Last-Minute-Hotelbuchungen:
HRS stört sich an JustBook

Die iPhone-App des Berliner Startups JustBook bietet tagesaktuelle Last-Minute-Hoteldeals in deutschen Großstädten. Dem marktführenden Buchungsportal HRS schmeckt dies gar nicht.

Wenn Startups bei alteingesessenen Unternehmen anecken, dann zumeist, weil ihr sich die Stärken des Webs zunutze machender Ansatz bisherige Geschäftsmodelle schwächt oder gar überflüßig macht. Meist sind es daher Firmen mit geringem oder nicht existentem Onlinefokus, die sich den Eindringlingen mit mehr oder weniger fairen Mitteln in den Weg stellen – myTaxi kann davon ein Lied singen.

Alexander Hüsing berichtet nun bei deutsche-startups.de über einen Fall, in dem ein Anbieter sich gegen neue Konkurrenz aus dem Internet stemmt, der selbst schon seit einer gefühlten Ewigkeit aktiv im Netz präsent ist:

HRS, Kölner Marktführer im deutschen Hotelbuchungsmarkt, stört sich an der vor einigen Wochen lancierten Last-Minute-Buchungs-App JustBook. Das mit Seed-Kapital von einer Reihe namhafter deutscher Investoren ausgestattete Berliner Jungunternehmen um die Gründer Stefan Menden, Florian Waldmann, Ogi Zeric and Sebastian Fallert bietet über seine iPhone-App täglich zwischen 12 Uhr mittags und 2 Uhr nachts stark im Preis gesenkte Hotelzimmer in einer Reihe deutsche Großstädte an – jeweils für die aktuelle Nacht.

Reisende finden auf diese Weise kurzfristig eine deutlich rabattierte Unterkunft in ausgewählten, vom JustBook-Team laut eigener Aussage persönlich geprüften Hotels. Und für Hoteliers bietet die Anwendung des Startups eine Möglichkeit, kurzfristig Last-Minute-Kontingente loszuwerden – ohne Preisverfall und Markenschaden – die zeitlich begrenzten Angebote sind nur über die App verfügbar und können somit nicht über die Buchungsportale im Web in Anspruch genommen werden.

Genau das aber stört HRS. Das 1972 gegründete Unternehmen, das in Deutschland eine erhebliche Marktmacht besitzt, soll daher alle mit Sonderangeboten bei JustBook präsenten Hotels kontaktiert und sie aufgefordert haben, Zimmer nicht zu günstigeren Raten als bei HRS anzubieten. “Sollten Hotels ‘einen besseren Preis bei JustBook anbieten als bei HRS, weisen wir die Hotels darauf hin und bitten sie, die Raten entsprechend bei HRS anzupassen”, gab ein HRS-Sprecher gegenüber Mobilbranche.de zu verstehen. Einige Hotels sollen daraufhin die Zusammenarbeit mit JustBook eingestellt haben.

HRS fordert von den über das Portal buchbaren Hotels eine Bestpreisgarantie, die es aufgrund seines Marktanteils von 54 Prozent in Deutschland (älterer Wert aus dem Jahr 2006) auch relativ leicht durchsetzen kann. Eine Entfernung aus der Datenbank von HRS könnte sich für die betroffenen Hotels in erheblichen Einbußen bei den Buchungen niederschlagen.

Wegen einer Erhöhung der Vermittlungsprovision von 13 auf 15 Prozent sind viele Hoteliers derzeit ohnehin nicht gut auf HRS zu sprechen. Mit dem bisher noch nicht in einen Rechtsstreit ausgearteten Vorgehen gegen JustBook-Partnerhotels werden die Kölner nicht gerade die Wogen glätten können.

Im Kern dreht sich der Konflikt zwischen HRS, den Hotels und JustBook um die Frage, inwieweit das Angebot des Berliner Startups mit dem von HRS vergleichbar ist. Auch das Buchungsportal bietet tagesaktuelle Rabatte für ausgewählte Unterkünfte. Das JustBook-Team dagegen ist der Überzeugung, dass sich ihr Service deutlich von HRS unterscheidet, weil besondere Buchungsbedingungen gelten und ein geschlossener Empfängerkreis (innerhalb der App) angesprochen wird, erklärt deutsche-startups.de.

Die Parallelen zum Disput zwischen Taxizentralen und myTaxi sind offensichtlich. In beiden Fällen haben es etablierte Anbieter aus Angst vor einer Kannibalisierung versäumt, selbst mit neuartigen Produktideen bisher unbefriedigte Kundenbedürfnisse zu erfüllen, und nutzen nun ihre dominierende Marktstellung aus, um aufstrebende Konkurrenten am Erstarken zu hindern.

