Messenger trifft Mashup-Tool:
Moped stellt Verbindung zu IFTTT her

Der Berliner Webmessenger Moped hat einen eigenen Kanal beim Webremixer IFTT eröffnet. Es ist erst der dritte Dienst aus dem deutschsprachigen Raum, der sich mit IFTTT verbindet. Dabei bietet der Mashup-Baukasten jungen Webunternehmen vor allem einen unschlagbaren Vorteil: Werbung in eigener Sache.

Während Twitter sich mehr und mehr vor Drittanbietern verschließt, sehen andere Dienste ihre Chance in einer offenen API. Der von uns schon mehrfach gelobte Mashup-Baukasten IFTTT erlaubt es Nutzern, die APIs mehrerer Angebote zu kombinieren. Derzeit sind 56 Webservices dort präsent. Aus dem deutschsprachigen Raum kommt nun nach Soundcloud und Zootool auch Moped hinzu.

Wir hatten Moped im Juni vorgestellt und waren recht angetan von der einfachen Bedienung, der Schnelligkeit und der Möglichkeit, Nachrichten an mehrere Personen zu verschicken, egal ob vom Rechner, dem Smartphone oder dem Tablet aus. Eine offene API und der Schritt zu IFTTT erweitern nun das Funktionsspektrum des Tools und machen es einer größeren Nutzergruppe bekannt.

Zwei der ersten Moped-Rezepte auf IFTT stammen von Gründer Schuyler Deerman selbst. Die mehr als ein Dutzend anderen Rezepte bieten Nutzern etwa die Möglichkeit, sich Mails aus dem GMail-Posteingang als Moped-Nachricht schicken zu lassen, wenn sie von einem festgelegten Absender stammen. Gleiches funktioniert mit Bildern der Fotocommunity Instagram und Postings der Blogplattform Tumblr. Freunde lassen sich auf Moped benachrichtigen, wenn man seinem öffentlichen Dropbox-Verzeichnis eine Datei hinzugefügt hat. Deermans eigene Rezepte sind wohl nicht ganz bierernst gemeint: Benachrichtigungen, wenn Facebooks Börsenkurs unter 15 US-Dollar fällt oder wenn jemand ein Gemälde vom Berliner Fernsehturm bei Etsy einstellt.

Bisher laufen alle verfügbaren Rezepte in Moped ein. Interessant wäre auch die Gegenrichtung, also etwa die Möglichkeit, Moped-Nachrichten in Evernote oder Dropbox zu archivieren. Laut Deerman ist das zur Zeit noch nicht möglich; die API solle in Zukunft aber erweitert, Moped auch in andere Dienste eingebettet werden. Erst vergangene Woche stellte die österreichische SMS- und Messagingplattform mysms eine Archivierungsmöglichkeit der Nachrichten für Evernote vor. Außerdem können die Anwender mit Hilfe des mysms-Archivierungstools ihre Chat-Nachrichten durchsuchen. Eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit, die bislang kaum ein anderer Dienst bietet.

Deerman hält die Kooperation mit IFTTT im Hinblick auf die international aktiven Investoren wie Earlybird und Betaworks für sinnvoll, weil diese auch an anderen, bei IFTTT präsenten Startups beteiligt sind. Ferner könne man sich mit der Erweiterung gegenüber der breit aufgestellten Konkurrenz von iMessage bis WhatsApp hervor tun.

Natürlich geht es dem Berliner Dienst auch ums Marketing. Erst im Juni in die offene Beta-Version gestartet, ist es nicht gerade so, dass die Welt sehnsüchtig auf noch einen Messenger gewartet hätte. Die oben erwähnte Konkurrenz ließe sich noch um Kik, Yuilop, Samsungs ChatOn, den Facebook-Messenger oder Twitter-Direktnachrichten ergänzen – um nur einige zu nennen. Da IFTTT gute Presse erhielt, viele Menschen inzwischen die angebotenen Rezepte nutzen und die Zahl der dort gelisteten Tools mit 56 noch überschaubar ist, bietet das für Moped eine hervorragende Möglichkeit, um den eigenen Service bekannt zu machen.

Moped präsentiert sich mit dem jüngsten Schritt offen – etwas, das man auch anderen Startups aus dem deutschsprachigen Raum nahelegen möchte: IFTTT kann neue Dienste bekannt machen und Tüftlern die Werkzeuge für kreative Mashups in die Hand geben. Wer weiß: Vielleicht hat irgendein Entwickler auf der Welt eine geniale Idee, die Moped in Kombination mit einem anderen Dienst erst zu einer Killer-Anwendung macht. Die Berliner bewahren sich diese Chance.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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2 Kommentare

  1. Wie kommt man als Anbieter eigentlich bei IFTTT rein?
    Liest sich so, also ob man das selber entscheiden könnte? Muss man sich da einkaufen?

    • Bislang: Mit Ifttt Kontakt aufnehmen und sich registrieren. Laut FAQ arbeitet man an einer Plattform, um jeden Dienst aufzunehmen, wobei ich mir recht sicher bin, dass es da schon noch eine Einlasskontrolle gibt.

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