Social Recruiting:
JobCrowd macht Internetnutzer zu Headhuntern

Das Münchner Unternehmen JobCrowd hat ein Stellenportal gestartet, bei dem Firmen drei- oder vierstellige Prämien für die erfolgreiche Vermittlung von Bewerbern ausloben. Der Dienst ist damit ein Art Affiliate-System für Jobs.

In vielen Branchen herrscht Fachkräftemangel. Traditionelle Stellenanzeigen bringen für Firmen nicht immer den erhofften Effekt. Denn hochqualifizierte Talente sind umkämpft und haben deshalb nur eine geringe Motivation, sich auf eine herkömmliche Jobanzeige hin zu bewerben. Innovative Onlinestartups versuchen mit neuartigen Konzepten, dem sogenannten “War for Talent” und den neuen Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Poachee ermuntert nicht aktiv nach neuen Herausforderungen suchende Angestellte, sich abwerben zu lassen, und Silp versucht, das persönliche Facebook-Kontaktnetzwerk in die Vermittlung mit einzubinden. Letztere Vorgehensweise fällt unter das Label “Social Recruiting”. In diesem Segment will auch ein neues Münchner Startup Fuß fassen. JobCrowd heißt es, ist seit November online und versucht, ein von immer mehr Verstärkung suchenden Unternehmen eingesetztes Instrument systematisch zur Vermittlung von Bewerbern zu nutzen: Belohnungen.

Es gehört mittlerweiler zur gängigen Praxis, dass Firmen ihre Angestellten dazu animieren, Freunde oder Bekannte für offene Stellen vorzuschlagen, und im Gegenzug eine Belohnung ausloben. Manche Organisationen spannen auf diese Weise sogar die breite Öffentlichkeit in die Suche mit ein, wie etwa unsere Kollegen vom t3n-Magazin. Der Sinn und Zweck liegt auf der Hand: Der Aufwand für eine einmalige, nicht selten vierstellige Belohnung sowie die zusätzliche Verwaltungsarbeit durch eine gesteigerte Zahl von Bewerbern ist nichts im Vergleich zu den direkten und indirekten Kosten, die mit einer personellen Fehlbesetzung verbunden sind.

Die JobCrowd-Macher Michael Blazek und Carl Hoffmann haben ausgehend von dieser Philosophie eine simple, aber schlagfertige Jobplattform geschaffen. Bei JobCrowd inserieren Firmen kostenfrei Stellen und loben eine Belohnung für diejenigen aus, die ihr Netzwerk anzapfen und geeignete Kandidaten präsentieren. Man könnte den Ansatz auch als Affiliate-Marketing für Jobs bezeichnen. So wie sich zu jedem Amazon-Produkt ein Affiliate-Link generieren lässt, der im Falle von Verkäufen eine Provision abwirft, erhalten registrierte JobCrowd-Nutzer eine eindeutige URL, die sie über soziale Medien, per Mail oder über Blogs und Websites verbreiten können. Kommt es zu einer Einstellung, streicht der Empfehlende eine ansehnliche Geldsumme ein. Bei Vollzeitstellen mindestens 500 Euro und bei Praktikumsplätzen mindestens 100 Euro.

69 Jobs werden derzeit bei JobCrowd gelistet. Die höchste Prämie, die für die Vermittlung eingestrichen werden kann, liegt momentan bei 3250 Euro. Wer durch Freunde, Bekannte oder “fremde” Social-Web-Nutzer auf eine bei JobCrowd gelistete Stelle stößt, kann sich direkt per Mail oder Onlineformular bewerben. Wird auf anderen Wegen Kontakt aufgenommen, bitten die Münchner darum, dass der Bewerbungscode angegeben wird. Für Firmen sind Stellenausschreibungen und das Anlegen eines Arbeitgeberprofils bei JobCrowd grundsätzlich kostenfrei. Während des Anmeldeprozederes definieren Arbeitgeber die Prämie. Bei einer erfolgreichen Einstellung verbleibt die Hälfte bei JobCrowd, die andere Hälfte – der Betrag, der Nutzern als Belohnung angezeigt wird – geht an den Ersteller des Empfehlungslinks.

