StreetSpotr und WorkHub:
Nutzerakquisition ist kein Problem

Smartphone-Nutzer in Pausen und Wartezeiten in spontane Arbeitskraft zu verwandeln, liegt im Trend. Die Erfahrungen von StreetSpotr und WorkHub zeigen: Nutzer von dem Konzept zu überzeugen, ist kein Problem. Woran es noch mangelt, sind Auftraggeber.

Smartphone-Nutzer in kleinen Pausen und Wartezeiten als mobile Arbeitskraft heranzuziehen und bezahlte Kleinstaufgaben erledigen zu lassen – diese Auslegung des Crowdsourcing-Prinzips ist einer der Trends des Jahres 2012. Bereits im Januar ging das Berliner Startup WorkHub mit einem derartigen Ansatz online (unser Bericht), kurz darauf folgte AppJobber und im April startete der Nürnberger Konkurrent Streetspotr mit einem Launch in 20 deutschen Großstädten durch (unser Bericht, Nachtrag: die geschlossene Beta-Phase begann bereits im November 2011). Schon die vergleichsweise hohe Zahl an Retweets und Facebook Shares, die unsere Artikel zu den Diensten erhielten, legen nahe, dass ein großes Interesse an dem Konzept der spontanen, mobilen Arbeitskraft besteht – angesichts der zunehmenden Smartphone-Verbreitung und der Tatsache, dass sich gerade junge Leute gerne ohne großen Umstand ein paar Euro hinzuverdienen, gar nicht so verwunderlich. Heute, knapp ein halbes Jahr später, haben wir ein Update von Streetspotr und WorkHub.

Im Gegensatz zu WorkHub, das mit einer ausgedehnten geschlossenen Beta-Phase begann, setzten die StreetSpotr-Gründer Werner Hoier und Holger Frank auf einen energiegeladenen Launch mit schneller Expansion. In Deutschland haben sich bisher über 85.000 Nutzer bei dem Dienst registriert, der mittlerweile flächendeckend angeboten wird. Die Verfügbarkeit von Aufträgen variiert natürlich je nach Standort und ist tendenziell in Ballungsräumen besser als auf dem Land. Zu den Unternehmen, die bei Streetspotr im Self-Service-Verfahren Microjobs schalten, die von Smartphone-Anwendern dann an spezifischen Orten erledigt werden, gehören lieferheld.de, Immowelt, Wöhrl, Ströer Digital sowie internationale Marktforschungsinstitute.

Auch die Kollegen von t3n experimentieren derzeit mit StreetSpotr. Die Aufgabe, die sie StreetSpotr-Nutzern zur Erledigung anbieten, lautet, an verschiedenen Zeitschriftenkiosken ein Foto der ausgelegten t3n-Magazine inklusive der darum herum platzierten Titel zu machen. Pro Schnappschuss gibt es einen Euro und zehn StreetPoints. Für die Hannoveraner ist dieses Verfahren deutlich kostengünstiger, als extra Personal anzuheuern, das von Zeitungs- zu Zeitungsladen fährt. Und da Anwender von StreetSpotr sich ohnehin in direkter Nähe der Standorte einzelner Microjobs befinden, fällt für sie nur ein minimaler Zusatzaufwand an.

Lancierung in der Schweiz und Österreich

Seit Mitte September ist StreetSpotr auch in der Schweiz verfügbar, bisher jedoch nur mit einer geschlossenen Usergruppe. Vor wenigen Tagen lancierten die Nürnberger ihren Dienst schließlich auch in Österreich. Zum Debüt werden dort zwei vergütete Aufgabentypen angeboten: Zum einen sollen Fotos der Außenansichten und Logos von Restaurants in Wien, Salzburg, Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Villach, Wels und St. Pölten geschossen werden, zum anderen Bilder von Gipfelkreuzen und Hütten. Im Winter sollen unter anderem die Bewertung von Skirouten und das sammeln von Top-Schlittenfahrbergen hinzukommen. Wie in Deutschland und der Schweiz weist das StreetSpotr auch in Österreich darauf hin, dass sich an der Auftragsvergabe interessierte Firmen melden sollen.

