Wunderkit wird eingestellt:
Wer Risiko eingeht, kann scheitern – und lernt dabei viel

Gut sechs Monat nach dem Debüt verkündet das Berliner Startup 6Wunderkinder, seinen mit großen Hoffnungen ausgestatteten Produktivitätsdienst Wunderkit nicht weiterzuentwickeln und mittelfristig einzustellen. Künftig werden alle Ressourcen auf den erfolgreichen Taskmanager Wunderlist konzentriert.

Zum aufmerksamkeitserregenden Launch im Januar bezeichnete ich Wunderkit als “Facebook für Produktivität“. Doch die Analogie hatte eine entscheidende Schwäche: Während Facebook eine ungebrochene Erfolgsgeschichte bleibt, scheiterte der Dienst des Berliner Startups 6Wunderkinder an seiner Komplexität und den hohen Erwartungen – die das Unternehmen durch eine äußerst effektive PR-Arbeit im Vorfeld des Debüts selbst verursachte. Wunderkit sah ziemlich nett aus und fühlte sich anfänglich auch gut an, doch es zeigte sich schnell, dass klare Einsatzszenarien für Endanwender fehlten, und dass die komplexe Struktur auf Dauer dem Versprechen erhöhter Produktivität im Wege stand. Fast 400.000 Nutzer haben sich nach Unternehmensangaben in den vergangen sechs Monaten für Wunderkit registriert, allerdings nicht die erhoffte Aktivität an den Tag gelegt.

Dass die Hauptstädter eine potenziell unangenehme Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise treffen würden, lag schon länger in der Luft. Spätestens, seit vor einigen Monaten eine Reihe von Mitarbeitern, darunter das gesamte PR-Team, 6Wunderkinder verließ. Heute nun gab das Unternehmen in einem Blogbeitrag bekannt, wohin die weitere Reise geht: Wunderkit wird nicht weiterentwickelt, stattdessen werden sämtliche Ressourcen auf den Taskmanager Wunderlist konzentriert. Ende des Jahres wollen die Berliner von diesem eine komplett überarbeitete Fassung lancieren. Ursprünglich war Wunderlist lediglich ein Teaser für das in der Entwicklung befindliche Kernprodukt Wunderkit, wird mit bisher 5,5 Millionen Downloads und fast drei Millionen Nutzern nun aber zum alleinigen Schwerpunkt von 6Wunderkinder. Firmenchef Christian Reber erklärte GigaOm, dass Wunderkit komplett eingestellt wird, sobald eine Exportfunktion verfügbar ist und Wunderlist 2 seine Premiere feiert.

Weil es der jungen, heute 35 Angestellte zählenden Firma so gut gelang, noch vor dem Start für Wunderkit zu trommeln und über 100.000 Nutzer für einen Beta-Zugang anstehen zu lassen, zog sie einige Kritik auf sich – besonders, nachdem Nutzer die Möglichkeiten erhielten, den Service auszuprobieren, und ihre Erwartungen enttäuscht sahen. Hämische Reaktionen nach dem Motto “Ich hab’s euch ja gesagt” werden daher nicht ausbleiben. Gleichzeitig ist der Fall eines Shootingstars der Berliner Startup-Szene eine schöne Gelegenheit, sich in der häufig als US-Standortvorteil angepriesenen, positiven Sicht auf das Scheitern zu üben. Die 6Wunderkinder sind mit ihrer intensiven PR-Strategie das Risiko eingegangen, bei einem Misserfolg deutlich mehr Blicke auf sich zu ziehen als ein herkömmliches Webunternehmen, dessen von Anwendern ignoriertes Angebot im Prinzip von der Bildfläche verschwinden kann, ohne dass es jemand merkt. So unangenehm das zu erwartende Rampenlicht für die Berliner dieser Tage sein mag, so sehr muss ihnen ihre Risikobereitschaft hoch angerechnet werden.

Mit Wunderkit hat die junge Firma einiges an Geld und Zeit verpulvert, dafür aber auch viel gelernt. Dieses Wissen können sie nun für den weiteren Entwicklungsprozess von Wunderlist verwenden. Einen Bonuspunkt erhält das Startup dafür, mit der Meldung zum Ende von Wunderkit nicht am Freitagnachmittag an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, so wie es viele Firmen praktizieren, die eine Hiobsbotschaft zu verkünden haben, aber hoffen, dass sie niemand mitbekommt – was ohnehin niemals funktioniert.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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56 Kommentare

  1. Zu spät – ich habe Wunderlist vor Monaten endgültig den Rücken gekehrt. Die haben sich auf ihr Wunderkit konzentriert und uns Wunderlister im Ungewissen gelassen. Schade.

  2. sehr gut, 12 Mil Finanzierung und dabei was gelernt…pfff
    Die Investoren sollten sich das übrige Geld rausnehmen und retten was noch zu retten ist. Oder wie wollen die Wunderkinder demnächst Geld verdienen, mit Abo auf eine Aufgabenliste?

    Im Statement vom CEO – Reber sehe ich kein bisschen Selbstkritik, was ja angesichts des Scheiterns doch angebracht gewesen wäre. Weiter so, scheinbar gibts genug Kapitalgeber die euch eure Märchengeschichten abkaufen.

