Aggregatoren:
Leistungsschutzrecht-Fürsprecherin Burda verkauft nachrichten.de

Burda beseitigt einen Interessenkonflikt in der Argumentation für ein Leistungsschutzrecht: Das Medienunternehmen hat seinen Nachrichtenaggregator nachrichten.de an das Berliner Unternehmen Neofonie verkauft.

Es war immer ein bisschen eigenartig: Der Burda-Verlag gehört neben dem Axel-Springer-Verlag zu den treibenden Kräften des Leistungsschutzrechts – und betrieb mit nachrichten.de seit 2009 einen eigenen Nachrichtenaggregator. Das Medienhaus tat also genau das, was es Google News und anderen Aggregatoren anlastet: Inhalte von fremden Verlagsangeboten “abgreifen”, zur Schaffung eigener Dienste nutzen und damit etwa durch Werbung Umsätze generieren.

Doch dieser offensichtliche Interessenkonflikt wurde mittlerweile gelöst: Seit dem 1. Juli wird nachrichten.de nicht mehr von der Burda-Tochter Tomorrow Focus sondern von dem Berliner Internetdienstleister Neofonie betrieben. Die Hauptstädter waren seit dem Debüt von nachrichten.de 2009 für den technischen Betrieb verantwortlich und haben den Aggregator nun vollständig übernommen. Das bestätigte uns Jens Landvogt, Head of Business Development bei Neofonie. Beide Firmen werden seiner Aussage nach jedoch weiterhin zusammenarbeiten. So erfolgt die Vermarktung von nachrichten.de auch in Zukunft durch Tomorrow Focus.

Laut Landvogt soll nachrichten.de weiterentwickelt werden. Unter mein.nachrichten.de entsteht derzeit ein professioneller, kostenpflichtiger Aggregatoren- und Monitoringdienst, der im nächsten Jahr mit dem jetzigen Angebot von nachrichten.de verschmelzen soll. Wieviel Neofonie für nachrichten.de gezahlt hat, verriet Landvogt nicht. Vom Leistungsschutzrecht, sollte es denn kommen, wäre nachrichten.de seiner Auslegung nach nicht betroffen, da bei dem Dienst eine Bewertung der indexierten und aufgelisteten Verlagsinhalte stattfände. Ob nachrichten.de aber sicherheitshalber eine Abmachung mit Burda getroffen habe, um im Falle das Falles finanziell unterstützt zu werden, wollte Landvogt nicht kommentieren.

nachrichten.de war mit rund 500.000 Unique Visitors pro Monat (AGOF Q4 2011) nie eine Gefahr für Google News. Ob Neofonie dies ändern kann und will, bleibt abzuwarten. Burda wird das Angebot wohl nicht sonderlich vermissen. Und kann sich nun ruhigen Gewissens für ein überflüssiges und rückwärtsgewandtes Gesetz einsetzen – zumindest fast.

Nachtrag 17. September: Zumindest zum Start hatte nachrichten.de die Ambition, die indexierten Inhalteanbieter an den Werbeeinnahmen zu beteiligen – ab einer Summe von 500 Euro. Eine Nachfrage bei perlentaucher.de, ein von dem Aggregator aufgeführtes Onlineangebot, ergab, dass zumindest dort niemals eine entsprechende Erlösbeteiligung einging.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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30.7.2013, 1 KommentareLinkwertig:
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Rivva lässt wegen dem Leistungsschutzrecht die Snippets verblassen und mehr.

Ein Kommentar

  1. Das hat man schon längst vorausgeahnt…

6 Pingbacks

  1. [...] Nachrichtenaggregator womöglich Ärger einhandeln. Unter anderem deswegen hat Burda nach Informationen von Netzwertig sein Newsportal Nachrichten.de in aller Stille verkauft. Bereits seit dem 1. Juli ist [...]

  2. [...] Aggregatoren: Leistungsschutzrecht-Fürsprecherin Burda verkauft nachrichten.de » netzwert… "Unter mein.nachrichten.de entsteht derzeit ein professioneller, kostenpflichtiger Aggregatoren- und Monitoringdienst, der im nächsten Jahr mit dem jetzigen Angebot von nachrichten.de verschmelzen soll. Wieviel Neofonie für nachrichten.de gezahlt hat, verriet Landvogt nicht. Vom Leistungsschutzrecht, sollte es denn kommen, wäre nachrichten.de seiner Auslegung nach nicht betroffen, da bei dem Dienst eine Bewertung der indexierten und aufgelisteten Verlagsinhalte stattfände. Ob nachrichten.de aber sicherheitshalber eine Abmachung mit Burda getroffen habe, um im Falle das Falles finanziell unterstützt zu werden, wollte Landvogt nicht kommentieren." Na dann. [...]

  3. [...] Nachrichten.de, ein wenig erfolgreicher Konkurrent zu Google News, der inzwischen abgestoßen wurde. Nicht gelöst ist damit der ganz große Widerspruch: Der Medienkonzern aus Baden [...]

  4. [...] sonst? Beth zieht um, Basic Thinking auch. Peinlich peinlich, was bei Burda noch so alles im Schrank steht. Resident, immigrant oder native? Alles Quatsch. Kein [...]

  5. [...] Nachrichten.de, ein wenig erfolgreicher Konkurrent zu Google News, der inzwischen abgestoßen wurde. Nicht gelöst ist damit der ganz große Widerspruch: Der Medienkonzern aus Baden will sich [...]

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