Google-Tablet Nexus 7:
Die Zeichen stehen auf Erfolg

Während Android den Smartphone-Markt dominiert, halten sich die Erfolge von Googles mobilem Betriebssystem im Tablet-Bereich in Grenzen. Das hauseigene Tablet Nexus 7 soll dies ändern. Erste Indizien legen nahe, dass dies klappen wird.

Das Android-Betriebssystem ist ohne Zweifel ein Erfolg, sofern man den Marktanteil bei Smartphones als Grundlage nimmt. Speziell in Europa findet sich Googles mobiles OS auf immer mehr Mobiltelefonen wieder. In Spanien laufen ganze 84 Prozent aller Smartphones mit Android, in Deutschland 69 Prozent und in Italien 50 Prozent. Der weltweite Marktanteil von Android im Smartphone-Segment lag im ersten Quartal 2012 bei 56,1 Prozent, gefolgt von iOS mit 22,9 Prozent. In Apples-Heimatmarkt USA ist Android auf 51,8 Prozent der High-End-Handys installiert.

Soweit, so gut. Aus Sicht von Google weniger rosig sieht die Situation jedoch im Tablet-Markt aus. Zwar waren bereits 39 Prozent aller im vierten Quartal 2011 verkauften Tablets Android-Geräte – doch das populärste Android-Tablet ist das seit November vergangenen Jahres erhältliche “Kindle Fire” von Amazon. Im Januar attestierte das Marktforschungsunternehmen Flurry diesem einen Marktanteil von 36 Prozent. Im April kam das eng mit Amazons Medienshop verknüpfte 200-Dollar-Tablet bereits auf 54,4 Prozent - und das, obwohl das Gerät nur in den USA erhältlich ist. So richtig freuen kann sich Android-Schutzherrin Google über den Erfolg des Amazon-Tablets nicht: Denn der Onlinehandelsriese drängt das Betriebssystem so weit wie möglich in den Hintergrund und verzichtet gar auf die Integration des Android-App-Ladens “Google Play”. Stattdessen hat Amazon einen eigenen, streng kontrollierten Shop für Anwendungen aufgesetzt.

Während Android sich im Smartphone-Sektor ungebrochen ausbreitet und damit die Reichweite von Googles mobilen Diensten stetig erhöht, stellt sich die Situation im Tablet-Bereich also ganz anders dar: Hier ist Apple mit dem iPad unangefochtener Marktführer, und das erfolgreichste Android-Tablet ist als solches kaum zu erkennen und stammt von einem der großen Google-Konkurrenten.

Positive Erfahrungsberichte und große Nachfrage

Das Google Nexus 7, das erste Tablet des Internetgiganten unter eigener Marke, soll dies ändern. Und deutet man die frühen Signale zu dem seit Juli in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien erhältlichen Geräts, könnte dies in der Tat gelingen. Die Erfahrungsberichte der Tester lesen sich durchweg positiv (etwa hier, hier, hier und hier), und die Nachfrage scheint größer als von Google erwartet: Das 16-Gigabyte-Modell des Nexus 7 ist laut Medienberichten mittlerweile ausverkauft, nur die kleinere Variante mit acht Gigabyte wird im Google Play Store noch angeboten.

Mit großen Jubeltänzen sollten die Google-Mitarbeiter zwar noch etwas warten. Erstmals aber erscheint vorstellbar, dass Google in naher Zukunft mit einem nicht durch einen Drittanbieter limitierten Android-Tablet tiefe Spuren im Tablet-Markt hinterlassen wird. Und für das Unternehmen ist dies essentiell: Denn mittlerweile gelten Tablets als die legitimen Nachfolger des PCs. Gut, diese Behauptung wurde zwar von Apples verstorbenem Gründer Steve Jobs in die Welt gesetzt und war damit Werbung in eigener Sache. Doch die Tablet-Verkaufszahlen – 17,4 Millionen Geräte allein im ersten Quartal 2012 – lassen vermuten, dass aus der Marketingbotschaft Realität wird.

