“Die GEMA ist schuld”:
Grooveshark schließt für Nutzer
aus Deutschland – simfy übernimmt

Grooveshark, die “Schurkenseite” unter den Musikstreamingdiensten, ist für Nutzer aus Deutschland nicht mehr zugänglich. Verantwortlich macht der US-Dienst die hiesige Verwertungsgesellschaft GEMA. Eine Partnerschaft mit simfy soll die Nutzer entschädigen.

Aktualisiert: Stellungnahmen von simfy und der GEMA am Artikel-Ende.

In den Augen der Musikindustrie ist der US-Dienst Grooveshark seit langem das schwarze Schaf der Streamingdienste und das derzeitige Ziel juristischer Attacken durch die Plattenfirmen. Anders als Konkurrenten wie simfy, Rdio oder Spotify besitzt Grooveshark keine Lizenzverträge mit Labels und Verwertungsgesellschaften, weshalb es der Branche ein Dorn im Auge ist.

Bisher war Grooveshark im Gegensatz zu den Konkurrenten von überall auf der Welt aus abrufbar (eventuelle Ausnahmen inbegriffen), da es sich nicht in jedem Land neu an den Verhandlungstisch mit den involvierten Parteien begeben musste. Doch neuerdings bleibt der On-Demand-Zugriff auf die bei Grooveshark angebotene Musik Besuchern mit einer deutschen IP-Adresse verwehrt.

“Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten stellt Grooveshark den Zugriff aus Deutschland ein”, heißt es in einer Meldung auf der Homepage, in der die Verwertungsgesellschaft GEMA für den Schritt verantwortlich gemacht wird: “Wir hoffen, eines Tages zurück zu kommen. Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die GEMA zu schicken”. Dazu wird eine E-Mail-Adresse der GEMA angegeben.

Zudem präsentiert die Seite eine Berliner Postanschrift in der Bayreuther Straße 37 sowie eine lokale Telefonnummer – beides gehört – wie auf den ersten Blick nicht deutlich wird – zum Berliner Büro der GEMA.

Bei Nutzern aus Deutschland beliebt

Als Ausweichlösung für Grooveshark-Fans aus Deutschland wird mit warmen Worten simfy empfohlen: “Wir hoffen, dass Sie unserer Empfehlung folgen und den populären Musikservice simfy ausprobieren”. Das Kölner Startup bietet als einziger On-Demand-Service in Deutschland fünf Stunden kostenfreies Streaming pro Monat.

Update: simfy hat uns gerade darüber informiert, dass es eine Partnerschaft mit der Grooveshark-Betrieberfirma Escape Media Group eingegangen ist, in deren Rahmen deutsche Nutzer auf das simfy-Angebot verwiesen werden. Siehe Pressemitteilung am Artikelende.

Bisher waren es die großen Plattenfirmen, die Stimmung gegen den US-Anbieter gemacht haben, weil ihnen und den bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstlern Lizenzeinnahmen entgingen. Aber auch der GEMA, die als größte Verwertungsgesellschaft der Welt gilt, und Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern wird es missfallen, dass sie von Grooveshark nicht die von kostenfreien, interaktiven Musikdiensten eingeforderten Lizenzgebühren erhalten, die anschließend an Autoren und Komponisten abgeführt werden.

Warum sich Grooveshark nun ausgerechnet in Deutschland zu einer selbstinitiierten Sperrung entschlossen hat und nicht die Labels sondern die GEMA als Sündenbock präsentiert, ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar. Bei der GEMA in Berlin heißt es nur “Kein Kommentar” – dort wird man sich gerade über die Masse an Beschwerden ärgern, die sich per E-Mail und telefonisch über sie ergießt. Wir haben Anfragen an die beteiligten Parteien geschickt und aktualisieren diesen Beitrag, sofern weitere Erkenntnisse auftauchen.

Update: Hier die englischsprachige Stellungnahme von simfy, die im Laufe des Tages verbreitet wird:

January 18, 2012. Cologne, Germany. simfy AG today announced a transatlantic collaboration with US-based Escape Media Group and its music streaming service Grooveshark.  In response to Germany’s music streaming regulatory environment, Grooveshark.com has begun referring visits from German IP addresses to simfy.de.  The goal of the agreement is to provide German music fans with continued streaming access to the songs and artists they love.

