Ein Jahr Wunderlist:
Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

Dem Berliner Startup 6Wunderkinder ist mit seinem Dienst Wunderlist innerhalb eines Jahres das Kunststück gelungen, To-Do-Listen sexy zu machen und sich eine weltweite Anhängerschaft zu erarbeiten. Nun steht der Launch von Wunderkit bevor.

6Wunderkinder, eines der angesagtesten deutschen Startups der vergangenen zwölf Monate, ist Erschaffer einer To-Do-Listen-Applikation – diese Erkenntnis wird bei manch einem Branchenbeobachter in letzter Zeit für Verwunderung gesorgt haben. Immerhin gibt es kaum ein Segment im Web, in dem die Auswahl größer ist als bei Tools zur Aufgabenverwaltung, gleichzeitig hält sich das offensichtliche Innovationspotenzial im Vergleich zu anderen Onlinediensten in Grenzen.

Und trotzdem hat Wunderlist, die App des Berliner Jungunternehmens, innerhalb von rund einem Jahr rund um den Globus viele treue Fans gewinnen können. Auf den äußerst gelungenen Launch der iPhone-App mit 300.000 Nutzern innerhalb der ersten drei Monate folgten die Veröffentlichung von Wunderlist für’s Web, für Android, iPad, Windows Phone und im August nach nur 275 Tagen das Erreichen der Marke von einer Million registrierten Anwendern.

Bei den t3n Web Awards landete Wunderlist hinter dem nicht mehr ganz so jungen Musikdienst simfy auf dem zweiten Platz in der Kategorie “Startup des Jahres”, bei den TechCrunch Europas wurde die App in der Rubrik “Best Mobile or Apps Startup” nominiert und besitzt gute Chancen auf einen Spitzenplatz (das Ergebnis wird am Donnerstag verkündet), und auch bei einer informellen Facebook-Umfrage zum heißesten Startup Berlins konnten die Wunderlist-Macher besonders viele Votes auf sich vereinen.

Ein Teil des 6Wunderkinder-Erfolgsrezeptes ist die PR-Strategie: Das Team um Gründer und Geschäftsführer Christian Reber hat vom ersten Tag an mit durchdachten, informativen (und englischsprachigen) Blogbeiträgen auf sich aufmerksam gemacht, internationale Multiplikatoren und Tech-Journalisten angesprochen und nicht zuletzt mit ihrem Aufruf für eine Anti-Copycat-Revolution für viel Wirbel gesorgt.

Auch regelmäßige Top-Positionierungen in den App Store Charts sowie zahlreiche positive Bewertungen im App Store wirkten sich vorteilhaft auf die Verbreitung des Wunderlist-Taskmanagers aus.

Habe ich den Aufstieg von Wunderlist bisher eher von der Seitenlinie verfolgt, ohne die Applikation zu meiner bevorzugten To-Do-Anwendung zu machen, bin ich vor einigen Wochen schließlich doch bei dem Dienst der Berliner gelandet. Denn mit meiner bisherigen Lösung Springpad war ich zumindest hinsichtlich der Aufgabenverwaltungsfunktionalität trotz anfänglich großer Hoffnungen nicht mehr richtig zufrieden.

Also entschloss ich mich, Wunderlist auf meinem iPhone einem längeren Testlauf zu unterziehen. Jetzt fällt es mir deutlich leichter, die allgemeine Begeisterung über Wunderlist (die auch Kritiker hat) besser zu verstehen.

Im Gegensatz zu allen anderen mobilen Aufgabenverwaltungstools, die ich bisher längere Zeit im Einsatz hatte (neben Springpad auch Producteev, Doit.im, Remember The Milk) , gelingt es Wunderlist, den für die Pflege einer To-Do-Liste notwendigen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren. Die sich im zeitgemäßen Holzdesign präsentierende App setzt darauf, von ihren Anwendern so wenig Klicks wie möglich abzuverlangen, und reagiert dabei direkt und auf eine geschmeidige Art, die an das Schneiden von weicher Butter erinnert.

