Musikstreaming:
Problematische Android-Anwendung
schadet der App-Ökonomie

Kostenpflichtiges Musik-On-Demand-Streaming ist bisher unprofitabel. Die entsprechenden Dienste leiden nicht nur unter der Marktmacht von iTunes sowie etwaigen Differenzen mit Rechteinhabern und Verwertungsgesellschaften, sondern auch unter einer “Gratiskultur” innerhalb von Googles Ökosystem.

Was erfreut den Musikliebhaber noch mehr, als die kostenpflichtigen, mobil verfügbaren Flatrates von Diensten wie Spotify, Simfy, Rdio oder Deezer? Wenn er das alles umsonst bekäme und speichern und teilen könnte – mobil nutzbar und einfach in der Handhabung.

Dank Googles Android-Ökosystem und der Applikation „Last.fm Free“ ist das kein Problem: Es gibt aus meiner Sicht für keine andere mobile Hardware-Basis und für kein anderes Betriebssystem eine vergleichbar einfache Lösung, an urheberrechtlich geschützte Musik zu kommen, die aus technischer Sicht so trivial, derartig bequem zu handhaben und dabei vollkommen risikofrei zu nutzen wäre, wie es über diese Android-Applikation möglich ist.

Obwohl der Londoner Musikdienst Last.fm bereits im Jahr 2010 On-Demand-Streaming aus Kostengründen eingestellt hat, lässt sich über diesen dreisten Trittbrettfahrer ohne Mühe eine große Zahl an Titeln und kompletten Alben suchen, downloaden, archivieren und teilen. Nicht die Links, sondern die MP3-Dateien selbst, die sich in meiner Probe allesamt in guter Qualität präsentierten.

Screenshot: AndroidzoomEin direkter Upload in diverse Cloud-Speicher funktioniert ebenfalls, sofern eine Anwendung des jeweiligen Anbieters auf dem Smartphone installiert ist.
Der zweifelhafte Dienst tarnt sich unter der bekannten Marke eines legalen Anbieters. Er “fischt“ damit direkt Android-Neulinge ab, die eventuell nach der Original-Anwendung gesucht haben und die sich über den Unterschied vielleicht gar nicht bewusst sind.

Die Applikation sieht professionell aus, verfügt über eine ansprechende Benutzeroberfläche und verzichtet gänzlich auf Werbung. Das betont der Entwickler auch gern und „freut sich“ über Spenden, die sich via Donate-Button in der App direkt einleiten lassen.

Risikofrei ist der Einsatz der Anwendung für den Nutzer zudem auch noch. Zwar weiß dieser nicht, woher die Dateien letztlich stammen. Das muss ihn aber auch nicht interessieren, schließlich hatte er sich hier von offizieller Seite aus, über den vom weltweit führenden Suchmaschinenanbieter betriebenen Marktplatz für digitale Güter, ganz regulär eine Anwendung heruntergeladen…

Profit durch Wegschauen?

Ob Google diese Anwendung wissentlich zuließ, oder lediglich mit der Kontrolle seines Android-Marktplatzes überfordert ist, kann ich nicht beurteilen.

Das ist jedoch auch nicht von Belang. Fakt ist, dass diese App im Jahr 2011 über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten frei im Android-Market angeboten wurde. Mittlerweile ist sie zwar nicht mehr über die Suche im neuen „Google Play“ zu erreichen, das stellt in einem offenen Ökosystem jedoch kein Problem dar: Die App kann im Netz gefunden werden und lässt sich dann auf das Smartphones übertragen. Leicht zu entdecken, über die Google-Suche.

Eine Absicht will ich dem Konzern zwar nicht unterstellen, jedoch betrieb dieser nachweislich auch wenig Aufwand, das Angebot zeitnah aus seinem Android-Market zu entfernen.

“Killer-Applikation” für Android

Die Gesamtverbreitung dieser Applikation lässt sich nicht beziffern, ebenso wenig wie der wirtschaftliche Schaden, der aus ihr entsteht. Unabhängig von rechtlichen Fragen belegt dieses Beispiel deutlich, dass Google hier klarer Profiteur dieser Entwicklung ist.

Die „Last.fm Free“-App ist so gut, dass man sie als „Killer-Applikation“, als Systemseller bezeichnen kann. Wer mangels Reife oder anderer Gründe kein Unrechtsbewusstsein gegen ihre Nutzung entwickelt hat, für den stellt diese „Vorzeige-Anwendung“ einen Kaufanreiz für ein Android-Smartphone dar und fördert dadurch die Verbreitung dieses mobilen Betriebssystems.

Des Weiteren profitiert Google über die Suche und damit verbundene Werbeeinnahmen, wenn Android-Neulinge, die auf diese App aufmerksam gemacht worden sind, im Netz nach Downloadquellen Ausschau halten. Perfekt. Wie viele solcher Apps gibt es noch?

