Einfach mal neu starten:
Was die deutschen Verlage von
“The Verge” lernen können

Inmitten des Medienwandels, der Paywalls und des Zeitungssterbens hat sich das US-Technikportal The Verge innerhalb eines Jahres von null auf nahezu unentbehrlich manövriert. Gelungen ist diese beispiellose Erfolgsgeschichte mit viel Liebe zum Medium “Online” und, weil bei den Betreibern und finanzellen Unterstützern der Journalismus im Vordergrund steht, nicht der schnelle Dollar.

Eigentlich gab es kein Problem, es gab nur ein drohendes Szenario. AOL, zu dem unter anderem Engadget gehört, entwarf im Frühjahr 2011 einen Content-Leitfaden, der Seitenaufrufe höher stellen sollte als Qualität, und der zufällig an die Öffentlichkeit gelangte. Eine kleine Gruppe von Engadget-Mitarbeitern um Chefredakteur Joshua Topolsky befürchtete, künftig vor allem auf Masse produzieren zu müssen, sah die eigenen journalistischen Standards gefährdet und stieg aus. Topolsky war schon damals kein Unbekannter. Engadget wurde weltweit für schnelle und trotzdem qualitativ hochwertige Berichterstattung geschätzt und durfte unter anderem auf der Messe Consumer Electrics Show (CES) in Las Vegas als Hausblog exklusiv über Neuigkeiten berichten.

Wenn man einfach mal alles richtig macht

Auch wenn sich die Befürchtungen um Engadget im Nachhinein als überzogen herausstellten, machte der Exodus namhafter Autoren und Produzenten um Topolsky den Weg für eines der interessantesten Experimente im Journalismus der vergangenen Jahre frei: Was wäre eigentlich, wenn man ein Online-Projekt einmal nach den eigenen Wünschen formt und nicht nach den monetären Vorstellungen eines Verlags? Wenn man eine Website von absoluten Profis für Text, Bild, Ton und Gestaltung formen lässt, die genauso gut beim Fernsehen oder in einer renommierten Tageszeitung arbeiten könnten? Wenn man den Journalismus ein Stück weit neu definieren könnte, so wie damals die ersten Techblogs es taten, nur mit viel mehr Geld und professionellen Strukturen?

Schon kurz nach dem Ausstieg bei AOL und Engadget gründete Topolsky mit sieben Engadget-Kollegen, die ihm gefolgt waren, das Übergangsprojekt Thisismynext.com. Ein halbes Jahr später, am 1.November 2011, wurde daraus “The Verge“. Vor kurzem feierten die Gründer ihren einjährigen Geburtstag.

The Verge war die Qualität praktisch vom ersten Tag an anzumerken. Kluge Texte mit einer Bandbreite von kurzen News bis hin zu ausführlichsten, gut strukturierten Ratgebern. Das Portal setzt auf aufwändige Videos, die mit Profi-Equipment gedreht werden, und schnellere Hands-on-Videos, die sich eher an Normalsterbliche als an Techies richten. Besonders charakteristisch: das lesefreundliche, mit Bildern, Tabellen und Inhaltsverzeichnis garnierte und für alle Plattformen optimierte Webdesign. Inhaltlich auffällig: der freundliche Ton, die Offenheit gegenüber anderen Medien, und sei es die Konkurrenz. Die monatliche Videoshow “On The Verge” ist im Stile eines Late-Night-Talks produziert und könnte mit seinen Einspielern, prominenten Gästen und seinem Sinn für Humor ebenso gut im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Als ein Positivbeispiel sei die Smartphone-Übersicht genannt, bei der ein Leser für ihn interessante Modelle auf einen Blick vergleichen kann. Mir in Erinnerung blieb auch ein Leitfaden aus dem Frühjahr, der in einem Artikel praktisch alles erklärte, was für den Kauf einer Digitalkamera wichtig ist. Erst kürzlich machte The Verge mit einem Videoporträt über Google auf sich aufmerksam, das wie ein Unternehmensvideo wirkte, dabei aber journalistische Distanz wahrte.

