Stadtzettel:
Pinterest für den stationären Handel

Bei Stadtzettel können stationäre Händler Verbraucher über aktuelle Angebote und Produkthighlights informieren. Kunden erhalten die Möglichkeit, sich Einkaufslisten zusammenzustellen und Produktkampagnen spezifischer Geschäfte im Blick zu behalten.

Die Zukunft des Handels liegt im Onlineshopping. Doch eine unbeantwortete Frage lautet, wann und ob der stationäre Handel durch E-Commerce komplett verdrängt werden kann. Ein Blick in Einkaufszentren an Samstagen zumindest lässt vermuten, dass sich viele Verbraucher den Einkaufsbummel nicht so leicht abspenstig machen lassen wollen. Und ist die Milch alle, will niemand Stunden oder gar Tage auf online bestellten Nachschub warten. Insofern ist davon auszugehen, dass Verbraucher noch auf viele Jahre hin die lokalen Geschäfte in ihrer Umgebung frequentieren werden – und Informationsbedarf daran haben, was es wann wo gibt und wo sich eventuell ein Schnäppchen schlagen lässt.

Die reichweitenstarken Prospektdienste kaufDa und MeinProspekt bringen Konsumenten mit digitalisierten Versionen von tages- und wochenaktuellen Werbeprospekten bekannter Einzelhandelsketten aus der unmittelbaren Umgebung auf den neusten Stand über das lokale Angebot und aktuelle Preiskracher. Doch Daniel Pichel und Bernd Öhlrich, die Gründer des Berliner Startups Stadtköpfe, glauben, einen besseren Weg gefunden zu haben, um Konsumenten über Sonderangebote und Kampagnen des lokalen Handels zu informieren: Stadtzettel heißt der in dieser Woche als Webversion gestartete Dienst, auf dem sich Nutzer Einkaufslisten aus den von Betreibern von in der Nähe befindlichen Geschäften beworbenen Produktangeboten zusammenstellen können.

Auch wenn Analogien im Stile von “Pinterest für den stationären Handel” von der Tech- und Startup-Presse überstrapaziert werden, so dürfte diese Parallelenziehung in wenigen Worten verdeutlichen, was genau Stadtzettel darstellt: Einzelhändler weisen auf spezielle Angebote, zeitlich begrenzte Kampagnen oder Verkaufsschlager in Form kleiner virtueller “Zettel” hin, die Nutzer in einem an Pinterest erinnernden Rasterlayout präsentiert werden. Diese Zettel, die kompakte Angaben zum Produkt, zum Preis und zur Gültigkeit enthalten, können von Anwendern mit einem Klick zu ihrer persönlichen Einkaufsliste hinzugefügt oder über einschlägige Social-Web-Kanäle geteilt werden. Sämtliche “gebookmarkten” Zettel landen im Bereich “Meine Zettel” und lassen sich dort als Einkaufsliste ausdrucken oder per E-Mail verschicken.

Weiterhin gestattet Stadtzettel Nutzern das Abonnieren einzelner lokaler Geschäfte. Jeder partizipierende Händler besitzt eine eigene Profilseite, auf der alle von ihm bei Stadtzettel eingetragenen Produkthighlights aufgeführt werden. Auch von hier lassen sich diese auf den persönlichen Einkaufszettel übernehmen, außerdem platziert ein Klick auf die Schaltfläche “Lieblingsgeschäft” den jeweiligen Händler in der Sektion “Meine Geschäfte”, wodurch sich Konsumenten immer einen schnellen Überblick über die neuesten Angebote beim Lebensmittelhändler oder Klamottengeschäft um die Ecke verschaffen können.