Links: Reminder-App des iPhone, rechts Wunderlist-App fürs iPhone

Es ist schwierig, die Besonderheit der App in Worte zu fassen. Wunderlist wirkt, als habe man viel in Apples Lehrbuch gestöbert und darin enthaltene Kniffe hinsichtlich Design, Simplizität und User Experience erfolgreich auf den eigenen Service umgemünzt. Reminders, Apples eigene, mit iOS 5 eingeführte To-Do-App für iPhone und iPad, macht im Vergleich zu Wunderlist einen blassen und unnötig komplizierten Eindruck. Das will etwas heißen.

Auch Wunderlist ist sicherlich nicht perfekt, und womöglich gibt es Konkurrenten, die Wunderlist das Wasser reichen können (aus der Schweiz hören wir häufiger Positives über TeuxDeux). Man muss 6Wunderkinder aber großen Respekt dafür zollen, wie es ein derartig trockenes Thema wie Aufgabenlisten mit der richtigen Mischung aus Design, Benutzerfreundlichkeit und Marketing sexy gemacht hat.

Allein deshalb warte ich mit Spannung auf Wunderkit, eine bereits zum Start von Wunderlist angekündigte Produktivitätsplattform aus dem Hause 6Wunderkinder, die Nutzern bei der Organisation ihres Lebens behilflich sein soll. Wunderlist ist damit nicht nur ein überaus erfolgreicher Taskmanager, sondern auch eine im Web bisher einzigartige Teaser-Kampagne für ein viel größeres Produkt.

Update 16.11.: Atomico, das Investment-Vehikel von Skype-Mitgründer Niklas Zennström, hat 4,2 Millionen Dollar (rund 3,1 Millionen Euro) in 6Wunderkinder investiert.

Link: Wunderlist

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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27 Kommentare

  1. Die PR-Strategie und das Auftreten des Teams sind wirklich bemerkenswert! Da steckt viel Liebe und Ehrgeiz hinter – Respekt dafür!
    Die App ist, meiner Meinung nach, aber nichts besonderes und ich mag Tools wie “Remember The Milk” wesentlich besser. Was mir aber verdammt gut gefällt: Das Ändern des Designs ;)

    Ich drücke dem Team definitiv die Daumen für Wunderkit, denn so langsam müssen sie mal Geld einnehmen und die Investoren wollen auch sehen, ob die PR-Strategie des Teams bei einem Bezahldienst aufgeht.

    P.S.: Wunderlist gibt es nicht für Windows Phone, sondern nur für den Windows Desktop ;)

  2. Auch, wenn das App sicher nicht schlecht ist. Die Macher der gefühlten hundersten ToDo App sollten sich nicht vor den Zug einer Anti Copy Cat Kampagne spannen.

  3. @Matthias – bei CopyCat oder nicht geht es auch um “Gefühl”:

    http://severint.net/2011/…ab-wann-ist-copycat/

  4. Nach meinem Empfinden misst man Erfolg im Geschäftsleben am Ende im Ergebnis. Und wie wir alle wissen: Verschenken ist kein Geschäftsmodell:
    http://blog.42he.com/2011…nehmung-in-startups/

    Und was ist denn mit Wunderkit? Sollte doch schon vor Wochen oder Monaten kommen…

  5. Bis jetzt haben sie nichts geleistet was erwähnenswert wäre. Sie haben bisher nur ne Todoliste rausgehauen wie es sie schon tausendfach gibt.

    Im Gegenteil sie sind bis jetzt nur negativ aufgefallen indem sie in Richtung “Konkurrenz” gehetzt haben.

    Das sie Anführer einer Anti-Copycat Kampagne sind macht es nur noch lächerlicher.

  6. @ Matthias
    In einen überfüllten Markt einzusteigen, macht noch lange keine Copycat.

    Das Wunderlist-Team hat nach meiner Beurteilung eine Vision – genau das, was Copycat-Startups grundsätzlich fehlt.