Das Jobcrowd-Gründerduo, das das Unterfangen mit eigenen Mitteln sowie der Unterstützung von Business Angels auf die Beine gestellt hat, versucht sich mit dem Service an einem äußerst spannenden Experiment, dessen Ausgang keineswegs genau vorhersehbar ist. Auf der einen Seite werden Firmen, die hohe Prämie ausloben, mit einer besonders großen Reichweite belohnt, da die Aussicht auf eine mächtige Belohnung Nutzer zur Verbreitung des Links im eigenen Kontaktnetzwerk oder auf dem eigenen Blog animiert. Doch für partizipierende Firmen ist nicht die Quantität der generierten Bewerbungen ausschlaggebend, sondern die Eignung und Passgenauigkeit der Kandidaten. Sollten Unternehmen also mit Bewerbungen überhäuft werden, von denen nur wenige dem Anforderungsprofil entsprechen (etwa weil Empfehlende willkürlich Freunden versprechen, die Prämie mit ihnen zu teilen), wird JobCrowd für sie unattraktiv. Kommt es zu keinen Einstellungen, verdient JobCrowd kein Geld, woraus resultiert, dass die Süddeutschen alles dafür tun müssen, positiv auf das Verhältnis von Bewerberzahl und Bewerberqualität Einfluss zu nehmen. Vorstellbar wären etwa ein internes Reputationssystem oder Sonderprämien für Nutzer, die mehrfach Einstellungen in die Wege leiten, ohne dabei aber Firmen eine zu hohe Zahl irrelevanter und damit Verwaltungsaufwand verursachender Bewerber zuzuführen.

In jedem Fall sollte man sich nicht wundern, wenn künftig vermehrt Stellenanzeigen in den Feeds sozialer Medien auftauchen. Bedenkt man, dass eine erfolgreiche Vermittlung mitunter ein ganzes Monatsgehalt bedeutet, so dürften nicht wenige gut vernetzte, mit großen Freundeskreisen ausgestattete oder reichweitenstarke Fach- und Karriereblogs betreibende Personen ihr Glück mit JobCrowd versuchen wollen.

Ein zu JobCrowd identisches Konzept verfolgt auch der ebenfalls vor einigen Monaten gestartete, aus Hambug stammende Dienst Kandidat24, bei dem jedoch das optische Erscheinungsbild weniger zum Stöbern animiert. Vergleichbare US-Dienste heißen RewardHire und Barrel of Jobs.

Link: JobCrowd

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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10 Kommentare

  1. Ich bin gespannt, ob es dieses Mal funktioniert: Es gab schon mehrere Versuche, aber durchgesetzt hat sich dieser Ansatz noch nie. Offenbar ist der monetäre Anreiz nicht hoch genug, damit Leute Stellen von Drittfirmen aktiv in ihrem Netzwerk posten.

  2. Bekanntes Konzept. Die Firma JobLeads macht das schon seit einigen Jahren.
    http://www.jobleads.de

    • Bei einem Blick auf jobleads.de bekomme ich den Eindruck, es handelt sich um eine generelle Headhunting-Plattform, bei der das Empfehlen von Jobs eine Komponente darstellt.

      Das Selbstverständnis ist ein ganz anderes: “JobLeads bietet Ihnen diskreten Zugang zu über 40.000 Jobs ab 50.000 € Jahresgehalt und mehr als 3.000 Headhuntern.”

      Imo kann es sich lohnen, das Empfehlungsprinzip separat anzugehen.

  3. Die Idee ist ganz nett – allerdings müssen die “User” hier auch mitspielen, ansonsten kann das schnell uninteressant werden.
    Ich werde mir die Stellen aber mal anschauen, gegen so eine Prämie ist ja nichts zu sagen ;)

  4. Viel interessanter ist hier doch die Frage wie sich das rechtlich verhält. Von eBay und Co wissen wir ja, dass man schnell von den Finanzbehörden als gewerblich eingestuft wird, trifft das hier nicht auch zu? Gerade wenn man mehrere Kandidaten vermittelt oder über Social Media etc. tätig wird. Die Nebentätigkeit müsste dann ja von den meisten Arbeitgebern (mal Arbeitsvertrag lesen) auch erst genehmigt werden.

    Wie sieht es mit Steuern aus? Wann ist es Nachbarschaftshilfe, wann zu versteuern? Fällt eine eventuelle Schwarzarbeit auf das Unternehmen zurück?

    Zu diesen Themen kann ich gar nichts auf der Webseite lesen, hat man sich dazu keine Gedanken gemacht? Oder sieht man sich nur als Plattform und lässt die anderen sich um diesen Kram kümmern?