“We are excited to share our service with Grooveshark users in Germany and provide an uninterrupted stream of great music,” said simfy CEO Gerrit Schumann.  ”That opportunity comes with great responsibility to delight users and we’re committed to do just that.”

Gegenüber heise online distanzierte sich Geritt Schumann unterdessen von Groovesharks Schuldzuweisungen.

Update 2: Hier das offizielle Statement der GEMA, die in ihrer Pressemitteilung auf diesen Beitrag und meine halbironische Bezeichnung “Schurkenseite” (ein Term, der im Kontext von SOPA fällt) verweist:

Der Anbieter Grooveshark hat seinen Dienst in Deutschland – entgegen seiner Angaben – nicht wegen unverhältnismäßig hoher Betriebskosten eingestellt.

Vielmehr weigert sich Grooveshark grundsätzlich, den von ihm betriebenen Dienst überhaupt in irgendeiner Form zu vergüten.

“Grooveshark, die ‘Schurkenseite’ unter den Musikstreamingdiensten”, wie netzwertig.com den Dienst bezeichnet, sieht sich daher aktuell bereits mit Klagen z.B. von Universal Music, Warner Music und EMI Music konfrontiert.

Auch Google und Apple haben kürzlich die Grooveshark-Apps aus dem Android-Market und dem Appstore verbannt.

Anlass der Schließung des Dienstes in Deutschland ist damit nicht, wie durch den Infotext auf der Website von Grooveshark fälschlicher Weise suggeriert wird, eine Uneinigkeit über die Vergütungshöhe, sondern die generelle Tatsache, dass Grooveshark Urheber und andere Rechteinhaber an seinen Umsätzen beteiligen muss.

Falls Ihnen als User von Grooveshark finanzieller Schaden entstanden ist, wenden Sie sich mit Ihren Beschwerden bitte direkt an den Betreiber des Dienstes:

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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43 Kommentare

  1. simfy hat leider viel zu wenig meiner Musik, um mich zum Umsteigen zu bewegen…

  2. Sorry to hear! Aber das ist das Problem, wenn man nur nach Quantität aus ist und die Communities nicht langsam und qualitätsbewusst aufbaut. Grooveshark war ja eben kein Discovery Network per se, sondern eher ein Link Aggregator mit Streaming Funktion. Ohne Monday Morning Quaterback zu sein, they had it comming. Besser aufgestellt sind da hypem.com und musicplayr.com die sind auf die discovery ausgerichtet…wobei musicplayr.com noch leaner aufgestellt ist als hypem.com.

  3. Echt schade um Grooveshark. Habe die Seite gerne genutzt und auch vielen Freunden empfohlen, da sowohl Umfang als auch Qualität der Musik absolut zufriedenstellend waren. Simfy als Alternative ist ja nicht so der Renner bei nur fünf Stunden Musik im Monat, die man nur als anfixen zum Premiumacc verstehen kann. Für eine dauerhafte kostenlose Nutzung müssten es schon 5 Stunden am Tag sein.

    Noch kann über html5.grooveshark.com weiter gehört werden, aber das ist wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis der Zugriff aus DE unterbunden wird.

    • Du willst mindestens 5 Stunden am Tag Musik on demand hoeren und bist nicht bereit dafuer 5 Euro pro Monat zu zahlen? Interessant …

    • @Michael S
      Interessant was du mir unterstellst, dabei hab ich das gar nicht geschrieben. Habe nur erklärt, warum simfy für mich keine Alternative zu grooveshark ist.

    • Keine Unterstellung sondern eine Schlussfolgerung. simfy ist keine alternative fuer dich weil es “nur fünf Stunden Musik im Monat” bietet und des fuer “eine dauerhafte kostenlose Nutzung” schon “5 Stunden am Tag” sein sollten.
      Daraus schliesse ich, dass Simfy nur keine Alternative fuer dich ist, weil es in der Kostenlosvariante zu wenig fuer dich bietet. Ein Premiumaccount wuerde also dein “Dilemma” loesen.

