Stuffle:
Flohmarkt in der Hosentasche

Stuffle, die erste eigenständig entwickelte App der Beteiligungsgesellschaft von Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz, will den Flohmarkt aufs Smartphone bringen. Das Konzept wirkt simpel aber solide, nun müssen die Nutzer anbeißen.

Jeder von uns hat irgendwann einmal das Bedürfnis, Raum für neue Einrichtungsgegenstände zu schaffen, sich von einem alternden Gadget zu trennen oder sonstige Dinge loszuwerden, die sich nicht mehr als besonders nützlich erweisen. Wege, um derartige Sachen spontan zu veräußern, gibt es sehr viele. Doch entweder erfordern sie wie der Flohmarkt ein gewisses Zeitinvestment oder wie Onlinemarktplätze einen längeren Prozess, um eine Kleinanzeige aufzugeben und mit Interessenten zu interagieren – mitunter funktioniert dies dann auch nur über einen herkömmlichen Rechner, der vielleicht gerade nicht verfügbar ist.

Digital Pioneers (DP), die Beteiligungsgesellschaft von Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz, sieht in jedem Fall deutlichen Verbesserungsbedarf, was das unkomplizierte mobile Verkaufen und Ankaufen von Gegenständen aller Art angeht, und hat deshalb in dieser Woche die iPhone-App Stuffle lanciert. “Stuffle bringt den Flohmarkt auf das Smartphone”, so die unmissverständliche Selbstbeschreibung des Dienstes, dessen Funktionsumfang ungefähr so ausfällt, wie man ihn sich vorstellt:

Nutzer der App – die einen Login über Facebook erfordert – können in sehr wenigen Schritten standortbasierte Kleinanzeigen aufgeben, die aus einer Überschrift, einer kurzen Produktbeschreibung, einem Foto und dem geforderten Preis bestehen. Dieser darf auch bei null liegen. Eingetragene Gegenstände tauchen anschließend für andere Stuffle-Anwender in der Umgebung in visueller Listen- und Kartenform auf. Wer sich für ein Angebot interessiert, kann dies über die jeweilige Produktseite entweder direkt akzeptieren oder einen Verhandlungsprozess einleiten, um den Preis herunterzuhandeln. Einigt man sich oder hat man die Konditionen von vorne herein akzeptiert, ist die Arbeit von Stuffle getan – Käufer und Verkäufer müssen dann einen Übergabeort und -Zeitpunkt bestimmten, an dem auch die Bezahlung erfolgt.

Man merkt es an der kurzen Erläuterung der Funktionsweise: Stuffle zeigt sich weder technisch noch konzeptionell besonders originell. Das jedoch ist nicht wirklich ein Problem, denn eine überzeugende mobile Flohmarkt-Applikation muss gar nicht unzählige Elemente höchster Innovations- und Programmierkunst mitbringen. Nein, ein mobiler Flohmarkt muss vor allem zwei Dinge erfüllen: Optisch und in der Bedienung möglichst jeden Menschen ansprechen können UND von einer maximalen Zahl an Personen frequentiert werden. Wie es mit blutjungen Apps nun einmal so ist, fehlt es noch an einer kritische Masse. Das erstgenannte Kriterium aber erfüllt Stuffle schon einmal: Die App sieht nett aus und sollte eigentlich keinen Smartphone-Besitzer mit Fragen zum grundsätzlichen Ablauf zurücklassen. Eine kurze Tour beim erstmaligen Starten der App wäre allerdings dennoch wünschenswert, weil es weniger versierten Anwendern – und diese dürfen von einer Flohmarkt-Anwendung nicht vernachlässigt werden – einen schnelleren Einstieg erlauben würde. Persönlich vermisse ich auch eine Suchefunktion. Allerdings wollen die Stuffle-Macher ja gerade zum Stöbern animieren und richten sich weniger an Nutzer mit zielgerichteten Kaufanliegen.

Die Herausforderung wird darin liegen, hinreichend viele Anwender auf Stuffle aufmerksam zu machen, sie dazu zu bewegen, einmal selbst etwas über die App feilzubieten und dann auch ab und an nachzuschauen, ob andere Anwender begehrenswerte Dinge loswerden wollen. Langfristig kann Stuffle nur funktionieren, wenn zumindest in Ballungsgebieten sowohl hinreichend viele Anbieter als auch Nachfrager von der Applikation Gebrauch machen.

