Offizieller Start von ifttt:
Das Beste seit langem

Mit ifttt können Nutzer 35 unterschiedliche Webdienste und Onlineservices nahezu beliebig miteinander kombinieren, um so ihr digitales Leben zu verbessern und zu vereinfachen. Das beeindruckende Werkzeug steht ab sofort allen Anwendern zur Verfügung.

Über ein halbes Jahr ist es her, dass wir euch ifttt vorgestellt haben, einen eigenwillig bezeichneten Service aus San Francisco, mit dem man das Internet für sich arbeiten lassen kann. Der damalige Bericht sorgte für viel Aufmerksamkeit. Da es seitdem jedoch ziemlich still um den Dienst des Software-Entwicklers Linden Tibbets war und sein Projekt auch recht lange im geschlossenen Beta-Modus verweilte, zweifelte ich in letzter Zeit schon daran, dass ifttt überhaup weiterentwickelt wird.

Schön, dass diese Sorge unbegründet war: Gestern verkündete ifttt-Macher Tibbets den offiziellen Start des Dienstes – ab sofort kann jeder ifttt ausprobieren, eine Einladung ist nicht mehr notwendig.

Die Funktionweise von ifttt zu erklären, ist nicht ganz einfach – was aber nicht bedeutet, dass der Dienst nur für ganz Abgebrühte in Frage kommt. Der vollständige Name der Site “if this, then that” (= ifttt, zu Deutsch “Wenn dies, dann das”) trifft es da eigentlich schon ganz gut: Nutzer können einzelne Applikationen und Prozesse verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen, um sich ihren Internetalltag zu erleichtern und effizienter zu gestalten. Ein “Task” genannter Vorgang besteht dabei immer aus einem “Trigger” (Auslöser) und einer “Action” (Aktion). Beta-Tester haben bisher über 100.000 Tasks erstellt, die mehr als 25 Millionen Mal ausgelöst wurden.

Obwohl mir ifttt von Beginn an sehr gefiel, bin ich bisher nicht dazu gekommen, eine große Zahl an intelligenten Aufgaben anzulegen. Zwei jedoch haben sich bewährt: Zum einen lasse ich mir per ifttt jeweils eine E-Mail schicken (Action), wenn ich einen Tweet favorisiere (Trigger). Auf diese Weise sammele ich interessante Links, die per Twitter verbreitet werden, die ich aber beispielsweise mobil von unterwegs sehe und nicht sofort lesen will/kann. Eine Alternativ wäre übrigens, Links aus favorisierten Tweets zu Instapaper oder Read It Later zu senden.

Eine zweite ifttt-Aufgabe, die ich einsetze, ist das automatische Abonnieren von Blogs und Websites im Google Reader (Action), deren URLs ich in Kombination mit einem spezifischen Hashtag per Tweet empfehle (Trigger). Sämtliche Sites landen dabei in einem spezifischen “ifttt”-Ordner im Google Reader, so dass ich anschließend genau beobachten kann, inwieweit sich ihr RSS-Abo tatsächlich bewährt.

ifttt in Bildern
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Insgesamt stehen 35 so genannten Channels zur Verfügung, um daraus Trigger und Actions zu definieren. ifttt fungiert wie eine Art “digitales Klebeband” (Zitat Linden Tibbets), das zahlreiche Services und Onlineprozesse miteinander verbindet, die dazu sonst nicht in der Lage wären. Dazu gehören neben den genannten auch solch bekannte Anbieter wie Delicious, Evernote, Facebook, LinkedIn oder Flickr. Die Autorisierung findet jeweils über das sichere OAuth-Protokoll statt.

Unterstützt wird mittlerweile auch Dropbox. Die Integration erlaubt das Speichern einer bis zu 30 Mbyte großen Datei in der eigenen Dropbox. Auf diese Weise kann zum Beispiel automatisch von jedem beim Fotodienst Instagram publizierten Bild ein Backup angelegt werden.