Von Anfang an professionelle Strukturen

Rund 50 Mitarbeiter arbeiten für The Verge als Journalisten, Produktmanager, im Anzeigengeschäft oder als Webentwickler. Semi-professionelle Strukturen gab es bereits zuvor auch bei anderen Mehrautorenblogs wie Mashable, Techcrunch, GigaOm oder The Business Insider. Erstmals aber wurde bei einem Portal vom ersten Tag an auf Qualität gesetzt. The Verge sieht sich selbst an der Schnittstelle zwischen Technik, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Auf einem Foto der Crew sieht man modisch gekleidete New Yorker mit einem Hang zur Selbstironie. Das Motto ist eindeutig: Hier sind nicht die Nerds, hier sind die Hipster.

Das Projekt lässt sich ohne einen ganzen Batzen Geld natürlich nicht finanzieren. Trotzdem fand man auf The Verge lange Zeit gar keine Werbung, inzwischen tauchen sporadisch einige Werbebanner auf. Das Medienhaus Vox Media hat damit deutlich gemacht, dass bei ihm Journalismus zuerst kommt, nicht das Geld. Was eigentlich selbstverständlich klingt, ist heutzutage bei kaum einem Verlag überhaupt noch der Fall. Vox Media hat den Schritt gewagt, das Finanzielle für eine Weile hintan zu stellen. Das Unternehmen, das für 300 qualitative Content-Websites mehr als 400 Autoren angestellt hat, agierte dabei wie ein Startup.

Nicht alles bei The Verge ist eitel Sonnenschein. Die Übersichtlichkeit der bunten Startseite ist umstritten, noch ist nicht transparent, wie teuer der Betrieb eigentlich ist, welche Einnahmen das Projekt erzielt und wie man auf lange Sicht Geld verdienen will. Wie alle anderen Techblogs auch, basiert ein Teil der Berichterstattung von The Verge auf Gerüchten. Mindestens einmal lag man damit grandios falsch: Anfang September erhielt die Redaktion angeblich die Bestätigung eines Insiders, dass Amazon ein eigenes Smartphone vorstellen würde. Die Meldung darüber wurde mit “Exklusiv” betitelt, Quellen weltweit nahmen das Gerücht auf, nur: das Amazon-Smartphone kam nicht. Der Online-Retailer stellte einen Reigen neuer Tablets und Ebook-Reader vor, ein Smartphone war nicht dabei. Eine Korrektur, ein Update oder eine Entschuldigung veröffentlichte The Verge nicht. Ein durchaus kritikwürdiges Vorgehen; nach weiteren Haaren in der Suppe muss man allerdings mit dem Mikroskop suchen.

Lieber einmauern als Mut beweisen

Und auch ähnliche Projekte wie The Verge sucht man hüben wie drüben nahezu vergeblich. In den USA beachtenswert ist noch der Neustart der ehemaligen Techcrunch-Redakteurin Sarah Lacy mit dem unaufgeregten Hintergrundportal PandoDaily. In Deutschland wäre allenfalls die Ausgründung ehemaliger Giga.de-Redakteure zum vorfinanzierten Portal Androidnext eine Erwähnung wert, auch wenn man dort erheblich kleinere Brötchen backen muss.

Im deutschen Journalismus steckt das Geld nach wie vor in einer tradierten Verlegerlandschaft, die lieber viel Geld für das 52. Frauenmagazin in den Sand setzt, als einmal ein kluges Online-Projekt zu wagen. Lieber ruft man für Stoßgebete an Steve Jobs auf, portiert das papierne Zeitungsmodell optisch auf ein iPad, legt den “Focus” auf Werbung, Republizierung, Klickstrecken und allgemein Page Impressions oder mauert sich hinter Paywalls ein. Elektronische Medien dürfen nach wie vor nichts kosten. Investiert wird bei Print, online wird gespart.

Spricht man deutsche Verlage auf das Thema Online an, erhält man meist reflexartig die Antwort: Wir haben es ja versucht, aber es hat nicht funktioniert. Schaut man sich The Verge an und den Ansatz, einfach mal den Journalisten und Visionären den Vortritt zu lassen statt den Medienwirten, muss man entgegnen: Nein, ihr habt es nicht versucht. Zumindest nicht richtig.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

Mehr lesen

Ein halbes Jahr nach Debüt des iPad-Blogaggregators: Blogbox zieht Bilanz und verrät, wie es weitergeht

3.4.2014, 15 KommentareEin halbes Jahr nach Debüt des iPad-Blogaggregators:
Blogbox zieht Bilanz und verrät, wie es weitergeht

Vor sechs Monaten veröffentlichte das Münchner Startup Blogbox sein innovatives iPad-Blogmagazin. Mittlerweile können darin über 350 Blogs aus dem deutschsprachigen Raum gelesen werden. Nun rückt die Erhöhung der Reichweite sowie die Monetarisierung in den Vordergrund.

