Wirbel um die Instagram-AGB:
Versagen auf ganzer Linie – bei allen

Auch eine Dekade, nachdem das Internet zum Massenmedium aufgestiegen ist, sprechen Onlinedienste, Nutzer und Journalisten nicht die gleiche Sprache. Beim Wirbel um die neuen Instagram-AGB versagten alle Parteien.

Rund 15 Jahre, nachdem das Internet erstmals in die Wohnzimmer der Endkonsumenten fand, und eine Dekade nach dem Aufstieg zum Massenmedium, verläuft die Kommunikation zwischen Onlinediensten, Anwendern und Journalisten noch immer wie die zwischen Zweijährigen, die gerade Sprechen gelernt haben. An einem echten Verständnis füreinander mangelt es völlig. So lautet mein Fazit aus der Aufregung um die veränderten Instagram-Geschäftsbedingungen. Alle drei beteiligten Parteien haben dabei auf ganzer Linie versagt – Facebook/Instagram, Journalisten, Nutzer.

1. Facebook/Instagram
Sofern es sich nicht um einen ganz abgebrühten Versuch handelt, sich ins Gespräch zu bringen, dann muss man Instagram-Besitzerin Facebook schon eine erhebliche Naivität und Ignoranz vorwerfen. AGB-Änderungen mit wenigen Worten in einem Blogbeitrag bekanntzugeben und dann Nutzer sowie Journalisten selbst nach den Veränderungen suchen und sich ihre eigenen Interpretationen basteln zu lassen, ist aus Sicht eines Dienstes mit der Relevanz von Instagram ganz einfach dumm. Wenn ein Unternehmen mittlerweile gelernt haben sollte, mit welchen Fehltritten man die Öffentlichkeit gegen sich aufbringt, dann Facebook. Wie man Geschäftsbedingungen ganz vorbildlich und ohne Missverständnisse erklärt, zeigt die Foto-Community 500px (danke @TeraEuro für den Hinweis). Und natürlich gibt es Terms of Service; Didn’t Read.

2. Journalisten
Wie Berichterstatter aus den veränderten Geschäftsbedingungen reißerische Skandalmeldungen machten, schockte mich regelrecht. Schnell war plump vom “Verkauf der Nutzerbilder” die Rede, und das bei renommierten Medien, denen man durchaus eine gewisse Intelligenz unterstellen möchte. Ein Wille, den Sachverhalt objektiv zu beurteilen, und der Versuch, von der Schilderung völlig unrealistischer Auswirkungen zugunsten einer sachlichen Berichterstattung abzusehen, keine Spur. Marcel Weiß hat die peinliche Leistung der “Qualitätsmedien” gestern in einem lesenswerten Beitrag beschrieben (fairerweise sei erwähnt, dass US-Medien ins selbe Horn bliesen). Dass das in der Nacht von Instagram gegebene Versprechen, die Bedingungen weniger missverständlich zu formulieren, jetzt von Spiegel Online als “Einknicken von Instagram” bezeichnet wird, ist die Krönung der Eskapaden.

3. Nutzer
In Teilen hat die fehlende Fähigkeit von Facebook/Instagram, die Änderungen auf eine pädagogische, eindeutige Weise zu kommunizieren, sowie die Desinformation der Medien die seit gestern etwa bei Twitter und Facebook zu vernehmende Empörung vieler User zu verantworten. Gleichzeitig muss man jedoch wieder einmal feststellen, dass noch immer viele Endnutzer nicht verstanden haben, dass die führenden kostenfreien Onlinedienste nicht das Interesse der Nutzer in den Vordergrund stellen, sondern ihr wirtschaftliches Wohlbefinden. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie deshalb User vollkommen vor den Kopf stoßen können. Doch dass früher oder später Maßnahmen ergriffen werden, um ein Angebot wie Instagram zu monetarisieren, das MUSS Usern vom ersten Tag der Nutzung des Dienstes bewusst sein, und sie müssen ihre Aktivität von Beginn an daran ausrichten. Wie sich manche Anwender darüber echauffieren, dass ein Unternehmen nun Geld mit ihren in zwei Sekunden erstellten Schnappschüssen verdienen kann, erscheint außerdem scheinheilig, bedenkt man, wie Privatanwender des Typus Instagram-Zielgruppe sonst die größten Verfechter eines gelockerten Urheberrechts sind, das ihnen die bedenkenlose Nutzung und Weiterverbreitung von fremden Fotos, Videos und anderen Inhalten gestattet. Würde dann jedoch irgendjemand vom Instagram-Bild ihrer gerade verspeisten Pizza wirtschaftlich profitieren, dann sollen dafür plötzlich die strikten Urheberrechts- und Vergütungsregeln des vergangenen Jahrhunderts herangezogen werden. Ganz egal, dass schon eine Million anderer völlig wertloser Pizza-Bilder existieren. Insofern zeigt sich in der Empörungswelle auch die Überbewertung der eigenen Quick-and-Dirty-Kreativarbeit mancher Social-Web-Anwender.