Wahrscheinlich gäbe es JustBook heute gar nicht, hätte HRS einfach selbst eine eigenständige Last-Minute-App auf den Markt gebracht. Immerhin hat sich JustBook das Konzept in den USA bei Hotel Tonight abgeguckt. Dazu wäre HRS auch in der Lage gewesen. Nun rächt sich die Furcht vor der Veränderung – erst recht, weil durch die Presseberichte viele Reisende in Deutschland nun zum ersten Mal überhaupt auf JustBook aufmerksam werden.

Link: JustBook

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

8 Kommentare

  1. Können die Hotels nicht einfach den Service leicht ändern und da das Produkt anders ist andere Preise anbieten? Exclusiv Verträge sollten verboten sein. Kann ja nicht sein wenn andere mit niedrigeren Provisionen arbeiten können das sie von den Marktführer so behindert werden können. Erinnert mich an MS Deal mit Intel.

  2. “HRS missbraucht die Ratenparität, um Hoteliers in ihrer Preisfreiheit zu beschränken.”, meint Ognjen Zeric, Mitgründer von JustBook dazu im Hotel Newsroom. “Die Hoteliers waren ziemlich sauer, als HRS ihnen schon am ersten Tag nach dem JustBook-Launch diese Möglichkeit mit der Androhung einer Buchungssperre schwerer machen wollte.”

    Bin gespannt, wie die Diskussion weiter geht…

  3. Wie auch in vielen anderen Fällen wird sich hier HRS mit seiner Marktmacht durchsetzen. Im Augenblick versuchen sie ihre Provision bei den Hoteliers zu erhöhen.
    Man muß aber auch klar sagen: HRS bringt den Hoteliers viele Kunden. Es ist eine gut funktionierende Plattform die eine hohe Marktdurchdringung hat.

  4. Man sollte hier nicht unerwähnt lassen, dass JustBook wohl auf eine Agentur zurückgegriffen hat, die ihr gleich in den ersten Tagen eine ganze Menge an 5-Sterne-Bewertungen in den App Store eingetragen hat.
    Das ist mir damals schon aufgefallen und anderen Nutzern auch!

    Seriös ist was anderes, auch wenn es vielleicht gängige Praxis ist!?

    Best,
    Domi

  5. Es ist völlig verständlich, dass ein “Mamut” um sein Überleben und Bestehen im Markt kämpft. Jedoch muss HRS auch damit leben, dass junge Unternehmen ein Teil vom Kuchen haben möchtten und mit ähnlichen Produkten auf den Markt kommen. Die jüngste Erscheinung ist z.B. die Bocco Card, ein Buchungsportal für geschlossenen Teil der Nutzer, die Zimmer zum halben Preis reservieren können. Ein Rat an die Mamuts: einfach vital zu bleiben!

  6. Super Idee von “just book”. Ich finde es erfrischend, dass noch genügend Pioniergeist besteht, ein Unternehmen in diesem Segment zu gründen, ohne sich übertrieben detailliert mit den rechtlichen Gegebenheiten im Markt zu befassen. Wenn man alle möglichen Stolpersteine bei einer Unternehmensgründung in Deutschland berücksichtigt, würde sich niemand mehr selbstständig machen.

  7. Sicherlich sind viele Hotels froh, bislang unvermietete Hotelzimmer über JustBook! noch kurzfristig vermarkten zu können. Die Reaktion vom bisherigen Marktführer ist zwar zu verstehen, aber offenbar hat man dort doch etwas geschlafen. Mit dem neuen Mitbewerber wird man m.E. leben müssen und selbst innovativer werden.

  8. Vielleicht wäre für HRS auch eine Beteiligung in Form einer Unterstützung von JustBook möglich. So könnten beide vielleicht zusammen auf ihre möglichen Kunden zu gehen und müssten sich nicht gegenseitig aus dem Markt verdrängen.

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  6. [...] ihr auf Netzwertig lesen könnt, haben die Jungs mit ihrer App, die Großen der Branche ganz schön herausgefordert. [...]

  7. [...] die aktuelle Nacht.Ads_BA_AD('CAD2');HRS, Kölner Marktführer im deutschen Hotelbuchungsmarkt, gefiell dieses Konzept gar nicht. Das 1972 gegründete Unternehmen soll daraufhin von sowohl bei HRS als auch bei JustBook [...]

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