Couchfunk:
iPad-App für alle,
die ungern alleine fernsehen

Couchfunk ist eine Social-TV-App für das iPad, die Zuschauerkommentare zu Programmen sammelt. Die Anwendung des Startups aus Sachsen macht einen guten ersten Eindruck.

86 Prozent der mobilen Internetnutzer in den USA werfen laut einer Yahoo-Studie von Anfang 2011 zumindest gelegentlich einen Blick auf ihr Smartphone, während sie sich vom Fernsehprogramm berieseln lassen. 25 Prozent davon steuern Onlineinhalte rund um die jeweilige Sendung an. Wer in der TV-Primetime einen Blick auf die eigene Twitter-Zeitleiste wirft, den wird diese Statistik nicht verwundern: Nach 20:00 Uhr häufen sich Tweets mit Bezug auf aktuelle Fernseh-Events.

Couchfunk, ein Startup aus Radebeul bei Dresden, richtet sich mit einer iPad-App (zum Start nur im deutschen App-Store verfügbar) an alle, die gerne mit dem Tablet vor der Mattscheibe sitzen. Die Gründer Uz Kretzschmar und Frank Barth bezeichnen ihre kostenlose Anwendung als persönlichen Social-TV-Service, mit dem sich TV-Zuschauer vom Fernsehprogramm auf völlig neue Art begeistern lassen sollen.

Couchfunk ist teils Social Programmguide, teils eine zusätzliche, sendungsspezifische Oberfläche für Twitter. Wer die App startet, wird mit einer Übersicht häufig diskutierter Programme (derzeit von ARD, ZDF Kabel 1, Pro Sieben, RTL, RTL II, SAT.1, VIVA, VOX) und aktueller Sendungen sowie einer Suchmaske präsentiert.

Zu jedem Programm gibt es eine Profilseite mit einer kurzen Beschreibung sowie einen chronologischen Stream von Zuschauerkommentaren – sowohl solche, die auf Basis redaktionell gepflegter Hashtags aus Tweets importiert werden, als auch direkt über die Couchfunk-App veröffentlichte.

Eventuell in Zuschauerkommentaren enthaltene Links werden sehr elegant direkt in der App geöffnet. Wer will, kann eine Sendung vom jeweiligen Programmprofil aus kommentieren – entweder nur innerhalb der Couchfunk-App, oder parallel als Tweet. Die Applikation zeigt eine passende Liste an relevanten Hashtags an, aus der man sich bedienen kann (nur notwendig, sofern ein Kommentar auch per Twitter publiziert wird).

Couchfunk in Bildern
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Um bestimmte Fernsehprogramme und die öffentliche Meinung dazu dauerhaft auf dem Radar zu behalten, bietet Couchfunk eine Möglichkeit, diese in einer Favoritenliste zu speichern. Da iPads nicht selten als Familiengeräten fungieren und in den Händen mehrerer Anwender landen, erlaubt Couchfunk das Einrichten unterschiedlicher Profile. So können verschiedene Personen in einem Haushalt schnell auf ihre Liste favorisierter Sendungen zugreifen.

Couchfunk ist eine sympathische App mit einem clever gewählten Namen, die allen iPad-Besitzern gefallen könnte, die gerne einen Blick auf die Zuschauerkommentare rund um spezifische TV-Ereignisse werfen. Abgesehen von dem klaren Einsatzzweck überzeugt die Anwendung auch durch eine sehr ansprechende optische Gestaltung und eine intuitive, durchdachte Bedienung.

Wünschenswert wäre für die Zukunft noch eine Integration der eigenen Twitter-Timeline auf Basis programmspezifischer Hashtags – ganz allgemein dürfte an den Aussagen der von einem abonnierten Twitter-Anwender ein größeres Interesse bestehen als an den fremder Nutzer. Vorstellbar ist auch eine Erweiterung der Programmprofile um zusätzliche Informationen über den Beschreibungstext hinaus – speziell visuell hübsch aufbereitete Statistiken rund um die bisherigen Reaktionen im Social Web würden gut zum bisherigen Bild von Couchfunk passen.

Schade ist, dass die Streams jeweils nur einmal pro Minute aktualisiert werden. Ein Testtweet von mir zur Serie “How I Met Your Mother” mit dem passenden Hashtag tauchte gar nicht auf der entsprechenden Programmseite auf. Hier scheinen noch Nachbesserungen notwendig zu sein.

Mit dem Bestreben, Fernsehen über den “Second Screen” sozial zu machen, ist Couchfunk nicht allein: Mit Zapitano und TunedIn stehen zwei der Beschreibung nach zu urteilen vergleichbare Services aus Deutschland in den Startlöchern, sind aber noch nicht verfügbar.

Die Couchfunk-Gründer Frank Barth und Uz Kretzschmar arbeiten seit September 2010 an der Entwicklung des Dienstes und finanzieren dies bisher aus eigenen Mitteln. Im Juni dieses Jahres habe man von den zwei Konkurrenten erfahren und freue sich nun, trotzdem als Erster ein fertiges Produkt lancieren zu können, so Barth. Die Monetarisierung soll in erster Linie durch eine Werbevermarktung erfolgen, andere Ansätze wolle man aber auch nicht ausschließen.

Konzeptionell erinnert Couchfunk auch an den einstigen Dienst Telewebber – dieser war seiner Zeit jedoch etwas voraus. Mittlerweile hat sich “Social TV” zu einem bedeutenden Trend entwickelt. Couchfunk will die Aufmerksamkeit für das Thema nutzen und liefert dabei bereits in der ersten Fassung ein rundes Produkt ab.