Mobiles Blogmagazin: Blogbox kommt aufs iPhone und bringt deutschsprachige Blogs direkt aufs Display

12.12.2013, 4 KommentareMobiles Blogmagazin:
Blogbox kommt aufs iPhone und bringt deutschsprachige Blogs direkt aufs Display

Der mobile Aggregator für deutschsprachige Blogs, Blogbox, erweitert drei Monate nach seinem Debüt seine Verfügbarkeit auf das iPhone. Knapp 150 Blogs sind mittlerweile dabei. Künftig können deren Inhalte auch per Push direkt auf das Display gebracht werden.

Vier Wochen Blogbox: Gelungenes Debüt, aber jetzt wird\'s ernst

15.10.2013, 7 KommentareVier Wochen Blogbox:
Gelungenes Debüt, aber jetzt wird's ernst

Blogbox, die App, die Inhalte Dutzender deutschsprachiger Blogs in einer iPad-App bündelt, schlägt sich im Praxiseinsatz mehr als wacker. Dennoch müssen die Macher taktisch klug vorgehen, um sich wirklich im Informationsalltag lesefreudiger Menschen verankern zu können.

Linkwertig: Foursquare, Windows Phone, Qwant, Qualitätsjournalismus

15.4.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Foursquare, Windows Phone, Qwant, Qualitätsjournalismus

Wirres mit einer schönen Dekonstruktion der Diskurs-Maschinerie der FAZ und mehr.

Das neue digitale Medienökosystem: Reichweite kann jeder

14.4.2014, 2 KommentareDas neue digitale Medienökosystem:
Reichweite kann jeder

Überall sprießen Medienangebote aus dem Internetboden, die innerhalb von kürzester Zeit Millionen Menschen erreichen. Dies zu bewerkstelligen, war noch nie einfacher.

Linkwertig: Microsoft, Yahoo, Apple, Journalismus

8.4.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Microsoft, Yahoo, Apple, Journalismus

Laut dem Upload-Magazin gibt es Leser, die für gut gemachte digitale journalistische Inhalte auch zahlen, und mehr.

30 Kommentare

  1. Schöner Schritt, einen guten Bericht über die (indirekte) Konkurrenz zu schreiben. Aber deine Leser lesen wahrscheinlich eh alle schon Verge, Pando & Co. neben netzwertig.

  2. Hmm, als Journalismus Projekt betrachtet klingt das toll. Aber als Business Projekt klingt es nach einer Nullnummer. Der eigentlichen Frage ist man mit The Verge kein Stück nähergekommen, nämlich ob professioneller Journalismus ohne Zwangsabgabe/Subvention verlustfrei machbar ist.

    • Derzeit sicher noch nicht. Aber warum muss es das? Erste Ansätze der Refinanzierung sind doch bereits da. Wenn man einem Projekt nicht einmal ein Jahr Vorlauf gibt, bis es erste Umsätze trägt, dann darf man sich nicht wundern, dass nie etwas Gutes dabei heraus kommt. Die werden das mit den Einnahmen schon noch früher oder später schultern. Schauen wir in 1-2 Jahren da nochmal rein.

  3. 1. Die Crew um Topolsky ist nicht wegen dem Content-Leitfaden von AOL den Weg der Abspaltung gegangen. Die Verge Idee ist schon viel viel aelter.
    2. 70 Leute, davon gut 30 Schreiber die umsonst fuer the Verge bloggen und dann ein Jahresbudget von gut 30 Mios (das liegt bei Engadget auf dem gleichen Level)

    Viel Spass damit, dass mal in Deutschand zu etablieren.

    P.S. Das Amazon-Smartphone kommt. Ist nur eine Frage der Zeit

  4. Schließe mich als jemand, die selbst eine Art “Tech-Blog” heraus gibt, Sascha an. Mit 30 Mio. und kostenfreien guten (!) Autoren kann das wohl jeder.

    Doch ohne Geld heißt es dann im Zweifel wohl “in Schönheit sterben” oder eben nicht so “schön” und designed sein und auch mal eine Klickhure schreiben.