    • Mal ehrlich: Das Geld der Investoren ist dir doch völlig egal.

    • jain…die Chancen stehen gut dass es mit den Wunderkindern nix mehr wird, auf der anderen Seite gibts genug vielversprechende Startups die das Geld dringend gebrauchen würden. Und das ärgert mich ein bisschen lieber Martin…

    • Na ja, es heißt ja nicht umsonst “Risikokapital”. Dass neun von zehn hiermit finanzierten Startups scheitern und am Ende das Geld eben weg ist, ist bei den meisten VC-Firmen durchaus so eingeplant. Das zehnte Projekt muss dann allerdings ein Knaller werden, der dafür sorgt dass im Endeffekt die Rendite stimmt. Das ist (grob) das Konzept hinter VC…

  3. Sollte jemand Informationen haben, weshalb “das gesamte PR-Team, 6Wunderkinder verließ”, würde ich mich über eine kurze Mail (michael.krause@onchestra.com) oder einen entsprechenden Kommentar freuen. Immerhin schienen diese Damen und Herren ja maßgeblich am Bekanntheitsgrad (Erfolg?!) von wunderkit/wunderlist “Schuld gewesen” zu sein.

    Grüße aus Stuttgart,
    Michael

  4. @tux., kannst Du für mich als Nicht-Wunderlist-/kitler vielleicht das “Wunderlister im Ungewissen gelassen” etwas näher ausführen?

    • Wunderlist wurde mit großem Getöse und Tamtam auf den Markt geworfen, alle jubelten, installierten es und es passierte – nichts.

      Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderkit. Wunderlist kam gar nicht mehr vor.

  5. Als CMO von 6Wunderkinder kann ich auf das Zitat “… das gesamte PR-Team, 6Wunderkinder verließ …” vielleicht kurz folgendes antworten: 2 Mitglieder haben das PR- und Marketingteam Anfang des Jahres verlassen, um ihre eigenen Unternehmen zu gründen. Solche Situationen sind in Startups nicht ungewöhnlich, sondern eher normal. Wir freuen uns, dass sie mit ihren eigenen Ideen erfolgreich sind.

  6. Typisch Berliner Startup:
    Mehr als 3,1 Millionen Euro Startkapital – und was kommt dabei heraus?
    Eine kostenlose Todo-App!
    Au Backe.

  7. Gehe stark davon aus, dass die deutschsprachigen Blogger und vor allem Trolls ordentlich bashen werden. Ist man ja leider nicht anders gewohnt (und auch der Grund warum ich kaum dt. Blogs lesen mag). Schade dass kaum jemand den Mut zur Transparenz und des öffentlichen Scheiterns positiv sehen wird.

    Ich glaube nicht, dass die 6Wunderkinder Investoren ungeduldig oder nervös werden. Ich habe zwar nur einen von ihnen mal persönlichen getroffen, aber mich würde es doch stark wundern, wenn da jetzt schon geschrien werden würde. Falls dem so ist, dann sollten diese Menschen nicht in Startups investieren.

    Man wird sicher aber vorwerfen lassen müssen, dass es sehr nach dem Modus Operandi von Kevin Rose aussieht. Das kann negativ und positiv ausgelegt werden.

    • wo ist die Selbstkritik vom lieben Herrn Reber denn zu lesen? Alles klar dann will ich mal sehen wie die jetzt mit einer Aufgabenliste Geld verdienen wollen…aber moment, das interessiert ja die Investoren ja gar nicht

    • @Malte Goesche: Ja, die pösen, pösen deutschen Blogger! Pfui! Wenn das alles nicht so traurig wäre, könnte man fast drüber lachen.

      Was Leute wie Sie zu übersehen scheinen ist, dass es mit solch prominenten Flops in der Agenda künftig sehr schwierig sein wird, mögliche Geldgeber davon zu überzeugen, hier (in Berlin) zu investieren.

      Immerhin hat die Stadt bisher noch keinen einzigen grösseren Startup-Erfolg vorzuweisen und meines Wissens nach ist so schnell auch keiner in Sicht.

    • @Johnny: Von Selbstkritik hab ich nichts geschrieben.

      @Thomas: :)

    • @Malte: “öffentlichen Scheiterns” meine ich bei dir so gelesen zu haben. Sorry aber sein Statement vermittelt mir leider was anderes..

  8. Meiner Meinung nach hätte man das nun endgültig für tot erklärte Produkt “Wunderkit” sehr wohl zum Erfolg führen können. Die (anfangs begeisterten) Nutzer haben vom ersten Tag an unzählige – teils wirklich gute – Verbesserungsvorschläge gemacht und Anregungen geliefert – nur wurden die nicht umgesetzt.

    Im Grunde fehlte es lediglich an Übersichtlichkeit und einigen für Projektplanung dringend benötigten Features, wie Kalender, Ressourcen-Verwaltung und einer Möglichkeit zum Dateiaustausch. Doch die Verantwortlichen schienen einfach nicht zu verstehen, was die Anwender von einem solchen Produkt erwarten.

