Hello:
Evernotes überaus gelungene Kontaktverwaltungs-App für das iPhone

Evernote veröffentlichte jüngst eine neue iPhone-Version seiner Kontaktverwaltungs-App Hello. Das Versprechen: Anwendern zu helfen, mit geringstem Aufwand die meisten Informationen über Personen sammeln zu können, die sie persönlich kennenlernen.

Lange Jahre versuchte ich, Visitenkarten bewusst aus meinem Leben zu verbannen. Doch sämtliche Apps, die sich zum Ziel gesetzt haben, die kleinen Papierkärtchen mit den Buchstaben und Zahlen darauf zu ersetzen, scheiterten an zu geringem Nutzerinteresse oder zu umständlicher Handhabung. Irgendwann beendete ich dann meine Blockadehaltung und fand mich einfach damit ab, noch einige Jahre beim für viele Menschen rituellen Visitenkartentausch mitzumachen – und mich mit den jeweiligen Personen dann im Nachgang über einschlägige Geschäftsnetzwerke zu vernetzen. Einfacher wurde das, als ich die zu LinkedIn gehörende Visitenkarten-Scanner-App Cardmunch entdeckte, die einen sofort mit dem Besitzer einer Visitenkarte über LinkedIn verknüpft. Leider gibt es Cardmunch nicht im deutschsprachigen App Store, außerdem hat gerade in unseren Gefilden nicht jeder ein LinkedIn-Konto. Konkurrent Xing spendierte seiner mobilen App im Herbst ebenfalls eine Scanner-Funktionalität für Visitenkarten. Doch aufgrund der regional begrenzten Verbreitung von Xing ist auch diese nicht universell einsetzbar. Hinzu kommt sowohl bei Cardmunch/LinkedIn als auch bei Xing, dass ich häufig bei erstmaligen Zusammentreffen mit neuen Kontakten nicht nur an einer Vernetzung interessiert bin, sondern auch Meta-Daten zu Zeitpunkt und Ort automatisiert festhalten möchte. Was ich am liebsten hätte, wäre eine Art digitales “Tagebuch” darüber, wann ich wo wen im beruflichen Kontext getroffen habe – weniger umständlich und verklausuliert als damals bei Hashable.

Hello 2.0 ist deutlich vielseitiger als sein Vorgänger

Mit Evernotes Kontaktmanagement-App Hello geht mein Wunsch in Erfüllung. Veröffentlicht wurde Hello als vom Onlinenotizbuch Evernote losgelöste Anwendung im Dezember 2011. Mein werter Kollege Jürgen Vielmeier hatte – damals noch bei Basic Thinking – einen Blick auf das kostenlose Tool geworfen. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Denn in der ersten Version war es erforderlich, dass der Gesprächspartner seine Kontaktdaten händisch eingibt, anschließend wurde noch ein schnelles Foto von ihm angefertigt. Sukzessive erschuf man auf diese Weise eine Art privates soziales Netzwerk. Integrationen mit den etablierten Business Networks fehlten. Und die Notwendigkeit zum Eintippen der Kontaktdaten garantierte unpassende Unterbrechungen laufender Gespräche.

Vor einigen Wochen präsentierte Evernote eine deutlich überarbeitete Fassung von Hello – anfänglich nur für das iPhone, aber die nachgebesserte Android-Version dürfte bald folgen. Das Ziel von Hello 2.0: Anwendern zu helfen, mit geringstem Aufwand die meisten Informationen über Personen sammeln zu können, die sie persönlich kennenlernen. Der Anspruch ist hoch, aber die App des Unternehmens aus dem kalifornischen Redwood City kommt diesem in jedem Fall sehr nah.