    Für mich ist The Verge nett zu lesen, aber kein nachahmenswertes Beispiel für Leute, die keine Millionen zur Verfügung haben. Nischen-Online-Publikationen, die keinen positiven ROI haben, überleben nunmal einfach nicht und es bleibt abzuwarten, was aus The Verge wird, wenn der Geldstrom versiegt.

    • Woher kommt die Information von den 30 Autoren, die kostenfrei arbeiten? Wir reden hier nicht von der Huffington Post, die trotz eines viel fragwürdigeren Geschäftsmodells immer als Vorzeigebeispiel herangezogen wird. Der Ansatz von The Verge ist ein anderer. Erst Reichweite, später die Refinanzierung. Bei Twitter und Facebook hat das keiner kritisiert. Und The Verge wird sich früher oder später auch um das Monetäre kümmern müssen. Es wird spannend sein zu sehen wie man das macht.

    • “Und The Verge wird sich früher oder später auch um das Monetäre kümmern müssen.”

      Dieser Satz lässt aus dem ganzen Artikel davor die mit kräftigen Pumpenschüben eingeblasene Luft raus.

      Es mag ja sein, dass The Verge ein gutes Format mit guten Artikeln ist. Aber wenn sich das Angebot finanziell nicht selbst trägt, warum wird es hier dann als leuchtendes Beispiel für die deutsche Verlagsbranche ins Feld geführt?

    • @Roland: Genau das sollen die Verlage von The Verge lernen. ;) Dass es ein Fehler sein kann, alles unbedingt im ersten Jahr schon refinanzieren zu wollen. Das setzt ein Projekt ungeheuer unter Druck und ist oft schon der Grund, warum es scheitert. Man kann Projekte auch nach fünf Jahren noch refinanzieren, wenn man etwas längeren Atem hat. Bei der FTD hatte man ihn. ;)

    • “Dass es ein Fehler sein kann, alles unbedingt im ersten Jahr schon refinanzieren zu wollen”

      Signed.

    • Juergen, das ist ein offenes Geheimnis mit den kostenlosen Autoren, ebenso wie die Geschichte bezueglich der AOL-Anweisung und dem Etat :)

  5. Die Frage ist, ob man das Modell “The Verge” (wie ich finde ein dämlicher Name) 1:1 auf Deutschland übertragen kann. Ich sage nein!

    Die potentielle Leserschaft ist in den USA deutlich größer und die Leserschaft macht ja nicht Halt vor den USA-Grenzen, dank englisch ist die halbe Welt ein potentieller Leser.

    Das sieht bei einem deutschen “Blog” deutlich anders aus. Hier lesen vergleichsweise nur eine Handvoll Leute mit.

    • Es geht mir nicht nur um Technikmagazine oder darum, dass man das Modell Verge eins zu eins nach Deutschland kopieren sollte. Es geht mir um den Ansatz: Wenn man mit einem Webprojekt erfolgreich sein will, dann darf man nicht vom ersten Tag an verlangen, dass es schwarze Zahlen schreibt. Man muss den Mut haben vorzuinvestieren. Das mit dem 52. Frauenmagazin war ja kein fiktives Beispiel. Es werden wirklich jährlich Millionen versenkt, um das x-te Blatt zu einem gleichen Thema auf den Markt zu werfen. Das Geld scheint also offensichtlich da zu sein. Wenn Risiko, warum dann nicht einmal etwas im Web riskieren?

      Das Argument mit der Sprache habe ich auch eine Zeitlang verfolgt, bin aber etwas davon abgerückt. Es gibt auch im deutschsprachigen Raum mehrere Technikmagazine mit einem Millionenpublikum. Hier ließe sich ganz sicher auf absehbare Zeit das eine oder andere finanzieren.

    • Hallo Jürgen,

      welche Online-Technik-Präsenz meinst du mit einem Millionenpublikum? Heise jetzt aber nicht, oder? Ohne die Zeitschriften wären die nicht da wo sie sind. Und du redest von mehreren?

      Und natürlich muß man nicht von Tag 2 Kohle verdienen, es schadet aber auch nicht von Anfang an sich Gedanken zu machen, wie und wann kann ich damit Geld verdienen bzw. ab wann muß (!) ich Geld verdienen sonst wird zugesperrt.