Gefahr für legales On-Demand-Streaming

Eine Applikation wie Last.fm Free stellt eine Gefahr für legale On-Demand-Streamingdienste dar. Während Apple mit iTunes durch diverse Zusatznutzen ausreichend Differenzierungsmerkmale kreierte und sich nicht zuletzt wegen der bequemen Handhabung innerhalb seines Ökosystems und einer riesigen Auswahl an Song-Titeln als Paid-Content-Anbieter gegenüber kostenlosen „Offerten“ behaupten konnte, müssen sich Streaming-Dienste nicht nur gegen Apples Marktmacht im digitalen Musikmarkt durchsetzen, sondern zudem noch gegen mobile Applikationen wie „Last.fm Free“ abgrenzen, die es ermöglichen, Musik kostenlos herunterzuladen und die teilweise sogar professionellere Bedienoberflächen bieten als die eigenen mobilen Clients.

Das Besondere in diesem Fall ist, dass durch die dargestellte Konstellation nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden entstehen, sondern klar wird: Hier hat sich innerhalb eines mobilen Betriebssystems eine Infrastruktur entwickelt, die ein aufstrebendes Geschäftsmodell bereits in seiner Entwicklungsphase bedroht.

Der Freemium-Ansatz, über Desktop-Systeme kostenlos Musik bereitzustellen und sich den Empfang über mobile Endgeräte vergüten zu lassen, ist bisher der Kern des Geschäftsmodells aller Streaming-Services.

Die Voraussetzung, mittels dieser strategischen Ausrichtung langfristig ein rentables Erlösmodell zu realisieren, sind Dichtevorteile: Obwohl digitale Musik grundsätzlich auch zentral gut zu vermarkten wäre, sind die Anbieter von On-Demand-Streamingdiensten an Einigungen mit den jeweiligen nationalen Verwertungsgesellschaften gebunden. Die Dienstleister sind also nicht auf eine absolute, „globale Masse“ an Kunden angewiesen, sondern vielmehr in jedem Markt auf die relative Ballung von Nachfragern in dem jeweiligen geografischen (und damit rechtlichen) Raum. Nur dann haben sie die Möglichkeit, die Stückkosten pro gehörten Song in Verhandlungen mit den einzelnen Verwertungsgesellschaften auf ein Niveau zu drücken, das Rentabilität überhaupt erst ermöglicht.

Wenn „Mobile“ dabei jedoch der einzige Umsatzbringer ist und sich gleichermaßen derart bequem umgehen lässt, wo sind dann noch die Kaufanreize zu finden?

Fazit

On-Demand-Dienste bekommen in der Internet-Ökonomie nicht erst seit Spotifys Deutschlandstart viel Aufmerksamkeit und mögen angesichts dessen als „selbstverständlich“ erscheinen. Das sind sie jedoch bei weitem nicht, denn die Abonnentenzahlen bleiben bisher auch bei den bekannteren Marken hinter den Erwartungen zurück.

Man lebt bisher ausschließlich von Risiko-Kapital und einer guten Idee. Auch wenn die Auswahl noch begrenzt erscheint und die Technik bisweilen unausgereift, so birgt die Idee des Musik-On-Demand-Streaming dennoch ein Potenzial, das in der Zukunft sogar iTunes gefährlich werden könnte.

Es wäre wünschenswert, wenn diese Idee des legalen „Always On“-Musikkonsums ihr Potenzial auch entfalten könnte und nicht vorher – mangels Kontrolle oder wissentlicher Duldung – innerhalb von Googles Infrastruktur aufgerieben werden würde.

Die Erkenntnis, dass offene Betriebssysteme generell anfälliger für nicht autorisierte Nachahmer und Urheberrechtsverstöße sind, ist nicht neu und beispielsweise auch bei Windows zu beobachten.

Dass der Anbieter eines Betriebssystems sich jedoch auch gleichermaßen als Marktplatzbetreiber profilieren will und als Infrastruktur-Anbieter den Entwicklern zweifelhafter Programme damit gleich den Vertriebs-Kanal für ihre „Services“ mit zur Verfügung stellt, das ist neu. Mindestens sechs Monate lang hat Google Last.fm Free im damaligen Android Market gelassen und damit populär gemacht. Dann schritt es zwar ein, aber die App existiert weiterhin im Netz und steht über einige alternative Android-App-Läden zur Verfügung. Sicherlich ist Googles Einfluss und Kontrollmöglichkeit auf diese begrenzt. Dennoch entsteht der Gesamteindruck, Google helfe zumindest dabei, Piraterie mobil zu machen. Und es verdient daran, zu Lasten anderer – für die damit Android als Plattform an Attraktivität verliert.

