simfy-CEO Gerrit Schumann:
“Wir bereiten uns auf
massives Wachstum vor”

Die simfy-Gründer Christoph Lange und Steffen Wicker verlassen den Kölner Streamingdienst für Musik. CEO Gerrit Schumann betont, dass dieser Schritt lange geplant war, und erklärt, dass sich der Service trotz einiger Herausforderungen auf massives Wachstum vorbereitet.

Wie am Samstag berichtet, verlassen die Gründer des deutschen On-Demand-Musikdienstes simfy das Kölner Unternehmen. Am Freitagnachmittag gaben Christoph Lange und Steffen Wicker dies in einer persönlichen Mail bekannt, ohne dass dazu von Seiten simfys bereits eine offizielle Stellungnahme existierte. Die Nachricht vom Weggang des Duos warf eine Reihe von Fragen auf, unter anderem, wie es überhaupt um simfy steht. Hohe Lizenzgebühren und ein harter Konkurrenzkampf setzen dem Startup seit längerem zu. Jetzt hat simfy-CEO Gerrit Schumann uns einige Fragen zur aktuellen Lage bei simfy beantwortet.

In letzter Zeit konnte leicht der Eindruck entstehen, mit simfy geht es nicht mehr richtig voran. Ist dem so?
Der Eindruck kann in 2012 durchaus berechtigt entstanden sein. Tatsache ist aber, dass wir uns im Hintergrund eindeutig auf die Offensive und massives Wachstum vorbereiten. Wir haben vor einem Jahr begonnen, unsere gesamte Plattform neu aufzubauen und seitdem das Entwicklungsteam deutlich erweitert. Wir sind uns bewusst, dass unsere derzeitigen mobilen Apps noch nicht da sind, wo wir sie selber gerne hätten. Genau deswegen haben wir uns die Zeit genommen, komplett neue Applikationen zu entwickeln, die definitiv begeistern werden. Launch ist im Frühjahr und das markiert auch den Beginn der kommenden Ausrichtung von simfy. Eventuell werden wir noch dieses Jahr eine erste Public Beta launchen. Desktop und Website Player werden nach den mobilen Apps folgen. Das ganze wird begleitet durch eine Qualitätsoffensive, so dass wir beim Release der neuen Apps vor allem auch zeigen, dass Performance, Stabilität und Usability ganz weit vorne bei simfy stehen. Hier haben wir die Kommentare unserer Nutzer in der Vergangenheit ernst genommen und in den letzten zwölf Monaten ununterbrochen daran gearbeitet. Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit neuen Features bei den bestehenden Apps auch etwas zurück gehalten und uns auf die neue Generation von Music Streaming Apps konzentriert.

Auch die komplette Einstellung der Gratisversion von simfy hat die Außenwahrnehmung beeinflusst. Ist das nicht ein Wettbewerbsnachteil?
Meiner Meinung nach sind alle bisher auf dem Markt verfügbaren Freeservices nicht zufriedenstellend – weder aus Sicht der Künstler, noch aus Sicht der Streamingdienste oder Konsumenten. Auf Dauer sehe ich werbefinanzierte On-Demand-Services ehrlich gesagt grundsätzlich eher kritisch und für nicht ausreichend monetarisierbar. Wir planen auch hier für 2013 einen anderen, neuen Weg zu gehen mit dem Ziel, einen langfristig nachhaltigen Freeservice zu etablieren.

Wie hat sich simfy in diesem Jahr denn entwickelt?
2012 war für uns insgesamt ein sehr, sehr gutes Jahr, was unsere Kernmetriken im Vergleich zum Vorjahr anbetrifft: Der Umsatz stieg um mehr als 400 Prozent, der Verlust wurde um 85 Prozent verringert, die Zahl der zahlenden Abonnenten nahm um 500 Prozent zu und die Kündigungsquote konnte um 60 Prozent reduziert werden. Entsprechend sehe ich auch die Aussichten für simfy mehr als optimistisch. Absolute Zahlen werden wir voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte nächsten Jahres bekannt geben können. Erwähnenswert sind außerdem noch zwei größere Partnerschaften, die wir in diesem Jahr abschließen konnten: eine sehr gute Kooperation mit 1&1 und eine weitere, die noch dieses Jahr bekannt gegeben wird. Außerdem haben wir einen weiteren Investor für unser zukünftige Expansion gewonnen – auch hierzu werden wir noch in diesem Jahr Details verkünden

Und dein Optimismus wird auch nicht durch die enorme Zahl an Konkurrenten getrübt?
Der Markt ist natürlich deutlich wettbewerbsintensiver geworden. Ich sehe aber gerade deswegen auch noch deutliches Potential zur klaren Positionierung und Differenzierung von simfy gegenüber dem Wettbewerb. Es gibt im Markt derzeit einen international ausgeprägten Player mit differenziertem Produkt und ansonsten eine Reihe von „Me-too“-Produkten mit Wischiwaschi-Positionierung. Das wollen und werden wir in 2013 bewusst anders machen und uns klar differenziert positionieren. Genau das ist unsere Chance, und dann werden wir auch global schneller und nachhaltiger Gas geben. Von daher wird 2013 für simfy ein sehr cooles und erfolgreiches Jahr werdeny, davon bin ich überzeugt.

Was gibt es zum Weggang vom Christoph und Steffen noch zu sagen?
Der Weggang der beiden Gründer von simfy ist von langer Hand geplant und verläuft absolut harmonisch und konstruktiv. Die beiden werden dem Unternehmen  mit Sicherheit auch langfristig noch verbunden bleiben und es unterstützen, wo sie können.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Ich finde Simfy ist nach wie vor ein guter Musikdienst. Ich nutze den Dienst gern, um mir Alben anzuhören und hab auch schon eine große Sammlung an Favoriten angelegt. Das war für mich persönlich in erster Linie der Grund, warum ich nicht zu Spotify gewechselt bin. Ich hab dort zwar einen kostenlosen Account, der wird aber erheblich weniger genutzt als der Simfy Account. Simfy muss sich behaupten und wie das der CEO schon gesagt hat: Es wird über die Apps funktionieren. Ich werde Simfy jetzt erstmal gezwungenermaßen den Rücken kehren, da ich von Android auf Windows Phone 8 wechsle. Sollte es aber dafür dann Simfy geben werde ich es nutzen. Dafür spricht für mich die Bedienung. Ich mag den iTunes Stil von Spotify nicht so.

  2. Ich versteh nicht so ganz was er meint, die werbefinanzierte Version bei Spotify ist optional. Wenn ich da zahle habe ich auch keine Werbung.

    Was ist denn die alternative fuer Werbung bitte?
    Das muss ja echt revolutionaer sein, andererseits seh ich da keine Change gegen Spotify was technisch nahezu perfekt ist.

  3. Massives Wachstum? Also die Kölner Filiale ist geschlossen worden, die Mitarbeiter nahezu alle entlassen. Sorry aber ‘außer Spesen nix gewesen’.

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