WG-Zimmer finden:
home-me will Studenten unnötige Reisen ersparen

home-me heißt ein studentisches Startup aus Wetzlar in Hessen, das ein Versäumnis etablierter WG-Plattformen behebt: Vermieter und Mieter präsentieren sich in Videoform.

Wenn sich ein studentisches Startup der Optimierung der Wohngemeinschaftssuche widmet, dann kann man sich sicher sein: Die Macher wissen, welche Schwächen bisherige Portale rund um erschwingliche Unterkünfte für Studenten haben. Im April berichteten wir über WGFinden, das auf Matchmaking setzt, um geeignete Anbieter von WG-Zimmern mit Interessenten zusammenzubringen. Mit home-me haben zwei Gießener und ein Mannheimer Student nun einen weiteren Dienst in diesem Segment an den Start gebracht. Das Alleinstellungsmerkmal des jungen Unternehmens mit Sitz in Wetzlar: Onlinebesichtigungen von WGs in Videoform.

Denn während bekannte Wohnungs- und WG-Portale die wichtigsten Daten zu den verfügbaren Studentenbuden und interessierten Mietern herunterrattern, vernachlässigen sie nach Ansicht von Dimitri Gärtner, Felix Hamborg und Jan Andre Millemann einen entscheidenden Aspekt: Die Chemie zwischen den Mitbewohnern. “Meistens entscheidet ein fünfminütiges persönliches Gespräch schon über Zusammenwohnen oder nicht”, erklärt Gärtner. Klappt es dann nicht, waren eventuell die gesamte lange Anreise und die damit verbundenen Kosten für die Katz.

Mit home-me sollen derartige Enttäuschungen der Vergangenheit angehören. Wer einen Mieter sucht, trägt die relevanten Eckdaten zur Wohnung in das home-me-Inserat ein und läuft anschließend (oder schon davor) mit seinem Smartphone oder einer Kamera durch die eigene Wohnung, um in einem maximal einige Minuten langen Clip sich, die anderen Mitbewohner sowie die Unterkunft vorzustellen. Das Video sowie ebenfalls angefertigte Bilder werden anschließend bei home-me hochgeladen – die Site lagert sämtliche Videos als ungelistete Dateien bei YouTube.

Nachdem eine Anzeige veröffentlicht wurde, können sich Menschen auf der Suche nach einem WG-Zimmer unter Angabe einiger persönlicher Daten bewerben. Das Beifügen eines Videos, um sich selbst vorzustellen, wird empfohlen, ist aber freiwillig. Wer seine Chancen erhöhen möchte, in der Wunsch-WG unterzukommen, sollte von dieser Option Gebrauch machen – immerhin hängt ein funktionierendes Zusammenleben nicht nur davon ab, ob der neue Mieter die anderen Bewohner sympathisch findet, sondern auch umgedreht.

Die Idee von home-me ist so naheliegend und simpel, dass man sich fragt, wieso etablierte WG-Plattformen wie studenten-wg.de, easywg.de oder wg-gesucht.de nicht auf Bewegtbildpräsentationen der WGs und Mieter setzen. Gleichzeitig liegt in der Einfachheit des Konzepts auch ein großes Risiko: Sollte es dem Trio gelingen, die derzeit gerade mal sechs WGs umfassende Angebotsliste schnell mit Inseraten zu füllen und sich damit bei Studenten und WG-Fans in Deutschland ins Gespräch zu bringen, wäre es für die Wettbewerber ein Leichtes, schnell ein eigenes Feature für Videopräsentationen zu integrieren.

Dass aus dem zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch etwas harmlos wirkenden Unterfangen ein ambitioniertes Projekt werden soll, zeigen die weiteren Pläne der Hessen: In naher Zukunft sollen WG-Scouts in wichtigen Städten beim “Akquirieren” von Inseraten und Aufspüren interessierter Mieter, beim Filmen der WGs und der Vorbereitung aller Unterlagen für die Vermietung helfen. Die Scouts sollen gleichzeitig eine Art Mentorenrolle für neu in eine Stadt gezogene Studenten übernehmen und ihnen dabei helfen, sich zurecht zu finden und Kontakte in das studentische Netzwerk zu knüpfen. “Die WG-Scouts verdienen sich etwas hinzu und die Erstsemester sparen sich teure Maklergebühren”, beschreibt Mitgründer Gärtner die Vorteile.

