Verschmelzung von Fernsehen und Internet:
myTVLink ist ein Videoportal
für Großbildschirme

Das aus Hamburg stammende Startup myTVLink hat eine für Großbildschirme optimierte Browseroberfläche entwickelt, die den bequemen Zugriff auf Onlinevideos vom Sofa aus ermöglicht.

Lange Zeit wurde über die Verschmelzung von Fernsehen und Internet gesprochen, und mindestens ebenso lange mussten Konsumenten auf diese warten. Auch im Jahr 2012 hat die vollständige Konvergenz zwischen den zwei Medientypen und dafür notwendigen Zugangsgerätearten noch nicht vollständig stattgefunden, aber immerhin existieren verschiedene vielversprechende Ansätze. Google TV gehört dazu ebenso wie die Boxee Box sowie VideoWeb. Internetfähige TV-Geräte sowie Konsolenhersteller wie Sony und Microsoft, die Web- und TV-Angebote in ihre Geräte integrieren, tragen ihren Teil zur langsamen Annäherung von Fernsehen und Internet bei. Und auch Apple soll bekanntlich Pläne in diese Richtung hegen.

Wer jedoch ganz simpel einen Computer mit dem heimischen Fernseher verbindet und über diesen im Netz surft, wird schnell feststellen, dass sich die Zahl der für den Großbildschirm optimierten Webangebote in Grenzen hält. Die Macher von myTVLink haben sich zum Ziel gesetzt, diesen Missstand mit einem Browserangebot zu beheben. Der Onlinedienst aus Hamburg hat in der vergangenen Woche seine geschlossene Beta-Phase beendet und steht nun allen Nutzern zur Verfügung.

myTVLink führt eine Reihe von frei im Netz verfügbaren Onlineinhalten über eine fernseher-taugliche Benutzeroberfläche zusammen und richtet sich damit in einem ersten Schritt an alle, die ihren an das TV-Gerät angeschlossenen Rechner bequem vom Sofa aus bedienen möchten, vorzugsweise mit einer kabellosen Tastatur. Im Gegensatz zu herkömmlichen Videoangeboten im Netz, die in der Regel für vergleichsweise kleine PC-Displays konzipiert wurden, zeichnet sich das unter myTVLink.tv erreichbare Portal durch übermäßig große Schrift, große Bilder und eine mausfreie Bedienung über die Befehle rauf, runter, links, rechts und Ok aus.

Inhalte von ARD, ZDF, YouTube und aus Video-Podcasts

Das direkt über myTVLink abrufbare Videoangebot speist sich aus den Online-Archiven von ARD und der ZDF Mediathek sowie aus populären YouTube-Channels und Video-Podcasts. Der Dienst liefert ein Ranking der 100 populärsten Clips aller registrierten myTVLink-Anwender, eine Liste aller verfügbaren Inhalte nach Rubriken, eine Funktion zum Merken und Abonnieren von einzelnen Episoden oder ganzen Serien sowie eine aggregierte Darstellung von YouTube-Clips, die Facebook-Kontakte bei dem sozialen Netzwerk empfohlen haben (hierfür ist eine Verknüpfung mit dem persönlichen Facebook-Konto erforderlich).

In der Tipps-Sektion macht das myTVLink-Team außerdem redaktionell gepflegte Vorschläge für sehenswerte Sendungen. “Damit versuchen wir, ein bisschen Ordnung in die verschiedenen Quellen zu bringen, so dass der Nutzer nicht über Marken-Silos Inhalte findet, sondern über Themen und Rubriken”, so myTVLink-Mitgründer Christian Miessner. Er unterstreicht auch die Offenheit des Dienstes. myTVLink basiert auf HTML und Javascript und ist damit im Prinzip über jede Plattform zugänglich.

Durch seine Fokussierung auf Anwender mit einem an ein TV-Gerät angeschlossenen Rechner spricht das Startup eine eher spitze Zielgruppe an. Je mehr Fernsehgeräte jedoch über einen eigenen Browser verfügen, desto mehr Menschen können auf den Dienst zugreifen, um sich im Onlinevideo-Dschungel zurechtzufinden. Zudem werden Kooperationen mit Herstellern von Set-Top-Boxen und Smart TVs angestrebt.