 

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22 Kommentare

  1. Zumindest in Deutschland scheint’s die App nicht mehr im Android Market zu geben.

    • War sie für mindestens 6 Monate in 2011. Mittlerweile wurde sie zwar in “Google Play” entfernt, ist aber über alternative App-Stores oder über Filehoster weiterhin zu bekommen und auf jeder Android-Device nutzbar. Genau das ist das Problem: Was einmal im Android-Market platziert wurde und entsprechend Bekanntheit erlangt hat, kann weiter Schaden anrichten, egal ob es vom Plattform-Betreiber entfernt wurde oder nicht.

  2. Danke für den Artikel. Ich hab mich immer gefragt wann endlich jemand dieses Thema aufgreift. Die Problematik mit Google bzw. Android und der Handhabung von Intellectual Property zieht sich ja noch viel weiter. Dazu braucht man nur nach bekannten Artists im Google Play Store suchen und anschauen, was da alles an kostenlos verfügbarem Content zur Verfügung steht. Der Großteil davon ist illegal, weil eben solche Bildrechte oder Lizenzrechte nicht kostenlos sind.

    In Summe eine ziemliche Frechheit. Ich bezweifle auch ob Google der große Profiteur davon ist, denn letztlich befürchte ich profitiert nur der Nutzer der kostenlosen Apps davon. Apple zeigt vor, wieviel Geld man verdienen könnte, wenn man sein Ökosystem sauber hält und die User dazu erzogen werden für geschützten Content zu zahlen.

    • Ich hab mich immer gefragt wann endlich jemand dieses Thema aufgreift.

      Detailliert über Raubkopien zu berichten, ist ein Tabu. Einige Publikationen buhlen schließlich jeden Monat um die Aufmerksamkeit der Leser, indem sie Anleitungen für Urheberrechtsverletzungen bieten, jeweils unter dem Deckmantel eines erhobenen Zeigefingers, oder eines „Interviews“ mit einem entsprechenden Fachanwalt, der das Verbot dann natürlich noch einmal deutlich herauskehrt.

      In diese Ecke möchte natürlich niemand gestellt werden, ergo wird entsprechend selten darüber berichtet.

      Das genannte Fallbeispiel zeigt jedoch deutlich, dass es sich lohnt das Thema aufzugreifen, denn es lässt sich daran sehr leicht nachvollziehen, welche Bedrohung derlei Applikationen für dieses noch relativ junge Geschäftsmodell darstellen.

      Ich bezweifle auch ob Google der große Profiteur davon ist, denn letztlich befürchte ich profitiert nur der Nutzer der kostenlosen Apps davon.

      Wenn der Nutzer davon profitiert, dann profitiert auch der OS-Anbieter davon: Mit Windows Phone kenne ich mich nicht aus, aber zumindest für iOS-Devices konnte ich keine vergleichbare App (für jailbroken Geräte, was eine Voraussetzung ist und für die meisten Nutzer bereits per se eine unüberwindbare Barriere darstellt) finden, die auch nur annähernd so simpel zu handhaben wäre. Hier – im Wettbewerb mobiler Betriebssysteme – von einem “Alleinstellungsmerkmal” zu Gunsten von Android zu sprechen, ist aus meiner Sicht angemessen. Derlei Applikationen sind für ein OS – und damit für die Hardware – sicherlich absatzfördernd.

      Die Offenheit von Android hat an anderer Stelle natürlich auch viele Vorteile, auf die WP oder iOS-Nutzer verzichten müssen und es wäre auch falsch, Android als “Schmuddel-Plattform” abzutun, dennoch sind diese Effekte nicht von der Hand zu weisen.

      Letztlich profitiert auch der Anbieter von dieser App. Er verzichtet zwar auf Werbung (sehr clever, dadurch wirkt die Anwendung noch professioneller und “legaler”), hat aber einen In-App-Donate-Button installiert, und “würde sich über Spenden freuen”…

      Schaut man sich die begeisterten Reviews in “Google Play” an (sind immer noch abrufbar), bzw. an anderer Stelle, dann vermute ich mal, dass eine Spendenbereitschaft durchaus gegeben sein könnte und für den Entwickler auch ein veritables Erlös-Modell bedeuten können.

      Ohne dabei abwertend sein zu wollen: Je geringer das Einkommensniveau im jeweiligen Heimatland solcher Entwickler ist, umso attraktiver sind für diese natürlich global eingesammelte Euro-/oder Dollar-Spenden, selbst wenn es sich dabei aus unserer Sicht nur um Mikro-Beträge handelt.