    • Heise, t3n, Chip, Computerbild, wenn du welche ohne Zeitschrift im Hintergrund suchst, nimm z.B. Netzwelt, Golem, Androidpit, Winfuture, Area Mobile, Blogwerk ;) …

      Schau mal hier: http://t3n.de/news/rankin…-medien-netz-289475/

      Wahrscheinlich alles nicht so schlecht, wie du denkst.

  6. Könnte der nach Klicks Werbefinanzierte Blog nicht auch nur eine Übergangsphase sein? Wenn die großen mit Optimierung nach Unique Visitors (SPON jede Stunde checken) am Masse statt Klasse Prinzip scheitern – könnten sich durchaus andere Modelle etablieren.

    Die aktuellen Geschäftsmodelle und (Mis)Erfolgsgeschichten basieren auch darauf was denn überhaupt am Markt angeboten wird, bzw. genau nicht angeboten wird. Eine der wichtigsten Fragen im Journalismus aktuell ist doch: Werden wir gelesen weil wir gut sind oder nur weil nix besseres da ist?

    Bezahlmodelle werden ja erst seit 2011 überhaupt getestet. Werbefinanzierte Inhalte waren ja als einzige zu bekommen. (“Damals gabs ja nix anderes”) Und wenn die Leser einen Artikel kostenlos lesen, dann für 2€ Traktoren und für 3€ Songs kaufen, liegt ja schon die Frage nahe, warum lässt man sich nicht für Artikel bezahlen. Wer natürlich der seichten Neuigkeit nachjagt, wird nie dafür bezahlen.

  7. Genau gebe Karl recht. Die Zielgruppe kann doch Englisch. Deutsche Bloggs und auch heise sind doch was Tech-nachrichten angeht auch immer 2-3 Tage zu spät. Außer es passiert mal was umgeplantes in Deutschland. Zur IFA sind ja auch die flinken Schreiber von The Verge vor Ort dabei.
    Und dann weiß man nicht ob der Autor weiß das “Billion” eine Milliarde ist und nicht eine Billion. Solche übersetzungfehler habe ich zu oft erlebt so das ich deutschen quellen eigentlich generell misstraue.

    • Wie man so hört, plant Heise auch etwas Neues in der Richtung. ;) Platz wäre da, auch in Deutschland. Inhaltlich muss sich ein neues Magazin natürlich von anderen differenzieren, das muss aber jedes Magazin, Sprache und Milliarden egal.

    • die pauschale kritik geht spurlos an mir vorbei. wir veroeffentlichen in einem monat mehr exklusiven techcontent, wie die gesamte deutsche branche in einem jahr und genau das ist wohl dann auch der grund, warum wir das:

      a) vernuenftig monetarisieren koennen

      und

      b) das meisstgenannte dt. techblog auf den seiten wie engadget und the verge der letzten jahre sind

      was dazu fuehrt, dass

      c) die kollegen von den genannten seiten sich bei den dt. messen wie cebit und ifa sich an uns wenden und dranhaengen.

      dann weiss man uebrigens auch (lieber juergen), wie the verge strukturiert und finanziert ist.

  8. Wenn man The Verge unter den Gesichtspunkten anschaut, sollte auch deren Schwester-Seite Polygon (http://www.polygon.com) nicht unterwähnt bleiben.

    Ähnlicher Ansatz und bisher macht das lesen Spaß. Deren Video-Reihe zur Entstehung des Projekts, der Seite & des Teams mit dem Titel “Press Reset” sollte man sich übrigens ebenfalls unbedingt mal geben, wenn einen das Thema interessiert: http://www.polygon.com/press-reset

    • Ist ne coole Mini-Series geworden. :) Muss gestehen, dass ich Polygon bisher noch nicht kannte, weil ich wenig mit dem Thema Games zu tun habe. Hat Polygon in der Branche ähnliche Akzente gesetzt wie The Verge beim Thema Gadgets?

    • Polygon ist ja noch ganz frisch, vielleicht einen knappen Monat alt oder so etwas um den Dreh. Von daher mal abwarten wie sich das weiterentwickelt. Ist auf jeden Fall auf einem ähnlich hohen Niveau wie The Verge, meiner Meinung nach.

  9. The Verge mag ja für Tech Blogs funktionieren. Aber normale Politik- und Witschaftsnachrichten sind dermassen mit Lobby-Interessen verbunden (siehe Burda, Springer etc. hierzulande), so dass der Herausgegeber lieber die Qualität zugunsten einer schnellen Lesermanipulation opfert.

