Badoo:
Später Durchbruch, aber nicht zu spät
Badoo wächst immer schneller. Angesichts der gewählten Positionierung verwundert dies nicht: Im Gegensatz zu Facebook steht bei der Londoner Kontaktplattform vor allem eines im Vordergrund: Dating.
Erfolgsmeldungen von Diensten aus dem auf die breite Masse ausgelegten Social-Networking-Segment sind im Jahr 2012 eher eine Seltenheit – sofern sie nicht von Facebook (oder von Google) kommen. Die Eigenheit von sozialen Netzwerken, mit zunehmender Mitgliederzahl für alle Anwender attraktiver zu werden, führt zu einem Winner-Takes-It-All-Zustand, bei dem die meisten weniger bedeutenden Anbieter (die VZ-Netzwerke, wer-kennt-wen, Bebo, MySpace) sukzessive an Bedeutung verlieren. Mit einer wesentlichen Ausnahme: Badoo, eine aus London stammende Kontaktplattform, macht in letzter Zeit regelmäßig durch Wachtumsbekundungen auf sich aufmerksam.
2,3 Millionen Nutzer aus Deutschland sollen im April bei Badoo vorbeigeschaut haben – 148 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Anfang Mai erreichte der 2006 von dem Russen Andrey Andreev gegründete Dienst die Marke von 150 Millionen Mitgliedern. Laut ComScore gehört er damit zu den fünf führenden sozialen Netzwerken weltweit. Doch bei der Definition von Badoo ist Vorsicht angeraten: Denn im Gegensatz zu Facebook und dessen zahlreichen, im Laufe der Zeit verdrängten Konkurrenten sieht sich das britische Unternehmen explizit als Plattform zum Kennenlernen neuer Menschen. Kurzum: Badoo ist eine Datingplattform im Gewand eines sozialen Netzwerks und ohne das bei klassischen Flirtportalen und Partnervermittlungswebsites offen kommunizierte Versprechen, den Partner fürs Leben treffen zu können.

Badoo setzt stattdessen eher auf Unverbindlichkeit, was mit dem Slogan “Meet new people” verdeutlicht werden soll. Zu welchem Zwecke sich Anwender bei Badoo aufhalten, wird von dem Service nicht vorgegeben, wodurch er auch für die Gruppe von Nutzern an Attraktivität gewinnt, die zwar der Möglichkeit eines Onlineflirts gegenüber nicht abgeneigt ist, sich und anderen dies aber ungern eingestehen will. Wer sich bei Badoo registriert, signalisiert stattdessen einfach eine grundsätzliche Offenheit für neue Kontakte. Sollte sich aus diesen mehr ergeben, dann war dies eben Zufall.
Die Funktionalität der Site, des Desktop-Clients und der zunehmend populären mobilen Apps lassen jedoch keinen wirklichen Zweifel daran, in welche Richtung Badoo-Gründer Andreev und sein Team die Aktivitäten der Nutzer lenken möchten. Ein Großteil der Features sind auf das Flirten mit anderen Anwendern ausgelegt. Unter anderem existiert eine Funktion namens Encounters, mit der das eigene Interesse an anderen Badoo-Usern signalisiert werden kann. Diese werden darüber jedoch erst informiert, wenn sie ihrerseits ihre Bereitschaft zum Kennenlernen kenntlich gemacht haben. Kommt es auf diese Weise zu einem Match, stehen die Voraussetzungen für ein gelungenes Date nicht schlecht – denn beide Personen wissen immerhin, dass sie sich unabhängig voneinander sympathisch sind.
Was dazu geführt hat, dass Badoo sich gerade (oder erst) jetzt seinem Höhepunkt zu nähern scheint, ist unklar. Ende 2007 hatte der britische Dienst etwa zwölf Millionen Mitglieder, die meisten davon aus Ländern des romanischen Sprachraums. Die Medienpräsenz des Angebots hielt sich im Vergleich zu anderen Aufsteigern am Social-Web-Firmament bisher in Grenzen – was sich jedoch jetzt zu ändern scheint. Besonders TechCrunch berichtet seit einigen Monaten regelmäßig über aktuelle Badoo-Meilensteine.