Zum Debüt testen laut Aussage von Stadtzettel-Gründer Bernd Öhlrich mehr als 100 ausgewählte stationäre Händler in Berlin, München, Bonn und Leipzig den Dienst und halten ihre Profilseiten mit aktuellen Angeboten aktuell. Dabei sind Filialen zahlreicher bekannter Ketten, von Real und Galeria Kaufhof über Aldi und Lidl bis zu Biomarkt und Strauss Innovation. Händler, die ebenfalls mitmischen wollen, können eigenhändig ihr Profil einrichten und darauf zu präsentierende Zettel mit Angeboten eintragen. Im Rahmen der derzeitigen Betaphase fallen dafür ein Jahr lang keine Kosten an, und der Berliner Service unterstreicht, dass nach dieser Testzeit keine Zahlungsverpflichtungen greifen. Händler, die zu dem Schluss kommen, die Pflege ihrer Profile sei zu viel Arbeit und lohne sich nicht, können sich dann also problemlos wieder von Stadtzettel verabschieden.

Stadtzettel macht sowohl vom Konzept als auch der Umsetzung her einen soliden Eindruck. Trotz des dieser Tage bei so vielen Onlinediensten zu begutachtenden pinterestartigen Designs gelingt es dem Service, einen eigenen optischen Charakter zu entwickeln. Die Bedienung der Site ist intuitiv und auch für weniger versierte Nutzer geeignet. Der grundsätzliche Gedanke, einen granularen Überblick über einzelne Angebote am “Point of Sale” zu liefern und diese Informationen mit Share-Funktionalität auszustatten, erscheint mir deutlich sinnvoller, als Printprospekte online zu publizieren. Gleichzeitig bedeutet dieses Verfahren natürlich zusätzliche Arbeit für die Einzelhändler, die selbst dafür verantwortlich sind, dass die virtuellen Produktzettel auch tatsächlich das momentane Angebot im Geschäft abbilden und nicht völlig veraltet sind.

Doch ein Blick auf eines der Händlerprofile zeigt, dass Stadtzettel Geschäften eine ideale Gelegenheit bietet, ihre Angebotspalette in optisch ansprechender, trendiger Form im Netz zu präsentieren und an die Gepflogenheiten der Social-Medial-Ära anzupassen.

Finanziert wird der Aufbau von Stadtzettel bisher aus den Mitteln der Gründer, die unter anderem aus dem Verkauf der von Daniel Pichel lancierten Internetagentur Newsmax im Jahr 2009 stammen. Heute ist Newsmax ein Presseportal, Pichel agiert dort weiterhin als Geschäftsführer. Gespräche mit Investoren für Stadtzettel laufen derzeit.

Ein offensichtliches Manko in der Launchstrategie von Stadtzettel stellt die Tatsache dar, dass mobile Applikationen für iPhone und Android erst im Dezember veröffentlicht werden sollen. Da Stadtzettel keine für mobile Geräte angepasste Website anbietet, sind Konsumenten, die den Dienst produktiv verwenden wollen, tatsächlich dazu gezwungen, sich eine Einkaufliste auszudrucken oder per Mail zuzuschicken. Und auf das Stöbern in den Angeboten naheliegender Geschäfte von unterwegs müssen User so auch verzichten.

Ein Dienst, der Konsumenten zum Shoppen im lokalen Handel animieren will, ist prädestiniert für einen “mobile first”-Ansatz. Auch deshalb, weil Stadtzettel nun der Konkurrenz zwei Monate Zeit lässt, um ein ähnliches, für Smartphones (und Tablets) optimiertes Produkt zu entwickeln. Ein unnötiges Risiko eines sonst vielversprechenden Startups.

Link: Stadtzettel

 

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Ein Kommentar

  1. Die Idee ist wirklich nett. Endlich mal weiter gedacht als Pinterest einfach nur das x-te Mal 1:1 zu kopieren. Leider ist aber nicht nur die fehlende mobilen Ausrichtung fraglich, auch das man zur Anmeldung gezwungen wird um sich lokale Angebote anzusehen, ist nicht ideal. Die PLZ könnte man auch erst mal in einem Cookie oder in der Session speichern um den User überhaupt zu zeigen was ihn erwartet.

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  1. [...] Stadtzettel: Pinterest für den stationären HandelBei Stadtzettel können stationäre Händler via Web-Plattform Verbraucher über aktuelle Angebote und Produkthighlights informieren. Kunden erhalten die Möglichkeit, sich Einkaufslisten zusammenzustellen und Produktkampagnen spezifischer Geschäfte im Blick zu behalten. [...]

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