    • Ach, wie nervig. Ob 5 Stunden im Monat oder 5 Stunden am Tag kostenlos ist mir eigentlich egal. Simfy ist für mich keine Alternative, da ohne Registrierung keine Musik gehört werden kann. Youtube ftw. Danke für die versuchte Hilfe bei meinem nicht vorhandenen “Dilemma”.

    • Doch, das geht bei simfy.

    • wenn ich simfy.de ansurfen gibt es da keine suchleiste wie bei grooveshark. meinste die desktopsoftware?

    • Nee, du musst nur wissen, wo die Unterseiten sind. Von dort findeste raus… ;-) guckstu.

  4. simfy? Was für ein Unfug.
    Lieber ein Proxy mehr…

    … und html5.grooveshark.com geht noch

  5. Na super, das Kosten für das Grooveshark-Abo kann ich dann wohl abschreiben. Wäre nett gewesen, wenn es auf Simfy im Rahmen der Kooperation übertragen worden wäre (als Option für die Grooveshark- Kunden).

    Tja, Chance verpasst. Gibt’s von mir halt kein Geld mehr…
    Aus Fehlern wird man bekanntlich klug.

    PS: Ich empfehle quu.fm :-)

  6. Nee, Patrick, musst du nicht :)

  7. Mein Problem mit Streaming-Diensten wie Spotify & CO ist das ein Großteil der für mich relevanten Musik darüber nicht verfügbar ist, und ich dann doch wieder von meiner lokalen Sammlung abhängig bin. So werd ich dann wohl doch zu iTunes Match greifen…

  8. herrje, wie gut, dass ich mir nicht im rahmen dieser weihnachtsaktion grooveshark everywhere geholt habe.. spaßeshalber der gema schreiben und geld fürs abo zurückfordern!? :D

  9. @e. wood: am ende holst du dir dann auch dein geld fuer den rapidshare premium account vom label zurueck? wenn der mann mit den rohlingen auf dem flohmarkt mit meinem geld abhaut geh ich doch auch nicht zur band und verlang mein geld zurueck.

  10. Grooveshark muss man keine Träne nachweinen. ID3-Tags waren Grütze, die Alben nur in Teilen komplett, Duplikate ohne Ende. Und dazu war das schlicht und einfach eine illegale Seite.

    Legales on-demand Streaming ist nicht umsonst, dass zeigen die immer stärker eingeschränkten kostenlosen Varianten. 5 oder 10 Euro kann man aber im Monat abdrücken, sofern man viel Musik hört. Und wer jetzt meckert, das wäre zuviel, kann ja mal überprüfen, wie viel er für Zigaretten ausgibt. Seit Spotify habe ich meinen Musik-Konsum massiv gesteigert. Musik die mir sehr gut gefällt, kaufe ich mir darauf hin als Vinyl oder MP3-Version.

    • 1. In einem globalen Internet ohne Landesgesetze gibt es keine “illegalen Seiten”. Mach hier nicht den Uhl.

      2. Wenn etwas nicht “komplett” ist, kannst du es ja hochladen. Grooveshark ist ein Mitmachportal. Wer meckert, ist bloß zu faul. Ist wie in der Wikipedia.

      3. Ich geb nix für Zigaretten aus, Spotify, diese an Facebook gekoppelte Scheiße, wäre mir aber nicht mal einen Tabakkrümel wert.

    • “1. In einem globalen Internet ohne Landesgesetze gibt es keine “illegalen Seiten”. Mach hier nicht den Uhl.”

      Ich bin ja nun auch eher jemand mit liberalen Ansichten, aber diese Argumentation erschließt sich mir nicht.

      Ich denke, Thomas trifft’s mit seiner Aussage schon sehr gut.

    • Webseiten sind Daten. Einsen und Nullen. Dass es keine “illegalen Daten” gibt, solltest du doch inzwischen schon verstanden haben, Martin.

    • Ach komm. Das kannst du doch nicht ernst meinen, diese Argumenation.

      Wenn ein Dienst darauf aufgebaut ist, urheberrechtlich geschützte Inhalte zu publizieren, aber nicht die notwendigen Lizenzabgaben an die Urheber zahlt, dann kann man das zwar dämlich finden und sich ein anderes System wünschen. So lange es dies jedoch nicht gibt, ist das Treiben gesetzeswidrig und damit illegal.

      So viel solltest du doch mittlerweile schon verstanden haben, tux.