    Zudem ist es nicht so, dass Wunderlist einen spezifischen, etablierten Taskmanager zu imitieren versucht. Es gibt nicht DIE Task-Manager-App, die jeder nutzt, und deren (finanziellen) Erfolg es nun zu kopieren gilt.

    @ Axel
    Dann ist dein Empfinden ein sehr kurzfristig orientiertes. Facebook gäbe es heute nicht, hätte es nach dieser Prämisse gehandelt.

    Wer von Tag 1 an im Web ROI verlangt, begrenzt sein potenzielles Wachstum. Manchmal mag das klug sein. Aber es als das Non-Plus-Ultra zu sehen, halte ich für falsch.

    @ bluberle

    Bis jetzt haben sie nichts geleistet was erwähnenswert wäre. Sie haben bisher nur ne Todoliste rausgehauen wie es sie schon tausendfach gibt.

    Im Artikel erläutere ich, warum dies nicht so ist.

  7. ich denke, dass das bisher gezeigte durchaus ein großer teilerfolg ist. jetzt kommt der nächste schritt – geld verdienen mit der idee und der großen menge an nutzern. lasst uns das in einem halben jahr weiter diskutieren

  8. @Axel

    Wow da hat sich aber einer festgebissen and den Wunderkindern. Mir scheint’s dass ich in jedem Artikel zu denen einen Kommentar von dir lese in dem du dich darüber beschwerst dass sie kein Geld verdienen und nichts leisten. Und wenn ich dann auf deinen namen klicke komme ich immer zu einer, im Vergleich zu den 6Wunderkindern sehr bescheidenen Webseite mit einem CRM System das noch bescheidener ausschaut.

    Spricht da vielleicht einfach nur der Neid?

    Der Wert der Marke und des Unternehmens hat jetzt schon einen realen Wert der den vieler Mittelständischer Unternehmen wahrscheinlich um ein vielfaches überschreitet. Sowas baut man nicht mal einfach schnell auf. Dafür braucht man Know-How und viel Talent. Der Erfolg kommt ja nicht von ungefähr.

    • Dieter: “Der Wert der Marke und des Unternehmens hat jetzt schon einen realen Wert der den vieler Mittelständischer Unternehmen wahrscheinlich um ein vielfaches überschreitet.”

      Dieter, das meinst Du doch bitte nicht ernsthaft, oder? Das habe ich Ende 1999 auch dauernd gehört..

      Martin: “Demnach wäre aber alles, was Google abseits seiner Suche macht, auch Wettbewerbsverzerrung.”

      Ja, Martin, genau das ist es! Und das ist auch nach und nach ein großes Problem. Früher hat Google Innovation geliefert. Heute versuchen Sie, mit der Masse an vorhandenen Usern vorhandene, große Märkte neu aufzurollen.

  9. Der Wert der Marke und des Unternehmens hat jetzt schon einen realen Wert der den vieler Mittelständischer Unternehmen wahrscheinlich um ein vielfaches überschreitet.

    Stimmt, und das nennt man Blase ;)

    Eine normale Firma erwirtschaftet Geld, Die Wunderkinder haben bis jetzt nur welches verbrannt.

    Neid? Naja nur begrenzt, es ist halt schade ums Geld, das wäre bei ner anderen Firma mit ner richtigen Idee besser aufgehoben gewesen.

    Generell stört mich aber die Großkotzigkeit die sie vom Stapel lassen als hätten sie irgendwas geleistet.

    Achja, Astrid(Todoliste Android) hat mehr Funktionen und mehr Nutzer, allerdings fallen ihre Macher nicht permanent negativ auf und behaupten auch nicht das sie die einzig wahren Helden sind.

  10. @Dieter: Neid sicher nicht, nein. Und Danke für die Blumen – im Gegensatz zu den Wunderkindern können wir nach wenigen Monaten am Markt (Anfang 2011) von unserem gebootstrappten Unternehmen leben.