    Stattdessen beklagt sich “CEO” Reber in seinem Blog nun über die limitierte Skalierbarkeit von “Titanium” und dass es damit einfach nicht zu machen war. Doch “Wunderkit” ist nicht an technischen Unmöglichkeiten gescheitert, sondern am limitierten Vorstellungsvermögen der Entscheider.

    Geld genug war vorhanden, Talente wurden eingekauft, Ressourcen geschaffen und die Anwenderschaft erwies sich als ausgesprochen geduldig, experimentierfreudig und hilfsbereit.

    Schade, dass ein so viel versprechendes, ambitioniertes Projekt ausgerechnet an mangelnder Phantasie scheitern musste.

    • Interessante Perspektive auf das Thema.

      Das Ding ist: bei vielen geschlossenen Services gab es eine kleine, aktive und loyale Nutzerschaft. Deren Vorschlägen zu folgen, kann sinnvoll sein, muss aber nicht.

      Auch wenn es aus Sicht der Betroffenen dann nicht logisch erscheint, kann es Gründe geben, die ein Ende mit Schrecken gegenüber einem Schrecken ohne Ende sinnvoller machen.

      Ob das in diesem Fall so war: K.A. – ich möchte nur darauf hinweisen, das Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven anders aussehen können.

    • @Martin: Das ist zweifellos richtig.

      Möglicherweise waren die Macher auch aufgrund der schieren Flut an Vorschlägen überfordert. Oder sie hatten eine eigene “Vision” vom fertigen Produkt, die sie so lange verteidigten, bis gar nichts mehr ging. Eine häufige Ursache für das Scheitern von Startups.

      Du scheinst den Fall besser zu kennen, Martin. Und kannst ihn vermutlich auch besser beurteilen. Ich habe lediglich meine Sicht als freiwilliger Betatester dargelegt.

    • Hehe jetzt mal nicht so defensiv. Als Beta-Tester, der offensichtlich auch länger aktiv dabei war, hast du andere Eindrücke als ich. Die Frage ist: wie viele von “euch” gab es. Die Antwort darauf kennen nur die 6Wunderkinder.

      Je mehr, desto eher wäre deine Argumentation, dass man mehr hätte daraus mache können, berechtigt. Je weniger, desto besser war es, jetzt eine Schlussstrich zu ziehen.

    • @Martin: Offen gesagt habe ich – wie die meisten anderen Betatester anscheinend auch – schon nach ein paar Wochen aufgehört, den Dienst regelmässig zu nutzen.

      Das Forum wurde sehr freundlich und äusserst intensiv moderiert, sodass ich meine Verbesserungsvorschläge und Bugreports ablieferte und glaubte, “Wunderkit” würde sich nun rasch weiter entwickeln.

      Als ich dann aber merkte, dass es mit den Fortschritten dauerte, verlor ich das Interesse und sah nur noch hin und wieder herein.

    • @Martin: Noch etwas. Ich habe selbst schon einige kleinere, unbedeutende Projekte als Producer begleitet und weiss, wie frustrierend es sein kann, wenn die Anwender die Idee toll finden, aber die Umsetzung nicht mögen und ständig daran herum nörgeln.

      Da braucht man starke Nerven, eine klaren Kopf und vor allem viel Phantasie, um die Sache erfolgreich zu Ende zu bringen. Freunde, die Klartext mit einem reden, können dabei eine grosse Hilfe sein.

    • Hey Thomas,

      wir hätten uns durchaus auf Wunderkit konzentrieren können, aber dann hätten wir Wunderlist einstampfen müssen. Wunderlist basierte auf Titanium, nicht Wunderkit. Titanium ist lediglich die Ursache weshalb wir Wunderlist 2 neu entwickeln.

      Auch gibt es bei uns kein separates Team von “Entscheidern”, wir treffen die meisten Produktentscheidungen gemeinsam im Team.

      Christian

    • @Christian: Aha.

      Aber warum habt ihr Wunderkit nicht weiter entwickelt? Ich war ehrlich gesagt etwas irritiert, als ich nach ca. einem halben Jahr mal wieder gucken war – und es hatte sich so gut wie nichts getan.

      Woran ist es Deiner Meinung nach gescheitert?

  9. Stimmt es, stehen 6Wunderkinder kurz vor dem Exit? Ich hab da sowas gehört.

  10. Man kann das Markenimage der 6Wunderkinder sympathisch finden oder nicht, aber dass die PR-Arbeit der Firma effektiv war, wird wohl keine/r bestreiten. Leider ist effektive PR-Arbeit aber nur dann von wirklichem Nutzen, wenn das beworbene Produkt den Anforderungen dann auch standhalten kann*.

    Das war bei Wunderkit offensichtlich nicht der Fall, und die Verantwortlichen haben frühzeitig (jedenfalls für hiesige Verhältnisse) die Reißleine gezogen. Das ist langfristig gut für alle Beteiligten, hat in Deutschland aber leider einen negativen Impact: Hier werden tote Pferde i.A. sehr viel länger geritten und infolgedessen eher heimlich begraben :-)

    Also: Bei aller Polemik, die auch ich gerne gegen selbstverliebt daherkommende Hipster Slim Slow Sliders fahre, muss man doch anerkennen, dass die Wunderkids was auf die Beine stellen, während andere nur reden. They do. Darauf kommts an.