Zum zu Beginn langsamen, aber doch kontinuierlichen Wachstum Badoos beitragen haben könnte die recht aggressive Haltung des Unternehmens in Bezug auf die Gewinnung neuer Nutzer. Unter anderem berichteten User, dass sie Mails von Badoo erhalten hätten, obwohl sie dort gar nicht registriert waren. Auch Badoos Facebook-App schoss hinsichtlich der Freiräume, die es sich gegenüber Nutzern einräumte, über das Ziel hinaus und wurde schließlich von Facebook gemaßregelt.
Beim Thema Seriosität gehört Badoo recht eindeutig nicht zu den Webdiensten mit besonders hohen ethischen Richtlinien in Bezug auf den Umgang mit seinen Nutzern. Das allerdings scheint Millionen von Badoo-Mitglieder nicht zu stören. Die Aussicht auf ein unkompliziertes, spannendes Date lässt wahrscheinlich viele Anwender über andere Bedenken hinwegsehen.
Anfang 2008 nahm die Londoner Plattform 30 Millionen Dollar Risikokapital auf. Umsätze werden über kostenpflichtige Zusatzfeatures erwirtschaftet, die Anwendern eine bessere Sichtbarkeit und erweiterte Wege zur Kontaktaufnahme mit potenziell interessanten Badoo-Nutzern einräumen. Laut Firmenchef Andreev ist das Unternehmen profitabel.
Für die nächste Zeit ist mit einem weiteren Anstieg der Mitgliederzahlen zu rechnen. Hat die Mainstreampresse erst einmal mit der Berichterstattung über einen expandieren Onlinedienst begonnen, erhöht sich dadurch traditionell die Wachstumsgeschwindigkeit noch. Erst recht, wenn in den Berichten so wirksame Schlüsselwörter wie Dating, Flirten oder Sex fallen. 2012 könnte also durchaus das große Jahr von Badoo werden.

















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30. Mai 2012 um 9:42
Typische Spammerfirma die es übertreibt mit der Kundengewinnung. Dank Facebook Anbindung ist man ruckzuck registriert aber nutzen tut es im Endeffekt kaum wer.
Rein theoretisch gesehen haben auch die VZ Netzwerke noch unglaublich viele User, nur nutzen tun es nur noch wenige angemeldete. Das ist genau dasselbe.
30. Mai 2012 um 10:15
@Heinz es ist überhaupt nicht dasselbe. Bei Badoo versteht man es aber dafür sehr gut den User zum Kunden zu machen. Hast du dir Badoo mal genauer angeguckt?
30. Mai 2012 um 10:34
Bei Caschy wurde vor wenigen Tagen auch über Badoo berichtet.
Es gab überdurchschnittlich viele Kommentare, äußerst negativ gegenüber Badoo und der Tatsache, dass bei Caschy überhaupt über einen solchen Dienst geschrieben wird.
http://stadt-bremerhaven.…waechst-und-waechst/
30. Mai 2012 um 10:45
@Alexander, ja ich bin genau wie bei Facebook “Kunde” seit es gestartet ist und es hier noch keine Sau kannte, ich interessiere mich nämlich sehr für die Technik der Netzwerke ;)
Und nein, ich finde nicht das die Quote der zahlenden User gut ist, dazu wird ihnen zu wenig geboten. Natürlich machen sie in Hinblick auf die Masse der User mehr als genug Gewinn.
Trotzdem wird grade in .de in jeder kostenlosen Singlebörse mehr geboten.
Abgesehen davon glaube ich das die Fake Quote sehr hoch ist, Ich lebe in einer Kleinstadt und das hat den Vor/Nachteil das man immer dieselben User in den Netzwerken sieht. Nur bei Badoo sind mir irgendwie 95% der User in meiner Stadt unbekannt und das hinterlässt nen faden Beigeschmack.
Aber das ist nur ein Persönlicher Eindruck bei dem ich mich auch täuschen kann.