    • Gerade dann brauchst du ein Magazin mit dem langen Atem, das die Ruhe hat, die Verstrickungen aufzudecken. Wenn du dich vom ersten Tag an refinanzieren musst, bleiben die Themen an der Oberfläche, klar.

    • Gerade da würde “The Verge” super funktionieren. Wenn die tolle neue Politnewsseite vom ersten Tag an Gewinn abwerfen soll und es kommt nichts rein…und selbst wenn der Hype um die Newsseite losgeht werden finanziell immer noch keine schwarzen Zahlen geschrieben…und dann schaltet plötzlich ein FDP-nahes Unternehmen eine Werbefläche. Zahlt doppelt so viel wie verlangt, im Vorraus bar auf die Hand. Natürlich wird in so einer Situation überdacht über wen objektiv berichtet wird und wer den Freundschaftsbonus bekommt.

      Eine auf eine langfristige Entwicklung ausgerichtete Newsseite bzw. ein solcher Blog braucht jedoch nicht jedem Geldgeber aus der Hand zu fressen. Das ermöglicht erst eine neutrale Berichterstattung.

  10. Ich selbst war einer der Gründer von AndroidPIT und werde ab Januar für das angesprochene Heise-Projekt arbeiten. Entsprechend kenne ich die Probleme, die ein Blog, eine Tech-Seite oder wie immer man das nennen möchte, hat.

    The Verge ist ganz bestimmt ein Benchmark für sehr viele in der Branche. Wie schon im Artikel richtig geschrieben: Es sind sehr professionelle Strukturen. Umso mehr bezweifle ich, dass es nicht auch für die Monetarisierung einen echten Plan gibt. Werbung kann da nicht alles sein. Kein professioneller VC gibt 30 Millionen auf gut Glück.

    Es ist eine sehr deutsche Diskussion, dass man der hiesigen Szene per se einen unprofessionellen Anstrich verpassen möchte und von Haus aus meint, alles hierzulande wäre nicht ebenbürtig, und wenn, dann kopiert. Sascha sagt schon ganz richtig, dass mobilegeeks (bzw. er selbst) ein sehr großes Ansehen bei The Verge, engadget & Co genießt.

    • Ist das Projekt dann wirklich TechStage oder ist das noch mehr?
      Entsteht dann vermutlich auch auf Basis von InterRed?

    • Es ist tatsächlich Techstage. Derzeit gibt es noch kaum Funktionen. Das wird sich aber ganz bestimmt irgendwann in 2013 ändern.

  11. Na dann bin ich mal gespannt ;)

7 Pingbacks

  1. [...] Verge” also effektiv 1,5 Jahre alt. Jürgen Vielmeier “singt” wie folgt ein Loblied auf dieses neue [...]

  2. [...] Verge” lernen können. Was die deutschen Verlage von “The Verge” lernen können, [...]

  3. [...] Einfach mal neu starten: Was die deutschen Verlage von “The Verge” lernen können Inmitten des Medienwandels, der Paywalls und des Zeitungssterbens hat sich das US-Technikportal The Verge innerhalb eines Jahres von null auf nahezu unentbehrlich manövriert. [...]

  4. [...] einer künftigen Marktstellung eine Kannibalisierung des bisherigen Geschäfts in Kauf zu nehmen und in die Zukunft zu investieren.Beobachtet man, wie die Lufthansa als Europas größte Fluggesellschaft künftig alle Verbindungen, [...]

  5. [...] Einfach mal neu starten: Was die deutschen Verlage von “The Verge” lernen können &r… "Im deutschen Journalismus steckt das Geld nach wie vor in einer tradierten Verlegerlandschaft, die lieber viel Geld für das 52. Frauenmagazin in den Sand setzt, als einmal ein kluges Online-Projekt zu wagen. Lieber ruft man für Stoßgebete an Steve Jobs auf, portiert das papierne Zeitungsmodell optisch auf ein iPad, legt den “Focus” auf Werbung, Republizierung, Klickstrecken und allgemein Page Impressions oder mauert sich hinter Paywalls ein. Elektronische Medien dürfen nach wie vor nichts kosten. Investiert wird bei Print, online wird gespart." [...]

  6. [...] durch interessante und attraktiv aufbereitete Serviceangebote – auch im Web. Als ein herausragendes Beispiel hierfür mag das US-Technikportal The Verge [...]