Hello offeriert Usern vier verschiedene Wege, um Kontakte aus persönlichen Zusammentreffen festzuhalten: Nach wie vor kann ein Eintrag manuell durch die Eingabe von Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Twitter-Kürzel angelegt werden. Eine zweite Möglichkeit stellt die Funktion “Hello Connect” dar, mit der andere Benutzer der App in der unmittelbaren Nähe gesucht werden, anschließend lassen sich deren Kontaktdaten direkt übernehmen. Hello setzt für diesen Prozess auf eine Identifizierung über ein kurzes Audiosignal. Man muss also sehr nah beieinander stehen. Auch kann man Hello die Genehmigung geben, Kontaktangaben aus Kalendereinträgen direkt in Hello zu übernehmen.

Visitenkarten scannen, erkennen und digital aufbewahren

Das meines Erachtens nach beste Feature von Hello ist der Visitenkarten-Scan – die vierte Option, um eine geschäftliche Bekanntschaft festzuhalten. Denn nach wie vor stellt der Austausch der Business Cards in einer Interaktion von Angesicht zu Angesicht das gängigste Verfahren dar, um den Gesprächspartnern die persönlichen Koordinaten zukommen zu lassen. Der Prozess hat den Vorteil, dass er eine laufende Konversation nicht unnötig lange unterbricht. Nur stellt sich im Nachhinein für Verfechter des papierlosen Büros die Frage, was sie mit der Karte machen. Hello liefert hier eine ideale Lösung: Man scannt die Karte und berichtigt eventuelle Fehler der automatischen Texterkennung. Anschließend befindet sich der Scan der Karte im Hello-Speicher, chronologisch sortiert nach Datum des Zusammentreffens. Das Original kann ins Altpapier. Hello ermöglicht außerdem die direkte Kontaktanfrage bei LinkedIn, sofern die E-Mail-Adresse auf der Visitenkarte mit der bei LinkedIn registrierten übereinstimmt. Auch eine unmittelbare Personensuche bei Facebook ist möglich. Zu jedem Scan hält Hello den Zeitpunkt und den Ort fest, der sich durch einen Zugriff auf foursquares Locationdatenbank auch noch konkretisieren lässt.

Mit Hello erstellt man also sukzessive das von mir beschriebene Tagebuch an Geschäftsbekanntschaften, welches sich im Volltext durchsuchen lässt. Die Kombination aus Speicherung gescannter Visitenkarten UND äußerst bequemer Vernetzungsmöglichkeit über LinkedIn schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (eine Xing-Integration wäre sicher für viele deutschsprachige Nutzer wünschenswert). Auch die Bedienung der hübsch gemachten Applikation geht gut von der Hand.

Der Visitenkarten-Scanner wird von Evernote als “Premium Feature Vorschau” bezeichnet, die für einige Monate kostenfrei genutzt werden kann. Alle Scans und Daten werden außerdem auf das Evernote-Konto angerechnet. Wer mehr als die im Gratispaket enthaltenen 60 Mbyte monatlichen Datentransfer generiert, muss auf das kostenpflichtige Evernote-Premium-Paket wechseln.

Ich schließe nicht aus, dass mich Hello letztlich dazu bringen könnte, ein zahlender Evernote-User zu werden. Bisher konnte ich die allgemeine Faszination für das vielseitige Onlinenotizbuch nicht so richtig teilen. Doch Hello scheint mir der ideale Begleiter für geschäftliche Termine zu sein, und es liefert eine elegante Lösung für das “Visitenkartenproblem”. /mw

Link: Hello

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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9 Kommentare

  1. Interessant, aber eine Verbindung zu LinkedIn, Facebook, Twitter und ein Zusammenführen dieser Kontakte wird nicht geboten?

  2. Ich wette, das die meisten meiner Kontakte nicht sehr begeistert wären, wenn ich deren Kontaktdaten ohne Zustimmung in einer (US-)Cloud abspeichern würde. Wie seht ihr das?

  3. @ Stefan
    Keine Zusammenführung, aber du kannst wie im Text erwähnt direkt aus der App heraus Kontaktanfragen bei LinkedIn stellen.

    @ Andreas
    Halte ich für unproblematisch. Das sind Visitenkarteninformationen, die von ihren Besitzern häufig möglichst breit gestreut werden und zumeist schon irgendwo öffentlich im Internet zu finden sind.

