sind etwas gänzlich anderes. Täglich investiert die Redaktionsleitung (neben mir noch zwei weitere Personen) mindestens 2-3h pro Person, ohne auch nur einen einzigen Artikel geschrieben zu haben.

    2. Als Mitglied der Jungen Medien Schweiz, dem Verband der Jugendmedien, unterstellt sich negativewhite.ch den gleichen journalistischen Richtlinien wie sämtliche Tages-/Wochenzeitungen,… Den Anspruch, den wir pflegen und klar kommunizieren, ist ein professioneller.

    3. Die Überproduktion kommt als Argument nur bedingt zum Zuge. Was wirklich relevante Berichterstattung ist, ist letztlich immer subjektiv. Mein Webzine hat sich die Sparte Kultur ausgesucht und deckt ein Leserbedürfnis, welches von grossen Verlagen ignoriert wird.

    4. Der Autor bricht mit seinem Text nicht zwingend eine Lanze für den “TraumBERUF”. Die von ihm genannten Freiheiten werden innerhalb von Redaktionen mit Richtlinien dennoch beschnitten. Die Selbstverwirklichung hat auch in einem Newsportal seine Grenzen. Freien Lauf kann man seiner Kreativität nur durch Eigenständigkeit lassen. Dazu aus dem Text: “Das Gute am Internet ist: Jeder kann die Chance ergreifen, etwas selbst auf die Beine zu stellen, sich auszuprobieren und sich zu beweisen. Man braucht wenig Startkapital. Stattdessen braucht es eine gute Idee, Können und Willensstärke.”

    • @Janosch Trödler: Je professioneller und qualitätshaltiger IhrMagazin und andere Angebote arbeiten, womöglich auch mit Finanzierungsmöglichkeiten, desto mehr muss doch die Frage erlaubt sein, weshalb dann 18 Mitarbeiter ohne Bezahlung arbeiten.
      Aber, vielleicht hat der ()Online-)Journalismus nur so eine Chance, Traumberuf zu sein.
      Dann ist ab sofort jedem, der sich dafür entscheidet, so früh wie möglich zu einem (echten) beruflichen Standbein zu raten. Bei Sportvereinen klappt das ja auch, da leisten die Ehrenamtlichen hervorragend Arbeit in der breite, aber mit Profi-Abteilunge können nur ganz wenige Vereine arbeiten und Sportlern zu einem (leider meist nur temporären) Traumberuf MIT Traum-Einkommen verhelfen, staaltiche Leistungssportförderung im übrigen mit inbegriffen.
      Wer also karrieretechnisch vorsorgt, kann sich im Traumberuf Online-Journalist verwirklichen, mehr oder weniger oder gar nicht bezahlt. Für den Lebensunterhalt sorgt … irgendwas anderes.

    • @hest

      TröHler, bitte.

      Um es klar zu stellen: Ich verdiene genauso viel wie alle anderen auch, also nichts.
      Momentan ist es tatsächlich so, dass ich mir den Traumberuf durch einen normalen Bürojob finanziere (hier sei erwähnt, dass ich jeden Monat einen höheren, zweistelligen Betrag dafür investiere).
      Trotzdem bilde ich mich ja – wie gesagt – mit einem Studium in die Richtung des Journalismus weiter. Für mich ist das Webzine deshalb auch eine erste Erfahrung und Experimentierfeld. Vielleicht arbeite ich irgendwann Vollzeit als Journalist, vielleicht aber auch nicht. Zum Glück habe ich bereits eine Ausbildung in der Tasche. Dann kann ich immer noch nebenbei etwas schreiben.

      Aber zurück zu Ihrer dringenden Frage, weshalb sie ohne Bezahlung mitarbeiten: Die Löhne sind auch im durchprofessionalisierten Journalismus nicht so attraktiv wie im Bankenkader. Für meine Kollegen und mich (und ich denke auch für viele festangestellte Journalisten) ist der wahre Lohn doch die Anerkennung der eigenen Leistung, ein positives Feedback. Davon kann man zwar kein Brot kaufen, aber es ist die Energiereserve.

    • @Janosch Tröhler: Erstmal ‘tschuldigung für den Tippfehler im Namen.