Ein typischer Effekt der ifttt-Nutzung ist es, dass man aufgrund der vielen Hundert Kombinationsmöglichkeiten aus Triggern und Actions einiges an Zeit und Kreativität aufbringen muss, um die wirklich genialen, sinnvollen und produktivitätserhöhenden Tasks zu finden. Als Hilfestellung hat das Startup aus Kalifornien eine “Recipes” (Rezepte) genannte Sektion eingeführt:

Dort können User ausgewählte Tasks veröffentlichen und auf diese Weise andere Nutzer zu denkbaren Aufgaben inspirieren. Alle dort gelisteten Prozesse lassen sich nach Channel sowie Häufigkeit der Nutzung filtern.

Um ifttt zu lieben, ist ein gewisser Spieletrieb, ein Drang zur qualitativen Verbesserung des digitalen Lebens sowie ein grundlegendes Maß an Experimentierfreude Voraussetzung. Wer dies sowie ein wenig Muße mitbringt, der wird es schwer haben, beim Ausprobieren des Dienstes keine Freude zu empfinden.

Von der Idee und vom Konzept, aber auch von der gestalterischen Umsetzung her ist ifttt für mich eines der großartigsten Webtools seit langem. Das war mein Urteil zum Start der geschlossenen Beta-Phase im Februar, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ausprobieren!

Über eure Task-Empfehlungen in den Kommentaren freuen wir uns!

Link: ifttt

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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22 Kommentare

  1. Ging mir ähnlich, dass ich noch nicht so viel eingerichtet habe, aber ich nutze ifttt z.B. um Fotos aus Instagram ausschließlich auf meinem privaten (@bergfee ) oder gezielt auf privatem und geschäftlichem ( @wohlgeraten ) Twitteraccount zu posten. Eine Variante, die anders nicht nutzbar wäre. Ich finde das sehr praktisch und baue das gewiss noch aus!

  2. die meisten sinnvollen automatismen erledigt pinboard.in bereits für mich: read it later artikel speichern, urls aus tweets abgreifen.
    den multi-broadcast von neuen posts auf meiner bandsite lasse ich über posterous laufen.
    finde ifttt äußerst interessant, hatte während der gesamten betaphase aber keinerlei anwendungsszenario gefunden, das mir was gebracht hätte. bzw. waren meine ansprüche zu gering. werde wohl aber nochmal einen blick auf die recipes werfen. inspiration tut bekanntermaßen gut.

  3. Habe es schon während der Beta ausprobiert. Sehr coole Sache. Nur einen Anwendungszweck habe ich noch nicht gefunden. Liegt aber nicht an ifttt, bin einfach zu wenig kreativ. Bei den Vorschlägen hat es einige nützliche Sachen dabei (SMS bei kommendem Regen, Tweets archivieren bei Evernote…).

    Fürchte mich nur etwas vor dem “Nerv-Potential”. Es gibt jetzt schon Leute, denen ich in Twitter folge, die jeden Tag um 12 Uhr eine Meldung “Zeit für die Mittagspause” absetzen und jeden Abend den Link zu ihrer Website tweeten.

    • Hallo Manuel,

      wie hast du das denn mit den SMS hinbekommen? :))
      bei mir funktioniert das irgendwie nicht :(

  4. GoogleReader starred Items zu Read it later hinzufügen (und das wird ja von pinboard gegrabbed).
    @martin: pinboard ist ganz nett, halt deutlich weniger social im vergleich mit delicious. als reiner cloudbookmarkingdienst mit zusatzfunktionalität aber ein feines ding.

  5. Naja, aber ich gebe doch nicht einer wildfremden Firma meine Passworte für alle möglichen Dienste.

    • Machst du auch nicht. Du wirst bei jeder Verknüpfung mit einem externen Dienst zu selbigem geleitet, wo du den Zugriff für ifttt autorisierst. ifttt erfährt zu keinem Zeitpunkt dein Passwort.

    • Kannst du das garantieren? ;)

    • Ich habe das jetzt nicht bis ins letzte analysiert, aber wie es aussah, sollte ich Name und Passwort auf der Seite von ifttt eingeben.

    • Andreas, ich wüsste nicht, wie ifttt beim Einsatz des OAuth an Passwörter gelangen würde.

