Zusammengefasste Sachbücher:
Blinkist bringt Fachwissen
auf das iPhone

Das Berliner Startup Blinkist fast Sachbücher zusammen und bringt die Inhalte optimiert für den Konsum in kurzen Pausen auf das iPhone.

Menschen, die unterwegs ein paar Minuten Zeit totschlagen müssen, können beispielsweise in ihren Social Networks herumsurfen, ein Spielchen zocken, mit Microjobs ein paar Cent verdienen – oder sich mit einem Fachbuch weiterbilden. Das Problem: Es gibt zu viele informative Titel und zu wenige Wartezeiten und Pausen, um alle von Anfang bis Ende durchzulesen. Gerade neugierige, vielbeschäftigte Internet-Entrepreneure, Blogger und Journalisten dürften dieses Problem zu gut kennen. Ein Berliner Startup glaubt nun, die Lösung gefunden zu haben. Es heißt Blinkist, wurde heute nach einer mehrmonatigen geschlossenen Beta-Phase offiziell lanciert und liefert wissbegierigen Menschen kompakte Zusammenfassungen populärer sowie aktueller Fach- und Sachliteratur aufs iPhone.

Dienste, die Buchinhalte auf das Wesentliche komprimieren, gibt es schon länger – wie etwa GetAbstract oder ShortBooks, das allerdings nach vielen Jahren des Bestehens im Herbst seine Pforten schloss. Doch die Blinkist-Gründer Tobias Balling, Niklas Jansen, Sebastian Klein und Holger Seim betonen, dass ihr Service nicht einfach nur Zusammenfassungen von Büchern anbietet, sondern dies in für mobiles Lesen optimierter Form vollzieht. Dafür kommen sogenannte “blinks” zum Einsatz, das sind kleine Wissenseinheiten, welche die Kernaussagen von Sachbüchern wiedergeben und jeweils innerhalb von zwei Minuten gelesen und verstanden werden können. blinkist ist also explizit für die im Laufe eines Tages immer wieder auftretenden kurzen Wartezeiten ausgelegt, etwa im Bus oder in der Bahn, in der Schlange beim Supermarkt oder im Schnellrestaurant, während das Essen zubereitet wird. Zwar mag die Wissensaufnahme in solchen Situationen auf dem vergleichsweise kleinen Smartphone-Display nicht so viel Spaß machen wie in aller Ruhe in einem bequemen Sessel oder Bürostühl. Aber da vielbeschäftigten Machern in der Informationsära mitunter schlicht die Zeit dafür fehlt, sich in aller Ruhe mit allen für ihr Fach potenziell wichtigen Werken auseinanderzusetzen, bietet ihnen Blinkist einen Weg, um zumindest an die entscheidenden Kernthesen zu gelangen.

Zum Debüt finden sich rund 50 Buchzusammenfassungen bei Blinkist im Angebot, unterteilt in die Kategorien Unternehmertum, Business & Karriere, Gesundheit & Glück, Populärwissenschaft, Gesellschaft, Produktivität & Ratgeber sowie Politik & Geschichte. Zu den erhältlichen Titeln gehören so bekannte Werke wie “Crossing the Chasm” von Geoffrey A. Moore, “Lean Startup” von Eric Ries, “Delivering Happiness” von Tony Hsieh sowie “Die 4-Stunden-Woche” von Tim Ferriss. Einige Bücher werden in der englischsprachigen Originalversion angeboten, andere in einer übersetzten deutschen Fassung. In der Übersicht aller Bücher ist jeweils die Anzahl der blinks vermerkt. Zehn blinks bedeuten also insgesamt einen rund 20-minütigen Lese- und Verständnisaufwand, unterteilt in zehn Häppchen à ungefähr zwei Minuten. Sämtliche heruntergeladenen Zusammenfassungen sind auch offline verfügbar.

Nach dem Download stehen neuen Nutzern drei Gratis-Downloads zur Verfügung. Sind diese aufgebraucht, können User, denen das Konzept von Blinkist gefällt, zwischen zwei Bezahlmodi wählen: Entweder sie zahlen pro Zusammenfassung, die Preise variieren je nach Titel zwischen 0,89 Euro und 1,79 Euro. Oder sie entscheiden sich für ein monatlich kündbares Abo, das für Early Adopter mit 4,49 Euro pro Monat zu Buche schlägt, um so viele Zusammenfassungen wie gewünscht herunterladen zu können. Die Hauptstädter versprechen, jeden Monat mindestens fünf Titel zum Archiv hinzuzufügen. Bezahlt wird jeweils per In-App-Kauf, das heißt, rund 70 Prozent der Umsätze gehen an Blinkist, der Rest an Apple.