    Mich stören zwei Dinge: Wunderlist ist für seriöse Unternehmen und To Do Listen Anbieter, die ihre Kosten nunmal irgendwie aus Erlösen finanzieren müssen, schlichtweg Wettbewerbsverzerrung. Zum anderen wundere ich mich, dass die Presse voll auf den Zug mit aufspringt und an jeder Stelle über das neue Top Startup aus Berlin berichtet wird. Wie viele weiter oben gesagt haben: die APP ansich ist so weit nicht revolutionär. Soetwas mit 20+ Mann auf die Beine zu stellen ist kein Hexenwerk.
    Aus PR Sicht machen sie eines sehr gut – sie spalten die Massen und sind kontrovers. Den Blogs und News sites beschwert ein WK Artikel vermutlich überdurchschnittlich viele Hits.

    @Martin: Ich gebe Dir recht, dass es je nach Geschäftsmodell Sinn macht erst auf Wachstum & kritische Masse zu setzen. Bei Netzwerken wie Facebook sicherlich legitim, da der Wert erst mit vielen Nutzern entsteht. Bei einer primär single-user To Do Listen APP sehe ich das aber anders. Wir werden sehen, ob die Wette mit dem Wunderkit aufgeht und ob die User die sich jetzt bei 0 Euro für WL und gegen die ähnlichen Wettbewerber entscheiden nachher bereit sind Geld für einen SaaS Dienst auszugeben.

  11. @ Axel

    Demnach wäre aber alles, was Google abseits seiner Suche macht, auch Wettbewerbsverzerrung. Und überhaupt – immer wenn ein Unternehmen in einem beliebigen Wirtschaftszweig in ein neues Produkt mehr zu investieren bereit ist als ein Konkurrent, wäre dies nach deiner Argumentation Wettbewerbsverzerrung.

    Ich verstehe, was du meinst, finde aber persönlich, dass das, was die 6Wunderkinder machen, ein vollkommen legitimes Vorgehen ist (sowohl juristisch als auch ethisch). Zumal sie gar nichtmal so viel VC erhalten haben (relativ gesehen).

    Business heißt eben manchmal, es mit harten Brocken aufnehmen zu müssen.

    • “Demnach wäre aber alles, was Google abseits seiner Suche macht, auch Wettbewerbsverzerrung.”

      Genauso ist es! Wenn ein Unternehmen die vorher existierenden Angebots-Märkte für digitale Routenplanung, Webanalyse uvm. austrocknet, um sie dann später allein wieder anzuzapfen und dafür einen Preis nimmt, der nicht kostendeckend ist und das mit seiner Marktstellung in anderen Bereichen querfinanziert und damit mit Muskelmasse die anderen (Wettbewerber) vom jeweiligen Markt verdrängt, dann ist das exakt das, was früher mal die Erfinder der Wettbewerbswächter im Sinn hatten. Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie wenige das merken und sich dann hinterher aufregen wenn Google doch evil wird ;-) Das ist der Plan! ;-)

      Noch schlimmer ist das natürlich, wenn es von steuerfinanzierten Anbietern gemacht wird (auch das gibts ja).

  12. Was mich an der Diskussion stört ist wie unsachlich die Kritiker argumentieren.

    @bluberle
    Das nennt man nicht Blase, das nennt man Marktwirtschaft. Ein Unternehmen welches Millionen von registrierten Benutzern hat, 20+ erstklassige Coder, Designer und Marketingmitarbeiter hat viele Werte die absolut real sind. Wahrscheinlich könnten sie, wenn das ihre Strategie wäre, mit Wunderlist übermorgen Geld verdienen.

    Und wieso wirfst du den Wunderkindern vor keine richtige Idee zu haben, das ist doch etwas sehr pauschalisiert. Kennst du deren Idee denn? Nebenbei kann sie “Die andere Firma mit der richtigen Idee” genauso viel oder noch mehr Geld holen denn dann wird sie auch Geldgeber überzeugen.

    Und jetzt mal zu den anderen Pauschalisierungen.

