Uber:
Das Startup für die ein Prozent

Das US-Startup Uber erlaubt die spontane, mobile Buchung einer Oberklasse-Limousine als Alternative zum Taxi. Trotz des elitären Konzepts und der sehr begrenzten Zielgruppe erfreut sich der jetzt auch in Berlin verfügbare Dienst in der Internetbranche einiger Beliebtheit.

Seit fast drei Jahren beschäftigt das kalifornische Startup Uber die US-Onlinebranche. Der Dienst aus San Francisco vermittelt Limousinen per Smartphone-App und bietet so eine höherpreisige Alternative zum Taxi. Funktionell ähnelt das Konzept dem des aus Hamburg stammenden Dienstes myTaxi: Kunden buchen über die mobile Anwendung ein in der Nähe befindliches Fahrzeug. Dessen Fahrer erhält die Buchung direkt auf sein Smartphone. Passagiere können anschließend die Anfahrt verfolgen und wissen genau, wann sie aufgelesen werden. Die Notwendigkeit einer manuellen Vermittlung durch eine Zentrale entfällt.

Doch während myTaxi mit herkömmlichen Taxifahrern zusammenarbeitet, nutzt Uber die Dienste von lokalen Limousinenunternehmen. Statt eines Taxis sind schwarze Oberklasse-Fahrzeuge mit in Schale geworfenen Chauffeuren im Einsatz. Bezahlt wird über die im Uber-Konto hinterlegte Kreditkarte. Bisher konzentriert sich Uber auf größere Ballungsräume in Nordamerika, lanciert jedoch seit einigen Monaten auch Auslandsstandorte wie London, Paris, Stockholm und als erste deutsche Stadt seit neuestem auch Berlin.

Uber gehört zu den Startups, dessen Entwicklung von der US-amerikanischen Techpresse ganz besonders akribisch beobachtet wird. Naturgemäß hat dies zur Folge, dass die nun eingeleitete Europaexpansion auch auf dieser Seite des Atlantiks größere Beachtung findet. Uber kennt man ganz einfach, wenn man sich für die US-Webwirtschaft interessiert. Und wenn SoundCloud-Gründer Alexander Ljung, einer der profiliertesten und bekanntesten Akteure der hiesigen Webökonomie, bei Ubers erster symbolischer Fahrt in Berlin mit im Fahrzeug sitzt, dann kann man davon ausgehen, dass Uber auch bei uns im Gespräch bleiben wird.

Bei mir sorgt das Rampenlicht, das Uber seit seiner Gründung im Jahr 2010 erhält, für gelegentliches Stirnrunzeln. Denn nimmt man es genau, ist Uber nichts weiter als ein automatisierter Chauffeurservice, bei dem die Bestellung nicht persönlich oder telefonisch sondern internetbasiert erfolgt. Bei einem solchen Unterfangen handelt es sich zwar um ein vollkommen legitimes Geschäftsmodell, das bei Businessleuten, etablierten Unternehmern, Prominenten und anderen Großverdienern eine klare Nachfrage bedient. Doch für den Großteil der Konsumenten hat Uber keinerlei Relevanz. Uber ist ein Startup für die sogenannten “ein Prozent” der Gesellschaft. Dafür jedoch erhält es unverhältnismäßig große Beachtung auch außerhalb seiner Zielgrupe.

Die Bewertung von Uber erfordert eine differenzierte Betrachtung. Die Begeisterung der Blogger, Tech-Journalisten und Internetakteure im Silicon Valley und benachbarten San Francisco rührt daher, dass es in der Stadt am Pazifik extrem schwer ist, ein Taxi zu finden. In Kombination mit den gut gefüllten Portemonnaies der dortigen Web-Protagonisten und Investoren entstand daher ein logischer Bedarf an einer Taxi-Alternative, die sowohl in puncto Verfügbarkeit als auch Service die Bedürfnisse der millionenschweren, technologieaffinen Entrepreneuren erfüllt.