      Eine Lösung durch “Kontrolle” sehe ich nicht, vielmehr müssen Streaming-Anbieter diesen “Wettbewerb” wohl annehmen und durch eine noch bessere Usability, Zusatznutzen, wie Sharing- oder Vorschlagswesen, einen Mehrwert schaffen, der einen Anspruch auf Qualitätsführerschaft signalisiert und somit Kaufanreize bietet. So wie ITunes sich damals auch durch – relative – Einfachheit, Auswahl und Ordnungselemente gegen illegale Download-Angebote durchsetzen konnte.

      Spotify z.B. befindet sich hier auf einem guten Weg. Dank API hat sich eine App-Ökonomie um den Dienst gebildet, die den Service deutlich aufwertet.

      Die Sharing-Offensive seitens Spotify kommt auch nicht von ungefähr: Die Bemühungen, “Musik” für den Massenmarkt als eigenständigen “Social Graph” zu etablieren (vergleichbar Instagram für Fotos) ist vor diesem Hintergrund nicht nur ein “Gimmick”, sondern strategisch bedeutsam: Das hat bisher weder Apple (via Ping) geschafft, noch können illegale Dienste damit aufwarten.
      Es bleibt zu hoffen, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass das Teilen der eigenen Vorlieben, für den Einzelnen einen derartigen Zusatznutzen darstellen kann, dass es “Musikhören” als Kulturtechnik insgesamt aufwertet. Aus meiner Sicht stellt sich das bereits jetzt schon so dar.

  3. Vielen Dank für diese Klarstellung: Offene Betriebssysteme und deren sebstbestimmte Nutzung sind mit der Übertragung überkommener Geschäftsmodelle auf die Informationswirtschaft nicht kompatibel. Wir brauchen stattdessen eine umfassende Zensurinfrastruktur wie sie Apple anbietet. Martins Kommentar ist auch sehr schön: wir müssen unser “Ökosystem” sauber halten und Nutzer umerziehen. In der Tat alles präzise auf den Punkt gebracht.

    • Der Artikel steht nicht “Für” oder “Gegen” offene Betriebssysteme. Uns ist es lediglich wichtig, anhand eines konkreten Fallbeispiels zu zeigen, welchen negativen Einfluss das auf das Geschäftsmodell von Service-Anbietern haben kann, deren Entwicklung wir bei netzwertig fortlaufend verfolgen.

      Es kann dabei sogar sein, dass das bisher praktizierte Erlösmodell für Musik-On-Demand-Streaming nicht aufgeht, dass es “überkommen” ist. Nur, ohne eine weitere Begründung landet man dann wieder bei einer Gretchenfrage der aktuellen Urheberrechtsdebatte: Sind Geschäftsmodelle nur deshalb als “überkommen” anzusehen, weil sie sich leicht umgehen lassen?

    • Dass sie leicht zu umgehen sind, hat zur Folge, dass der Gesellschaft eine weitgehende Einschränkung des freien Informationsaustausches auferlegt wird. Das ist politisch bedenklich und volkswirtschaftlich Wahnsinn. Das ist meiner Ansicht nach alles völlig daneben mindestens aber grotesk unverhältnismäßig, es ist aber nicht der eigentliche Grund, solche Geschäftsmodelle als überkommen zu bezeichnen.

      Der Grund dafür ist, dass diese Geschäftsmodelle aus dem Handel mit physischen Gütern stammen. Sie basieren darauf, dass es für diese Güter eine prinzipiell begrenzte Verfügbarkeit gibt. Das ist bei informationellen Gütern nicht (mehr) der Fall. Was man also gemacht hat, ist eine künstliche Begrenzung der Verfügbarkeit einzuführen um diese Geschäftsmodelle zu retten. Wegen dieser künstlichen und meiner Ansicht nach ungeeigneten Übertragung nenne ich diese Geschäftsmodelle überkommen.
      Google ist übrigens selbst ein Serviceanbieter, jedoch basiert Googles Geschäftsmodell nicht auf einer künstlichen Knappheit sondern einer prinzipiellen, nämlich der Begrenztheit der Aufmerksamkeit, die Google ja verkauft.

      Ich hoffe und glaube, dass Deine Anmerkungen über die Schaffung von Zusatznutzen in die richtige Richtung für die Vermarktung von Musik gehen. Für eine Plattform, die zum Beispiel – algorithmisch oder über Nutzerempfehlungen wobei letzteres wegen der Schaffung einer Vernetzung zwischen und mit den Kunden zu bevorzugen wäre (so ein Netzwerk stellt eine Ressource dar, die sich vermarkten lässt) – kontinuierlich hervorragende Empfehlungen neuer Musik macht, würden sicher viele gerne zahlen.