    - Warum Großkotzig? (vielleicht ein Zitat?)
    - Warum meinst du sie haben nichts geleistet? (Wenn man auf deren Webseite geht sieht man ne ganze Menge.
    - Meinst du so eine Firma baut sich von selbst auf? (Ohne Leistung meine ich)
    - Meinst du die ganzen liebevoll gestalteten Designs entstehen ohne zutun?
    - Meinst du die ganzen platformübergreifenden Apps schreiben sich von selbst?
    - Meinst du der herausragende Support ist quasi 0 arbeit?

    Wenn du das als “nichts leisten” bezeichnest, dann hätten wir in Deutschland keine Probleme mehr.

    Mich würde noch interessieren wo sie behauptet haben “die einzig wahren Helden” zu sein. Bitte sei doch so gut und zeig mir die Stelle.

  13. das Google Thema ist ein anderes – sie monetarisieren die Nutzer die sie haben über Dritte. Ob es gut ist, dass unzählige kleine Dienste durch die kostenlosen Google Dienste erstickt werden ist noch ein anderes Thema.

    Bislang gibt es ja noch kein Produkt, welches irgendetwas quer finanzieren sollte. Und Blase ist genau das richtige Stichwort – wenn ich mir die aktuellen SaaS Preise für ähnliche Dienste anschaue, dann müssen da erstmal ordentlich Einheiten über den Tresen gehen, um die Menge an Leuten, VCs und sonstige Kosten zu finanzieren. Ich weiß nicht von welchen Zahlen da ausgegangen wird, was Conversion von WL Nutzer zu WK Nutzer angeht, aber von einer geschenkten To Do Listen APP zu einem umfassenden Produktivitätstool für einige Euros im Monat ist es schon noch ein großer Schritt.

  14. Mich wundert ein wenig, dass bis jetzt ‘Things‘ (http://culturedcode.com/things/) noch nicht erwähnt wurde. Liegt zwar preislich eher im höheren Bereich, ist aber meiner Meinung nach auch die beste Todo Listen Anwendung, vorallendingen in Kombination mit einem iPhone/iPad.

    • Things ist zwar eine wunderbare App, aber kann aufgrund fehlender Unterstützung für die Plattformen Web, Windows, Linux, Android nicht (mehr) in der gleichen Liga mitspielen. Funktional ist Things dem jüngeren Wunderlist noch deutlich überlegen (Tagging, Verantwortungsbereiche, wiederkehrende Aufgaben) und auch das Design braucht sich nicht zu verstecken. Leider (manche meinen zum Glück) scheint sich an der System-Front nicht viel zu tun bei Things.

  15. Ich bin doch sehr erstaunt über diese Kommentare. Hier haben wohl viele wenig Kompetenzen in Sachen Produktstrategie und Investitionsrechnung.

    Wunderlist stellt doch keine echtes Produkt dar – es ist ein Marketingmittel, um für das neue Produkt schnell – wirklich schnell – potentielle Nutzer zu gewinnen. Wem Wunderlist gefällt wird auch 100% Wunderkit ausprobieren – sicherlich wird auch ein auffälliger Link zu Wunderkit in Wunderlist eingebaut. Die grosse Vorteil liegt auf der Hand: Mit Wunderlist kann das Unternehmen schon während der langen Entwicklung des richtigen Produktes seine Zielgruppe fokussieren und binden. Von dem Feedback für Wunderlist wird auch das Wunderkit profitieren. usw.

    Und dann noch etwas zu @bluberle :
    Ich empfehle dir, die Zeit mit lesen zu verbringen – und fang am Besten mal mit diesem Buch an http://amazon.de/Investit…chwitz/dp/3486587668, an statt solch unqualifizierten Blödsinn zu schreiben. Ja, es gibt Unternehmungen die können vom ersten Tag Geld verdienen (Lemonadestand, Goldankauf, Glückspiel) – aber wenn du richtige Projekte – ob in der IT oder in der Industrie – realisieren willst, mit Laufzeiten von 5 oder 10 Jahren, dann nennt man es nicht Geld verbrennen, sondern investieren.

