Marktplatz für Handgefertigtes:
Etsy startet in Deutschland
und trifft auf DaWanda

Schon seit Frühjahr 2010 betreibt das New Yorker Startup Etsy eine Niederlassung in Berlin. In dieser Woche startet der Dienst unter genauer Beobachtung des Konkurrenten DaWanda seine deutsche Version.

Jeder lokale deutsche Onlinedienst mit einem konzeptionell vergleichbaren US-Konkurrenten muss es früher oder später auch hierzulande mit seinem Vorbild aufnehmen. Ob studiVZ, Xing, Qype oder die Fiverr-Nachahmer: Stets erschien der Wettbewerber von der anderen Seite des Atlantiks eines Tages mit einer eigenen, an den deutschsprachigen Markt angepassten Variante (Facebook, LinkedIn, Yelp, Fiverr). Zumeist lautet die Frage nur “wann”, nicht “ob”.

Auch dass der im Dezember 2006 gestartete Berliner Onlinemarktplatz für Unikate und Selbstgemachtes DaWanda eines Tages in seinem Heimatmarkt Gesellschaft vom New Yorker Vorbild Etsy erhalten würde, war absehbar. Zumal Etsy schon im April 2010 seine Europazentrale in der deutschen Hauptstadt eröffnet hatte.

Jetzt – über sechs Jahre nach seinem Launch in den USA – lanciert Etsy mit einer deutschsprachigen Variante seine erste explizit für einen ausländischen Markt geschaffene, vollständig lokalisierte Plattform. Zum Ende der Woche soll diese für alle Etsy-Nutzer verfügbar sein, die dann künftig für ihre handgefertigten Produkte und Einzelstücke eine deutschsprachige und/oder englischsprachige Beschreibung wählen können.

Eine Separation beider Marktplätze gibt es zugunsten eines größtmöglichen Angebots nicht. Wer also über die Suchefunktion nach Kleidung sucht, kann sich Kleidungsstücke deutscher und internationaler Verkäufer anzeigen lassen. Speziell im Hinblick auf Kunden aus Deutschland wurde neben Paypal und Kreditkarte die Banküberweisung als weitere Zahlungsmöglichkeit eingeführt.

Laut Marie Zeisler, bei der Etsy Germany GmbH für Marketing und PR zuständig, gibt es zwei Gründe für die Wahl Deutschlands als ersten ausländischen Markt mit lokaler Anpassung: Zum einen werden schon heute viele von Etsys in den USA ansässigen Do-it-yourself-Fans angebotenen Produkte an Kunden in Deutschland verkauft, zum anderen wollte man sich unbedingt in einer kreativen, pulsierenden Stadt wie Berlin niederlassen. “Berlin ist mittlerweile die kreativste Stadt der Welt”, so Etsys Europachef Matt Stinchcomb kürzlich.

Acht Personen sind momentan im Berliner Etsy-Büro tätig und dieser Tage nicht nur mit dem Launch von Etsy Deutschland sondern auch mit der Organisation von Etsys erster Konferenz “Hello Etsy!” beschäftigt, die am Wochenende ebenfalls in Berlin über die Bühne gehen wird.

Nur wenige Kilometer liegen zwischen Etsys Hauptstadt-Niederlassung in Kreuzberg und DaWandas Sitz in Mitte. Das mit seinem Marktplatz den deutschsprachigen Raum sowie Großbritannien und Frankreich abdeckende, seit 2010 profitable Unternehmen sieht sich mit 1,4 Millionen Mitgliedern und über 1,5 Millionen Produkten gut für den kommenden Schlagabtausch mit Etsy gerüstet.

DaWanda-Mitgründerin und Geschäftsführerin Claudia Helming gibt sich auf Anfrage gelassen: “Dass Etsy eines Tages in Deutschland starten würde, ist ja schon lange bekannt, und es sollte eigentlich schon vor Jahren geschehen. Insofern ist die Überraschung nicht gerade groß”.

Während soziale Netzwerke dem “Winner takes it all”-Prinzip folgen und ein Konkurrenzkampf zwischen zwei eine ähnliche Zielgruppe umwerbenden Anbietern mittelfristig fast zwangsläufig zu einer Verdrängung des Schwächeren führen muss, ist es bei Onlinemarktplätzen für Handgefertigtes vielleicht eher vorstellbar, dass tatsächlich zwei Anbieter über einen längeren Zeitraum nebeneinander existieren können. Aus Käufer- und Verkäufersicht wäre eine einheitliche Plattform aber trotzdem komfortabler, weil sie mit einem Inserat die maximale Zahl potenzieller Käufer erreichen könnten.

Dass es eines Tages zu einer Verschmelzung beider Anbieter kommt, ist daher nicht auszuschließen. Zumal sich dies auch deutlich leichter umsetzen ließe, als zwei soziale Netzwerke zu fusionieren (was in der Internetgeschichte bisher im großen Stil noch nie geschehen ist).

Ein recht aktuelles Videointerview mit DaWanda-Chefin Claudia Helming findet ihr bei Gründerszene.

Update: Mit Guzuu gibt es auch eine aus der Schweiz stammende Plattform mit ähnlichem Konzept (Danke an Patrick E. Eyholzer)

Links: Etsy, DaWanda

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3 Kommentare

  1. Patrick E. Eyholzer
    schrieb am 13. September 2011 um 10:05 Uhr (#)

    Hm sag ich da. Und Schweiz, 2007 / 2008, guzuu.com. Obwohl Luzern wohl nicht als DIE Kreativ-Metropole bekannt sein dürfte.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 13. September 2011 um 12:56 Uhr (#)

      Stimmt, danke, hab ich noch als nachträgliche Erwähnung hinzugefügt.

  2. handmade2.0
    schrieb am 19. September 2011 um 22:41 Uhr (#)

    DaWanda und Etsy sind zwar -dem Bekanntheitsgrad nach- die grossen Player auf dem handmade-Marktplatz-Markt, aber sie sind längst nicht die einzigen, die sich den deutschsprachigen und europäischen Markt teilen (müssen).

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