Das Traurige ist jedoch: Mein Hoffnung, dass 2013 alle an der Netzwirtschaft partizipierenden Akteure besonnener reagieren, ist gering. Aber sie stirbt natürlich zuletzt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

\

6.8.2012, 10 Kommentare"Terms of Service; Didn't Read":
Für transparente, besser verständliche Geschäftsbedingungen

Terms of Service; Didn't Read - kurz ToS;DR - heißt ein neues, nicht kommerzielles Webangebot, das die Geschäftsbedingungen einschlägiger Onlineangebote analysieren und bewerten will. Mit der richtigen Unterstützung im Rücken könnte es die Webriesen zu verständlicheren, benutzerfreundlicheren AGB zwingen.

Linkwertig: Ideen, LSR, Facebook, Uber

18.11.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Ideen, LSR, Facebook, Uber

Deutsche Spitzenpolitiker faxen der EU ihre Ideen zur Digitalisierung und mehr.

Newsfeed: Facebook, bitte beerdige deinen Algorithmus

11.11.2014, 8 KommentareNewsfeed:
Facebook, bitte beerdige deinen Algorithmus

Zum wiederholten Male versucht Facebook dieser Tage, den Newsfeed und damit das enorm wichtige Eingangstor seiner Seite zu verbessern. Dabei setzt es weiterhin auf einen Algorithmus, anstatt es den Nutzern zu überlassen, was sie auf ihrer Startseite sehen. Es wird Zeit, das Scheitern dieser Idee einzugestehen.

Facebooks Rezept für gelungene Akquisitionen: Den Gründern weiter das geben, was Gründer wollen

30.10.2014, 1 KommentareFacebooks Rezept für gelungene Akquisitionen:
Den Gründern weiter das geben, was Gründer wollen

Facebook könnte ein Kunststück vollbringen: die Übernahme erfolgreicher Startups wie Instagram, WhatsApp und Oculus VR, ohne dass diese und ihre Gründer anschließend von der Mutterorganisation komplett vereinnahmt, dominiert und “erdrückt” werden.

Facebooks Rezept für gelungene Akquisitionen: Den Gründern weiter das geben, was Gründer wollen

30.10.2014, 1 KommentareFacebooks Rezept für gelungene Akquisitionen:
Den Gründern weiter das geben, was Gründer wollen

Facebook könnte ein Kunststück vollbringen: die Übernahme erfolgreicher Startups wie Instagram, WhatsApp und Oculus VR, ohne dass diese und ihre Gründer anschließend von der Mutterorganisation komplett vereinnahmt, dominiert und “erdrückt” werden.

Linkwertig: Jimdo, Crowdfunding, Hyperlapse, Meme

27.8.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Jimdo, Crowdfunding, Hyperlapse, Meme

Jimdo hat sich eine designtechnische Frischzellenkur spendiert und mehr.

Linkwertig: Türkei, Gmail, Y Combinator, Impressum

27.3.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Türkei, Gmail, Y Combinator, Impressum

Ein türkisches Gericht hat die Sperrung von Twitter wieder aufgehoben und mehr.

Journalismus und Virtual Reality: Wenn die Realität wirklich wird

18.11.2014, 1 KommentareJournalismus und Virtual Reality:
Wenn die Realität wirklich wird

Wenn journalistische Produktionen vom Absender an die Empfänger übermittelt werden, geht immer Kontext verloren. Mit dem Einzug von Virtual Reality in die Medienwelt kann sich das ändern. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Medien-Startups aus Deutschland: Mit Sobooks und Krautreporter bewegt sich endlich was

27.10.2014, 0 KommentareMedien-Startups aus Deutschland:
Mit Sobooks und Krautreporter bewegt sich endlich was

Lange Zeit mussten Beobachter der deutschen Digital-Medienwirtschaft sehnsüchtig auf Amerika und die dort in großer Zahl entstehenden Journalismus- und Publishing-Startups schauen. Mit Sobooks und Krautreporter gibt es endlich auch hierzulande entsprechende Vorstöße mit echter “Internet-DNA”.

