WHYown.it:
Dinge von Freunden leihen
statt neu kaufen

Das aus Hamburg stammende Startup WHYown.it hat eine mobile App für das iPhone entwickelt, welche die gemeinsame Nutzung von Gebrauchs- und Alltagsgegenständen in Freundeskreisen erleichtern soll.

Auch wenn unaufhörlicher Konsum die Grundlage unseres heutigen Wirtschaftssystems bildet – effizient ist er nicht. Beispielsweise befindet sich in mehr als 80 Prozent der deutschen Haushalte eine Bohrmaschine (via Statista). Das erweist sich als praktisch, wenn spontanes Heimwerken angesagt ist. Bedenkt man aber, in welch seltenen Abständen eine Bohrmaschine tatsächlich zum Einsatz kommt, so liegen Millionen Geräte unbenutzt und über lange Zeiträume in deutschen Schränken, Hobbyräumen und Garagen. Es erscheint nicht gerade logisch, dass trotzdem vier von fünf Haushalten eine Bohrmaschine ihr Eigen nennen – zumal vielen Heimwerkerprojekten eine gewisse Planungszeit vorausgeht, was das Ausleihen derartiger Arbeitsgeräte von Freunden zu einer praktikablen Alternative zum Besitz macht. Und das gilt natürlich nicht nur für Bohrmaschinen, sondern auch für Bücher, Filme, Kleidungsstücke und andere Alltags- sowie Gelegenheitsgüter.

Das von Avocado-Store-Gründer Philipp Gloecker und Nils Hausig lancierte Startup WHYown.it hat eine mobile Applikation für das iPhone entwickelt, die zum regelmäßigen Leihen und Verleihen von Gegenständen an Freunde und Bekannte animieren soll. Der Name des Dienstes ist also Programm: Warum Dinge teuer kaufen, die nur selten zum Einsatz kommen und die stattdessen ohne Kosten zeitlich begrenzt von den eigenen Kontakten geliehen werden können?!

Nun benötigt man nicht unbedingt einen Onlinedienst, um sich von Freunden Werkzeugkästen, Urlaubslektüre, Schmuck oder Kleidungsstücke zu leihen. Aber die wenigsten Menschen werden genau wissen, welcher Gegenstand bei welcher Person aus dem sozialen Umfeld in der Schublade liegt. Hier setzt WHYown.it an: Nach einer Registrierung und einer nicht obligatorischen, aber angeratenen Verknüpfung mit Facebook präsentiert einem die App eine filter- und durchsuchbare Übersicht von Dingen, die Freunde bei WHYown.it eingetragen haben. Wer etwas Begehrenswertes findet, signalisiert durch einen Klick auf den Want-Button sein Interesse. Der Eigentümer kann die Anfrage entweder akzeptieren oder ablehnen. Das persönliche Profil informiert jederzeit darüber, welche Gegenstände man verliehen und welche man ausgeliehen hat.

WHYown.it kann nur funktionieren, wenn Anwender ihre Besitztümer per Barcode-Scan oder Foto-Upload mit passender Verschlagwortung zur Datenbank hinzufügen. Ein Punktesystem soll die Motivation dazu erhöhen, auch wenn bisher nicht verraten wird, was sich mit den so gesammelten Punkten anstellen lässt. Bedenken muss man an dieser Stelle jedoch, dass WHYown.it sich explizit auf die kollaborative Nutzung von Gegenstände innerhalb von Freundes- und Bekanntenkreisen fokussiert, was den Anreiz erhöht, tatsächlich innerhalb der App aktiv zu werden. Immerhin bringt man den eigenen Freunden deutlich mehr Vertrauen entgegen als Fremden und hat zumeist auch kein Problem damit, ihnen nicht benötigte Dinge zu leihen.

Eine Option zum Verkaufen von Gegenständen an eigene Kontakte existiert bei WHYown.it nicht, wodurch sich eine klare Abgrenzung zum ebenfalls aus Hamburg stammenden mobilen Kleinanzeigendienst Stuffle (unser Review) ergibt. Wo es passt, verweist WHYown.it aber auf das jeweilige Produkt bei Amazon. Die dadurch generierten Affiliate-Einnahmen stellen die erste Säule des anvisierten Geschäftsmodells dar.

Android-Version folgt

Wie alle auf das Trendthema des kollaborativen Konsums setzenden Konzepte steht und fällt auch der Gedanke von WHYown.it mit der Beteiligung der Nutzer – und an dieser mangelt es dem Dienst zum Debüt natürlich. Eine Android-Applikation befindet sich bereits in Arbeit, wodurch sich die theoretische Reichweite schon einmal erhöht. Derzeit kann die iPhone-App in Deutschland, Österreich und der Schweiz heruntergeladen werden, innerhalb der nächsten sechs Monate ist die Expansion in die USA geplant.

WHYown.it bedient sich recht gut, selbst wenn die App an der ein oder anderen Stelle noch den letzten Feinschliff benötigt. Auch scheint es momentan noch einige Probleme mit der Kontaktverwaltung zu geben. So wurde mir ein WHYown.it-Nutzer als Kontakt angezeigt, obwohl ich mit diesem nicht bei Facebook verbunden bin sondern nur per Mail Kontakt hatte, und obwohl Anwender beim ersten Anmelden nicht gefragt werden, ob WHYown.it ihr lokales iPhone-Adressbuch abgleichen darf. Nach Aussage von Mitgründer Philipp Gloecker handelte es sich dabei um eine Nachlässigkeit und nicht um Absicht. Er versicherte, das Problem schnell beheben zu wollen und hielt uns in mehreren Mails über den Status auf dem Laufenden. Da die App erst seit wenigen Tagen im App Store steht, sei den Norddeutschen ein derartiger Anfängerfehler verziehen – auch wenn er unangenehm werden kann, wie nicht nur Path lernen musste. Nachtrag: Gloecker bestätigt, dass der Fehler provisorisch behoben werden konnte, eine neue Version der App wird heute zur Freigabe an Apple übermittelt.

WHYown.it ist nicht der erste Anbieter seiner Art. frents.com (unser Review) und leihdirwas verfolgen ein ähnliches Prinzip, vernachlässigen aber das mobile Web. Und wie gestern erläutert kann es manchmal durchaus sinnvoll sein, das Rad neu zu erfinden. Wir werden sehen, ob WHYown.it ein solcher Fall ist.

Link: WHYown.it

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Hi Martin,

    vielen Dank für den Blog Post. Den von dir gefundenen Denkfehler haben wir gestern Abend noch beheben können. Ab sofort sieht keiner, der deine Email in seinem Adressbuch hat, deine Produkte. Das konnten wir am offenen Herzen über den Server machen.

    Nun sitzen wir an Version 2 der App, welche wir heute noch an iTunes schicken werden.

    Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit sich auf das Facebook Login konzentriert und dann noch schnell ein eMail Login bauen will. Momentan empfehlen wir den Login per Facebook.

    Wir sind noch ganz am Anfang und freuen und für jeden Verbesserungsvorschlag. Am einfachsten einfach per Mail an hello (AT) whyown (dot) de.

  2. Das ist wirklich eine tolle und praktische Idee und wird sicher auch von den meisten Menschen genutzt.
    Ich wäre so eine potenzielle Kandidatin und würde meine Werkzeuge oder sonstige gebräuchliche Sachen zur Verfügung stellen.

    Ich wünsche gutes gelingen und hoffe das weitere neue Ideen zustande kommen werden.

  3. Da schließe ich an. Ist auf jeden Fall durchaus Praktisch. Ich freue mich schon auf die Android Version um es ebenfalls mal testen zu können.

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