      Das Verfahren ist ja mittlerweile Branchenstandard. Schwachstellen sollte man bekanntlich niemals ausschließen. Wenn es eine gäbe, wäre dies jedoch nicht spezifisch ein Problem für ifttt und seine Nutzer.

    • Hier mal ein Beispiel: Ich habe einen Task erstellt, der neue Einträge in einem RSS-Feed in mein Evernote-Notizbuch schreibt. Logischerweise benutze ich Evernote nicht für sensible Daten. Das heißt aber nicht, dass die Daten nicht privat sein können.

      Die Berechtigung, die ich für diesen Task bei Evernote geben muss lautet wie folgt:
      Autorisieren Sie “ifttt.com” auf Ihr Konto zuzugreifen für bis zu 365 Tage, mit Erlaubnis zu: Notizen erstellen, Notizen lesen und Notizen aktualisieren?

      Würde ich Evernote wirklich in der Praxis benutzen, dann wären da schon zwei Firmen, die Zugriff auf meine Notizen hätten.

  6. Ja, ich bin auch ein großer Fan von ifttt. Wobei ich bisher nur 3 Tasks angelegt haben. Mit dem ersten Task poste ich beim Bookmarken mit Delicious nach Posterous. Dabei kann ich den ursprünglichen Titel durch einen neuen für das Posting ersetzen. Im Kommentarbereich muss ich dann zwar per Hand die Tags setzen, aber das finde ich nicht sonderlich dramatisch. Um den Trigger auszulösen, werden Bookmarks mit dem Tag “posttt” abgegriffen. Auf Delicious sieht das dann so aus. Mit den beiden anderen Tasks erzeuge ich jeweils einen Eintrag bei Twitter und Facebook.

  7. Mein Killer-Task:
    Den ersten erwähnten Link in einem Twitter-Favoriten in Delicious abspeichern
    http://ifttt.com/recipes/263

  8. Auf Basicthinking wurde eine tolle Idee für ifttt-Tasks im Kommentarbereich gepostet: Endlos-Schleifen! Bestimmt eine sehr spassige Sache… ;)

  9. So wie ich das verstanden habe läuft der Trigger der eine Aktion auslöste alle 15min.
    Simt hält sich der Schaden durch ne Schleife in Grenzen

  10. Absolut volle Zustimmung beim Titel. IFTTT ist wirklich mal so ein kleiner, feiner, sinnvoller Service.

  11. Ich kann ifttt nur empfehlen, wie auch friendfeed, dlvr.it, ping.fm.

  12. Hallo in die Runde,

    also ich habe mich gerade auch bei iFttt angemeldet, ein tolles Ding bis jetzt :)))

    allerdings habe ich probleme beim Channel: “SMS” und “PhoneCall” bei mir lässt er sich nicht einrichten.
    Habt ihr eine Idee, woran das liegt? :))

8 Pingbacks

  1. [...] in Entzücken versetzen wird. Martin wies drüben auf Netzwertig darauf hin, dass Ifttt inzwischen öffentlich verfügbar ist. Jeder kann auf Ifttt jetzt also zahlreiche Dienste beliebig miteinander verknüpfen. Und [...]

  2. [...] netzwertig.com:  Offizieller Start von IFTTT: Das Beste seit langem [...]

  3. [...] und die Kontrolle über die eigenen Daten weitgehend zu behalten. Kollege Martin ist begeistert (Das Beste seit langem) und hat die Funktionsweise beschrieben:Der vollständige Name der Site «if this, then that» (= [...]

  4. [...] heißt ifttt (if this then that) wer den neuen Dienst noch nicht kennt sollte sich den Artikel auf Netzwertig [...]

  5. [...] geschlossenen Beta-Phase im Februar überhäufte ich den US-Dienst mit Lob, und daran hatte sich bis zum September nichts geändert.ifttt ermöglicht es Internetnutzern, Dutzende Onlinedienste und Webfunktionen miteinander [...]

  6. [...] Offizieller Start von ifttt: Das Beste seit langem [...]

  7. [...] technische Begrenzungen dieses Verfahren noch an seiner vollen Entfaltung hindern.ifttt hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und meinen Alltag im Netz in zahlreichen Aspekten optimiert. So sehr sogar, dass ich [...]