Beteiligung an Startup-Hoffnungsträger Blendle: Axel Springer, wieso machst du es uns so schwer?

27.10.2014, 2 KommentareBeteiligung an Startup-Hoffnungsträger Blendle:
Axel Springer, wieso machst du es uns so schwer?

Während die maßgeblich vom Medienkonzern Axel Springer verantwortetete Farce um das Leistungsschutzrecht immer neue Tiefpunkte erreicht, setzt das Unternehmen mit einer Beteiligung am vielgelobten Startup Blendle seine andere, weitaus konstruktivere Digitalstrategie fort. Wenn es doch einfacher wäre, sich über solche Vorstöße zu freuen.

29 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    vielen Dank für Deinen Beitrag. Danke, dass Du ruhig und besonnen auf den Punkt bringst, woran es krankt. Was mich aber irritiert ist, dass Du so etwas wie den Schund vom Spiegel auch noch verlinkst, aber da steht Deine journalistische Ehre wohl im Vordergrund, die Quellen ordentlich anzugeben. ;)

  2. Medien, die nur noch auf der Suche nach “Skandalen” sind, “haben” keine Zeit zum Nachdenken. Und SPON ist doch eh die Bildzeitung für qualifiziertere Onlinepraktikanten …

    BTW: Unternehmen und Politiker haben auch keine Zeit mehr. Die Sau wird so schnell durchs Dorf gejagt, dass Lösungen verlangt werden, bevor das Problem erkannt wurde. Willkommen in der Echtzeit Mediablökatrie.

  3. Mein “Liebling” Golem hatte auch eine super Headline a la “Instagram verkauft Fotos”… oh je oh je…

  4. Die hier kritisierte Aussage “Verkauf der Nutzerbilder” wird aber in der Sache als solchen nicht angefochten oder?
    Oder habe ich den Absatz mit der Richtigstellung und der nicht frei interpretierten Erläuterung der neuen AGBs schlicht überlesen?

    Sachlichen Berichterstattung?

  5. Einfach den Dienst nicht einsetzen und schon hat man keine Probleme mehr. Es ist schon immer wieder faszinierend wie US Unternehmen unsere Daten vergolden wollen.

  6. Wie so häufig eben, viel Wirbel um nichts ;-)

  7. Na ja ganz so plump ist es dann doch nicht gewesen.

    Man kann natürlich von Spielraum reden und sprachlicher Interpretation. Und ein Modell à la Getty und Co. erschien auch mir unwahrscheinlich. Nur die Formulierung gibt, bzw. gab bis zum Rückrudern (und wird es wohl auch nach der Verschlimmbesserung) her, dass die Fotos der Nutzer zu Werbezwecken verwendet werden. Instagram bekommt Geld für die User-Bilder. Das erste Bild vor dem geistigen Auge sieht sicherlich solche Anzeigen im Stil von Facebook. Nur bei Facebook sind (derzeit) lediglich Avatare und Nutzerpräferenzen Teil des Deals.

    Möchtest du nun, dass die Leute von “Vermieten” und nicht von “Verkaufen” schreiben? Wär das dann besser?

    Unklar ist auch, in welcher Form die Kampagnen ausgeführt werden. Denn auch Facebook hat schon außerhalb der eigenen Plattform Werbung mit Nutzer-Avataren veranstaltet und sich dafür dann Ärger eingehandelt. Vielleicht wird Instagram nicht nur in seinem eigenen Biotop mit den Fotos der User werben. Das kann uns nur Instagram höchstselbst verraten.

    Ich finde nicht, dass man die Leute mit der jetzigen Berichterstattung unnötig “verrückt” gemacht hat. Denn wenn man auch um das Wort streiten kann, liegt man nicht zu weit Weg von der Realität.

    Und wie hieß es noch so schön in einer Dokumentation über Facebook: Sie machen zwei Schritte vor, um einen zurückgehen zu können. Trotzdem ist hinterher nicht mehr wie vorher.

