Bezahlen mit dem eigenen Namen:
Square und Starbucks schmieden
eine kraftvolle Allianz

Bisher richtete sich das aufsehenerregende US-Payment-Startup Square vor allem an Gelegenheitshändler und Betreiber kleinerer Geschäfte. Künftig wird es in allen über 12.000 US-Filialen von Starbucks präsent sein und Millionen Menschen an das mobile Bezahlen heranführen.

Square, das Startup von Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey, gehört zu den derzeit innovativsten Akteuren im Segment des mobilen Bezahlens. Nicht nur wegen seinem mittlerweile von vielen Anbietern nachgeahmten Kartenleseaufsatz für das iPhone, sondern auch aufgrund seiner eleganten, iPad-basierten Kassenlösung für Einzelhändler sowie dem bequemen Pay with Square-Feature, das Verbraucher bezahlen lässt, indem sie dem Kassenpersonal ihren Namen nennen. Square entwickelt sich damit zu einer Art iTunes für den lokalen Handel – auch wenn die Services bisher lediglich in den USA verfügbar sind.

Ein anderes, in puncto Optimierung des Bezahlprozesses experimentierfreudiges Unternehmen ist die Kaffeehauskette Starbucks. So bieten die Amerikaner für Stammkunden eine Starbucks Card im Kreditkartenformat an, die Prepaid- und Prämienfunktionen beinhaltet. Seit diesem Monat soll die Karte auch in Deutschland erhältlich sein. Im Heimatmarkt können Kaffeefreunde außerdem mit Hilfe mobiler Apps bezahlen, die einen Barcode generieren, der an der Kasse gescannt wird.

Jetzt geht Starbucks auf der anderen Seite des Atlantiks noch einen mächtigen Schritt weiter: Im Rahmen einer Kooperation werden künftig sämtliche Kartenzahlungen der 12.848 Starbucks-Filialen in den Vereinigten Staaten über Square abgewickelt. Das bedeutet, dass der bisherige Betreiber der Starbucks-Kartenterminals einen wichtigen Kunden an das aufstrebende Startup aus San Francisco verliert.

Name nennen und Kaffee kaufen

Der deutlich spannendere Part der Partnerschaft liegt jedoch in der geplanten Aktivierung des “Pay with Square”-Features in allen Starbucks Cafés. Nutzer der entsprechenden Square-Smartphone-App für iPhone oder Android können dann ganz entspannt in einen Starbucks marschieren und sich einen Koffeinkick verpassen, ohne dafür Bargeld, eine Kreditkarte oder ihr Mobiltelefon zücken zu müssen. Die im Hintergrund aktivierte App erkennt nämlich automatisch, wenn sich der Smartphone-Besitzer in unmittelbarer Umgebung eines Starbucks aufhält, und präsentiert dem Kassenpersonal Foto und Name des Kunden. Gibt dieser eine Bestellung auf, nennt er lediglich seinen Namen. Die Starbucks-Mitarbeiter werfen dann einen Blick auf das auf ihrem iPad angezeigte Foto. Stimmt dies mit dem tatsächlichen Aussehen der vor ihnen stehenden Person überein, bestätigen sie die Zahlung. Der Betrag wird anschließend vom bei Square angegebenen Konto des Kunden abgebucht, per Mail erhält er die Quittung.

Mit Starbucks kann Square, das seine Lösungen bisher primär kleinen Geschäften und Gastronomiebetrieben anbot, einen richtig dicken Fisch an Land ziehen. Angesichts der enormen Verbreitung von Starbucks ist es keine Untertreibung, vom großen Durchbruch des schnell expandieren Startups zu sprechen. Gleichzeitig werden nun Millionen von Amerikanern erstmals mit einem mobilen Zahlungsverfahren in Kontakt kommen, für das sie nicht extra eines der noch seltenen Mobiltelefone mit NFC-Chip benötigen.

Auch wenn wir bisher Pay with Square aufgrund seiner Begrenzung auf den US-Markt nicht ausprobieren konnten, ist davon auszugehen, dass Starbucks als größte Kaffeehauskette der Welt keine unausgegorene Zahlungstechnologie in seine Filialen bringen wird. In einer ersten Phase werden Square-Nutzer noch einen Barcode vorzeigen müssen, in einer zweiten Stufe soll dann die auf GPS und Geofencing basierende “Mit dem Namen zahlen”-Funktion lanciert werden.

Square, Groupon, PayPal

Der Tech-Journalist Dan Frommer merkt an, dass Squares verstärkt eingenommene Rolle als “Betriebssystem” für Einzelhändler in die gleiche Richtung geht, wie sie Groupon mittelfristig anvisiert. Beide Unternehmen zielen darauf ab, möglichst dauerhafte Beziehungen zwischen Konsumenten und Händlern einzufädeln. Noch denken die meisten bei Groupon an einmalige Sonderangebote. Doch Sorgen über die Nachhaltigkeit dieses Konzepts werden Groupon dazu zwingen, sich in einen umfassenden Anbieter verkaufsfördernder Maßnahmen für den Handel zu wandeln. Groupon Now sowie Pläne für einen eigenen Smartphone-Kartenreader sind nur der Anfang. Und natürlich beansprucht auch PayPal für sich eine führende Rolle im Handel der Zukunft.

Das Geschäftsmodell von Square mag aufgrund seines besonderen Fokus auf neuartigen, bisher ungeprüften technischen Lösungen sowie seiner mangelnden Verfügbarkeit außerhalb der USA einige Risiken aufweisen. Doch mit dem Starbucks-Deal verdeutlichen die Kalifornier, Ambitionen zu hegen, die weit über die des kumpelhaften Partners für unabhängige Cafés und Geschäfte in angesagten Großstadtgegenden hinausgehen. Ein parallel zu der Kooperation bekannt gegebenes 25-Millionen-Dollar-Investment von Starbucks in Square gibt zudem die Sicherheit, dass es ich bei der Zusammenarbeit nicht nur um ein PR-trächtiges Experiment handelt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. “Mit dem Namen zahlen” finde ich die erste wirklich interessante mobile Bezahlmethode! Alle anderen waren im Grunde nur Machbarkeitsstudien und haben dem Kunden keinen echten Vorteil gegenüber mit Karte zahlen gebracht.

vgwort