    • Der Dienst ist darauf aufgebaut, dass die Nutzer Musik hochladen, für die sie entsprechende Rechte besitzen, das müssen sie auch gesondert bestätigen. Dass sie sich nicht daran halten, ist nicht die Schuld des Dienstes.

      Verklagst du auch Heckler & Koch, wenn jemand mit einer ihrer Waffen erschossen wird?

    • Du erzählst mir also, dass YouTube, SoundCloud und all die anderen auf UGC basierenden Sites, die regelmäßig von Nutzern hochgeladene Inhalte auf Anfrage der Urheberrechtsinhaber entfernen, dies nur aus Spaß machen?

      Du träumst. Und du verwechselt das (wichtige) Eintreten für einen Besinnungswandel beim Thema digitales Urheberrecht mit dem Ist-Zustand. Und dieser erlaubt nicht, Inhalte, von denen man selbst nicht der Urheber ist, beliebig im Netz zu verbreiten.

      Das Schlimme ist ja, dass du mich mit deiner seltsamen Argumentation in eine Ecke mit Leuten stellst, mit denen ich wirklich nichts zu tun haben will und deren verkrustete Sicht auf’s Urheberrecht und auf die Distribution digitaler Inhalte ich sehr bedauere.

    • Nö, ich erzähle dir, dass es “verkrustet” ist, solche Dienste überhaupt dazu zu zwingen, entsprechende Inhalte zu entfernen. Wenn man bedenkt, dass selbst in den klagewütigen USA offenbar niemand ein Problem mit den Inhalten von YouTube hat, wage ich zu bezweifeln, dass meine Sicht auf die Dinge falscher ist als die der GEMA.

      Weißt du, das Problem sind die Kollateralschäden. Es sind nicht die Urheber-, sondern die Verwertungsrechte. Die wenigsten Urheber haben ein Problem damit, dass ihre Musik gestreamt werden kann. Im Gegenteil, eine Band, mit der ich in Kontakt stehe, hat sich explizit darüber gefreut (!), dass ich andere per Grooveshark an ihrem neuen Album teilhaben ließ. Warum? Ganz einfach: In einer Zeit, in der immer weniger Leute CDs kaufen oder CD-Kritiken auch nur zur Kenntnis nehmen, werden Streamingdienste als Werbeplattform (vor allem: als unentgeltliche!) quasi “alternativlos”. Das muss die GEMA auch noch kapieren.

      Nein, Urheber leiden sicher am wenigsten unter “illegalen Seiten”. Die wenigsten CDs, die ich besitze, hätte ich ohne “illegales Hören” auch nur mal näher betrachtet.

      “Digitales Urheberrecht”, schönes Buzzword. Weißt du selbst, was das bedeuten soll? Mit den “Rechten der Urheber” hat das nämlich null zu tun, und das ist die Frechheit, die dringend geändert werden sollte. “Seltsame Argumentation” my ass.

    • Was du nicht merkst: you are preaching to the choir.

      Für mein Verständnis ging es in diese Diskussion nicht um wünschenswerte Veränderungen des Systems (die wir beide zu befürworten scheinen) sondern darum, inwieweit das Treiben auf bestimmten Websites nach heutigem Rechtsverständnis als illegal bezeichnet werde kann. Und nur darum. Also spar dir deine anderen Belehrungen – denn die sind nicht notwendig.

    • @tux

      Einsen & Nullen: geht völlig an der Sache vorbei. Hier wird impliziert (interessengeleitet?), es ginge um Gegenstände – Tonträger, Dateien etc. Aber bereits die Tatsache, dass du mit 1CD noch längst nicht das Recht erwirbst, die darauf enthaltene Musik für jeden beliebigen Zweck zu verwenden, lässt darauf schließen, dass es schlicht von der Sache ablenkt, über den Gegenstandscharakter digitaler Güter zu debattieren. Als Urheber lebst Du weder vom “Urheben” (also von der Arbeit an deinen Werken) noch von der Herstellung von Dateien. Das einzige Gut, welches Du wirtschaftlich verwerten kannst, sind die Nutzungsrechte an dem von Dir Geschaffenen: die Lizenzen. Lizenzen aber sind nicht digital oder analog, sind einer Datei nicht eingeschrieben, sie sind ein (ver)handelbares wirtschaftliches Gut ohne Körperlichkeit. Daher die Rede von”geistigem” Eigentum: Dieses bezieht sich auf ein Rechtepaket in Form von Lizenzen und hat mit Dateien NICHTS zu tun. Tagline: Urheber leben nicht vom Urheben sondern vom Lizenzieren. Wer das Lizenzgeschäft unterwandert (youtube, sharehoster) oder gezielt, aber kommerziell missachtet (piratebay etc.), der entzieht den Urhebern die Existenzgrundlage.