Bisher finanzieren die Gründer home-me aus eigener Tasche, was zur Folge hat, dass sie nicht auf einen Schlag hunderte WG-Scouts anstellen können. Die Monetarisierung erfolgt über eine einmalige Pauschale in Höhe von vier Euro, mit der interessierte Mieter die Bewerbungsfunktion freischalten können. Zwar existiert ein derartiger Kostenfaktor bei anderen WG-Portalen enicht, dafür ist dort laut Aussage von Gärtner das Risiko höher, mehr Geld und Zeit in Reisen zu investieren, selbst wenn sich eine besichtigte WG als ungeeignet erweist.

Nun kann sich das home-me-Team als genügsames Studentengespann eine Weile mit relativ geringen Einnahmen über Wasser halten. Dennoch wird die Einmalgebühr für Bewerber als Erlösquelle nicht dauerhaft ausreichen, um das Startup unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten attraktiv zu machen. Allerdings ließen sich über kostenpflichtige Services der WG-Scouts zusätzliche Einnahmen generieren. Neben den WG-Scouts sollen Werbeplakate und Flyer in wichtigen Unistädten, Kooperationen mit Fachschaften und ASTA sowie mit dem Erasmusnetzwerk für Bekanntheit sorgen.

homem-me ist in seiner derzeitigen Form weder ein Meilenstein der Webprogrammierung noch eine Konzept, dass die Welt revolutionieren wird. Dennoch scheinen die Macher mit Leidenschaft bei der Sache zu sein und ein echtes Probem ausgemacht zu haben, das sie nun auf ihre Weise lösen wollen. Ob das finanzielle Kalkül mit zahlreichen zu entlohnenden WG-Scouts bei gleichzeitig geringen Einnahmen aufgeht, das ist zwar noch fraglich. Aber ein klein wenig Blauäugigkeit kann manchmal ganz hilfreich sein, um Ideen zu verwirklichen, bevor zu viele Gedanken über eventuelle Risiken und Fallstricke ein Projekt noch vor dem Start ein Ende bereiten.

Link: home-me

 

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6 Kommentare

  1. Auf wgfrei.de gibt es ebenfalls die kostenlose Möglichkeit ein Video zu einem Inserat hochzuladen. Das Video kann bis zu 60 MB groß sein.

  2. Die Idee mit den Videos ist wirklich nichts neues.
    Auch auf WGcast und studenten-wg.de kann man seiner Anzeige kostenlos Videos hinzufügen.
    Auf WGcast kann man sich sogar per Video bewerben.

  3. habe bei castwg keine wohnung gefunden die ein video hat.
    Eric, bei home-me kannst du dich auch mit nem Video bewerben.

  4. Der Markt fuer WG Matching ist bereits dreigeteilt und da ist (leider) kein Platz mehr: Studentenwg, Easywg und Wg-gesucht gibt es bereits seit 2004 und die Jungs sind so von Unis und mit Immobilienportalen verlinkt bzw. setzen Adwords Geld ein, so dass da eine Nr. 4 kein Chance hat. Zudem nehmen Markt.de und Co., sowie Facebook nochmals Marktanteile ab. Nette Idee, aber 8 Jahre zu spaet.
    Der Kleinanzeigenmarkt in D ist mitlerweile zu umkaempft, um hier ohne Geld so spaet einzusteigen. Trotzdem viel Erfolg.

  5. @Marsel
    kann ja sein, dass man sich bei homeme auch mit nem Video bewerben kann. Allerdings ist die Idee absolut nichts neues…
    Kann auch sonst nichts innovatives daran entdecken.

    @Sebastian
    Du hast recht, dass der WG-Markt sehr stark umkämpft ist, aber bis zum Start von WGcast vor einem Jahr war er sehr innovationslos. Inzwischen haben viele Leute wohl gemerkt, dass sich da was ändert und angefangen WGcast zu kopieren (wgfinden, noknok usw.).

  6. Sehr interessanter Artikel und wirklich informativ geschrieben. Die WG Suche ist immer wieder ein Dauerbrenner und da braucht man Nerven aus Stahl, damit man erfolg hat. Ich verweise auch auf meinen Blog muenchen-sehen.com, wenn in München nach einer Studenten WG gesucht wird.

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