Auch muss sich zeigen, wie ernsthaft eingetragene Angebote und signalisierte Kaufintentionen am Ende wirklich sind. Laut Stuffle-Geschäftsbedingungen (die innerhalb der App nirgends verlinkt zu sein scheinen) ist der Käufer zwar verpflichtet, den in der Verkaufsanzeige dargestellten Gegenstand zu verkaufen, während der Verkäufer ebenfalls zu einem rechtsgültigen Kaufvertrag mit entsprechenden Pflichten einwilligt. Allerdings war mir das nicht wirklich klar, als ich spaßenshalber eine leere Wasserflasche bei Stuffle zum Preis von null Euro eintrug. Das farbenfrohe, sympathische Design und die Abwesenheit langer Hinweistexte animieren zum unverbindlichen Herumspielen, was zwar einerseits ein positives Zeichen darstellt, andererseits jedoch der Seriosität der Angebote hinderlich sein kann. Zumal wohl nur die wenigsten nicht eingehaltenen Kaufverträge zu juristischen Konsequenzen führen würden – stattdessen hätten zu viele negative Erfahrungen der Anwender zur Folge, dass sie sich von Stuffle zurückziehen.

Stuffle ist die erste App, die von DP selbst konzipiert und entwickelt wurde. Jüngst hatte der Inkubator mit AppMe ein Projekt unterstützt, das allerdings sofort als eigene GmbH mit dediziertem Team an den Start ging. Der mit Stuffle gewählte Weg soll jedoch zum typischen DP-Ansatz werden: Ein Team von rund einem Dutzend Programmierern entwickelt unter interner Leitung neue Onlinedienste, die anschließend auf dem Markt getestet werden. Entsprechen die anfänglichen Nutzungsmetriken den Vorstellungen des Inkubators, kommt es zur Ausgründung des jeweiligen Dienstes als eigenständiges Startup mit einem hinzugezogenen “Gründer” beziehungsweise Geschäftsführer. Stellt sich kein initialer Erfolg ein, dürfte sich die Lebensdauer eines Projektes in Grenzen halten.

Im Falle von Stuffle hängt dessen Zukunft nun nicht mehr so viel an den Entwicklern als mehr an DPs Marketingteam, das alle Register ziehen muss, um die App in einen Downloadhit zu verwandeln. Eine Android-App ist gepant. Ob diese realisiert wird, entscheidet sich ausgehend davon, wie das Debüt von Stuffle verläuft , heißt es bei DP.

Weitere Meinungen zu Stuffle findet ihr bei den netzpiloten und bei Etailment.

Link: Stuffle

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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8 Kommentare

  1. Klingt alles schoen und gut. Aber was ist das Geschaeftsmodell dahinter? Hoert sich an als sei alles gratis und die Bezahlung erfolge nicht ueber stuffle.

    • Ich denke, in diesem Segment ist es ok, erst einmal ohne Monetarisierung zu starten. Wird’s ein Hit, lassen sich genug wegen finde, um durch Premiumfeatures Umsätze zu generieren.

      Erst einmal braucht’s Traction.

    • Ja klar. Gleich im Bezahlmodus zu starten (am besten die App schon verkaufen :-)) macht keinen Sinn – wollte eigentlich nur fragen ob du Konkreteres zur Monetarisierung weisst. In dem Fall auch nicht :-)

  2. Ohne Android-Version wird das aber nix mit der Breitenwirkung.

  3. Die Idee ist gut – als jahrelanger Ebayer und Flohmarktgänger habe ich darauf nur gewartet!!! Allerdings schließe ich mich den Bedenken meiner Vorredner an, dass ohne eine Android Version nichts bei rüber kommt! Im Gegenteil – ich befürchte, dass Apple-Nutzer doch immer noch deutlich mehr für ihr Iphone oder Ipad ausgeben und daher die Zielgruppe doch eher die Masse der günstigeren Android Handy Nutzer ansprechen würde…