    • “der entzieht den Urhebern die Existenzgrundlage”

      Diese Sichtweise ist mir zu begrenzt. Es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass Urheber von immateriellen Gütern damit ihre Existenz bestreiten können – ja, es gibt Gesetze, die dies sicherstellen sollen, die aber eben auch im Zuge der Veränderungen durch die Digitalisierung zunehmend untauglich sind, um die auftretenden Konflikte zu lösen. Was am Ende die Haltbarkeit dieser Gesetze und das von ihnen unterstütze System in Frage stellt.

      Zudem gibt es mittlerweile unzählige Beispiele, in denen Künstler/Kreative Umsätze generiert haben, obwohl sie ihre Inhalt ganz oder teilweise kostenfrei abgegeben haben, sprich selbst das System unterwandert haben. Das rechtfertig nicht Urheberrechtsverstöße, zeigt aber, dass eine Veränderung in der Wertschöpfung immaterieller Güter nicht automatisch das Ende aller Kreativarbeiten bedeutet, was von der Contentlobby gerne behauptet wird, ohne dass es dafür irgendwelche wissenschaftlichen Belege gäbe.

    • Nein, von Lizenzen leben Urheber schon lange nicht mehr. Konzerte und Mörtschendeising sind’s.

  11. 5 Stunden pro Monat? Ich hab auf Grooveshark 10 Stunden pro Tag gehört!!!
    Die GEMA geht mir so auf den Sack. Ein Glück dass ich z.Z. in New York bin und wenn ich wieder in D bin gehts über Proxys.
    Trotzdem muss ich Thomas zustimmen, zuviele Duplikate usw

    • äpfel/birnen? grooveshark und simfy ist wie mediafire und mediamarkt, das haben einige wohl immer noch nicht verstanden. die gema ist nicht toll, die gema ist aber auch nicht an allem schuld.

    • Haha, “simfy = Media Markt”, das trifft’s: Amazon für Blöde. :D

  12. Hallo tux und Sumit,
    nicht die GEMA, sondern Leute wie ihr gehen mir auf den Sack.
    Rafft ihr denn nicht, dass Musik von jemandem komponiert, aufgenommen und produziert wird? und dass diese leute auch von irgend etwas leben müssen? dass diese menschen vielleicht nicht alle wie madonna schon ein paar millionen auf dem konto haben?
    rafft ihr nicht, dass sich da ein “service” wie groovehsark, aber auch youtube durch das bereitstellen der musik sich durch werbeeinnahmen an an diesen künstlern und komponisten bereichert, ohne diese an den einnahmen beteiligen zu wollen?

    grooveshark und youtube sind nicht die bankräuber. aber sie fahren das fluchtauto und tun so als hätten sie damit nichts zu tun.

  13. Fakt ist nun mal, dass eine grosse Nachfrage nach solchen Streaming-Diensten besteht. Und wenn “Interessenvertretungen” wie die GEMA dafür sorgen, dass wir in Deutschland auf diesem Sektor in die Röhre sehen, dann ist damit weder den Interessen der Künstler, noch der Konsumenten gedient.
    Ist doch ironisch, wenn Künstler/Firmen aus Deutschland höchst selbst ihre Videos zu Promotionzwecken bei Youtube hochladen und diese dann in Deutschland nicht ansehbar sind.

    @Jochen: Wer sind denn in deiner Analogie die Bankräuber? Leute, die Musik & Videos per Stream konsumieren?

    • “Ist doch ironisch, wenn Künstler/Firmen aus Deutschland höchst selbst ihre Videos zu Promotionzwecken bei Youtube hochladen und diese dann in Deutschland nicht ansehbar sind.”