    Man muss das Ganze also nicht schönreden oder verharmlosen. Es spricht ja nichts dagegen, wenn Instagram einfach Werbung anbietet, warum muss man dazu die Fotos der Nutzer verwenden? Und dann gäbe es ja auch die Möglichkeit, dass man es Nutzern freistellt, ob, oder ob nicht. Es gibt ja genügend Lizenzen, die dazu das Web entworfen hat, also auch CC-Lizenzen, die es erlauben würden, dass mit den Bildern Geld verdient würde.

    LG

  8. Ich finde das jetzt langsam ärgerlich. Wir haben ganz sicher nicht “versagt”. Ich empfehle dazu noch mal die Lektüre der Meldung von gestern, die klarstens aufdröselt, was da geändert wurde und was das bedeutet. Und eine Geschäftsbedingungsänderung nach einem Tag zurückzunehmen, weil man im Netz beschimpft wird (nicht von uns, sondern von seinen Nutzern) kann man durchaus als “Einknicken” bezeichnen. Es empfiehlt sich immer, die Fakten zu kennen, bevor man lospoltert.

  9. @ Romy
    Ja ich finde, selbst wenn man inhaltlich nicht zustimmt, ist eine Verlinkung empfehlenswert.

    @ Chris
    Doch. Aus dem heutigen Instagram-Blogbeitrag:
    “To be clear: it is not our intention to sell your photos.”

    @ Alexander Trust
    Jep, deshalb steht ja Instagram/Facebook auch ganz oben auf meiner Liste der Versager ;)

    @ Christian Stöcker
    Ich finde es auch ärgerlich. Willkommen im Club. Ich denke, ihr und viele andere habt eindeutig vollkommen über die Stränge geschlagen. Meine Vorstellung von gutem Journalismus ist schlicht etwas anderes als das Schüren von Panik und Hysterie. Leider ist das ja gerade bei SPON Standard. Mich nervt das extrem.

    Und “Einknicken” oder “Zurückrudern” oder wie derartige Aktionen wie die jetzt von Instagram sonst üblicherweise im Onlineboulevard genannt werden, suggeriert Lesern, Instagram wollte ursprünglich Fotos verkaufen und hat sich dies nun anders überlegt. Doch auf so einen Rückschluss kann nach meiner Beurteilung nur jemand kommen, der sich sehr oberflächlich mit dem Netz und seinen Akteuren beschäftigt, ODER der es darauf anlegt, Leute zum empörten Aufschrei zu bewegen, obwohl es dazu keinen trifftigen Grund gibt.

    Wieso schafft es so eine eigentlich vollig nebensächliche Geschichte überall auf die Frontpage, das Leistungsschutzrecht, das eine viel größere Bedrohung ist, aber nicht??

  10. Wo bitteschön haben wir “Hysterie geschürt”? Bei uns stand weder, dass Instagram Fotos verkaufen will, noch, dass sie das jetzt nicht mehr tun werden. Weder gestern noch heute. Diese Kritik basiert auf einem fiktiven Text, der bei uns nicht erschienen ist.

    • Ich hab jetzt eure beiden Artikel nochmal gelesen und ich stimme zu: Sie sind sehr viel sachlicher als viele andere (was – da kannst du dich noch so gegen wehren: für SPON-Artikel nicht immer gilt). Im Beitrag oben kritisiere ich aber nicht die Hysterie (für die u.a. dieses Mal heute.de, Zeit Online und Golem verantwortlich waren), sondern wie ihr meines Erachtens nach durch die Überschrift den Sachverhalt falsch darstellt, nämlich den Eindruck untermauert, Instagram wäre tasächlich durch die Medien “bezwungen” worden und hätte seine bösen Intentionen geändert.

      Nebenbei: Die Überschrift ist im Prinzip im Social Web das wichtigste Element überhaupt. Ein Artikel kann noch so sachlich sein – wenn die Überschrift falsche Tatsache suggeriert, dann sorgt ein Bericht trotzdem für Desinformation.

  11. Genau darüber ärgere ich mich: Erst aufregen, dann Kritik zurückweisen, DANN Fakten nachholen, dann aber trotzdem irgendwie Recht gehabt haben wollen, und all das in einem Text, in dem Journalisten Skandalisierung vorgeworfen und mehr Differenzierung gefordert wird. Die Überschrift ist keine “Desinformation”, sie beschriebt die Fakten. Diese Nutzungsbedingungen haben Anwälte für viel Geld aufgesetzt, jetzt werden sie aufgrund von wütenden Nutzerprotesten geändert. Wenn das nicht einknicken ist, dann weiß ich auch nicht.