  4. Jau, zusammenführen wäre insbesondere wegen eines bei LinkedIn gespeicherten Bildes interessant. Wenn es jetzt noch eine WP-Version gäbe, wäre ich happy.

  5. Vorab: Wenn Hello die Mailadresse auf LinkedIn oder Facebook (falls man die Verbindung erlaubt) findet, dann wird der Kontakt damit verknüpft – und auch ein Profilbild von dort nach Hello geholt.

    Mit 2.0 habe ich zu Hello (zurück) gefunden. Jetzt wird die Anwendung interessant. Denn bisher habe ich meine Visitenkarten direkt in Evernote eingescannt.

    Was mir noch nicht ganz gefällt. Sofern man bei einem Termin keine Kontakte zugeordnet hat, kann man den Termin in Evernote nicht zuordnen. Auch nachträglich kann man nur das Datum und Uhrzeit des Treffens ändern – jedoch nicht einen Betreff hinzufügen – jedoch Notizen.

    Immerhin kann man damit Visitenkarten von früher erfassen und auch Datumsmäßig rückdatieren.

    Bis jetzt habe ich erst ein paar Kontakte erfasst. Mal sehen, wie übersichtlich und praktisch dies nach einem Jahr aussieht.

  6. Ich bin ja ein großer Evernote-Freund und nutze es auf viele Weisen. Hello hatte mich bislang nicht so interessiert, aber das werde ich mir jetzt auf jeden Fall noch einmal anschauen. Dass das Scannen und Erkennen der Visitenkarten noch einmal extra kosten soll, finde ich allerdings nicht so prima. Schließlich kann Evernote von Haus aus Texte in Bildern erkennen und durchsuchbar machen. Ich habe schon diverse Dinge fotografiert, auch ganze Textseiten und Evernote findet die entsprechenden Texte wieder. Insofern würde es auch so schon reichen, die Visitenkarte via Evernote zu fotografieren. Auch Uhrzeit und Ort der Notiz werden ohne Hello bereits in Evernote standardmäßig bei jeder “Notiz” festgehalten. Man könnte dann bei Bedarf manuell weitere Hintergrundinfos ergänzen, Schlagwörter vergeben etc. Das nur mal als Tipp.

    Die automatische Verknüpfung zu sozialen Netzwerken fällt dann natürlich weg. Aber ob ich die wirklich haben möchte, steht noch auf einem anderen Blatt…

    • Ja theoretisch könntest du das auch in Evernote speichern. Aber ich mag für diesen speziellen Use Case ein darauf optimiertes Interface.

      Die Verknüpfung zu sozialen Netzwerken ist afaik nicht automatisch. Nach dem Scan und der Texterkennung hast du die Möglichkeit, dieser Person bei LinedIn eine Kontaktanfrage zu schicken. Das ist ungemein praktisch, finde ich.

    • Ja, das stimmt. Ein optimiertes Interface ist natürlich wesentlich besser. Ich habe Evernote bislang auch nicht dafür genutzt und wahrscheinlich liegt es genau daran. Es muss eben so simpel wie nur irgend möglich gehen, ansonsten macht man es doch wieder nicht…

  7. Ich war genau in der gleichen Situation wie der Blogautor und teste nun sehr gerne Hello. Was mich im Moment nicht überzeugt: Ich will diese Kontakte weder in jedem Fall als Linkedin-Kontakte noch in meinem Adressbuch. Entsprechend entsteht hier quasi noch einmal eine separate Adressdatenbank.

    Aber die Meta-Informationen sind sehr nützlich, auch wenn hier hier noch diverses Verbesserungspotential sehe. Wenn ich nämlich erst am Abend die Visitenkarte einscanne, ist es relativ umständlich, den Ort der Begegnung zu ändern.

    Einmal mehr bin ich aber einfach von Xing und Linkedin enttäuscht: Beide könnten so viel mehr aus ihren Apps und ihrem Netzwerk rausholen…

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