    Ich komme es aus der Enterprise IT und ein Projekt mit 20-30 Mann über 2 Jahre ist hier eine normale Sache. Bei eine SAP Einführung in einem Konzern vor zwei Jahren waren wir zu 35 Mann 17 Monate vollbeschäftigt. Ich denke, da haben wir mehr Geld “verbrannt” als die Wunderkinder. ;) Ach ja – solche Projekte werden auf 10 Jahre geplant.

  16. Jetzt hab ich mir aufgrund der Erwähnung TeuxDeux angekuckt und frage mich, was man da wohl gutes aus der Schweiz gehört haben mag.
    Die Iphone-App wurde seit einem Jahr nicht mehr aktualisiert, obwohl in den Reviews im App-Store einige signifikante Verbesserungen/fehlende Features angesprochen werden.
    Das nach dem Sign-Up verlinkte Video, dass die _neusten_ Erweiterungen präsentieren soll, ist ebenfalls mindestens ein Jahr alt. Mir scheint eher, da hat sich eine Anwendung überlebt..

    Mit Wunderlist bin ich kurz nach dem Start sofort warmgeworden, nachdem ich lange Zeit nicht die passende Anwendung für mich finden konnte.
    Aber auch hier wär mir manchmal etwas weniger PR und Startup-ShinyShiny und stattdessen etwas solidere (Feature-)Entwicklung lieber.

  17. Ich bin gespannt, ob die 6Wunderkinder in Punkto Monetarisierung genau so kreativ sein werden. Denn zu jeder echten Erfolgsstory zählt auch die finanzielle Betrachtung. Aber auch ich drücke alle Daumen :-)

  18. Der Erfolg, eine (überwiegend) reibungslos funktionierende einfache Todo-Listen App zu entwickeln und dafür richtig Buzz zu machen, sei den Wunderkindern ohne Frage zugestanden.

    Ob sie mit dem bisher schon seeeehr verzögerten Wunderkit (es sollte im 1. Quartal 2011 erscheinen) an diesen Erfolg anknüpfen können, ist fraglich. Die Chancen stehen nicht schlecht, aber es ist auch eine andere Zielgruppe und eine völlig andere Komplexität (als ein paar Todo-Listen zu verwalten), an der sich schon einige übernommen haben. Und die Erwartungen auf Seiten der Investoren sind ja nicht eben klein (VC-finanziert), sodass ein “geht-so”-Erfolg – anders als bei einem Bootstrapper – schon ein Mißerfolg wäre und auch das Aus für Wunderlist bedeuteten könnte.

    Das mit dem Ankündigen und Vertrösten auf “bald” haben sie allerdings echt raus…und das Lustige ist: das wird noch ein paar Mal funktionieren ;)

  19. spätestens als ich von den „wunderkindern“ unaufgefordert eine (inaktivitäts-)erinnerung mit dem satz „your wunderlist is missing you“ im Postfach hatte, habe ich mich von den sechs wieder entfernt. marketing at it’s worst.

  20. @martin: lol, das macht es ja wohl kaum besser. :)

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  1. [...] sein Investment in die 6Wunderkinder aufgestockt. deutsche-startups.de, gruenderszene.de, netzwertig.com [...]

  2. [...] sein Investment in die 6Wunderkinder aufgestockt. deutsche-startups.de, gruenderszene.de, netzwertig.com [...]

  3. [...] betrifft, war ich Spätzünder. Seit einigen Wochen jedoch nutze ich den Service auf meinem iPhone und beschrieb kürzlich, wieso ich das allgemeine Lob für Wunderlist nun besser verstehen kann. Zwar erhält der Dienst [...]

  4. [...] es mit der kostenlosen App Wunderlist gelungen, in einem vollkommen überlaufenen Segment kräftig für Furore zu sorgen und das Thema Aufgabenverwaltung durch einen Fokus auf Design und Simplizität zu emotionalisieren. [...]

  5. [...] ein Wunderlist Die 6wunderrkinder haben die zweite Iteration ihrer Wunderlist – den sicher meistbesprochenen To-Do-List-Manager aller Zeiten – vorgestellt.» The wait is over mysms mysms wiederum kommt auf das iPad:» [...]

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