      Ich vermute allerdings, dass sich die Vergütung der Musikschaffenden nicht ohne weitgehende Zensurinfrastruktur retten lassen wird. Eigentlich ist das eher zu vernachlässigen, da ohnehin kaum ein Musiker vom Vertrieb seiner Musik lebt. Die wenigen, die über ihre Tätigkeit als Musiklehrer hinaus etwas mit Musik verdienen, tun dies meist mit Konzerten für die die Verbreitung ihrer Musik als Werbung dienen kann. Nur (relativ gesehen) ganz wenige haben signifikante Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Musik. Aber die Lobby pro Urheberrecht ist so gewaltig – selbst die meisten mit Werks-knebel-Verträgen ausgebeuteten Schreiberlinge lassen sich ja vor diesen Karren spannen – dass eine Aufgabe der überkommenen Geschäftsmodelle mittelfristig utopisch ist.

    • @ schrotie: was wäre deiner Meinung nach eine mögliche Alternative, um Urheberrecht auch in einer digitalen Gesellschaft zu schützen?

      Auch wenn ein Musiker nicht davon leben mag, glaube ich nicht, dass du an dessen Stelle erfreut wärst, wenn dir monatlich einige Einnahmen (seien es auch nur 500€ Nebenverdienst) wegfallen.

      Ich stimme ja mit vielen deinen Punkten überein, aber denke mir nur die Alternative kann nicht sein, dass uns alles egal sein sollte.

    • @Martin
      Ich weiß nicht, wie sich das Urheberrecht schützen ließe, ich denke nicht darüber nach, weil ich Urheberrecht für den falsche Weg halte.

      Natürlich ist es nicht schön für Musiker, einen Teil ihrer Einnahmen aufgeben zu müssen. Aber reicht das als Rechtfertigung für das Urheberrecht? Ich meine nicht. Die überwältigende Mehrheit der Musiker verdient genau garnichts am Urheberrecht, ist dadurch aber massiv eingeschränkt. Jede kleine Kellerband – und davon gibt es für jede Band, die am Urheberrecht verdient hunderte oder tausende – ist in ihrem Schaffen stark eingeschränkt.

      Ich sehe das aus gesellschaftlicher Perspektive. Warum profitiert der vom Urheberrecht, der die Lyrics schreibt und der andere, der sich die Melodie ausdenkt, nicht aber der Soundtüftler und die Rhythmusgruppe? Das ist keine Gerechtigkeit sondern Willkür. Es spricht nichts gegen solche Willkür, wenn sie denn einen gesellschaftlichen Nutzen hat. Hat sie das denn hier? Unsere Musik entwickelt sich seit vielen Jahrzehnten vor allem in den Bereichen Sound und Rhythmus weiter, weniger melodisch oder lyrisch (letzteres immerhin inhaltlich). Das mag an anderem liegen, zeigt aber, dass das Urheberrecht für die kulturelle Entwicklung der Musik bedeutungslos bis schädlich ist.

      Ist die Schöpfung von Musik vom Urheberrecht abhängig? Definitiv nicht. Kaum ein Musiker lebt davon. Gut, es gäbe vermutlich weniger Schlager und Volksmusik, da viele Protagonisten das selbst verabscheuen, aber selbst diese Hoffnung mag vergebens sein. Also wofür braucht unsere Gesellschaft in Bezug auf Musik Urheberrecht?

  4. Achje, wie offen kann Lobbyismus für Apples geschlossenen Plattform und den zugehörigen proprietären Ansatz denn noch ausfallen? Jetzt ist mal eben ein ganzes Betriebssystem willentlicher und wissentlicher Förderer illegaler Downloads und des Untergangs der abendländischen Urheber. Böse Welt!

    Last FM Free mag illegal sein und der Vorwurf korrekt, aber letztendlich lese ich eine späte Anklage ohne Details zum Nutzungmodell (Tatsachenbehauptungen ohne jegliche weitere Quelle – tz tz…). Nimmt man auch an, dass Google falsch reagiert hat und da Schaden entstandt – warum liest man nur hier so schwammig und dilletantisch davon? Der Sturm im Wasserglas fällt mir dazu ein und ein nennenswertes Medienecho zum “Skandal” fehlt einfach.

    Sorry, diente dieser Artikel hier zur Profilierung oder…?

  5. 4 Postings von androidpit als Argument? Wow. Das ist beeindruckend…

    (Ich weiß übrigens wie man dilettantisch schreibt. Aber leider gibt es hier keine Bearbeiten-Funktion nach dem Posten. War übrigens nicht der einzige Fehler, aber wohl der attraktivste ;) )

  6. Selten so einen oberflächlich recherchierten Artikel hier gelesen: Das soll also die Killer-App für Android sein? Da hängt sich natürlich jeder technisch unbedarfte Apple-User dran und nutzt die Gelegenheit, hier Apples (angeblich) so sauberes Ökosystem zu predigen.
    Wie wäre es denn mal mit etwas fundierter Recherche – Googles Ökosystem bietet da eine ganz nette Suchfunktion an: Dort findet man binnen Sekunden eine App für Chrome, die sich zufällig “last.fm free” nennt und die genau das Gleiche genauso einfach tut wie die genannte Android-App – “Es gibt aus meiner Sicht [...] für kein anderes Betriebssystem eine vergleichbar einfache Lösung, an urheberrechtlich geschützte Musik zu kommen, die aus technischer Sicht so trivial, derartig bequem zu handhaben und dabei vollkommen risikofrei zu nutzen wäre, wie es über diese Android-Applikation möglich ist.” Aha. Für welche Betriebsysteme gibt es Chrome nochmal? Zumindest mal auch irgendwas von Apple… Aber Hauptsache, man kann mal wieder die Begriffe Android und Schmuddel-Plattform in einem Satz unterbringen.

