Wappwolf-Macher starten neu:
iBeam.it soll Grenzen zwischen Plattformen niederreißen

Die Macher des Cloud-Automatisierungsspezialisten Wappwolf haben iBeam.it lanciert, einen Service, mit dem sich bei einem Onlinedienst abgelegte Dateien von Freunden, Bekannten oder Kollegen über andere Cloudservices abrufen lassen.

Im Herbst berichteten wir, dass der aus Österreich ins Silicon Valley umgezogene Dienst Wappwolf seinen gleichnamigen Automatisierungsservice für Dropbox, Google Drive und Box nicht mehr nennenswert weiterentwickeln möchte. Das Tool, mit dem für bei den drei Cloudanbietern abgelegte Dateien Regeln zur automatischen Weiterbearbeitung angelegt werden können, sei trotz 85.000 Usern nicht zu einem Massenprodukt zu verwandeln. Genau dorthin möchten CEO Michael Eisler und sein Team, das im Zuge der Entscheidung von zwölf auf vier Mitarbeiter verkleinert wurde, aber. Parallel zu dem Entwicklungsstopp für Wappwolf entschlossen sich die Österreicher, einen neuen Versuch zu wagen. Das Resultat heißt iBeam.it und ging vor einigen Wochen online. Anders als Wappwolf richtet sich iBeam.it an einen breiteren Anwenderkreis, der häufig in sozialen Netzwerken zugange ist – was ja mittlerweile auf einen Großteil der Internetnutzer zutrifft.

Auch wenn beim flüchtigen Blick auf die iBeam.it-Website nicht eindeutig klar wird, in welchen Situationen sich der Einsatz des Dienstes anbietet, so erfüllt er ein mutmaßliches Bedürfnis vieler Nutzer: Sie laden bestimmte Dateien wie etwa Fotos oder Videos bei einem Cloudservice oder Social Network hoch und würden diese gerne ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen zugänglich machen – diese besitzen jedoch kein Konto bei dem jeweiligen Anbieter. Mit Hilfe von iBeam.it erstellen Anwender einen sogenannten Beam, der dafür sorgt, dass die entsprechenden Dateien von den Empfängern über einen beliebigen anderen, von iBeam.it unterstützten Webservice abgerufen werden können. Die Aufforderung an den besten Freund, die Eltern oder die Tante, sich doch unbedingt ein Instagram-Konto zuzulegen, um immer sofort die aktuellsten Urlaubsfotos zu Gesicht zu bekommen, ist nicht mehr notwendig.

Um Inhalte über iBeam.it ausgewählten Personen zugänglich zu machen, verknüpfen Anwender den Service mit ihren Konten bei Dropbox, Google Drive, Instagram, Facebook und Flickr, indem sie iBeam.it Zugriff auf den jeweiligen Account geben. Bei Dropbox existiert auch die Option eines beschränkten Zugriffs auf lediglich einen spezifischen Ordner. Nach der Autorisierung erstellen User einen Beam, der etwa sämtliche in einem bestimmten Dropbox- oder Google-Drive-Ordner gespeicherten Dateien enthält, oder alle Fotos aus einem Facebook-Album. Zu diesem Beam erhalten sie eine individuelle URL, die sie nun über soziale Netzwerke, per Mail oder mittels iBeam.it-Button auf ihrer Website oder ihrem Blog verbreiten können.

Wer auf die URL klickt, landet auf einer Landingpage mit dem Aufruf, dem jeweiligen Beam zu folgen. Dazu wählen User auf der folgenden Seite aus derzeit 14 unterschiedlichen Methoden, um die Inhalte des Beams zu beziehen, darunter Evernote, Box, per FTP, per E-Mail, per SkyDrive, Sugarsync oder Google Drive. Bevor sie den jeweiligen Bezugskanal durch einen Login beim entsprechenden Service autorisieren, müssen sie sich noch bei iBeam.it registrieren. Ist das erledigt, steht dem plattformübergreifenden Abruf der Dateien nichts mehr im Wege.

