Automatisierung des Alltags:
ifttt greift nach dem
Internet der Dinge

ifttt, das Automatisierungswerkzeug für Onlinedienste, integriert erstmals Hardware in die Liste der über den Dienst ansprechbaren Anbieter. Es ist der konsequente Vorstoß in den Zukunftsmarkt des Internets der Dinge.

Eine meiner großen Hoffnungen für 2012 im Zusammenhang mit Onlinediensten war es, eine zügige Expansion des Web-Automatisierungs-Tools ifttt erleben zu können. Kurz nach Weihnachten beschrieb ich in meinem privaten Blog, wie der nächste Schritt für den beliebten Service aus San Francisco in der Erweiterung des Konzepts der Verknüpfung von anbieterübergreifenden Webfunktionen auf Hardware bestehen könnte. Zu meine Freude vollzieht das Gründerduo Linden Tibbets und Jesse Tan jetzt mit einem größeren Update genau diesen Schritt: Denn ab sofort können User über ifttt auch erstmals zwei physische Gadgets ansprechen und mit einer Reihe von Internetdiensten zusammenarbeiten lassen. Es handelt sich dabei um WeMo Switch und WeMo Switch + Motion, zwei gerade erschienene internetfähige Heimsteuerungsgeräte von Belkin, die eine ferngesteuerte und (beim Switch + Motion) bewegungsabhängige Kontrolle von elektronischen Geräten im Haushalt ermöglichen.

Neben 45 weiteren Webangeboten und -funktionen finden sich in der Liste der ifttt-Kanäle nun auch ein WeMo Motion Channel und ein WeMo Switch Channel. Mit Hilfe von ifttt lässt sich die Intelligenz der WeMo-Geräte deutlich erhöhen, denn sie sind so in der Lage, auf verschiedenen zusätzlichen Wegen mit ihren Besitzern zu kommunizieren und gesteuert zu werden. So lässt sich mit Hilfe von ifttt beispielsweise eine Regel aufsetzen, wodurch jedes Mal eine SMS versendet wird, wenn WeMo Motion eine Bewegung im Haus feststellt. Das Gerät ist eigentlich nicht als Alarmsystem sondern als smarte Hilfe im Haushalt konzipiert, kann aber dank ifttt zweckentfremdet werden. Und wer Kinder hat, die gerne heimlich naschen, kann den WeMo-Sensor in der Nähe von Süßigkeiten platzieren und sich über ifttt unter anderem per SMS, Facebook, E-Mail informieren lassen, wenn nach diesen gegriffen wird.

Auch das sonst über eine iPhone- und Android-App fernsteuerbare WeMo-Switch-Gadget kann dank ifttt klüger gemacht und automatisiert werden. So ist mit ifttt möglich, jeweils bei Sonnenaufgang und -untergang den Befehl zum Ein- beziehungsweise Ausschalten einer Lampe an WeMo zu schicken oder das Gerät per SMS anzusprechen, sollte gerade kein Smartphone mit der App in der Nähe sein.

Wie immer bei ifttt begrenzt nur das eigene Vorstellungsvermögen die denkbaren Einsatzszenarien. Da Belkin WeMo erst seit dieser Woche vorbestellt werden kann, fehlen derzeit noch Informationen über eine Verfügbarkeit im deutschsprachigen Raum. Ob die Erweiterung eines dummen elektrischen Geräts um digitale Intelligenz 49,99 Dollar (oder 99,99 Dollar inklusive Bewegungssensor) wert ist, sei dahingestellt. Entscheidend ist, das ifttt den für den Dienst eigentlich logischen Schritt in Richtung Internet der Dinge nimmt und mit der Belkin-Kooperation anderen Herstellern zeigt, wie es zur Heimautomatisierung eingesetzt werden kann. Dass weitere “Connected Devices” einen Platz bei ifttt finden werden, ist äußerst wahrscheinlich.

Sofern der kalifornische Dienst, der im Januar Seed-Funding in Höhe von 1,5 Millionen Dollar einsammeln konnte, den eingeschlagenen Pfad zügig und konsequent weiterverfolgt, hat er die Chance, sich frühzeitig an der in Zukunft in höchstem Maße bedeutsamen Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt zu platzieren. In diesem Jahr avanciert die Idee des Internets der Dinge von einem nur von Technologiekennern beachteten Thema zu einem allgegenwärtig wahrzunehmenden und viel beachteten Trend. Doch nicht jeder Hardware-Anbieter wird sich damit befassen wollen, den eigenen internetfähigen Apparat mit gängigen Webtools kompatibel zu machen. ifttt übernimmt als zwischengeschaltete Plattform diesen Part und erlaubt es den Herstellern, sich auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren.

Im Rahmen der jüngsten Auffrischung verpasst sich ifttt auch ein überarbeitetes Design sowie Logo, vereinfacht die auf der Site verwendeten Termini und lanciert so genannte “Quick Triggers” – Aktionen, die bei neu eingehenden Daten sofort ausgeführt werden und nicht wie sonst üblich in Intervallen von einigen Minuten.

Momentan wirkt es, als sei meine Sorge über ein Verschwinden von ifttt grundlos. Spätestens mit dem Vorstoß in die Automatisierung von Hardware erscheint offensichtlich: ifttt muss kein Spielzeug für Geeks bleiben, sondern hat das Zeug, sich zum Schmierfett des Internets der Dinge (und damit selbst zum “nächsten großen Ding”) zu entwickeln. In diesem Segment ein lukratives Geschäftsmodell zu finden, sollte dann auch nicht allzu schwer sein.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Ich glaube ebenfalls kaum, dass iffft noch verschwindet. Zumal das grundsätzliche Konzept komplett in den B2B Bereich übernommen wurde – siehe https://zapier.com. Sieht ebenfalls sehr interessant aus.
    Das sind ja auch erst die Anfänge der Web-Automatisierung, wer weiß was da noch alles kommt.

  2. Ich glaube, eine der (ca.) 50 neuen Adsense-Anzeigen hier will mich dazu überreden, eine Eisdiele zu eröffnen.

  3. Den Dienst habe ich auf einem BarCamp kennengelernt und finde ihn prinzipiell gut.

    Derzeit ereilen mich ein paar Schattenseiten: viele um mich herum nutzen ihn und eine beliebige Nachricht eines Absenders ereilt mich jetzt auf ALLEN Kanälen.

    Beim Einsatz für das Internet der Dinge habe ich noch mehr Bauchweh. Wieder ein zentraler Dienst. Wieder nicht in unserem Rechtsraum. Wer pessimistisch eingestellt ist, mag denken “alle Lichter gehen aus, wenn der grosse Bruder es so will” (leicht abgewandelt). Lieber hätte ich eine solche Anwendung, die wahrscheinlich recht bald auch kritische Dinge steuern wird, auf meinem eigenen Server. Bei ifttt gerne als Fallback.

    So, wie bei der Cloud die Sicherheit der Daten sehr problematisch ist, ist es hier die Sicherheit von Prozessen. Die Frage ist: wem traue ich hier am meisten, wem vertraue ich mich an?

  4. Ist ja eine ganz nette Spielerei aber wie meine Vorredner schon sagte, auch eine Frage der Sicherheit. Ich warte weiterhin ab wie sich das ganze entwickelt da ifttt für mich bisher doch unpopulär ist (war).

3 Pingbacks

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