Link: Couchfunk

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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8 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Artikel und das enthaltene Feedback zur Anwendung. Wir nehmen uns der kritisierten Punkte sehr gerne an und schauen, wie wir diese Punkte in kommenden Versionen der App noch besser lösen können.

    Die automatische Aktualisierung in der Anwendung erfolgt momentan tatsächlich abhängig vom Social Buzz. Die “Refresh”-Zeiten liegen hier im Normalfall bei 20-30 Sekunden. Wir haben an diesem Punkt lange abgewägt ob nicht ein direktes Streaming besser ist, aber fanden es eher unangenehm, wenn sofort alle Beiträge einfliegen. (vgl. Tweetdeck). Dieser Punkt ist jedoch sehr subjektiv, weshalb es hier wohl durchaus besser sein kann den Nutzer vor die Wahl zu stellen.

    Zudem haben wir einen Sprachfilter eingebaut, der im Idealfall nur deutsche Kommentare einliest. Möglicherweise wurde der Testweet deshalb herausgefiltert.

    Die Personalisierung des Streams und Statistiken für die Nutzer sind großartige Ideen, die wir gerne mit in die Entwicklung nehmen. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Feedback zur Anwendung den Weg zu uns finden, damit wir die App noch besser machen können.

    Vielen Dank und Grüße

    Frank Barth (Mitgründer Couchfunk)

  2. Wie sieht es mit der Unterstützung von Android Tablets aus?

  3. Eine Version für Android Tablets ist auf alle Fälle ein wichtiges Thema, aber zur Zeit einfach zeitlich nicht machbar :(
    Auf couchfunk.de und sicher auch hier auf netzwertig wirst du zeitnah informiert, sobald wir auch auf Android Tablets verfügbar sind. Bis dahin heißt es durchhalten! ;)

  4. wie schon oftmals festgestellt (wenn auch nachvollziehbar bedingt durch eigenkapital aktuell nicht realisierbar):

    entweder sowohl ios als auch android oder vorab nur androiduser bedienen. ´wenn man sich dennoch auf ios stürzt dann ja nicht nur auf den deutschen raum begrenzen wenns auch nur kurzzeitig ist. für einen vernünftigen push gibt es fast immer nur den amerikanischen markt und/oder den auf beiden systemen.

    alleine das verhältnis hinsichtlich der androidgeräte gegenüber ios müsste ein anderes vorgehen nach sich ziehen.

    dennoch coole idee und wertige app! weiter so!

    • Im Tablet-Bereich allerdings dominiert das iPad derzeit noch so dermaßen, dass eine Android-App tatsächlich noch ein Luxus ist, den sich nicht jeder leisten braucht.

      Im Smartphone-Sektor sieht das natürlich anders aus.

  5. Hier gibts noch die passende Fernbedienung dazu :o)

    http://ipad-forum.org/art…-fur-couch-potatoes/

  6. Also ich finds super – macht manch langweilige Sendung unterhaltsam. :)

    Hier noch ein interessates Review zu der App:

    http://ifreaks.de/cms/con…besondere-Empfehlung!

10 Pingbacks

  1. [...] wird es mit Couchfunk weitergehen? In einem Bericht auf netzwertig.com habe ich erfahren, dass Ihr die Entwicklung der App aus privaten Mitteln [...]

  2. [...] Programmguide als auch eine aufs TV-Programm zugeschnittene Twitter-Integration. appgefahren.de, netzwertig.com, [...]

  3. [...] immerhin 300 Warnungen gemeldet.   Martin hat euch diese Woche ja schon die Social-TV-App Couchfunk vorgestellt, mit McCheckin gibt es einen weiteren frisch geschlüpften Dienst, der das Fernsehen etwas sozialer [...]

  4. [...] gelesen? Eine neue App macht von sich Reden: Gründerszene.de, Deutsche-StartUps, Appgefahren.de, Netzwertig und Result-Blog: CouchFunk – Überall. Ich fand bei Youtube dazu eine kleine [...]

  5. [...] gut finden – und verlinkt zu den passenden VoD-Angeboten.Als Couchfunk Mitte Oktober seine Social-TV-iPad-App veröffentlichte, war das Startup aus Radebeul aus Dresden der erste unter einer Reihe von Anbietern aus [...]

  6. [...] den sogenannten “Second Screen” ist endgültig entbrannt: Nach dem Launch von Couchfunk im Oktober und dem Beginn der geschlossenen Beta-Phase von Tweek vor einigen Tagen gibt heute mit TunedIn ein [...]

  7. [...] hat. Upcload ist dies gelungen.» Upcload ist das Start-up des Jahres Couchfunk Couchfunk (unser Review) gibt es jetzt auch für das iPhone und als Webanwendung.» Couchfunk Musik Basic Thinking hat [...]

  8. [...] die in Deutschland bei über 50 Prozent liegt.Dieses Zielpublikum bedienen bereits Couchfunk (Review) und TunedIn (Review) mit ihren iOS Apps. Tweek – in private Beta-Phase – und Zapitano [...]

  9. [...] meistens meine Twitter-Timeline mit dem Hashtag der jeweiligen Sendung und seit Kurzem auch die Couchfunk-App. Schafft es eine Sendung nicht, meine Aufmerksamkeit zu erhaschen, so kann es durchaus sein, dass [...]

  10. [...] Reihe von Plattformen, auf denen dies heute schon passiert (denken wir an spezielle Services wie Couchfunk oder allgemein populäre Social Media Services wie Twitter), doch aufgrund der enormen Reichweite [...]

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