Herausforderung liegt darin, Auftraggeber zu finden

Wie mittlerweile klar ist, liegt die Herausforderung für die mobilen Microjob-Startups nicht in der Akquisition von Nutzern, sondern in der von Aufträgen. Dass sich StreetSpotr schon nach fünf Monaten der Marke von 100.000 Mitgliedern annähert, ist dafür ebenso Beleg wie die Tatsache, dass der Berliner Wettbewerber WorkHub nach wie vor auf einen Invite-Only-Modus setzt. “Es ist nicht das Problem, an neue Nutzer zu kommen, sondern diesen regelmäßig ausreichend viele Aufträge zur Verfügung zu stellen”, bringt WorkHub-Mitgründer Anton Skornyakov die Herausforderung für das Konzept auf den Punkt.

Im Gegensatz zu StreetSpotr sind bei WorkHub Aufgaben nicht zwangsläufig an einen Standort gebunden und können auf Wunsch auch am stationären PC erledigt werden. Tests mit verschiedenen Microjobs wie Textkorrekturen, Text- und Bilderstellungen, Webrecherchen oder Taggen von Bildern haben den Berlinern dabei geholfen, zu erkennen, welche Tätigkeiten sich als Pausenfüller für das Smartphone eignen: “Ein Teil der Aufgaben sind sehr gut für mobile Interfaces geeignet, zum Beispiel alles, was man auf Klicken reduzieren kann, andere Aufgaben, wie zum Beispiel Texterstellung, gehen deutlich besser auf Desktops”, so Skornyakov. Er betont, dass das Konzept, Geld in Leerlaufzeiten zu verdienen, grundsätzlich sehr gut angekommen sei. Momentan überarbeiten die Hauptstädter ihre Plattform, um sie für eine steigende Nutzer- und Auftragszahl anzupassen, und planen für die Zukunft auch die Veröffentlichung einer API. Wann der Dienst für alle Nutzer geöffnet wird, kann Skornyakov noch nicht sagen. Abhängig ist dies stark davon, wie erfolgreich die Akquise von Auftraggebern verläuft.

Ein Onlinesegment, in dem Startups Gefahr laufen, zu schnell zu viele Nutzer zu gewinnen – einen bessere Indikator für das grundsätzliche Potenzial mobiler Microjobs kann man sich kaum vorstellen. Nun hängt viel davon ab, wie zufrieden die Auftraggeber mit ihren Kampagnen sind und ob sie dauerhaft auf dieses Crowdsourcing-Verfahren setzen wollen.

 

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3 Kommentare

  1. Wir (t3n) sind von der streetspotr leistung überwältigt. auch die instagram integration läuft super. granulare finanzierbare vertriebskontrolle inkl. brandbuilding, was will man mehr!? :) http://web.stagram.com/tag/t3n/

  2. @Andy
    Coole Aktion, mir ist im Zeitschriftenladen in Hannover schon aufgefallen, dass die t3n dort fotografiert worden ist. Jetzt weiß ich auch warum.
    Schöne Grüße nach Hannover aus Hannover ;)

  3. Das Prinzip der App finde ich auch genial. Insbesondere das t3n Beispiel zeigt, wie einfach kostengünstige, flexible Vetriebskontrolle stattfinden kann. Ich bin gespannt, wann endlich zahlreiche Auftraggber aufspringen. Momentan sind bezahlte Spots absolute Mangelware und eher der Spaßfaktor eine Nutzermotivation.

    Streetspotr – Spaß statt Schotter

2 Pingbacks

  1. [...] mobilen Crowdsourcingapps StreetSpotr, Workhub und AppJobber, die freie Minuten von mobilen Nutzern dazu verwenden wollen, Kleinstaufgaben für Firmen zu erledigen.Verifzierung von User Generated Content als [...]

  2. [...] müssen, können beispielsweise in ihren Social Networks herumsurfen, ein Spielchen zocken, mit Microjobs ein paar Cent verdienen – oder sich mit einem Fachbuch weiterbilden. Das Problem: Es gibt zu viele informative Titel [...]

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