Erwähnenswert ist auch, dass Uber im Zuge seiner US-Expansion verschiedene juristische Konflikte mit lokalen Taxivereinigungen und Behörden auszufechten hatte, da in einigen Bundesstaaten taxiähnliche Ansätze, welche die algorithmische, unmittelbare Direktvermittlung von privaten Limousinen ermöglichen, gegen unterschiedliche geltende Gesetze verstoßen. Insofern sind die Kalifornier dank ihres Durchhaltevermögens Wegbereiter für eine ganze Generation von intelligenten Mobilitätsdiensten, die auf unterschiedliche Weise ein Umdenken auf offizieller Seite und zeitgemäßere Regelungen für die Personenbeförderung von morgen erwirken.

Ein dritter Aspekt, der den elitären Hauch von Uber etwas relativiert, ist das Bestreben des Unternehmens, in ersten US-Schlüsselmärkten auch niedrigpreisigere Alternativen zu räumlichen S-Klassen oder SUVs anzubieten. In einigen Städten wie etwa der Heimat San Francisco vermittelt das Startup mittlerweile ganz gewöhnliche Taxis. Auf lange Sicht könnte sich Uber also von einem Limousinenvermittler in einen Mobilitätsvermittler wandeln und damit myTaxi, Hailo und anderen Taxi-App-Startups ernsthaft Konkurrenz machen.

Doch aktuell bleibt Uber ein Nischenanbieter im Luxussegment, der durch eine Nähe zur meinungsstarken US-Internetelite und gute PR zum Liebling der globalen Gründerwelt avanciert ist.

Ich gönne jedem, der entsprechenden Fahrkomfort schätzt und sich diesen leisten kann, ein solches Erlebnis. Wenn jetzt aber die Berliner Startup-Community, die in den meisten Fällen erst noch tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln muss, regelmäßig mit S-Klassen von Uber oder dem deutschen Nachahmer Blacklane durch die nicht gerade taxi-arme Hauptstadt kurvt, dann würde dies schon ein bedenkliches Bild ergeben (erst recht wenn Google-Gründer Sergey Brin U-Bahn fährt). Eine Fahrt vom Flughafen Schönefeld nach Mitte schlägt bei Uber mit 75 Euro zu Buche. Ein herkömmliches Taxi kostet für die gleiche Strecke nicht einmal die Hälfte.

Angesichts der bisherigen Ausbreitung von Uber aller dem Unternehmen in den Weg gelegten Steine zum Trotz sowie der sich abzeichnenden Ausweitung des Konzepts auf klassische Taxis lohnt es sich, das Startup weiter im Auge zu behalten. Es kann aber nicht schaden, sich in Erinnerung zu rufen, dass derzeit eine Vielzahl drängenderer Probleme darauf wartet, durch innovative, internetgestützte Lösungen behoben zu werden, als die bequeme Buchung von Limousinen.

Abschließend noch ein Tipp für alle, die die von Uber aufgelistete Beispielroute vom Potsdamer Platz zum Berghain (für 18 Euro) ausprobieren wollen: Bittet den Fahrer, 100 Meter vor dem legendären Technoclub zu halten. Wer dort sichtbar mit einem schwarzen Oberklassewagen vorfährt, verringert die Chance auf Einlass dramatisch.

Link: Uber

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Linkwertig: Schreibmaschinen, WM, Mobilität, Cynk

15.7.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Schreibmaschinen, WM, Mobilität, Cynk

Nachdem weitere Fälle von vermutlicher Spionage bekannt wurden, könnten die guten alten Schreibmaschinen ein Comeback feiern, und mehr.

Neue Mobilität: Fernbusse und neue Verkehrskonzepte bringen heile Welt der Bahn in Unordnung

22.4.2013, 8 KommentareNeue Mobilität:
Fernbusse und neue Verkehrskonzepte bringen heile Welt der Bahn in Unordnung

Seit Jahren boomen Mitfahrzentralen, Ticketgemeinschaften und Carpools. Alle Initiativen dienen dem Zweck, Reisen deutlich billiger machen. Fernbusse werden nun die heile Welt der Deutschen Bahn in Unordnung bringen.