    • Die “Last Fm Free”-App für Chrome ist mir bekannt.
      Sie ist ebenfalls keine offizielle Anwendung, und ist weit weniger funktional.

      Im Gegensatz zum Android-Trittbrettfahrer

      -erfordert diese ein Log In bei Last.FM

      - gibt es keinen Zugriff auf verschiedene Quellen, ergo ein kleineres Angebot

      - gibt es keine Möglichkeit Songs, oder gar ganze Alben direkt runterzuladen. Man muss sich einzelne Tracks zuerst anhören, um sie dann aus dem Browser-Cache grabben zu können. Umständlich, und weit weniger komfortabel

      Außer dem Namen “Last FM Free” haben beide Applikationen also nichts gemeinsam.

      Aber Hauptsache, man kann mal wieder die Begriffe Android und Schmuddel-Plattform in einem Satz unterbringen.

      Wo steht dieser Satz?

  7. 1.) Die Chrome-App benötigt keinen last.fm-Login. Es sei denn, man will Playlists etc. nutzen. Suche und anhören funktioniert ohne.
    2.) Von welchen Quellen ist hier die Rede? Die Chrome-App jedenfalls nutzt last.fm quasi nur als Interface, inkl. sämtlichem Suchkomfort, den last.fm bietet, setzt dann ihre eigenen Play-Buttons anstelle der last.fm-Buttons, die meist nur die 30-sek. Hörpröbchen liefern, und lädt auf Knopfdruck die mp3-Daten von einem russischen Server. Der ist letztlich die Quelle. Leider fehlt mir die Zeit, die Android-App dahingehend zu untersuchen, aber es ist zumindest recht wahrscheinlich, dass man sich hier derselben Quellen bedient. Ebenso wäre es möglich, dass die Android-App für ihre Suchfunktionen die last.fm-API anzapft.
    3.) Man kann keine mp3-Files runterladen – mag sein, allerdings auch fraglich, ob ich zum Laden von mp3s ausgerechnet mein Smartphone nutzen wollte. Diese Möglichkeit bieten ja meines Wissens Spotify und Co. auch nicht an. Und das war ja auch der eigentliche Ausgangspunkt des Artikels.
    Im Übrigen dürfte es keine große Sache sein, eine Anwendung zu basteln, die auf Basis der Chrome-App auch noch den Download der mp3 anbietet. Und mit der Möglichkeit, die lasft.fm-API als Datenquelle anzuzapfen, kann sich jeder mit ein wenig Phantasie die Möglichkeiten vorstellen…
    4.) in den Kommentaren irgendwo

    • Man kann keine mp3-Files runterladen – mag sein, allerdings auch fraglich, ob ich zum Laden von mp3s ausgerechnet mein Smartphone nutzen wollte.

      Ja, ist das fraglich? Wirklich? Sind 32GB-Micro-Sim-Karten so teuer? Will man Musik nicht unterwegs hören? Ist es bequemer am Rechner seine Musikdatenbank zu füttern, als das einhändig mit dem Smartphone bequem vom Sofa aus erledigen zu können?

      Fraglich ist eher deine Argumentation.

      Du kannst mit dem Ding innerhalb von 5 Minuten eine komplette Künstler-Discographie in den Download-Ordner parken, und der Rest erledigt sich von selbst. Ist das fraglich, ob das attraktiv ist?
      Schau dir die App mal man: Es ist eher fraglich, ob Nutzer überhaupt noch Musik via Desktop runterladen wollen, denn der umgekehrte Weg (also erst das Smartphone befüttern, und dann den Androiden an den Rechner zu docken, um einen kompletten Ordner auf den Rechner zu ziehen)ist über diese Applikation weit attraktiver.

      Und dabei werden nicht einfach, wie das bei vielen Browser-MP3-Crawlern üblich ist, die oftmals qualitativ minderwertigen Tonspuren irgendwelcher Youtube- und Vimeo-Videos gezogen, sondern man bekommt hier 1A-Qualität.

      Diese Möglichkeit bieten ja meines Wissens Spotify und Co. auch nicht an. Und das war ja auch der eigentliche Ausgangspunkt des Artikels.