      Das hat damit zu tun, dass Künstler oft nicht die Urheber sind. Klingt kompliziert, ist es auch.

  14. @ sarge
    Warum setzt du das Wort “Interessenvertretung” in Verbindung mit der GEMA in Anführungszeichen? Die GEMA hat insgesamt über 60.000 Mitglieder, die meisten davon sind Komponisten und Textdichter, der Rest sind Verleger. All diese Komponisten haben aus freien Stücken einen Vertrag mit der GEMA geschlossen, in dem Sinne, dass diese sich um die Einhaltung der Urheberrechte kümmert. Denn alleine als Komponist z.B. gegen Grooveshark oder Youtube vorzugehen wird schwer und teuer. Nur zur Erinnerung: Komponisten, das sind die Typen, die ganz am Anfang am anderen Ende der Verwertungskette von Musik stehen. So wie die Drehbuchautoren bei Filmen. Ohne Komponisten keine Musik – ganz einfach.

    Die andere Frage war: Wer sind die Bankräuber? Das sind diejenigen, die auf den Aufdruck, der auf jeder CD steht, scheißen. Dieser Aufdruck, vom Künstler/Komponisten/Label (oft via GEMA) angebracht, besagt, dass du die CD nicht öffentlich verfügbar machen darfst. Du darfst den Kram also nicht streamen oder zum Download verfügbar machen. Und das weißt du auch, ich denke soweit geht dein Rechtsempfinden. Oder würdest du auf deiner eigenen Homepage (mit Klarnamen und Impressum) ohne zu fragen die neue CD deines Lieblingskünstlers gratis zum Download anbieten?
    Würdest du das tun? Und wenn nein, warum nicht?

    • “Interessenvertretung”, weil ich mir sicher bin, dass von den Mitgliedern etliche nicht mit der konsumentenfeindlichen Politik der GEMA konform gehen, ergo deren Interessen nicht vertreten werden.
      Öffentliche Kritik an der sturen Haltung der GEMA gabs ja erst kürlich von Universal und Sony Music, die gerne ihre Produkte bei YT oder weiteren Streaming-Anbietern sehen würden.

      Deine letzten Fragen sehe ich mal als rhetorisch an… ^^

  15. Das Hauptproblem ist doch das jeder Wicht, dem irgendwann mal was Eingängiges aufs Papier ausgerutscht ist am besten ein Leben lang dafür immer wieder Kohle haben will.

    Im richtigen Leben muss man eine Arbeit abliefern, kriegt ein vereinbartes Honorar und Ende. Wird Zeit das auch die Schreiberlinge aus ihrer Ponnyreiten-Welt herausgezerrt werden!

    Sicher ist es nicht ok dass dann jemand anderes damit weiter Geld verdient, aber vielleicht sollte da angesetzt werden. Das nach einer Karrenzzeit von einige Jahren einfach NIEMAND mehr mit den Stücken Geld verdienen darf und diese dann FREI für alle verfügbar sein sollte!

    • LOL

      Im richtigen Leben muss man eine Arbeit abliefern, kriegt ein vereinbartes Honorar und Ende.

      Das funktioniert auch bei „Schreiberlingen“, kein Problem. An was hattest du denn gedacht? Kriminalroman? Romantischer Gedichtband? Oder lieber was Sozialkritisches, ein Umweltdrama vielleicht?

      Ich mache dir gerne ein Angebot. Mit sechs bis zwölf Monaten Arbeitszeit müsstest du je nach Genre allerdings schon rechnen. Dafür darfst du dann aber auch den Mörder selbst bestimmen und das Buch ganz alleine lesen.

      Die andere Möglichkeit: Du gehst in den Buchladen deines Vertrauens und kaufst dir für Neunfünfundneunzig ein spannendes Taschenbuch. Das kaufen und lesen dann allerdings auch noch andere. Wenn der Autor Glück hat, so viele, dass für ihn auf lange Sicht ein Betrag zusammenkommt, der es ihm ermöglicht, sich noch mal ein Jahr hinzusetzen und ein neues Buch zu schreiben. Dieses Glück haben allerdings nur sehr wenige.