    Viele Grüße aus Italien!

    – Volker

    *) @Martin: Ein weiterer Grund, warum einige Startups den Ball erstmal niedrig halten und öffentlicher Aufmerksamkeit gerne aus dem Weg gehen.

    • Word!

      Ein weiterer Grund, warum einige Startups den Ball erstmal niedrig halten und öffentlicher Aufmerksamkeit gerne aus dem Weg gehen.

      Oder sie liefern ein Produkt, was den Erwartungen standhält ;)

    • Yepp ;-)

      Aber bitte nicht missverstehen als Kritik an der PR fürs Wunderkit. Denn das gehört in die Kategorie der Produkte, die – aus unterschiedlichen Gründen – erst mit Hilfe der öffentlichen Aufmerksamkeit entwickelt werden können.

    • [...] das gehört in die Kategorie der Produkte, die – aus unterschiedlichen Gründen – erst mit Hilfe der öffentlichen Aufmerksamkeit entwickelt werden können.

      Das verstehe ich nicht. Welche Gründe wären das denn zum Beispiel?

    • Z.B. schon allein deshalb, weil es VC-finanziert ist/war: Da gehört der user-growth zum wöchentlichen Reporting und ist ein wichtiger Indikator für die Situationseinschätzung durch den VC-Kapitalgeber :-)

  11. Also ich kanns den Jungs nicht übelnehmen, Risikobereitschaft wird heutzutage sowieso viel zu wenig gefördert! Die Applikation war gut (wir haben sie für unser Studienprojekt benutzt), die PR und das Design waren sowieso erste Sahne.

    Jetzt ist es halt in die Hose gegangen aber ich bin sicher, dass Wunderlist 2 toll wird.

  12. Häme ist sicher fehl am Platz, aber: Eine vage Idee, hübsche Oberflächen, viel Investoren-Kapital, noch mehr PR-Tamtam („Wunderkinder“) – aber nach drei Jahren immer noch kein tragfähiges Geschäftsmodell, geschweige denn ein verkaufsfähiges Produkt. Das erinnert schon alles sehr an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende (die Älteren werden sich erinnern).

    Der Vorgang erstaunt umso mehr, als man (okay, ich) gedacht hatte, dass sowohl Gründer als auch Investoren aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hätten und wesentlich planvoller und zielgerichteter vorgehen würden.

    Klar kann man scheitern. Aber nach drei Jahren und mehreren Millionen verbrannten Geldes festzustellen, dass sich die Pläne mit der gewählten Entwicklungsplattform gar nicht realisieren lassen, ist schon ein Armutszeugnis. Und vermutlich der Anfang vom Ende der „Wunderkinder“.

    • Bei derartigen Argumentationen erwidere ich immer, dass es Facebook und Twitter heute nicht gäbe, hätten sich die Unternehmen damals innerhalb der Frühphase auf das Geschäftsmodell fokussiert.

      P.S. woher nimmst du die Information, dass drei Jahre lang an Wunderkit gearbeitet wurde?

    • Der allgemeine Verweis auf Twitter und Co. ist ein Totschlagargument. Es geht nicht um die Idee, sondern um die Umsetzung. Dieses Projekt ist augenscheinlich komplett aus dem Ruder gelaufen, sowohl technisch als auch strategisch.

      Die drei Jahre bezogen sich auf die Tätigkeit der Wunderkinder. Wenn ich es richtig verstanden habe – und ich verfolge das Projekt schon ziemlich lange, durchaus wohlwollend übrigens -, dann war Wunderlist von Anfang an nur als Türöffner gedacht, also um einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen und eine große Nutzerbasis für das eigentliche, kostenpflichtige Produkt zu schaffen: Wunderkit.

      Wie lange nun genau an diesem oder jenem Produkt gearbeitet wurde, weiß ich natürlich nicht. Es spielt im gegebenen Zusammenhang m. E. aber auch keine Rolle.

      Im Übrigen ist es keineswegs so, dass ich den „Wunderkindern“ oder sonstwem das Scheitern wünsche. Aber ich war eben auch schon vor zwölf Jahren in der Branche aktiv. Und es gibt in der Tat sehr viele Parallelen.

  13. Der allgemeine Verweis auf Twitter und Co. ist ein Totschlagargument.

    Das gilt dann aber genauso für den Verweis auf die Dotcom-Bubble ;)

    P.S. 6Wunderkinder wurde vor zwei Jahren gegründet, nicht vor drei.

    • Aha. Weil der eine Vergleich nicht passt, ist automatisch auch jeder andere unzulässig. Verstehe …

      Meiner Erinnerung nach wurde Wunderlist irgendwann 2010 veröffentlicht, und ich nahm an, dass dem eine nicht unerhebliche Entwicklungszeit vorausgegangen war. Aber bitte: Wenn du meinst, dass es am Sachverhalt was ändert, dann können wir auch gerne von zwei Jahren ausgehen. Für mich macht es keinen Unterschied.