      „Für meine Kollegen und mich (und ich denke auch für viele festangestellte Journalisten) ist der wahre Lohn doch die Anerkennung der eigenen Leistung, ein positives Feedback. Davon kann man zwar kein Brot kaufen, aber es ist die Energiereserve.“

      Gewiss, gewiss, die Einstiegsphase soll so sein, Anerkennung und Feedback geben Energie, ich bin schon ruhig. Erinnern Sie sich einfach daran, wenn Sie ein paar Jahre weiter sind, Familie haben und nicht nur Feedback-Energie benötigen, sondern Lebensunterhalt. Wenn Ihnen dann angestellte Redakteure gut gehender Magazine als freiberuflicher Mitarbeiter sagen, dass freie Autoren in der Regel kostenlos arbeiten, weil es doch das Feedback zählt, dann sehen Sie das alles womöglich mit anderen Augen. Daher mein Rat: Halten Sie solange wie möglich an Ihrem Bürojob fest!

    • @hest
      Da muss ich natürlich ebenfalls beipflichten. Wobei ich nicht Freiberufler als direktes Ziel vor mir habe. Auch wenn die Kultur mein Lieblingsressort ist, bin ich offen für Neues. Von Kultur allein lässt’s sich kaum leben.

      Mein Studium dauert drei Jahre, in dieser Zeit kann viel passieren. Dann gibt es womöglich anstatt Abbau wieder Aufbau. Das weiss noch niemand. Unwissenheit ist ein Segen und mein jugendlicher Idealismus wahrscheinlich auch. Sonst würde ich mich wohl an den (extrem monoten) Verwaltungsjob klammern.

  8. Ich glaube, dass ist ein generelles Problem von online/digital. Wer z.B. nur eBooks schreibt wird auch nicht so ernst genommen wie jemand, der nur Print-Bücher schreibt. Aber ich würde es auch nicht zu weit treiben, es gibt eine Handvoll bekannter Journalisten, zwei Dutzend Fernsehmoderatoren und kaum einen Radiomoderatoren, den man als Externer kennt. Wer Anerkennung sucht sollte das woanders suchen. Das Qualitätsargument überzeugt mich ehrlich gesagt auch nicht so ganz. Für mich zählt die pure information, alles andere filtere ich raus, die Einordnung muss IMO heute von den Menschen selbst vorgenommen werden, das können und sollen die Journalisten nicht mehr machen. Und das sich Qualität durchsetzt stimmt auch nicht so ganz, schließlich werden die ganzen Klickstrecken doch geklickt, ansonsten würde man sie ja nicht mehr bringen, oder?

  9. angesichts dessen, dass ein großteil der recherche heutzutage im netz geschieht, sollte zwischen print und online kein unterschied mehr herrschen.

  10. es geht doch nicht darum, die erstrebenswerten jobs im printbereich zu ergattern. es geht darum, dass man von seinem beruf halbwegs leben kann. und den beruf des online-journalisten muss man sich leisten können. davon leben können die wenigsten.

  11. Schöner Artikel, zwei Anmerkungen

    “Viel besser wäre es, ich würde nur noch diese Perlen bekommen. ”

    Bis auf ein grundsätzliches “der Artikel muß fachlich korrekt und verständlich geschrieben sein” tue ich mich schwer “Perlen” zu definieren. Was dem einen eine Perle ist, ist für den anderen nur ein Kügelchen. Außerdem würde ich gerne Informationen nicht nur aus einer Quelle, sondern aus meheren Quellen beziehen. Warum nicht für ein SZ, FAZ und einen thematisch passenden Insider-Blog mischen
    und sich dann seine eigene Meinung bilden? Das würde ich spannend finden.

    Vielleicht wäre ein erweitertes Stream-Konzept hier eine Lösung, so wie ich es hier skizziert habe
    http://bandikutmedia.de/e…-statt-seitenkonzept

    Was den Punkt Ansehen angeht:

    “Wer nach maximalem Ansehen strebt, ist online wahrscheinlich noch immer an der falschen Stelle, denn besser angesehen bleibt hierzulande der Journalist in einem klassischen Medium”

    Das würde ich so nicht sehen. Das ist immer nur geliehene Autorität. Es ist etwas anderes, wenn ich sage “Ich komme von der Zeit und nöchte ein Interview”, als wenn ich sage “Ich war mal bei der Zeit…”

    Im Internet zu reüssieren ist deutlich schwerer. Definitiv. Aber wenn man es geschafft hat, dann steht man selbst im Rampenlicht und das Ansehen und der Respekt gelten der eigenen Person. Mühsam, aber lohnend wie man z.B. and en Herren Lobo und Pallenberg sehen kann.

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