  12. Die Überschrift ist keine “Desinformation”, sie beschriebt die Fakten.

    Das halte ich für Quatsch. Aber die vollkommen unterschiedliche Sichtweise auf das Thema zeigt eben, wie weit die Welten voneinander entfernt sein können, in denen man sich bewegt.

    Zum Punkt 1: Ja, ich habe in meinem Kommentar SPON im Bezug auf den Text zu unrecht Hysterie vorgeworfen. Das passiert im Eifer der Diskussion, und dafür entschuldige ich mich. Doch im Zentrum steht hier der Artikel oben. Und da kritisiere ich euch genau in dem Punkt, wo ihr Kritik verdient, und nur da.

  13. … aber unter der Überschrift “Versagen auf ganzer Linie – bei allen” :-) Stichwort Wichtigkeit der Überschrift. So, und jetzt Frieden, ist ja bald Weihnachten.

  14. Jungs, locker bleiben. Fakt ist doch: Instagram hatte da was geändert und hatte damit was im Sinn. Was genau, wissen wir nicht. Nun hat das Netz es eben so verstanden, wie man es halt negativ hätte verstehen können, und Instagram hat sich diesem Missverständnis gestellt. Das kann man Einknicken nennen oder sonstwie – sie haben reagiert.

    Und grundsätzlich gehe ich ja noch davon aus, dass SPON & Co. Dinge schreiben, die die Sicht der User repräsentiert. Hier haben die Medien wie gesagt den Teufel an die Wand gemalt (der verkauft sich nun mal besser) und die Nutzer haben der Geschichte Glauben geschenkt. Verurteilt man die Medien, so verteilt man die Menschen, die sie lesen.

  15. Seit 2004 ist mir klar wie das Geschäftsmodell von flickr ausschaut – es nennt sich Pro-Account. Der kostet zu zwischen 17-19 Euro/Jahr, je nach Umrechnungskurs.

    Seit 2004 bin ich Kunde bei flickr (nicht immer zufrieden, es sei an die US-typische Einführung von Filtern wg. “sexy Fotomaterial” in 2007 erinnert), seit 2004 kann ich sharen, sortieren, kommentieren und hatte mittlerweile in drei Ländern Spass mit Leuten, die ich über flickr kennengelernt hatte.

    Zugegebenermaßen hat flickr das mit dem mobile nicht zu richtig geschnallt gehabt (wie Yahoo ja zu einiges in den letzten Jahren verschlafen hatte), aber es wird aktuell nachgeholt. Die Apps werden besser und besser.

    Warum rede ich über flickr? Achja, genau, flickr hat mir nie die Nutzungsrechte meiner Fotos madig gemacht. Ich kann klassisch-urheberrechtlich geschützt oder mit Creative Commons-Tag meine Fotos versehen. Sowohl habe ich mit meinen (Amateur-)Fotos bereits Geld verdient als auch viele meiner Fotos zur freien Verwendung unter CC gegeben.

    Die flickr-Community freut sich über meine Bilder und ich kann immer noch viel Zeit damit verbringen, Fotos aus der ganzen Welt zu bestaunen, zu “faven” und zu kommentieren.

    Die digitalen “Geschäftsmodelle” von Facebook, Instagram und Twitter sind nicht die Ultima Ratio – im Gegenteil, das verzweifelte vorantreiben dreister Enteignungsmethoden wird immer schlimmer. Es wird Zeit, dass wir über offene zivilgesellschaftliche oder ehrlich kommerzielle Alternativen bei “Sozialen” Plattformen nachdenken. Es gibt sie, wir müssen nur gemeinsam wechseln. Ich warte schon mal drüben bei flickr, wo mein Pro-Account für 4,6 cent/tag meinen Fotos ein sicheres Zuhause gibt.

    – disclosure: Ich arbeite in keinster Weise für flickr oder yahoo, noch werde ich anderweitig von denen bezahlt. Ich habe allerdings mal eine Gutschrift bekommen. —

  16. Ich wunderte mich heute über eine Benachrichtigung in der App, dass es neue AGB geben würde und habe dann erst von dem ganzen Wind mitbekommen. Da ist dieser Blogpost der erste, der schnell und kompakt alles Wichtige auf den Punkt bringt.