      Eben drum. Spotify und Simfy kosten mobil, man kann die Songs lediglich für den Offline-Modus parken, aber nicht extrahieren. “Last FM Free” unter Android bietet weit mehr und das alles für lau.In vergleichbarer Qualität.

      Und dann landet man wieder hier:

      Und das war ja auch der eigentliche Ausgangspunkt des Artikels.

      Der Ausgangspunkt: Problematische Android-Anwendung
      schadet der App-Ökonomie

      Streaming-Dienste erzielen ihre Erlöse nur via mobile App und Last FM Free unter Android ist so gut, dass es dieses Erlösmodell komplett unterwandert. Wenn man ein kostenpflichtiges Gut durch ein kostenloses, bei gleicher Qualität, einfach substituieren kann, was bedeutet das dann? Dass weniger Nutzer davon Gebrauch machen, so dass es den kostenpflichtigen Diensten schadet, die eben einen Teil der App-Ökonomie darstellen. Noch Fragen?

      BTW:

      Dein Einwand:

      Aber Hauptsache, man kann mal wieder die Begriffe Android und Schmuddel-Plattform in einem Satz unterbringen.

      Mein Kommentar:

      Die Offenheit von Android hat an anderer Stelle natürlich auch viele Vorteile, auf die WP oder iOS-Nutzer verzichten müssen und es wäre auch falsch, Android als “Schmuddel-Plattform” abzutun, dennoch sind diese Effekte nicht von der Hand zu weisen.

      Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich Android sogar in Schutz genommen.

  8. Man kann keine mp3-Files runterladen – mag sein, allerdings auch fraglich, ob ich zum Laden von mp3s ausgerechnet mein Smartphone nutzen wollte.

    Ja, ist das fraglich? Wirklich? Sind 32GB-Micro-Sim-Karten so teuer? Will man Musik nicht unterwegs hören? Ist es bequemer am Rechner seine Musikdatenbank zu füttern, als das einhändig mit dem Smartphone bequem vom Sofa aus erledigen zu können?

    Fraglich ist eher deine Argumentation.

    Du kannst mit dem Ding innerhalb von 5 Minuten eine komplette Künstler-Discographie in den Download-Ordner parken, und der Rest erledigt sich von selbst. Ist das fraglich, ob das attraktiv ist?
    Schau dir die App mal man: Es ist eher fraglich, ob Nutzer überhaupt noch Musik via Desktop runterladen wollen, denn der umgekehrte Weg (also erst das Smartphone befüttern, und dann den Androiden an den Rechner zu docken, um einen kompletten Ordner auf den Rechner zu ziehen)ist über diese Applikation weit attraktiver.

    Und dabei werden nicht einfach, wie das bei vielen Browser-MP3-Crawlern üblich ist, die oftmals qualitativ minderwertigen Tonspuren irgendwelcher Youtube- und Vimeo-Videos gezogen, sondern man bekommt hier 1A-Qualität.

    Diese Möglichkeit bieten ja meines Wissens Spotify und Co. auch nicht an. Und das war ja auch der eigentliche Ausgangspunkt des Artikels.

    Eben drum. Spotify und Simfy kosten mobil, man kann die Songs lediglich für den Offline-Modus parken, aber nicht extrahieren. “Last FM Free” unter Android bietet weit mehr und das alles für lau.In vergleichbarer Qualität.

    Und dann landet man wieder hier:

    Und das war ja auch der eigentliche Ausgangspunkt des Artikels.

    Der Ausgangspunkt: Problematische Android-Anwendung
    schadet der App-Ökonomie

    Streaming-Dienste erzielen ihre Erlöse nur via mobile App und Last FM Free unter Android ist so gut, dass es dieses Erlösmodell komplett unterwandert. Wenn man ein kostenpflichtiges Gut durch ein kostenloses, bei gleicher Qualität, einfach substituieren kann, was bedeutet das dann? Dass weniger Nutzer davon Gebrauch machen, so dass es den kostenpflichtigen Diensten schadet, die eben einen Teil der App-Ökonomie darstellen. Noch Fragen?

    BTW: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

    Dein Einwand:

    Aber Hauptsache, man kann mal wieder die Begriffe Android und Schmuddel-Plattform in einem Satz unterbringen.

    Mein Kommentar:

    Die Offenheit von Android hat an anderer Stelle natürlich auch viele Vorteile, auf die WP oder iOS-Nutzer verzichten müssen und es wäre auch falsch, Android als “Schmuddel-Plattform” abzutun, dennoch sind diese Effekte nicht von der Hand zu weisen.

    Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich Android sogar in Schutz genommen. Hast du wohl überlesen.