Stabiles, schnelles Internet im Flugzeug: Der Traum, der Realität werden muss

18.9.2012, 6 KommentareStabiles, schnelles Internet im Flugzeug:
Der Traum, der Realität werden muss

Auch im Jahr 2012 hat Internet im Flugzeug noch immer Seltenheitswert, und wo es geht, ist es meist teuer und langsam. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung.

myTaxi-Chef Sven Külper: \

29.4.2014, 3 KommentaremyTaxi-Chef Sven Külper:
"'Etabliert' sind wir noch lange nicht"

myTaxi sieht sich gut gerüstet für den Wettbewerb mit neuen Beförderungs-Startups. Laut Gründer Sven Külper wollen sich die Norddeutschen weiterhin nicht vor innovativen Schritten und Risiken scheuen.

Uber und die Taxibranche: Wie myTaxi unfreiwillig zum Verteidiger des Establishments wird

21.4.2014, 18 KommentareUber und die Taxibranche:
Wie myTaxi unfreiwillig zum Verteidiger des Establishments wird

Ungewohnte Situation für myTaxi aus Hamburg: Weil die Taxibranche mit Uber ein neues Feindbild hat, wird der innovative Dienst der Norddeutschen plötzlich zum Vertreter und Verteidiger des Establishments.

Markplatz für Taxidienstleistungen: MyTaxi startet kontroverses Auktionsmodell - aber bietet Fahrern gebührenfreie Kartenzahlungen

9.1.2014, 5 KommentareMarkplatz für Taxidienstleistungen:
MyTaxi startet kontroverses Auktionsmodell - aber bietet Fahrern gebührenfreie Kartenzahlungen

MyTaxi schreckt seine angeschlossenen 45.000 Taxifahrer mit einem Auktionsmodell auf, bei dem künftig mehr Fahrten erhält, wer eine höhere Provision an myTaxi zu zahlen bereit ist. Der Schritt beinhaltet außerdem für Fahrer gebührenfreie Kartenzahlungen.

Bewertung von Uber: Die Kraft und Bedeutung von Netzwerken wird unterschätzt

24.7.2014, 7 KommentareBewertung von Uber:
Die Kraft und Bedeutung von Netzwerken wird unterschätzt

Wieviel Uber wirklich wert ist, kann niemand genau sagen. Gerne unterschätzt wird in Analysen aber die unternehmerische Kraft und Bedeutung von Netzwerken.

Die Eigenheiten der Medienökonomie: Taxi-Proteste machen Uber und WunderCar zu Medienstars

16.6.2014, 11 KommentareDie Eigenheiten der Medienökonomie:
Taxi-Proteste machen Uber und WunderCar zu Medienstars

Die jüngste Protestaktion von Taxifahrern gegen Uber und WunderCar sorgte nicht nur für eine gestiegene Nachfrage nach eben jenen Diensten. Auch für die Presse ist der Konflikt ein großes Thema. Statt teure Werbekampagnen schalten zu müssen, bekommen die Startups quasi kostenfrei eine Millionenreichweite.

18-Milliarden-Dollar-Startup: Wie Uber Taxiverbänden davonfährt

9.6.2014, 7 Kommentare18-Milliarden-Dollar-Startup:
Wie Uber Taxiverbänden davonfährt

Uber sammelte 1,4 Milliarden Dollar ein und wird mit 17 Milliarden US-Dollar bewertet. Eine bessere Taxi-App, die keiner nutzt? Wer das glaubt, kann sich getrost an den Bahnhof setzen und zusehen, wie der Zug abfährt.

2 Kommentare

  1. Ich würde Uber in Deutschland auch nicht nutzen. Der Fairness halber muss aber angemerkt werden, dass der Aufpreis für den Limousinenservice gegenüber einem Taxi in den USA merklich geringer ist. Die Zielgruppe des Dienstes geht also weit über die angesprochenen “1%” hinaus, zumal solche Transfers ja sehr häufig über den Arbeitgeber abgerechnet werden.

  2. Uber wurde kürzlich in Berlin gestartet.

    Der Tagesspiegel berichtet nun ganz aktuell über eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts:

    Klage gegen Privat-Taxi-Service in Berlin Landgericht verbietet Chauffeur-App “Uber”

    http://tagesspiegel.de/be…pp-uber/9778682.html

    Vorerst ist Uber verboten.

    Az.: 15 0 43/14

Ein Pingback

vgwort