    Daher würde ich sowohl als Arbeitgeber als auch Jobvermittler die Sache von solch einem Angebot lassen. Am Ende habe ich für 100 Euro (brutto) eine Menge Ärger und Verwaltungsaufwand.

    • Hallo David,

      bisher haben wir alle erfolgreichen Empfehler bei Auszahlung der Prämien auf folgenden Fachbeitrag hingewiesen:

      http://esteuerpartner.de/…urcing-Recht-Steuern

      In der Tat sollten wir einen Hinweis hierzu auch in den FAQ verlinken, vielen Dank für Deinen Hinweis.

      Viele Grüße
      Carina von JobCrowd

    • Vielen Dank für den Link mit weiteren Erläuterungen. Wenn ich das richtig verstanden habe, liegt ein Werkvertrag vor, sprich der Personalvermittler ist selbständig und hat ein Gewerbe anzumelden und zwar schon bereits wenn man einen Job in irgendeiner Art und Weise bewirbt, da ja bereits dann eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Eine Freizeitbeschäftigung kann bei den genannten Summen (“mitunter ein ganzes Monatsgehalt”) ja wohl ausgeschlossen werden.

      Dies hat zur Folge: Erstellung von GuV, Versteuerung der Einnahmen, Anmeldung der Nebentätigkeit beim Arbeitgeber etc. – macht das ganze Modell deutlich weniger attraktiv, oder sehr nur ich das so?

      Wie ist das Verhältnis zwischen Unternehmen, Personalvermittlern und der Plattform? Bei einem direkten Verhältnis zwischen Unternehmen und Personalvermittlern begeben sich diese doch in die Gefahr einen “schwarz” operierenden Personalvermittler zu beauftragen und vielleicht sogar noch eine Provision auszuzahlen? Klar ist der Personalvermittler am Ende selbst für die Versteuerung und rechtliche saubere Abwicklung zuständig, doch ob das die Finanzbehörden und Gerichte auch so sehen, mag ich zu bezweifeln. Schließlich ist die Plattform so ausgelegt, dass dies nicht im geringsten erforderlich ist oder geprüft wird.

      Ein ganz heißes Pflaster würde ich sagen oder liege ich mit meiner nicht juristischen Einschätzung nach Durcharbeitung des verlinkten Beitrags irgendwo falsch?

      Und das ohne einen Hinweis auf der Seite bezüglich der rechtlichen Konsequenzen wenn man sich hier als Personalvermittler versucht (nicht erst bei der Prämienauszahlung, denn die Gewinnerzielungsabsicht liegt ja schon vorher vor) ist schon sehr gewagt oder etwa kalkuliert? Aber mit dem ganzen rechtlichen Kram drumherum wird es wohl sehr schwer werden…

  5. Eine Gewerbeanmeldung wird erst notwendig, wenn alle fünf Tatbestandsmerkmale (nach außen gerichtete Tätigkeit, selbstständige Tätigkeit, planmäßig und auf Dauer angelegte Tätigkeit, Gewinnerzielungsabsicht…) vorliegen. Bei einem gelegentlichen Empfehlen von Stellen in seinem Netzwerk kann von keiner planmäßig und auf Dauer angelegten Tätigkeit die Rede sein. Imo ist eine Gewerbeanmeldung (inkl. Erstellung GuV etc.) somit nicht nötig. Das Finanzamt sollte im Rahmen der üblichen Steuererklärung jedoch über die Einnahmen informiert werden.

    • Das werden sicherlich mal Gerichte zu entscheiden haben, ein Designer der nur Gelegentlich für einen Kunden tätig ist handelt auch gewerblich. Bei einmaligen Empfehlungen an Freunde mag ich das verstehen, doch bei mehrmaligen Empfehlungen oder sogar noch aktive Bewerbung über Social Media oder Blogs werden Finanzbehörden vermutlich schnell entsprechend agieren.

  6. Huh…
    Rechtlich ziemlich grau.
    Vielleicht sollte man die Finanzbehörden mal aktiv auf jobcrowd hinweisen, damit beide Parteien eine Verfahrensweise aushandeln können.
    Diese ausgehandelte Verfahrensweise müsste dann auf der Website von jobcrowd zur Info spätestens bei der Registrierung eingestellt werden.
    Aber vielleicht klärt die Firma das ja gerade von selbst mit den Finanzbehörden während ich dieses hier schreibe

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