Zwei festangestellte Mitarbeiter sowie eine Reihe freier Autoren sind mit der Anfertigung der Buchzusammenfassungen beschäftigt. Rechtliche Hürden gibt es laut Mitgründer Niklas Jansen keine, da eigene Werke erstellt und Zitate kenntlich gemacht werden. Allerdings würden ohnehin nur sehr wenige Zitate eingesetzt, so Jansen, der Kooperationen mit Verlagen für die Zukunft nicht ausschließt. Was er ebenfalls bereits ankündigt, ist eine iPad-Applikation, die in den nächsten Monaten lanciert werden soll. Android sei zwar angedacht, habe aber keine zeitnahe Priorität.

Begleitet und finanziert wurde Blinkist zum Start von Hubraum, dem neuen Accelerator der Telekom. Bis zu 300.000 Euro stellt die neue Institution partizipierenden Startups zur Verfügung. Mit einer klaren Monetarisierungsstrategie stehen die Chancen für Blinkist nicht schlecht, in kürzester Zeit erste Umsätze zu erwirtschaften. Ein hübsches, anwenderfreundliches Design erhöht die Attraktivität der App. Ob das große Geld winkt, hängt stark davon ab, inwieweit die jetzt Blinkist ausprobierenden Nutzer den Mehrwert darin sehen, anstatt einem kompletten Sachbuch lediglich die essentiellsten Wissenshäppchen vor sich zu haben. Die Antwort darauf werden die Blinkist-Macher wahrscheinlich schon in den nächsten Wochen erhalten.

Link: Blinkist

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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9 Kommentare

  1. Argh, warum denn keine Webapp?

    • Hallo Henry,

      welches Betriebssystem nutzt du? Wir arbeiten bereits an Lösungen um unsere blinks auch auf weitere Plattformen bringen zu können.

      Viele Grüße, Niklas

    • Vielleicht verstehst du mich falsch, aber Internetseiten sollten unabhängig vom Betriebssystem funktionieren, sodass ich zum Beispiel mit meinem Browser am PC sitzen kann und darauf Zugriff habe.

  2. Welchen Sinn hat denn das? Ein Buch ist doch keine Zitatesammlung. Und was wichtig ist entscheide ich doch beim Lesen des Buches. Ich verstehe den Sinn dieses Business nicht.

    • Hallo Michael,

      unsere blinks sind keine einfache Zitatesammlung, sondern unsere Autoren extrahieren die Kernaussagen aus Sachbüchern heraus. Wir versuchen zu verstehen, welche Punkte der Autor vermitteln wollte und erstellen daraus eigene Werke, die für das Lesen in kurzen Zeiteinheiten optimiert worden sind.

      Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenzprodukt zum Buch, sondern eher als ein komplementäres Angebot. Wir möchten den Zugang zu Wissen und Ideen aus Sachbüchern vereinfachen und an moderne Lesegewohnheiten anpassen.

      Viele Grüße, Niklas

  3. Die App. macht einen angenehmen Eindruck und ist so gut gestaltet das keine Fragen offen lässt.

    Was mir auffiel:
    - Die Erklärung habe ich nach dem zweiten Screen überblättert und erscheint zu lang.
    - Zu den Büchern vermisse ich sponatan die Bewertungsfunktion von Amazon. Das gibt mir einen ersten Überlick ob sich ein Download überhaupt lohnt.
    - Schneller und unkomplierter Download

    Viele Grüße, Heiko

  4. Ich würde gerne mein eigenes Buch “verblinken” lassen. Es ist z.Zt. als PDF-Datei in Druck. Ein 330-Seiten-Polit-Roman: “Globaler Frühling” in logischer Folge: Prag > DDR > Arabischer Frühling > Globaler Frühling (Stadt-Land-Länder-Globus). Ein Actionheld justiert global die ethischen Schrauben. Der Flyer ist auch gerade fertig.

  5. Liebes Team,

    das Projekt klingt sehr interessant, doch warum so Apple-lastig?

    Markus auf galaxy nexus mit Android 4

  6. Im Gegensatz zu getAbstract gibt es bei Blinkist keine rechtliche Vereinbarung mit den Rechteinhabern.

    Blinkist ist der Meinung, sie bräuchten das nicht, da die Zusammenfassung “eigene Werke” sind.

    Interessante Sichtweise!

    Laut Eigenwerbung von Blinkist erhält “der Leser mit den „blinks“ alle relevanten und wichtigen Inhalte des Buches”. Das sind also die Werke des Autors stark gekürzt wiedergegeben.

    Wie kann man dann von eigenen Werken sprechen???

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