      Nebenbei: Ich nutze Wunderlist selbst sporadisch, würde dafür aber keinen nennenswerten Betrag bezahlen. Im Gegensatz zu Wunderkit, das ich vom Konzept her durchaus interessant fand und im Frühstadium testweise sogar für ein kleines Projekt genutzt habe. Leider wurden die versprochenen „Apps“ wie Dateiablage etc. aber nie geliefert. Und vielleicht sollte man auch diesen Aspekt mal berücksichtigen, wenn man den Machern eines derart gescheiterten Projektes anerkennend auf die Schulter klopft: Da haben eine Menge Leute persönlich Zeit investiert, das Produkt wohlwollend getestet, Feedback gegeben – und dann heißt es: Ups, sorry, vertan. Geht ja alles gar nicht. Wir machen jetzt doch was anderes.

      Verarschen kann ich mich selber. Mit solchen Aktionen wird einfach auch Vertrauen und Bereitschaft zum Experimentieren und zur Unterstützung neuer Ideen verspielt. Ich jedenfalls nutze tatsächlich nur noch Tools, die ausgereift sind und bei denen ich weiß, was mich erwartet.

    • Da haben eine Menge Leute persönlich Zeit investiert, das Produkt wohlwollend getestet, Feedback gegeben – und dann heißt es: Ups, sorry, vertan. Geht ja alles gar nicht. Wir machen jetzt doch was anderes.

      Ich kann deine Verärgerung darüber verstehen. Aber alle Indizien deuten darauf hin, das diese Gruppe bei Wunderkit sehr sehr klein war. Und für 1000 oder 10.000 Leute kann eine Startup-Idee nicht ohne Weiteres am Leben gehalten werden, wenn sie und ihr geplantes Geschäftsmodell ursprünglich darauf ausgelegt waren, Millionen User anzuziehen.

    • Nichts für ungut, Martin, aber du irrlichterst in deiner Argumentation ziemlich wild hin und her. Jetzt waren es also zu wenig Nutzer der Beta-Phase, die zur Einstellung geführt haben? Im Text oben sagst du noch genau das Gegenteil:

      „Weil es der jungen, heute 35 Angestellte zählenden Firma so gut gelang, noch vor dem Start für Wunderkit zu trommeln und über 100.000 Nutzer für einen Beta-Zugang anstehen zu lassen, zog sie einige Kritik auf sich – besonders, nachdem Nutzer die Möglichkeiten erhielten, den Service auszuprobieren, und ihre Erwartungen enttäuscht sahen.“

      Belassen wir es dabei. Aber vielleicht solltest du doch mal versuchen, die ganze Sache im Zusammenhang zu betrachten. Hier noch mal die wichtigsten Stichworte:

      Startup – Geschäftsmodell – Strategie – Hype – Produkte – Vertrauen

    • Am besten, du liest den gesamten Artikel nochmal von gründlich von vorne bis hinten.

      Zu wenige Nutzer sind nach den ersten Wochen dabei gelieben. Das ist meine Aussage. Das kann passieren und ist Teil des Startup-Wesens. Von 1000 Versuchen sitzen 2. So ist es einfach.

    • Die entscheidende Frage ist doch, WARUM die vielen Nutzer nicht dabei geblieben sind? Ich war dabei und kann es dir sagen: Weil die Plattform unfertig war, sich entgegen vollmundiger Versprechen kein Stück weiterentwickelt hat und auch keine Roadmap an die Hand gegeben wurde.

      Es ist doch absolut lächerlich, eine solche Entwicklung als quasi gottgegeben darzustellen.

      Nein, die Probleme sind offensichtlich hausgemacht. Auch das „kann passieren“, aber man sollte es dann eben auch so sagen und nicht so tun, als sei man als Startup-Unternehmen vom Schicksal abhängig und habe überhaupt keinen Einfluss auf das Gelingen.

      Obwohl – ich habe fast den Verdacht, ein mancher denkt das wirklich.

  14. Dass es jetzt ordentlich verbal auf die “Fresse” gibt, war klar und ist sicher auch legitim. Die Wunderkinder haben in der Vergangenheit ja ganz gerne ausgeteilt. Und nun gibt es halt Viele, die sich über einen Misserfolg freuen.

    Aber! Wenn sie ihren Job mit Wunderlist 2 richtig machen, hat das durchaus Potential. 100.000 kostenpflichtige Installationen sind imho mittelfristig möglich. Bei einem Preis von 5 Dollar, wären das 6 Mio. Jahresumsatz.

    Die Kritik an der Schlichtheit kann ich nicht nachvollziehen. Ich liebe schlichte Tools wie Wunderlist, Mite, Position.ly und das Todo-Problem ist definitiv noch nicht zufriedenstellend gelöst.

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

  15. Weiß man eigentlich welche Unternehmen die ehemaligen Wunderkind-Mitarbeiter gegründet haben?

  16. Es gibt keinen Königsweg zum erfolgreichen Bootstrapping neuer Unternehmen. Denn die Zukunft ist nur sehr bedingt planbar :-))

    Das haben die Leute die Startupbashing (vor allem in der Rückschau) betreiben nur einfach (noch?) nicht kapiert.