Fernbedienungs-App für iPhone und Android in Planung

Ich habe myTVLink gestern in dem vorgeschlagenen Rahmen, nämlich über einen an den Fernseher angeschlossenen, vom Sofa über eine kabellose Tastatur aus bedienten PC, ausprobiert. Der Dienst funktioniert wie angepriesen, die Navigation und Benutzerführung über die Pfeiltasten ist simpel, und die Clips werden zumeist in wenigen Sekunden direkt innerhalb des myTVLink-Angebots geladen. Manche Anwender wird die Bedienung über die Tastatur stören – eine Fernsteuerungs-App für iPhone und Android soll in Zukunft Abhilfe schaffen, ist aber noch nicht verfügbar.

myTVLink ist ein guter Anfang, auch wenn mit dem Service momentan nur eine vergleichsweise kleine Nutzerzahl angesprochen wird. Je mehr Menschen jedoch einen Browser über ihr Fernsehgerät steuer können – egal ob über externe Hardware oder als integrierte Funktion – desto größeres Interesse an für den Big Screen optimierten Angeboten darf man erwarten. Es ist sinnvoll, dass sich das Hamburger Startup jetzt in Stellung bringt, um dann die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Neben Christian Miessner gehören Melanie Reese-Arndt, Harald Behn und Chris Dreyer zum myTVLink-Gründerteam. Die bisherige Entwicklung wurde aus eigener Tasche sowie durch Business Angels finanziert. Die Monetarisierung soll über Werbung, die gesonderte Positionierung von Content sowie Affiliate bei (noch nicht integrierten) On-Demand-Angeboten erfolgen.

Wer vorrangig YouTube auf das heimische TV-Gerät bringen möchte, kann dazu auch auf die eigenen Big-Screen-Oberflächen des Videoportals zugreifen, nämlich Leanback und XL. Kürzlich stellten wir außerdem die Smartphone-App Clik vor, eine Art Fernsteuerung für YouTube.  Auch Pult.io stößt in dieses Segment vor.

Link: myTVLink

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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11 Kommentare

  1. Das sieht doch schon ganz interessant aus, ich meine ähnliches gibt es auch bereits für Youtube oder?

  2. Klingt durchaus interessant. Gut wäre natürlich hierfür eine Möglichkeit den Service mit AppleTV zu nutzen, um nicht immer den Rechner laufen lassen zu müssen.

  3. Da ich sowieso schon ein Mediacenter habe, das ich mit Fernbedienung benutze, brauche ich auf gar keinen Fall irgendeine Browser-Anwendung. Und für die gängigen MediaCenter (Windows Media Center, Mediaportal, XBMC, MythTV, …) gibt es so etwas längst (z.B. MP OnlineVideos, MythNetvision, …).

    Ich meine: Entweder will ich am Wohnzimmer-PC bequem Medien konsumieren, dann hole ich mir eine vollwertige Lösung – oder ich will es nicht, dann brauche ich auch kein Browser-basiertes Portal dafür…

  4. Interessant.
    Mit einem Raspberry Pi
    für 35 USD (plus Bluetooth Tastatur oder FB) hat man ein günstiges Vidio-on-Demand-System

    http://www.raspberrypi.org/

  5. Das sieht sehr interessant aus. Hoffentlich haben die einen guten Vertrieb, sodass die Software auch auf einigen Geräten erscheint. Meine Popcorn Hour würde sich freuen :-)

  6. wie aber verändert sich das fernsehen als gesellschaftliches ereignis im zuge der digitalisierung?

    dazu gibt es heute einen beitrag in der berliner gazette, lesenswert:

    http://berlinergazette.de/social-tv-hbbtv-viewser/

    eine meinung aus netzwertig-sicht dazu wäre spannend!

  7. Nachdem die Mediathek für Mac nun eingestellt wurde, nutze ich lieber Vavideo.de. Dort lassen sich auch einige Filme finden und direkt herunterladen.

    http://chip.de/webapps/Va…deo.de_59719366.html

  8. an und für sich nicht schlecht – allerdings nicht schön auf allen anderen Geräten…

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