  17. Was mir an dem Beitrag nicht gefällt ist die Darstellung des Nutzerverhaltens auf Instagram.

    Instagram ist viel mehr als nur ein paar Fotos von halb aufgegessenen Pizzen.

    Eine Verallgemeinerung wie hier dargestellt ist ziemlich plump und sollte zum Nachdenken anregen, da auf der anderen Seite über die unkritische Darstellung in bekannten Online Medien abgelästert wird.

    Auf IG gibt es sehr viele hervorragende Fotos zu sehen!

    Darüber hinaus nutzen viele professionelle Fotografen und viele Prominente die Plattform als Werbeplattform.
    Liefern dafür aber meistens hochwertigen Content. Eine absolute Win Win Situation für Instagram und die Nutzer.

    Zum Thema AGB möchte ich noch einen Punkt erwähnen:

    Aus meiner Sicht ist es kein Zufall und kein Fauxpax von Facebook / Instagram, dass diese Neuigkeit kurz vor Weihnachten lanciert wird und bewusst sehr schwammig forumuliert wurde.

    Naiv ist, wer glaubt, dass kein strategisches Kalkül hinter der Aktion lag. Wäre der Aufschrei nur halb so laut gewesen, hätte FB die AGB so durchgesetzt.

    Und was steckt wirklich hinter der Aussage “wir werden das klarer formulieren” und “die Urheberrechte sind nicht betroffen”?

    Das ist absolute Augenauswischerei. Es geht nicht um die Urheberrechte, sondern um die Verwertungsrechte und da bin ich wirklich gespannt ob Facebook eine klare Aussage liefert.

    Eine wirkliche Win Win Situation wäre, eine kommerzielle Nutzung in Form einer Beteiligung der Nutzer aufzubauen.

    Es könnte ein riesiger Markt werden und ein völlig neues Geschäftsmodell entstehen.

  18. Und für alle die es nochmal lesen wollen im Klartext:

    “Some or all of the Service may be supported by advertising revenue. To help us deliver interesting paid or sponsored content or promotions, you agree that a business or other entity may pay us to display your username, likeness, photos (along with any associated metadata), and/or actions you take, in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you.”

    Wenn das nicht zweifelsfrei ein Freifahrtschein für jegliche Nutzung der Nutzerdaten ist, dann verstehe ich wohl etwas falsch.

    Das Versprechen man meine es nicht so klingt da mit Verlaub etwas heuchlerisch!

  19. oh, eine Ergänzung noch hinsichtlich einem funktionierenden Modell, wie Plattform, Nutzer und eine professionelle Fotoagentur gemeinsam an Fotos Geld verdienen können:

    flickr kooperiert seit 2009 mit Getty Images.

    Es gint also durchaus Alternativen zu “naja, so ein kostenloses Ding muss ja auch irgendwie Geld verdienen”-Gedankenlosigkeit.

    • Flickr ist aber nicht Instagram. Das sind zwei völlig verschiedene Dienste, wenn du dir die bisherige Nutzerschaft anschaust (auch wenn Flickr jetzt den Spagat versucht, sowohl die alte Zielgruppe als auch die Intagram-Nutzer anzusprechen).

      Flickr = Fotos.
      Instagram = visuelle Statusupdates.

  20. @Martin Weigert “visuelle Statusupdates“ – normale Menschen nennen es Foto. sowohl auf Flickr gibt es unendlich viele Gruppen, bei denen Fotos als Statusupdates benutzt werden, als auch auf Instagram viele Nutzer, die ihre Beiträge als Fotos (im Sinne von “Fotos“) betrachten.
    Des weiteren ändert diese merkwürdige Unterscheidung nichts an der Tatsache, dass die Nutzungsrechte gekapert werden von Instagram.
    Gibt es weitere ernstzunehmende Argumentationsversuche zum beschriebenen Kern des Problems von kommerzialisierten Social Plattformen?

  21. ich wollte schon die instagram app auf meinem Smartphone löschen und schups, es ändert sich doch nix :-)

    • Ehm, “jurgen”, ich glaube da hast du was falsch verstanden. Sie werden es umformulieren, trotzdem ändert sich was. Ich würde die Diskussion dann doch schon ein wenig aufmerksamer verfolgen.