    Und Pauschalaussagen wie “kein Businessplan”, “kein Geschäftsmodell”, “fehlendes Markingkonzept”, “ohne klare Strategie”, … usw. werden mit Vorliebe von Leuten ohne jegliche eigene Erfahrung zum Thema geäußert. Denen muss irgendwann mal jemand sagen, dass sich alles Unmögliche jederzeit als möglich, und alles mögliche jederzeit als unmöglich herausstellen kann.

    Gerade und besonders bei Startups.

    Tanti saluti!

    – Volker

    • Die Ich-mach-was-mit-Internet-Fraktion schlägt erbarmungslos zurück und kontert mit Murphy’s Law: Alles was schief gehen kann, wird auch schiefgehen. Da kann man gar nichts machen. Schuld sind immer die anderen. Das Schicksal, die Technik oder der doofe Nutzer, welcher das Konzept einfach nicht verstanden hat. Und wer anderer Meinung ist, der hat halt keine Ahnung. Aber lass sie doch nörgeln, wir machen heute Abend bei der After-Work-Party vom restlichen Investorengeld noch mal so richtig einen drauf und klopfen uns gegenseitig auf die Schulter. That’s New Economy.

    • @ Volker Dörr: Ich fühle mich zwar nicht angesprochen,möchte aber dennoch etwas dazu sagen:

      Nichts von dem, was Du schreibst, trifft auf Wunderkit zu. Ausserdem finde ich dieses pauschale Abwatschen von “Kritikern” nicht besonders fair.

      Ich habe Wunderkit am Anfang als Betatester und mit Berichten in Online-Medien unterstützt, die den Wunderkindern Hunderte interessierte User zugespielt haben. Da wird man schon mal über das Warum und Wieso (des Scheiterns) diskutieren dürfen.

      Es ist einfach schade, dass so ein Projekt vor die Hunde geht, weil es offensichtlich nicht gelingt, die Bedürfnisse der Anwender mit den Vorstellungen der Macher in Übereinstimmung zu bringen. Punkt.

      Diese “Ihr-habt-alle-keine-Ahnung”-Haltung ist meiner Meinung nach typisch für bestimmte Vertreter der hiesigen “Gründerszene”. Man ist vorwiegend mit sich selbst beschäftigt – und genügt sich auch so. Kritik wird als unnötige Störung des inneren Betriebsfriedens empfunden, deshalb stellt man sich ihr am liebsten erst gar nicht.

      Glücklicherweise gibt es viele in der Startup-Branche, die nicht so drauf sind. Solche Leute unterstütze ich gern.

    • Hi Thomas,

      sorry, ich hab Deinen Beitrag eben erst gesehen.

      Du schreibst, Du hast Wunderkit am Anfang als Betatester und mit Berichten in Online-Medien unterstützt. Das zeigt doch: Es war ein guter Ansatz, der es verdient hatte verfolgt zu werden.

      Ohne die VC-Spritze hätte es (wahrscheinlich) gar nicht erst den Versuch dazu gegeben. Und es spricht doch eigentlich gegen diejenigen, die von Anfang an gewußt haben, dass das eh nix werden wird.

      Ich gehöre übrigens nicht zur Fraktion der hiesigen ‘Gründerszene’ und schon gar nicht zu Erdenkers ‘Ich-mach-was-mit-Internet’ ‘New Economy’. Ich kann nur einfach die von mir zitierten Pauschalaussagen nicht mehr hören, denn es geht durchaus auch ohne Businessplan und ohne von Anfang an klar erkennbares Geschäftsmodell*.

      Aber wenn die Technik versagt, dann gehts unweigerlich abwärts. Da hilft kein BP, kein Geschäftsmodell, schon gar nicht das Marketing :-)

      Und genau das war ja wohl bei den 6W der Fall. Jedenfalls finde ich deren Aussage dazu durchaus glaubwürdig. Und die versagende Technik reißt zwangsläufig auch andere Bereiche mit in den Abgrund. U.a. das Handling der Betatester. Ich will das nicht entschuldigen, aber andererseits muss man als Betatester doch auch damit rechnen, dass das ev. Zeitverschwendung sein könnte.

      Viele Grüße!

      – Volker

      *) google z.B. mal “slow grow” — nicht als Strategieempfehlung, sondern nur um mal eine andere Sichtweise kennenzulernen.

  17. Was mich interessieren würde, ist wie viel noch von der Finanzierungsrunde in der Bank ist.

    Ich vermute mal eine Menge, da das Team nicht sonderlich gross ist (oder?). Daraus würde ich dann auch auf ein Longplay der Investoren schliessen und dass diese mit solchen strategischen Produktentscheidungen rechnen. Es wird darauf gesetzt, dass das Team im Laufe der nächsten 2-3 Jahre ein extrem erfolgreiches Produkt baut. Geld kann geduldig sein.

    Dass man davon als User momentan nicht so viel hat, ist nun einmal so. Kann man sich tagelang drüber beschweren, muss man aber nicht.

    Schönes WE!