Google-Branding hat Vorteile

Nach der bevorstehenden Lancierung des Microsoft Surface wird jeder der “Big Four”-Anbieter digitaler Ökosysteme ein eigenes Tablet vertreiben und dieses Geschäft mit aller Kraft, Werbemillionen und dem Versprechen des bequemen Zugangs zu Apps und digitalen Medieninhalten ankurbeln. Will Google seine bisherige Dominanz auf dem Desktop auch in diesem Zukunftsmarkt sicherstellen, muss es mit einem wettbewerbsfähigen und preisgünstigen Gerät unter eigener Marke auftreten. Aus Branding-Gesichtspunkten sind das Apple-Tablet (iPad), das Microsoft-Tablet (Surface) und das Amazon-Tablet (Kindle Fire) deutlich besser dafür geeignet, eine bewusste Identifikation der Verbraucher mit einem Ökosystem zu erzielen, als bisherige Android-Tablets wie Asus Transformer, Acer Iconia Tab oder Samsungs Galaxy Tab es können.

Weitere Vorteile, die sich für Google aus einem eigenen Tablet ergeben, sind zusätzliche Anreize für App-Entwickler, für Android-Tablets optimierte Anwendungen bereitzustellen, sowie eine frühzeitige Unterbindung der für Android-Smartphones charakteristischen Fragmentierung bei den Versionen. Konsumenten können sich wie bei den Tablets der Wettbewerber sicher sein, immer zuerst die aktuellste Version des Betriebssystems zu erhalten, sofern sie sich ein Google Nexus 7 zulegen. Dies dürfte zwar bei anderen Herstellern von Android-Hardware für Unmut sorgen, aber genau genommen ist für sie mit Ausnahme von Samsung der Einsatz von Android ohnehin ein Flop.

Google hat heute mehr Kritiker als jemals zuvor, aber gleichzeitig auch Millionen begeisterte, sehr loyale Anwender. Für viele von ihnen werden das iPad, das Kindle Fire sowie das Microsoft Surface aufgrund der nicht optimalen beziehungsweise fehlenden Integration mit Google-Diensten keine Ideallösung darstellen, genausowenig wie es die Nischenprodukte anderer Android-Hersteller waren. Mit dem Nexus 7 liefert ihnen Google nun endlich den “Real Deal” – und das noch dazu im bisher eher ungewöhnlichen, aber laut Testern sehr handlichen 7-Zoll-Format.

Apple wird sich für alle Zeit dafür rühmen können, den Post-PC erfunden und den modernen Tablet-Markt geschaffen zu haben. Doch monopolistische Tendenzen sind selten wünschenswert, erst recht nicht, wenn es um in sich geschlossene Hardware-Software-Ökosysteme geht. Dass mehrere ernstzunehmende Akteure in das Segment vorstoßen, muss man im Sinne des Wettbewerbs nur begrüßen. Google befindet sich auf einem guten Weg.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Was Google anpackt wird meistens gut und so wird es auch auf dem Tablet Markt ablaufen.

  2. Das Nexus 7 wird definitiv mein 1. Tablet sein.
    Bisher dachte ich immer “In einem Tablet sehe ich kaum bzw. nur wenig Mehrwert im Vergleich zur Kombination Laptop & Smartphone”.

    Eigentlich vertrete ich ja immer noch diesen Standpunkt.

    Aber zu diesem Preis, kann man schon gar nicht mehr Nein sagen! Hinzu kommt noch die Nexus-Garantie für die Nachfolge-Updates (soeben das Jelly Bean Update für mein altes Nexus S erhalten). Da bleibt wirklich kaum ein Wunsch mehr offen.

    Und das Kindle Fire von Amazon ist wieder Schnee von gestern… So schnell kanns gehen.

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