Der Grundgedanke von iBeam.it sagt mir sehr zu. Um beim Instagram-Beispiel von oben zu bleiben: Alle Instagram-Nutzer kennen einige Personen, die selbst nicht bei Instagram registriert sind, aber die Schnappschüsse gerne über einen anderen Kanal erhalten würden. Etwa Großeltern per E-Mail oder Kommilitonen per Dropbox. iBeam.it ermöglicht dies – sowohl für Instagram als auch für Inhalte bei Dropbox, Google Drive, Facebook und Flickr. Im persönlichen Mitgliederbereich können Nutzer ihre Beams verwalten und einsehen, wie viele Abonnenten diese jeweils besitzen.

Woran es iBeam.it bisher mangelt, sind gute, verständliche Erklärungen zur Funktionsweise. Zwar gibt es eine FAQ, aber wer etwa die URL zu einem Beam von einem Freund erhält und daraufhin einen Dienst auswählt, zu dem er die Inhalte aus dem Beam geliefert bekommen möchte, der wird dann bei einigen Kanälen auf der nächsten Seite plötzlich zum Einloggen bei iBeam.it über Google, Facebook, Windows Live oder Dropbox aufgerufen – mit dem Hinweis, dass iBeam.it seine E-Mail-Adresse benötige. Doch soll iBeam.it tatsächlich auch für wenig geekige Nutzer attraktiv sein, dann müsste dies anders formuliert werden. Denn der Durchschnittsnutzer besitzt keine Kenntnis darüber, dass bei einer Authentifizierung über einen externen Anbieter die dort hinterlegte E-Mail-Adresse an iBeam.it übermittelt wird. Auch an einigen anderen Stellen wurde ich stutzig, weil mir die genaue Verfahrensweise nicht richtig klar war. Wenn es mir so geht, werden weniger technisch versierte User damit erst recht Probleme haben.

Verwirrung stiftet iBeam.it auch dadurch, dass es nicht nur die Übermittlung von Dateien aus der Cloud an andere Personen abwickelt, sondern auch die zwischen zwei Cloudkonten der selben Person. So lässt sich etwa ein Beam mit den Dateien aus einem Google-Drive-Ordner anlegen, die in einem Facebook- oder Twitter-Stream publiziert werden können. Von den Machern ist das gut gemeint, aber es verwässert den Fokus und verstärkt die latente Orientierungslosigkeit, mit der ich bei iBeam.it umhernavigierte. Zumal es für diese Zwecke bereits Ifttt gibt. Vielleicht ist es mein Jetlag, das mich zu einem besonders schwierigen Fall macht. Aber ein wirklich überzeugender Dienst sollte meines Erachtens nach so konstruiert sein, dass er selbst von völlig übermüdeten Personen problemlos verstanden werden kann. Während meiner Tests verhinderte zudem ein Bug die Authentifizierung von Google Drive und Dropbox, was ich jedoch als temporäres Problem einordne.

Momentan ist iBeam.it kostenfrei, kostenpflichtige Premiumfunktionen sollen folgen. Bevor die Österreicher aber mit der Umsatzgenerierung beginnen, sollten sie die Schwächen in der User Experience beheben. Immerhin fiel der Entschluss, die Ressourcen von Wappwolf zu iBeam.it umzuschichten, weil Wappwolf nicht aus seiner Nische herauskam und nur technisch versierte Nutzer ansprach. In seiner jetzigen Form ist iBeam.it meiner Meinung nach auch nicht für die breite Masse geeignet. Was jedoch nicht am Konzept an sich liegt, sondern an der Umsetzung. Insofern besteht für Gründer Michael Eisler nach wie vor die Chance, dieses Ziel zu erreichen. Für mit dem Netz vertraute Leserinnen und Leser von netzwertig.com dürften die beschriebenen Mankos weniger poblematisch sein, weshalb sich ein Blick auf den Dienst trotz aller Kritik lohnen kann.

Link: iBeam.it

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Sehe das ähnlich wie du. Klingt für mich wie ein IFTTT-Konkurrent, es fehlen aber noch ein paar konkrete Beispiele, was man damit eigentlich genau machen kann. Sieht aber schon einmal nicht schlecht aus.

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