  18. @Martin, einen Kommentar höher:

    „Verärgert“ wäre das treffendere Wort. Weil mich dieses undifferenzierte Schönreden nervt. Im Falle des Kollegen Dörr kommt aber auch noch seine Überheblichkeit dazu. Bei sowas juckt’s mir immer in den Fingern …

    Aber im Grunde hast du Recht. Was reg ich mich auf. Mein Geld ist es ja nicht. Wenden wir uns angenehmeren Dingen zu.

  19. Sehr interessant Diskussion die hier läuft.
    Also erstmal sollte man sagen, dass Wunderlist in meinen Augen ein sehr gutes Produkt ist. (Mal von der WinPhone App abgesehen, die klappt gar nicht). Was bei 6Wunderkinder aus meiner Sicht interessant ist ist, dass es sich um ein designgetriebenes Unternehmen handelt. Sie haben es geschafft, auch mit Wunderkit ein schönes Produkt zu erstellen. Leider ist es aus meiner Sicht aber nicht ausreichend bloß ein schönes Produkt zu machen, wenn man nicht auch den Produktansatz im Auge behält. Dies führt aus meiner Sicht dazu, das man bei Wunderkit nicht wusste wie man es benutzt und bei Wunderlist das Potenzial als Plattform nicht ausnutzt. Stichwort: ToDo des Internets zu werden.
    Somit bin ich wirklich darauf gespannt was man von der Version 2.0 erwarten kann. Einfach ein noch schöneres Wunderlist wird nicht ausreichen.

    Was das Geschreie um das Investorengeld angeht so ist der Blasenvergleich ziemlicher Humbug. Das ist Geld von Risikokapitalgeber und auch nur sie tragen das Risiko. Wer da investiert weiß, dass es scheitern kann.

    Ich finde den radikalen Schritt den 6W mit dem Ende von Wunderkit geht gut.

    Da es hier scheinbar Grüß aus aller Welt gibt ;-) Grüße aus Norderney

    • Kann ich eigentlich allem zustimmen! Die Finanzierung sollte für ein Unternehmen in dieser Stellung (Startup ja, aber was für eines!) wirklich kein Problem sein, wie oft wurde schon in die unseriösesten und aussichtslosesten Ideen Kohle reingebuttert… Mich würde jetzt aber langsam mal interessieren was Wunderlist 2 für neue Features bietet?

  20. Also überheblich will ich natürlich keinesfalls rüberkommen :-)

    Axel, warum so negativ? Wurdest Du mal von einem Startuphipster geprellt? Denn eines stimmt schon: Wenn ein Startup pleite macht ist das für die VC Investoren Business as usual, schlichtweg einfach Teil des Deals und die Gründer selbst werden daran schon nicht zugrunde gehen. Verbranntes Kapital, so what?

    Aber bitte: Es dürfen keine unbezahlten Angestellten und/oder Lieferanten übrigbleiben!

    Buona notte,
    der Letzte macht das Licht aus :-)

    – Volker

  21. “Ich hab’s euch ja gesagt”! :-)

    Das Verhältnis von PR zu Produkt war wohl nicht ganz ausgewogen. Genauso wie das Verhältnis von Finanzierung zu Produkt. Das war den Leuten, die heute hier als böse Basher dargestellt werden schon lange klar. Man darf die bösen Basher hier auch mal für ihre Weitsicht loben!

    Aber ehrlich gesagt, man muss auch mal scheitern dürfen. Ist doch nicht verkehrt, und die, die die Firma und das Produkt finanziert haben waren sich (sehr wahrscheinlich) auch ihrer Risiken bewusst. Scheitern gehört zum Geschäft.

    Ich persönlich freue mich aber sehr über das scheitern – nicht nur hämisch, sondern ganz offen und ehrlich. Denn es zeigt, dass auch heutzutage die Gleichung “PR+Finanzierung=Erfolg” NICHT aufgeht, und im Umkehrschluss heißt das, dass Erfolg vorallem mit einem guten Produkt erreicht werden kann.

    Und das lässt mich beruhigt schlafen, denn meine eigene Arbeit der letzten Jahre konzentrierte sich primär darauf, ein gutes Produkt zu schaffen. PR war nur ein notwendiges Übel.

    Mein Weltbild ist wieder zurechtgerückt worden! Schüttet nur Eure Kübel voller Geld aus, schreit 24×7 in die Welt hinaus wie super-toll und überlegen Euer Produkt ist.

    Hier aber hat sich gezeigt: wenn das Produkt mies ist hilft kein Geld und keine PR mehr.

  22. Hallo Robert,

    ja, im Großen und Ganzen gebe ich Dir Recht, und klar, auch ich bekam erstmal einen Hustenanfall als ich von der Wunderfinanzierung hörte :-)

    Aber es gibt in D einfach viele zu viele gute Softwarefirmen die immer nur ‘lokal’ vor sich hinwurschteln ohne jemals einen Fuß in den globalen Markt zu bekommen. Obwohl sie dort durchaus erfolgreich mitspielen könnten. Das liegt m.E. einfach daran, dass die Eroberung (selbst eines kleinen Prozentsatzes) des Marktes in Deutschland eben auch viel Kraft und Resourcen kostet, und letztlich sogar wesentlich teurer pro gewonnenem Kunden ist, als wenn man/frau sich von vornherein global aufstellen würde. Und so schließt sich dann der Teufelskreis:

    Kleiner Heimatmarkt –> hoher Aufwand –> geringe Kundenzahlen –> hohe Preise –> global nicht wettbewerbsfähig –> bleibt im kleinen Heimatmarkt.