  9. Es gibt für die Chrome-App inzwischen eine Weiterentwicklung namens Chromus, sieht der Android-App sehr ähnlich, läuft direkt in jedem Browser, die Suchfunktion nutzt wie vermutet die last.fm-API. Ist zwar noch etwas buggy, aber es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis das dann auch mit iOS funktioniert. Das Design sagt ja eigentlich alles über die Zielplattform…

    • Micro-Sim

      Meinte natürlich “Micro-SD”.

      Es gibt für die Chrome-App inzwischen eine Weiterentwicklung namens Chromus, sieht der Android-App sehr ähnlich, läuft direkt in jedem Browser, die Suchfunktion nutzt wie vermutet die last.fm-API. Ist zwar noch etwas buggy, aber es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis das dann auch mit iOS funktioniert. Das Design sagt ja eigentlich alles über die Zielplattform…

      Habe ich gesehen. Ist aber noch richtig buggy: Funktioniert bei mir gar nicht.

      Der wesentliche Unterschied: Solche Lösungen sind a) “frickelig”, so dass sie im Mainstream weniger Verbreitung finden (ergo weniger wirtschaftlichen Schaden verursachen können) und b)werden sie andernorts nicht so leicht zugänglich über offizielle Kanäle (Googles Infrastruktur) angeboten (so dass auch hier die Verbreitung und damit der wirtschaftliche Schaden geringer ist).

      Mit deiner Argumentation widerlegst du mich also nicht, sondern untermauerst meine These sogar noch, indem du sie erweiterst: Nicht nur im Android-Market sind zweifelhafte Anwendungen regulär zu bekommen, sondern auch am heimischen Desktop über den Chrome-Shop. Beides offizielle Google Vertriebskanäle, über die bequem zweifelhafte Anwendungen zu bekommen sind, die kostenpflichtigem On-Demand-Musik-Streaming schaden. Die Android-Variante ist dabei jedoch gefährlicher, da nur die so bequem und komfortabel ist, dass man sie dahingend wirklich als “Wettbewerber” zu den kostenpflichtigen Angeboten begreifen kann.

      Ich habe es ja schon geschrieben: Früher gab es auch Kopien an jeder Ecke. Jedes offene System ist davon betroffen und wird es immer sein. Nur: Dass ein System-Anbieter eines offenen OS gleichzeitig noch die Vertriebs-Infrastruktur für die Verbreitung solcher Applikationen zur Verfügung stellt, und deren Vertrieb dann auch noch über einen längeren Zeitraum zulässt, das ist neu.

      Den Vorwurf, hier ein Profiteur zu Lasten der Streaming-Anbieter zu sein, muss Google sich gefallen lassen, und das hat nichts damit zu tun, welches System nun “besser” oder “schlechter” ist (ist mir eh egal, da ich mehrere Systeme nutze. Spotify nutze ich unterwegs z.B. ausschließlich mit einem Android-Phone, da die App fixer&übersichtlicher ist als auf dem Iphone und zudem weniger oft abstürzt als unter iOS).

  10. Ja, ist das fraglich? Wirklich? Sind 32GB-Micro-Sim-Karten so teuer? Will man Musik nicht unterwegs hören? Ist es bequemer am Rechner seine Musikdatenbank zu füttern, als das einhändig mit dem Smartphone bequem vom Sofa aus erledigen zu können?

    Fraglich ist eher deine Argumentation.

    Wenn schon, das Micro-SD-Karten. Und ja, ich höre Musik unterwegs, und ja, ich finde es bequemer, sowas vom Rechner aus zu verwalten. Für mich ist so eine App daher völlig unattraktiv.
    Wenn jemand unbedingt die paar Euro für einen legalen Download sparen will, dann findet er immer genügend Optionen. Und wenn jemand mal, nur weil es so einfach ist, auf Knopfdruck für lau eine ganze Diskografie runterlädt, dann heisst das im Umkehrschluss nicht gleich, dass er sich diese Musik gekauft hätte, wenn es die tolle App nicht gäbe. Aber damit driften wir in eine Diskussion ab, die ich eigentlich hier nicht weiter führen will.

  11. Mit deiner Argumentation widerlegst du mich also nicht, sondern untermauerst meine These sogar noch, indem du sie erweiterst: Nicht nur im Android-Market sind zweifelhafte Anwendungen regulär zu bekommen, sondern auch am heimischen Desktop über den Chrome-Shop.

    Mir ging es nie darum, das zu widerlegen, sondern darum aufzuzeigen, dass diese Art Apps, egal ob jetzt Android, Chrome oder letztlich webbasiert, mit einer recht cleveren Idee am Start sind, die nicht auf eine Plattform beschränkt ist. Dass man den Content nur konsumieren und nicht downloaden kann, hat z.B. bei kino.to auch nicht wirklich jemanden gestört, man hatte die Sachen ja so oder so immer verfügbar.