30. Mai 2012 um 11:53
@Heinz:
Als Vorbemerkung: Ich habe persönlich Kontakt zu jemandem im Badoo Team, deswegen bin ich ein wenig vorbelastet.
Dennoch, Badoo ist genial konzeptioniert und umgesetzt und definitiv nicht mit den VZ-Netzwerken umzusetzen. Du hast zwar recht, dass Singlebörsen häufig mehr Funktionen bieten, aber dass ist es auch genau, was deren Kundenkreis im Vergleich zu Badoo eingrenzt.
Badoo auf der anderen Seite sieht sich gar nicht als direkte Konkurrenz zu Singlebörsen. Badoo ist Social Discovery – ein Tool um neue Leute kenen zulernen. Man kommt irgenwie auf das Profil einer Person, entscheidet ob man diese kennenlernen möchte oder nicht, chattet und trefft sich dann auch mal im echten Leben. Keine psychologischen Tests, keine Festlegung, weswegen man sich kennen lernen möchte, keine Festlegung wofür man sich kennen lernen möchte.
Im Gegensatz zu Facebook jagt Badoo nicht ständig neue Funktionen in das System rein (obwohl sie das locker könnten), sondern erweitert nur dann, wenn es wirklich sinnvoll ist. Dadurch erreicht es, dass Badoo für die Nutzer immer einfach zu Bedienen bleibt und sich weiter auf die Kernkompetenz konzentrieren kann.
Das macht auch die Stärke von Badoo aus. Ich empfehle jedem Konzepter, Gründer etc. sich einmal Badoo genauer anzugucken – nicht weil die gebotenen Funktonen so umfangreich und cool sind, sondern weil sie so “on target” sind.
Du hast aber trotzdem recht, wenn du anmerkst, dass Badoo bei der Nutzerwerbung sehr agressiv vorging. Besonders das vorgehen mit der Facebook App war… sagen wir mal vorsichtig… dreist.
30. Mai 2012 um 18:32
Ich finde, es gäbe mindestens zwei Gründe in einem solchen Artikel dieses viel gelesenen Blogs darauf hinzuweisen, wie Badoo zu so vielen Mitgliedern kommt:
(1) Badoo streckt zB via Facebook die Finger nach der breiten Masse aus. Dass das Vorgehen insbesondere im Hinblick auf ethische Kriterien für Werbung und auf informationelle Selbstbestimmung dabei äußerst fragwürdig ist, sollten Leser, die sich später als potenzielle Opfer dieser Strategie fühlen könnten, hier im Blog erfahren können, finde ich.
(2) Würde es mein Interesse sein, Geld in Web-Unternehmen zu investieren, entstünde durch den Artikel ein falsches Bild – nämlich ein zu positives. Wenn nämlich User via Facebook eher gehijackt als überzeugt werden, dann sind es keine wirklichen Kunden. Die hohe Zahl Mitglieder und das Wachstum bedeuten daher noch lange nicht, dass sich die Plattform ebenso erfolgreich monetarisieren lässt, wie sie wächst.
Mal zwei Beispiele von Forenthreads verzweifelter User aus dem Web:
http://tinyurl.com/86dhgvr
http://tinyurl.com/8xandu2
30. Mai 2012 um 18:39
Lies den Artikel nochmal gründlich ;)
30. Mai 2012 um 19:22
Hast recht, weiter unten steht dazu einiges. Mich hat der Anfang schockiert, weil ich mich schon oft über Badoo geärgert habe und erahnen kann, wie das Wachstum zustande kommt.
31. Mai 2012 um 16:08
Badoo hat durchaus das potential Facebook eines Tages den Rank abzulaufen.
Wird nun besonders gefährlich für Facebook, bei soviel qualitativ hochwertiger Konkurrenz.
Badoo für die Flirt, Spieler (in Zukunft sicher auch bei Badoo) und Kennenlernmenschen auf höchsten Niveau und Google+ als seriöses Netzwerk mit besseren und Interessanteren Funktionen.