    Aber um sich von vornherein global aufzustellen brauchts halt wesentlich mehr Power als ne deutsche Softwarebude normalerweise alleine aufbringen kann. Und da hilft dann nur ein starker Partner und/oder Fremdkapital in anständiger Höhe. Und normalerweise eine gehörige Portion Arsch in der Hose. Jedenfalls wenn alles mit rechten Dingen zugeht. VC Kapital hat ja schließlich auch ne Menge Nachteile :-)

    Klar, es besteht immer die Möglichkeit, dass sich die Fähigkeiten der Gründer ausschließlich im Bereich Kapitalbeschaffung konzentrieren. Und richtig: Beim Wunderkit gabs viele Leute, die genau das vermutet haben. Aber ich finde, man sollte ehrlichen Leuten eine Chance geben, durchaus auch zwei oder drei.

    Die Gleichung “PR+Finanzierung=Erfolg” ist übrigens noch nie aufgegangen und wird m.E. nur aufgrund der oftmals undifferenzierten Mediendarstellung so wahrgenommen. Kickstarter.com wird mit diesen Irrtum aber nachhaltig aufräumen, denn dort werden wir noch viele satt vorfinanzierte und trotzdem gescheiterte Projekte erleben :-)

    Ich jedenfalls freue mich über jedes VC finanzierte Projekt in Deutschland, ganz besonders, wenn es mal nicht zum Bereich E-Commerce/SocialMedia gehört. Genug Potential dafür ist allemal vorhanden. Vielleicht nicht immer sichtbar, und vielleicht nicht auf den einschlägigen VC-Veranstaltungen vertreten. Aber wer sucht, der findet.

    Und vielleicht wär genau das ja mal ne Idee für die diversen VC-Scouts: Statt immer wieder nur eingehende Bewerbungen abzuarbeiten, könnten sie ja mal versuchen, den eigenen Allerwertesten hochzukriegen, um proaktiv selbst nach interessanten Firmen zu suchen.

    Viel Erfolg mit Manja!
    Tanti saluti!

    – Volker

    P.S. nur um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Ich tue hier lediglich meine Privatmeinung zum Thema kund; meine Firma ist derzeit nicht an VC-Kapital interessiert, wir verfolgen eine gänzlich andere Strategie.

7 Pingbacks

  1. [...] 6Wunderkinder stellen ihr vor sechs Monaten gestartetes und zunächst stark gehyptes “Wunderkit” ein, das laut Unternehmen zu einer Art “Facebook für Produktivität” werden sollte. Stattdessen will sich das Berliner Startup nun voll auf die Entwicklung der To-Do-App “Wunderlist 2″ konzentrieren, die einige Funktionen aus dem “Wunderkit” übernehmen soll. Eine der offenen Fragen ist nun, wie 6Wunderkinder künftig Geld verdienen will: Die “Wunderlist” ist bislang gratis, während “Wunderkit” über ein Freemium-Modell monetarisiert werden sollte. basicthinking.de, deutsche-startups.de, netzwertig.com [...]

  2. [...] 6Wunderkinder stellen ihr vor sechs Monaten gestartetes und zunächst stark gehyptes “Wunderkit” ein, das laut Unternehmen zu einer Art “Facebook für Produktivität” werden sollte. Stattdessen will sich das Berliner Startup nun voll auf die Entwicklung der To-Do-App “Wunderlist 2″ konzentrieren, die einige Funktionen aus dem “Wunderkit” übernehmen soll. Eine der offenen Fragen ist nun, wie 6Wunderkinder künftig Geld verdienen will: Die “Wunderlist” ist bislang gratis, während “Wunderkit” über ein Freemium-Modell monetarisiert werden sollte. basicthinking.de, deutsche-startups.de, netzwertig.com [...]

  3. [...] Themen drängten sich dabei immer wieder und nahezu automatisch in den Vordergrund. Eins davon: Das am vergangenen Donnerstag bekannt gegebene Ende der mit großen Ambitionen gestarteten Produktivitätssuite Wunderkit des Berliner Startups [...]

  4. [...] für den GesinnungswandelEin in diesem Kontext nicht ganz unwesentliches Ereignis dürfte die vor einigen Wochen bekanntgegebene Einstellung des mit großen Ambitionen gestarteten Produktivitätstools Wunderkit darstellen. Da die vom [...]

  5. [...] netzwertig – Wunderkit wird eingestellt [...]

  6. [...] mit viel Risikokapital revolutionieren wollen. Auch bei der Berliner Produktivitätssuite Wunderkit stimmten Ambitionen und Realität nicht überein – durch eine offene, einsichtige und transparente Kommunikation gelang es dem [...]

  7. [...] einer hocheffektiven PR-Strategie für seine ambitionierte Produktivitätsstrategie Wunderkit, einem schnellen Scheitern eben dieser und eines einsichtigen, transparenten Umgangs mit den daraus resultierenden Erkenntnissen, [...]

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