  22. Hmmm…. wie sieht denn eine soeben verpeiste Pizza aus? Das hat mich jetzt echt nachdenklich gemacht.

  23. Da das Thema hier schon älter ist, aber dank NSA aktueller denn je ist, sieht man doch wie schnell die Aufregung darüber vergessen wird und alles seinen gewohnten Gang geht. Das war immer so und wird auch künftig immer so sein :-)

14 Pingbacks

  1. [...] [Update 3] Sehr schön zusammengefasst hat es Martin (@martinweigert) von netzwertig.com in “WIRBEL UM DIE INSTAGRAM-AGB: Versagen auf ganzer Linie – bei allen” [...]

  2. [...] schaf­fen, domi­niert auf­grund der brei­ten Nut­zer­schaft kein ande­res Netz­werk so die öffent­li­che Wahr­neh­mung und mediale Prä­senz wie Face­book. Wenig ver­wun­der­lich also, dass Face­book oft als [...]

  3. [...] finde ich hier den Blogbeitrag von Martin Weigert (@martinweigert) unter dem Titel “Versagen auf ganzer Linie – bei allen“. Denn genau das tut er, wenn er die Nutzer beschreibt in dem Kontext, es beträffe nur [...]

  4. [...] schaf­fen, domi­niert auf­grund der brei­ten Nut­zer­schaft kein ande­res Netz­werk so die öffent­li­che Wahr­neh­mung und mediale Prä­senz wie Face­book. Wenig ver­wun­der­lich also, dass Face­book oft als [...]

  5. [...] Instagram verkauft Nutzerfotos! Ohne zu fragen! Es herrschte ganz schön Aufregung um den von Facebook gekauften Fotodienst in den letzten Tagen. Eine Änderung in den AGB war dann aber weniger ein Flop des Unternehmens, sondern kollektives journalistisches Versagen, wie Martin Weigert findet. [...]

  6. [...] auch verdreht aus, zum Glück hat sich nicht auch noch Ilse Aigner zu Wort gemeldet. Dafür fasst Netzartig alles gut verständlich zusammen. Ich jedenfalls zog den Stecker und wanderte zu Flickr. War nicht [...]

  7. [...] Instagram hat mit seinen unglücklich vormulierten AGBs ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Letztendlich wird aber wieder mal alles nicht so heiß gegessen, wie gekocht. Und es hat sich auch wieder mal gezeigt, wie toll Kommunikation im Internet funktioniert: Instagram hat sich schlecht ausgedrückt, die Medien haben einen Skandal daraus gemacht und die User gehen sowieso immer gleich auf die Barrikaden, wenn ein kostenloser Dienst eine Gegenleistung verlangen will. Fertig ist der Shitstorm. Martin Weigert hat das ganze Thema recht gut zusammengefasst. [...]

  8. [...] sonst? Das war YouTube 2012 und das 2013 (sic!). Instagram trollte sich durch die Medienwelt und diese Infografik beschreibt 60s Internet. Deutschland bleibt auch über Weihnachten Social [...]

  9. [...] Versagen auf ganzer Linie – bei allen: Zusammenfassung des Wirbels um die veränderten Instagram-Geschäftsbedingungen. [...]

  10. [...] Instagram Mitte Dezember aufgrund umstrittener Änderungen seiner Geschäftsbedingungen ins mediale Kreuzfeuer geriet, war dies für die Konkurrenz ein Grund zur Freude. Ungeachtet der Frage, ob sie im Falle einer [...]

  11. [...] Nur um dann am Mittwoch nach einer Klarstellung seitens Instagram (“Danke, wir hören auf Euch”) scheinheilig zu konstatieren, Instagram sei “nach Protesten zurückgerudert”. Das ist das Unternehmen nämlich nicht – siehe die lesenswerte Zusammenfassung aller Missverständnisse von Martin Weigert bei Netzwertig. [...]

  12. [...] Der Artikel auf netzwertig.com fasst die Geschehnisse wirklich gut [...]

  13. […] die ganze Zeit ankacken. Das nervt. Lesenswerter Artikel zum gleichen Thema von Martin Weigert bei netzwertig.com. Bei rechtzweinull äußert sich Rechtsanwalt Ulbricht zu den Änderungen der Nutzungsbedingungen. […]

  14. […] Artikel zum gleichen Thema von Martin Weigert bei netzwertig.com. Bei rechtzweinull äußert sich Rechtsanwalt Ulbricht zu den Änderungen der Nutzungsbedingungen. […]

vgwort