Mich würde es nicht wundern, wenn Facebook eines Tages die Leute davonlaufen und zwar schneller als sie kamen… ;-)
01. Juni 2012 um 14:04
Ich teste – aus beruflichen Gründen – Badoo (als App!!) bereits ne längere Zeit. Mag sein, dass es in anderen Ländern anders ist, in Deutschland ist nach meiner Erfahrung vor allem Sex-Kiste und internationaler Heiratsmarkt. Geht es bei Meet-One tatsächlich vielen ums Chatten und bei Lovoo ums spontane Daten, erreichen einen bei Badoo fast ausschließlich mehr oder weniger eindeutige Nachrichten. Dazu pflegt Badoo ein dermaßen aggressives Freemium Model, dass es echt verwunderlich ist, wie sich das durchsetzen konnte. Aber Lust und Einsamkeit waren schon immer hervorragende Treiber.
Die Klientel ist nicht meine, aber sie ist sehr groß! Von daher hat Badoo eindeutig ein großes (Proll)-Potential!
06. Juni 2012 um 1:12
Das Badoo immer steigende Mitgliederzahlen hat, kann ich mir gut vorstellen. Vor ca. 6 Monaten teilte mir jemand mit, dass er meine Fotos und mein Profil bei Badoo gesehen hat. Ich habe mich nie auf deiser Seite angemeldet. Ich habe Badoo
angeschrieben und sie versicherten mir, dass das Profil gelöscht sei.
Jetzt sechs Monate später erfahre ich wieder, dass die gleiche Fotos und ein Profil mit persönlichen Daten bei Badoo ist. Ich habe einen Screen davon bekommen. Bereits seit zwei Wochen habe ich regen Schriftverkehr mir Badoo, die dieses Profil nicht löschen wollen.
Für mich ist Badoo der grösste Betrüger, vor allem stand in dem angelblichen Profil von mir, wann ich das letzte mal online gewesen wäre.
Badoo ist einfach ein riesengrosser Betrug. Steigende Mitgliederzahlen von Leuten, die sich da nie angemeldet haben.
Für mich ist die Sache schon strafbar!!!!!
06. Juni 2012 um 7:13
Das klingt ja echt übel. Passt ein wenig zum Gesamtbild.
15. Oktober 2012 um 2:57
Auch wenn ich etwas spät dran bin, ich muss meiner Vorgängerin mehr als Recht geben. Das gesamte Konzept von Baddo ist eine riesengroße Schweinerei! Mir ging es genauso wie Heike: Ich bekam immer und immer wieder nervige Emails von Badoo, in denen mir mitgeteilt wurde, dass sich irgendwelche Männer von dieser Seite mit mir treffen wollen. Ich hielt das zunächst für gewöhnlichen Spam und habe nicht viel drauaf gegeben, habe die Mails einfach immer ignoriert. Aber irgendwann bin ich dann der Sache doch mal auf den Grund gegangen…ich habe einfach meinen Namen gegooglet, und schwups, erschien da ein Badooprofil mit meinem vollen Namen und jeder Menge privater Fotos von mir – ohne mein Wissen und ohne meine Einverständnis! Ich war schockiert! Und als ob das noch nicht genug wäre, war da über meinem Kopf auf dem Profilfoto eine eingebelendete Sprechblase, in der stand “Luisa möchte heute mit einem Mann zwischen 18 und 30 Jahren chatten”…hallo, gehts noch?! Kein Wunder, dass ich da dauernd Nachrichten von irgendwelchen notgeilen Kerlen bekomme! Also das ist echt der Gipfel der Unverschämtheit! Ich habe dann sofort in Erfahrung gebracht, wie ich dieses niemals selbst angelegte Profil löschen kann. Habe dies dann auch getan, allerdings sind die dann auch noch so dreist und lassen einen noch ca. fünf mal zur Bestätigung klicken und betteln förmlich darum, sich doch nicht abzumelden, oder wenn schon in einem vorgegebenen Textfeld eine Begründung abzugeben. Naja, die Begründung, die haben sie von mir bekommen…!