Fab.com:
Die deutsche Gründerszene
träumt wieder mal vom Exit

Der Erfolg des US-Shoppingclubs für Designerprodukte Fab.com regt wieder mal die Fantasie und Übernahmehoffnungen deutscher Gründer an.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie inspiriert vom Erfolg eines US-Konzepts diverse deutsche Nachahmer nahezu gleichzeitig auf den hiesigen Markt stürmen. Das war bei Groupon genauso zu beobachten wie bei Birchbox, AirBnb und Pinterest. In der zu Ende gehenden Woche nun wurde deutlich, welches US-Startup sich hiesige Webunternehmer als nächstes vorknöpfen: Fab.com, ein Shoppingclub für Designerprodukte mit Sitz in New York.

Das von dem ehemaligen Xing-Mitarbeiter Jason Goldberg ursprünglich als Community für Homosexuelle gegründete Startup richtete sich im vergangenen Jahr neu aus und fokussiert sich seitdem darauf, zeitlich limitierte Sonderangebote für Designergegenstände anzubieten. Rasante Wachstumszahlen zeigen, dass Goldberg damit einen Nerv getroffen hat.

Sobald Nutzerzahlen eines neuen US-Dienstes exponentiell ansteigen, ist ein Klon der Samwer-Brüder nicht mehr fern. Bobbie Johnson bei GigaOm war es, der vor zwei Tagen auf Bamarang aufmerksam machte und die Verbindung zu dem deutschen Unternehmertrio und dessen Copycat-Schmiede Rocket Internet herstellte. In typischer Samwer-Manier baut der Dienst nicht nur auf das Geschäftsmodell des Vorbilds, sondern sieht diesem auch täuschend ähnlich.

Mehr muss man dazu eigentlich auch nicht sagen. Etwas interessanter ist Monoqi, ein Berliner-Startup im gleichen Segment, das am Donnerstag sein Debüt feierte. Die konzeptionellen Parallelen zu Fab.com sind zwar groß, aber anders als Bamarang, das den unmissverständlichen Eindruck eines weiteren seelenlosen Fließbandproduktes der Samwers hinterlässt, steckt hinter Monoqi eine eigenständige Vision sowie das Streben nach Authentizität.

Mitgründer des Jungunternehmens ist der Schweizer Christophe Maire, der mit seinen Beteiligungen an SoundCloud, Amen, Gidsy und EyeEm ein hohes Ansehen in der Berliner Startup-Szene und darüber hinaus genießt. Im Gegensatz zu den Samwers ist Maire nicht dafür bekannt, plump bestehende US-Webservices nachzubauen, und wird sich diesen Ruf auch nicht so leicht kaputt machen wollen.

Vor zwei Wochen traf ich mich mit Monoqis Marketingverantwortlichem Hessam Lavi auf einen Kaffee, ohne vor dem Treffen überhaupt von dem im Aufbau befindlichen Startup gehört zu haben. Lavi versuchte gar nicht erst, die vorhandenen Ähnlichkeiten zu bestreiten, aber sagte etwas, das man von klassischen Copycats niemals hört: Das Ziel des Berliner Unternehmens sei es, besser zu sein als Fab.com. Typisch für den klassischen deutschen Klon hingegen ist es, dem Vorbild in den meisten Belangen (außer der Sprache und lokalen Anpassung) unterlegen zu sein und daran nicht einmal etwas ändern zu wollen.

Fab.com-Gründer Jason Goldberg fühlt sich unterdessen geschmeichelt von den deutschen Nachahmern (via). Mindestens fünf Stück will er ausgemacht haben. Gemeint haben könnte er auch Cascanda und Favs, auf die deutsche-startups.de jüngst verwies.

Der Bedarf an Produkten, die Ästhetik, Gefühle und Authentizität ausstrahlen, ist größer denn je. Websites, die exklusive Designerprodukte zu deutlich rabattierten Preisen anbieten, dafür aber eine schnelle Entscheidung der Kunden erfordern, kommen da genau richtig. Dauerhaft wird allerdings nur eine begrenzte Zahl an Anbietern nebeneinander bestehen können. Fab.com hat bereits deutlich gemacht, international expandieren zu wollen – die meisten der Nachahmer werden nun Tag und Nacht dafür schuften, sich als Übernahmeobjekte attraktiv zu machen.

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2 Kommentare

  1. Robert Frunzke
    schrieb am 1. Februar 2012 um 00:46 Uhr (#)

    Mich würde mal interessieren, auf welcher Informations-Basis die Samwer-Brüder (und auch die anderen in letzter Zeit aufgetauchten) Copycat-Investoren ihre Projekte planen.

    Es wäre doch witzig, diese Leute mal mit komplett inszenierten Erfolgsmodellen in die Irre zu führen.

    Einfach wäre das sicher nicht. Trotzdem wäre das zumindest lustig anzusehen.

    Ich persönlich kann aus den Copycat-Unternehmungen der letzten Jahre leider nur den Schluss ziehen, dass ich die Finger von jeder Art Einzelhandels-Unternehmung lassen werde. Denn, auch wenn ich damit wahnsinnig viel Erfolg hätte, wäre solch eine Unternehmung verdammt einfach zu kopieren. Folgt also, Finger weg, weil beim kleinsten Anzeichen von Erfolg die Copycats schon mit sehr viel Kapital bei Fuße stehen würden.

    Eigentlich traurig…

  2. Peter
    schrieb am 20. Februar 2012 um 12:21 Uhr (#)

    Ich beobachte dieses Fab geschehen schon eine ganze Weile. Bin gespannt was da rauskommt. Casacanda ist meiner Meinung nach ein online BUTLERS. Sehr komische Produkte bieten die unter dem Decknamen “Design” an. Aber Ramsch kommt gut an denke ich mal. Bamarang hat ganz nette Produkte – aber die Seite ist eine 1 2 1 copy, verstehe das nicht, wenigstens ein paar andere Farben könnte man nehmen. Flavs ist glaube ich noch ein kleines Team (zumindest noch nichts in Sachen Finazierung gelesen). Die haben ganz nette Produkte und geben sich sehr viel Mühe authentisch zu wirken. Monoqi sieht man ja noch nciht sehr viel. Bin mal gespannt was da rauskommt und wer sich wie positioniert.

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