Booklets:
Hübsche Kollagen statt mobiler Apps

Das Berliner Startup Booklets hat einen Dienst entwickelt, mit dem Nutzer kostenfrei optisch ansprechende Kollagen erstellen können, die besonders für den Abruf von Smartphones optimiert sind.

Fast jeder Mensch gerät früher oder später in eine Situation, in der spezifisches Material einer Gruppe von Personen zugänglich gemacht werden soll. Dies kann über eine eigene Website oder ein Blog geschehen. Manchmal wird jedoch eine “privatere” Plattform bevorzugt, oder der Aufwand, extra eine Webpräsenz aufzusetzen, erscheint zu groß. Eine E-Mail oder ein geteiltes Dokument bei Google Docs oder Zoho erfüllen auch seinen Zweck, betören von der Darstellung her aber nicht gerade die Sinne. Das Berliner Startup Booklets setzt genau an dieser Stelle an und ermöglicht es Privatpersonen, Organisationen und Firmen, mit wenig Aufwand ästhetische Kollagen zu erstellen und diese anderen Nutzern zugänglich zu machen.

Die Idee zu Booklets entstand aus dem Bedarf von Mitgründer Dominik Faber heraus, Informationen über eine von ihm besuchte Museumsausstellung in kompakter, mobiler Form abzurufen. Nicht selten sind entsprechende Websites für den Desktop optimiert und ignorieren die wachsende Zahl mobiler Nutzer. Neben einem Unverständnis für die wachsende Bedeutung von Mobile können auch die Kosten für die Erstellung einer mobilen App abschreckend wirken. Zusammen mit Michael v. Roeder und Paul Meinhard gründete Faber daher im Juli vergangenen Jahres Booklets mit dem Ziel, Anwendern die kostenfreie Gestaltung hochwertig designter Booklets zu beliebigen Themen zu erlauben, die dank HTML5 auch problemlos in mobilen Browsern dargestellt werden können (Beispiel). Im April 2012 lancierte das Trio die geschlossene Beta-Phase, mittlerweile steht der Service für alle offen. Mehr als 400 Booklets wurden bisher erstellt.

Die Kreation einer Kollage erfordert nur wenig Aufwand: Auf der Booklets-Arbeitsfläche angelangt, lassen sich die Seiten des Booklets mit verschiedenen Inhalten befüllen – Überschriften, Texte, Grafiken, Fotos, Audiodateien von SoundCloud sowie Kontaktdaten. Im Sinne der Simplizität fehlen umfangreiche Formatierungsoptionen und Wahlmöglichkeiten. Pro Seite kann ein Contenttyp präsentiert werden, längeres Positionieren, Kombinieren und Anpassen der Inhalte ist nicht erforderlich. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, entscheidet man sich für eine prägnante URL der Form bookletsworld.com/name und speichert die Arbeit. Will man dagegen nicht, dass die Kollage öffentlich abrufbar und auch über die Booklets-Website auffindbar ist, kann eine kryptische Adresse erstellt werden, die anschließend an die ausgewählten Betrachter verschickt wird. Als dritte Option bieten die Berliner einen versteckten Modus, der nur einem selbst Zugriff auf das Werk gibt.

Öffentliche Booklets können zur leichteren Auffindbarkeit mit Schlagwörtern versehen werden, zudem besitzen sie eine Kommentarfunktion. Eine Einstellung zum Einbetten in externe Websites fehlt bisher noch. Angesichts des Schwerpunkts auf formschönen, mobil optimierten Informationssammlungen ist die Priorisierung anderer Features nachvollziehbar. Die Bedienung von Booklets ist leicht verständlich und intuitiv, wenn auch ein integriertes Werkzeug zum Beschneiden von hochgeladenen Bildern und Fotos wünschenswert wäre. Um die Interaktion der Anwender untereinander zu erhöhen, bieten der Dienst ein Follow-Feature für einzelne Nutzer. An welcher Stelle allerdings deren Kollagen dann präsentiert werden, ist nicht ganz klar.

Während Booklets kostenfrei angeboten wird, liegt das Monetarisierungspotenzial für die Hauptstädter sowohl in künftigen Premium-Features als auch in maßgeschneiderten Lösungen für eben solche Institutionen, die zwar gerne auch Smartphone-Nutzer von unterwegs erreichen wollen, deren Inhalte sich aber eher für eine Darstellung in Form von Booklets anstatt über eine komplette mobile Website oder App eignen. Zeitlich begrenzte Ausstellungen und Veranstaltungen, nebenberufliche Fashion- und Musik-Labels oder kleinere Geschäfte mit begrenzten Marketingbudgets sind hier die offensichtlichste Zielgruppe.

Link: Booklets

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Booklets erinnert mich ein wenig an das Lausanner Startup webdoc, wobei’s bei webdoc eher darum geht ein Plakat im Gegensatz zu einem Booklet zu erstellen. Nimmt man jetzt noch Pinterest dazu bekommt man eine Hierachie: Foto -> Plakat (= single webpage) -> Booklet. Mal’ sehen in welche Richtung sich diese Dienste weiterentwicklen werden.

2 Pingbacks

  1. [...] monetarisieren, die solche Booklets als kostengünstige Alternative zu einer App nutzen wollen. netzwertig.com, [...]

  2. [...] monetarisieren, die solche Booklets als kostengünstige Alternative zu einer App nutzen wollen. netzwertig.com, [...]

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