  4. Absolut negative Erfahrung mit stuffle.it gemacht – garantiert nie wieder! App gelöscht.
    Ebenso unklar wie die Oberfläche der App mit Hinterhof-Design ist auch die unprofessionelle Abwicklung. Fehlende klar definierte Prozesse lassen einen immer wieder rätseln: Ist nun ein Kauf zustande gekommen oder nicht? Wann kommt eine Antwort vom Verkäufer? Versand? Keinerlei Information, keinerlei Angabe, tatsächlich wie auf dem Flohmarkt bleibt Alles sich selbst überlassen, soll der Besucher doch schauen wie er mit wem klarkommt.
    Auch wenn ebay inzwischen ein monopolistischer Moloch ist und sich beispielsweise Support-Antworten ohne Bezug auf User-Fragen, in Form von vorgefertigten Textbausteinen, leisten kann, die in seltenen Fälken Antwort auf die gestellte Frage bieten, bei ebay gibt es klar definierte Abläufe, es besteht Rechtsicherheit für die komplette Abwicklung.
    Hat der Gesetzgeber für den Online-Handel exakte Vorgaben gemacht, so fragt man sich als Besucher dieses Portals, warum bleibt bei Stuffle Alles irgendwie ungeregelt?
    Liest man vom sechsstelligen Investionsbetrag, GmbH-Gründung und Beteiligung namhafter Personen mit Internet-Erfahrung, so stelle ich mir die Frage: Was hat man mit diesem Geld gemacht? In die Planung und Entwicklung dieser App stuffle.it scheint es nicht eingeflossen zu sein.
    Kurz: Ich halte diese App für überflüssig und gebe ihr keine Überlebenschancen. Je früher das Portal eingestellt wird, desto weniger Geld muss mehr verbrannt werden.
    Schade und enttäuschend für die Personen dahinter, aber eine Idee allein reicht nicht aus, sie muss auch zuende gedacht und getestet werden bevor man investiert oder gar an den Start geht.

    • Hallo ..ich habe die App nur ein paar Wochen auf mein Handy gehabt und wieder gelöscht . Kann man abzulut vergessen . Die behaupten wenn man sich unterhält über den Preis hat man einen Kaufvertrag abgeschlossen ..Wo gibt es den so etwas ?? Bei dehnen steht nix von Kaufvertrag wenn man mit jemanden mail austauscht .. Nie wieder diese App ..

  5. wo sieht man bei stuffle was man gekauft hat ?

11 Pingbacks

  1. [...] aber längst kein Vorreiter: Bereits jetzt existieren kleinere Portale wie der Online-Flohmarkt Stuffle oder Google Offers (bisher nur in den Vereinigten Staaten). Mit dem Kauf von Daily Deal im [...]

  2. [...] Stuff und Sale – hilft dabei, Dinge schnell und gegen Bares loszuwerden. Martin Weigert hat auf netzwertig.com bereits vor ein paar Wochen ausführlich über Stuffle berichtet. Wenn man sich nun heute die [...]

  3. [...] ein besseres Feeling will nun Stuffle sorgen. Martin Weigert hat auf Netzwertig bereits vor ein paar Wochen ausführlich darüber. Wenn man sich nun heute die Tweets so [...]

  4. [...] man zu Stuffle noch viel erzählen? Die App wurde bereits in diversen Zeitschriften und bei netzwertig und dem COO der Beteiligungsgesellschaft Digital Pioneers, zu der Stuffle gehört, Nico [...]

  5. [...] ein besseres Feeling will nun Stuffle sorgen. Martin Weigert hat auf Netzwertig bereits vor ein paar Wochen ausführlich darüber. Wenn man sich nun heute die Tweets so anschaut, [...]

  6. [...] eine klare Abgrenzung zum ebenfalls aus Hamburg stammenden mobilen Kleinanzeigendienst Stuffle (unser Review) ergibt. Wo es passt, verweist WHYown.it aber auf das jeweilige Produkt bei Amazon. Die dadurch [...]

  7. [...] Segment des mobilen Kleinanzeigenmarktes einzunehmen. Wir berichteten zum Debüt über den derzeit nur für das iPhone angebotenen Dienst.Ads_BA_AD('CAD2');Nicht zuletzt weil wir die grundsätzliche Idee eines “Flohmarktes für die [...]

  8. [...] ein besseres Feeling will nun Stuffle sorgen. Martin Weigert hat auf Netzwertig bereits vor ein paar Wochen ausführlich darüber. Wenn man sich nun heute die Tweets so anschaut, [...]

  9. [...] ein besseres Feeling will nun Stuffle sorgen. Martin Weigert hat auf Netzwertig bereits vor ein paar Wochen ausführlich darüber. Wenn man sich nun heute die Tweets so anschaut, [...]

  10. [...] mit der Möglichkeit, sie zu kaufen oder zu tauschen. Nachdem wir euch im vergangenen Mai bereits Stuffle vorgestellt haben, erreicht uns nun die Nachricht eines weiteren mobilen Flohmarkts für die Nachbarschaft: [...]

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