      Insofern finde ich deine Idee von der Auftragsarbeit sehr interessant. Allerdings fürchte ich, dass du auch nur einer dieser vielen Dummschwätzer bist, die vom „richtigen Leben“ faseln, von selbigem aber null Ahnung haben, und die weder willens noch in der Lage wären, für eine solche Auftragsarbeit zu bezahlen. Weil sie nämlich nicht mal die Neunfünfundneunzig für das Taschenbuch bezahlen wollen.

  16. @Sarge Du schreibst:

    Öffentliche Kritik an der sturen Haltung der GEMA gabs ja erst kürlich von Universal und Sony Music, die gerne ihre Produkte bei YT oder weiteren Streaming-Anbietern sehen würden.

    Ja, Universal und Sony Music. Die Hauptvertreter der sogenannten “Musikindustrie”. Natürlich findet es diese “Industrie” nicht schön, wenn die kreativen Knechte mehr Geld einfordern.

    Die Musikindustrie verschweigt gerne, dass sie ordentlich an den Gewinnen von Youtube & co beteiligt wird. Aber davon sehen die Komponisten nichts. Auch bei einem Verkauf via iTunes landet ziemlich wenig beim Komponisten.

    Diese Musikindustrie vertritt alle möglichen Interessen (Shareholder…) aber bestimmt nicht jene der Komponisten.

    Meine letzten Fragen waren übrigens nicht rhetorisch gemeint. Deine Antwort würde mich schon interessieren.

    Jeder kapiert sofort, dass man fremdes Gedankengut, Songs, Fotos, Daten jeder Art, nicht so einfach auf seiner eigenen Homepage kostenlos anbieten kann oder so tun darf als hätte man es selbst erdacht (Stichwort: Guttenberg).
    Aber wenn man es bei Youtube, Kino.to oder Grooveshark hochlädt, dann ist es plötzlich voll in Ordnung? Aus den Augen, aus dem Sinn…

    Ich schaue mir natürlich auch fast jeden Tag Videos auf Youtube an. Aber ich wünsche mir, dass die Leute, die den Content kreiert haben, fair an Werbeeinnahmen beteiligt werden.

  17. Sarge schrieb:

    Fakt ist nun mal, dass eine grosse Nachfrage nach solchen Streaming-Diensten besteht. Und wenn “Interessenvertretungen” wie die GEMA dafür sorgen, dass wir in Deutschland auf diesem Sektor in die Röhre sehen, dann ist damit weder den Interessen der Künstler, noch der Konsumenten gedient.

    Einerseits ist das richtig. Das Problem an der Sache ist, wie man das Geld verteilt. Wenn man einen Streamingdienst hat, sei es kostenlos oder für 10 Euro im Monat, kann der Nutzer nicht nur bereits bekannte Titel anhören, sondern (und das ist ja auch der Sinn der Sache) neue, unbekannte Songs austesten, ohne dass das mit zusätzlichen Kosten für den User verbunden ist. Das führt zu dem Problem, dass der User dabei auch (weil er den Song ja vorher nicht kennt) einen Titel anklickt, der sich dann als Schrott entpuppt. Bei den einschlägigen Streamingdiensten ist das ja schon lange so. Verstärkt wird die Sache dadurch, dass es durch Anbieter wie YouTube jetzt auch für “jedermann” immer einfacher wird, alles ins Netz zu stellen. Als ich mal nichtsahnend diesen Link
    http://www.blaxtar.de/bilder/b_01/x000504_ab7.mpg
    angeklickt habe, dachte ich nach dem Ansehen nur: “Gut, dass ich dafür jetzt nicht noch was bezahlen musste!” Ich würde mich doch verarscht vorkommen, wenn so ein Video dann noch über die Klickzahlen vergütet würde! Andererseits hat der Ersteller dieses Filmes ja durchaus Investitionen gehabt (konkret das Kamera-Handy und den Achterbahn-Fahrchip, aber eben auch die ganzen “Lebenshaltungskosten”), und vielleicht gibt es ja tatsächlich jemandem, dem das Video gefällt. Fakt ist aber, dass man einen kostenlosen Stream/Download nicht mit dem Kauf einer CD/DVD/MP3/Vinyl etc. gleichsetzen kann. Und daher gibt es auch keine vernünftigen Finanzierungsmodelle für Streaming-Dienste.

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